Miesepeter

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Frei nach Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens
inszeniert von der Augsburger Puppenkiste

Alle Jahre wieder … je älter man wird, umso trübseliger wird es, wenn das Jahresende neigt und man sich mit all den tausend mal erzählten Geschichten erneut rumplagen muss. Wieder und wieder … ein Jammer!

Das ist genauso, wie als Kind: Wenn man Fernsehen das erste Mal entdeckt, ist alles neu, alles spannend, es gibt unzählige neue Dokus, Filme, Shows, Dinge, die man noch nicht kannte und zum ersten Mal sieht – das Entdecker-Gen läuft auf Hochtouren und es gibt nichts spannenderes, als diesen Kasten einzuschalten und alles aus ihm rauszusaugen, was er hergibt. Zu viele Sender, zu wenig Zeit.

Dann – später – stellt man fest, dass all dies eigentlich nur eine Lüge ist. Schein. Dass zwar viel vorgegaukelt wird, aber im Grunde genommen doch alles das gleiche ist. Hat man eines gesehen, hat man alle gesehen. Man merkt, wie sich die Sender gegenseitig mit Wiederholungen überbieten, wie die immergleichen Filme wieder und wieder runtergespielt werden, als gäbe es nichts neues, das man dem Konsument vorsetzen könnte.

Ich für meinen Teil habe dann Kino entdeckt und stecke mittlerweile so tief drin, dass ich weiß, wieviel neues produziert wird und das eines der größten Probleme für kleinere Produktionen tatsächlich ist, dass zu viel existiert für zu wenig Leinwände in diesem Land und man deshalb – wenn überhaupt – nur kurz gespielt wird, um den Saal für das nächste Projekt wieder freizugeben. Es sei denn, man liefert Mainstream und produziert damit unchristlich viel Geld.

Dann gibt es diese Zeit im Jahr – Weihnachten – wo sich freiwillig jeder auf die traditionellen Geschichten beruft und quasi kaum jemand etwas Neues sehen möchte. Man spielt einen Dreck … das Öffentlich-Rechtliche kann man quasi am besten schon vorzeitig nicht mehr einschalten und man kommt trotzdem nicht um die ewigen Dauer-Repeats drumrum. Und zu allem Überfluss landen die Dinger dann auch noch überteuert in den DVD-Regälen, als ob sich jemand die Mühe machen müsste, um so endlich an diese Inhalte zu gelangen.

Also ab ins Kino. Und was läuft da?

Seit neuestem hat sich die Augsburger Puppenkiste zur Aufgabe gemacht, den weihnachtlichen Kruscht neu aufzumischen und mit ihren eigenen Puppen darzustellen, um kindgerechte Unterhaltung zu liefern, die eben nicht nur in Augsburg gezeigt wird, sondern landesweit auf den Leinwänden angespielt werden kann.

So auch dieses Jahr. Muss man, nur weil alle Erwachsenen den Kram nicht mehr sehen können, nun damit aufhören, ihn zu erzählen?

Dann könnten wir auch gleich die Lügen vom Weihnachtsmann und Christkind beenden und den Babys bereits aufgeklärte Psychoanalytik vorlesen, solang sie noch im Mutterleib sind und das Fest einfach sofort abschaffen und es zur „längere Ladenöffnungszeiten“-Phase deklarieren – das wäre wenigstens ehrlich und konsequent.

Ich finde nicht. Man sollte den Kindern zumindest ein paar Jahre die Illusion lassen, dass es etwas besseres gibt als die Realität. Vielleicht finden sich dann ja irgendwann mal einige, die den Mut in der Hose haben und daran tatsächlich nachhaltig etwas ändern wollen.

Und so lange erzählen wir Ihnen einfach die alten Geschichten.

 

.kinoticket-Empfehlung: Das Projekt der Augsburger Puppenkiste geht weiter: Man frisch alte Weihnachtsstories im Marionettentheater auf und serviert sie ganz Deutschland alljährlich zur Weihnachtszeit in Sonder-Events.

Das ist zumindest im Ansatz anders als der Mist, den sich der Rest der Mediencliquen zu dieser Jahreszeit gegenseitig verabreichen und somit tatsächlich einen Blick ins Kino wert. Auch wenn sich die Inhalte deshalb nicht erneuern: Die Erzählungen sind dennoch gut aufgemacht und bieten einen gewissen Unterhaltungswert.

 

Nachspann
✅ ist liebevoll animiert und bei der kurzen Laufzeit kann man das ruhig noch mitnehmen.

Kinostart: 1. Dezember 2018: An allen Adventswochenenden, an Nikolaus und an Weihnachten als großes Sonderevent im Kino.

Original Title: Geister der Weihnacht
Length: 64 Min.
Rate: FSK 0

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Der Grinch
© 2018 Universal Pictures International

 

Disney hat’s vorgemacht, der Rest tut ihnen gleich: Vor dem Hauptfilm werden ab jetzt immer öfters Kurzfilme gezeigt, die sowohl in der Presse als auch in allen regulären Vorstellungen eingespielt werden. Coole Sache, denn diesmal trifft es mit Illumination natürlich die Minions auf der Flucht – ein Hochkaräter, der das .kinoticket bereits lohnenswert macht und für die richtige Stimmung vor dem Hauptfilm sorgt.

Dies wäre aber gar nicht nötig, denn Der Grinch erzeugt nur in vorurteilsbehafteten Köpfen lautstarkes Gähnen… Ich mein: Klar, es ist Weihnachten, was auch immer mit diesem Miesepeter verbunden ist, grün, Jim Carrey und allerlei Blödelei, die man nicht mehr sehen kann und wer dann noch Benedict Cumberbatch weiß und auf den deutschen Plakaten Otto liest, dem dürfte der letzte Appetit auf dieses Filmhäppchen auch noch vergangen sein.

Kein Ding – ging mir genauso. Ich hörte schon Ottos markante Lache den ganzen Film über in meinem Kopf nachhallen und dachte mir: Wieso?

… bis ich dann den Streifen tatsächlich sah und vor Lachen nicht mehr konnte.

Illumination ist kein Label, dass bislang keine Erfolge vorweisen kann, sondern die Jungs haben’s immer noch extrem drauf. Die Jokes sind teilweise so erstklassig, dass man sich zwanghaft beruhigen muss, um nicht die drei Nachfolgenden zu verpassen. Und wenn man jemanden rein schleppt, der absolut keine Ahnung hat, dann fällt gar nicht großartig auf, dass Otto das Ding synchronisiert hat: Der Mann hat dermaßen Eier bewiesen, wofür ich ihm riesigen Respekt zolle. Sich so “normal” verstellen zu können und sämtliche Typus-Markanzen von sich abzulegen ist eine Meisterleistung, die hier sagenhaft funktioniert hat! Großartig!

Doch nicht nur dies, sondern auch die altbekannte Animationszeichnung, die aus dem Hause Illumination bekannt ist, sorgt für jede Menge Heiterkeit und die Einfälle, mit denen hier groß und klein unterhalten werden, gehören auch in die Top-Schubladen, die dieses Filmbusiness hergibt.

Das Schöne ist: Man kann ihn sich wieder und wieder ansehen – es bleibt einfach spannend und macht auch beim vierten Mal immer noch ungemein Spaß, die Feldzüge gegen den weihnachtlichen Irrsinn in diesem bunten Motzgewitter untergehen zu sehen.

Dass dabei auch noch emotional getanzt wird, man sich zeitweilig vor Rührung kaum bewegen kann, gehört nebenbei noch zu den Gewinnen, die die Eltern erziehungsmäßig für ihre Kinder miteinkaufen: Die Moral von der Geschicht’ glänzt nämlich mit vorbildlichen Zügen – nicht umsonst hat dieser Film das Prädikat “wertvoll” eingeheimst!

 

.kinoticket-Empfehlung: Lirum, larum – wer schon kennt und was befürchtet – dem sei gesagt: Alles ist anders und zehntausendmal besser!

Versteckt die Vorurteile gegenüber der Geschichte, dem “immergleichen Erzähltsein” und den angeblich falsch gewählten Synchronisationstalenten: Hier wird hochkarätige Arbeit abgeliefert, die in meinen Augen DEN Film für diese Jahreszeit schlechthin auf die Leinwand bringt: Besser geht’s grad nicht!

Moral, Emotion, Miesepetrigkeit und Otto als Sychnronstimme: Illumination packt wieder ein großes Geschenk auf den Tisch und sorgt für jede Menge Spaß und Freude bei groß und klein. Geht bedenkenlos rein, eure Kinder werden “gesünder” wieder aus dem Saal rauskommen.

 

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben, der ist nämlich wunderbar animiert.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Dr. Seuss’ The Grinch
Length: 89 Min.
Rate: FSK 0

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