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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mark Wahlberg

Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

Alles Geld der Welt

Alles Geld der Welt hat bereits in den Medien mit jeder Menge internationaler Aufmerksamkeit von sich reden gemacht, die ich jetzt nicht mehr großartig ausführen möchte – allerdings lasse ich mir nicht die Chance entgehen, hier mal einige Spekulationen zu beenden, die in meinen Augen oft nicht richtig im TV wiedergegeben werden:
Wir alle wissen, dass Kevin Spacey wegen diesen Vorwürfen aus der Produktion geschmissen wurde, damit – so die offizielle Pressemitteilung der Filmemacher – “… die bedauernswerten Anschuldigungen gegen einen Nebendarsteller nicht einen Film beschädigen, an dem über 800 Schauspieler, Autoren, Künstler, Handwerker und Crewmitglieder mehrere Jahre lang unermüdlich und unbescholten gearbeitet haben.”
Fakt ist, dass Christopher Plummer schon von Anfang an die erste Wahl von Ridley Scott gewesen ist und sich die Studios im Nachgang für Kevin Spacey entschieden haben, da dieser als Oscar®-Preisträger eine wesentlich höhere Bekanntheit hatte und vermutlich mehr Zuschauer in die Kinos gelockt hätte.
Tatsächlich hat man sich deshalb gegen den Willen der Macher für ihn entschieden, bis dann die Vorwürfe auftauchten, die Scott seinerseits dazu nutzte, den von ihm schon anfangs favorisierten Christopher Plummer einzusetzen, was in meinen Augen definitiv die richtige Wahl gewesen ist.
Dies führt mich zu zwei Punkten: Einerseits erkennt man hier – in einem Film, in dem es perverser Weise um Geld geht – mit welchen Mitteln tagtäglich in Hollywood gearbeitet wird, um eigentlich sensationelle Gedanken und kreative sowie künstlerische Prozesse so niederzubügeln, dass sie an einen kalten, emotionslosen Markt angepasst sind und möglichst viel Geld in die Kassen spülen, was sich als negatives Beispiel an sich selbst rächte, da genau der gewünschte Vorteilseffekt durch die unentschuldbaren Anschuldigungen jetzt ins Gegenteil verkehrt wurde und man jetzt paradoxerweise Angst davor hatte, dass die Zuschauer den Film gerade deshalb boykottieren.
Andererseits ist es ein Paradebeispiel dafür, woran Hollywood schon seit Jahren erkrankt ist: Junge, talentierte, erfahrene und fähige Menschen trumpfen mit tollen Ideen, klasse Erfindungen, filmischen Interventionen und anderen brauchbaren Möglichkeiten auf, die dann allesamt von den Studios in eine massentaugliche, langweilige und von allen Spitzen befreite Lahmarschigkeits-Maschinerie umgewandelt werden, die sich weder am künstlerischen Potenzial, noch an freigeistigen Ideen, sondern einzig und allein an einer perfekt optimierten Vermarktungsstrategie orientiert, der nichts mehr heilig ist: Nischen werden nicht mehr bedient, man möchte niemanden mehr vor den Kopf stoßen und opfert seine prätentiösen Möglichkeiten einer öffentlichen Zurschaustellung, die in einer desaströsen medialen Schlacht endet.
Bei Alles Geld der Welt ist jetzt eher unfreiwillig genau das passiert, was ich so vielen Filmen immer wünsche: Er wurde von den alles beherrschenden Gier-Mentalitäten der Publisher befreit und genießt nun auf einmal wieder ungestört das künstlerische Potenzial, dass sich Scott anfangs genau so ausgemalt hatte, wie es jetzt final auf der Leinwand zu bestaunen ist: Mit einem Christopher Plummer in Höchstform!
Ganz ehrlich: Ich habe den Titel bereits gesehen, als die Anschuldigungsvorwürfe noch ganz am Anfang standen und die Presse sich noch nicht wie die Geier über die Story hergemacht hatte und habe es – da ich Spacey als Schauspieler höchst schätze, weil er einfach verdammt gut spielt – verflucht, dass man jemand so talentierten wegen dieser Scheiße nun von der Leinwand verbannt … obwohl es definitiv gerechtfertigt ist und dieser Schritt absolut richtig war.
Beim Sichten habe ich jede Szene mit Plummer dann gedanklich auf Spacey übertragen und mich gefragt, wie er das gespielt hätte … oder allein, wie es mit seiner Stimme geklungen hätte – und da war ich bereits zu Beginn vollkommen davon überzeugt, dass niemals in der Geschichte jemand anderes als Plummer diese Rolle hätte spielen dürfen, weil Spacey dafür einfach der absolut falsche Mann gewesen wäre.
Man merkt so sehr, dass Plummer die Rolle so sehr auf den Leib geschrieben ist, da er als Person auch viel mehr an den echten Paul Getty rankommt. Ich meine, eine direkte Golden Globe-Nominierung spricht ja auch Bände.
Was ich nun bedenklich fände, wäre, wenn die Öffentlichkeit diesen Film aufgrund seiner medialen Skandal-Ambivalenz ignorieren würde, weil einfach schon zu viel darüber geredet wurde, denn das hat er nicht verdient.
Im Gegenteil: Die Botschaft des Films sollte mehr unters Volk verteilt werden, da man hiermit einen völlig neuen Blickwinkel auf Geld und Reichtum angetreten hat, der meiner Meinung nach absolut sehenswert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Plummer war von Anfang an gewünscht und ist kein Ersatz, sondern die erste Wahl – er spielt perfekt und macht aus dem Film etwas Großartiges!
Die skandalträchtigen News rund um diesen Film sollte man einfach beiseite schieben und sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Nämlich, sich diesen Film auf die .kinotickets drucken zu lassen und ihn in einem Kino seiner Wahl zu besehen! Es lohnt sich – versprochen!

 
Nachspann
Nicht sitzen bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

Daddy's Home 2

Weihnachten ist die Zeit der Familien. Und damit auch die Zeit, in der wieder der ganze familiäre Quatsch ausgepackt und auf die Leinwand geschmissen wird: Bad Moms 2, Girls Trip und dazu gehört dann auch Daddy’s Home 2.
Aus dem nicht so prickelnden ersten Teil, der scheinbar genügend Erfolge abgeräumt hat, schloss man in Hollywood, dass dieses Jahr eine Fortsetzung folgen muss, die die Geschichte fortführen und zusätzlich exponieren soll.
Dies ist, betrachtet man das Kinopublikum in den Preshow-Sälen, auch sehr wohl gelungen. Ob die Lacher nun ob der Doofheit mancher Teilnehmer oder tatsächlich aus Unterhaltungsgründen stattfanden sei irrelevant: Der Coup ging wohl auf. Auch wenn mir die Schwarmintelligenz der Truppe eher weniger zusagt und ich darin vielmehr eine absolut synchrone Männerversion von Bad Moms 2 gesehen habe, die Stück für Stück abarbeitet, wodurch sich kürzlich die weibliche Filmriege durchgebissen hat.
Auch wenn die Botschaft mehr oder weniger wieder dieselbe ist wie in allen anderen Filmen dieser Klassifikation auch – man darf diesen Film gerne als Klischeemeisterwerk seiner Zunft einsortieren – und hat dann im Kino vielleicht sogar unerhofft viel Spaß beim Schauen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich für meinen Teil empfand ihn eher schmalzig und kann mich für diese Art von Humor weniger begeistern, der zwar viel Lärm produziert, aber nicht wirklich auf lebensverändernden Pointen fußt.
Das allgemeine Kinopublikum hat aber Spaß dabei und der sei jedem einzelnen von euch sehr wohl vergönnt.
Also schaut euch den .trailer an und entscheidet auf Basis dessen – die Bissigkeit von Mel Gibson nervt zwar zuweilen, tut aber ansonsten ihr übriges, um den Film immer wieder emporzuheben.

 
Nachspann
Komisch, aber bitteschön, der ganze Film ist nicht ganz so ernst zu nehmen. Das Rausstürmen darf man sich aber getrost sparen.
Kinostart: 7. Dezember 2017

Transformers – The Last Knight (3D)

Ist es nicht unglaublich, was für eine epische Macht aus einem Plastikspielzeug hervorgehen kann? Im Jahre 2007, als sich Michael Bay daran machte, eine erwachsenentaugliche Version der Hasbro-Spielzeuge zu verfilmen, ahnte noch keiner, was das für weitreichende Konsequenzen für die Filmindustrie haben würde.

Heute, im Jahr 2017, feiern wir bereits den fünften und gleichzeitig ersten Teil eines aufkommenden Transformers-Universums, dass sich ganz speziell an eine bestimmte Kundschaft richtet: Den Popcorn-Cineasten.

Mal im Ernst: In Transformers, und Transformers – Die Rache waren wir alle noch leicht begnügt damit, als man uns die Charaktere vorstellte, die Figuren einführte und wenigstens ansatzweise ein klein wenig Story bot, auch wenn da von Anfang an eigentlich nichts nennenswertes da gewesen ist, dass man nachträglich noch als tiefsinnig hätte bezeichnen können.

Spätestens im dritten Teil war jedem zunehmend klar, dass es hier nicht um Story oder Rahmenhandlung geht, sondern man einfach nur irre geil auf Special Effects gezielt, die Waffe abgedrückt und einschlagende Ergebnisse produziert hat. Nicht nur in Sachen 3D wurden Maßstäbe gesetzt, auch in punkto Optik und Filmtechnik hat man mit Avatar gleichgezogen und die Messlatte hoch positioniert.

Und Bay hat niemals aufflammen lassen, hier erzählerische Höchstleistungen vollbringen zu wollen, sondern er präsentiert. Und zwar affenscharfe Karren, megageile Transformationen, superscharfe Babes und eine Menge Haudrauf-Action, die absolut keine Hirnleistung erwartet, sondern einfach nur die niedersten Instinkte des Actionkinoliebhabers erfüllen will. Und wird.

Nachdem jeder weiß, was es mit den Autobots und Decepticons auf sich hat, beschäftigt man sich auch nicht länger damit, hier noch irgendwelche Erklärungen abzuliefern, sondern kümmert sich um die Superlative. Was in anderen Filmen nur angedeutet wurde, wird jetzt zum Hauptaugenmerk gemacht und bereits im Trailer ansatzweise präsentiert: Man fährt volle Geschütze auf und geht voll auf Action. Und in 152 Minuten Spieldauer hat man dafür auch genügend Zeit.

Und es macht tierischen Spaß – zwischen all den in letzter Zeit gesehenen Independent-Filmen – einfach mal hirnlos dazuhocken, ein Eis zu schlemmen und sich an der brachialen Action zu erfreuen, die hier gnadenlos von der einen zur anderen Minute vorprescht und die Zeit wie im Fluge vergehen lässt.

Allein die Optik ist den Besuch eines Megakinos wert. Und Leute: Je größer der Saal, je lauter die Boxen, je wuchtiger der Gesamteindruck, umso wertvoller das Erlebnis im Kino. Lasst die Dörfer hinter euch und verzichtet auf das nächstbeste Kino, sondern wählt eines aus, dass euch auch die dazugehörige Technik bieten kann, um diesem Film seine epische Macht zu lassen und ihn nicht auf Stereo-Sound runterbrechen zu müssen, nur weil die Kinos dafür nicht ausgelegt sind. Hier zählt nicht nur auf der Leinwand die Superlative.

Apropos Superlative: Meiner Meinung nach ist man jetzt auf einem Pegel angelangt, auf dem es kaum weiter nach oben gehen kann. Wenn man damit das Universum eröffnet und auch in Zukunft weiterhin Filme dieser Art liefern möchte, wird das die absolute Highlight-Kirsche auf der Torte des Kinojahres.

.kinoticket-Empfehlung: Bay erfüllt hier keinerlei Erwartungen an Story, Handlung oder sonstige bahnbrechende Elemente, sondern erfüllt einzig und allein den Zweck, megamäßige Effekte aufzubauen und mit niederschmetterndem Donner auf den Zuschauer niederregnen zu lassen.

Wer hier rein geht, sollte wissen, worauf er sich einlässt und die Show einfach genießen. Ohne Erwartungen wird man auch nicht enttäuscht, sondern mit einer Show der Superlative belohnt, die die Zeit im Kino unvergessen werden lassen.

Nachspann
❌ Für einen Film dieser Länge der kürzeste Nachspann, den ich jemals gesehen habe. Im Ernst: bleibt mal hocken und lasst euch überraschen, wie schnell der vorbei ist …

Kinostart: 22. Juni 2017

Original Title: Transformers: The Last Knight
Length: 149 Min.
Rated: FSK 12

Boston

Genau wie auch schon bei Sully kommt hier wieder eine Verfilmung, die nicht durch trickreiche Plot-Twists brillieren kann, da die Geschichte bereits landesweit durch die Medien gegeistert ist und so ziemlich jeder aufmerksame Nachrichten-Verfolger durchaus weiß, zu welchem Ende diese Story führt.
Sofern schließt das von vornherein schon mal alle Politik- und Weltgeschehen-Interessierten aus, hier einen durchaus spannenden Film zu sehen, der eine unglaubliche Geschichte wiedergibt und verarbeitet. Da man sich seitens der Macher dieses Umstandes auch ganz und gar bewusst zu sein schien, hat man sich auch von vornherein gar nicht erst die Mühe gemacht, hier irgendwas zu verschleiern oder mit Überraschungsmomenten aufzutrumpfen, sondern erzählt relativ bodenständig und souverän den Hergang aus allen möglichen Blickwinkeln.
Dies baut eine mehr oder weniger gelungene Handlungsverzweigung auf, da die Schauspieler hier nicht durch übermäßiges Talent glänzen, sondern halt einfach ihr Ding machen und man sich auch nicht großartig Zeit dafür nimmt, die Charaktere mit emotionaler Verbundenheit aufzuladen, sondern die einzelnen Stränge mehr oder weniger abfrühstückt.
Insgesamt hat sich mir der Anfang des Films als viel zu langwierig, wenig patriotisch und langatmig präsentiert, so dass ich glaube, dass durchaus das Gros der jugendlichen Kinozuschauer hier ihre Schwierigkeiten mit dem Film haben könnten.
Gegen Ende des Films wird es dann tatsächlich etwas besser. Es kommt mehr Drive in die Sache, die Erzählgeschwindigkeit wird durch mehr Actionmomente angehoben und die Anforderungen, die man aus den Szenen, die im Trailer angeteasert wurden, erwartet, werden zumindest entschädigt.
Dass man am Ende sehr gefühlvoll seine Respektsbekundung äußert, hier aber auch kein heroisches Denkmal menschlicher Interaktion aufträgt, lässt Zweifel am Originaltitel aufkommen (Patriot’s Day).
Dennoch war Wahlberg besser in seiner Rolle als der Trailer vermuten ließ und machte im Film durchaus seine Sache vorbildlich. Allerdings sehe ich auch viel Enttäuschung auf Seiten der Kundschaft, denn im Kino erwartet man irgendwo Spektakuläres, Spannung, Interessantes und irgendwo auch Schnelligkeit, die in einer Zeit, wo man nicht mit dem ersten Moment an sofort Aufmerksamkeit erzeugen kann, weil man anschließend über die Facebook-Timeline weggewischt wurde, geradezu überlebenswichtig für den Film ist.
Das Publikum sehe ich hier also eher in denen, die bei den Geschehnissen live dabei waren, evtl. sogar persönlich betroffen sind oder einfach die Zeit mit anderen gemeinsam neu aufarbeiten möchten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder völlig unvoreingenommen an die Sache rangehen und hier auch absolut keine Ahnung von den Geschehnissen aus dem Jahr 2013 haben, um im Kino dann eine überraschende Story geliefert zu kriegen.
Ansonsten bekommen man hier die aufgearbeitete Version der Vorfälle am 15. April geliefert, die die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln darstellt und hier nicht mit sonderlich packender Erzählweise vermittelt wird.
Der Anfang ist zäh, gegen Ende wird es besser – Wahlberg ist insgesamt klasse, jedoch fehlt mir persönlich einfach das gewisse Etwas, um diesen Film tatsächlich großartig sein zu lassen.

 
Nachspann
kommt nichts mehr. Rausgehen erlaubt.

Deepwater Horizon

“Oh mein Gott, nicht schon wieder ein Film, wo ein reales Ereignis verfilmt wird, das jetzt wieder bis aufs Blut ausgeschlachtet wird? Muss man wirklich alles zu Geld machen?”
So, oder so ähnlich könnte es einem ergehen, wenn man den Titel liest und sich Gedanken darüber macht, dass genau das eintreffen wird. Und der Trailer präpariert das Hirn zusätzlich mit amerikanischem Patriotismus, dem typischen Heldenmut und einer Story, die unter aller Sau ist.
Und tatsächlich, die ersten Sekunden des Streifens lösten im Kinosaal das blanke Entsetzen aus, keiner hatte wirklich Lust auf den Titel. Allgemeines Raunen ging durch die Reihen.
Sobald dann das Bild einsetzte, wurden die Stimmen leiser.
Und im Verlauf des Films saßen glaube alle mit offenem Mund betroffen schweigend da.
Was Deepwater Horizon in einer unermüdlichen und überzeugenden Weise generiert, sind Bilder, die deine Seele tief berühren. Nicht nur von den Kameraeinstellungen her, sondern die Eindrücke sind so gewaltig, dass wirklich jedem irgendwann der Atem stockt und man einfach nur gebannt auf das Geschehen starrt, ohne auch nur eine Sekunde seine Augen davon abwenden zu können.
Die Bildgewalt, die hier auf einen runterprescht, ist teilweise so heftig, dass im Saal nur noch Totenstille herrschte und keiner auch nur ansatzweise etwas anzumerken hatte oder sich in irgendeiner Weise äußerte.
Auch die vom Trailer angeschnittene Heldenehre, die sich die USA so gerne auf die Fahnen schreiben, wurde so dezent eingesetzt, dass sie nicht auf die Nerven geht, sondern tatsächlich dem Geschehen den Raum lässt, den es verdient. Und die Momente sind abartig, das vermag man sich als Zeitungsleser oder Nachrichtenschauer gar nicht ausmalen.
Die Umsetzung ist wirklich erstklassig und imposant und hinterlässt bei jedem Kinosaalbesetzer tiefe Furchen im emotionalen Spielfeld. Und das ist gut so.
Auch wenn im Abspann wieder die übliche Dramatisierung für unterhaltsame Zwecke-Meldung aufkreuzt, so empfinde ich den Film dennoch als wichtig, aufklärend und lehrreich, denn man bekommt als Zuschauer nicht nur ein Ereignis bildhaft vor Augen geführt, das tatsächlich so passiert ist, sondern erhält auch ganz tiefe Einblicke in diesen Zweig der Wirtschaft und fühlt sich gewissermaßen ein Stück weit selbst mitverantwortlich für die Geschehnisse, da man als “Kunde” tatsächlich auch irgendwo dafür sorgt, dass derartige Unternehmungen überhaupt stattfinden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die tiefe Betroffenheit, die ehrliche Bodenständigkeit und das sanfte Dahinscheiden des amerikanischen Heldenpatriotismus machen aus diesem Film ein Stück wertvolle Geschichtsaufarbeitung, die die Menschen ehrt, die bei dem wahren Ereignis 2010 ihr Leben gelassen haben.
Ich würde sagen, der Trailer hat mit dem Film überhaupt nichts zu tun und bete dafür, dass genügend Menschen über ihren Schatten springen und sich diesen Film ansehen – denn er ist es wirklich wert und trifft einen tief in seiner Seele.
Erstklassiges Kino, erstklassige Unterhaltung und eine wunderbare Geste von Kurt Russell an die Opfer des Unglücks.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf dann gern wieder nach draußen.

Daddy's Home – Ein Vater zu viel

Will Ferrell ist bekannt dafür, Rollen zu spielen, die vom Versagen und Gewinnen erzählen. Der Trailer von Daddy’s Home – Ein Vater zu viel zeugte bereits davon, sich den Gepflogenheiten der Schüchternheit und des Trimpfes zu widmen und einen Film zu erzählen, der sich in familiärer Atmosphäre seinen Charme zu verdienen versucht.
Ein Kumpel gab mir vorab den Tipp, hier nicht mit zu viel Erwartungen reinzugehen und das wohl passendste Publikum ever (die kringelten sich noch 10 Minuten nachdem der Trailer von Zoomania gelaufen war) sorgte zusätzlich für jede Menge positive Stimmung im Saal.
Vielleicht funktioniert die Komödie deshalb doch einigermaßen, weil hier zwar arg mit destruktivem Humor gearbeitet wird, der eher ins Macho-Proll-Klischee Amerikas passt als auf die gute Kunstbühne internationaler Filmgeschichte. Die eigenwillige und selbstironische Art von Wahlberg und Ferrell sorgt irgendwo für Unterhaltung, auch wenn man sich dieser Art von Witzigkeit erst ein klein wenig anpassen muss.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass so mancher hier seine lieben Schwierigkeiten hat und sich das Werk für jene stark in die Länge zieht. Genau wie bei Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers ist auch dieser Film auf einer Säule, die nicht so recht ins Geschehen der Mitte der Gesellschaft passt, sondern sich seinen eigenen Zweig aussucht und da drin punktet. Das Problem dabei: Wer sich geistig nicht in der Nähe dieser Säule befindet, der findet das alles schlichtweg nicht witzig. Und dabei hilft auch kein Toleranzgefühl oder irgendeine Form von Zufriedenheit.
Hat man sich einmal mit dem Humor abgefunden, schmiert sich der Film doch recht ansehlich durch die Gefilde der Zeit und hinterlässt auch hier und da komische Spuren.
Das Ende kommt mehr oder weniger wirklich verdient, zeugt hier aber wieder stark davon, dass der amerikanische Prollgehabe-Gedanke vielleicht doch nicht der verkehrteste war.
Auffallend: Wer bisher nicht wusste, was product placement ist, hat spätestens nach diesem Film einen eindeutigen Eindruck davon.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier sollte man nur reingehen, wenn man den Trailer argwöhnisch begutachtet und für sehenswert empfunden hat.
Wer auf der Suche nach einer lustigen Story ist, die gut ins Allgemeinbild des durchschnittlichen Films passt, der sollte sich eher vorsichtig an diese Geschichte wagen, denn das hier ist zeitweise kein Zuckerschlecken, sondern zähfließender Kruscht, durch den man sich durcharbeiten muss.
Schlussendlich überzeugte der Film meines Erachtens sehr stark durch das lachbehaftete Publikum, das in diesem Fall aber auch nicht als Standard hergenommen werden dürfte, sondern eher zu giggelig den Saal mit überdurchschnittlich starker Lache anfüllte.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf sich also getrost nach dem Abblenden verdrücken.

Ted 2

Dass im Kino fast alle 10 Minuten in einem anderen Saal schon wieder eine Vorstellung von Ted 2 startet, zeugt davon, wie viel sich die Kinobetreiber davon versprechen. Im Gespräch mit einer Einlassdame erwähnte diese, dass es fast schade ist, dass Filme mit einem derart niedrigen Niveau so viele Zuschauer ins Kino locken, während bildende und tatsächlich wertvolle Schöpfungen wie 12 Years a Slave noch nicht mal gezeigt werden, obwohl der sogar einige Oscars einheimste.
Und ja, die großen Vorstellungen mit Filmmaterial, das einen wirklich bildet oder sich künstlerisch im Arthaus-Sektor bewegt, dominieren wirklich nicht unbedingt die Plakataushänge an den Außenwänden der Kinos. Ich möchte nicht sagen, dass es die gar nicht gibt, aber man muss schon sehr genau hinschauen, um einen davon zu entdecken.
Und ja, ich gebe zu, der Humor von Seth MacFarlane trifft nicht unbedingt den Geschmack von jedem. Was anfangs noch überraschend grenzüberschreitend und gewagt bei Family Guy erfrischte, landete in den folgenden Staffeln dann eher in der Müllgrube des guten Geschmacks und wurde derart speziell, dass sich mit Sicherheit nicht nur ich mich davon abwendete.
Glückstreffer wie Ted dazwischen ließen in mir Hoffnungsschimmer aufkeimen und so ging ich mit ziemlich gemischten Gefühlen in den Saal.
Fakt 1: Bucht euch in volle Säle ein. Je mehr Publikum, desto mehr Spaß macht der Film. Und zwar, weil ständig einer lachen muss und das die Gesamtstimmung einfach spürbar hebt. Selbst, wenn dich die Jokes auf der Leinwand grade so gar nicht ansprechen, ermuntert eben das Lachen der anderen dazu, selbst doch schmunzeln zu müssen. Also Faustregel: Je mehr im Saal, umso besser für die gute Laune.
Fakt 2: Ted ist versaut. Und macht daraus auch keinen Hehl. Finde dich damit ab, dann stellst du ganz schnell fest, dass die Schiene des Versautseins hier dennoch präzise gezogen wurde und man so dem Sturz in den Abgrund immer wieder entkommt. Ob es manche super gelungenen Animationen von Ted sind, diverse Szenen, hier und da auch mal nur eine Andeutung, die wieder einen Hauch von Niveau in die Geschichte trägt – der ganze Film überrascht letztendlich doch mit einer gekonnten Inszenierung eines Themas, das trotzdem Tabuthemen bricht und schonungslos darüber redet.
Fakt 3: Was MacFarlane sowas von drauf hat, ist Musik. Mich begeisterte schon das Intro von Family Guy und hier haut der Film wieder und wieder einen Volltreffer nach dem anderen raus. Was die Geschichte zeitweise an Niveau verliert, heben die teils jazzigen, teils rührenden Klänge immer wieder auf ein Level, das musikalisch seinesgleichen sucht. Ganz ganz großer Pluspunkt an die Vertonung – die ist in höchstem Maße gelungen.
Fakt 4: Ich freue mich auf die nächsten Academy Awards und die Anspielungen auf Ted 2 dabei, denn irgendwo beweisen die Macher hier, dass sie es eben doch drauf haben und auf ihre Art einen Teil des Zeitgeistes wiedergeben, in dem wir uns heute befinden. Das Prozedere hinter der Kamera spielt auf allen Ebenen ganz große Professionalität aus, denn der Film weiß so zu überzeugen, dass jemand, der Arthaus liebt, sich dazu entschieden hat, Ted 2 erneut auf die Liste zu setzen, denn irgendwo tief drin rührt sich unerwarteterweise doch etwas in puncto Gefühle.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn Ted 2 im Trailer nicht unbedingt die gebildetste Schicht unserer Gesellschaft ansprechen will, gehört er für mich dennoch zu den Filmen, die man gesehen haben sollte.
Allein das fast getreue Wiedergeben des Zeitgeistes, der der Schöpfungsweise von MacFarlane innewohnt, ist den Besuch im Kino wert.
Grundsätzlich gilt: Mit 500 Leuten im Saal macht der Film mehr Spaß als nur mit 20 auf einer eigenen Hausparty. Also seht zu, dass ihr diesmal zur Masse hinrennt und mit ihr gemeinsam den Streifen konsumiert, dann kann daraus ein wirklich geiler Kinoabend werden.

 
Nachspann
gibt es einen, und der besteht nicht nur aus Buchstaben. Also keep calm and watch it.

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