.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mord Page 1 of 4

Vollblüter

Mein Lieblingswort in letzter Zeit: Debütfilm! Cory Finley hat das Unfassbare geschafft und eine Geschichte ins Leben gerufen, die Kino wieder einmal interessant macht: Nicht die üblichen Verdächtigen in Sachen Charaktere, sondern völlig einzigartige und moderne Schöpfungen, die in einer komplett desaströsen, mentalen Welt umherirren und sich dabei völlig ungehindert entfalten können: Klar, so etwas hat’s ja noch nie bisher gegeben, warum also sollten hier irgendwelche Grenzen existieren?
Allein diese erfrischende, neuartige und mutige Variante, mit der man auf menschliche Interna zugeht und sie gegeneinander ausspielt, ist faszinierend. Dabei erhält der Zuschauer so vielfältige Möglichkeiten der Interpretation, die ihrer selbst wieder in eine neue Dimension vorstoßen und somit nicht an Altbekanntem kratzen, sondern völlig jungfräuliche Wege beschreiten.
Und mal ganz ehrlich: Was gibt’s geileres als das? Gedankliches Frischfleisch, dass noch nie in den Fängen einer Kapitalismuskralle oder angstüberbordenden Entscheidungen festgesessen und die zwanghafte Entmannung nischengläubiger Gedanken durchleiden musste?
Der Geist ist frei … und auf einmal sind alle emotionalen und moralischen Zwänge und Grenzen entfesselt und man kann damit beginnen, zu spielen. Dafür wurden Leinwände erschaffen!
Und das fasziniert mich immer wieder an Debüts: Man macht einfach mal, denn es gibt ja nichts, woran man das Erstlingswerk messen könnte. Und somit gibt es nur einen Verlierer: Die Einschränkungen. Und darauf verzichten wir alle gerne.
 

.kinoticket-Empfehlung: Macht euch gefasst auf ein neues, psychodramatisches Spiel, in dem es keine Grenzen mehr gibt: Dieser Film erweist unfreiwillig dem 2016 verstorbenen Anton Yelchin alle Ehre und setzt ihm ein würdiges Denkmal.
Die Faszination, aus moralischen und ethischen Grenzen ausbrechen zu dürfen, schöpft dieser Titel vollständig aus und nutzt daher das leinwandgegebene Recht, Experimente der abartigsten Sorte durchzuführen, ohne dabei auch nur einer Menschenseele zu schaden.
Einer der Gründe, weshalb ich Kino generell liebe und einer der Gründe, weshalb ihr euch den Titel ansehen solltet: Es macht nämlich unheimlich viel Spaß!

 
Nachspann
❌ Nicht hocken bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 09. August 2018

The First Purge

Wenn “Purge” im Titel vorkommt, darf bei den Producern so viel Blumhouse Productions stehen, wie will: Dann hab ich mit diesem Label meinen absoluten Frieden. The First Purge ist nach The Purge – Die Säuberung, The Purge: Anarchy und The Purge: Election Year bereits das vierte Filmchen dieser grandiosen Spielfilmreihe und begeistert ein weiteres Mal mit unerwartetem Tiefgang und grandiosen Horrorfilmeinlagen.
Inzwischen hat Blumhouse Productions als Probier-Label von sich reden gemacht, die Dinge testen, die sich sonst keiner der großen Studios mehr traut. Die Produktionskosten sind in fast allen Fällen überschaubar gering und somit ist ein möglicher Flop durchaus verschmerzbar, zumal sich kommerziell gesehen in letzter Zeit öfters ausgezahlt hat, dass man sich solch neuer Filmversuche angenommen hat.
The First Purge ist kein Filmversuch mehr, sondern bereits die dritte Fortsetzung einer großartigen Filmidee, die eben nicht auf stupides Blutgeplänkel und billige Gore-Effekte setzt, sondern sich psychologisch als auch politisch mit möglichen Szenarien einer absurden Welt auseinandersetzt und diese einfach mal durchexerziert. Entertainment at it’s best: Man nutzt gekonnt die Leinwand für psychologische Spielchen, die in der realen Welt undenkbar wären und sorgt so für großartige Unterhaltung in ihrer vollen Blüte! Es macht einfach nur Spaß.
Nun könnte man meinen, dass man im vierten Teil nun endlich allen Saft aus dem Wollmilchkuhschwein herausgepresst hätte und nicht mehr viel Neues hinzukommen kann: Es wurde alles gesagt, es wurde alles gezeigt und nun geht’s in immer wiederkehrende Wiederholungen rasant in Richtung Langeweile? Nein! Genau diese Erwartungen mag man vielleicht als unvoreingenommener Kinobesucher anfangs haben, aber genau da erlebt man, weshalb ich diese Filmreihe so sehr schätze: Man trumpft mit Inhalten und gibt sich nicht mit billigen Wiederholungen zufrieden.
Es sind eben nicht die sonst bekannten Splatter-Erfahrungen, die abseits jedweder Vernunft und Größe den Geist dieser Horrorlandschaft ausfüllen, es sind wohl durchdachte, provokante und tiefgründige Gedankenexperimente, denen man Leben einhaucht und ihnen Bilder und Töne angedeihen lässt, damit sich der Zuschauer gänzlich darauf einlassen und die Folgen dessen genießen kann. Selten hab ich so viel Menschlichkeit in einem Film gesehen, dessen Aufgabe es ist, das Leben in jeder Form zu verachten und den niederträchtigsten Gelüsten Freiraum zu verschaffen!
So mag vielleicht der ein oder andere enttäuscht sein, weil die Werbung, .trailer und Poster andere Töne angezeigt haben, der Film selbst überrascht aber mit einer großartigen Portion Seligkeit und türmt dabei die professionellen Erwartungen an diese Filmreihe weiter nach oben auf: The First Purge zeigt Größe und beweist einmal mehr, dass Horror nicht gleich Stumpfsinn sein muss: So wird’s eben richtig gemacht!
 

.kinoticket-Empfehlung: Anders, als so manch einer vielleicht erwarten würde, aber dafür umso reichhaltiger und bewundernswerter: The First Purge opfert seine Liebe dieser ausgefallenen Idee und steht als Prequel ganz oben auf dem Treppchen der gelungenen Fortsetzungen.
Soundtrack, Kulisse, Dramaturgie und Tiefgang als auch Kostüme und Masken: Hier hat man richtig investiert und sorgt einmal mehr für offenes Staunen und Verwunderung, wenn auch aus völlig anderen Beweggründen als anfangs angenommen. Diesen Film darf man sich als wahrer Purge-Fan sowieso nicht entgehen lassen!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, es sei denn, man steht auf den Soundtrack 😉
Kinostart: 5. Juli 2018

Jurassic World: Das gefallene Königreich (3D)

Testfrage: Gehst du in Jurassic World: Das gefallene Königreich – evtl. sogar in eine 3D-Vorstellung?
Menschen, die unlängst bei der Vorbestellung zugeschlagen haben, dürften hier schon eine feststehende Antwort parat haben. Und alle anderen? Hand aufs Herz? Ja oder nein?
Daran seht ihr, dass die Entscheidungen eigentlich schon längst gefallen sind und man daran auch als Kritiker womöglich nicht mehr wirklich etwas ändern könnte.
Und darum wird der Film auch funktionieren.
Logisch. Der alte hat ja auch funktioniert. Jurassic World gehört immerhin zu den weltweit (!) erfolgreichsten Filmen aller Zeiten nach Einspielergebnis (da ist das böse Wort) und belegt dort gleich Platz 5 im Ranking. Sein Urvater Jurassic Park schafft es im Jahr 1993 sogar auf den historischen Platz 1 auf der Toplist der weltweit erfolgreichsten Einspielergebnisse.
Als erfolgreichstes Franchise räkelt sich die Filmreihe derzeit auf Platz 12, was sich demnächst dann ändern dürfte. Franchise?
Das ist dieses Ding, wo jemand eine – zugegebenermaßen – grandiose Idee hat, sich dann hinsetzt und ein Papier aufsetzt, in dem steht, was andere mit dieser Idee im Rahmen der Freigaben anstellen dürfen und fortan damit nur noch Geld verdient. Und hier fangen die Probleme an. Ja, Entschuldigung, ich jammere …
Jurassic Park war damals einzigartig. Was gab es drumrum an Filmen? Wie sah der Markt aus? Was wurde dem Zuschauer an Gros aus Filmen geboten, wenn er sich für ein Lichtspielhaus entschied? Welche Alternativen gab es? Alles war gleich. Mehr oder weniger. Normale Menschen, normale Größen, mal lustig, mal traurig, aber alles auf ein und demselben Level.
Und es gab Jurassic Park. Dinosaurier! Egal, ob man sich vorher dafür interessiert hat oder nicht, danach tat man es. Diese unfassbare Vorstellung, dass diese Viecher, von denen keiner von uns je eines lebend gesehen hatte, jetzt lebendig auf der Leinwand rumtobten und dort jede Menge Krawall anrichteten – ein Traum! Allein die Faszination des Lebens ganz neu bestaunen zu dürfen und von den Protagonisten mitgerissen zu werden – das Dinofieber war ausgebrochen und ein Wort bekam neue Dimensionen: Superlative!
Die Dinos waren vor allem eins: Groß und mächtig. Wir Zuschauer fühlten uns unterlegen, klein, voller Begeisterung und Bewunderung – gefesselt von der Magie und Faszination, fast schon demütig vor ihnen und zuckten alle in unseren Sesseln zusammen, wenn das schwere Trappen der übergigantischen Monster zu vernehmen war. Es gab nichts, was ihnen den Rang ablief. Sie waren die absoluten Götter der Giga-Dimension mit einer vernichtenden Kraft, vor der man ganz automatisch in die Knie ging.
Heute?
Gibt es Godzilla, Kong: Skull Island, Transformers, Transformers – Die Rache, Transformers – Die dunkle Seite des Mondes, Transformers – Ära des Untergangs, Transformers – The Last Knight, Pacific Rim, Pacific Rim: Uprising, Cloverfield, 10 Cloverfield Lane, Monsters, Rampage: Big meets Bigger … und? Jurassic Park, Jurassic Park II, Jurassic Park III, Jurassic World und nun eben auch Jurassic World: Das gefallene Königreich. Um mal nur ein paar zu nennen.
Die Einzigartigkeit, die Jurassic Park damals ausgemacht hat, das “riesige” was uns über den Kopf gewachsen ist und seit jeher in den historischen Gedanken der Menschheit verankert existierte, wieder neu zum Leben erweckt, fristet heute ein Dasein in einer dunklen Nische und ist umgeben von Superlativen, in denen wir alle in den letzten Jahren längst ersoffen sind.
Geben wir es doch zu: Keiner will mehr was von diesen monströsen “immer noch größer und noch besser und noch schlechter animiert, aber dafür 2489 Billiarden teurer”-Filmen mehr sehen, denen jedweder Geist und Seele fehlt und denen es allen nur ums Geld geht, aber nicht mehr um eine grandiose, und vor allem funktionierende Geschichte.
Willkommen in Jurassic World. Verdammte hacke!
Und jetzt fang ich wirklich das Kotzen an! Warum?
Ihr erinnert euch an meine jüngsten Hasstiraden gegen den Megakonzern Disney, der das weltweit unrühmliche Beispiel geliefert hat, wie man aus etwas Wunderschönem eine karambolagierende Untergangsmaschinerie gestaltet und damit zahlungsunfähige und filmliebende Kinos ausblutet, die fortan mit schlechteren Filmen die großen Blockbuster subventionieren müssen, um über Wasser zu bleiben?
Universal Pictures folgt ihrem diabolischen Beispiel. Sie wollen Geld. Sie werden raffgierig. Sie kriegen nicht genug. Die Zeiten der Dankbarkeit und des “Hey, Wow, wir haben es weltweit zu Bekanntheit und Ruhm geschafft” sind vorbei und machen dem Mammon Platz. Irgendjemand hat zwischen seinen Trilliarden immer noch Lücken im Portmonee und die müssen dringend auf Kosten von kleinen Kinos gestopft werden!!! Da werden harte Verhandlungen im Hintergrund geführt, die sogar Multiplex-Kinoketten wie CinemaxX in die Knie zwingen und bis ganz zum Schluss die Entscheidungen offen stehen lassen, ob Jurassic World 2 dort überhaupt anlaufen wird oder nicht. Warum? Weil der Konzern so immens hohe Gebühren fordert, dass die Kinokette daran nichts mehr verdienen würde.
Ernsthaft jetzt?
Und was machen dann die kleinen, die nicht so solvent und zahlungsstark sind wie solche Megaketten?
Ist das wirklich euer Ernst? Ist das der Respekt vor dem Leben und die Aufrichtigkeit, die uns Jurassic Park gelehrt hat?
Ihr – die ihr die Macht in euren Händen haltet, hättet mit beispielhaftem Vorbild vorangehen müssen und sagen: Wir geben ihn euch. Wir machen damit sowieso Kohle. Unfassbar viel Kohle! Wir verdienen so viel, wie wir niemals tragen oder ausgeben können. Hier ist ein Bruchteil dessen für euch, damit keiner sich zu Tode schuften und irgendwas subventionieren muss, um unseren Film zu zeigen.
Ihr habt nämlich vergessen, dass Kinos die Plattform sind, wo eure Filme gezeigt werden und ihr auf diese Häuser angewiesen seid. Ohne ihre Leinwände seid ihr … nichts! Eure ganze verdammte Großkotzigkeit ist NICHTS ohne eine Leinwand! Ihr verachtet mit solch einer Aktion eure eigene Familie und blutet die aus, die dafür sorgen, dass ihr euch hinterher stolzierend brüsten und selbst feiern könnt, weil nur die Kinos die Menschen anlocken und dort eure Werke gefeiert werden. Oder eben nicht.
Ich warte bis heute auf den Konzern, der das einsieht und der endlich ein markantes Beispiel setzt und sich erkenntlich zeigt. Der es begreift, wenn man große Macht hat, dass darauf große Verantwortung folgt. Habt ihr denn alle nicht euren eigenen Worten zugehört? Habt ihr nichts von den Superhelden der Vergangenheit gelernt? Scheinbar nicht.
Und dieser Umstand kotzt mich an! Recherchiert man ein wenig, findet man ruckzuck Kinos, in denen ein (1!!!) Ticket für einen Film in 3D knappe 30 € – also 60 DM – kostet. Warum DM? Weil ich an die Zeit erinnern wollte, wo man für 50 Pfennig durch die Tür gelassen wurde. Aus 0,25 € wurden 30,00 €. Findet ihr nicht auch, dass ihr durch diesen Wahnsinn den Kinogängern eh das Geld aus der Tasche zieht? Und dass immer genügend Gewinne da sein werden, in denen ihr euch suhlen könnt?
Okay okay … wenn ihr auch etwas dafür bietet. Dann schauen wir doch mal.
Jurassic World: Das gefallene Königreich – gefallen … gehört das zur Selbsterkenntnis oder ist euch nichts besseres eingefallen? Selbst der grottenschlecht abschneidende Solo: A Star Wars Story hatte Momente, die an seinen Schöpfer erinnerten und bei jedem die Gänsehaut aufflammen ließen, z.B. als die beiden erstmalig im Millennium Falcon sitzen und der Beat von Star Wars erklingt. Redet den Film schlecht. Kritisiert seine Unzugehörigkeit zum Rest von Star Wars, aber die Szene hat funktioniert. Und davon hättet ihr in Jurassic Park genügend Ansatzmöglichkeiten gehabt, um genau das wieder hervorzurufen.
Und was tut ihr stattdessen? Weiß jemand, was Killcounts sind? Diese Counter, die am Bildschirmrand mitzählen, wieviele Leute abgemetzelt werden? So etwas hätte ich gerne im Eck gehabt, und zwar für Logikfehler.
Ein Dino rammt mit seinem Schädel gegen Wände und bringt massive Betonsteinmauern zum Einsturz und scheitert anschließend an einer kleinen Holzdiele? Läuft.
Dino rennt eine Treppe hoch und hinterlässt Zerstörung und das absolute Chaos, erklimmt das Dach und die zerbrechlichen, sensiblen kleinen Dachziegelchen bleiben allesamt heile? Läuft.
Oder euer Einfallsreichtum. Ich kann mir das so vorstellen: “Was hat denn schon mal funktioniert?” “Hm… keine Ahnung? Dinos?” “Ahh … ja. Welche denn?” “Ähm, wir könnten … irgendwas mit Raptoren. Ach und T-Rex vielleicht.” “Ja, machen wir das doch. Wie halten wir das Budget gering?” … das könnt ihr im Film selbst anschauen.
Euer Film erstickt an seiner eigenen Vorhersehbarkeit. Ausnahmslos jede einzelne verdammte Szene ist vorhersehbar. “Jetzt passiert das.” … und es passiert. “Und jetzt müsste das passieren” und es passiert. “Und jetzt müsste sie eigentlich dahin rennen.” … und sie rennt dahin. So geht das den ganzen Film über. Es gibt absolut keine Überraschungen oder Momente, die einen wirklich vom Hocker reißen und auch nur ansatzweise das Staunen, die Mystik und Faszination zurückkehren lassen, die uns Jurassic Park einst lieferte. Statt dessen presst sich aus allen Poren etwas völlig anderes: Scheinheilige Kompromisse, um ja niemanden auf der ganzen Erdkugel vor den Kopf zu stoßen. Jurassic World 2 ist alles: heilig, halal, vegan, bio, glutenfrei, koscher und laktoseintolerant. Diese Kompromissbereitschaft und das Daniederliegen in Angst, auch nur einen einzigen Cent zu verlieren, weil IRGENDJEMAND sich vor den Kopf gestoßen fühlen könnte, ist zum Erbrechen!
Ich meine: Überlegt euch das mal… wir haben hier einen Film mit der wohl gewaltigsten Schöpfung und Kraft, die es auf diesem Planeten jemals gegeben hat. Eingepackt in einen Film, der vor Symbolträchtigkeit und Schwere von niemandem anzuheben ist und eigentlich Unvergleichbar sein sollte. Und seine Schöpfer haben Angst? Angst davor, Geld zu verlieren? Stattdessen verlieren sie sich selbst in einer Kompromissbereitschaft, die zum Himmel stinkt und in einer öden, langweiligen und lahmarschigen Variante seiner selbst untergeht und aus etwas Meisterwerk-Unangreifbarem einen Schundfilm gemacht hat, der wie ein billiges, hässliches Kind wirkt, dass mit nichts zufrieden ist, was man ihm gibt.
Die Dialoge sind so dermaßen öde und langweilig, uninspirierend und langsam, überhaupt nimmt der Film keinerlei Fahrt auf. Alles ist einfach da. Dinos rennen. Juhu. Ach nein, auf einmal stehen wieder alle einfach nur rum. Obwohl im Hintergrund …. egal. Spoiler ich? Tschuldigung. Da … eine offene Autotür. Ach Mist, der Dino ist noch nicht da. Warten … Warten …. bloß nicht einsteigen … nicht reingehen und einfach abhauen und wegfahren. Kucken! Warten und Kucken! Noch mal kucken! Und warten. Jetzt ist der Dino da. Ein Schritt. Es wäre nur ein Schritt. Aber ich gehe ihn nicht. Sondern warte lieber. Und kucke den Dino an. Der bewegt sich. Auf mich zu. Ich bewege mich aber nicht, denn ich muss kucken. Und warten. Und zack – ist meine zehnstündige Chance, im Auto mit offener Tür direkt vor meiner Fresse auf einmal unwiderbringlich verloren.
MEINE FRESSE! Und sowas verkauft ihr uns als erfolgreichsten Dinofilm aller Zeiten, der so verhandelbar stark ist, dass ihr sogar Monster-Kinoketten in die Knie zwingen wollt, so dass sie daran nichts mehr verdienen?
Go, fuck yourself.
Das einzige, das an diesem Film gigantisch ist, ist der gigantische Schlag in die Fresse eines jeden, der im Leben schon mehr als 5 Filme gesehen hat, den ihr nach Strich und Faden verarscht und ihn perverserweise noch dafür bezahlen lasst. Und zwar teuer. Teuer mit Zeit und teuer mit Geld, über das ihr dann auf der Leinwand wieder scheinheilig rumlamentiert und es aufs höchste verurteilt. Erkannt? Das, was Jurassic World 2 am Wesen des Menschen anprangert, erfüllt ihr mit eurem eigenen Film parademäßig selbst. Wie pervers bitteschön ist das denn?
Und das eigentlich traurige daran kommt jetzt: Es wird funktionieren. Der Film wird sensationelle Einspielzahlen einfahren, denn wer will denn nicht Dinos auf der Leinwand hüpfen sehen? Wir alle lieben es doch abgöttisch, wenn diese Monster vor uns die Welt in Schutt und Asche legen und wir dabei zuschauen dürfen.
Nur, dass das leider in dem Film hier nicht passiert.
Wisst ihr, was mir an dem Film gefallen hat?
Das, was die meisten meiner Pressevorführungsmitglieder alle schon nicht mehr mitgekriegt haben, weil der Saal grottenleer war: Die After-Credits-Szenen. Ganz zum Schluss – nachdem alles abgelaufen ist, kommt nämlich noch ein saftiger Nachspann. Und bei der Sequenz hatte ich Lust auf einen neuen Film. Der war da aber dann endgültig vorbei. Verdammt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses Werk ist auf allen Ebenen des Seins eine grandiose Enttäuschung.
Auf der Leinwand, in Sachen Logik, in Sachen “baut Geschwindigkeit auf”, in Sachen Dialoge, in Sachen Animation, in Sachen Einfälle.
Hinter der Leinwand in Sachen Verhandlungen, in Sachen Geldgier, in Sachen Ausbluten kleinerer Kinos, in Sachen Ausbluten großer Kinos, in einem verachtungswürdigen Verhalten der Betreiber in jederlei Hinsicht.
Und aus diesem Grund sollte man dieses Werk konsequent boykottieren, um hier als zahlender Kunde ein Zeichen zu setzen und zu sagen: So nicht! Denn eines haben die Studios auch vergessen: Ihr braucht nicht nur die Kinos, um selbst reich zu werden. Ihr braucht in allererster Linie uns zahlende Kundschaft. Und wenn die auf mein Nachfragen nicht wie aus der Pistole geschossen antwortet “Geil!!!”, sondern Sätze fallen wie “Da muss ich erst nochmal eine Nacht drüber schlafen, ob der wirklich gut war oder nicht”, dann gibt es in meinen Augen kein besseres Zeugnis eures Versagens.
Geht, haut ab und kommt einfach nicht wieder.
P.S: Jurassic World 3 ist bereits für 2021 angekündigt.

 
Nachspann
✅ Hocken bleiben – und zwar ganz bis zum Schluss, sonst verpasst ihr das Beste des Films! Hier kommt noch eine mörderische Szene!
Kinostart: 06. Juni 2018

ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts

Und weiter geht’s im Land der Besonderheiten: Wir bewegen uns nach Bollywood und verzichten gleich mal auf Show, Tanz und Gesang: Ja, Indien kann auch ganz anders!
ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts lehnt an das 1969 gedrehte Filmwerk an und präsentiert einen erstklassigen Krimi in indischer Manier: der deutsche Kulturgänger wird hier wohl die ein oder andere merkwürdige Szene finden, die den indischen Humor durchscheinen lässt, was für den geneigten film noir-Liebhaber wohl seltsam anmuten wird, allerdings kann man sich stellenweise das Lachen dann doch nicht verkneifen und die Story reißt auch ziemlich bald in ihren Bann und fesselt bis zum spektakulären Finale.
Wer sich jetzt desinteressiert abwenden möchte: In Indien wurde der Streifen zeitgleich mit Thor: Ragnarok released, was eine ziemlich starke Konkurrenz darstellt und gegen den er trotzdem seinen Platz behauptet hat. Ein Blick in die hierzulande rar gesäten Vorstellungen ist er also definitiv wert.
Über die anfängliche Suche zwischen Komödie und Thriller ist er schnell hinweg und entwickelt dann einen sehr speziellen, tiefergehenden und interessanten Blick in eine Geschichte, die zum Mitraten einlädt und ihre Offenbarung lange auf sich warten lässt. Diese ist dafür aber umso genialer und bereitet dem Zuschauer ein süffiges Ende. Damit erlebt man einen Thriller, der zwar von fern her kommt, es jedoch locker mit internationalen Größen aufnimmt und sie locker in die Tasche steckt. Prädikat: Sehenswert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Bollywood mal ganz anders: Kein Gesang, kein Tanz und keine Kleider: Hier herrschen völlig neue Prinzipien und nehmen einen mit auf eine spannende Ratetour quer durch die dunklen Tiefen einer wunderbar erzählten Story.
Auch wenn der indische Humor vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist: Der überwiegende Teil dieses Films besteht aus einem ernstzunehmenden Thriller mit wendungsreichen Pointen und einem herrlichen Finale.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018
Alle Kinos, die den Film in einem einmaligen oder wiederholten Event zeigen, findet ihr hier.

The Commuter

Wer erstklassige Action sucht mit grundsoliden Festen, auf denen dieser Erzählspaß fußt, sollte um Liam Neeson einen leichten Bogen machen, denn der äußert sich eher in subversiver Materie, die nicht ganz vorne dran mitspielt, sich aber in den letzten Jahren durchaus seinen Bereich freigekämpft hat.
Dann kam The Secret Man und auf einmal war der Mann riesengroß!
Entsprechend stiegen auch meine Erwartungen und für Übernahme-Dramen hab ich immer etwas übrig, allerdings mittlerweile auch mit sehr gestiegenem Niveau und hohen Ansprüchen.
Der .trailer zu The Commuter (deutsch: Der Pendler) tut sein übriges und teasert wieder eine völlig neue, geile Idee an, für die Neeson wie geschaffen zu sein scheint und der Film dann … naja.
Jüngst hat man darüber diskutiert, wieso Hollywood es so liebt, in Filmen mit Zügen zu arbeiten: Sie bringen Fahrt auf, treiben die Story voran, bringen Geschwindigkeit und Drive in die Sache … und all das findet man in The Commuter eher weniger, ganz im Gegenteil: Es zündet irgendwie nicht so richtig, die Gespräche deuten zwar hochdotierte Kost an, aber das Ergebnis ist dann genauso ernüchternd wie der Blick in den FastFood-Karton eines Burgers.
Und das ist eigentlich traurig, denn das Thema ist spannender denn je und gewinnt in unserer Zeit sogar immer mehr an Bedeutung im Umgang mit dem sozialen Umfeld.
Dass hier dann so enorm mit Effekten, Spannungsbögen, gefühlter Geschwindigkeit und dem durchdringenden Rumms eines unaufhaltsamen Zuges gespart wird, deutet an, dass dieser Film wohl bald wieder aus den Kinos verschwinden wird, obwohl die Zuschauerzahlen noch im angenehmen Bereich sind. Und das Ende ist gelinde gesagt einfach erbärmlich und gnadenlos mit dem Zuschauer, der hier entweder verstört aufspringt und aus dem Saal rennt oder enttäuscht sitzen bleibt und sich fragt, warum das jetzt alles.
Da hätte man den Drehbuchschreibern einfach noch ein paar mehr Nächte aufs Auge drücken müssen, um hier einen etwas glückseligeren Ausgang zu finden, was nicht zwingend bedeuten muss, dass man an der Positiv-Negativ-Waage etwas drehen muss. Nur der Twist ist insofern nicht wirklich da und offeriert eher Lustlosigkeit denn Leidenschaft – sehr zum Leidwesen desjenigen, der sich voller Vorfreude ein .kinoticket für die Show gebucht hat und wieder einmal verblüfft werden will.
 

.kinoticket-Empfehlung: Neeson kehrt zu alter Gewohnheit zurück und überzeugt wieder in seinem bekannten Business ohne großartige Überraschungen oder nennenswerte Elemente.
Der Film ist solide verpackt in unterschwelligem Humor und bringt es die ganze Laufzeit über kein einziges Mal fertig, so richtig Fahrt aufzunehmen. Das Potenzial, dass man anfänglich in den Dialogen noch samenhaft streut, lässt man danach sofort verrotten und wendet sich lieber salonfähiger Action zu, die weder beeindruckend noch nachhaltig ist – in meinen Augen einfach verschenktes Potenzial.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, auch wenn das Design wunderschön gemacht ist. Wer das genießen möchte, darf dies natürlich gerne tun.
Kinostart: 11. Januar 2018

Mord im Orient Express

Dass Agatha Christies Werk seit jeher eine faszinierende Anziehungskraft auf seine Kundschaft ausübt, ist wohl einer der Gründe, weshalb gerade diese Pressevorführung eine der meistbesuchten dieses Jahr war. Zumindest kam mir das so vor, denn noch nie habe ich so lange im Foyer auf die Anmeldung warten müssen.
Zu recht. Nicht nur das Buch als solches oder bereits die alte Verfilmung haben in voller Größe überzeugt, sondern auch die Modernisierung dieses Meisterwerks braucht sich keinesfalls hinter irgendwas zu verstecken.
Das beginnt bereits beim Cast, der sich wie ein Who is who aus Hollywood runterliest: Und dabei bringt keiner irgendwelche Klischees seiner Statur oder sonstigen Werke mit ins Boot, sondern alle passen sich dem wunderbaren Look & Feel vom Orient Express an und steigen nicht aus der für sie vorgesehenen Bahn aus. Und gerade das ist etwas, das ich von Anfang an bestaunt habe: Man wusste, was man wollte und hat es einfach gnadenlos durchgezogen: Zurück in diese Zeit, zurück in den Orient Express – aber bitteschön mit unseren technischen Hilfsmitteln.
Und es raucht aus dem Schornstein der Güte und der Zuschauer wird bombardiert mit einer Atmosphäre, die dem edlen Anmut seiner Zeit alle Ehre macht und die Menschen wieder mit Respekt, Ehrfurcht und ritterlicher Ehre ausstattet, die man heutzutage oft so sehr vermisst.
Ob die Botschaft auf Moralbasis dann tatsächlich noch mit dieser Härte in heutiger Zeit angenommen wird, wie sie damals von den Leinwänden runterschrie, wage ich zwar zu bezweifeln, aber als Fan jener Tage, die ich niemals erlebt habe, ist es einfach nur herzerweichend, sich zurück in eine Zeit zu begeben, in der all dies möglich war und man dieser Ehre auch im Alltag noch gegenwärtig begegnete.
Und es funktioniert: Der Soundtrack wummert erhaben in den Boxen und führt durch den Hintergrund, die Kameraführung kennt Pietät, der Show-Voyeurismus wurde noch nicht geboren und der Anstand hatte Hochkonjunktur. In dieses Verhalten passt sich jeder mit seiner Größe ein und verschafft damit diesem Werk einen Monumental-Status, der in heutiger Zeit den Unterschied ausmacht und Mord im Orient Express aufs Siegertreppchen der Modernisierungsfilme hievt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Filme wie dieser ölen den Weg aus der Seele zum Herz und verschaffen jedem Filmfan ein Höchstmaß an Glücksgefühlen.
Überschwemmt von Anmut, Pietät und Ehrgefühl fährt man im vollbesetzten Zug Richtung Erkenntnis und es macht auch heute noch ungemein viel Spaß und ist zu keiner Zeit langweilig.
CinemaxX Afterwork am 14. November 2017 nutzen oder ab 9. November 2017 definitiv rein da.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 9. November 2017

ES

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie es mir vor zwei Jahren mit Mad Max: Fury Road ergangen ist?
Dieser durchschlagende Film war für mich der absolut unerreichbare und Oscar-gekrönte Höhepunkt des Jahres. Bereits im Mai!
2017 geht es mir genauso – und der Titel diesmal lautet: ES.
Ich habe den Film bereits im Rahmen des Fantasy Film Fest auf der Pressevorführung sehen können und danach fieberhaft die ersten Reaktionen aus den USA abgewartet, die ja bekanntermaßen durchschlagend sind. Und das zu Recht!
ES in der Neuverfilmung ist das erste Mal ein Film, der die Bezeichnung “Horror” wirklich verdient! Und ich schaue viel Horror und rege mich schon gar nicht mehr über die weichgespülte Seichtheits-Scheiße auf, die uns in den Kinos ständig als “Horror” verkauft werden will. Man hat sich irgendwann einfach daran gewöhnt, dass man eben nicht mehr zusammenschreckt, keine Angst mehr hat, alles in üblichen Mustern abläuft. Von Anmut und Stil ganz zu schweigen.
Andy Muschietti ändert einfach alles! Dieses Mal landest du nicht in einem Film, bei dem die ganzen “Na, wer hat Angst vorm bösen schwarzen Mann”-Versprechen auf den Plakaten und in den Facebook-Posts eher wie zerplatzende Luftballons auf einem Kinderspielplatz wirken, sondern das Grauen kommt von ganz unten, setzt sich nistend in dein Gehirn und spielt da frei und fröhlich einfach mal extrem mit dir rum.
Und du zitterst im Kino – als absolut ausgetrockneter Horrorfilmfetischist – und hast Angst. Und zwar richtig.
Dieses Mal läuft die Gänsehaut nicht den Rücken runter, sondern schüttelt dich komplett konstant durch – und zwar nicht durch aufregende Szenen, die an Spannungsmoment kaum zu überbieten sind, sondern vor allem mit dem, was sich in deinem Kopf manifestiert und eigentlich der wahre Horror ist: Das nicht Sichtbare, das Unerwartete, das Unvorhersehbare. Und da werden keine billigen C-Movie-Tricks mit aufklappenden Spiegeln oder sonstigen billigen Taschenspieler-Filmtricks verwendet, sondern man fährt eine grausame Würde auf, die im Zuge der ganzen grausamen Rahmenbedingung das eigentlich Furchtbare ist: Wenn diese eine Erkenntnis sich langsam, unnahbar und unaufhörlich in dein Gewissen gräbt und kein Entrinnen mehr zulässt. Du mit Dingen konfrontiert wirst, die du nicht sehen willst. Die du nicht erträgst.
Und gleichzeitig kannst du nicht wegsehen. Du musst. Weil du mit ihnen sympathisierst. Sie sind dir wichtig. Du magst sie. Und hasst sie. Und hast eigentlich gar keine Ahnung.
Hinter all dem steckt eine technische Meisterarbeit, die an Professionalität und Können kaum zu überbieten ist. Allein schon die Kameraführung an den Anfängen des Films spricht hier deutlich davon, dass ES keineswegs mit früheren King-Verfilmungen verglichen werden kann und darf. Und auch das Budget der Effekte, der ganze Look, die kristallscharfe und unfassbar durchcolorierte Variante dieser Coming-of-Age-Welt zeugt deutlich davon, dass dieser Film seine Konkurrenz weit abgeschlagen hinter sich lässt – egal, aus welchem Genre.
Und dabei zittern die Gemüter bereits allein bei der Vorstellung davon, sich diesen Film im Kino zu besehen – zu recht!
Was wir hier vor uns haben, ist ein grandioses Meisterwerk, dass es endlich wieder einmal versteht, der Angst einen Namen zu geben und ihn ungezähmt auf die Besucher loszulassen. Diese erhalten seit langem wieder einen nennenswerten Gegenwert für ihr .kinoticket und erleben etwas im Kino, das lebensverändernde Auswirkungen hat! Danach im Wald übernachten ist einfach erstmal ein paar Wochen lang nicht mehr!
Und um nochmal auf die Klischee-Sparte “King-Verfilmung” sprechen zu kommen:
Man kann ES absolut nicht vergleichen. Nicht mit dem “Horror”, den man aus alten King-Filmen gewohnt ist. Nicht mit dem Maß an Technik, dass man hier aufgeboten hat, um den Zuschauer nicht zu unterfordern. Nicht mit der Professionalität, die man in Specials und Effekte gesteckt hat, um über die Borden des Blockbuster-Movies der Generation A hinauszuklettern.
Generell haben King-Filme einen unfassbar schlechten Ruf, weil es bislang noch nie jemand geschafft hat, eines seiner Werke auch nur annähernd ansehnlich in ein Bewegtbild-Kunstwerk zu stecken und den Leuten als das zu präsentieren, das die Bücher in den Köpfen der Menschen hervorrufen.
Der generelle Buch-Film-Buch-Vergleich sollte also auch hier nicht angestrebt werden. Ein Autor schreibt SEINE Welt. Der Leser interpretiert seine eigene und somit ist jeder zu 100% zufrieden.
Der Film beschneidet dieses Recht der Eigeninterpretation und bricht 1 Million Varianten und Vorstellungen auf die einzige des Regisseurs runter und muss daher Milliarden enttäuschen.
Und jetzt geht ins Internet und lest Rezensionen zu ES aus Amerika, aus demnächst Deutschland, aus aller Welt. Wie krass gut muss ein Werk sein, wenn es trotz dieser fatalen Tatsache, dass eine Buchverfilmung eigentlich nur in die Hose gehen kann, dennoch so unfassbare Kritiken bekommt? Wenn man es trotzdem schafft völlig unabhängig von Vorkenntnissen sowohl Lesern des Buches als auch absoluten Neueinsteigern ein Werk vorzusetzen, dass weltweit bereits jetzt applaudierend gefeiert wird und schon jetzt auf einige Rekorde blicken darf? Und das mit einer quasi “Neuverfilmung”, die in meinen Augen das Original sang- und klanglos absaufen lässt?
Die Fortsetzung mit der im Buch vermischen Ko-Relation zur fortgeschritteneren Variante ist bereits für 2019 angekündigt und ich kann es derzeit kaum erwarten, dieses Werk möglichst bald in meinen Händen zu halten, weil ich sonst in irgendeinem Kino einziehen und die Theaterleitung bestechen müsste, damit dieser Film auch noch nach Betriebsschluss weitergezeigt wird, denn:
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist das krasseste, härteste, ernsthafteste, erbarmungsloseste, Seelen zerfetzendste, brachialste und furchterregendste Werk, dass ich jemals in diesem Genre gesehen habe!
King-Fan oder nicht: Das hier ist ein epischer Meilenstein, der alles andere konkurrenzlos hinter sich lässt und Maßstäbe etabliert, die nicht von dieser Welt sind!
Grandioses Meisterkino, zurecht von aller Welt gefeiert – und seit gestern auch bei uns in den Kinos zu bestaunen. Also zieht euch warm an und dann ab in die Dunkelheit!

 
Nachspann
Sitzenbleiben! Draußen ist es eh dunkel.
Kinostart: 28. September 2017

Meine Cousine Rachel

Willkommen im vergangenen Jahrhundert. Nicht, weil der Stoff so altbacken klingt und nur Generation Oma anspricht, sondern, weil die Bestandteile dieses Stückes in ihrer ehrbaren Eleganz wohl am besten in dieses Jahrhundert passen.
Meine Cousine Rachel entführt in eine Zeit, in der die allgegenwärtige Hektik und das Übermaß an Technologisierung noch nicht stattgefunden hat und man sich stattdessen vielmehr auf familiäre Werte und emotionale Beziehungen konzentrieren konnte, ohne von unzähligen Schreckensmeldungen abgelenkt zu werden.
Genau dieses Gefühl steigt auch langsam beim Zuschauer auf, wenn die Türen sich schließen und der Film in seinen unbestechlichen Bildern in eine Welt entführt, die längst vergangen zu sein scheint.
Die ausgeklügelte Story entwindet sich der Feder einer vorzüglichen Buchautorin und den unbändigen Charme dieses Metiers hat man in dieser Adaption durchaus gekonnt eingefangen. Nicht nur Rachel Weisz, sondern auch Sam Claflin passen generös in diese Rolle, die sie mit ihrem Schauspielkönnen und eloquenter Liebe füllen.
Für mich war es ein faszinierender Genuss, diesen Film mit jeder Minute aufzusaugen und endlich mal wieder in Anspruch gebadet zu werden – fernab jedweder Redundanz moderner Kinofilme.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine absolut sehenswerte Filmperle, die mit faszinierenden Bildern und unglaublich eleganter Anmut besticht und die Zuschauer in ihren Bann zieht.
Claflin und Weisz geben der Rolle so viel Wohlwollen, dass man sich nur in sie verlieben kann. Der Plot und die absolut herausragende Darstellung überzeugen auf ganzer Linie.

 
Nachspann
kommt nur in schwarz-weiß, also braucht man nicht extra bis ganz zum Schluss abzuwarten.
Kinostart: 7. September 2017

Atomic Blonde

Die Presse wirbt mit Charlize Theron, James McAvoy, Til Schweiger und Sofia Boutella, was sich auf den ersten Moment anhört wie ein schlechter Witz.
Tatsächlich bewegen wir uns wieder einmal im Comic-Genre, dessen sich die Filmemacher angenommen haben, um daraus ein stilistisch absolut anbetungswürdiges Stück zu machen, dass zwar in Sachen Plot ein wenig kränkelt, in allen anderen Belangen jedoch auf der Spitze gelungenen Kinos angelangt ist: Atomic Blonde.
Fangen wir gleich mal mit dem Style vom Film an: Diese gezeichnete Streetwork-Grey-Out-Ära, die exakt zu der Stadt, noch viel besser zu der Story und dem Zeitalter und am besten zu meinem persönlichen Geschmack passt: Hervorragend!
Das Design des Films, die Schriftzüge, die moderne und trotzdem vergangene Weise, seine Mitteilungen am Rande von allem anderen zu machen: Ahhhhh!
Die Idee, hier ein wenig über die Stränge zu schlagen und den Comic-Look zu seinen Höhepunkten zu führen: Klasse!
Da verblassen ziehende Filmführungspersönlichkeiten wie McAvoy fast schon zur Nebensache, obwohl man auch hier sehr viel Fingerspitzengefühl bei der Besetzung und dem körperlichen sowie psychologischen Outfit bewiesen hat.
Dieser irre Trip in eine vergangene Zeit, der persönliche Kniefall vor einer Stadt, die (ich zumindest) vergöttere und das elegante Durchzelebrieren des dann doch recht simplen Plots erinnert ein wenig an Kunst mit Dingen, die man schon kennt, aber noch niemals in dieser Konstellation zusammengefügt hat.
Achja: Dann ist da ja noch Til Schweiger, dessen Anwesenheit man im Film (und glaubt mir, ich mein das ernst und habe das auch schon von anderen so gesagt bekommen, die den Film ebenfalls vor Kinostart gesehen haben!) gar nicht so wirklich mitkriegt und sich hinterher dann wundert und fragt: “Fuck, DAS war Til? Achja … jetzt, wo du es sagst…”
Allein das wäre für mich schon Grund, mir den Film anzusehen.
Atomic Blonde bietet aber so vieles mehr. Und ich habe ihn bereits zwei Mal gesehen und würde auch ein drittes Mal reingehen – diese liebevoll inszenierte Absurdität, die auf wohlige Weise mit einer möglichen Realität verschwimmt und dabei eine Story auf den Tisch prügelt, die so stattgefunden haben könnte, aber genauso abartig und überdreht wirkt, wie es bei Comics nun mal der Fall ist, hat bislang nicht nur mich vom Hocker gerissen, sondern ebenfalls ein breites Publikum.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also nicht nur hübsche Männer, geile Frauen und jede Menge Sex-Appeal gepaart mit einer Story für beide Geschlechter erleben möchte, sondern auch noch einen gelungenen Kinoabend in der Tasche und herrlich abgedrehte Action sein Eigen nennen möchte, ist mit diesem Werk hervorragend bedient.
Kino: Groß, Publikum: Viel und gute Laune kommt dann ganz von allein.
Herrlich schräg und definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Was ich zu erwähnen vergessen habe: der Soundtrack! Noch niemals hat man es so verzückend geschafft, mich für diese Beats zu begeistern, die eigentlich bekannt sind, aber seltenst so kunstvoll und überragend zutage getragen wurden. Wem das auch ein Ohrenschmaus ist, der sollte natürlich beim Abspann hocken bleiben, alle anderen, die weitere Bilder, Outtakes oder sonstiges erwarten, dürfen sofort gehen, um nicht enttäuscht zu werden.
Kinostart: 24. August 2017

Griessnockerlaffäre

Mit den Kinoverfilmungen der Rita Falk-Bücher hat man zumindest in Bayern ein exzentrisches Epos losgetreten, dass vor Lokalität und Originalität nur so trieft. So sehr ganz Deutschland schimpft, den Weißwurst-Äquator gezogen hat und man Bayern vornehm aus dem Rest des Landes ausgrenzt, so sehr lecken sich nun alle außerhalb dieses – in meinen Augen – besten Bundeslandes die Finger nach den Vorstellungen in den Lichtspielhäusern.
Und das zu Recht: Eberhofer und seine Eskapaden begeistern ganz Deutschland. Sein Charme ist ungebrochen und die durchtriebene Art von ihm und seinen Artgenossen ist bislang einzigartig. Nie zuvor hat es ein so dermaßen erfolgreiches Lokal-Filmfranchise mit bisher über 1,6 Millionen Zuschauern gegeben, das mit derartigem Humor und einer so erzählerischen Kraft auftrumpfen konnte, wie die Eberhofer-Verfilmungen.
Und ich liebe sie alle. Nicht nur die bisherigen Teile Winterkartoffelknödel, Dampfnudelblues und Schweinskopf al dente, sondern auch die Charaktere, die sie durch alle Teile hindurch schleifen und mit immer neuen Problemen konfrontieren. ENDLICH gibt es mal Menschen auf der Leinwand, deren Nationalität deutsch ist und denen man nicht permanent die Fresse einschlagen möchte, weil sie so gekünsteltes Theater-Hochdeutsch quatschen, was jenseits aller Realität ist. Adieu, schlechtes Fernsehen, willkommen in einer authentischen, mit liebevollen Details und viel Ungewöhnlichkeit verzierten kleinen Welt, die noch nicht mal richtig zur Hochblüte gekommen ist, aber uns allen jetzt schon tief im Herz verwurzelt die Sonne in den Alltag wirft.
Und das schöne daran: Die Autorin der Bücher schreibt aktiv und die Verfilmungen werden – dank der extremen Nachfrage – wohl auch nicht so schnell aufhören. Gut so, denn Eberhofer schau ich mir auch in 10 Jahren noch gerne an – sofern man auf diesem Niveau weiterarbeitet und den Cast nicht austauscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Urtypisches Meisterwerk mit bayerischem Originalrezept: Die Idee der Bücher ist genial und wird mit einem hervorragenden Cast in den Verfilmungen kontinuierlich mit zutiefst schwarzem Humor umgesetzt.
Es ist spannend, originell, und echt bayerisch: Neben der Mundart kommen so viele lokaltypische Elemente zum Einsatz, die nicht nur zum Schreien komisch, sondern vor allem unglaublich nah an der Realität sind und somit ein glaubwürdiges Bild dieses Kosmos’ vermitteln.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, glänzt aber dennoch mit grafischem Charme.
Kinostart: 3. August 2017

Page 1 of 4

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén