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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Matthias Schweighöfer

100 Dinge

© 2018 Warner Bros. Ent.

Florian David Fitz ist ja eher für nachdenklichen Stoff bekannt, während Matthias Schweighöfer der Garant für deutsches Fremdschämen mit Ausnahmefällen ist: Seine viel zu kurze Rolle in Vielmachglas werde ich ihm nie vergessen.

100 Dinge hat bei mir schon im Vorfeld große Brechreize ausgelöst, da ich zum ersten Mal das Original aus Finnland wirklich kannte und dessen Bedeutsamkeit durch die schonungslose Komödienvergewaltigung Schweighöfers zu Grabe getragen sah.

Der Mensch, der diese Sache nämlich wirklich vollzogen hat und ganz andere Absichten dabei im Kopf hatte, hat dazu auch eine Doku gedreht, die man sich unter dem Namen My Stuff raussuchen und anschauen kann. Hier hat bereits der .trailer zu 100 Dinge ordentlich draufgehauen und prophezeit, dass das nichts gutes werden kann.

Tatsächlich liefert Warner Bros. Ent. hier aber keinen vollständigen Rohrkrepierer ab, sondern mischt das Gute mit dem Nützlichen: Man holt über nackte Ärsche und Fitz‘ sowie Schweighöfers Schwanz die Klientel in die Säle und setzt ihnen dann unterschwellige Nachdenk-Botschaften ins Hirn, die bei mir tatsächlich krampfartige Zwiespältigkeit auslösen. Man könnte sagen: Die Idee (geklaut?) ist gut genug, um sie durch einen Film zu zelebrieren und darüber wieder in den Köpfen zu bewegen, die Umsetzung und komödiante Ablenkung davon ist zu schlecht, als dass man hier von einem gelungenen Werk sprechen könnte: Es ist einfach gleichermaßen beides.

Fitz streut auch hier wieder viel von seiner unstillbaren Intelligenz ins Feld, die ihm viele aberkennen, weil er in meinen Augen im Schatten Schweighöfers immer ein wenig untergeht und etwas zu defensiv wirkt. Dabei sind seine Absichten und Denkweisen nahezu vorbildlich und liefern viel Tiefgründigkeit und Wissen verpackt in Herzensgeschichten an den Zuschauer ab.

Schweighöfer macht stattdessen weiter sein Ding und basht unterschwellig weiter auf der Werbeschiene rum, die ihm Til Schweiger ins Ohr gepflanzt hat und ist einfach wie er ist: Die meisten werden sowieso wegen ihm in den Film gehen und nicht, weil sie mehr über die Sache wissen wollen.

Und damit geht die eigentlich wichtige Botschaft halt gutbürgerlich den Bach runter und wird zwischen dämlichen Einwürfen und dümmlichen Liebesgeschichten am Ende nahezu vergessen, was mich wieder zurück auf My Stuff bringt: Wenn euch das Thema interessiert, dann schaut euch lieber das Original an und vergesst, was euch hier vorgesetzt wurde.

.kinoticket-Empfehlung: Stand von Beginn an unter einem schlechten Omen: Das Original hat hier ganz klar die Nase vorn: My Stuff.

Fitz gibt sich Mühe, eine Botschaft zu vermitteln und es fallen genügend intelligente Sätze, die es wert sind, dass man sich diesen Film anschaut, Schweighöfer und Co. tragen aber dazu bei, dass die Brisanz dabei völlig gekillt und am Schluss einfach nur ein dumm-herrlicher Film auf der Bühne steht und von der eigentlichen Intention niemand mehr etwas wissen will.

Ob das nun ein Gewinn für die Menschheit ist, oder man den Grundgedanken damit brachial zu Grabe trägt, mag jeder für sich entscheiden.

Nachspann
❌ lohnt sich nicht, sitzen zu bleiben, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: 100 Dinge
Length: 110 Min.
Rate: FSK 6

Vielmachglas

Gehen wir mal ein paar Schritte zurück:
Man nehme den Deutschen Film.
Man addiere Matthias Schweighöfer.
Man garniere mit etwas Intellekt der Drama-Vorzeigequeen aus Fack Ju Göhte.
Dazu noch ein Poster, das auf genau diese Punkte aufmerksam macht und einen .trailer, der beides kann: Hoffnung machen und Sorgen bereiten. Fertig ist das PR-Konzept von Vielmachglas … merkt ihr schon, wie einem die Vorurteilskotze den Hals emporschießt?
Cut!
Ich habe im Vorfeld nämlich schon viele sagen hören, dass sie sich definitiv keinen deutschen Film und schon gar nichts mit Matthias Schweighöfer ansehen werden. Okay, ich besorg die .kinotickets. Wähle den Saal, die Sitzplätze, lasse den Rest einfach Popcorn kaufen und organisiere vorsorglich ein paar Anschnallgurte, damit sie nicht gleich beim Namen im Vorspann aufstehen und rausspringen.
Da dieser Film heute erst anläuft, habe ich vorher nichts darüber sagen dürfen – selbst ein Augenzwinkern neben dem Plakat war mir verwehrt. Mancher wird sich jetzt an den Kopf greifen und sagen: “Mensch, Matthias Schweighöfer und eine deutsche Produktion – was willst du überhaupt? Gerade dir sollte doch klar sein, dass das einfach nur schlecht sein kann.”
Nein!
Es ist – mit Verlaub – der beste deutsche Film, den Warner jemals zutage gefördert hat. Und wenn sich die Vorurteile dann (dank meiner Anschnallgurte) abgebaut haben, gelangt man zu einem Schluss … und ja, ich schreibe das hier tatsächlich … bei dem man sich wünscht, Schweighöfer hätte einfach mehr Leinwandzeit bekommen, denn er hat eine verdammt coole Rolle und wurde von der Presse durchweg positiv aufgenommen.
Und Haase? Das blöde Tantchen, dass sich in Doof über Schminke, gespielte Unbeholfenheit und närrisches Kindisch sein auf der Leinwand auslässt? Weit gefehlt: Auch sie hat die Challenge akzeptiert und erbaut ein schauspielerisches Erbe, dass ihrer Persönlichkeit anheim fallen soll und sie aus ihrer Paraderolle erlöst, durch die sie deutschlandweit und teils sogar international Ruhm erlangt hat: Sie zeigt, dass auch sie definitiv mehr auf dem Kasten hat und man sich in Zukunft gerne ihrer bedienen darf, wenn es darum geht, authentische Rollen glaubhaft rüberzubringen.
Meine Frage an den Verleih ist also: Wieso? Wieso verbietet ihr es uns, so lange nichts über diesen Film zu sagen? Wieso durften wir nicht viel eher die Menschheit damit anfixen, dass das Zeitalter tatsächlich angebrochen ist, in dem deutsche Filmemacher das Kunstwerk fertigbringen, Drama mit Comedy zu verbinden und nichts davon auch nur ansatzweise Anzeichen von Fremdschämen aufweist?
Diese ungesehene Lockerheit, das natürliche Auftreten, die ungezwungenen Dialoge … und ja, schon wieder richtig gelesen: erstklassige Dialoge – in einer deutschen Produktion!!! … all das in einem Streifen, der kaum Platz für kritische Auseinandersetzung lässt?
Wow!
Woran liegt das, dass es auf einmal doch möglich ist, einheimisches Filmmaterial zu sichten ohne dabei den Dauerbrecheimer vollzukotzen?
Eine Sache hab ich euch bislang verschwiegen: Es ist wieder mal ein Debütfilm, diesmal von Florian Ross. Und ich hab keine Ahnung, wie es da mit der “Mitsprache” seitens der Verleiher läuft. Aber eines steht fest: Es gibt in der Geschichte kaum Beispiele von Debütfilmen, die so schlecht sind, dass sie der Welt als immerwährende, klaffende Wunde der Filmhistorie im Gedächtnis geblieben wären, sondern fast alles namens Debütfilm war bis jetzt ein einschlagender Erfolg.
Was also macht ihr an dieser Stelle richtig?
Die Zuschauer sollten jetzt auf jeden Fall eines tun: Ausschwärmen, ihre Taschen mit .kinotickets füllen und den Machern zeigen, dass diese Form der Unterhaltung genau das ist, was man sich als halbwegs gebildeter, anspruchsvoller Zuschauer wünscht und signalisieren, dass mehr dieser Art auf die Bühnenflächen geworfen werden sollte.
Und nachdem Deutschland es gerade mit Humor und Kinofilmen so überhaupt nicht hat, darf – nein muss!!! – man sich mit Vielmachglas davon überzeugen, dass Vorurteile niemals das Mittel der richtigen Wahl sind, sondern man jedem Titel immer wieder eine neue Chance einräumen muss, sich selbst zu beweisen.
Der Kampf hat funktioniert und Vielmachglas gehört damit für mich erstmalig zu der Sorte Filme, in die ich bedenkenlos jeden Kritiker, Hater, Comedygebeutelten und bislang Enttäuschten schicken werde, denn dieses Wunder begreift nur, wer es wahrhaftig selbst erlebt hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist eigentlich unglaublich, denn deutsche Comedy war bislang immer ein totaler und vor allem tiefer Griff ins sprichwörtliche Klo.
Die Bausteine, um genau den wieder zu vollführen, liegen alle parat und Florian Ross baut daraus den bislang besten, beeindruckendsten und grandiosesten Film, den dieses Land je hervorgebracht hat.
Nicht nur die Botschaft stimmt, sondern die Tour wird aufgelockert durch Auseinandersetzung mit der Moderne und viele kleine, seelische Reisen in die Tiefe der Unendlichkeit – begleitet von der bisher besten Performance von Matthias Schweighöfer, den ich ab jetzt nur noch in solchen Rollen sehen will.
Warum? Warum darf ich erst so kurz vor Kinostart dafür empfehlen? Damit das Startwochenende zusätzlich erschwert wird?
Leute, geht einfach da rein: Deutschland kann es … Vielmachglas ist der Beweis!

 
Nachspann
beinhaltet keine zusätzlichen Shots oder After-Credit-Scenes. Gebt den Saal zum Putzen frei.
Kinostart: 8. März 2018

Hot Dog

Til Schweiger behauptet ja, die Presse würde per se seine Filme scheiße finden und ist deshalb scheinbar auf Kriegsfuß mit denen.
Die Kritiken, die man bisher über Hot Dog lesen konnte, sagen auch absolut nichts anderes, außer dass der Film riesengroßer Mist ist.
Und der .trailer ist die größte Grütze, die ich je gesehen habe.
Und dann kriege ich eine Presseeinladung vor die Füße. Und gehe hin.
Jetzt wisst ihr, mit welchen Erwartungen ich im Kinosaal saß und mir das neueste Werk mit Til Schweiger und Matthias Schweighöfer angesehen habe.
Ich stehe offen dazu, dass ich weder ihn noch ihn leiden kann und meinen bisherigen Rezensionen kann man entnehmen, dass ich auch keinerlei Sympathien für ihre bisherigen Werke empfinde. Warum sollte sich das also mit Hot Dog ändern?
Entweder bringe ich jetzt viel zu viel Toleranz mit, oder man hat mich heimlich gekauft und ich hab’s nicht mitgekriegt oder irgendjemand anders schreibt in meinem Namen diese Rezension – ich weiß es nicht.
Fakt ist: Mit diesen unterirdischen Erwartungen (und guten Freunden, die mit einem über die misslungene Scheiße im Saal lästern können) kann der Film richtig Spaß machen.
Oder wir verbiegen einfach alle unser Hirn und nicht den Löffel. Achnee, das war was anderes. Aber in der Tat sollte man so etwas in dieser Art tun, außer man himmelt die zwei an wie zwei gottähnliche Wesen.
Genau das ist nämlich der einzige Zustand, in dem man den Film meiner Meinung nach irgendwie gut finden kann – und selbst das wurde von den Produzenten ja bereits gesagt: Die weibliche Riege würde es allein schon gut finden, wenn Schweigi und Schweighöfi die ganze Zeit nur in die Kamera starren würden.
Sollen wir es wirklich wagen und mal über den Plot diskutieren?
Klischee. -s. Ohne. Ende. Und zwar so abartig schlecht, dass sie Anwärter für die Goldene Himbeere, SchleFaZ und alle anderen Negativpreise auf einmal sind. Und zwar auf genau dem Niveau, zu dem weder Schweiger noch Schweighöfer in ihren bisherigen Filmen jemals offen gestanden haben.
Tatsächlich bedienen sie aber genau diese Klientel und ziehen hier förmlich intellektuell endlich mal beide ihre Hosen aus und stehen offen zu dem, was sie fürs Kino produzieren. Und der Anblick missfällt.
Als geeichter Kinogänger kann man gar nicht genug drauf gestoßen werden, mit welchen billigen Tricks und Mittelchen hier gearbeitet wird, um irgendwelche “Sekundenbonuspoints” einzukassieren, die dann von Sympathisanten auf YouTube als Vorschaubildchen genutzt werden können (Schweighöfers nackter Arsch z.B.) und diese Art, einen auf “Oh wow, wir lassen jetzt auch unser Weißes Haus niedermetzeln, ach scheiße, wir haben ja keins, was gibt’s denn hier an trächtigen, weltbekannten Regierungsgebäuden?” zu machen, wirkt nicht nur albern, sondern lächerlich.
Alles – wirklich alles in, an und um den Film drumrum ist krank. Und ich sage das als jemand, dem Kino Spaß macht, der davon lebt, dessen Herz nicht schlägt, wenn keine Lichtfetzen auf der Leinwand rumtanzen und der sich jeden – wirklich jeden – Scheiß anschaut!
Ergo (ich versuche, wieder etwas Niveau zu kredenzen) kommen wir zu dem Schluss, dass dieser Film überhaupt nicht ernst gemeint sein kann, sondern von Anfang an einfach ein “Wir geben euch Schweighöfer und Schweiger in einem Film und ihr könnt ihre wunderbaren Fressen bestaunen und sonst nichts” war und wir alle einfach zu blöd sind, um zu kapieren, dass da niemals mehr sein wollte.
Liest man die Vita des “Künstlers”, der sich für diesen Film verantwortlich zeigt (nein, weder Til noch Matthias haben hier ihre Griffel im Spiel gehabt – eigentlich erstaunlich), stellt man schnell fest, dass er ein absoluter Schweiger-Sympathisant ist und in so ziemlich allem mitgewirkt hat, das Til bisher gemacht hat. Also keine vorhandenen Schmerzgrenzen, was guten Geschmack oder pointierten Humor angeht. Was erklärt, wieso Hot Dog so ist, wie er ist.
Apropos Hot Dog: Wusstet ihr, dass McDonalds jetzt auch Hot Dogs anbietet?
Warum ich das weiß? Naja, die haben einen Promofilm, der derzeit in den Kinos gestartet ist und bundesweit das Portfolio des Fast-Food Riesen aufführt und jedem noch so naiven Kinogänger ins Gewissen schreibt. Überhaupt mal ein paar Worte zum Thema Product Placement:
Generell habe ich nichts dagegen, wenn sich Filme, Serien, Künstler, Fernsehsender oder sonst wer über Product Placement finanziert. Aber es sollte dezent gehalten und dem Zuschauer nicht so offensichtlich unter die Nase gerieben werden.
Richtig gelungen finde ich es, wenn man einen Film gesehen hat, hinterher auf Facebook feststellt, dass übelst die PP-Diskussion im Gange ist und man erst nochmal in den Streifen reingehen muss, um nachzusehen, worüber die sich alle eigentlich gerade beschweren. Dann finde ich es richtig gelungen. Alles andere ist … naja – armselig.
Hot Dog hat kein Product Placement. Hot Dog IST Product Placement! So penetrant und abartig, wie hier mit Gegenständen durch die Luft gewirbelt wird, grenzt es nicht nur an Peinlichkeit, sondern überschreitet das Maß aller Dinge. Ganze Dialoge wurden rein ausschließlich für externe Firmen geschrieben und die kniefällige Hingabe an die solventen Werbeträger grenzt an sklavische Unterwürfigkeit des Kinos vor den mächtigen Firmen dieser Welt – ein ganz ganz schlechtes Vorbild, um beim “simplen Volk” punkten zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: Glückwünsch: Ihr braucht in Zukunft keine Speisekarten beim Fast-Food-Produzenten mehr lesen, sondern kriegt sie für 10 € einfach vorgespielt, um danach für 1 € zu speisen.
Überladen mit Product Placement, lächerliche Plots, einfach stupider Buddy-Schwachsinn, der eigentlich nur ein Ziel verfolgt: Til Schweiger und Matthias Schweighöfer wieder mal für ein paar Minuten über die Leinwand kriechen zu sehen – ohne jedweden Anspruch, Seele, Herz oder irgendwelchen anderen nennenswerten Mehrwert.
Für ein “Gratis”-Ticket von der Presse durchaus okay, als zahlender Kunde würde ich keineswegs da rein wollen. Und würde auch niemandem raten, das zu tun – außer ihr wollt Schweighöfers Arsch sehen. Aber da ist mir der Schwanz von Deadpool dann doch lieber 😉

 
Nachspann
Genauso seltsam wie der Film – aber eben mit merkwürdigen Schnitten drin. Also bleibt meinetwegen ruhig sitzen.
Kinostart: 18. Januar 2018

Bullyparade – Der Film

Michael Bully Herbig gehört in Deutschland zu einem der ganz großen – zumindest, was meinen Geschmack und meinen Humor angeht. Seine berühmte Bullyparade war damals Aushängeschild im TV und hat eine ganze Generation begeistert.
Nachdem Stück für Stück all jene abgetreten sind, die man als Herangewachsener heute aus seiner Kindheit schmerzlich vermisst, landet nun endlich ein Meilenstein deutscher TV-Geschichte auf der großen Leinwand und bietet somit allen Fans die Chance, ihre Lieblinge nochmal auf dem Screen bewundern zu dürfen.
Und die Show lohnt sich! Die Dichte der Gags, die gewohnt übliche, durchgeknallte Form humoristischer Überlegenheit, der “alte Charme” – all das ist wieder da und besticht mit wahnsinniger Freude die Fans und das Publikum. Es fühlt sich an, als wäre die Bullyparade in seiner Gänze auf einen Kinofilm projiziert worden und man hätte einfach nur die Werbepausen von damals ausgelassen und stattdessen mit noch mehr Gags gefüllt.
Der Saal war jedenfalls am Brüllen vor Lachen und der Film erhielt bereits weit vor Kinostart schon standing ovations vom Publikum, die – zumindest meinen Interviews nach – alle sofort nochmal reingegangen wären.
Auch ich werde mir jetzt ein finales Bild dieses Films geben und die Chance nutzen, wieder und wieder reinzugehen, sofern es die Zeit zulässt, denn hier hat man endlich wieder einen deutschen Großmeister, der sein Handwerk wirklich versteht und dem nichts zu schade ist, um es in den Dreck zu ziehen, so dass eine ganze Nation sich darüber herrlich amüsieren kann.
Mehr davon!!!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz groß!
Nehmt euch die 14-Uhr-Vorstellungen vor, dann habt ihr direkt im Anschluss die Chance, gleich nochmal reinzurennen, denn ihr werdet sie brauchen.
Die Gagdichte ist überragend, die Jokes überzeugen, die Schauspieler können’s einfach und die deutsche Doofheit hat Zutrittsverbot. Mehr davon!

 
Nachspann
Es ist Bully: Sitzenbleiben! Schon in der TV-Show gab es damals immer Outtakes und dieser Marotte ist man sich beim Kinofilm genauso treu geblieben!
Kinostart: 17. August 2017

Vier gegen die Bank

Wer sich den Trailer ansieht, fühlt sich zurückerinnert an die Zeiten in den 90ern, wo die wirklich schlechten Horrorfilme mit mega üblen Trailern beworben wurden und die Grotte der Darstellung anschließend auch genauso heftig ins Minus wanderte, wie der Trailer es anfangs versprach.
Genauso ging es mir mit Vier gegen die Bank, in dem zwar so ziemlich alles, was das deutsche Kino hergibt, zusammengesammelt wurde um mit hierzulandiger Größe und Publikumswirksamkeit zu punkten, allerdings hatte ich nach dem ersten Einblick in den Film schon von vornherein keine Lust auf die Vorstellung.
Man bloggt, man schaut sich trotzdem alles an, man rezensiert auch für andere – ergo kommt man um die Vorstellung sowieso nicht drumrum. Also Augen zu und durch.
Meine Kinobegleitung ist nach den ersten 15 Minuten auch gleich mal eingeschlafen (es sei ihm nicht zu verübeln), denn das Erzähltempo und der Spannungsaufbau lassen quasi auch gar nichts anderes zu. Die Doofheit, mit der man hier versucht, Hollywoods Größen mit Eigenproduktionen zu schlagen, ist nicht nur lächerlich peinlich, sondern sorgt auch für jede Menge Fremdschämmaterial und dafür, dass ich noch nicht mal Ambitionen erwägte, meinen Begleiter wieder zu wecken in der Hoffnung, er könnte verpassen, wenn der Film dann doch noch ins Positive umschlägt und mit trickreichen Wendungen und sehenswerten Momenten punktet.
Ich hatte ja schon von Anfang an keinerlei Hoffnungen diesbezüglich mehr, also hab ich ihn kurz nach Eintreten des Abspanns dann wieder aus den Tiefen des Traumlandes entführt und gen Ausgang begleitet.
Verpasst hat er nichts. Nicht nur, dass nach den wahnsinnig spoilerhaften Einblicken im Trailer der gesamte Plot quasi absolut vorhersehbar war, sondern die Erzählgeschwindigkeit (sorry, dass ich es nochmal erwähne) war so dermaßen träge, dass man an dieser Stelle besser getan hätte, hätte man das Werk auf 10 Gesamtminuten runtergekürzt, um sich tatsächlich nur um das Wesentliche zu kümmern und die ganzen Pausen und das ewige Genörgel um Wesenszüge, die sowieso schon jeder errät, außen vor zu lassen.
Dazu mag ich weder Schweiger noch Schweighöfer sonderlich und die TV-Pominenz deutscher Landen haut mich jetzt auch nicht unbedingt sofort vom Hocker. Diese Herrschaften müssen sich also in meinem Fall doppelt anstrengen, um das Ruder irgendwie rumzureißen und getan haben sie genau das Gegenteil.
Was dann letztendlich mega nervt, ist die aufgesetzte Größenwahnsinnigkeit, die man beispielsweise beim Soundtrack hergenommen hat, mit der man an Megaproduktionen wie Bourne erinnern wollte, bei dem auch immer wie in  Agentenepen ein einziger Ton als Dauergrundlage für den umgebenden Soundtrack verwendet wird und man – sofern man es tatsächlich kann – dann ein Momentum generiert, dass tatsächlich leicht an Bond erindert.
Pustekuchen: Hier wirkt das einfach nur lächerlich, blöd und losermäßig. Gleichermaßen beim Abspann. Sofern ihr zu denen gehört, die zwei Abspielkonstruktionen ihr Eigen nennen, legt einfach mal auf ein Fenster Vier gegen die Bank und aufs andere Die Bourne Identität und lasst den Abspann laufen. Die Parallelen sind fast schon ein YouTube-Video wert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Vergesst es.
Weder der Plot noch die Darbietungen lassen sich mit dem Kauf eines .kinotickets rechtfertigen, obwohl die Idee gar nicht so doof ist und in dieser Geschichte absolut Potenzial steckt.
Petersen hat dann aber alles versemmelt, was kaputtzumachen ging und in meinen Augen das schlechtmöglichste Ergebnis geliefert, das nicht nur im Kino für Stimmungsverdruss sorgt, sondern an seiner Peinlichkeit gegenüber anderen Hollywoodgrößen kaum zu überbieten ist.
Daumen runter.

 
Nachspann
läuft nur in Textform und bietet keinerlei weitere Szenen oder Bilder.

Der geilste Tag

Ein Matthias Schweighöfer-Trailer und ich muss lachen: Verheißt nichts gutes? Oh doch. Meine Vermutung war: Das hier wird der erste Schweighöfer-Film, mit dem ich tatsächlich warm werde.
Mit der Vermutung lag ich leicht daneben, denn Regie hat ein gewisser Florian David Fitz, der erstgenannten nur in seinem Kielwasser mitschleppt und damit dafür sorgt, dass diese Komödie tatsächlich funktioniert und bei Leuten wie mir punktet.
Hier wurde wirklich mal lustig agiert und neben all der sonst grottig-schlechten deutschen Komik eine Form von Humor verwendet, die ich Fitz hoch anrechne, denn dieser Film macht wirklich Spaß. Man hat zu lachen, man hat zu kämpfen, man fiebert mit und wird auf Wattewölkchen durch die endgültige Welt der beiden getragen, die nicht nur eine Überraschung in sich birgt.
Könnt ihr solche Regie-Konstellationen nicht einfach öfters aufstellen und somit dem deutschen Kino doch zu mehr internationalem Ruhm verhelfen? Denn wenngleich am Ende immer die Sympathie darüber entscheidet, ob wir einen Film gut finden oder nicht, so wurde hier doch etwas mehr Abstand von der obskuren Gedankenwelt Schweighöfers genommen und damit wieder ein gemeinsames Vielfaches in Sachen Schaufreudigkeit geschaffen.
Der Film ist immer noch deutsch, trägt deutsche Wurzeln und bandelt hier und da auch ein kleines wenig mit der Filmmentalität unseres Landes an, lässt dabei aber erfreulich viele negative Seiten dieser Filmweise hinter sich und eröffnet den Weg zu neuen Welten.
Ich hatte durchaus meinen Spaß und war nicht enttäuscht darüber, mir diesen Titel angesehen zu haben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch nicht davon abschrecken, dass Schweighöfer hier mitspielt: Die Zügel hat Florian David Fitz in der Hand und das ist gut so.
Denn nun schippert die Story wieder ordentlich durch die Zeit. Der Spannungsverlauf ist völlig in Ordnung, die Jokes sind teilweise echt richtig gut und auch das emotionale Gefühl, das jeder Film in einem auslösen möchte, gehört hier nicht zu schlechten Eltern.
Gerne weitermachen und mehr in diese Richtung produzieren. Reingehen lohnt sich auf jeden Fall.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf also aufspringen und sich wieder der Normalität widmen.

Robinson Crusoe (3D)

Die Geschichte wurde inzwischen millionenfach erzählt und birgt auch für neue Zuschauer keine großen Geheimnisse mehr. Mit einem herausragenden Cast hat man versucht, etwas Pep in die Story zu bringen und sich der animierten Variante der 3D-Technik bedient, die hier auch ganze Arbeit leistet.
Leider muss man sagen, dass das auch wirklich das beste – und fast einzig gute an dem Film ist. Als Erwachsener sitzt man eher etwas verloren im Kino und wartet auf die übliche Abarbeitung der gängigen Filmstandards, die aus einem animierten Streifen einen Massenerfolg machen. Gepaart mit Namen wie Cindy aus MarzahnMatthias Schweighöfer und Dieter Hallervorden ist auch sofort klar, welches Klientel damit ins Kino gelockt werden soll.
Nur dass bei letzterem das Ergebnis ganz und gar nicht den Erwartungen standhält. Es wirkt fast so, als wolle nach Fluch der Karibik kein weiterer Film mehr gelingen, der sich gleichen Thematiken widmet, obgleich in der Animation fast keine Grenzen vorhanden sind, die es zu überwinden gilt.
Die Story plätschert so dahin, die Profiltiefe der einzelnen Charaktere ist auch eher seicht und wartet nicht mit erwähnenswerten Überraschungen auf und auch sonst bringt der Film weder Schwung, noch Action, noch Ideenfrische oder andere Kleinigkeiten mit, wegen denen man sich die Mühe machen und ins Kino wandern sollte. Hier haben andere Schmieden eindeutig die Nase vorne.
Hallervorden wirkt mit seinen vergleichsweise noch besten Gags teilweise völlig verloren im Sumpf der Unterschiedlichkeiten und nimmt hiermit fast schon unfreiwillig an einem Projekt teil, dass sich zunehmends der Belanglosigkeit widmet und gedanklich schnell wieder in Vergessenheit gerät.
Somit sollte man sich wirklich überlegen, ob es den Gang ins Kino tatsächlich wert ist oder man sein Geld lieber anderweitig investiert. Denn lohnen tut sich meiner Meinung nach hier nur das 3D. Und da gibt es mittlerweile andere Streifen, bei denen diese Technik zum Einsatz kommt und sich das Zuschauen dann auch noch wegen anderen Faktoren lohnt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Von den Namen der Sprecher sollte man sich hier nicht in die Irre führen lassen, sondern lieber den Trailer genau anschauen und Vermutungen anstellen, was daraus alles gebastelt werden wird.
Großartige Überraschungen bleiben nämlich genauso aus wie die Entwicklung und Vertiefung der charakterlichen Eigenschaften oder einem Ende, das zu überzeugen weiß.
Einzig das 3D ist es wert, diesen Film zu sehen, aber ob dies wirklich ein Grund ist, sich 90 Minuten lang im Saal aufzuhalten, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 
Nachspann
Diesmal war man konsequent und hat die Animation auch bis zum Schluss durchgezogen. Schön in 3D.

Highway to Hellas

Christoph Maria Herbst steht für gute Laune. Und schlechten Humor. Oder guten. An seiner Paraderolle Stromberg scheiden sich definitiv mal die Geister. Und das ist gut so, denn es macht dem Allgemeinlustigfindklischeebrei der großen Masse schon von Anfang an den Garaus. Man muss nicht alles mögen. Und es müssen auch nicht alle alles mögen.
Highway to Hellas kommt meines Erachtens wieder viel zu spät, da die Griechenland-Krise angesichts der Flüchtlingssituation ja schon fast wieder vergessen ist und keinen mehr so richtig interessiert. Und genau da rein hätte dieser Film so richtig gepasst.
Gute Laune, miteinander klarkommen, auf menschlicher Ebene zusammenfinden – als ich den Trailer zum ersten Mal gesehen habe, war die Krise noch brühwarm und ich dachte mir: Schau an, gleich ins Kino damit – richtig so!
Und dann dauerte es, und dauerte, und dauerte … schade eigentlich, denn jetzt ist es fast zu spät, um das Thema noch witzig zu finden und sich darüber so richtig köstlich zu amüsieren, während im Hinterstübchen die Pointe schlummert und die Menschheit ungesehens wieder graderückt.
Sei’s drum. So bleibt ein zweitklassiger Film, der politisch nicht mehr so richtig in Wallung kommt und daher eher nur noch wie fade Hinterzimmer-Comedy wirkt und einen unappetitlichen Nachgeschmack hinterlässt. Als Stand-Alone-Machwerk hätte ich von Herbst wesentlich mehr erwartet, um im internationalen Kampf um gutes Kino zu bestehen.
Die Jokes zünden teilweise, wirken aber eher als Klamauk und nicht als ernstzunehmende Komik, während das Thema – wie schon gesagt – viel zu spät auf der Bühne der Welt präsentiert wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die hartgesottenen Stromberg-Fans sollten sich den Film definitiv anschauen, denn ihr Star ist wieder auf der Leinwand. Und das tut irgendwie gut.
Alle anderen dürfen abwägen, ob ihnen der Trailer bereits zusagt und sie mit dieser Art von Humor grün werden. Wenn ja, dann ist es der richtige Film, denn der Trailer hält sich an das, was er verspricht. Alle anderen haben derzeit mehr als genügend Auswahl, um im Kino die richtige Vorstellung zu finden.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also aufspringen und nach Hause rennen.

Der Nanny

Im Vorfeld wurde dieser Film ja selbst in meinem Bekanntenkreis hochgelobt. Ich persönlich hatte bisher noch nie mit den Trailern von Matthias Schweighöfer-Filmen sympathisiert und war dementsprechend gespannt, wie der neue Film von ihm bei mir ankommen würde.
Nun – ich finde ihn stellenweise übertrieben. So lustig die Aktionen der Kinder sind, so sehr gehen sie einem nach ein paar Minuten auf die Nerven. Klassisches Fehlverhalten von Spielfilmcharakteren in deutschen Movies. Wieso – wieso zur Hölle müssen wir uns international auf der Leinwand immer derart blamieren?
Genauso war meine Vermutung angesichts Matthias Schweighöfer richtig: Ich komm mit seiner Art zu spielen nicht zurecht. Er nervt. Dieses ständige Gezappel, Gerenne, Rumgeblödel und natüüüüürlich will man wieder gaaaaaanz groß rauskommen und hat gleich ein mords Projekt am Start … irgendwie fehlt mir hier eine Sache gänzlich, und das ist: Authentizität. Schweighöfer passt so ganz und gar nicht in seine Rolle, sondern man hat zeitweise das Gefühl, dass er sich die Figuren raussucht, die er privat gerne sein möchte, da aber nicht auf die Reihe bringt.
Hier hat mir Schweiger in Honig im Kopf mit seiner Rollenauswahl wesentlich besser gefallen. Sei’s drum.
Die einzige Szene, die an sich wirklich zum Lachen war, war rot. Da atmete ich seelisch kurz auf und hatte die Hoffnung, dass man das Steuer doch rumreißen und sich von der Klischeedeutschheit abwenden würde… nein. Anschließend geht es bergab.
Der Nanny (was ist das überhaupt für eine bescheuerte Bezeichnung) hat selbst nichts besseres verdient, als mit solchen Kindern gesegnet zu sein, denn der Typ hat nicht nur den Schlag nicht gehört, sondern ein ganzes Trommelkonzert verpasst. Derart viel Antipathie zu einem Menschen hatte ich filmisch gesehen glaube noch niemals. Selbst, wenn er versucht, in der verrückten Schweighöfer-Familie einiges auf die Reihe zu biegen – netter Versuch, der aber kläglich scheitert. Auch hier wieder: Kennt irgendjemand von euch auch nur annähernd eine Person, die im wahren Leben so ist und so handelt?
Gekrönt wird die ganze Fremdscham zum Schluss dann mit der rührselig-schmalzigen Applaus-Version eines klassisch-langweiligen Alles-ist-gut-Ende, bei der jeder Charaktergierige seine Portion Loorbeeren abbekommt und ruhmreich nach Hause tragen kann, während der Kinozuschauer auf den Pallisaden steht und müde über das Schauspiel lächelt.
Schade eigentlich. Kann es wirklich sein, dass der einzige deutsche Film, der mich bisher wirklich mit Witz und Charme überzeugen konnte, von einem Rapper ist, den die halbe Welt auf den Tod nicht ausstehen kann?
Nunja, ich persönlich finde es auch viel schwieriger, einen witzigen Film zu gestalten und dabei den Geschmack von vielen gleichzeitig zu treffen, als beispielsweise Action oder Horror. Da ist es wesentlich einfacher, weil klarere Grenzen gesteckt sind, die man erreichen und überschreiten kann. Der Grat zwischen Funktionieren und Floppen ist bei Humor und Comedy derart schmal, dass er manchmal schon gar nicht mehr existiert.
Oder es liegt daran, dass der Bürger durchs stupide Fernsehen derart übersättigt an “Humor” ist, dass in diesem Feld einfach kein großer Krieg mehr zu gewinnen ist?
Für mich war’s auf jeden Fall mehr enttäuschend als ein Genuss. Sorry, Schweighöfer-Fans.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte vorher bereits Filme von Matthias Schweighöfer gesehen und geliebt haben, dann kommt man hier sicherlich auf seine Kosten.
Wer mit seinem Humor nichts anfangen kann, der wird nur enttäuscht und sollte sein Ticket lieber für andere Filme lösen. Klischee, Vorausschaubarkeit und typisch-deutsche Schlechte-Fernsehserien-Nervereien geben sich hier die Klinke in die Hand und sorgen dafür, dass Hollywood wieder einmal in der Gunst des Mögens obsiegt.

 
Nachspann
wartet nochmal mit einer kurzen Szene auf, die man ruhig auch noch mitnehmen darf.

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