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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mobbing

Rocca verändert die Welt

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© 2019 Warner Bros. Ent.

Tja, was soll ich sagen? Es ist der Film, auf den die Welt gewissermaßen gewartet hat, der so vieles so grundlegend anders macht, der sich endlich gegen bestehende Regeln auflehnt und ein meisterliches Beispiel dafür liefert, wie es funktionieren kann – und der dennoch dabei an einigen Dingen scheitert.

Scheitert? Da gibt’s nicht viel. Eigentlich nur ein paar winzige Punkte, die mir im Kino aufgefallen sind: Zum Beispiel die Sprechweise der Kinder und das “typische Verhalten” einiger Erwachsener in solchen Kinderfilmen, das mir immer noch bitter aufstößt und wo ich mir so oft etwas mehr Realismus wünsche.

Sei’s drum: Hier wird ansonsten mit so viel erfrischender Andersartigkeit aufgefahren, die jede Regel, jedes Klischee, jedes Eingefahren sein und jedes Vorurteil mit einer so modernen, klugen, selbstbewussten und gleichberechtigten Weise kontert, dass der Titel bereits jetzt zu Recht mit dem Prädikat “wertvoll” ausgezeichnet wurde.

Und dabei steht Rocca im Vordergrund, deren löbliche Einstellung und tolles Verhalten zwar manchmal die Affinität zur Nerverei aufweist, die aber ständig wieder durch erstaunliche Reaktionen verblüfft und zeigt, dass der Kampf ums Gesehen werden eben auch anders geführt werden kann und dafür nicht zwingend Hass und wilde Raserei von Nöten ist.

So hier wird’s richtig gemacht, meiner Meinung nach.

Nicht selten schafft man es, den Zuschauer an die Grenzen der Rührseligkeit zu bringen und sorgt für mächtig Stimmung im Gefühlsbad der Emotionen, denn, was hier gezeigt wird, ändert einige Ansichten und bringt völlig neue Ideen auf den Tisch.

Aber auch hier ein paar wenige Kritikpunkte: Natürlich mag in der Moral gute Absicht versteckt sein, gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass teils zu unreflektierte “Wahrheiten” wiedergegeben sein wollen, die man nicht zwingend voraussetzen muss, um in der Welt Gutes zu tun: Stichwort: “Fame”. Natürlich ist es herrlich gewesen, endlich mal solch ein Beispiel zu sehen, dieses Verhalten stufe ich jedoch wieder als etwas zu gutgläubig ein, denn es dürfte sich in der Praxis wohl eher als heuchlerisch erweisen und auf lange Zeit nicht durchführbar sein.

Dass wir an manchen Stellen nicht von Realismus sprechen müssen, der glaubhaft und ernst genommen werden kann, bedarf keiner Erwähnung, all dies ändert nichts an der tollen Message und der hervorragenden Intention, die hier durchgezogen wird und mit kindlicher Frische und einer unfassbar energiegeladenen Positivität in die Welt geströmt wird.

.kinoticket-Empfehlung: Mehr davon!

Ein unangefochten einzigartiges Beispiel für selbstbewusstes Gesehen werden im Kampf des Heranwachsens und der Geschlechterdiskriminierung: Hier werden so tolle Chancen und Möglichkeiten aufgezeigt, wie man dem alltäglichen Mobbing entgegen treten kann ohne dabei in Depression und Selbstmitleid oder gar Hass zu versinken.

Dass dies von Kindern dargestellt wird, verstärkt den Effekt und sorgt für ein unvergleichbares Kinoerlebnis, das ihr schnellstmöglich aufgreifen solltet, solange der Titel noch auf den Leinwänden ist.

Nachspann
✅ Rennt nicht gleich raus, hier werden zu Beginn noch Sequenzen gezeigt, die ihr auf jeden Fall mitnehmen dürft. Die Gute Laune macht auch im Nachspann keinen Halt.

Kinostart: 14. März 2019

Original Title: Rocca verändert die Welt
Length: 101 Min.
Rated: FSK 0

Rate Your Date

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© 2019 Twentieth Century Fox

Viele haben bei dem Gedanken an diese Filmthematik immer noch Kopfschmerzen von Safari – Match Me If You Can – und da gab es ja bereits vielfältige Kritik: Zu viel nackte Haut für die FSK-Freigabe, zu dämlich thematisiert, peinlich, lächerlich, usw…

All dies sollte euch trotzdem nicht davor abschrecken, in Rate Your Date zu gehen, denn dieser Film macht alles irgendwie besser. Viel besser.

Auch hier hatte ich wieder das Gefühl: Gebt mir die App! – Und diesmal wurde sie tatsächlich entwickelt, allerdings nicht auf die breite Öffentlichkeit losgelassen, denn Gründe dafür, dies nicht zu tun, sind im Film bereits ausreichend vorhanden.

Was mich fast ein wenig gestört hat, war, dass die App manchmal zu sehr in den Hintergrund trat und man sich auf die Leute drumrum und deren Probleme oder Anbandelung ausgerichtet hat, statt bei der Sache zu bleiben und dem Titel des Films gerecht zu werden.

Jammern auf hohem Niveau, denn der Streifen hat enormen Unterhaltungswert und einige wahrlich coole Socken im Angebot, für die sich das .kinoticket wahrhaft lohnt. In meinen Augen besetzt Edin Hasanovic den coolsten Part, der Trupp allgemein ist genauso sympathisch und irgendwie passt es diesmal alles in seiner Gänze.

Über grundlegende Sachen in Fragen “Liebe und Beziehung” zu diskutieren und hier zu erwarten, dass dieses Movie mit Tiefgründigkeitspotenzial aufwartet, darf man sich dennoch getrost sparen: Ich glaube, das ist kaum die Absicht gewesen, sondern viel mehr, einfach gemeinsam einen netten Abend im Kino zu haben und ein bisschen Dating-Wirr-Warr auf der Leinwand zu genießen. Und da sind tatsächlich genügend erfrischende Szenen, heitere Lacher und komische Sequenzen dabei, die das alles liefern.

Wer sich also bislang noch nicht dazu bequemt hat, diesen Film auf der großen Leinwand in vollen Sälen zu sichten, der sollte dies spätestens jetzt nachholen – es lohnt sich!

.kinoticket-Empfehlung: Wesentlich besser als der vielzitierte Safari – Match Me If You Can mit ausreichend Szenen, die einen zum Lachen bringen und enormem Unterhaltungspotenzial: Der Trupp stimmt, der Film wird nie langweilig und es macht Spaß, sich einen Abend im Dschungel der Liebschaften rumzutreiben.

Tiefgründigkeit sollte man nicht erwarten, schlechte Unterhaltung wird deshalb aber auch nicht geboten: Das Ding stimmt und macht mit Publikum im Saal ganz sicher richtig Laune.

Nachspann
✅ Sitzen bleiben! Hier folgt noch eine Szene.

Kinostart: 7. März 2019

Original Title: Rate Your Date
Length: 105 Min.
Rated: FSK 12

Und abschließend noch ein paar Impressionen von der Deutschlandpremiere im CineStar im Sony Center aus Berlin. Viel Spaß damit 🙂

Wunder

Erinnert ihr euch noch an die Zeit vor – ich glaube – ein oder zwei Jahren? Da war cineastisch überhaupt nichts los. Irgendwie lief nur Scheiße. Selbst die Blockbuster waren zum Kotzen und die Lust auf Kino tendierte gegen Null. Der Zuschauer wurde zu Hauf für blöd gehalten und man hatte das Gefühl, die Intelligenz hätte die Segel gestrichen und wir alle könnten nur noch dabei zusehen, wie die Welt nun vollkommen verdummt.
Recht und Ordnung, Moral und Anstand, profilschichtige Tiefe und sinnvolle Pointen – all das suchte man vergeblich. Es gab kein Independent-Kino mehr, keine Nischenfilme, kein Debüt-Kino, keine Insidertipps – und all das hat mir wahnsinnig Angst gemacht!
Die gute Nachricht: Meine Angst ist komplett vorbei! Ich freue mich so tierisch auf dieses Kinojahr, weil ich vieles davon schon gesehen habe. Ein Film davon ist Wunder und er wurde zu Recht und meines Erachtens mit zu wenig Oscar®-Nominierungen bedacht.
Es gibt ja den Ausspruch: “Nur die Harten kommen in den Garten” und dem möchte ich hinzufügen: Im Garten gibt es viele zerbrechliche Blumen, sinnliche Düfte, emotionale Freuden und andere Empfindungen, die mit Härte und Verbissenheit nur unterschwellig etwas zu tun haben. Und genau das trifft auch auf das Publikum von Wunder zu: An Emotionalität ist dieser Streifen wohl kaum zu überbieten und es ist kein Wunder, wenn es Damen gibt, die die ganze Vorstellung über entweder vor Freude oder Ergriffenheit bloß heulen.
Zur Zeit hab ich tatsächlich das Gefühl, Hollywood räumt nun endlich mal mit der moralischen Verkommenheit auf, die sich in den letzten Jahren in unsere Erdengesellschaft eingeschlichen hat und sorgt endlich wieder dafür, dass mal jemand vorlebt, wie man sich zu verhalten hat.
Und dabei kann man sich von allen eine dicke Scheibe Vorbild abschneiden, denn hier wird nicht schmalzig oder klischeehaft verkorkst, was viele andere Filme nicht in den Griff kriegen, sondern die authentische Liebe und der familiäre Zusammenhalt sind jederzeit spür- und greifbar.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mich hat der Film tief berührt und ich sehe ihn als eines von vielen (kommenden) Beispielen unvergleichbarer Menschlichkeit, die in unser aller Leben wieder vermehrt Einzug halten sollte.
Lasst euch nicht von Owen Wilsons früheren Werken abschrecken: Dieser Film ist ein Beispiel dafür, dass auch er vollkommen ernste und herzergreifende Filme machen kann.

 
Nachspann
lohnt sich das Abwarten nicht, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 25. Januar 2018

Fack Ju Göhte 3

Fack Ju Göhte spaltet die Meinungen. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Grundsätzlich schon mal ein gutes Omen, denn Filme, die zum Meinungsdiskurs führen, sind grundsätzlich wert, angesehen zu werden.
Mit dem #FinalFack möchte man dem Ganzen nun ein Ende bescheren und sich aus der Trilogie verabschieden, die im Jahre 2013 begann.
Einerseits hat man für mich damit einen Teil der Bevölkerung wiedergegeben, die wir uns durch die Änderungen in der breiten Öffentlichkeit seit einigen Jahren selbst heranzüchten, andererseits ist offensichtlich, dass damit die “dumme Generation” angesprochen werden will – und das stößt einigen halt bitter auf.
Elyas M’Barek löst auch unterschiedliche Gefühle aus, deren Reaktionen im nun dritten und finalen Teil natürlich eine gewisse Eigendynamik entwickelt haben, auf die man möglicherweise völlig selbstverständlich hingearbeitet hat.
Grundsätzlich hatte ich auch nicht unbedingt Lust, mir ein weiteres Mal das Versagen von sämtlichen Klischees auf der Leinwand anzuschauen, wenn man dieses doch im Alltag so oft und vielfältig beobachten kann. Und was soll ich sagen? Es wurde tatsächlich mein Film der Woche!
Warum?
Fack Ju Göhte hat ein eigenes Image erschaffen, aus dem man jetzt tiefschürfend schöpft und auch keine Hemmungen mehr aufweist, zu sich selbst zu stehen – und dieses filmisch-ehrliche Selbstbewusstsein tut ungemein gut.
Ich denke, auch das hat zum Großteil dazu beigetragen, dass diese Filmreihe die erfolgreichste deutsche Publikation ist, die wir je aufweisen konnten.
Und mit diesem Selbstbewusstsein stürzt man sich jetzt in die finale Aufgabe, den natürlichen Weg bis zum bitteren Ende hin durchzugehen und setzt dabei voll auf die eigens kreierte Version von Humor und platten Sprüchen, die auf einmal nicht mehr billig, sondern authentisch wirken und somit zur gefeierten Ehrlichkeit zusätzlich beitragen. Man versucht nicht mehr, sich zu behaupten, man ist über Erklärungen und Einführungen weit hinaus und kann nun einfach spielen.
Und dabei sind mir ein paar Dinge ins Auge gestochen, die ich unfassbar passend in unserer Zeit finde und für die ich diesen Film abfeiere. Man hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, tatsächlich eine wertvolle Botschaft in die Öffentlichkeit zu vermitteln und damit sowohl Hater als auch Fans der Reihe anzusprechen, denen man damit unschlagbare Argumente für diesen Film mit auf den Weg gibt.
Und das wirkt nicht etwa belehrend oder “schulmäßig”, sondern fließt völlig locker in den Humor des Films ein, der damit auch die Moralverächter nicht vor den Kopf stößt, sondern ihnen ihren Spaß lässt und dennoch dafür sorgt, dass man irgendwo anfängt, mitzufühlen und eine Message versteht, die man viel öfters in die Gesellschaft transportieren sollte.
Damit holt man quasi nun endlich auch die ganzen Vollidioten ab, die diese Unterschicht zu dem machen, was sie ist und zeigt ihnen, wie es besser geht. An manchen Stellen vielleicht etwas peinlich, dafür aber so genial ausgearbeitet, dass dieser Appell nicht nur Dummheit erklärt, sondern auch für die Gegner des Films Erklärungsansätze bietet, die für bessere soziale Gemeinsamkeiten sorgen – und das ist für mich das lobenswerteste, das ein Film zustande bringen kann.
Ganz im Ernst: Meine Hochachtung für dieses gelungene Kunststück, dass man tatsächlich Massen damit begeistern kann, eine Gesellschaft ethisch aufzuwerten – denn die Kinosäle sind ausgebucht, egal, wie groß sie sind.
Also macht einfach weiter so und strömt zahlreich in die Vorstellungen, auch wenn danach Schluss ist: Die Umsetzung liegt bei jedem selbst und ich hoffe, dass sich viele Anhänger davon finden und wir alle damit eine bessere Welt gestalten.
Und dass der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleiben muss, davon zeugt Fack Ju Göhte 3 ganz von selbst. Also genießt ihn.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich nicht nur der beste Teil der Reihe, sondern ein ethisches Meisterstück, dass seinen Ruhm dafür ausnutzt, um moralisch wertvolle Botschaften an die Massen zu verteilen, ohne damit zu nerven.
Und dafür meinen größten Respekt und den Wunsch an euch alle: Geht ins Kino, habt ungemein viel Spaß und nehmt mit, was dieser Film an Mehrwert bietet – es geht ins Herz.
Grandioses Finale und damit womöglich ein packendes Ende einer bis dato großartigen, deutschen Kino-Meisterleistung. Zu Recht vielbesucht und hoffentlich noch lange im Kino zu sehen.

 
Nachspann
Unbedingt sitzen bleiben. Die Outtakes wirken zwar teilweise etwas aufgesetzt, aber funktionieren dennoch und huldigen den Rest der Reihe auch nochmal.
Kinostart: 26. Oktober 2017

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Innovationen wie diese haben sich längst ihren Status als Klassiker auf dem Filmtreppchen einprägsamer Filme verdient und brauchen deshalb keine Neuauflagen, die so wirken, als hätte jemand den innigen Wunsch, von der Liebe zur Thematik ein Stück vom Kuchen abzukriegen.
Genau diese Ambitionen könnte man den Machern unterstellen, die ein Thema gewählt haben, dass schwer durch eigene Inspiration gefüttert werden kann, wenn es auf dem Markt bereits unangefochtene Alltime-Klassiker wie das Paradebeispiel schlechthin gibt. Im Wahn der Neuauflagen sämtlicher je kommerziell funktioniert habender Streifen war es nur eine Frage der Zeit, bis man sich auch diesen Themas erneut filmisch annehmen und es aufbereitet zurück auf die Leinwand holen würde.
Dass man sich jetzt für völlig andere Generationen mit einer grundlegend neuen Ausgangslage entschieden hat, die jedoch die gleichen, martialischen Auswirkungen auf den Zuschauer projizieren und eine schlichtweg konsequente, vorhersehbare und damit unnötige Pointe generieren, die sich nur absoluten Kino-Neulingen als bahnbrechend erweist, hilft meiner Meinung nach auch nicht sonderlich dabei, diesen Film auf ein episches Niveau zu heben, auf dem es seinem stillen Vorbild Konkurrenz machen würde.
Natürlich bewegt man sich hier auf erzählerisch absolut nahrhaftem Boden, der förmlich danach schreit, mit Witz, Kreativität und geistiger Inspiration gefüllt zu werden, doch genau diese Faktoren hält man seitens der Produktion stillschweigend zurück und offenbart damit ein etwas lustloses, spaßarmes und unaufgeregtes Stück Moralgeschichte, dass vielleicht beabsichtigt, mit seiner Konklusion die Jugend wie einen Hammerschlag zu treffen, dabei aber mit selbigen niemals auf der Schlagfläche aufkommt, um den nötigen Wow-Effekt zu erzielen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Zurückhaltende Interpretation eines Filmklassikers, den wir alle gesehen und geliebt haben.
Dem Werk fehlt meiner Meinung nach der gewisse Kick, um seine Existenzberechtigung gegenüber dem großen Vorbild zu beweisen. Die Story plätschert still vor sich hin und bietet ausschließlich der neuen Generation etwas bisher nie Dagewesenes, dass zu sehen sich lohnt.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, nach dem Schlussknall ist dann auch wirklich Schluss, egal, wieviel Text noch folgt.

Ein Dorf sieht schwarz

Ich muss langsam aufpassen, dass ich nicht doch damit anfange, hier und da zu spoilern, auch wenn das beim Titel eh schon fast auf der Hand liegt, worum es bei diesem Film gehen könnte. Politisch gesehen trifft man auf jeden Fall den Zahn der Zeit und schlägt damit komplett auf die Zwölf.
Dass das auch ohne moralische Predigten und vorgehaltenen Zeigefinger funktioniert, beweist Regisseur Julien Rambaldi mit seinem neuesten französischen Hit Ein Dorf sieht schwarz derzeit aktuell auf der Leinwand. Die beschwingte Fröhlichkeit des französischen Comedy-Kinos trifft auf die heitere Abwechslung in der Culture-Clash-Komödie mit tragischen Elementen, die das Bild einer nicht erwachsen gewordenen Gesellschaft abzeichnet, die sich im Laufe der Zeit kaum gewandelt hat, obwohl um sie herum doch irgendwie alles anders geworden zu sein scheint.
Dass die Franzosen witzige Filme hinkriegen, weiß man schon längst. Dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und das Leben oftmals die besten Geschichten schreibt, ist auch kein Geheimnis mehr. Vereint man dann beides auf der Leinwand, bekommt man ein rührendes Erlebnis, das weder im Schmalz noch in irgendwelchen Fettnäpfchen verunstaltet wird und dabei die zu Herzen gehende Geschichte einer Familie beschreibt, die auch in diesem Jahrzehnt wieder politische Relevanz in sich trägt.
Dabei versucht man nicht, einen weltumspannenden Hit zu generieren, der mit immer weiter reichenden Gags das Publikum erobert, sondern bewegt sich kaum aus der Wohnzimmerwohlfühlarea hinaus und baut eher im heimischen Stil den Charme rund um den Zuschauer selbst auf. Das Konstrukt erhebt sich am Ende zu einem wunderbaren Gesamteindruck und hinterlässt einen zutiefst emotionalen, herzergreifenden Moment.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichts für einen bombastischen Kinoabend, sondern eher für die gemütlichen Stunden zu zweit abends im Bett – wer dafür den Kinosaal bevorzugt, sollte sich eher in ein Independent-Lichtspielhaus verkrümeln, denn dort ist dieser Film bestens aufgehoben und erhält die ihm zustehende Würdigung.

 
Nachspann
kommt außer dem üblichen Abspann keiner mehr, man darf also raus rennen, sobald es dunkel wird.

Before I Wake

Mike Flanagan kennen viele eher von Filmen wie Oculus oder Ouija 2: Ursprung des Bösen, der bekanntlich in meinen Augen nicht so der Brüller war.
Selbiger Regisseur fährt hier zur Höchstform auf und klatscht einfach mal so eben einen Streifen auf die Scheibe, die mich in allen Maßen einfach nur begeistert hat.
Zum einen: Die Schärfe. Gibt’s schon 8K oder wird das erst in ein paar Wochen angekündigt und dann großspurig verbreitet, dass Before I Wake bereits diese Schärfe besitzt? Gestern im Kino ging’s mir zumindest so, denn die kristallklare, messerscharfe Feinheit, die hier überall ins Spiel kommt, ist einfach nur beeindruckend.
Zum anderen: Der Plot. Ja, man sieht sich anfangs mit den typischen Bausteinen konfrontiert, aus denen man sich einen Horrorfilm basteln kann, angefangen mit den Charakteren, die in eine solche Geschichte gehören und passend dazu gecastet wurden.
Doch bevor es anfängt, langweilig zu werden, bewirft man den angestachelten Zuschauer mit kreativen Ideen, die sich ins Grundthema des Films eingliedern und hier einer Basis Platz machen, die ich so sehr liebe: Ruhe.
Der ganze Film tänzelt um den Frieden und bereichert die Welt mit einer völlig anderen, irrsinnig einfallsreichen Form dessen, was jeder kennt und keiner bislang so ausgemalt hat, wie Flanagan das in diesem Titel macht.
Die Wendungen, der Überraschungsmoment kommt zwar nicht mit einem derartigen Knall, dass man an dieser Stelle mit euphorischer Begeisterung von einer umwälzenden Erfahrung sprechen könnte, die Story als Ganzes funktioniert aber und liefert hier einen Kinoabend, den man am besten zu zweit in einer kalten Winternacht genießt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kreativität, Einfallsreichtum, spannende Wendungen und ein trickreicher Plot, gekonnte Inszenierung und dazu eine fantastisch umgängliche Ruhe – machen aus diesem Streifen eine Erfahrung, die man nicht neben sich herschieben sollte.
Mich hat der Film immens beeindruckt, so sehr, dass ich einen Tag später direkt wieder im Kino saß und mir die Vorstellung nochmal anschauen musste.
Man verändert ein bestehendes Konzept so ab, dass aus der Show wieder etwas Inspiratives geworden ist, dass die Ausgewogenheit zwischen Schönheit und Grusel galant umschwärmt.
Fans von Gruselkino dürfen hier gerne zuschlagen.

 
Nachspann
Nix, sobald es schwarz wird, kommt entweder eine spannende Wendung oder der Nachspann – spätestens dann darf man wieder ins Licht flüchten ^^.
 

Angry Birds (3D)

Von Milliarden heruntergeladen, von Millionen gespielt und nun als Verfilmung auf der großen Leinwand: Angry Birds.
Der Trailer war Dauerbrenner in sämtlichen Vorstellungen der letzten Wochen und proklamierte hier weder den totalen Durchbruch in der animierten Szene, noch den Rohrkrepierer des Verkaufsschlagers der Spieleindustrie.
Der Film strengt sich wirklich an, beide Vermutungen zu bewahrheiten. Auch hier hat man wieder den Fehler gemacht und den zweiten Trailer rausgehauen, um die Leute bei der Stange zu halten und ihnen Futter vor die Füße zu werfen, damit sie nicht angewidert von dannen ziehen und sich doch etwas anderes anschauen. Daraus resultiert wieder viel zu viel Vorwissen und viel zu viele verschenkte Gags, die dann im Film nur noch mit “Ahh ja” und nicht mehr mit lautem Gelächter beantwortet werden können, was den Spaß am Schauen deutlich mindert.
Ich bin immer ein Freund davon, wenn man unberührt in einen Film geht und vorher einfach gar nichts weiß, was angesichts der Trailerhäufigkeit bei normalen Kinogängern schwer zu meistern war.
Und dementsprechend lau biedert sich dann auch die Story an. Klar, was will man über ein Vieh erzählen, das in einem Shooter-Videospiel Hauptdarsteller war und quasi eher die jüngere Riege unterhalten hat? Den großen Wurf braucht also niemand erwarten und dennoch hat man sich Mühe gegeben, hier eine verwertbare Story auf den Tisch zu hauen, die dreidimensional prächtig umgesetzt ist und somit wieder voll und ganz die Stärken der Animation an dem Ort ausspielt, für den 3D geschaffen wurde: Kino.
Mit seiner schrillen Farbenpracht und der quietschigen Art dominiert man hier die Säle tatsächlich mit dem Charme der Spiele und liefert eher buntes Kinderfernsehen als ernstzunehmende Kinokost. Und genau das könnte Erwachsenen wohl eher zu Schaffen machen.
Obwohl Animation für mich nicht gleichbedeutend mit Kinderfilm ist, sondern durchaus auch unterhaltsam für Erwachsene sein kann, hat man bei diesem Film im Vergleich zu laufenden Alternativen dann doch eher das Gefühl von mittelmäßiger Oberflächlichkeit und dem Wunsch, mit einem Spielehit im Kino noch einmal ganz groß rauszukommen.
Und genau das wird wahrscheinlich auch passieren. Der Sommer und die Ferien werden’s offenbaren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die Spiele früher unglaublich gemocht hat und in den Charme dieser Welt jetzt nochmal eintauchen will, der hat mit Angry Birds (3D) die Chance, das gebührlich zu tun.
Wer lieber gute Unterhaltung sucht und nicht in nostalgischen Erinnerungen schwelgen möchte, der sollte andere Tickets lösen, denn als alleinstehendes Werk sehe ich eher Schwierigkeiten darin, dem Film seine Größe abzukaufen.

 
Nachspann
Nicht vorschnell aufspringen, hier kommt noch etwas. Also ruhig etwas durchhalten.

Unknown User

Die Wartezeit, bis der Film endlich anlief, war für mich teilweise unerträglich. Irgendwie hatte ich im Gefühl, dass wir jetzt endlich wieder mal einen coolen Horrorfilm zu sehen kriegen, bei dem man nicht unbedingt enttäuscht wird.

Tja – ich sitze also gemütlich mit ein paar weiteren erwachseneren Persönchen im Kinosaal und werde von den kommenden Massenphänomenen in Form von billigen Trailern wieder tief runter auf den Boden gezogen.

Dann der Universal-Schriftzug, der auf einmal wie in einem hängengebliebenen Flashvideo verpixelt, abbricht und tonlich zusammenraucht. Fulminanter Start einer Story, wie sie im Buche steht.

Wer bisher keine Angst vor dem Internet hatte, der hat sie spätestens nach diesem Film. Netzaffine Typen, die sich ein wenig mit der Materie auskennen, dürften bei den gezeigten Szenen ein kleines Gefühl von heimischer Netzkultur erleben, denn der Streifen ist nicht nur eine einzige Hommage an die Funktionalität von Apple-Produkten und -software, sondern auch eine ganz neue Form des Horrors, der auf den Leinwänden erblüht.

Gott, ich saß drin – hab teilweise kaum mehr geatmet und einfach gebannt auf die Leinwand geschaut. Irgendwie gafft man sowieso 83 Minuten lang nur auf ein Display und lebt dadurch unbewusst so richtig schön einen Voyeurismustrieb aus, dem man sich die ganze Zeit über gar nicht so recht bewusst ist. Und es macht riesigen Spaß!

Dabei können selbst kleine Feinheiten, die man aus dem Chatter-Alltag nur zu gut kennt, zu einem stilistischen Höhepunkt mutieren, der einem wahrhaft die Gänsehaut auf den Rücken treibt. Wer kennt das nicht, wenn sein Gegenüber in einer panischen Situation auf einmal nicht mehr reagiert und sich sonst was für Szenen im Kopf abspielen? Eben jene Angstform wird hier auf den Höhepunkt und in Form einer Skype-Show bis zum blutigen Ende getrieben.

Die unterschwellige Kritik, derer man sich als ein Hauptaugenmerk des Films bemächtigt, zieht sich anfangs noch dezent, später dann stärker durch die Laufzeit hindurch und gipfelt schließlich in einer unvergebenen, bislang nicht dagewesenen Skurrilität, die seinesgleichen sucht.

Überhaupt ist es erstaunlich, mit welchem Maß an Beherrschtheit man hier mit den einzelnen Elementen des Films spielt und als Zuschauer sozusagen Gast einer Echtzeit-Show ist, die sich einzig und allein im Zimmer der Hauptprotagonistin abspielt – und jede verdammte Sekunde spannend ist, dass es einen manchmal förmlich zerreißt. DAS ist für mich wahres Meisterkino, denn hier wird nicht mit billigen Tricks und Effekten gearbeitet, sondern an den Stellschrauben der Angst in den Köpfen der Zuschauer gespielt und Gruselfeeling erzeugt, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Und ja, der Film hat eine FSK 12 Freigabe (auch wenn ich die in wenigen Sekunden des Films leicht anzweifle), und strömt daher nicht mit Blut, Gedärmen und anderem Quatsch durch die Gegend, sondern richtet sein Augenmerk gezielt auf Psycho-Effekte (und die wurden in der Ära des Kinos ja noch nie extrem bewertet – siehe Der Exorzist [FSK 16]).

Man soll es kaum glauben, aber auch beim zweiten Mal sehen, wo man dann schon alles kannte, gab es wieder diese Momente, in denen mir die Gänsehaut über den Rücken krabbelte und ich jubilierend genoss, was mir geboten ward.

So – meine Damen und Herren – geht hervorragende Unterhaltung auf Meisterniveau – und alles, was man dafür braucht, ist ein PC, Skype, Youtube, ein paar Websites und eine Kamera zum Draufhalten.

Und nein, derartiges spielt sich im echten Facebook niemals in dieser Form ab, aber genau das treibt einem die Schauer durchs Gehirn, denn wer sagt denn, dass es nicht doch passieren könnte? Dieser Moment, an dem man merkt, dass man eben doch nicht die absolute Kontrolle über das hat, was man postet …

.kinoticket-Empfehlung: Solltet ihr im Besitz eines Handys, Skype, PCs, Laptops, Youtube-Accounts oder ähnlichem sein, ist das euer Film.

Genial, was man aus den modernen Kommunikationsmedien gemacht hat und mit welcher meisterlichen Brillanz man hier die einzelnen Komponenten des bekannten Internet-Alltags zu einer virtuosen Studie des Grauens zusammengefügt hat.

Zwar endet die Zählung in einer listenartigen Abarbeitung unvermeidbarer Notwendigkeiten, jedoch tut dieses Manko dem Komplettwerk keinen Abbruch, denn auf die Auflösung kommt es meiner Meinung nach dann gar nicht so richtig an.

Endlich (und ich hatte es schon wochenlang im Gefühl) mal wieder ein Film, der Horror-Liebhaber nicht enttäuscht, sondern brillant unterhält und bis zum Ende an Spannung kein Stück nachlässt. Daumen hoch – 

.kinoticket holen und rein! Rein Rein Rein Rein! 😉

Nachspann
❌ Das erste Lied ist cool, erweiterte Szenen oder Fortsetzungen werden keine angedeutet (und die sind – seien wir ehrlich – auch nicht notwendig). Dieser Film ist in sich stimmig und endet so, wie es sein soll.

Kinostart: 16. Juli 2018

Original Title: Unfriended
Length: 83 Min.
Rated: FSK 12

The DUFF – Hast du keine, bist du eine

Ich muss gestehen: Schon beim Intro glänzte ein breites Grinsen in meinem Gesicht, denn ich konnte es kaum fassen, diesen Film bereits lange vor Kinostart erleben zu dürfen.
Schon bei den Trailern gab man uns einen Vorgeschmack auf das, was noch bevorsteht (Stichwort: Kung Fu Panda 3). Und auch die restliche Zeit hatte der komplette Saal geschlossen so richtig viel Spaß.
Dieser Film behandelt Klischees in äußerster Güte, ohne dabei selbst eines zu sein. Schön an die Moderne angepasst trifft er genau den Geschmack der jungen Generation und unterhält auf einem herrlich schmierigen Niveau, an dem sowohl jung als auch alt ihre Freude haben.
Interessant: Selbst die Studierten-Fraktion hatte im Kino dieses Mal so richtig Spaß, und deren Kommentare sind nicht selten höchst kritisch.
Sehr erfrischend auch hier wieder der unterhaltsam-lehrreiche Umgang mit den Medien der Neuzeit, welcher vorbildhaft in Szene gesetzt und ansatzweise diskutiert wird. Doch den Zuschauer erwartet hier keineswegs ein schnöder Gutmenschenfilm, sondern witzig-spritzige Unterhaltung von der ersten Minute ab.
Das Pointen-Niveau steigert sich bis zum Schluss und endet in dem Gefühl vergnüglichen Daseins, das vorhandene Werke weit in den Schatten stellt. Man könnte unfairerweise sagen, The DUFF ist eine Art American Pie, nur in Professionell ohne den ganzen billigen Sexkram und die Schülerhumor-Unter-der-Gürtellinie-Tour. Eine gesellschaftliche Charakterstudie, die selbiges zum Thema hat, dies aber höchst gekonnt abhandelt und dabei die Lachmuskeln nicht zu kurz kommen lässt. Keine Ahnung, wie ich es besser beschreiben soll, ohne meinen Ethos zu brechen und hier unfreiwillig zu spoilern.
Fakt ist: Ich freue mich schon tierisch auf den offiziellen Kinostart und darauf, diesen Film noch einmal sehen zu dürfen. Und genau das solltet ihr auch tun: .kinoticket kaufen und rein da!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wunderbar schräge, professionelle und niveauträchtige Unterhaltung, die bekannte Klischees unserer Gesellschaft erforscht, vorstellt und auseinandernimmt.
Ein Film, der es tatsächlich wert ist, gesehen zu werden, denn nicht nur die Lachmuskeln werden hier umschmeichelt, sondern die vergnügliche Gute Laune gräbt sich ganz tief in deinen Empfindungskörper ein und breitet sich dort 101 köstliche Minuten lang so richtig aus.
Schau-Empfehlung!

 
Nachspann
Sollte man ebenfalls mitnehmen. Kein einziger hat hier den Saal freiwillig vorzeitig verlassen.

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