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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mexiko

Sicario 2

Sicario war die Wucht – und wer den ersten Teil noch nicht kennt, sollte dies schnellstmöglich nachholen. Nicht nur dramaturgisch ist man besser bedient damit, wenn man die Vorgeschichte zu all dem kennt, sondern der Film als solches ist eine wahre Filmperle, die das Kino in seiner Größe und dem Crushing-Moment revolutionierte.
Mit Sicario 2 verspricht man nun, die Saga fortzuführen und die Bande vollkommen zu entfesseln. Ganz ehrlich? Der .trailer löste Gänsehautfeeling bei mir aus und ich hatte diverse Nervenzusammenbrüche, als man kurzfristig den Release-Termin auf November datierte. Dem ist ja nun gottseidank nicht so.
Tatsächlich entpuppt sich der zweite Teil als ein “Ankommen in der Filmserie”: Man hat von ganz oben das “GO” für die Reihe bekommen, der erste Teil hat sein Geld eingespielt und nun kann’s endlich richtig losgehen! Und das merkt man.
In der Fortsetzung wird’s etwas ruhiger in der Erzählweise, was jedoch nicht heißt, dass es weniger “shocking” wäre. Die Bilder sind genauso beeindruckend, der Style wird beibehalten und man entführt erneut an die Grenzen der Legalität und lässt das Gewitter des Hasses auf den Zuschauer hinab regnen.
Josh Brolin und Benicio del Toro haben schon im ersten Teil verdammt gute Eindrücke hinterlassen, die werden im zweiten Part nicht ganz so düster, jedoch genauso beeindruckend fortgeführt und man spürt, dass der ganze Film eigentlich als riesiger Auftakt für alle weiteren Teile dient. Und damit spiele ich auf das großartige und extrem vielversprechende Ende des Films an, das einen dritten Part quasi unabkömmlich macht. Und den wollen wir auch unbedingt sehen.
Oder um es mit den Worten eines Zuschauers aus dem Männerabend zu sagen: “Wenn ich Popcorn gehabt hätte, wäre danach mehr als die Hälfte über gewesen: der Film hat mich gefesselt. Daheim im TV macht der keinen Spaß, Sicario 2 braucht das Kino, damit er lebt.”
Das bringt es vollkommen auf den Punkt. Möge die Show beginnen, denn mit dem heutigen Donnerstag wird endlich das nächste Sicario-Zeitalter eingeläutet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Part II liefert nun den gigantischen Auftakt für ein Fest des Hasses und der Gewalt, das sich in dieser stilvollen Form seinen Platz auf der Leinwand redlich verdient hat.
Und damit ist nicht die Glorifizierung von Gewalt gemeint, sondern eine stylische Auseinandersetzung mit einem ewig andauernden Thema, dass die USA unlängst “begeistern” dürfte. Brolin und del Toro liefern einmal mehr großartige Arbeit ab und beginnen nun eine hoffentlich lang andauernde Reise durch immer weitere Sicario-Filmteile.

 
Nachspann
❌ einmal mehr der grandiose Soundtrack, der schon im ersten Teil so berauschend war. Weitere Szenen folgen aber keine mehr.
Kinostart: 19. Juli 2018

Wahrheit oder Pflicht

Okay, Klartext: Im Presseheft ist vom “Meister des Horror-Films Jason Blum” die Rede, von “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen”, von “Geschichte, deren Rahmenbedingungen eine Herausforderung sind”.
Ich blätter wieder zu, schau nochmal auf das Cover: Jap, ist wirklich von Wahrheit oder Pflicht die Rede.
Gut, ich hatte den .trailer im Rahmen der Sneak Preview bereits angeteasert gesehen, und die ist grundsätzlich FSK 18 – also darf alles gezeigt werden, auch im Vorprogramm. Und es hat mich nicht begeistert, sondern eher enttäuscht. Alle anderen so: “Ja, der wird mega geil!” – Ich so: “Ähm, ich hab da so meine Zweifel, denn der .trailer zeigt bereits genügend Macken, die eigentlich voraussagen, dass das Ding einfach scheiße wird.”
Was eignet sich besser, als den Film einfach zu sichten? Nichts. Kein Gelaber mehr – Fakten auf den Tisch.
Hand hoch: Wer will nochmal die Abhandlung über das “Horror”-Konzept von Blum hören? Bausteine? Billiger Plot? Keine Lust, irgendwas explizites zu kreieren? Usw.? Keiner?
Gut, dann erspar ich euch das an der Stelle und rege mich heimlich und leise über was ganz anderes auf: Dieser Schuppen hat mit Get Out unfassbare Summen eingefahren, er hat – und ich meine, mich daran zu erinnern, darüber auch bereits schonmal lautstark rumgenölt zu haben – Herausforderungen wie die The Purge-Reihe auf die Rippen gestellt, Happy Deathday als Überraschung im Kino gebracht und jetzt zu all dem noch Kohle in den Taschen.
Und was kommt?
Wahrheit oder Pflicht.
Ernsthaft jetzt?
Ich mein, nicht dass der Titel nicht vielversprechend wäre und man daraus nicht eine endgeile Story rauskitzeln könnte, so mit “Welt geht unter – alles am Arsch … Raumstation … letzter Funkspruch: Wahrheit oder Pflicht?” – Nein… Achso… ähm … ja, hier war ja was mit “ich spoiler nicht” – äh … stimmt, aber das kommt ja auch nicht. Jason Blum als Leihgabe für miesen Horrorgeschmack ist in seiner Meister-des-Horrorfilms-Genialität ja längst über all unsere Vorstellungen hinaus und hat die grundgeniale Kombination an Überraschung und Grandiosität entdeckt. Nicht.
Es ist nämlich einfach nur billigster Abklatsch von allem bisher dagewesenen, nur in unlustig und langweilig. Der ganze Film hat überhaupt keinen Drive, die einzige Stelle, die wenigstens lustig und langweilig war, war wieder so selten dämlich, dass man sich das auch hätte ersparen können und während der Show haben mir links und rechts ständig Leute reingequasselt, was sie meinen, das als nächstes passieren wird.
Und – ihr dürft raten – sie haben ihren Satz teilweise kaum zu Ende sprechen können, da ist es auch schon passiert.
Scrollen wir noch einmal zurück: “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen” – was zu lassen? Rätselhaft? Was denn? Wenn jede kleinste Handlung bereits schon Stunden im Voraus von jedem Dahergelaufenen vorausgesagt werden kann? Ernsthaft jetzt? MEISTER DES HORRORFILMS?
Mir kommen die Tränen!
Und ich erinnere nochmal daran: Dieser Verein schwimmt mittlerweile im Geld! Sie könnten also … ordentliche Drehbuchschreiber engagieren… äh … der hat ja schon mal einiges geschrieben.
Unter anderem das Drehbuch zum X-Men/Deadpool Spin-Of X-Force, der uns im Herbst beglücken soll.
DAS ist nun wahrhaftiger Horror.
NEEEEEEEIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNNNNNNNNNNN…
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab gewonnen: Er ist so, wie ich im .trailer bereits vermutet hab.
Aber andererseits haben Blum-Filme es ja nicht umsonst auf das Treppchen des Erfolgs geschafft, also irgendwelche Geister muss es geben, die dafür .kinotickets ordern und ihn damit erfolgreich machen. Denen wird der Stoff dann sicher auch gefallen.
Ich fands ehrlich gesagt nur zum Kotzen – und das ist allein meine persönliche Meinung, von der ihr euch alle bitte überhaupt nicht beeinfluss… ach vergesst es!

 
Nachspann
Nö. Also einfach nein.
Kinostart: 10. Mai 2018

Gringo

… oder die total absurde Geschichte wie aus Harold “Harry” wurde als Untertitel sagt ja eigentlich schon alles aus, was?
Tatsächlich lehnt der bereits mit political incorrectness belegte Titel an eben jene Schiene an und bringt wieder jede Menge Spannung in die verbohrten Muskeln der heute politisch verkrümmten Welt: Man möchte sich aus dem ganzen Wust an Reglements freikämpfen und erobert das Herz des Zuschauers durch etwas völlig Simples: Plumpen Humor auf hoher Ebene.
Dabei feuert man zielsicher auf eben jene, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, dafür zu sorgen, dass wirklich ein jeder in heutiger Zeit alle Eventualitäten, Rassen, Gruppierungen, Abarten und Kindeskinder mit anspricht und sich nicht mehr um die Sache als solches bemüht, sondern im Sumpf der gefühlt grausamen Pflicht der sprachlichen Vergewaltigung bis hin zur Unleserlichkeit bzw. der bürokratischen Aussprache erschöpft und man zwar Mann und Frau, Es und Etwas und auch alle, die nicht davon betroffen waren, benannt hat, jedoch im Schwulst der Gruppierungsbezeichnungen völlig vergessen hat, was man eigentlich sagen wollte.
ÄH …. ja. Genau.
In Gringo habt ihr keine Zeit für solchen Schwachsinn, weil man eure Lachmuskeln wieder etwas mehr strapaziert und statt sich mit dem Unfug rumzuschlagen, sollte man lieber beherzt ins Popcorn greifen und sich den Streifen wohlig zu Gemüte führen.
Zwar hat man am Schluss nicht das Gefühl, jetzt etwas Großartiges gesehen zu haben, allerdings ist der Streifen gut genug, um ihn nicht in der Masse untergehen zu lassen und pointenreiche Jokes sind en masse vorhanden. Vor allem der Beginn macht unheimlich viel Spaß und man hätte – meiner Meinung nach – dieses Tempo einfach bis zum Schluss durchziehen müssen, doch da ging den Machern ein wenig die Puste aus.
Ist dieser Film deshalb nicht würdig, einen Abend dafür im Kino zu opfern?
Doch. Man sollte – und zwar völlig vorurteilsfrei, denn wie so oft schon gesagt: Geschmäcker sind verschieden und wer weiß, ob nicht vielleicht gerade du derjenige bist, für den dieser Film wie maßgeschneidert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gelacht werden wird in jedem Fall, auch wenn das Tempo gegen Ende des Films sehr nachlässt und die ballungsreiche Moral ein wenig fehlt.
Für Unterhaltungszwecke super zu gebrauchen und mit Popcorn und Softgetränk bewaffnet ganz sicher die richtige Wahl für einen amüsanten Kinoabend.

 
Nachspann
Rausgehen erlaubt – hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 05. April 2018

Coco – Lebendiger als das Leben (3D)

Man sagte mir, Coco sei der schönste Film des Jahres. Ich schau mir das Plakat an und sehe Disney und entwickle erstmal Abneigung. Abneigung wegen Geldgeilheit, die seit Jahren auf dem Rücken kleinerer Kinos ausgetragen wird.
Und ja, auch heute, wo ich mich auf Presseservern bewerbe, um Einlass an den Pforten der großen Verleihe bitte, um an Bildmaterial zu kommen und nicht einfach etwas aus dem Internet zusammenklaue, weil das nicht meine Art ist – nie meine Art war – auch da traue ich mich noch, gegen so einen großen Dino der Filmwelt aufzustehen und meinen Unmut über das Gebaren dieses Konzerns lautstark zu äußern.
Ich halte immer noch nichts von den kapitalistischen Riesen, die alle kleinen Verleihe der Reihe nach schlucken, nur um anschließend allein die Weltherrschaft an sich zu reißen und im Alleingang bestimmen zu können, wie diese Welt zu funktionieren hat.
Im Klartext: Alle Kinos drücken eine bestimmte Prozentzahl der Ticketeinnahmen an den Verleih ab. Demnach obliegt es jedem Kinobetreiber selbst, zu entscheiden, welche Filme gezeigt werden um dann aus den Ticketeinnahmen + Snackverkauf den Laden am Laufen zu halten. Glücksspiel quasi.
Konkurrenz wie Netflix, Amazon Prime oder Apple appellieren immer mehr an die Kundschaft, weniger ins Kino zu gehen und stattdessen lieber VOD zu nutzen, um die neuesten Blockbuster zu sichten, weswegen es kleinere Kinos sowieso schon schwer haben, Kundschaft an Land zu ziehen.
Daraus folgt, dass die Kinos entsprechend Programm bieten müssen, um auch weiterhin Leute anzulocken, die dann nicht nur Tickets kaufen, sondern auch im Kino verzehren, da sie sonst pleite gehen.
Tun sie das, ist das der Tod für Independent-Produktionen, die auch kleineren, mittelloseren Produzenten ermöglichen, Filme in die Lichtspielhäuser zu bringen um damit die kulturelle Vielfalt zu erhalten und nicht eines Tages nur noch massenproduzierten Einheitsbrei auf den Leinwänden zu sehen. Denn riesige Kinoketten und Multiplexkinos haben weniger Interesse daran, Nischenfilme zu zeigen, die sowieso nur wenig Kundschaft anlocken, aber viel mehr unterstützt und gezeigt werden sollten. Niemand wünscht sich Diktatur im Cinema – und genau darauf steuert man aber zu, wenn man den kleinen Kinos so hinter dem Rücken langsam den Saft abdreht.
Und in diesem Szenario kommt Disney und erhöht vorsichtshalber mal pauschal die Prozentpunkte bei den abzuführenden Abgaben, die die Kinos zu leisten haben so stark, dass kleinere Kinos nun Filme von Disney entweder pauschal aus dem Programm nehmen müssen, die Leute bleiben aus und Werbung für andere Angebote dieses Kinos laufen ins nichts… oder so dermaßen tief in die Taschen greifen, dass die restlichen Filme im Programm so starke Einnahmen generieren müssen, die dann den Verlust der Disney-Filme kompensieren.
Und so ein arschiger Schachzug von einem Unternehmen, dass einst für friedliche Familie, Zauber und Magie stand und einfach nur gute Laune vermittelt hat?
Dagegen mein entschiedenes Nein!
Warum will ich dann trotzdem auf den Presseserver von Disney?
Weil sie ihre Masche, die eigens erarbeiteten Erfolge im Zuge von Giga-Produktionen ohne Herz und Seele zu Grabe zu tragen, dadurch kompensieren, dass sie andere Unternehmen schlucken, die ihrerseits recht ansehnliche Gewinne einfahren. Dazu gehören die Marvel-Studios, dazu gehört Lucasfilm und eben auch die Pixar Animation Studios, deren Filme quasi ein Kinoerfolgsgarant sind.
Und letztere hatten hier die Federführung, weswegen dieser Film tatsächlich einer der schönsten des Jahres geworden ist, denn der Erfolg ist auch hier jede Minute spürbar.
Man sieht schon am Plakat die herrliche Farbenpracht und imposante Bildkraft, die sich nicht nur konsequent durch den immens langen Film schlängelt, sondern wie immer den Weg ins Herz des Kinozuschauers bahnt.
Und die Story ist diesmal so ergreifend, dass mich ein paar Journalisten tatsächlich gefragt haben, ob ich dieses Thema für Kinder nicht zu schwierig finde, da diese nach so einem Film ja eigentlich schwer depressiv wieder aus dem Kino gehen, weil die Situation einfach nur tief traurig ist.
Womöglich. Ich weiß es nicht. Ich finde eher, dass man sich dessen mal sehr lustig, liebevoll – aber auch lehrreich angenommen hat und hier auf spielerische Weise etwas sehr wertvolles vermittelt, dass sehr wohl nachdenklich macht, aber in sich trotzdem mit genügend Humor gespickt ist, der Kleinkindern viel eher im Gedächtnis hängen bleibt als die vergleichsweise komplexe Message, die meines Erachtens dann eher an die älteren der Familie appelliert. Hier würde ich also lieber auf “Das kapieren die eh noch nicht” setzen, als ein Verlangen nach höherer FSK laut werden zu lassen.
Fakt ist: Unterhaltung ist da – auf sehr hohem Niveau. Sehr liebevoll gestaltet, auf seine ganz eigene Art und Weise gemacht und durchaus ohne die Eskapaden benetzt, die man aus neueren Disney-Filmen so kennt. Also wirklich ein Werk, dass spüren lässt, dass hier Geld drin steckt aber gleichzeitig nicht den emotionalen Bezug zum Zuschauer verliert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Kinder, die hinterher auch Fragen stellen dürfen und bei denen man bereit ist, auch über gefährliche Themen in diesem Alter zu reden, definitiv ein sehenswerter Film, der auf allerhöchstem Niveau für Spaß und gute Unterhaltung, aber auch für Nachdenklichkeit und Tiefsinnigkeit sorgt.
Lasst euch vom .trailer nicht abschrecken, der Film ist viel viel besser und auch viel liebevoller, als es auf den ersten Moment den Eindruck macht.

 
Nachspann
darf man sich gerne anschauen, hier wird wieder grandios gesungen!
Kinostart: 30. November 2017

(Trailer) Terminator 2: Tag der Abrechnung (3D)

Zum heutigen .trailer möchte ich eigentlich nicht viel sagen, außer: Schaut ihn euch an und freut euch tierisch drauf – genau wie ich. Im Ernst: Es wird der absolute Kracher. Aber seht selbst:
 
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Nn2KojlG-0Q?rel=0&w=560&h=315]
Ein absoluter Klassiker präsentiert von © Studiocanal
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Was waren es für Zeiten, als Terminator 2: Tag der Abrechnung in den Kinos lief und alle Welt begeisterte. Mittlerweile sind wir so weit in der Zeit vorangeschritten, haben so viele technische Errungenschaften erobert, haben so große Wandel auch im cineastischen Sinne er- und durchlebt, dass es fast unglaublich ist, ein so vergleichsweise altes Werk wieder auf der großen Leinwand bestaunen zu dürfen.

Und Leute: Der Moment ist absolut magisch! Wenn Arnold Schwarzenegger erneut durch die Weltgeschichte eiert, um seine Aufträge zu erfüllen und die Geschichte ein weiteres Mal erzählt. Man sitzt im Kino, kann – als absoluter Fan der Terminator-Reihe – jedes einzelne Wort mitsprechen und feiert den bis dato besten Terminator in seinem Lieblingskino im Jahr 2017! Was für ein Fest!

Sofort spürt man den Unterschied, welche Machenschaften damals aktuell waren. Dass mit Technik nicht viel gemacht wurde und höchstens hier und da mal ein paar visuelle Effekte eingepflegt wurden, die jedoch eher verpönt waren, weil es das Gesamtbild des Realistischen einfach verzerrte und aus einem perfekten Film nur etwas Zweitklassiges werden ließ.
Terminator 2 ist nicht zweitklassig, sondern glänzt auch heute noch mit einer unverkennbar wichtigen, eindrücklichen und wohlüberlegten Botschaft, die ihre Wirkung auch jetzt auf der Leinwand immer noch nicht verfehlt.
Die Liebe und Hingabe, die James Cameron damals in sein Werk investierte, zeigt sich auch aktuell bei der von ihm persönlich überwachten, in 3D konvertierten Fassung, die den Film technisch auf das aktuelle Niveau hebt, ohne ihn durch modernen Schnickschnack zu verschandeln.
Zwischen den technisch perfekten, unglaublich in die Tiefe projizierten Bildern (Cameron wusste natürlich, welche Szenen sich perfekt dafür eignen und hat sich auf eben diese spezialisiert) finden sich immer noch die Original-Material-Aufnahmen, wodurch man spürt, dass man auch heute dem Werk immer noch einen tiefen Respekt zollt und nicht mit Modernität überrumpelt und der Ansicht ist, es einfach alles besser zu können und dadurch nochmal die gleiche Geschichte neu verfilmt respektive einfach alles neu rendert.
Die Schärfe ist extrem – die Bilder unglaublich plastisch und mit immenser Detail-Tiefe bereichert, während der Film selbst noch den Charme seiner Zeit ausstrahlt und eben ein echtes Original ist, von dem man meinen könnte, es wäre heute erst gedreht worden. Mad Max: Fury Road (3D) und seine authentische Stunt-Darstellung lässt grüßen.
Dieser Respekt gegenüber dieser Zeit, die tiefe Verneigung vor der unglaublich visuellen Kraft, die man damals in seine Filme gesteckt hat, findet sich auch in der dreidimensionalen Neufassung wieder, die im Kino zu sehen definitiv Pflicht ist. Denn: Cameron wollte der heutigen Jugend einen Film näherbringen, den man damals gesehen hat – auf DVD – und nicht in dieser unfassbar coolen Fassung, die es am 29. August 2017 in den Kinos zu bestaunen gibt.
Also rein da!
 

.kinoticket-Empfehlung: Es fühlt sich an, als wäre man selbst in der Zeit zurückgereist und all die Probleme, in die uns unsere Geschichte gefahren hat, seien vergessen: Man bekommt nochmal eine Chance, während Edward Furlong gerade in den Kinos vorgestellt wird.
Die Originalität dieses Meisterstücks wurde in keinster Weise verbogen oder durch irgendwelche modernen Techniken verschandelt, sondern dem Werk wurde der ihm gebührende Respekt gezollt, während man die Geschichte topmodern und technisch auf absolut einwandfreiem Niveau erneut der Jugend in den Kinos vorführt.
Gut so, denn das ist ein unangefochtenes Beispiel für einen wahrhaft sensationellen Film, der alles mitbringt, was das Kinoherz liebt: Action, Schauspieler-Originale und eine fantastische Story, die man mittlerweile in den Sand gefahren hat.
Damals war sie noch in Ordnung – und am 29. August wird sie es wieder sein. Eure Chance!

 
Nachspann
Wie damals – nichts neues mehr nach dem Abspann – außer dem aktualisierten 3D-Abspann, der die Mitarbeiter würdigt, die hier wirklich unfassbare Arbeit geleistet haben. Danke Jungs!

(Trailer) WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt

Willkommen zurück zum Trailer-Sonntag auf .kinoticket-blog.de – heute mit einem außergewöhnlichen Kinostück, dass mich nicht nur persönlich mehr als fasziniert und bewegt hat, sondern auch gefühlt die komplette Gegend meiner Heimat in seinen Bann gezogen hat (der Saal war restlos ausverkauft + Warteschlange hinten dran!).
Darum auch diesmal ein .trailer, dessen Wartezeit kürzer ist denn je, denn die Screenings sind bereits in vollem Gange und sollten von euch so oft und viel genutzt werden wie nur irgend möglich.
 
[vimeo 211668510 w=640 h=360]

WEIT. Trailer präsentiert von © weit on Vimeo

 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Ich spreche aus eigener Erfahrung, da auch ich schon viele Länder bereist und viel von der Welt und anderen Kulturen gesehen habe und so manche Aussage durchaus mit eigener Erfahrung bestätigen kann:
Die Welt ist längst nicht so, wie sie uns hier in Europa in den Medien präsentiert wird, sondern man entdeckt sehr viel – nicht nur über andere Menschen, sondern vor allem über sich selbst, wenn man reist.
Reisen verändert dich – du kommst als anderer Mensch wieder zurück und bist in vielen Dingen gewachsen.
Reisen zeigt dir, was wirklich Schwierigkeiten und Probleme sind und lässt deinen Alltag ganz anders aussehen, als du ihn vorher vielleicht in Erinnerung hattest.
Diese beiden nehmen dich mit auf ihren ganz persönlichen Trip und erzählen dir Dinge, die du ganz sicher nicht auf dem Schulhof mitkriegst oder dir auf Arbeit erzählt werden.
Du bekommst die Chance, Einblicke in fremde Länder zu erhalten, fremde Kulturen, fremde Strapazen ohne dabei selbst die langen Wartezeiten und harten Schwierigkeiten durchmachen zu müssen, sondern du darfst währenddessen ganz entspannt im Kinosessel liegen und dein Popcorn futtern.
Viele Menschen haben regelrecht Angst vor der Veränderung, die es bedeuten würde, aufzubrechen und eine Weltreise anzutreten, viele haben Schiss vor der scheinbaren Unsicherheit, wenn man seinen Job kündigt oder die Wohnung aufgibt und auf einmal “nichts mehr hat” – und schrecken vor solch einer Erfahrung zurück und verwehren sich den dadurch gewonnenen Erkenntnissen vollends.
Mit WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt bekommt jeder für kleines Geld die Chance, dennoch um die Welt zu reisen und diese beeindruckenden Faszinationen und Momente zu erleben, ohne dabei seine (Schein)Sicherheit aufgeben zu müssen und selbst den Arsch hochzuhieven.
Und wer weiß, vielleicht entdeckt dadurch ja jemand seine Reisefreudigkeit ganz neu oder gräbt sie wieder aus …
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv sehenswert mit höchst anspruchsvollem Inspirationsgeist, der nicht nur den inneren Schweinehund beflügelt, sondern frischen Wind und neue Lebenskraft einhaucht.
Die gezeigten Momente und Orte sind atemberaubend und ermöglichen den Zugang zu völlig anderen Teilen dieser Erde, von der wir – sind wir ehrlich – so gut wie kaum Ahnung haben.
Nutzt diese Gelegenheit und besucht die Kinos.

 
Nachspann
Enthält kein weiterführendes Material, listet aber spannende Facts und Menschen auf, denen die zwei auf der Reise begegnet sind. Liest sich für jemanden wie mich durchaus spannend!
 
Weitere Videos auf Vimeo.comhttps://vimeo.com/weitumdiewelt
(Hier erhält man schon mal einen kleinen Einblick, wie der Kinofilm ungefähr sein wird…)
Website: http://www.weitumdiewelt.de

Nichts zu verschenken

Dieser Film ist thematisch eine Offenbarung, wenn er sich mit ganz alltäglichen Situationen auf komische Weise auseinandersetzt und dabei trotzdem zeigt, wie zermürbend so ein Verhalten sein kann.
Ich persönlich kenne viele, die im echten Leben zwar nicht ganz so krass, jedoch ähnlich vorgehen und ich kann diese Verhaltensweise nicht verstehen. Dieser Film zeigt einmal mehr, dass es sich nicht lohnt, die Gepflogenheiten der Gesellschaft unreflektiert zu übernehmen. Was auf den ersten Blick als Gewinn aussieht, entpuppt sich im Nachhinein als zerstörerisches Verhalten ohne jeglichen Bonus.
So eine ernste Botschaft verpackt in so einen wunderbaren französischen Film, bei dem jede Menge Szenen sind, die das Zwerchfell beanspruchen, gehört für mich zu großartiger Regisseurskunst. Überhaupt wurde mit extrem viel Detailliebe gearbeitet. Wenn sogar der Mülleimer optisch zu den Fensterbrettern im Viertel passt, merkt man, dass hier extrem penibel auf Kleinigkeiten geachtet wurde und wenig dem Zufall überlassen.
In sich ist das Konzept stimmig und verbreitet im Kino jede Menge gute Laune, die weder aufdringlich noch überspitzt oder anderweitig verzogen rüber kommt. Man hat viel zu lachen, wird aber nicht verarscht oder intellektuell unterfordert. Auch das Ende überrascht mit einem wendungsreichen Plot und lässt dich als Zuschauer am Schluss vergnügt wieder in die Lande ziehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer unaufgeregtes und dennoch tempolastiges Kino der französischen Art mag, der ist hier gut aufgehoben.

 
Nachspann
Sollte man noch abwarten, hier kommen noch ein paar Szenen.

The Shallows

Lange habe ich auf diesen Film hingefiebert. Ich liebe Wasser. Ich liebe Einsamkeit. Ich liebe abgefuckte Situationen in solchen Filmen, aus denen sich ein oder mehrere Personen heraus befreien müssen.
Und der Trailer verspricht genau das. Eine Show zum Niederknien mit einer brachialen Soundwucht, dass es dir schon jetzt den Atem verschlägt.
Wie schon bei Chasing Niagara bestaunt man auch hier wieder mit höchst ästhetischem Anspruch die Kunstform Wasser und huldigt der Natur auf eine ganz großartige Weise. Allein dieser Fakt ist schon ein Grund, in den Film zu gehen und sich einfach von den gezeigten Bildern und Impressionen beeindrucken und mitreißen zu lassen.
Der Plot um die unwirklichen Ereignisse mag an manchen Stellen jetzt hadern und auch nicht sonderlich gut animiert sein, allerdings sollte man bedenken, dass es sich hierbei auch nicht um eine Produktion in der Größenordnung The First Avenger: Civil War handelt, sondern wesentlich weniger Mittel zur Verfügung standen und dieses Thema in der Filmwelt sowieso eine Nische mit wenig Erzählpotenzial ist.
Und unter diesem Aspekt hat man es wirklich gut gemeistert. Nicht nur Blake Lively macht hier eine wahnsinnig gute Figur, sondern auch die Akustik und die Bilder sehen brachial gut aus und entführen einen kurz auf einen unwirklichen Trip, bei dem jeder froh ist, dass er selbst nicht so eine Scheiße durchmachen muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kino ist zum Ausbrechen aus dem Alltag da – und der Film liefert genau den richtigen Stoff, um exakt dies zu tun.
Blake Lively macht alles richtig und auch im Film sind – bis auf das Ende – keine großartigen Idiotie-Ideen am Start, die den Film nicht sehenswürdig machen.
Wer einfach mal einen abartigen Filmtrip erleben will, für den ist The Shallows genau das richtige.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, bei Abblende darf man wieder aus dem Kino flüchten.

James Bond 007: Spectre

Heiß herbeigesehnt, mittlerweile von Millionen Menschen bereits gesehen: Hier kommt nun endlich die lang gewünschte Rezension zu James Bond 007: Spectre.
 
Dass James Bond in einer anderen Liga agiert als alle anderen Filme, wissen wir jetzt bereits seit 1962. Immer wieder wurde mit dem Schaffen seiner Filme gezeigt, dass man sich hier völlig aus dem sonst üblichen Blabla aus Hollywood ausgliedert und eine eigene, völlig vergleichsfreie Messlatte anlegt, an der all seine Filme zu bewerten sind. Kein Kritiker käme auf die Idee, einen Bond mit etwas anderem zu vergleichen – nicht nur, weil der Vergleichsfilm chancenlos absacken würde, sondern weil man mit Bond selbst keinerlei Ansprüche erhebt, vergleichbar zu sein.
Sind bei anderen Filmen die Auswahl der Darsteller mehr oder weniger nebensächlich, entwickelt sich das bei Bond schon fast zur religiösen Zeremonie, an der sich hinterher ganze Kulturkreise orientieren und wild darüber spekulieren, wer nun der bessere und wer der schlechtere Bond ist.
Ich bin ein Kind, das in den 90ern aufgewachsen und folglich mit Pierce Brosnan ganz grün geworden ist. Unschwer vorzustellen, dass ich mit der Verkündung von Daniel Craig anfangs wirklich meine Schwierigkeiten hatte, was sich nicht nur dadurch äußerte, dass ich mich vehement weigerte, mir seine Filme anzusehen.
All dies änderte sich mit Skyfall, den ich dann auch zum Anlass nahm, mir die vorherigen Craig-Streifen am Stück reinzuziehen, um wieder auf dem Laufenden zu sein.
 
 
Das Problem des Reboots
Mittlerweile sind wir beim 24. Bond-Film angelangt, was allein an sich schon unvergleichbar mit anderen Filmreihen ist. Nicht nur die Höhe des Budgets, das sich vom 1. Film mit 1.3 Millionen US$ mittlerweile auf unvorstellbare 300 Millionen US$ gesteigert hat, sondern auch die weltweite Bekanntheit und markenträchtige Schwere innerhalb unseres Planeten sind bis dato unübertroffen.
Mit Craigs erstem Film Casino Royale wurde ja irgendwie ein Reboot der Bond-Reihe eingeführt, was uns wieder zurück an die Anfänge des fiktiven Spions stellt und quasi den Schauplatz komplett neu eröffnet.
Und genau hieran stören sich meiner Meinung nach viele Zuschauer unserer Zeit: Wir sind viel zu Bond-verwöhnt, um uns wieder mit einfacheren Dingen zufrieden zu geben. Die Superlativen wurden bei jedem Bond-Film wieder und wieder ausgereizt und übertroffen, so dass man irgendwann in Höhen ankommt, die die Realität verlassen und beginnen, lächerlich zu wirken (was man dieses Jahr gezielt an Fast & Furious 7 erleben konnte: Geile Action, aber absolut übertrieben).
Genau auf diesen Zug wollten die Macher des aktuellen Films nicht aufspringen. All dies äußerte sich schon am Trailer, der eben relativ unspektakulär über die Leinwand flimmerte und im Prinzip nichts anderes sagen musste, außer: “Es gibt einen neuen Bond, geh rein.”
Und genau das tut die Menschheit: Sie geht rein. Nicht nur in Großbritannien (der Heimat des Spions) spielte der Film ein Rekordergebnis ein, sondern auch in vielen anderen Ländern dieser Welt hat er jetzt schon Rekorde gebrochen.
Die Mitarbeiter des Kinos und Security-Beauftragten haben sich hinterher mit mir darüber unterhalten und gemeint, dass viele negative Kritiken der Zuschauer laut wurden, dass die Richtung, in die sich Bond entwickelt, zu düster sei, zu unspektakulär, zu wenig witzig.
Mit Skyfall hat man in meinen Augen auch einen stimmungstechnischen Düsterness-Grad erreicht, der fast schon an The Dark Knight und dessen Größe erinnert und mit einigen Geschehnissen mächtig in der Welt von Bond aufräumt. Das finde ich jetzt aber nicht unbedingt schlecht, sondern sehe es eher als eine Art Auftakt in neue Gefilde, die unsere Zeit widerspiegeln und nicht krampfhaft versuchen, die 60er oder 70er mit ihrem authentischen Humor und spitzfindigen Charme in dieses Jahrzehnt zu kopieren.
Genau das rechne ich Craig hoch an: Er macht sein Ding (auch wenn er immer sagt, er will nicht) und kreiert eine neue Art von Bond, die eben nicht nur auf Witz und Humor aus ist, sondern sehr viel mehr auf Emotionalität geht und damit auch die menschlichen Züge des Spions zur Geltung bringt. In Spectre findet er langsam wieder zu sich, die Stimmung wirkt gelöster, lockerer – ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen, man spürt, dass er langsam Spaß am Agentenspiel zu haben beginnt, aber er ist sich seiner Sache klar und liefert ein Ergebnis, das wieder Lichtblicke in die Düsterness bringt, die man mit den vorherigen Streifen eingeführt hatte.
Gerade bei Charakteren wie Q oder M (meiner Meinung nach top besetzt) merkt man doch, dass irgendwo versucht wurde, Bond nicht altern zu lassen, damit noch genügend Spielraum für viele weitere Filme bleibt, in denen sich die Zuschauer suhlen und das Schauspiel genießen können.
Ob Craigs Unlust jetzt nun perfektes PR-Marketing (die Leute reden immerhin über ihn und Bond) oder tatsächlich wahr ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Spectre bricht Rekorde und beweist damit, dass die neue Richtung, die man mit der geschichtlichen Bereinigung der Filmreihe begonnen hat, die richtige war.
 
 
Komposition, Sound, Atmosphäre
Spectre setzt hier ganz klar nicht auf Action, Superlativen-Hype oder anderes Imponiergehabe, sondern eher auf eine breitflächig solide Fundierung, die sich nicht zuletzt in den Tönen dieses Films widerspiegelt. Der Soundtrack (ich muss ihn haben!) und Score dieses Films zeigt einmal mehr, dass hier nicht nur Potenzial liegt, das ausgeschöpft werden kann, sondern man mit dem Komponieren der Musik selbst völlig neue Dimensionen erschafft, die man danach selbst erklimmt.
Die Trächtigkeit, das subtile Andeuten bekannter Melodien, die sich längst als eigene Marke in jedem Kopf dieser Welt fest eingebrannt haben, all das wurde wunderbar umschifft, umspielt und liebevoll in unsere Ohren gelegt und damit soundtechnisch eine Basis geschaffen, auf der sich Bond exzellent ausbreiten und seine Geschichte neu formieren kann.
 
Schau dir die Welt an: Chaos!
Dass Bonds Erlebnisse reine Fiktion sind, ist ja per Definition festgeschrieben. Dass sich die Macher mittlerweile aber nicht mehr nur an rühmlich erzählten Geschichten laben, sondern selbst zum Hinweisgeber aktueller Missstände mutieren, sei ihnen hoch angerechnet.
Einer der Punkte, die ich am aktuellen Film mehr als genossen habe: Die bitterböse, todernste Konfrontation mit aktuellen Problematiken, die im Sumpf der Verwirrung – angestiftet durch Medien, Politik und hirnbefreite Wutbürger – gerne mal im Tagesgeschehen untergehen. Szenen, in denen M spricht und Wahrheiten auf den Tisch legt, die sich jeder zu Gemüte führen sollte.
Während wir mit Asylpolitik, Flüchtlingen, Neonazis und Pegida, den Brüchen in der Einheit einer EU und anderen wichtigen Themen beschäftigt sein sollten, spielen sich hinter den Kulissen noch viel größere Themen ab – und die Welt geht ins Kino und schaut sich Bond an – ohne dabei hinzusehen. Und ich weiß nicht, was erschreckender ist: Die Realität auf der Leinwand und Offensichtlichkeit der Dinge, oder dass gerade das vom Zuschauer systematisch ausgeblendet wird mit der allzeit funktionierenden Lüge eines “Das ist doch nur Film”, denn genau das ist es nicht: Nur ein Film.
Spectre ist der wirtschaftlich perfekte Beweis einer Offenlegung dessen, was in unserer Zeit mehr denn je schief läuft und dringend von der breiten Bevölkerung mit Aufruhr und Erregung angegangen werden sollte, statt sich mit billigen Parolen abzugeben und hier und da ein bisschen “Meinungsfreiheit” daherzuplappern.
Dass genau dieses öffentliche Denken immer mehr in die Wirtschaft abrutscht, sieht man allein schon daran, dass bei der Werbung vor dem Film absolut jeder seine Hausaufgaben perfekt gemacht hat.
Im Ernst – ich hatte bereits während dem Werbeblock so meine Zweifel, ob es der Film hinterher noch bringt, ein noch höheres Niveau anzuzetteln, oder man hier gnadenlos in der Marketing-Perfektion versinkt. JEDER Trailer – selbst von vorher bekannten Produkten oder Diensten – wurde neu komponiert und glänzte mit einem hoch angesiedelten Niveau, das mich einfach nur erstaunt zurückließ. Es hatte fast etwas magisches und mir war bereits nach wenigen Minuten klar: Die Industrie hat ihre Hausaufgaben mehr als erledigt! Superbowl-Niveau!
Die Frage ist also: Bleiben wir dabei, passive Zuschauer zu sein und uns über Dinge aufzuregen, die schlichtweg belanglos sind, oder schließen wir uns als Masse den Gedanken an, die großartige Filmemacher auf die Leinwand schmeißen und damit nicht nur an unsere Menschlichkeit, sondern an Verstand, Vernunft und andere ethische Aspekte appellieren?
 
Der angekettete Löwe schreit, die wahre Macht aber liegt in der Ruhe!
Kritikpunkt der einen, Lobesangelegenheit von mir: Die offensichtliche Ruhe, mit der man hier ins Gericht zieht.
Jeder weiß, dass lautes Gebrüll oft nur die Vorankündigung von heißer Luft ist, wahre Macht besteht aus Ruhe und leisen Tönen. Und obwohl Spectre ein Werk ist, das nicht nur völlig neue Richtlinien in den Kinos und Köpfen der Menschheit setzt und sogar außerhalb vom Kino eine unglaublich wirtschaftliche Macht hat, wurde hier gezielt auf Ruhe gesetzt.
Leute, es gibt Szenen, in denen man als Zuschauer vor Respekt und Ehrfurcht erschaudert, in denen es völlig still ist. Genau diese machtschwangere, erhabene und überlegene Ruhe ist eines der Dinge, in denen sich Spectre mit Hingabe badet. Hier ziehen Soundtrack, Action-Anteil, Dialoge und Filmzeit gleichermaßen mit: Man wird geführt in eine neue Art von filmischer Gelassenheit, die das Wort “Größe” und “Gereiftheit” völlig neu definiert.
Und ganz anders als so mancher Wutbürger positioniert sich Bond hiermit auch wieder als ruhiges, gelassenes und reflektiertes Vorbild und zeigt, dass wildes Ausarten, hühnerhaftes Schreckgespenst-an-die-Wand-malen und andere Formen von künstlich herbeigeführter Panik wegen irgendwelchen Belanglosigkeiten nicht nur nicht erwachsen, sondern völlig unangebracht sind. Eine klar erteilte Rüge an Teile unserer Gesellschaft, ohne dabei mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern in erhabener Weise vorzuleben, wie es besser geht.
Und dafür meinen tiefsten Respekt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit Worten wie “Pflicht”, “Anschauen” und Co. brauche ich nicht um mich zu werfen: Das tut sowieso nicht nur jeder, sondern gehört zum guten Ton.
Was hier geboten wird, ist eine zu Recht rekordverdächtige Weiterführung einer neuen Ära Bond, deren Einzelheiten ich nicht nach nur diesem einen Film kritisieren und bewerten wollen würde.
Mein Tipp: Gebt Bond noch 5-6 Jahre, dann sind wir wieder auf einer neuen Hochblüte, in der wir alle gemeinsam über uns selbst hinauswachsen können und Werke erschaffen, die uns so richtig den Boden unter den Füßen wegknallen.
Spectre liefert dafür eine gelungene Grundlage, die noch lange keinen Anspruch darauf erhebt, selbst perfekt zu sein. Der Weg dorthin ist allerdings kein weiter mehr.

 
Nachspann
Die Musik …. schmacht …. und der obligatorische, fast schon verzichtbare Hinweis am Schluss … ach, bleibt einfach sitzen.

Sicario

Ich habe Schmerzen. Schmerzen vom Aufschleifen meiner Kinnlade am Boden, die seit den ersten 3 ½ Sekunden des Films permanent dafür sorgte, dass mein Mund ununterbrochen offen stand.
Und für Kinofetischisten wie meinereiner ist es höchste Kunst, wenn ein Macher so etwas fabriziert, das mich gelinde gesagt komplett wortlos werden lässt. Meine Begleitung hatte zumindest riesigen Spaß dabei, mich mal wirklich vollkommen geflasht und breit in den Boden gekloppt zu erleben, denn – mir – fehlen – einfach – die – Worte!!!
Auch Tage danach (der Film lief vor 7 Tagen bei mir in der Sneak) bin ich immer noch unzufrieden bei dem Gedanken daran, wie ich es in meiner Unfähigkeit schaffen soll, Leute wie euch dazu zu bewegen, euren Hintern ins Kino zu schleifen und euch dieses Meisterwerk anzuschauen!
Ganz ehrlich? Dieses Teil erhebt so völlig gar keinen Anspruch daran, sich mit irgendwelchen Blockbustern und Weltrekorden zu messen und generiert dadurch eine derartig unfassbare Größe und Wucht, dass JEDEM (!) Showteilnehmer die Fresse einfach nur offen stand. So einen ruhigen, geschockten, braingefuckten Saal habe ich in meiner Karriere als Kinosüchtling bislang noch niemals erlebt. Es war kein Muckser zu hören – nicht einmal das Knacken von Popcorn zwischen den Zähnen geschweigedenn irgendwelches Rascheln von Plastik-Nacho-Packungen oder Popcorntüten – nichts! Betroffene Stille, betretenes Schweigen, ehrfürchtige und respektvolle Bewunderung – oder auch einfach nur der pure Schock dessen, was man dort zu sehen kriegt.
Kino für Weicheier? Drei Säle weiter – hier kommt Kost auf den Tisch, die nicht nur schwer verdaulich, sondern in höchstem Maße anspruchsvoll ist. Emily Blunt – eine Göttin was Filme dieses Genres angeht. Ihr Gesicht, ihre Ausdrucksweise, ihre Stimme, die Dialoge, die verdrahtete Verzweiflung und der kämpferische Geist – im Zusammenspiel mit Josh Brolin oder Benicio Del Toro – oscarwürdig! Wenn dieser verdammte Streifen nicht mit Anerkennungen überschüttet wird, verliere ich meinen kompletten Glauben an alles, was die Menschheit je ausgemacht hat.
Die Brutalität und zeitlose Zerstörung der heilen Welt, die einem sonst überall vorgesetzt wird – ein Meisterwerk. Du bist nicht davor, du bist auch nicht dabei oder mittendrin, du erlebst diese verdammte Scheiße selbst und vergisst, dass du dich mitten im Kino befindest. So nah an etwas herangeführt, tief reingezogen und verschluckt, verdaut und hinterher völlig verdattert wieder ausgespuckt hat dich noch kein Dino dieser Welt.
Die Gesichter der Menschen beim Verlassen des Kinosaals (übrigens mucksmäuschenstill und in erhabener Demut und respekteinflößender Furcht) wären selbst schon einen eigenen Film wert gewesen, hätte sich jemand die Mühe gemacht und eine Kamera am Ausgang postiert. So etwas abartiges habe ich noch niemals erlebt – nicht in dieser Form, nicht in dieser Masse.
Wenn ihr irgendeinem Menschen etwas gutes tun wollt, dann fesselt ihn, ladet ihn in den Zug oder euer Auto, lasst ihn im Kino wieder frei, nachdem ihr die .kinotickets für Sicario gelöst habt und zieht euch verdammt nochmal diesen Streifen rein.
Freunde von mir berichteten übrigens von genau den selben Phänomenen wie sie mir begegnet sind: Geschocktes Schweigen, absolute Ruhe, der pure Hirnfick schlechthin. Und auf Twitter und Facebook geht es weiter … es geht also nicht nur mir so, sondern das Ding löst tatsächlich weltweit diese Gefühle in Menschen aus.
Was bleibt mir letztlich noch zu sagen, außer…
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn es je einen Grund gab, ein Kino von innen zu besichtigen, dann dieser hier.
So eine abartige Wucht an Bildern, Dialogen und prätenziösen Momenten hat es selten bis nie gegeben.
Was hier geboten wird, schlägt nicht nur bei mir hohe Wellen und forciert dich in eine Welt, die authentischer nicht dargestellt werden könnte.
Sicario hat aber mal sowas von den Nagel auf den Kopf getroffen, dass einem vor Ehrfurcht schon fast schlecht wird. Rein rein rein rein rein – man kann ihn nicht oft genug sehen!

 
Nachspann
braucht dieser Streifen nicht. Der Schock sitzt viel zu tief in den Gliedern, als dass man sich danach noch auf irgendwas anderes konzentrieren könnte.

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