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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Mord Page 2 of 4

Meine Cousine Rachel

Willkommen im vergangenen Jahrhundert. Nicht, weil der Stoff so altbacken klingt und nur Generation Oma anspricht, sondern, weil die Bestandteile dieses Stückes in ihrer ehrbaren Eleganz wohl am besten in dieses Jahrhundert passen.
Meine Cousine Rachel entführt in eine Zeit, in der die allgegenwärtige Hektik und das Übermaß an Technologisierung noch nicht stattgefunden hat und man sich stattdessen vielmehr auf familiäre Werte und emotionale Beziehungen konzentrieren konnte, ohne von unzähligen Schreckensmeldungen abgelenkt zu werden.
Genau dieses Gefühl steigt auch langsam beim Zuschauer auf, wenn die Türen sich schließen und der Film in seinen unbestechlichen Bildern in eine Welt entführt, die längst vergangen zu sein scheint.
Die ausgeklügelte Story entwindet sich der Feder einer vorzüglichen Buchautorin und den unbändigen Charme dieses Metiers hat man in dieser Adaption durchaus gekonnt eingefangen. Nicht nur Rachel Weisz, sondern auch Sam Claflin passen generös in diese Rolle, die sie mit ihrem Schauspielkönnen und eloquenter Liebe füllen.
Für mich war es ein faszinierender Genuss, diesen Film mit jeder Minute aufzusaugen und endlich mal wieder in Anspruch gebadet zu werden – fernab jedweder Redundanz moderner Kinofilme.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine absolut sehenswerte Filmperle, die mit faszinierenden Bildern und unglaublich eleganter Anmut besticht und die Zuschauer in ihren Bann zieht.
Claflin und Weisz geben der Rolle so viel Wohlwollen, dass man sich nur in sie verlieben kann. Der Plot und die absolut herausragende Darstellung überzeugen auf ganzer Linie.

 
Nachspann
kommt nur in schwarz-weiß, also braucht man nicht extra bis ganz zum Schluss abzuwarten.
Kinostart: 7. September 2017

Atomic Blonde

Die Presse wirbt mit Charlize Theron, James McAvoy, Til Schweiger und Sofia Boutella, was sich auf den ersten Moment anhört wie ein schlechter Witz.
Tatsächlich bewegen wir uns wieder einmal im Comic-Genre, dessen sich die Filmemacher angenommen haben, um daraus ein stilistisch absolut anbetungswürdiges Stück zu machen, dass zwar in Sachen Plot ein wenig kränkelt, in allen anderen Belangen jedoch auf der Spitze gelungenen Kinos angelangt ist: Atomic Blonde.
Fangen wir gleich mal mit dem Style vom Film an: Diese gezeichnete Streetwork-Grey-Out-Ära, die exakt zu der Stadt, noch viel besser zu der Story und dem Zeitalter und am besten zu meinem persönlichen Geschmack passt: Hervorragend!
Das Design des Films, die Schriftzüge, die moderne und trotzdem vergangene Weise, seine Mitteilungen am Rande von allem anderen zu machen: Ahhhhh!
Die Idee, hier ein wenig über die Stränge zu schlagen und den Comic-Look zu seinen Höhepunkten zu führen: Klasse!
Da verblassen ziehende Filmführungspersönlichkeiten wie McAvoy fast schon zur Nebensache, obwohl man auch hier sehr viel Fingerspitzengefühl bei der Besetzung und dem körperlichen sowie psychologischen Outfit bewiesen hat.
Dieser irre Trip in eine vergangene Zeit, der persönliche Kniefall vor einer Stadt, die (ich zumindest) vergöttere und das elegante Durchzelebrieren des dann doch recht simplen Plots erinnert ein wenig an Kunst mit Dingen, die man schon kennt, aber noch niemals in dieser Konstellation zusammengefügt hat.
Achja: Dann ist da ja noch Til Schweiger, dessen Anwesenheit man im Film (und glaubt mir, ich mein das ernst und habe das auch schon von anderen so gesagt bekommen, die den Film ebenfalls vor Kinostart gesehen haben!) gar nicht so wirklich mitkriegt und sich hinterher dann wundert und fragt: “Fuck, DAS war Til? Achja … jetzt, wo du es sagst…”
Allein das wäre für mich schon Grund, mir den Film anzusehen.
Atomic Blonde bietet aber so vieles mehr. Und ich habe ihn bereits zwei Mal gesehen und würde auch ein drittes Mal reingehen – diese liebevoll inszenierte Absurdität, die auf wohlige Weise mit einer möglichen Realität verschwimmt und dabei eine Story auf den Tisch prügelt, die so stattgefunden haben könnte, aber genauso abartig und überdreht wirkt, wie es bei Comics nun mal der Fall ist, hat bislang nicht nur mich vom Hocker gerissen, sondern ebenfalls ein breites Publikum.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also nicht nur hübsche Männer, geile Frauen und jede Menge Sex-Appeal gepaart mit einer Story für beide Geschlechter erleben möchte, sondern auch noch einen gelungenen Kinoabend in der Tasche und herrlich abgedrehte Action sein Eigen nennen möchte, ist mit diesem Werk hervorragend bedient.
Kino: Groß, Publikum: Viel und gute Laune kommt dann ganz von allein.
Herrlich schräg und definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Was ich zu erwähnen vergessen habe: der Soundtrack! Noch niemals hat man es so verzückend geschafft, mich für diese Beats zu begeistern, die eigentlich bekannt sind, aber seltenst so kunstvoll und überragend zutage getragen wurden. Wem das auch ein Ohrenschmaus ist, der sollte natürlich beim Abspann hocken bleiben, alle anderen, die weitere Bilder, Outtakes oder sonstiges erwarten, dürfen sofort gehen, um nicht enttäuscht zu werden.
Kinostart: 24. August 2017

Griessnockerlaffäre

Mit den Kinoverfilmungen der Rita Falk-Bücher hat man zumindest in Bayern ein exzentrisches Epos losgetreten, dass vor Lokalität und Originalität nur so trieft. So sehr ganz Deutschland schimpft, den Weißwurst-Äquator gezogen hat und man Bayern vornehm aus dem Rest des Landes ausgrenzt, so sehr lecken sich nun alle außerhalb dieses – in meinen Augen – besten Bundeslandes die Finger nach den Vorstellungen in den Lichtspielhäusern.
Und das zu Recht: Eberhofer und seine Eskapaden begeistern ganz Deutschland. Sein Charme ist ungebrochen und die durchtriebene Art von ihm und seinen Artgenossen ist bislang einzigartig. Nie zuvor hat es ein so dermaßen erfolgreiches Lokal-Filmfranchise mit bisher über 1,6 Millionen Zuschauern gegeben, das mit derartigem Humor und einer so erzählerischen Kraft auftrumpfen konnte, wie die Eberhofer-Verfilmungen.
Und ich liebe sie alle. Nicht nur die bisherigen Teile Winterkartoffelknödel, Dampfnudelblues und Schweinskopf al dente, sondern auch die Charaktere, die sie durch alle Teile hindurch schleifen und mit immer neuen Problemen konfrontieren. ENDLICH gibt es mal Menschen auf der Leinwand, deren Nationalität deutsch ist und denen man nicht permanent die Fresse einschlagen möchte, weil sie so gekünsteltes Theater-Hochdeutsch quatschen, was jenseits aller Realität ist. Adieu, schlechtes Fernsehen, willkommen in einer authentischen, mit liebevollen Details und viel Ungewöhnlichkeit verzierten kleinen Welt, die noch nicht mal richtig zur Hochblüte gekommen ist, aber uns allen jetzt schon tief im Herz verwurzelt die Sonne in den Alltag wirft.
Und das schöne daran: Die Autorin der Bücher schreibt aktiv und die Verfilmungen werden – dank der extremen Nachfrage – wohl auch nicht so schnell aufhören. Gut so, denn Eberhofer schau ich mir auch in 10 Jahren noch gerne an – sofern man auf diesem Niveau weiterarbeitet und den Cast nicht austauscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Urtypisches Meisterwerk mit bayerischem Originalrezept: Die Idee der Bücher ist genial und wird mit einem hervorragenden Cast in den Verfilmungen kontinuierlich mit zutiefst schwarzem Humor umgesetzt.
Es ist spannend, originell, und echt bayerisch: Neben der Mundart kommen so viele lokaltypische Elemente zum Einsatz, die nicht nur zum Schreien komisch, sondern vor allem unglaublich nah an der Realität sind und somit ein glaubwürdiges Bild dieses Kosmos’ vermitteln.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, glänzt aber dennoch mit grafischem Charme.
Kinostart: 3. August 2017

The Party

The Party ist definitiv der außergewöhnlichste Film, den ich in diesem Kinojahr innerhalb der Presse gesichtet habe. Nicht nur seine Ambitionen, vollkommen in schwarz-weiß gedreht zu sein, sondern auch sein eigenwilliger Inhalt und seine absolute Dedikation zur exotischen Kunst machen dieses Machwerk zu einem absolut gelungenen Bühnenstück erster Güte.
Die Moral dieser Geschichte erwächst dabei nicht aus langweiligen Handlungssträngen oder anderer Vorhersehbarkeit, sondern besticht mit einzigartiger Originalität und spezifischer Genauigkeit. Man könnte fast meinen, der Raum hinter der Leinwand wurde eröffnet und man befände sich auf einmal in einem Theaterstück jenseits der Masse.
Und alle Schauspieler sind hervorragend gecastet und spielen mit unglaublicher Imposanz und außergewöhnlichem Können. Auch, wenn man inhaltlich im Original nicht immer ganz mitkommt, so beeindruckt doch die aufgebrachte Mimik, Situationskomik und durchtriebene Besessenheit von diesem Plot.
Das Ausarten in immer verwirrendere Zustände einer eigentlich anfangs durchschaubaren Situation erblüht zum Ende hin zu einem Gipfel künstlerischen Schaffens, dem nicht mal der eigene Trailer gerecht zu werden scheint. Die verhaltenen Reaktionen der Arthouse-Kinobesucher auf den Trailer sind absolut ungerechtfertigt, denn der Film bringt viel mehr mit, als sein offensichtliches Aushängeschild verspricht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer mal etwas völlig Außergewöhnliches erleben möchte, darf sich gerne ein gemütliches Kino aussuchen und die Show in allen Vorzügen genießen.
Die Abgeschiedenheit zur Realität ist hier eines der Stärken, die The Party während seiner kurzen Laufzeit ausspielt und den Zuschauer hier mit zutiefst bewegendem künstlerischen Können verwöhnt.
Sehenswert und absolut anders als alles andere.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf also nach draußen.
Kinostart: 27. Juli 2017

Mädelstrip

Laut Titel bin ich schon mal per Definition das falsche Publikum. Dazu kommt, dass ich mich alkoholfrei durchs Leben bewege und damit den Sinn für Humor an manchen Stellen wohl nicht so sehr aufbringen kann, wie manch einer das gerne öfters mal hätte.
Böse Zungen könnten behaupten, dass Mädelstrip nur auf Stoff zu ertragen ist, ich denke jedoch, dass ich wirklich eher das ungeeignete Zielpublikum darstelle, weil’s nicht nur da hakt, sondern ich auch meine lieben Schwierigkeiten mit Amy Schumer habe. Keine Ahnung, ich werde nicht warm mit ihr, der Humor ist mir zu platt, ihre Art finde ich absolut unsympathisch.
Dann eine neutrale Kritik über einen Film zu schreiben… unmöglich. Aber Gottseidank ist .kinoticket-blog.de ja keineswegs neutral, sondern absolut parteiergreifend subjektiv, was mir die Chance eröffnet, hier ehrliche Worte zu sprechen – was meine Person angeht.
Ich hätte den Film gerne in einer Ladies Night gesehen, wenn der Saal mit unzähligen Damen voll ist, und dabei die Reaktionen und Feedbacks der Damen konsumiert. Und das dann gerne in die Bewertung mit aufgenommen. Aber da die erst am Mittwoch starten und ich an dem Tag anderweitig beschäftigt bin (seid gespannt!), verzichten wir eben darauf und begnügen uns mit der Meinung, die mir nach der Pressevorführung geblieben ist.
Ich war im höchsten Maße verwirrt. Der Film startet genretypisch in Erfüllung der Erwartungen, die man an eben einen solchen Streifen setzt und erhält dann im Laufe der Zeit ein paar ziemlich untypische Wendungen, die daraus etwas… verwirrendes gestalten.
Zugegeben, ich hatte zwischendrin wirklich meinen Spaß und einige Szenen sind tatsächlich zum Brüllen komisch, jedoch erschließt sich mir die Gesamthandlung nicht wirklich, woran das auch immer liegen mag. Fehlenden, weiblichen Genen? Falsche Zielgruppe? Zu blöd? Zu anders gestrickt? Zu wenig im befreiten Mainstream zu Hause?
Keine Ahnung. Die Idee ist auf jeden Fall super und wird auch an vielen Stellen ordentlich ausgeschmückt, jedoch empfand ich das Ende als unbefriedigend und zu wenig aufschlussreich. Wie oben schon erwähnt: Auf Stoff und mit den richtigen Mädels zu Hause könnte das durchaus Spaß machen, aber dafür bin ich absolut nicht der Typ ^^.
Ich würde sagen, man sollte sich einfach den Trailer zu Gemüte führen und danach entscheiden, denn der bringt die Seele des Films ziemlich gut rüber. Überraschungen und trickreiche Wendungen bleiben danach noch genügend übrig, um auch während dem Film seinen Spaß zu haben, wenn man in die Zielgruppe dieser Art Humor passt. Ich persönlich tu genau das nicht und hake es damit als Erfahrung ab.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte Amy Schumer lieben und dem Trailer gegenüber absolut aufgeschlossen sein, dann wird’s ein super Filmabend mit den Freundinnen.
Ansonsten bleibt eine trickreiche Verwirrungsaktion, zu der ich keine richtigen Worte finde, da ich mit dieser Art Film persönlich einfach überhaupt nichts anfangen kann.
Ihn deshalb jetzt aber schlecht zu bewerten, halte ich genauso für falsch, da mit Sicherheit seine Abnehmerschaft existiert und die hier auch gnadenlos bedient werden.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf also vorzeitig abbrechen und rausrennen.
Kinostart: 15. Juni 2017

(Trailer) Mord im Orient Express

Bereits die ersten Szenenfotos waren extrem vielversprechend und der Cast liest sich runter wie Butter: Die Rede ist von Mord im Orient Express, den so mancher vielleicht noch aus Uralt-Tagen kennt.
Der dazu passende Trailer am Sonntag folgt auf freiem Fuße:
 
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=alLVEwHkMVw?rel=0&w=560&h=315]
Rätselraten, präsentiert von © Twentieth Century Fox
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Weil’s ein Klassiker ist, dessen Drehbuchgenialität ja bereits bekannt ist und den Fox garantiert nicht lieblos erneut auf die Leinwand klatscht. As said before: Die ersten Szenenfotos sind beeindruckend und machen übelste Lust auf mehr. Wieder einmal fällt einem das Warten schwer…
Und dann wären da noch:

  • Ridley Scott
  • Penélope Cruz
  • Willem Dafoe
  • Judi Dench
  • Johnny Depp
  • Derek Jacobi
  • Michelle Pfeiffer
  • Josh Gad

… und viele mehr. Braucht’s noch mehr Gründe, um ins Kino zu gehen? Mich hattet ihr bereits beim Titel …
 
Kinostart: 23. November 2017

(Trailer) Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Vorab nochmal ein paar Worte zur Trailerkategorie:
Mein Blog ist bekannt dafür, bei Rezensionen zu Filmen absolut nicht zu spoilern und so den Lesern keinerlei Inhalte vorab zu verraten, so dass man wirklich völlig unbefangen ins Kino seiner Wahl spazieren und sich auf etwas absolut Außergewöhnliches einlassen kann, ohne von Vorwissen gelangweilt zu werden.
Dies trifft NICHT auf die Trailerkategorie zu, da Trailer tendenziell dazu neigen, Inhalte, Wendepunkte und Schlüsselszenen bereits vorab zu verraten und somit dazu beitragen könnten, dass der Sehspaß gemindert wird, weil man in knapp 2 ½ Minuten eben doch extrem viel Stuff verraten kann.
Aus diesem Grund werden diese Beiträge auch in Zukunft als einziges noch mit “(Trailer)” getagged bleiben, damit auf die Schnelle erkennbar ist, dass sich hier womöglich mehr dahinter verbirgt, als man sich selbst zumuten möchte.
Wahre Filmfans lassen sich eh erst im Kino davon überraschen, was der Film enthält und tun sich das ganze Brimborium drumrum gar nicht erst an.
Somit gilt für alle (Trailer)-Beiträge allgemein immer der rote “Achtung: Könnte Spoiler enthalten”-Zusatz, den ich nicht jedesmal dazu schreibe.
 
Thee Billboards outside Ebbing, Missouri
Es ist wieder Sonntagabend und wie immer kommt hier der neue “Gute-Nacht”-Trailer zum Anschauen und Vorfreuen auf den Kinostart. Diesmal dauert’s etwas länger, denn die Show ist erst für den 28. Januar 2018 angekündigt. Aber wie heißt es so schön im Volksmund? Vorfreude ist die schönste von allen … also lasst sie uns genießen!
Diesmal am Start: Three Billboards outside Ebbing, Missouri (was ein absolut geiler Titel ist, ich hoffe, die ändern den nicht noch nachträglich ab) – der eine schwarze Komödie beinhaltet, die jetzt schon einen verdammt guten Eindruck macht.
Let’s go:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=wnGLM4rs0Kk?rel=0&w=560&h=315]
präsentiert von © Twentieth Century Fox
 
Warum man den Film sehen sollte
Frances McDormand macht als Oscar®-Preisträgerin bereits in den kurzen Momenten eine verdammt gute Figur und lässt auf viel PS unter ihrer Schauspielerhaube schließen. In Verbindung mit einem weiteren Oscar®-Nominierten steht hier ein Duo auf der Bildfläche, das in den Händen von Oscar®-Preisträger Martin McDonagh eine wahre inhaltliche Augenweide abliefern könnte, die eine kontroverse und eingängliche Geschichte erzählt, die so sehr nach Gerechtigkeit schreit, wie es unsere reale Welt derzeit an vielen Orten auch tut.
Und da ich für schwarzen Humor sowieso viel übrig habe und Woody Harrelson mag, freue ich mich jetzt schon auf den Start im Januar nächsten Jahres.
 
Kinostart: 28. Januar 2018

Nebel im August

Das Wetter ist herrlich, die Sonne scheint – also sucht euch schleunigst ein Arthouse-Kino und verzieht euch dort rein, bevor es zu regnen anfängt, denn: Nebel im August läuft sicher nur noch in ausgewählten Kinos und bevor auch das völlig zu spät ist, weise ich euch lieber schnell darauf hin, diesen Film noch zu sehen.
Warum?
Weil. Deshalb. Darum.
Ich hab keine Ahnung, welche Gründe man anführen sollte, um Menschen in dieses eher triste Schauspiel reindrücken zu wollen, das auf den ersten Moment eher einer zweitklassigen Fernsehproduktion gleichkommt als einem herausragenden Kinofilm. Aber seid euch gewiss: Letzteres ist der Fall.
Der Cast wurde mit Persönlichkeiten bestückt, die nicht nur weit über sich selbst hinauswachsen, sondern durch ihr Schauspiel so immens viel Sympathie aufbauen, dass man allein schon aus “Oh mein Gott, ist der zum Knuddeln”-Gründen mit den Darstellern mitfiebert und hofft, dass alles gut ausgeht.
Und so beschwingt-langsam und behände unspektakulär wie der Film anfängt, so zermürbend-überragend ist das, wohin es sich entwickelt: Wem hiernach nicht der Schock tief in den Gliedern festsitzt (und diese verdammte Geschichte ist wahr !!!), der hat absolut keine Gefühle!
Während der Vorstellung hab ich ernsthaft überlegt, wie man es hinkriegt, dass sämtliche AfD-Wähler diese Vorstellung sehen und gleichzeitig kapieren, was da passiert ist, aber die fänden das wohl eher noch zum Schreien und würden sich an den Eskapaden erfreuen, also lassen wir das lieber.
Wer jedoch ernsthaftes Interesse an menschlicher Existenz hegt, wem soziales und vor allem ethisches Verhalten nicht vollends scheißegal ist, und wer dazu noch etwas Herz in seinem Inneren hat, der darf gerne den Schritt wagen und diesen Titel in den Kinos betrachten. Glaubt mir, der Abend wird sehr sehr emotional werden!
 

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich, wie überzeugend und perfekt man hier diese abartige Geschichte erzählt hat und noch viel unglaublicher, dass es diese Menschen tatsächlich gegeben hat.
Wer Vorbilder braucht und nicht mehr weiß, an welchen Werten man sich heutzutage noch orientieren kann, der findet hier beides.
Nebel im August gehört für mich seit gestern Abend absolut zu den Filmen, die jeder Cineast und Filmliebhaber auf jeden Fall gesehen haben muss, um Dinge zu verstehen, die es bereits gab und die so nie wieder passieren dürfen.
Daumen hoch (was den Film angeht) und absolut entsetztes Geschockt sein was die Geschichte angeht!

 
Nachspann
folgt keiner, man darf also langsam wieder nach draußen, sofern einem die Knie von dem Gesehenen nicht immer noch brutal zittern …

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

Ich weiß, das Plakat schreit förmlich nach Kirche … “Gott” bereits im Titel und wenn man dann auf Apple Music nach dem Soundtrack sucht und gleich den ersten Titel hört, fühlt man sich an sakrale Freikirchen erinnert und denkt sich “Oh my godness…” – entspannt euch!

Ich hol euch gleich mal mit ein paar Anmerkungen in den Kinohimmel zurück: Octavia Spencer! Filme mit ihr sind quasi schon ein Garant dafür, dass es ein voller Erfolg wird, denn all ihre Werke haben bisher reingehauen.

Sam Worthington – der Kerl aus Avatar – Aufbruch nach Pandora – was hat der mit kirchlicher Moral und Gottgequatsche zu tun? Seht ihr?

Wenn man sich jetzt im Saal die ersten paar Minuten anhört, gruselt es einen vielleicht immer noch ein wenig, sofern man mit Kirche nicht wirklich viel anfangen kann, aber dann entwickelt sich die ganze Show zu einem unvergesslichen Erlebnis, nach dem man tief bewegt wieder in den Alltag schwebt und sich vielleicht doch die ein oder andere Frage ganz anders stellt.

Gibt es Filme, die ein religiöses Thema behandeln und gleichzeitig keine missionarischen Verschwörungen ausleben und auf Teufel komm raus jeden zu etwas bekehren möchten?

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott ist so einer. Gerade im christlichen Bereich habe ich eine derartig sensible, hochehrbare und defensive Betrachtungsweise in meinem bis dato 33jährigen Leben noch niemals erlebt! Das Kalkül, hier jemandem Überzeugungen aufquatschen zu wollen, ist tot – es lebe die Geschichte.

Dass das Buch ein Bestseller geworden ist, kann ich nach dem Sichten dieser Story definitiv verstehen. Und die Art und Weise, wie ruhig und gefühlvoll man hier an die Aufarbeitung rangegangen ist, spricht dafür, dass ich sogar strenggläubige Atheisten guten Gewissens mit in diesen Film schleppen würde, denn selbst die dürften sich bei dieser Form von Diskussionseröffnung auf keinen Fall auf den Schlips getreten fühlen, denn es findet keine Diskussion statt.

Auf deutsch gesagt: es tut einfach gut, in den Spuren von Worthington durch die Erzählung zu strudeln und dabei immer mehr merkwürdige Fragen zu stellen, die im Laufe der Zeit beantwortet (oder nicht) werden – ich will hier ja mal nichts vorweg nehmen. Und das war wie eine großartige Umarmung von einem übermenschlichen Wesen, welches sich sanft im Saal ausbreitet und allesamt in seine/ihre Arme schließt und einfach nur liebt.

Kann man in einem Film Frieden finden? Befindet sich Gott tatsächlich auf der Leinwand und spricht zu dir? Kann eine Seele gesund werden, wenn sie diesen Film sieht?

Fragen, die ich definitiv nicht mehr mit “auf gar keinen Fall” beantworten will, denn unzufriedener und wütend oder anderweitig negativ eingestellt war niemand, der mit mir aus dem überfüllten Saal wieder rausspaziert ist.

 

.kinoticket-Empfehlung: Bevor die Vorstellung komplett aus den Kinos verschwindet, packt ein paar Freunde und eure Kinder ein, bestellt euch Popcorn und ein Bierchen und dann lehnt euch vergnüglich auf den Sitzen zurück und genießt die Show.

Familientauglich? Yep. Religiös? Nicht wirklich. Dumm und intellektverstoßend? Absolut nicht.

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott erzählt eine wunderbare Geschichte und gleitet dabei sanft wie Federn über ein Thema, dass in der Geschichte unseres Planeten schon mehrfach zu brutalen Kriegen geführt und viele Menschenleben gekostet hat.

Vielleicht ist das hier die liebevolle Entschuldigung dafür, die deine Seele wieder zur Ruhe kommen und dich zu jemand finden lässt, den es bisher nicht für dich gab?

Finde es heraus – in einem Kino deiner Wahl.

 

Nachspann
gibt’s keinen, der gemütliche Walk out of the cinema ist also eröffnet.

Ghost in the Shell (3D)

Wir alle kennen (hoffentlich) den Anime, Ursprungsland: Japan – was auch gleich der erste große Kritikpunkt der Masse ist: “Wieso zur Hölle habt ihr keine Japanerin besetzt?”
Ähm – weil’s ne amerikanische Produktion ist und die gerne ihre eigenen Leute an die Front stellen? * augenroll *
Allerdings kann ich die Kritiker genauso verstehen, denn das Wesen eines Animes wird nunmal durch das typisch Japanische belebt und erhält nur von dort authentisches Leben eingehaucht, das kriegt man als Nachäffer definitiv nicht so hin – schon gar nicht mit einer fremdländischen Hauptdarstellerin. Und wohlgleich, Scarlett Johansson schafft es auch nicht, den Film durch ihre eigene Persönlichkeit allein zu tragen und damit ein Denkmal unglaublichen Ausmaßes zu setzen, dass Ghost in the Shell wieder auf international anbetungswürdiges Niveau setzt.
Dennoch schafft man es als Zuschauer auch nicht, während der Spielzeit Hass aufzubauen, denn die Macher drumrum haben sich unglaublich Mühe gegeben, um an allen Ecken und Enden Sympathien aufzubauen, die unbestreitbar geil sind. Allein die Kulisse, das Set-Design, die brachiale Action, die mysteriös-böse Stimmung läuten hier so heftig die Glocken der Glückseligkeit, dass man trotz allem frohlockend auf den Kinostühlen hin und her rutscht und vergnüglich bei der Sache bleibt.
Ich habe den Film mittlerweile drei Mal gesehen (und das allein sollte ja schon was heißen) und werde ihn mir – sofern die Zeit es zulässt – auch noch einige Male im Kino besehen, denn nur dort funktioniert er in seiner Wucht genau so, wie es von den Drehbuchschreibern gedacht war.
Am Ende fällt es gar nicht mehr weiter großartig ins Gewicht, dass der Hauptcharakter etwas blass erscheint, denn das Drumrum passt einfach. Allein schon, wenn man beim Raustigern aus dem Saal von dem düstren Soundtrack begleitet wird, fährt einem wieder einmal die Gänsehaut über den Rücken.
Ich fand ihn unglaublich spannend gemacht und das Mysterium, dass man in die Szenerien gesteckt hat, absolut gelungen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Folglich sollte man sich auch als Verabscheuer Hollywoods dazu bemühen, eine Kinovorstellung zu besuchen, denn nicht nur ich fand den Film trotz allen westlichen Mankos mehr als gelungen.
Natürlich sollte man jetzt nicht deeeeen tiefgreifenden Plot erwarten, der die Masse mit unglaublichen Überraschungen wegbasht, im Großen und Ganzen hat das Werk aber definitiv seine Daseinsberechtigung und wird anschließend wohl auch den Weg in mein Heimkino finden – aber auch nur, weil der Fernseher groß und die Anlage laut genug ist. Alles andere (Free-TV, Netflix und Co.) hat bei diesem Werk absolut keine Chance.
In diesem Fall zählt wieder einmal: Kino – Dafür werden Filme gemacht.
Also nutzt die Chance, solange sie da ist.

 
Nachspann
wird von tollen Sounds begleitet, während man langsam aus dem Saal waben kann, weil hinterher nichts mehr kommt.

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