Morde

All posts tagged Morde

The House That Jack Built
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

 

Zuallererst mal eine Warnung: Dieser Film hat von der FSK eine “FSK 18”-Auszeichnung bekommen, was bedeutet, dass Jugendliche unter 18 Jahren nicht ins Kino gelassen werden. Und zwar ohne Ausnahme.

Der Grund: Es werden extreme Gewaltszenen gezeigt, die fernab von “filmischer Freiheit” fungieren und somit verstörend für “Fast-Erwachsene” wirken können. Dazu mal ein paar Gedanken:

Es ist nun schon ewig her, dass wir im quasi frei zugänglichen Kino wieder mal etwas mit dem roten FSK-Label beschauen durften. Unsere Zeit ist so dermaßen verroht, dass von den Verantwortlichen dieser Selbstkontrollfirma per se eher der blaue “FSK 16” vergeben wird und man munkelt in einigen Kreisen, dass es auch hier an Korruption und “Gelddruckerei” nur so grünt und blüht.

Es ist also von Natur aus schon “schwer”, ein FSK-18-Rating zu erhalten und in den Kinos wird man quasi damit dann auch gar nicht groß auf die Leinwände gelassen. Bringt zu wenig ein und ist nicht in der 7-49-Zielgruppe. Schade für die Zuschauer, denen zielgerichteter Inhalt verweigert wird, gut für die Industrie: Denn mit wesentlich weniger Aufwand erhält man wesentlich mehr Zuschauerspektrum und landet daher einen “Hit” nach dem anderen.

Nun ist ja weithin bekannt, dass Lars von Trier mit seinen Nazi-Äußerungen böses Blut verstreut hat und niemand auf der ganzen Welt sieht in ihm einen Liebesromanautor, sondern quasi jeder weiß, dass er sich als “Skandalregisseur” – wie er von der Presse gerne genannt wird – einen Namen gemacht hat und Dinge auf die Leinwand bringt, die sich andere schlichtweg nicht trauen oder nicht verfilmen möchten.

Und über sein neuestes Werk ist ebenfalls kein Geheimnis, dass über 100 Personen beim Festival in Cannes den Saal angewidert verlassen haben. Und die Presse stürzt sich auch hier wieder drauf – ganz klar: Gefundenes Fressen. So etwas wollen die Menschen lesen, so etwas verkauft sich.

Und dabei übersieht man gerne, dass eben jene Reaktionen von der Presse gänzlich ausblieben und an der “Angewidertheit” eigentlich erstmal gar nichts dran ist – zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es in den Medien behauptet wird.

Der Grund? Ganz simpel: Lars von Trier steht für etwas. Seine Filme proklamieren Unangepasstheit. Eine gewisse Offenheit. Aus ihm sprudelt in vielen Dingen eine bösartige Ehrlichkeit, mit der Menschen nicht umgehen können. Weder im Kleinen, noch in solch monströsen Werken wie seinen Filmen. Und wenn Szenen auf dem Tisch landen, in denen Menschen übel zugerichtet werden, dann passt das so ganz und gar nicht auf ein Festival, in denen Feuilleton-Damen in festlicher Opernball-Abendkleidung im Kino sitzen und sich etwas “Wunderbares” besehen wollen: Die vertragen solchen Stoff nicht, verstehen ihn wohl auch nicht und rennen dann eben aus dem Saal, weil sie sich als “Konsumenten” von Menschenabschlachtungen verraten fühlen und nicht zu der “Oberschicht” gehören wollen, die für das voyeuristische Beschauen von humanistischen Zerstückelungen Geld bezahlt und von uns allen in Hostel so sehr gehasst wurde.

Logische Folge: Diese Herr-, Dam- und Es-schaften (ja, Genderfreunde – es wird immer kränker!) verlassen angewidert den Saal und machen ihrem Ärger offen Luft.

Logische Folge 2: Die Presse hat Futter und schreibt darüber, verdient damit Geld und ist glücklich.

Logische Folge 3: Lars von Trier ist Gesprächsthema Nr. 1 auf dem Filmfest in Cannes und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und sein Werk und kompensiert damit ein wenig die verlorene Zuschauerschaft durch das FSK-Rating.

Wenn man so möchte, ist also allen damit geholfen, außer dem Kinogänger selbst. Der wird von voreingenommenen Vorurteilen überschüttet und womöglich in der freien Entscheidung seiner Filmwahl extrem manipuliert. Auch ich gehöre dazu, nicht umsonst “werbe” ich damit, dass meine Meinungen in diesem Blog durchweg subjektiv sind und ausschließlich zu meinem Geistesfundus gehören und niemals als “allgemeingültige” Aussage angesehen werden sollten, sondern allenfalls als “Erfahrungsrichtlinie”, an denen sich zukünftige Filmbesucher orientieren können, um grobschlächtige Fehlentscheidungen bereits im Vorfeld zu vermeiden.

So etwas wird hier extrem schwierig.

Kommen wir also mal zu dem Teil, der meine persönliche Meinung über den Film darstellt:

Ich finde es grundsätzlich erstmal absolut löblich, dass endlich mal FSK 18 auf einer Kinoleinwand zu sehen ist, bei dem diese Freigabe sehr wohl gerechtfertigt ist und man auf ein ganz spezielles Publikum abzielt und keinen Hehl daraus macht, dass hier abartige Dinge passieren: Jeder .kinoticket-Käufer weiß im Vorfeld, worauf er sich da ungefähr einlässt und ist somit schonmal vorsorglich gewarnt. Durch die FSK. Das ist nämlich der wirkliche Zweck dieser Einrichtung, die hier endlich mal vernünftige Arbeit geleistet hat.

Und somit kann man sich ENDLICH mal etwas anschauen, dass diese Auszeichnung auch verdient hat und eben jene Triebe und Wünsche auf der Leinwand befriedigt. Willkommen im “Horror”-Genre.

Lars von Trier hat in seinen Vorgängerwerken bereits den Pfad zur Hölle beschritten und spielt förmlich mit seinem Lebenswerk Dante‘s Göttliche Komödie nach, indem er sukzessive immer tiefer in die Kreise der Hölle steigt und den Zuschauer einfach mitnimmt. Wer sich dann nach dem gefühlt 1000sten Film dieses Regisseurs auf einmal wundert, dass es hier nicht ganz alltäglich zur Sache geht, der hat meiner Meinung nach etwas Maßgebliches einfach nicht richtig verstanden und den bedauere ich dann auch nicht, wenn er Geld für ein Ticket zahlt und nach wenigen Minuten angewidert rausrennt.

Was mich zu dem nächsten Punkt führt: Die FSK-18-Freigabe bezieht sich ursprünglich auf das Alter von Personen, die mit heranwachsenden Jahren eben auch eine gewisse Reife mit sich bringen, die früher irgendwann mal mit verschiedenen Alterszahlen festgesetzt wurde. Gefühlt kann man dies heute nicht mehr so einfach mit einer Alterszahl über den Kamm scheren, sondern müsste genauer differenzieren, in welchem geistigen Zustand derjenige ist und ob die Psyche und das Weltverständnis ebenfalls schon aus der Pubertät entwachsen sind oder man eben einfach nur “dumm” ist und “angeekelt den Saal verlässt”.

Das würde bedeuten, dass in einem Fall dann auf einmal 14jährige im Saal sitzen würden und das zu Recht tun dürften. Und das würde bedeuten, dass manch angegrauter Greis des Saales verwiesen würde, weil er oder sie in ihrem Kopf einfach noch nicht über das Niveau eines 17jährigen hinausgewachsen ist und die Dinge grundsätzlich völlig daneben einschätzt und bewertet. Ich meine – hallo? Lars von Trier! Allein das ist heute bereits eine Aussage. Man braucht nicht viel Recherchearbeit auf sich zu nehmen, um die kaputten Lebensumstände und offen kommunizierten Psychosen dieses Mannes zu kennen und sich dann einen Reim darauf bilden zu können, dass dieser gebildete Herr diese Dinge in seinen Filmen auf eine markante Art verarbeitet und sogar noch zugibt, dass während der Drehs oft Drogen im Spiel sind, die ihn seinen Aussagen nach “produktiver machen”.

Und da wären wir bei dem Punkt, der mir an The House That Jack Built eine unnachahmliche Achtung abverlangt hat: Die gnadenlose, kompromisslose und lückenlose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und der Welt.

von Trier geht hier auf Umstände und Dinge ein, die einerseits erfordern, dass man sich lange (und das lässt die Laufzeit sehr gut zu) damit auseinandersetzt, um überhaupt erstmal in solchen Sphären anzukommen und sich danach umzusehen und am Ende sogar zurechtfinden zu können. Und andererseits werden hier (wieder einmal) Zustände unserer Welt so simpel und aufrichtig gezeigt, dass es einfacher eigentlich gar nicht wäre: Man müsste einfach nur eines tun: Hinsehen.

Diese Aufforderung hat Florian Henckel von Donnersmarck seinen Zuschauern bei Werk ohne Autor bereits offensichtlich gestellt und ist damit erneut in die Riege der Oscar-Nominierten eingestiegen und der Zuschauer hat’s kapiert und macht es?

Nein! Er rennt raus und ekelt sich vor widerwärtigen Darstellungen.

Überraschung: Unsere Welt ist widerwärtig und eklig. Und zwar nicht in Lars von Triers neuestem Film, sondern da draußen – außerhalb der Leinwand, im Sonnenlicht, in der Nacht. Da, wo Menschen sind, geht es übel zu. Es herrschen Kriege, es herrscht Gewalt, Korruption, Ärger, Tötung, Abschlachtung und Verletzung und eine ganze Welt schnappt sich allmorgendlich das Zeitungsblatt in analoger oder digitaler Form und konsumiert diesen Schwachsinn ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

von Trier macht keinen Hehl daraus und zeigt dies auf. In seinem neuen Film. Und dieser Umstand ist genial!

Und er bringt weitere geniale Geniestreiche, die zwar nicht an die Härte und Verbissenheit älterer Werke von ihm heranreichen und böse Zungen behaupten lassen, er versuche nun etwas gequälter auf Provokation zu gehen und den Menschen einfach nur widerwärtig anzufahren – ich denke aber, er hat etwas Grundsätzliches verstanden und einen skurrilen Weg gefunden, dies auch an andere Menschen herantragen zu können, ohne sie einfach nur niederniveaulastig mit dem Kopf in die Scheiße zu drücken.

Auch hier beweist der Regisseur auf eine perverse Art und Weise Respekt gegenüber seinen Zuschauern und führt sie elegant den Weg in die dunkelsten Tiefen der Hölle und darüber hinaus.

Ja, das Ding geht ewig und es braucht einfach seine Zeit, um den Geist zu brechen und den Zuschauer da zu haben, wo er sein muss, um die gegebenen Umstände akzeptieren und “mit ihm leiden” zu können. Und es bräuchte sekundenweise Analyse, um all die verstecken Hinweise, Botschaften und Offensichtlichkeiten herausarbeiten zu können, die in diesem dann doch extrem schnellen Werk verborgen sind: Es ist eine Bibel, dem man ein Lebenswerk verschreiben könnte und immer noch nicht in die Tiefen vorgedrungen wäre, die hier angeteasert werden.

Als ich in den Film bin, wollte ich einfach nur wissen, warum die Leute in Cannes “geflohen” sind. Als ich raus bin, habe ich verstanden, warum er bei den meisten nicht gut ankommt: Sie vertragen diese ungefilterte Ehrlichkeit nicht, die von Trier zu lieben scheint und sie kommen mit den Direktaussagen dazu komplett nicht klar. Das tun Menschen nie. Ein Grund, warum ich diese Spezies selbst oft genug hasse: Weil diese ganzen verdammten Verletzungen nicht wären, wenn manche sich einfach bemühen würden und der Ehrlichkeit im Alltag etwas mehr Freiraum und Bühne einräumen würden, um ihre Wirkung zu tun.

Und wenn man dann nämlich der ganzen Geschichte etwas Zeit gibt, wenn man sich anfängt, darauf einzulassen, wenn man seine dreckigen Vorurteile vom Tisch knallt und die Geschichte erstmal zu Ende erzählen lässt, bevor man urteilt, dann stellt man schnell fest, dass dieser Film sehr wohl etwas zu sagen hat und einfach nur darauf wartet, bis all jene aus dem Saal verschwunden sind, die diese Wahrheiten nicht verdient haben.

Gegen Ende des Werkes wird es dermaßen … mir fällt kein Wort dafür ein …, dass ich fast die Tränen in den Augen hatte und mir dachte: Wie zur Hölle kann es sein, dass so ein kranker Typ es tatsächlich verstanden hat und uns allen eine so präsentable und simple Lösung vor Augen führt und bis heute noch niemand drauf gekommen ist, dass hier tatsächlich ein vollkommener Weg zur vollkommenen Erlösung zu finden ist?

Und damit wandert The House That Jack Built für mich in den Majestäten-Olymp auf und zählt zu den Werken, die definitiv den Weg als Scheibe in die Sammlung finden, denn ich will die restlichen Rätsel ebenfalls noch lösen. So etwas geniales – in so einer genialen Art – hab ich tatsächlich noch nie im Kino gesehen.

In diesem Sinne: Danke für die FSK 18, danke für die Offenheit und danke dafür, was du uns mit diesem Film näher bringen wolltest. Mich hast du erreicht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Wie bricht man 1832 Wörter in einen Satz runter?

Gar nicht. Nehmt euch die Zeit und lest den Text, dann wollt ihr den Film entweder garantiert nicht sehen oder das komplette Gegenteil tritt ein: Fakt ist, ihr habt danach definitiv eine Entscheidung getroffen und sie wird die richtige sein.

Ist er für jedermann etwas? Klares nein.

Ist er für niemanden etwas und nur scheiße? Klares nein.

Für mich ein geniales Werk, dass tiefe Wahrheiten ans Licht führt und dabei kompromisslos vorgeht und auch soweit keine erkennbaren Fehler gemacht hat. Die Welt spricht eine andere Sprache und dass heutzutage niemand die ungeschönte Wahrheit hören will oder gar verträgt, ist ja längst bekannt. von Trier spricht sie – und mir hat das außerordentlich gut gefallen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: The House That Jack Built
Length: 153 Min.
Rate: FSK 18

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , . 1 comment

Um mal eines vorweg zu nehmen: Heilstätten ist für mich DER Hoffnungsträger für die Zukunft, weil er in meinen Augen eigentlich alles richtig gemacht hat!
Beworben mit “YouTubern” in einem .trailer, der eigentlich schlechter nicht sein kann und dem Kinoliebhaber schon von vornherein die Laune auf den Film vermiest, erwartet man als Zuschauer dann auch nichts weltbewegendes mehr. Soweit, so … gut. Denn der .trailer offenbart rein gar nichts über die großartigen Schachzüge, mit denen der Film anschließend aufwartet. Genau so sollen Filmvorschauen sein und nicht, wie es aus Hollywood bekannt ist, dass man die Story in 3 Minuten zusammengefasst bereits inklusive aller Twists aus dem Anriss kennt.
Desweiteren wirft der Film viele Fragen auf und beginnt, sie zu beantworten. Er feiert YouTuber nicht als die absoluten Helden oder Loser ab. Über die schwierige Konstellation zwischen VoD-Anbietern und Kino habe ich mich ja schon zu Hauf ausgelassen und YouTube gehörte anfangs definitiv zu den belächelten Spinnern, die niemals ernstzunehmenden Content bieten können.
Mittlerweile sieht das anders aus – so anders, dass nicht wenige komplett davon leben können. Und auch, wenn auf YouTube immer noch viel Mist produziert wird (und Klicks kassiert), kann man dazwischen dennoch hochwertigen Content finden und konsumieren. Das Problem ist also nicht die Plattform, sondern liegt wo völlig anders begraben.
Und dieser Materie nimmt man sich in Heilstätten sehr medienwirksam an und erfährt auf einmal eine Annäherung zwischen dem elitären und unangefochtenen Kino und dem einst belächelten YouTube auf eine Art und Weise, die mich als Horrorfan wahrhaftig begeistert hat.
Angst? Jap – die Stimmung ist teilweise so stark, dass auch mir oft die Gänsehaut auf dem Körper stand. Man hat endlich mal wieder die richtigen Register gezogen und damit im Film einige “What the…”-Momente erzeugt.
Die Darsteller spielen sehr überzeugend und bringen auch das YouTuber-Feeling sehr gut rüber. Doch nicht nur da, sondern auch an kritischen Stellen und den Twists hat man ordentlich angesetzt und den Zuschauer wohl kaum enttäuscht.
Dass der Film hierzulande endlich mal richtige Filmförderung erfahren hat, zahlt sich also aus und ich finde es persönlich dann ungerechtfertigt, sich darüber aufzuregen, dass dies in den USA z.B. bei Blair Witch Project auch ohne geklappt hat. Im Gegenteil: Endlich sieht man, dass es Wege und Möglichkeiten gibt, um die Konkurrenzkämpfe zu beenden und gemeinsam hochwertigen Content zu produzieren, der die Zuschauer nicht enttäuscht und auf beiden Seiten für Gewinne sorgt und damit eine allumfassende Win-Win-Win-Situation erschafft.
Was mich zu einem weiteren Kritikpunkt der Presse führt: Die Location. Tatsächlich haben hier in Kriegszeiten unverzeihliche Verbrechen stattgefunden und dem Ort wird dadurch paranormale Aktivität nachgesagt, da es angeblich dort spuken soll.
Was ziemlich lächerlich klingt, wird im Film sehr ernstzunehmend umgesetzt und die erwartete Entweihung wurde in meinen Augen eher durch respektvollen Umgang mit der Anstalt und immer wiederkehrenden Mahnungen ersetzt.
Wer sich jetzt also darüber mokieren möchte, dass eine heilige Stätte für Dreharbeiten verunstaltet wird, der hätte dies bereits bei Gore Verbinskys A Cure for Wellness tun müssen, der ebenfalls in Heilstätten gedreht wurde. Und bei Monuments Men – Ungewöhnliche Helden hat man auch keinerlei Beschwerden gelesen.
Für mich sieht das eher danach aus, dass man nun öffentlichkeitswirksam damit beginnt, Lost Places als Filmelement auszuloten, da der offensichtlichste aller Filme – Lost Place – damals schon kaum Aufmerksamkeit erfahren hat und an sich auch nicht wirklich so berauschend gut war. Genau das kann man weder von A Cure for Wellness noch von Heilstätten sagen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freut euch auf den 22. Februar, denn ab dann darf sich im Kino endlich wieder gegruselt werden und auch allen Handyliebhabern wird endlich wieder ein Anreiz geboten, in die wahrhaften Lichtspielhäuser zu gehen.
Für mich macht Heilstätten alles richtig – angefangen von der PR über die Story, die Twists sowie hinter den Kulissen mit Filmförderung und Drehortauswahl: Die Show funktioniert und liefert erstklassige Ergebnisse.
Über alles andere kann man streiten – und das hättet ihr ohne den Film dann schließlich auch nicht getan. Also Abflug in die Kinos, denn dieser Titel ist in meinen Augen der erste Versuch, YouTube auf die Leinwand zu bringen, der wirklich geglückt ist.

 
Nachspann
hält keine Überraschungen mehr parat.
Kinostart: 22. Februar 2018

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Der .trailer sorgte im Vorfeld ja schon bei einigen für Furore und kündigte sich als bildgewaltiges Horrorspektakel an, was in Verbindung mit dem immer genannten Michael Fassbender bei vielen für hohe Erwartungen gesorgt hat.
Um eins vorweg zu nehmen: Die werden nicht erfüllt.
Allen, bei denen jetzt der Gute-Laune-Zeiger mit Hochgeschwindigkeit zu Boden sinkt, sei gesagt: Ganz so schlimm ist es nicht. Das Problem am Film ist meines Erachtens einfach das Drehbuch.
Im großen Ganzen lässt sich nämlich sagen: Der Rest ist wirklich gut, nur der Plot krankt an allen Ecken und Enden, wo immer man ihn kranken lassen kann. Es wirkt fast, als hätten die Macher in diesem Punkt einfach keinen Bock gehabt und sich daher auf die billigste Standard-Variante aller Optionen eingelassen aus Mangel an Kreativität oder unzulänglicher Einflussnahme.
Klar, Buchverfilmung hin oder her, Vorgaben … blabla … im Endeffekt kann man sich mit dem “basierend auf …” auch davon lösen und einfach den besseren beider Filme gestalten, was hier aber nicht getan wurde.
Dies sagt keineswegs etwas über das Schauspiel von Fassbender oder seiner Kollegen aus, noch über die Kulisse und die Optik des Films, die zusammen mit der Kameraführung und der restlichen Technik wirklich herausragend gut sind.
Wer also einfach einen der besten Schauspieler unseres Jahrzehnts wieder vor sich hin professionalisieren sehen will, sollte sich durchaus ein .kinoticket zulegen und die Show einfach genießen, auch wenn der große Showdown in Wirklichkeit gar keiner ist und die Auflösung nicht nur schwelend vor sich hin bruddelt, sondern irgendwie auch gar nicht da ist.
Das große “Häh”-Fragezeichen stand auf jeden Fall nicht nur den Presseleuten auf der Stirn, sondern auch bei vielen Sneakern, die den Film bereits vor Kinostart sichten durften und auch nur mäßig begeistert waren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder ganz ohne Erwartungen in den Film gehen oder sich dessen bewusst sein, dass hier nicht so pompös aufgetragen wird, wie man es im .trailer verspricht.
Dem Film fehlt einfach ein würdiges Ende. Zu sagen, er wäre ein guter TV-Krimi ist ungerecht, dafür ist er viel zu gut, ihn aber im Kino als den Erfolg anzupreisen, ist auch nicht ganz richtig, denn dafür krankt er zu sehr am Drehbuch und den Vorgaben darin.
Alles andere spielt sich auf hohem Niveau ab.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf also raus gehen und darauf warten, dass es anfängt zu schneien.
Kinostart: 19. Oktober 2017

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Hört man den Titel, denkt man als erstes wohl eher an einen Kinderfilm im Stile von Lemony Snicket. Sieht man das Plakat dazu, erinnert einen das schon viel eher an die legendäre Underworld-Saga (Bill Nighy, Farbgebung, Düsternis) und sitzt man schließlich endlich im Kino, bekommt man etwas völlig anderes, das zumindest mich richtig umgehauen hat.
Vom Kinderuniversum absolut keine Spur mehr, dafür umso tiefer in der Materie des bösen Erwachsenen. Die Art und Aufmachung des Films erinnert einen sehr stark an klassische Horror-Kunst, das Geschehen gleicht einer dunklen Synopsis aus der Hölle.
Und von einfältiger Ahnungslosigkeit des Zuschauers keine Spur: Die Macher gehen ran und fordern hier vom Publikum einiges an Aufmerksamkeit, Erkenntnisvermögen und Geisteskraft ab, um mit dem Schauspiel zurecht zu kommen. Und ja, der Gedanke ist nicht immer erster Güte, sondern verweilt zumeist in düsteren Gefilden, umtrieben von Vorahnungen, die so nicht stimmen oder Wendungen, die man selbst wohl erraten hätte, jedoch niemals in dieser Weise.
Dass es hier nicht – wie das Plakat verspricht – um mörderische Absichten oder Aufklärung geht, sondern vielmehr um Persönlichkeit, Tiefschichtigkeit, Verständnis und eine völlig andere Form von Rebellion, eröffnet sich vielleicht so manchem kaum. Jedoch sind unweigerliche Wesenszüge dieses theatralischen Anbändelns überall im Film erkennbar.
Und ich glaube, nicht viel vorweg zu nehmen, wenn ich offenbare, dass der Film mit einem Arschtritt entlässt und somit für mich zu den begehrenswerten Stücken einer Sammlung zählt, da hier die Pointen wieder mal in rätselhaftem Weiterdenken in den Köpfen der Kundschaft zu finden wären und nicht für Armselige auf der Leinwand vorgebetet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grandioses Meisterstück in bitter-düsterem Gewand, dass völlig andere Absichten erzielt und an die Gelehrtheit des Zuschauer appelliert.
Man ist zu keiner Minute unterfordert, wird mit Überraschungen und wahrhaft schöner Bildästhetik belohnt und bekommt einen Schluss, den ich mir öfters aus Hollywood wünsche.
Definitiv ein Meisterwerk, dass nur für Erwachsene und nicht – wie der Titel vermuten lässt – an Kinder gerichtet ist.

 
Nachspann
Entweder man geht und ist verärgert – oder man bleibt und grübelt weiter, in beiden Fällen kommt hier von der Leinwand keine weitere Inspiration mehr.
Kinostart: 31. August 2017

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment