.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Michael Pena

Ant-Man and the Wasp (3D)

Auf den Werbeplakaten wird von dem “nächsten großen Blockbuster nach Avengers: Infinity War” gesprochen und wahrhaftig hab ich mir schon seit einiger Zeit meine lieben Gedanken gemacht, wie man dieses monströse Meisterwerk jetzt noch toppen und daraus etwas erstrebenswert Sehenswertes machen möchte. Und mich immer wieder mit den Worten beruhigt: “Es ist Marvel – die wissen seit langem ganz genau, was sie tun.”
Und so ist es. Klar schiebt die PR-Abteilung irgendwelche .trailer außer Haus, klar muss man irgendwo anfangen, die Leute wieder zu ködern, aber das wäre in meinen Augen gar nicht nötig gewesen, weil da längst nicht aufgefahren wird, was der Film letztendlich liefert: Das pure Vergnügen und so einen gigantischen Plot, dass die Leinwand sich förmlich auflöst und man vergisst, dass man auf dieser Welt und dazu noch in irgendeinem Kino sitzt.
Man ist mittendrin. Seit langem ist klar, dass Marvel weiß, wie 3D richtig zu funktionieren hat. Und seit langem ist klar, dass Marvel-Filme nicht zu der Spezies gehören, die entweder mit grandiosen Effekten ODER mit einem vergötterbaren Plot daherkommen, sondern die Macher wissen beides perfekt miteinander zu verschmelzen und werfen damit genau das auf den Screen, das ich bei Jurassic World: Das gefallene Königreich erwartet und gewünscht hätte.
Es ist der Hammer! Der zweite Teil dieser Mini-Filmreihe innerhalb des MCU heimst natürlich automatisch die Vorschusslorbeeren durch den perfekten Cast und die irre geile Zusammenstellung von Charakteren ein und wieder einmal hat man so überhaupt nicht das Gefühl, dass hier mit Ach und Krach weiter gevögelt wurde, sondern der Humor quillt förmlich aus allen Ritzen und man spürt überdeutlich, wie viel Freude die Darsteller bei ihrem Tun hatten.
Der damals von mir beklagte Was-sollen-wir-eigentlich-noch-hier, den man in Avengers – Age of Ultron noch deutlich spüren konnte, ist längst weg. Er wurde schon vom ersten Ant-Man dahingerafft. Dieser neue Charakter entpuppt sich langsam als Neuentdeckung der Coolness eines Tony Stark, was durchaus geschichtliche Konsequenzen haben dürfte, da die ganze Stammhorde ja nun durch Infinity War leicht angekratzt ist und man hier jetzt Geschütze auffährt, die das Fortbestehen von Gänsehautmomenten im Kinosaal garantieren dürften.
Ja, ich steh auf ihn. Ja, mir sagt diese Form des Humors absolut zu. Ja, Marvel fährt wieder in Hochform auf und lässt sich überhaupt nichts davon anmerken, dass jeder meinte, nach dem Vorgänger ist jetzt Schluss, weil das Ding nicht mehr zu toppen wäre.
Und es ist bezeichnend, dass gerade die “Kleinsten” ganz groß werden.
Mein Rat an alle, die Filme mögen, ist daher: Scheiß drauf, was die .kinotickets kosten, scheiß drauf, ob ihr Zeit habt oder nicht, scheiß drauf, was ihr von Vorgängerteilen hieltet oder welche Aversionen ihr gegen amerikanisch produzierte Blockbuster-Monster hegt: Gönnt euch Ant-Man and the Wasp in 3D im größten Kino weit und breit, dass ihr finden könnt und habt dabei genauso extrem viel Spaß, wie ich es bereits hatte.
Wirst du ihn dir nochmal ansehen?” wurde ich nach der Pressevorführung gefragt.
Jeder freie Filmslot ist für Ant-Man and the Wasp reserviert.” Natürlich werde ich ihn mir nochmal ansehen. Und nochmal. Und nochmal. So oft ich eben kann und so lange das Ding in den Kinos läuft. Und wenn ihr genau das tut … und dann bis ganz zum Schluss sitzen bleibt … dann werdet ihr von allein verstehen, warum.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn einer der Kapital-Giganten kapiert hat, wie man ordentliches Kino produziert, dann die Marvel Studios.
Verdient Kohle damit, so viel ihr wollt. Lasst euch von nichts und niemandem reinreden und macht einfach weiter mit dem, was ihr die ganze Zeit schon tut. Never change a running system. Und an Disney: Lasst Marvel einfach tun und schreibt ihnen nichts vor. Besser als jetzt wird es nicht! Die Jungs und Mädels garantieren dafür, dass auch große Produktionen mit Geist und Hirn gefüllt sein können und das Wörtchen “Blockbuster” nicht automatisch mit “Plot-Rohrkrepierer” zusammenhängt. Diese Eleganz, mit der man sich hier durch die infantil-wunderschönen Comedy-Momente schlängelt und dabei das ganze Equipment menschlicher Emotionen durchpflügt, ist einzigartig in der Filmwelt zur Zeit und ich bete und hoffe, dass dies zu meinen Lebzeiten für immer so bleiben möge.
Steht Marvel drauf, ist Gutes drin! Einfach drauf verlassen und reingehen!

 
Nachspann
✅ Es ist ein Marvel. Also ja. Und zwar bis ganz zum Ende!
Kinostart: 26. Juli 2018

Operation: 12 Strong

Wer hier schon eine Weile mitliest, wird erkannt haben, dass ich für kriegerische Auseinandersetzungen auf der Leinwand sehr empfänglich bin – und es mir dabei egal ist, ob daran ein historisches Ereignis oder einfach nur fiktive Einfälle geknüpft sind.
Meiner Meinung nach sollte man seine Diskrepanzen immer über künstlerische Mittel austragen und niemals zu echten Waffen greifen, um zurück zur inneren Zufriedenheit zu gelangen, da ich glaube, dass die schwerer durch echte Schüsse und viel mehr durch Verständnis, Interaktion und Durchleben verschiedener Szenarien in emotional ergreifenden Geschichten erreicht werden kann.
Und weil ich Ausnahmezustände liebe und generell für diesen “Soldat in Kampfanzug während des Krieges” sehr viel übrig hab, kribbelte es mir schon tierisch in den Fingern, als ich nur davon hörte, dass Operation: 12 Strong in die Kinos kommen soll.
Jerry Bruckheimer, allseits als Garant für Blockbusterkino bekannt, holte sich hier auch prominente Unterstützung aus dem Team von La La Land und Sicario ins Boot und liefert damit erneut eine Feuerwerksrakete amerikanischen Heldentums ab.
In der Zeit, als die Welt noch geschockt und gelähmt war, zogen 12 Männer los, um einen Angriff auf das amerikanische Volk zu rächen. Was sich im Plot ziemlich lahm runterliest, ist tatsächlich eine wahre, unveränderte und bislang geheimgehaltene Geschichte, die so erstmals an die Öffentlichkeit gelangt und euch demnächst auf der Leinwand verzaubern wird.
Dieses Machwerk erschafft durch seine Nähe zur Realität völlig neue Bezüge und lässt einen den noch nicht verjährten Krieg auf völlig neuen Ebenen erleben. Während des Schauens kann man oft gar nicht glauben, dass dies alles tatsächlich so passiert sein soll – was es aber ist.
Erstaunlich für mich war die einerseits voll ausgekostete Stille, in der man sich mit Momenten der Besinnung, Überlegung und menschlicher Philosophie auseinandersetzt, um das Wesen eines Krieges zu ergründen und zu höherer Erkenntnis zu gelangen, andererseits hat Bruckheimer aber auch wieder seine Stärken spielen und uns ein bombastisches Effekt-Feuerwerk durchleben lassen, dass in seiner Situation absurd und erstaunlich zugleich wirkt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fans von Army-Filmen kommen hier ungeschoren auf ihre Kosten und kriegen weit mehr mit auf den Weg, als man klischeehaft erwarten würde.
Bruckheimer gesellt sich mit La La Land– und Sicario-Machern gemeinsam an menschliche Historie und erzählt eine völlig wahre und gleichermaßen unheimliche Story, die sich damals tatsächlich so zugetragen hat. Wahnsinn!

 
Nachspann
gibt Aufschluss über die wahren Helden dieser Geschichte, was zusätzlich belegt, dass dieser unfassbare Wahnsinn tatsächlich echt ist.
Kinostart: 8. März 2018

The Lego® Ninjago® Movie (3D)

Dass die im fernen Osten nicht nur skurrile, schrillbunte Fernsehshows, sondern auch tiefgründige und lebensbejahende Filme für die Seele produzieren können, hat man hierzulande zumindest im Kino längst verstanden. Der Weisheit, die uns aus den asiatischen Legenden-Movies anstrahlt, ist jeder schonmal in irgendeiner Weise begegnet.

The Lego® Ninjago® Movie vereint hier gleich mehrere Aspekte in einem Film: Man setzt eine liebgewonnene Tradition fort, in der großartige Labels in den allseits bei Klein und Groß beliebten Lego®-Bausteinen nachgebildet und animiert werden, die parodistische Ansätze und viel Humor in einem unterhaltsamen Film vollziehen und baut gleichzeitig die Brücke vom westlichen Lebensleitsatz zum östlichen Verständnis für Werte und Gemeinschaft und bringt damit eine Hommage an die in Asien lebenden Kulturen auch auf die amerikanischen und europäischen Leinwände.

Das hört sich einerseits nach quietschendem Vergnügen und erstklassiger Unterhaltung für die jüngere Riege, aber auch nach Anspruch, Biss, Satire und viel Klamauk an, der die tiefgreifenden, durchdachten und ehrbaren Weisheiten der Asiaten nicht als Moralgrund voranstellt, sondern die Zuschauer viel eher liebevoll und geistreich dahin manövriert, wo am Schluss tatsächlich unfassbar großer Mehrwert liegt.

Der zynische Biss, den man in den teils dunklen Marotten des The Lego® Batman Movie erleben durfte, tritt hier wieder ein wenig beiseite und eröffnet das Spielfeld der etwas emotionaleren Bandbreite, die man sehr liebevoll und trotzdem erfrischend auslebt und damit – meiner Meinung nach – wieder eine sehr wichtige Botschaft in die Köpfe derer pflanzt, die sich auf dieses Movie einlassen.

.kinoticket-Empfehlung: Ein sehr erbaulicher Humorfilm mit ernsten Ansätzen, die ehrbare Grundsätze vom Wert des Lebens und der Gemeinschaft an die junge Generation weitergeben und damit sogar bildungstechnischen Mehrwert innehaben.

Als Fan der Lego®-Filme sowieso ein muss, auch wenn es diesmal wieder etwas ruhiger, dafür aber emotionaler zugeht.
Kinospaß ist definitiv garantiert.

Nachspann
✅ Wie aus den anderen Filmen bereits bekannt, lohnt sich auch hier wieder das voreilige Flüchten … nicht. Also schön bis zum Schluss sitzen bleiben.

Kinostart: 21. September 2017

Original Title: The LEGO® Ninjago® Movie
Length: 101 Min.
Rated: FSK 6

CHiPs

Um mit diesem Film glücklich zu werden, braucht man einen ganz besonderen Humor, den ich an dieser Stelle nicht mitbringe. Die Akteure leben in ihrer eigenen Welt nach Regeln, bei denen alle andere Menschen scheißegal sind.
Dabei dann mit derben Sprüchen und kantigem Sarkasmus zu kommen kann funktionieren, muss aber nicht. Sofern man dafür empfänglich ist, erlebt man hier einen sehr guten Film, der sich in der abstrusen Welt der beiden durchaus zurechtfindet und sich in Themengebiete hineinarbeitet, die durchaus würdig umgesetzt wurden.
Wenn man als Zuschauer unter witzig etwas völlig anderes versteht, fühlt man sich von dem Humor eher peinlich berührt und findet so manche Szene dann eben überhaupt nicht komisch, sondern eher zum schämen.
Dass man dann noch an gefährlichen gesellschaftlichen Problemzonen kratzt und sich in einer Art darüber lustig macht, die eventuell viele verletzen könnte, ist hier eben ein sehr schmaler Grat, der in meinen Augen zu oft abgekippt ist.
Schaut man sich im Netz um, stellt man schnell fest, dass auch die breite Masse nicht wirklich zufrieden mit dem Film war. Um hier wirklich eine Punktlandung hinzulegen, braucht es in meinen Augen noch sehr viel mehr Feinfühligkeit, um die Gags sensibler und pointierter zu setzen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bedient eine ganz spezielle Sorte von Humor, innerhalb dessen er auch sehr gut funktioniert.
Mein Fall war es überhaupt nicht, ich empfand das Niveau zeitweilig zu niedrig.
Aber gottseidank sind Geschmäcker ja verschieden, und somit stellt dieser Film einen Teil der Vielfalt dar, die notwendig ist, um das Kino in seiner Gänze zu erhalten.

 
Nachspann
Nicht gleich nach draußen rennen, hier kommen noch ein paar Szenen.

Verborgene Schönheit

In einer Zeit, in der Krieg die Tagesmeldungen dominiert, Regierungswechsel stattfinden, die den halben Planeten emotional spalten und Mütter davon erzählen, dass sie nur noch in Angst leben, wenn ihre Kinder draußen alleine rumlaufen, kommt ein Film, der mit einem Juwel wirbt, dass für viele im Alltag verloren gegangen zu sein scheint: Schönheit.
Ganz ehrlich: Auch ich habe zeitweise verlernt, das Schöne im Leben zu entdecken, auch wenn alles darum absolut düster aussieht. Verborgene Schönheit hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Kinozuschauern diese Schönheit wieder näher zu bringen und eine Geschichte konzipiert, die in dieser Umsetzung wohl kaum massentauglich in den Alltag jener passt, die so verängstigt und aufgescheucht durchs Leben rennen.
Die Kritiken über diesen Film sind durchaus gespalten und sorgen mit diversen Nominierungen für Negativpreise schon jetzt für unzulängliche Voraussetzungen, sich diesen Film tatsächlich zu Gemüte zu führen und sich auch auf das einzulassen, was einem dort geboten wird.
An dieser Mauer des guten Willens spalten sich scheinbar die Geister. Ja, Will Smith ist auch nicht für seine allzeit 100%igen Rollen bekannt und mag wohl auch hier schon den ein oder anderen vorab abschrecken. Auch ich fand, dass das Gros des Zusammenspiels der gesamten Casts hier schon eine Aussage ausdrückt, die zuletzt in wüsten Plot-Twists endet, die durchaus etwas verstörend wirken und erfordern, dass man anschließend darüber nachsinnt und prüft, ob das alles tatsächlich so sein kann, wie der Film es einen glauben lassen will.
Und genau hier ziehen die Schwächen des Films. Die Geschichte ist wunderbar, man fiebert mit, man kann sich durchaus in die Lage der Protagonisten versetzen und empfindet ihren Schmerz und ihr Glück genauso mit wie in jedem anderen Film. Dennoch hinterlässt Verborgene Schönheit ein gewisses Desinteresse, wenn man hinterher aus dem Kinosaal tigert und womöglich aus dem Gesehenen noch etwas ins echte Leben übertragen sollte.
Und so etwas ist Gift für den Erfolg.
Dennoch möchte ich den Darstellern ihre gut gespielten Rollen nicht absprechen, denn einige Momente im Film sind so überzeugend, dass sie tatsächlich die Sinne ansprechen und für teils ungewollte Gefühlsausbrüche sorgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich bin mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder nach draußen gegangen.
Der Film ist zu gut, um ihn nicht gesehen zu haben, man verpasst allerdings auch nichts, wenn man sich eher für eine andere Vorstellung entscheidet.
Vielleicht sollte man aus dem Bauch heraus entscheiden und anschließend einfach zu seinem Entschluss stehen.

 
Nachspann
Abspannfrei – hier kommt nur der Buchstabensalat, den sonst eh keiner liest.

Dirty Cops – War on Everyone

Genau wie bei den Präsidentschaftswahlen in den USA sind auch bei Dirty Cops – War on Everyone die Meinungen geteilt. Die einen hassen, was die anderen lieben und vice versa.
Fakt ist: Dirty Cops punktet hier mit extrem schwarzem Humor und einer biederen Trockenheit, die Grenzen zum toleranten Geschmack nicht nur überschreitet, sondern gar nicht wahrzunehmen scheint. Der Peak lautet hier: Flucht nach vorne und direkte Konfrontation mit den unschönen Themen – und zwar auf die bitterste Art, die es gibt.
Und genau das macht diesen Film für mich zu einem sensationellen und sehenswerten Stück Filmgeschichte: Man überträgt das Verantwortungsgefühl in die Hände zweier Persönlichkeiten, die Recht vertreten und Ansehen in der Gesellschaft genießen – und selbiges mit Füßen treten. Die – man möchte fast schon sagen – Gleichgültigkeit, mit der hier mit ernstzunehmenden Situationen umgegangen wird und die Geradlinigkeit, mit der man dieses Verhalten bis ganz zum Schluss auf Kosten des Heldentums durchzieht, schreit geradezu nach Applaus.
Man will sich hier nicht profilieren. Boxt nicht mit Argumenten, appelliert nicht an den Verstand oder setzt welchen voraus, sondern man unterhält einfach ganz klassisch mit einer Art, die Menschen wie ich, die Allgemeinheit verabscheuen, einfach nur lieben können.
Ich hatte während des Films meine helle Freude an den Wesenszügen der beiden Hauptdarsteller und freue mich schon auf den Kinostart, damit ich mir diesen Film definitiv nochmal ansehen kann. 
Der Cast ist hervorragend und besticht mit seiner Schauspielweise auf glanzvolle Art, die Kaputtheit dieser beiden Typen wird exzellent rübergebracht. Dass viele mit dem Film ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen, erklärt sich mir nur durch ihre Verbundenheit zu den allgemeingültigen Werten, die sie auf der Leinwand mit Füßen getreten sehen und dadurch keinerlei Sympathie mit den Charakteren aufbauen können, die ihre eigenen Moralvorstellungen ignorieren – ein huldvolles Beispiel gelebter (Anti)-Toleranz in Europa.
Und genau diese Ehrlichkeit, mit der man hier an die Front zieht und losprügelt, fasziniert mich. Die Grenzen in diesem Ausmaß zu überschreiten, dass die Verurteilungswürdigkeit schon wieder in Frage gestellt werden darf, ist ein Schachzug, den ich mir von manchen Politikern gerne wünschen würde – und die Tatsache, dass es hier Angestellte des Staates sind, die diese Verbrechen ausüben, zeigt wieder eins: Im Kino ist alles möglich – und dafür liebe ich es.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Freude ist groß bei Freunden von zutiefst schwarzem Humor, die bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen und wissen, dass das alles nur ein Film ist, der eines will: Erstklassig unterhalten.
Die große Errungenschaft liegt hier eindeutig in den Dialogen und der Kaltschnäuzigkeit, die man an den Tag legt und damit eine Geschichte erzählt, über die definitiv gesprochen werden kann.
Ich gehe gerne nochmal rein und kann jedem nur empfehlen, es mir gleich zu tun, auch wenn streckenweise etwas längere Passagen sind, die den Push etwas verlangsamen – der Film als solches lohnt sich dennoch.

 
 
Nachspann
ist wie üblich ohne weitere Szenen und Blabla. Also gerne aus dem Saal rausgehen.

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (3D)

Der Trailer rief bei mir zwar Sichtungs-Sehnsüchte hervor, brachte mein Herz jedoch nicht in Wallung, wenn ich daran dachte, dass mich dieser Blockbuster so richtig vom Hocker reißen würde. Irgendwie hatte ich das dumpfe Gefühl, dass einem hier großartige Mainstreamkost vorgesetzt wird, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Und irgendwo ist es genau so gekommen. Der Film ist brillant, was Kulissen, Theatralik, verbale Auseinandersetzung und Thematik angeht und auch das 3D darf sich ruhmreich in der Sonne gelungener Arbeit baden. Hier gibt es wirklich kaum etwas auszusetzen.
Was die Geschichte und simple Kleinigkeiten angeht, war es teilweise aber doch kritikwürdig, zumal der Mars nicht das erste Mal Schauplatz fiktiver Geschichten ist, sondern schon oft in Hollywood als Ort des Geschehens oder Vorlage für SciFi-Horror herhalten musste. Die großartigen Überraschungen blieben also aus, die Ideen, mit denen man hier jongliert, driften aber teilweise ins Lächerliche. Stichwort: Tesa. Hier habe ich mir ernsthaft an den Kopf gefasst und mich gefragt, ob die das jetzt wirklich so meinen.
Positiv aufgefallen ist der ausbleibende Patriotismus, der zwar klischeehaft angerissen, jedoch nicht süffisant ausgelebt, sondern brav zurück in die Ecke gedrängt wird. Matt Damon leistet hier in seiner Nicht-ganz-One-Man-Show erstklassige Arbeit und wird auch andernorts für seine Darstellungen gelobt. Alles verhält sich sehr bodenständig, normal, ausgeklügelt und durchdacht – problematisch ist eben, dass es keine echten Werte gibt, auf die man zurückgreifen kann, da es sich hier eben immer noch “nur” um Fiktion handelt.
Allerdings macht dieser Film durch seine belebtere Struktur wesentlich mehr Spaß als Gravity, wo wirklich alles auf das Wesentliche runtergebrochen wurde und somit die Einsamkeit vollends im Vordergrund stand.
Gegenteilig wirkte Damon teilweise aber auch zu fröhlich, da die Sequenzen des Zweifels und der seelischen Qualen so überhaupt nicht angegangen werden, sondern allenfalls angerissen und nicht ausdiskutiert. Und da wären wir wieder beim Thema Mainstreamkost: Alles ist fröhlich, es ist unterhaltsam, teilweise doof und unrealistisch, aber im Endeffekt wird keinem so richtig auf die Füße getreten und alle sind glücklich. Diese Kombination kann funktionieren, ist aber kein Garant auf Erfolg, da man so auf viel Tiefe und Profil verzichtet und aus einem Sensationserfolg “nur” einen Kassenschlager macht.
Die bitterböse Enttäuschung ist das jetzt aber keineswegs, sondern durchaus ein Film, der sich – gerade in 3D – sehr lohnt, im Kino anzuschauen, sofern man auf der Suche nach einer kurzen Pause vom echten Leben hier in dieser Welt ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von Science Fiction mutiert dieser Streifen schon fast zur Schaupflicht.
Die Darstellungen von Matt Damon sind bodenständig, sehr realistisch und teilweise etwas zu fröhlich, das große Gesamt-Ganze darf sich durch seine beeindruckenden Bilder und Szenen und durchaus sehenswertes 3D gerne über die kleinen Macken hinwegsetzen, die die Spur der Erfahrungen hier und da spicken.
Man bekommt hochwertiges Mainstream-Kino vorgesetzt, nicht mehr, nicht weniger.

 
Nachspann
beginnt anfangs noch mit einigen Sequenzen. Sobald die abblenden, darf man den Saal verlassen.
 

The Vatican Tapes

Ich ziehe diesen Film mal chronologisch nach vorne, weil ich glaube, dass der nicht mehr all zu lang im Kino laufen wird. Ob dies nun gerechtfertigterweise so ist oder nicht – lasst es uns rausfinden.
Früher zu meinen Anfangszeiten, als ich das Filme schauen gerade entdeckte, da gab es noch sehr klare Richtlinien, was Genres und Filmgestaltung anging. Genau wie in der Musik waren die Genre-Mischungen und Subgenres noch sehr wenig bis gar nicht vorhanden, weshalb man klare Grenzen ziehen und die Dinge definitiv einordnen konnte.
Da gab es den sommerlich-frischen Blödelfilm, der gute Laune und Unterhaltung ins familienfreundliche Wohnzimmer brachte. Dann gab es die coole Action mit Typen, die sich nirgends reinreden ließen und auch auf 5 km Entfernung mit ihrem Schuss noch voll ins Schwarze trafen. Es krachte und rummste, es brannte viel Feuer und am Ende siegte das Gute.
Dann war da der typische Horror, abgetrennte Schädel, sich selbst bewegende Hände und irgendwelche schnellen und lauten Schockelemente, die den Grusel auf den Rücken der Zuschauer projizierten. Krimis, Dramas, Romantik …
Und dann waren da noch die Filme, die selbst irgendwo ein kleines Subgenre darstellten, die so gar nicht sinnvoll erschienen, aber doch irgendwo unterhielten und in ihren Bann zogen. Paranormales, Befremdliches, Engel, andere Dimensionen, völlig überzogene und an den Haaren herbeigezogene Tatsachen, vor die man als Zuschauer gestellt wurde und mit denen man dann irgendwie fertig werden musste.
Genau hier würde ich The Vatican Tapes einordnen. Der Film ergibt irgendwo absolut keinen Sinn und wollte man ihn kritisieren, könnte man sagen, er übertreibt maßlos mit seiner längst in die Jahre gekommenen Wesensart, die sich in die Reihe von Exorzismus- und Katholische-Kirche-Filmen einreiht. Beginnend mit dem Filmlogo, in dem ein – uh, böse – Pentagramm eingearbeitet wurde flankiert er bisher Dagewesenes eigentlich recht knackig und anschaulich und sorgt so für einen doch relativ angenehmen Einstieg.
Die Bahn stürzt ab, als man dann in einem gefühlt überlangen Anfang ein paar Menschen vorstellt, bei denen sich die Macher weder um Charakterzüge noch irgendwelche interessanten Profilmuster scheren, sondern scheinbar nur Zeit füllen wollen und daher etwas erzählen, das weder klar ins Übernatürliche driftet, noch seinen Platz in dieser Realität einnimmt.
Genau diese Klarheit fehlt mir hier an vielen Stellen. Es werden typische Verhaltensmuster des Filmemachens aus Zeiten von Der Exorzist übernommen, indem man einfache Merkmale dieser Filme erneut aufgreift und irgendwo lieblos, aber doch professionell umsetzt. Ich hatte oft das Gefühl, dieser Film passt nicht in unsere Zeit, sondern hätte vor 10 oder 15 Jahren auf der Leinwand präsentiert werden sollen.
Auch wird hier nicht klar, wer oder was hier überhaupt etwas will – und vor allem: was der oder diejenige will. Es passiert einfach mal. Und diese Tatsache allein ist schon mal verstörend.
Die klassischen Elemente des Found Footage, wie es z.B. bei Cloverfield so hervorragend umgesetzt wurde, werden auch hier nur teilweise zum Thema gemacht und alles verschwimmt in einer trüben, undefinierten Soße.
Und hat dabei trotzdem irgendwie Stil.
Vielleicht liegt das am Soundtrack, der wie ein großer Suppenlöffel beständig seine Beats in die Runde schmeißt und dafür sorgt, dass diese Trübung niemals klarer wird.
Spannung und psychischer Schock tauchen aufgrund von allgegenwärtiger Übersättigung solcher Elemente im Fernsehen und in anderen Filmen überhaupt keine auf. Dafür sorgen Serien wie Supernatural mit sehr viel mehr Eleganz und Esprit. Außerdem weiß mittlerweile jedes Kind, welche Verhaltensmuster ein Priester bei einer Teufelsaustreibung an den Tag legen muss, auch hier gab es in der Filmgeschichte schon bessere Beispiele. Diese Dinge werden halt einfach mal abgefrühstückt und weder mit Druck noch Kontinuität in eine Richtung getrieben, die am Ende irgendetwas aussagen will.
Dazu völlig unpassend ist der gänzlich überzeugende Ernst, den die Darsteller hier sehr gut verkörpern. So unwirklich und skurril das Verhalten ist, so unlächerlich und nicht-ironisch nimmt sich die Geschichte und sorgt damit für ein Umfeld, in der das Gezeigte durchaus mit etwas kritischeren Augen betrachtet werden soll. Gerade das hätte in den 80er und 90er Jahren voll gezogen. Und mit dem dazu passenden, gut pointierten Soundtrack erlebt man hier bis in den Abspann hinein einen Film, der so unwirklich erscheint, dass man zu Hause allein nachts im Schlafzimmer davon dann doch irgendwo unterhalten wird.
Oder man schnappt sich ein .kinoticket und erlebt diese Form von längst vergangenem Film eben gemeinsam des Nachts in deinem großen dunklen Saal.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Reiz des Übernatürlichen ist längst Geschichte und Elemente aus diesem Genre schocken schon lange nicht mehr.
Gerade in Zeiten, wo Vampire und Monster ihren Zenit auf den Bildschirmen feiern, schafft man es unmöglich, mit Dingen aus anderen Welten zu trumpfen und Menschen das Fürchten zu lehren.
Wer sich dennoch in die Zeit des irrationalen Films der 80er und 90er zurückversetzen möchte, der darf den Geist dieser untergründigen Stunden nochmals auf der großen Leinwand erleben.
Die Geschichte als belanglos und schlecht einzustufen, empfinde ich hier irgendwo als falsch. Genauso wie ich sie nicht in den Himmel loben oder mittelmäßig einstufen kann. The Vatican Tapes bedient hier ein Genre, für das es keine Worte zu geben scheint und man orientiert sich auch ganz klar nicht an Logik und Verstand, sondern eher an irrationaler Subtilität und einem erschreckend glaubhaften Schluss.
Also muss jeder selbst entscheiden, ob sich der Gang ins Kino lohnt oder eher nicht.

 
Nachspann
wartet anfangs nochmal mit einem grafisch interessanten Play auf und endet dann in der üblichen Abfolge von Namen, wie man sie aus den klassischen Filmen kennt.

Ant-Man (3D)

Nach der in meinen Augen riesigen Enttäuschung von Avengers – Age of Ultron, kommt Peyton Reed nun mit einer weiteren Verfilmung eines Marvel-Klassikers daher und punktet damit in fast allen Bereichen.
Die Spielerei, die ich bei Age of Ultron noch so bemängelt habe, wird hier nicht nur ironisch auf die Schippe genommen, sondern gekonnt umschifft und mit Ernsthaftigkeit untergraben. Sofort in den ersten zwei Minuten des Films bekommt man eine ganz große Ladung Professionalität aufs Tablett serviert, die so üppig ist, dass man daran fast erstickt. Und das tut einem super gut!
Die Einführung des nächsten Charakters, die geschaffene Bühne für eine neue Persönlichkeit im Filmuniversum und der kreative Freiraum, der hierfür ausgiebig ausgeschöpft wurde – eine Wohltat. Nicht nur die Dialogträchtigkeit, sondern auch das galaktisch-gute 3D, die pointierten Humoreinlagen und die ernstzunehmende, an allen Stellen spannende Geschichte sorgen dieses Mal nicht nur für Kurzweil und exzellente Unterhaltung, sondern lassen sich einen vergnüglich im Rauschbad der Gefühle suhlen.
Das “Thema” (falls man das so bezeichnen kann) wird nun so gekonnt ausgebildet und ausgeschöpft, dass es einfach nur Spaß macht. Nichts wurde vergessen, nichts überstrapaziert oder gar verhunzt, und schon gar nicht ins Lächerliche gezogen oder dermaßen übertrieben, dass die Glaubwürdigkeit darunter leidet. Im Gegenteil: Ant-Man fungiert fast schon als eine große Entschuldigung an alle Fans und entschädigt für das, was sein Avengers-Vorgänger angerichtet hat.
So sieht in meinen Augen perfekte Popcornunterhaltung aus, die keine Ansprüche auf Realität erhebt, sondern eine eigene kreiert, die aber ernsthaft genug ist, um für bare Münze gehalten zu werden. Der Facettenreichtum, mit dem man die Ideen garniert, ist hier geradezu grandios und sorgt neben vielen tiefgründigen und gekonnten Jokes für erstklassige Unterhaltung, die einfach nur nach mehr schreit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses Mal ein dickes Dankeschön an die Worte im Abspann, die den Nachfolger von Ant-Man ankündigen.
Genau so – und nicht anders – wollen wir Filme sehen und um den Nachfolger anschauen zu können, muss man diesen Film hier kennen.
Reingehen – dieses Mal werdet ihr nicht enttäuscht. Weder vom 3D, noch von Story, Darstellung oder Drehbuch: Marvels dicke Entschuldigung an den Mist, der vorher verzapft wurde.
Also gebt euch den Ruck und genießt es, dass Ant-Man nicht so tief in der Kapitalisierung von Kunst versunken ist, sondern grandios am Rande des Mainstreams seine Erfolge einfordern darf.
Großartige Unterhaltung mit großartigen Darbietungen, tollen Dialogen und einer Geschichte, die Lust auf mehr macht.
Daumen hoch!

 
Nachspann
Ja, es gibt einen. Und nein, er hört nicht mittendrin auf, sondern ganz zum Schluss. Es gibt also zwei. Und die sind wirklich nicht unwitzig 😀 Also: Zappelt mit den Füßen, kriegt Asthma-Anfälle, Kreislaufzusammenbrüche und sonstwas – aber bleibt einfach im Saal bis es wirklich zu Ende ist ^^.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén