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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Natur

Christo – Walking on Water

Christo

© 2019 Alamodefilm

Christo – In der Kunstszene ein bekannter Hund, der schon vielerorts für Aufsehen mit seinen Kunstwerken gesorgt hat und den man auch als Szene-Nicht-Insider schon mal durch irgendein Projekt zu Gehör bekommen haben dürfte. Und der Typ ist es leid, auf seine Reichstagsverhüllung reduziert zu werden, sondern er möchte mit seiner Kunst viel mehr ausdrücken.

Und dabei spielt er alles aus, was man akribischen Künstlern so gerne vorwirft: Er ist menschlich oftmals gelinde gesagt einfach ein “Arsch” und gibt dabei der Menschheit so viel, dass sie zu Millionen Scharen anreisen, um seine Kunstwerke zu bestaunen und zu erleben.

Christo – Walking on Water fängt dabei das Bild Christos sehr realistisch und naturnah ein und spiegelt wieder, wovon viele eben nichts mitkriegen: Den Hintergrundabläufen und der vollständigen Persönlichkeit, auch den Momenten, wenn keine Kameras laufen und kein Massenpublikum auf irgendwelchen Gala-Dinners zugegen ist.

Genau das macht den Film – und auch den Menschen – dann doch wieder sympathisch: Man taucht langsam, teils qualvoll, aber auch sehr inbrünstig und intensiv in seine Aussagen und seine Kunst ein und beginnt, das große Ganze dahinter zu verstehen. Genau so erlebt man auch den Film: Anfangs sehr distanziert und seltsam, teils unerträglich entwickelt sich das Werk im Fortgang zu einem wahnsinnig spannenden, beeindruckenden Spektakel, das wiederum nicht nur das Kunstwerk selbst repräsentiert, sondern auch den Umgang unzählig vieler Menschenbeispiele dazu: Von Hass, Liebe, Gier, Ignoranz, Begeisterung, Andrang, Sturm, Drohung, über Verzweiflung und einfach dem Wunsch, den Menschen etwas erleben zu lassen – alles dabei.

Der Punkt ist schnell erreicht, wo man einfach nicht mehr damit aufhören kann, hinzusehen und spannend mitfiebert, weil es einfach irrsinnig interessant und faszinierend ist, was man sich hier in den Kopf gesetzt hat und nach jahrelanger Idee und Planung endlich umsetzt.

Regisseur Andrey M. Paounov hat dieses Werk aus 700 Stunden Filmmaterial zusammengeschnitten und damit ein Projekt begleitet, das 16 Tage lang geöffnet war und letztendlich 1,2 Millionen Zuschauern Freude bereitet hat. 11.000 Menschen konnten sich gleichzeitig darin aufhalten, 500.000 Besucher waren von den Schöpfern angedacht, diese Zahl wurde weit übertroffen.

Für die Region war es ein Segen: Alle Hotels waren über Monate hinweg komplett ausverkauft, die Herstellungskosten selbst beliefen sich auf 15 Millionen Euro, die Christo persönlich aus Verkäufen seiner Kunst finanzierte, um den Besuchern wie immer freien Eintritt zu gewähren.

Insgesamt wurden drei Kilometer Strecke verlegt, 16 Meter breit, 30 cm hoch und 2,5 km zusätzlich Strecke an Land ausgebaut. Die “Floating Piers” bestanden aus 220.000 verbundenen Polyäthylen-Würfeln, die von Tauchern mit Ankern am Boden des Sees festgetäut wurden.

100.000 m2 Stoff (insgesamt 20 Tonnen) wurden dabei verwertet – und für die Umweltfanatiker unter euch: Christo ist bekannt dafür, dass er alles aus seinen Kunstwerken anschließend immer wieder recycelt und wiederverwertet, um keinen “Müll” zu hinterlassen. Darauf legt er bereits bei der Planung großen Wert, dass die verwendeten Arbeitsmaterialien hinterher weiter sinnvoll verwendet werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film gibt Einblick in die Verwirklichung einer Kunstidee aus dem Jahr 1969 – mit allen Strapazen und Hürden, die dabei zu überwinden waren.

Was anfangs etwas träge und teils ermüdend beginnt, entwickelt sich schnell zur rasanten Faszination und man schafft es nicht, den Film frühzeitig zu beenden und wieder aus dem Saal zu gehen. Dafür ist es viel zu spannend!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Walking on Water
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

Der illegale Film

Der illegale Fil

© 2019 NFP marketing & distribution

Schaut euch das Poster mal genauer an – erkennt ihr etwas, das ihr kennt?

Richtig: Wir leben in einer Zeit, in der sich manche Dinge schon so fest im Hirn eingebrannt haben, weil sie zu lange existieren, wir tagtäglich ohne nachzudenken damit umgehen oder verschiedene Werbe- und PR-Gurus einfach einen grandiosen Job gemacht haben oder so penetrant konsequent mit ihrem Tun sind, dass wir es einfach nicht schaffen, aus den Fängen der “Ich hämmer dir etwas in deinen Kopf”-Menschen zu entkommen.

Der Trick: Bilder. Menschen sehen Bilder. Menschen machen Bilder. Menschen teilen Bilder. Wir leben in einer Bilderwelt, die schon so unbegreifbare Ausmaße angenommen hat, dass es Zeit wird, sich damit mal auseinanderzusetzen und einer immens wichtigen Frage nachzugehen: Wie steht es eigentlich um diese Bilder? Wer besitzt die Rechte daran? Warum? Und ist das zeitgemäß? Wo steuern wir hin? Was gibt es längst, das uns bereits heute über den Kopf gewachsen zu sein scheint, obwohl die meisten diese Techniken noch nicht einmal kennen?

Erinnern wir uns zurück an die Zeit, in der die Kinder noch “draußen Ball spielten” und man gemeinsam zum Mittag an den Tisch kam und in der Familie gesprochen hat. Eine Zeit, in der das Internet in seinen Kinderschuhen stand und in der niemals jemand erahnen hätte können, dass eine Website wie FaceBook mal ein nicht wegzudenkender Teil einer Gesellschaft werden würde. Ich wurde in meiner Kindheit deswegen ausgelacht, weil mich die Techniken einer vernetzten Welt interessierten und ich einer der wenigen war, die sich ein Modem zulegten, um diese vernetzte Welt zu erkunden. “Wer braucht denn sowas? Das hat keine Zukunft.”

Wie recht sie damals hatten, sieht man heute, wenn mal für 2 Minuten das WLAN ausfällt.

Genau das gleiche gilt für Fotografien, Fotos, digitale Bildinhalte, die visuelle Welt. Wir sind im Wandel und es ist ein riesiger Umbruch am Stattfinden, der wieder einmal alles umwirft. Dass die meisten Menschen der Technik längst entronnen sind und “nicht mehr mitkommen” sieht man daran, dass es heute immer noch Menschen gibt, die seit 7 Jahren ein Smartphone besitzen und keine Ahnung davon haben, dass sie dort drin direkt Fotos beschneiden können oder drehen und sich dann darüber wundern, dass man das gedrehte Ergebnis sogar dauerhaft dort speichern kann.

Und ich spreche noch nicht mal von künstlicher Intelligenz, Siri, Alexa und alles, was im Großen da hinten dran hängt … dazu bedarf es mittlerweile fast schon mehrerer Studiengänge, um all dies etwas umfassender verstehen zu können.

Wer für dieses Studium grad keine Zeit hat, den interessiert vielleicht Der illegale Film – ein Meisterwerk, dass sich genau mit dieser Materie auseinandersetzt und zukunftsweisende Ideen, Erkenntnisse, Erklärungen zusammengetragen hat, um diese auf den Leinwänden zu präsentieren.

Das Manko: Aufgrund der Spielfilmlänge und der immer noch begrenzten Aufnahmefähigkeit der Menschen ist dieses Werk dermaßen mit Informationen vollgepackt, dass man es eigentlich auch wieder sukzessive konsumieren sollte, um wirklich alles zu ergründen, was jedoch in einer einzigen Kinovorstellung kaum möglich ist.

Aber auch dafür haben die Macher Abhilfe geschaffen:

Heute, am 11. April 2019 feiert der Film im ZKM Vortragssaal, Zentrum für Kunst- und Medientechnologie, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe Premiere – mit anschließender Diskussion mit dem Regisseur Martin Baer!

“Na super, ich schaff’s aber heute nicht nach Karlsruhe…”

Kein Problem: Denn es geht weiter mit folgenden Terminen – und immer ist entweder Regisseur Martin Baer oder Regisseur Claus Wischmann mit von der Partie – ihr seid damit also nicht im Kino allein.

Ab 11.04.2019
Freiburg – Friedrichsbau – am 14.04.2019 – 11:00 Uhr (Matinée)
Nürnberg – Cinecitta – Do + Mo um 18.15 Uhr, Fr + Di um 20:30 Uhr
Stuttgart – Atelier am Bollwerk – täglich im Wechsel 16:10 oder 17:50 Uhr

Ab 18.04.2019
Dortmund – Sweet Sixteen – täglich außer Mo. – am 25.05.2019 ist Martin Baer vor Ort im Rahmen der WorldPress Ausstellung
Karlsruhe – Schauburg – 18.04.2019 – 19:00 Uhr

Ab 25.04.2019
Berlin – Kant – 26.04.2019 – 18:00 Uhr | Sputnik
Hamburg – Studio – 27.04.2019 – Uhrzeit wird bekanntgegeben
Aachen – Apollo Kino & Bar – 27.04.2019 – 18:00 Uhr
Essen – Filmstudio – 28.04.2019 – 15:00 Uhr
Köln – Filmpalette – 28.04.2019 – 18:00 Uhr
Magdeburg – Studio – 24.04.2019 – Uhrzeit wird bekanntgegeben

Ab 2.05.2019
Gauting – Kino Breitwand – 30.04.2019 – 19:30 Uhr
München – City Kinos – 2.05.2019 – Uhrzeit wird bekanntgegeben

Ab 16.05.2019
Bochum – Casablanca – 19.05.2019 – 13:00 Uhr (Matinée)

Näheres zu diesen Vorstellungen und jeweils aktualisierte Termine könnt ihr dieser Website entnehmen!

Ich finde es wichtig und gut, dass man hier Präsenz zeigt und das Thema in den Medien und für die Bevölkerung aufgreift und gemeinsam erarbeitet: Denn keiner, wirklich keiner von allen, die auf diesem Planeten leben, kann sich den “Das geht mich nichts an”-Schuh anziehen. Wir hängen alle in vielfältiger Form da mit drin. Und Wissen bedeutet “Macht” – Macht über das eigene Leben. Es kann niemals schaden, etwas zu verstehen, mit dem man tagtäglich umgeben ist und womöglich selbst aktiv mitwirkt – und das trifft in den allermeisten Fällen zu 100% zu.

Hier geht’s also nicht mehr um “Ich hab da grad keine Lust zu”, und auch nicht um eine Empfehlung: Das hier ist eine Pflicht-“Schulstunde” fürs Leben, die jeder von euch einfach zu absolvieren hat.

Geht auf die Seite, sucht eure Stadt aus und fragt zusätzlich in euren Kinos, ob sie den Film bringen werden – das schafft Anreize, damit dieser Titel auch in vielen weiteren (kleinen) Kinos gezeigt werden kann. Und dann geht einfach da rein. Notfalls mehrfach.

.kinoticket-Empfehlung: Leidest du an einer Seh-Erkrankung oder bist gar blind? – Dann braucht dich der Film nicht weiter jucken.

Alle anderen sind betroffen und bekommen hier wieder einmal wunderschön aufgearbeitet ein komplexes Thema unterbreitet, das sich mit der Verantwortung, den Rechten und Pflichten auseinandersetzt, denen sich jeder tagtäglich stellen muss. Wie verhält es sich mit verschiedenen Dingen, die wir einfach so arglos in unseren Alltag einbauen – wie z.B. das “Selfie”?

Claus Wischmann und Martin Baer haben sich hingesetzt und etwas umfassend beleuchtet, wozu es mittlerweile eigentlich eines Studiums bedarf – euch hier aber kompakt in 88 Minuten Spielzeit vermittelt wird.

Dies ist keine Kür, sondern eine Pflichtstunde. Anwesenheit wird kontrolliert.

Nachspann
✅ Schaut es euch an – da wird das Ausmaß erstmal so richtig deutlich!

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Der illegale Film
Length: 88 Min.
Rated: FSK 12

Ailos Reise

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© 2019 NFP marketing & distribution | Ascot Elite Entertainment

Unglaublich schön! Was Regisseur Guillaume Maidatchevsky hier auf die Füße gestellt hat, zerbirst förmlich vor professioneller Vorbereitung, die selbst Kenner und Techniker in Staunen versetzt: Ailos Reise fährt einfach so mal den Großteil aller anderen Tierdokumentationen gnadenlos aus dem Rennen und positioniert sich nahe am Genre-Mogul BBC: Das Teil ist großartig und erzählt die Geschichte von Tierchen, die eben nicht die “üblichen Verdächtigen” darstellen, sondern zieht ganz andere Register.

Dabei hat man tief in die Wühlkiste aller Lebewesen gegriffen und Erstaunliches zu Tage gefördert. Genau das hat mir unglaublich an diesem Film gefallen: Man möchte nicht einfach nur wiederholen, den Bürger zu mehr Naturnähe und Planetenbedachtsein aufrufen, sondern liefert ein Abbild der Natur aus entlegenen Winkeln mit Beispielen, die sich selbst aus dem Sumpf aller Dokumentationen freikämpfen und damit etwas völlig Eigenständiges werden.

Dazu gesellt sich technisches Know-How, dass den Kamera-Freak in mir wieder in Wallung bringt: Die Aufnahmen sind derart meisterhaft, dass man es manchmal gar nicht glauben kann und sich die ganze Zeit fragt: Wie zur Hölle haben die das gemacht?

Wie sind die so nah an die Viecher ran? Wie haben die solche Aufnahmen herstellen können ohne die Tierchen zu verschrecken? Und dann die Qualität der Aufnahmen auf solch hohem Niveau setzt auch voraus, dass man in Technik investiert hat, um hier einen so nischigen Film abzuliefern… Perle vor die … Ihr wisst schon und sorgt hoffentlich dafür, dass dem nicht so ist, sondern möglichst viele in den Genuss dieses Streifens kommen, der seit gestern in diversen Independent-Kinos zu finden ist.

.kinoticket-Empfehlung: Nein, it isn’t just another one … es ist besser! Viel besser!

Hier steckt Vorbereitung, Planung, unfassbar viel Zeit und Geduld und vor allem ein geniales Konzept dahinter, dass es allein wert macht, diesen Film zu sehen. Darum gehört er auch ins Kino: Freigesprengt von allen anderen Dokumentationen über Tierwelten liefert man hier Beispiele, die man so eben noch nicht gesehen hat – und damit zeitgleich den Zuschauern einen Grund, doch ins Kino zu gehen und gemeinsam zu staunen.

Die Konzeption hinter der Kulisse ist wahnsinnig aufwendig und professionell und raus kommt ein super Werk für groß und klein, dass man sich definitiv besehen kann. Daumen hoch!

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 14. Februar 2019

Original Title: Aïlo: Und odyssee en Laponie
Length: 86 Min.
Rated: FSK 0

Wildhexe

Wildhexe

© 2018 MFA+ FilmDistribution

 

Großbritannien hat Harry Potter und da haben sie irgendwann gemerkt: Hoppla, ist ja gar nichts für Kids, ist eigentlich für Erwachsene … und mal schön in den Folgeteilen die FSK 12 auf FSK 16 geschraubt. Und ja, die Teile werden mit zunehmendem Alter immer geiler und erwachsenentauglicher.

Wildhexe ist Dänemarks Antwort darauf, entstanden aus einem Buch für Kinder, verfilmt für … naja: Sagen wir mal so: Es ist düster. Richtig geil und richtig fett anzuschauen für Erwachsene, auch wenn der Fokus vom Filmtreiber her klar auf der Kindheit liegt. Die Presse war sich hinterher mal echt uneins darüber, weil es halt wirklich ein KinderfilmFSKErwachsenen-Misch-Masch ist, den man da vorgelegt kriegt und über den ich gemeint habe: Macht daraus eine richtig fette Filmreihe und lasst es gehörig krachen.

Ich hab mir kürzlich erst wieder mal den .trailer dazu angeschaut und festgestellt, dass die .trailer-Cutter zur Zeit echt richtig schlechte Arbeit abliefern, weil sie dem Film nicht gerecht werden, was

a) gut ist, denn so wird der Film nicht kaputt gemacht und weniger gespoilert und
b) scheiße ist, denn so wird ein falsches Bild vom Film vermittelt, was potenzielles (erwachsenes) Publikum vertreibt.

Ein Dilemma. Tatsache ist, dass das Verhalten der Kids im Film unweigerliche Anspielungen auf junges Publikum hinterlässt, was für Erwachsene fast zu kindisch rüberkommt, zumindest an einigen Stellen und Tatsache ist, dass sich jeder einig darüber war, dass der Film Stellen enthält, die unter eine FSK 16 eigentlich nicht drunterrutschen dürfen. Und hier sehe ich großartiges Potenzial, um eine etwas nischenlastigere dänische Potter-Variante vom Hof zu stoßen, ich mein: Dänen, Schweden, Finnen: Die sind gut in sowas!

Ich würde den Film in der 20:00 Uhr und höchstens noch in der 16:00 Uhr Schiene platzieren und die Eltern da rein schicken mit Option, dass die Kinder eventuell mitdürfen. Und ich freue mich dann auf Teil 5-7 davon, wo definitiv keine Kids mehr mit sollten. Schickt eure Kinder definitiv nicht alleine rein.

Wir haben jüngere gefragt, die den Film gesehen haben, ob sie Angst hatten zwischendrin und die Antwort lautete “Ja”.

Ergo sage ich: Werdet erwachsen und genießt die Show – und appelliere an die Filmerschaffer, weiter zu machen und noch düsterer zu werden, denn so etwas fehlt der Erwachsenenwelt: Monster ohne Glitzer, dunkle Kreaturen, die zubeißen und schreien und nicht verliebt im Schulhof rumrennen, einfach Magie und Mystery ohne den ganzen weichgespülten Quatsch. Dafür ist Hollywood zur Zeit zuständig.

 

.kinoticket-Empfehlung: Gibt es Kinder, denen dieser Film Angst macht?

Ja.

Die Antwort darauf sollte etwaigen FSK-Entscheidungen Bedenkzeit verschaffen und die Erwachsenen dazu animieren, lieber selbst ins Kino zu gehen, denn das Ding ist viel zu gut, um nicht gesehen zu werden – allerdings nicht von Kids.

Was man hier geliefert bekommt, ist die Düsternis des Nordens gepaart mit einer (noch) jungen Geschichte für Kids, aber Harry Potter ist ja auch irgendwann erwachsen geworden und jeder hat’s geliebt!

 

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Vildheks
Length: 96 Min.
Rate: FSK 6

Leave No Trace

Hinterlasse keine Spuren. Dann könnten Fragen gestellt werden. Und Fragen sind in einer festgefahrenen Gesellschaft immer unerwünscht. Ich erlebe selbst oft, wie häufig Non-Konformität in der aktuellen Gesellschaft angeprangert und angezweifelt wird und es ist schockierend, wie wenig der wohlwissende Bürger eigentlich wirklich darüber weiß.
Dass viele ihre Aussagen nur noch auf eigener Meinung und längst nicht mehr auf überprüfbaren Fakten basierend äußern, erleben wir derzeit aktuell überall auf dem politischen Tagestisch. Dem muss sich das Kino ja nicht gezwungenermaßen gleich anschließend, sondern es darf so herrlich ehrlich über den Tellerrand blicken und dem Zuschauer dabei zeigen: Es gibt noch mehr da draußen. Dinge, von denen du nichts weißt. Dinge, die dir völlig unbekannt sind. Und wir erklären dir auch, warum diese Dinge tatsächlich funktionieren.
Ich habe bereits bei draußen meine helle Freude gehabt und mich in vielen Aussagen der Menschen wiedererkannt, weil ich die Situationen kenne, sie verstehe, sie durchlebt habe und durchlebe und genau weiß, wie sie fühlen und vor allem, warum sie so fühlen.
Diesen Aspekt bringt Leave No Trace auf den Höhepunkt und sondert sich dabei komplett von allen vergleichbaren Filmen ab. Ich finde es an den Haaren herbeigezogen, stumpfsinnige Vergleiche anzustellen, nur weil jemand mal “raus geht”. Nein, ich denke nicht, dass man mit Captain Fantastic und Co. mitzieht, sondern hier sehr viel mehr Einfühlungsvermögen, Vielschichtigkeit und Sorglosigkeit erlebt, und den Zuschauer sehr behutsam, aber konsequent an ein Thema heranführt, über das man mit dem Durchschnitts-Otto noch nicht mal ernsthaft diskutieren kann. Geschweige denn, es mal auszuprobieren.
Und hier liegt die Crux: Man sieht es. Man fühlt sich vielleicht im ersten Moment angewidert und wird von der Andersartigkeit angestoßen, erfährt im Laufe des Films aber immer mehr, wie Verständnis dafür aufgebracht wird, weil er sich nicht erzwungen erklären möchte, oder mit irgendwelchen Stilmitteln auftrumpfen oder episch-dokumentarisch belegen, wie toll so etwas sein kann, sondern der Film lässt einfach zu.
Genau das ist begeisternd. Dieses Zulassen. Dieses Vielleicht-nicht-einer-Meinung-sein-aber-den-anderen-nicht-ändern-wollen. Das, was der heutigen Protzgesellschaft fehlt, die landesweit gegen irgendwelche Andersartigkeiten demonstriert. Frieden basiert nicht im Akzeptieren und Übernehmen von allem und jedem, sondern manchmal einfach nur im Zulassen von Andersartigkeit. Und genau da stolpern sehr viele, die von sich selbst behaupten, fest im Leben zu stehen, schon allein in der Diskussion.
“Du bist nicht so wie ich? Dann hau ab!”
Genau das hab ich schon unzählige Male an den Kopf geworfen bekommen, direkt oder indirekt, weil jeder gleich glaubt, dass man sein Leben auf andere überstülpen und sie allein durchs Erzählen von etwas überzeugen möchte, dass sie vielleicht gar nicht wollen (und auch gar nicht sollen, wo wäre denn dann z.B. die wunderbare Einsamkeit in der Natur, wenn auf einmal jeder da rumtigert?). Und der Glaube, dass ein “Ich teile dir etwas von meinem Leben und meiner Andersartigkeit mit” gleichbedeutend mit “Ich möchte, dass du in Zukunft komplett und immerdar an meiner Seite weilst und genauso lebst wie ich” ist, ist schlichtweg dumm und naiv. Vielleicht bedeutet das einfach nur, dass du der Person wichtig genug bist, dass sie dir ihre Andersartigkeit anvertraut, um Verständnis zu erlangen oder sich mitzuteilen, weil du ihr nicht egal bist. Es ein Freundschaftsbeweis ist, weil du danach nämlich weißt, was diese Person treibt und wo sie sich rumtreibt und alle anderen nur Fragezeichen auf den Köpfen haben. Aber so weit denkt niemand.
Und genau da punktet der Film sondergleichen und führt den Zuschauer tief in ein ungeahntes Verständnis hinein, dass keine Erklärungen mehr braucht und nach dem man tatsächlich eines tut: Man versteht.
Man versteht, warum sie so sind. Warum sie das wollen. Man spürt und sieht es ihnen an. Oder es liegt an mir und den Erfahrungen, die zu diesem Verständnis geführt haben – ich weiß es nicht.
Fakt ist: Dieser Film entlässt einen bewegt wieder aus dem Saal. Und auch wenn die Story nur über drei Ecken wahr ist (ja, den Fall hat es gegeben, der Autor ist an den Originalschauplätzen rumspaziert und hat sich dazu ausgedacht, wie das wohl gewesen sein könnte und darüber ein Buch geschrieben, welches wiederum als Film interpretiert wurde), zeigt es dennoch, dass eben nicht nur dieses eine Lebensmodell lebensfähig ist, sondern man auch anders ohne zu verwahrlosen durchkommen kann und ein gutes Leben führen.
Und diese Lebenserfahrung sollte jedem von euch ein .kinoticket wert sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Feinsinnige, abgestimmte und völlig natürliche Erzählung über ein völlig anderes Leben abseits jeder Norm.
Der Film leistet dabei keine Überzeugungsarbeit oder drängt sich unbequem auf, sondern lässt den Dingen einfach ihren Lauf und hält sich dabei sehr dezent zurück, ohne jedoch dem Zuschauer dabei den forcierten Blick auf diese Andersartigkeit zu verwehren. Eine sehr ertragreiche Erfahrung, die man dank Debra Granik demnächst im Kino machen kann.

 
Nachspann
❌ überrascht mit nichts mehr, voreiliges Rausrennen ist also erlaubt. Aber bitte ganz raus … also in den Wald!
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Leave No Trace
Length: 109 Min.
Rate: FSK 6 | PG

Unsere Erde 2

Vor Jahren hatte ich mal einen amerikanischen Mentor, der mir eine neue Sicht auf die Dinge in der Welt geschenkt und damit mein Leben nachhaltig verändert hat. Er brachte mir bei, dass die meisten Menschen einfach nur von Grund auf negativ eingestellt sind und diese Einstellung täglich durch das, was sie geistig konsumieren, neu erschaffen.
Schaut man die Nachrichten, hört man den Menschen beim Saufen zu, lauscht man aufmerksam im Café oder erzählt mit Menschen im Umfeld, wird dieser Negativismus durch immer mehr und konsequente Bestätigung gefüttert und dadurch entsteht ein total einseitiges Bild unserer Welt, die im Großen und Ganzen dazu verdammt ist, auf die Apokalypse zuzurennen – und außerdem ist sowieso alles verloren.
Mein Mentor brachte mir bei, dass es Möglichkeiten gibt, diese geistige “Programmierung” zu verlassen, indem man sich die Welt wieder gerade rückt und einfach mal nach den Dingen Ausschau hält, die schön sind und über die nicht in den 8-Uhr-News berichtet wird.
Dabei hat er mir – witzigerweise – einige Ausschnitte aus Planet Erde gezeigt, die die Schönheit und Vollkommenheit unseres Planeten in seiner schöpferischen Vielfalt und biologisch explodierenden Stärke zeigen – mit Wundern, die die Welt bis heute noch nicht in diesem Ausmaß gesehen hat.
Wer sich mit Dokus einigermaßen auskennt, weiß, dass die BBC hier das Maß aller Dinge ist und quasi im Alleingang die oberste Liga abdeckt und ausmacht. Zudem handelt es sich bei der Planet Erde-Reihe (es gibt ja mittlerweile zwei TV-Serien und – mit diesem – zwei Kinofilme) innerhalb der BBC nochmal mit Abstand um die beste Dokumentationsreihe, die dieser großartige Sender hervorgebracht hat.
Hier steckt Geld drin – richtig Geld. Und nicht nur das: Es ist ein vollkommenes Beispiel für grandiose Recherche und ein Ausmaß an Produktionsarbeit, dass so mit Sicherheit kein weiterer Film genießt! Allein die Zeit, die man mit filmen und suchen, warten und finden verbracht hat, dürfte abendfüllende Lektüre sein.
Und hier ist es nicht so wie mit den von der Stange runter produzierten Blockbustern, wo alle 12 Monate ein neues Werk auf den Füßen stehen muss, sondern man hat sich tatsächlich die Zeit genommen und das Beste daraus gezogen. Die Leidenschaft und Hingabe, mit der das Planet Erde-Team gearbeitet hat, ist nach wie vor die gleiche, nur die Technik hat sich maßgeblich verbessert und ermöglicht nun Einblicke in die Natur, wie sie – auch wenn es sich wie ein dämlicher Werbespruch anhört – die Welt bislang noch nie gesehen hat!
Es zählt also fast schon zur Pflicht eines jeden, sich in das nächste Kino zu setzen und dieses Wunder der Natur zu bestaunen, denn wieder einmal werden euch alle Strapazen dafür von den Schöpfern und unzähligen Tierfilmern abgenommen und ihr braucht nur den Gegenwert von zwei Latte Macchiato auf den Tresen blättern und könnt ein grandioses Werk genießen, dass den Besuch im Kino definitiv lohnenswert macht.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Günther Jauch. Ja, ich liebe den Mann, ich mag seine Sendungen, er ist für mich eine glaubwürdige und beständige Größe im TV und ich mag ihn als Person. Allerdings hat uns nicht nur die BBC in den letzten Jahren dazu erzogen, Dokumentationen mit anderen Stimmen in Verbindung zu bringen – Jauch ist dafür einfach zu “liebenswert” und “lasch” in seiner Stimmlage, die nichts mehr mit majestätischer Präsentation zu tun hat, sondern wahrscheinlich einzig auf seine Bekanntheit abzielt, was letztendlich für die deutsche Version dieses Meisterwerks kein guter Schachzug gewesen ist.
All das ändert aber nichts daran, dass der fast ausverkaufte Saal beständig “Wahnsinn”, “Das gibt’s doch nicht” etc. ausgerufen hat und permanent vor Verblüffung mit dem Kopf geschüttelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer keine Zeit dazu hat, sich Planet Erde 2 als TV-Staffel anzusehen, sollte die Chance nutzen und quasi die Zusammenfassung als Kinofilm bestaunen.
Zudem wirken diese Bilder auf der großen Leinwand umso beeindruckender, was den Gang ins Lichtspielhaus zusätzlich bedingungslos rechtfertigt.

 
Nachspann
Smoother Abgang, geht also nicht sofort raus, sondern verlasst den Saal gemütlich.
Kinostart: 15. März 2018

Die Reise der Pinguine 2

Zwölf Jahre ist es nun her, dass sich Regisseur Luc Jacquet an die Antarktis aufgemacht und das Leben der Pinguine dort filmisch dokumentiert hat.
Mit 25 Millionen Zuschauern weltweit, davon 1,4 Millionen allein in Deutschland gehörte diese Aktion zu den erfolgreichsten in der Geschichte der Dokumentation. Fasziniert vom Leben und dem Anmut dieser Tierchen packte ihn 2015 erneut die Reiselust und er machte sich mit Team und 4K-Kameras sowie Drohnen und Unterwasserequipment auf, um seinen tierischen Freunden erneut zu begegnen und faszinierende Aufnahmen von ihnen für die Nachwelt festzuhalten.
Ich mein: Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was dafür notwendig ist: Filmisches Equipment, dass dazu in der Lage ist, mehrere Tauchgänge an der Antarktis – dem so ziemlich feindlichsten Lebensraum überhaupt – zu überstehen und dabei noch hochwertige Bilder in gestochen scharfem 4K zu liefern, damit unsereiner gelangweilt ins Kino rennen kann, um sich davon berieseln zu lassen.
Was mir da auf der Leinwand begegnet ist, war ein sehr angenehmes, narratives Erlebnis, dass die Enttäuschungen, die einige beim ersten Teil empfanden, sanft dahinwehen ließ und sich nunmehr aufs Beobachten konzentrierte, so dass man tatsächlich die Wunder des Lebens weit entfernt auf unserem Planeten bestaunen und ihnen so nah sein kann, wie sonst nie.
Es ist nicht nur eine herzerwärmende Geschichte, sondern sie ist auch frei von jedwedem “Ach, ist der süß”-Kitsch, den viele an dieser Stelle vielleicht erwarten würden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wem das Geplänkel mit Vorschauen und Werbetrailern im Fernsehen zu viel ist und wer sich einfach mal ungemein viel Zeit für etwas Wunderschönes nehmen will – oder sogar durch den Kauf eines .kinotickets folgende Filme dieser Art supporten möchte, der sollte genau dies tun und auch beim zweiten Teil zeigen, dass die Lust auf derartige Momente immer noch vorhanden ist.

 
Nachspann
hält keine weiteren Momente bereit.
Kinostart: 2. November 2017

Schloss aus Glas

Das Thema Breakout ist derzeit in vielen Kinos wieder in Mode und erweist sich so langsam auch als Publikumsmagnet. Zumindest in kleineren Städten reißen sich die Menschen um .kinotickets für solche Vorstellungen und man rüstet den Wochenplan dementsprechend um, um genau das zu bieten.
Schloss aus Glas basiert erneut auf einer wahren Geschichte und ist somit zugleich Buchverfilmung als auch “aus dem echten Leben erzählt”. Die Geschichte ist derart verblüffend, tragisch und ergreifend, da sie nicht zwischen A und B entscheidet, sondern den erbitterten Zwist zwischen der notwendigen Realität und dem unerklärlichen Drang nach Freiheit und Ausbruch sorgfältig unter die Lupe nimmt und hier neue Formen des Umgangs damit präsentiert.
Durch seine “Tatsächlich passiert”-Nacherzählung verpuffen alle Argumente, die dieses Leben als “nur ein Film” hinstellen wollen und offenbart einmal mehr, dass es durchaus möglich ist, nicht nach den konformen Regeln des Konservatismus leben zu müssen, um tatsächlich erfolgreich und – viel wichtiger – glücklich im Leben sein zu können.
All dies verrät aber immer noch nichts über das, was uns in Schloss aus Glas in eindrücklichen und bleibenden Bildern erzählt wird. Brie Larson glänzt neben Naomi Watts an der Seite von Woody Harrelson, der wieder einmal Höchstleistungen darbietet, die auch in diesem Film wieder zum Anbeten sind.
Und neben all den Exzessen, Querulanten, Absonderlichkeiten und dem unbändigen Streben einer Coming-of-Age-Generation, die sich im harten Alltag durch alle möglichen und unmöglichen Situationen durchbeißt, erblüht hier eine diskutierbare Offerte von Optionen des Erwachsenwerdens, ohne dabei auf den Respekt und die Liebe verzichten zu müssen.
Und ich wage zu versprechen, dass jeder, der diesen Film besucht, auf irgendeine Weise angesprochen wird. Denn um das völlig gefühlskalt und emotionsbefreit abzutun, braucht es die Abwesenheit jedweder menschlicher Regung – und das dürfte in den seltensten Fällen der Fall sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine ergreifende und wahre Geschichte, die nicht nur mit völliger Schrägheit verblüfft, sondern die irren Windungen inmitten von Gesetzen und Normen durchbricht, um schlussendlich völlig befreit aus dieser Lage emporzusteigen.
Die Szenen sind beeindruckend und hallen noch lange nach, die Darsteller erobern die Herzen im Sturm und die erbitterte Wahrheit dieser Erzählung erschüttert noch lange danach den Geist.
Definitiv sehenswert und mega emotional!

 
Nachspann
sollte man mitnehmen, da dieser zur Glaubwürdigkeit extrem viel beiträgt.
Kinostart: 21. September 2017

Planet der Affen: Survival (3D)

Beginnen wir mal mit der Technik: die Dreidimensionalität lohnt sich auf allen Ebenen und projiziert moderne Technik mitten ins Kino. Brachial und beeindruckend zugleich fördert man hier den Zuschauer auf neue Ebenen und beweist, dass nicht nur Geld, sondern auch Lust da gewesen ist, diesen Film zu drehen.
Der Soundtrack bezeugt gleichermaßen Größe und Unterschwelligkeit und fördert dabei das neu gewonnene Bild einer verkannten Welt, die sich im Laufe seiner bisher acht Verfilmungen den Weg ins Herz der Zuschauer gebahnt hat.
Über die Anfänge, die Idee, ist man längst hinaus. Den Weg zur Empore einer Action-Ikone hat man mit den neuzeitlichen Verfilmungen auch längst beschritten und abgelegt. Was bleibt, ist das fulminante Ende einer Saga, die es im Laufe der Kinogeschichte zu Großem gebracht hat – und genau das liefert Regisseur Matt Reeves in seiner demnächst startenden, finalen Schlacht, die zwischen allem entscheiden soll.
Der Unwissende wird wohl oder übel der teils angstbehafteten PR aufgesessen sein, die Erwartungen schürt, die Planet der Affen: Survival so nicht erfüllen wird. Das Epos einer alles auseinanderberstenden Gewalt findet nicht in dem Rahmen statt, den man sich ursprünglich denkt, sondern manövriert hier auf einer völlig anderen Dimension, die gleichermaßen beeindruckend und vielschichtig wie visuell beeindruckend ist: Man landet schlicht und ergreifend einen finalen Coup, der auch Kritiker der vorherigen Teile wieder gutmütig stimmen dürfte: Denn das Ende ist so völlig anders, als man es erwartet.
Und zwar nicht nur im erzählhistorischen Stil, sondern auch in der Machart und Schwere des Films, die völlig neue Bereiche einnimmt und den Zuschauer so auf eine komplett andere Reise schickt, als dieser vielleicht eingangs gewollt hat.
Funktioniert das? Ich denke schon – sofern man sich als Zuschauer etwas gemütlicher in den Sessel positioniert und den Leuten auf der Leinwand einfach eine Chance gibt, ihre Geschichte erzählen zu dürfen. Die ist nämlich nicht minder beeindruckend als es die Anfänge dieser Saga seinerzeit waren. Nur eben so völlig gereift und gewachsen, dass sie mit der “Kindheit” fast nichts mehr zu tun haben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Diese Erfahrung lohnt sich auf jeden Fall im Kino, auch wenn sie völlig unerwartet und anders ist, als man anfangs vielleicht annimmt.
Reeves weiß es mit Methoden und Elementen umzugehen, die aus dem Werk etwas völlig anderes rausholen, als es die letzten beiden Filme vermuten ließen.
Der finale Paukenschlag ist in meinen Augen definitiv gelungen und entlässt uns aus diesem Abenteuer mit einem völlig überraschenden und gelungenem Ende, das euch hoffentlich nirgendwo verraten wird.

 
Nachspann
Verhältnismäßig kurz, aber ohne weitere Szenen oder Bilder.
Kinostart: 3. August 2017

Der letzte Wolf (3D)

In China soll’s wohl ein Bestseller sein, hierzulande wird es wohl eher in einer Nische verschwinden – teils zurecht, teils so absolut gar nicht: Der letzte Wolf.
Das Problem bei diesem Kinostück ist ziemlich offensichtlich die innere Zerrissenheit, die man als Zuschauer zu überwinden hat. Da kommt zum Einen die so völlig klischeehafte Doofheit der chinesischen Darsteller zum Tragen, die den Film vom Blockbuster-Thron runter reißt und ihn zu einem billigen, chinesischen C-Movie verkommen lässt – und überdeckt wird das ganze dann von grandiosen Naturaufnahmen, sensationellem 3D und einem feinfühligen Gespür für die wechselseitigen Annäherungs- und Distanzierungsversuche von Mensch und Tier.
Eines steht definitiv fest: Für Tierschützer, Peta-Freunde und sonstige Öko-Fanatiker gibt’s hier so richtig was aufs Schnittchen: Das Gejammer und die Tränen sind groß, der intolerante Hass gegenüber den Machern lässt die Zähne nicht nur an ein oder zwei Stellen im Film knirschen. Denn hier werden teilweise wirklich an der Substanz kratzende Szenen gezeigt, die allerdings offen hervorgehen lassen, dass es sich eindeutig um animierte und keine echten Tiere handelt. Aber soweit denkt man in seiner Beschränktheit zu diesem Zeitpunkt dann einfach nicht mehr – die Geschichte reißt dafür viel zu tief in sich selbst rein und lässt vergessen, dass das hier “nur ein Film” ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Und genau das ist der Punkt: Hätte man den Hauptdarstellern hier ein klein wenig mehr Hirn spendiert, auf die übliche Allzeit-Gut-Wetter-Stimmung der typisch-chinesischen Darsteller verzichtet, wäre daraus ein richtig guter Film geworden, der auch in Europa zum Kassenschlager hätte werden können.
So bleiben Szenen im Gedächtnis, die sensible Mägen ordentlich umdrehen und neben unverhaltenen Lachern aufgrund von absoluter Doofheit halt auch irgendwie schocken und damit so richtig funktionieren.

 
Nachspann
darf getrost ignoriert werden – raus aus dem Saal und weiterleben.

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