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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Nicole Kidman

Destroyer

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© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Wenn ihr raus aus dem Einheitsbrei und wieder mal etwas richtig abgefuckt großartiges sehen wollt, kommt ihr nicht umhin, ein .kinoticket für Destroyer zu lösen: Um bei der “Frauendebatte” zu bleiben: Ein Film von einer Frau mit einer Frau in der Hauptrolle und gleichzeitig ein Glanzstück, von denen ich mir so sehnlichst mehr wünsche.

Es ist da – und der Erfolg hängt von euch ab: Geht rein!

Die Presse wuschelt hier und da ein wenig hin und her, manche finden’s großartig, andere zum Kotzen und ohne Stil, genau das bringt der Film aber meiner Meinung nach beispiellos auf die Bildfläche und sorgt für etwas, dass ich schon lange nicht mehr im Kino erlebt habe: Erstaunen!

Yes, es ist die Rolle ihres Lebens, die diese Frau in einer Höchstform zeigt, was ihr so schnell niemand nachmachen kann: Das mutige Darstellen von totaler Kaputtheit in Verbindung mit gewollter Hässlichkeit – hier werden markante Merkmale zusammengemischt, die endlich wieder ein Genre bedienen, in dem gefühlt alle zwei Jahrhunderte mal ein einziger Film kommt, der dazu noch extrem empfehlenswert ist.

Und ich liebe es abgöttisch! So herrlich schräg, so wunderbar einzigartig und so schroff und gleichzeitig stark in ihrem Auftreten, ihrem Charakter … gepaart mit einem Plot, der vor Wendungsreichtum strotzt und einfach bestens unterhält: Lange nicht mehr so einen tollen Film gesehen, der mich wirklich wirklich wirklich richtig umgehauen hat!

Großartige Performance, toller Look, krasser Plot, richtig geile “Schärfe”, Kompromisslosigkeit und eine Menge weibliche Power – so muss ein Film aussehen.

.kinoticket-Empfehlung: Den Mut, ein einziges Genre zu bedienen und kompromisslos dabei vorzugehen, Fans dieses Genres dann aber vollkommen zu überzeugen, muss man erst mal haben: Und ich bin froh, dass es jemand hatte: Eine RegisseurIN 🙂

Großartige Performance, unglaubliche Darstellung eines kaputten Charakters in einem wendungsreichen Plot, der diesen “Film Noir” zu einer unvergesslichen Kinoerfahrung werden lässt, die ihr euch keineswegs entgehen lassen dürft!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 14. März 2019

Original Title: Destroyer
Length: 123 Min.
Rated: FSK 12

Der verlorene Sohn

© 2019 Universal Pictures International

Reparativtherapie – derzeit reden auch in Deutschland viele wieder über dieses Thema … und ich schätze, dass dies nicht nur wegen dem Film der Fall ist: Boy Erased, wie er im englischen Original heißt, angelehnt an die Autobiografie von Garrard Conley, der diese Scheiße tatsächlich durchlebt hat, startet demnächst hier in den Kinos und liefert euch ein eindrückliches Beispiel dafür, was ihr mit eurem Konservativismus Menschen antut, die nicht nach euren eigenen Weltvorstellungen leben.

Ihr wundert euch über Bomben, Terror, Tode, Suizidmorde, Versagensängste und Menschen, die dem Leben den Rücken kehren und aus Hass, Angst und Verzweiflung andere mitnehmen?

Ihr habt sie gezüchtet. Zum Beispiel so, wie hier gezeigt.

Aktuell haben 36 Staaten in den USA keine Gesetze gegen die Reparativtherapie und nur 14 Staaten plus Washington D.C. sich entschieden, per Gesetz gegen diese Maßnahmen vorzugehen, um LGBTQ-Jugendliche davor zu schützen.

Die Human Rights Campaign meint, dass Jugendliche, denen man mit derartiger Ablehnung begegnet

  • ungefähr 8x stärker suizidgefährdet sind
  • 6x höhere Depessionswahrscheinlichkeit haben
  • 3x wahrscheinlicher Drogen nehmen
  • 3x höheres Risiko besitzen, an HIV- oder STD-Erkrankungen zu leiden

Außerdem sind die potentiellen Risiken der Reparativtherapie nach Aussagen der American Psychiatric Association sehr hoch und beinhalten Folgen wie Depressionen, Angstzustände und selbstzerstörerisches Verhalten, gefolgt von Selbsthass, der durch derartige „Behandlungen“ oft eher verstärkt wird, genährt von den Lügen und falschen Behauptungen, die in solchen Therapiezentren oft verbreitet werden.

Zudem haben sich viele Organisationen gegen eine solche Therapie ausgesprochen, u.a. Die American Medical Association, American Psychiatric Association, American Psychoanalytic Association, American Psychological Association, American School Counselor Association, National Association of Social Workers, Pan American Health Organization: Regional Office of the World Health Organization sowie die World Psychiatric Association.

Alle diese Organisationen geben an, dass es derzeit keine wissenschaftlich fundierten oder gar untersuchten Beweise dafür gibt, dass Homosexualität eine Krankheit ist oder anzunehmen wäre, dass dieser Umstand „heilbar“ sei.

Da weiß die Kirche und all ihre Fanatiker scheinbar besser Bescheid, als studierte Wissenschaftler und Ärzte und freut sich, während sie kleine Kinder und Jugendliche weiter in den Tod schickt, dass der Pfarrer sonntags so viel über Liebe, Nächstenliebe und „Dem Vorbild Jesu folgen“ predigt, bevor er dann selbst im Hinterstübchen verschwindet und kleine Jungs fickt.

Achja, wie ich diesen Verein hasse ………. es gibt doch nichts schlimmeres, als heuchlerisch zu sein … und genau das ist fast die gesamte christliche Institution für mich, egal, wo man hinsieht. Mit Gold behangen Armut und Zurückhaltung predigen, pompöse Tempelsäle pflegen und unterhalten und den Armen auf der Straße sagen, sie sollen aus der Liebe Gottes genährt werden. Fickt euch einfach alle selbst!

Und hört endlich auf, anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Fangt selbst an, den „Sünder zu lieben und die Sünde zu hassen“ – und informiert euch bei euren kruden Vorstellungen darüber, was in der Bibel steht und was nicht, erstmal genau und harscht nicht so über die Texte ohne die Worte genau zu studieren und das ganze andere immer konsequent auszuklammern, wenn es nicht in die „eigene Sünde rechtfertigen“-Schiene passt. Deal?

Dann werdet ihr nämlich ganz schnell feststellen, dass es solche Passagen, wie sie oftmals „rezitiert“ werden, gar nicht gibt, sondern alles irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Interpretationen sind, aufgrund derer ihr kategorische Ausschluss-Verurteilungen über Menschen aussprecht, obwohl Jesus ganz klar und deutlich gesagt hat, dass man nicht über andere urteilen soll?

„Ihr sollt das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und das nicht, und nicht schwul sein, und das nicht, und das nicht, und das nicht und das nicht.“

„GROSSER GOTT lasst uns alle Schwulen verbrennen, schnell, es steht in der Bibel!“

„Ja, aber die 200 anderen Sachen … 80% davon treffen auf dich zu, und 96% davon treffen auf mich zu, das sollten wir auch lassen, meinst du nicht?“

„SCHWULE!!! Hast du es denn nicht gelesen? Es ist verboten – Reparativtherapie !! Schnell!!!!!!!!!!!!1111einself“

Merkt ihr‘s eigentlich selbst noch? Spürt ihr in eurem Fanatiker-Gutgläubigertum eigentlich noch, was ihr da macht? Nein? Verurteilt ihr den Fanatismus der Islamisten, die anderen Menschen unschuldig in den Tod stürzen und merkt dabei nicht, dass ihr genau das gleiche tut, nur mit anderen Mitteln?

Und ja, zu dieser Behauptung stehe ich! Mit meinem Namen und meinem ganzen Stolz – denn ich habe hingesehen. Zugesehen. Selbst gesehen. Gespürt. Und erlebt. Diese verlogenen Hassbotschaften und Blicke, das Zerstören, diese psychischen Martyrien durchlaufen – ich weiß genau, wie sich diese Scheiße anfühlt und wie danach mit falschem aufgesetzten Grinsen „die Liebe Jesu“ gepredigt wird. FICKT EUCH!

Und wieder einmal ist Kino die letzte Bastion, in der solchen Heuchlern das Maul gestopft wird und sämtliche Argumente fundiert und erwiesen totgeschlagen werden: So etwas liebe ich! Wenn diesen Diskussionsaffen einfach mit Argumenten und Beispielen sämtliche Worte aus der Fresse geschlagen werden und man hinterher betroffen, maultot und so klein mit Hut wieder aus dem Kino spaziert und sich möglichst schnell verkrümeln muss, weil man sonst von der Meute in der Luft zerrissen wird.

Verdient! Ihr Heuchler habt es nicht anders verdient!

Und genau deshalb sollte man sich den Film auch ansehen: der ist nämlich nicht mit Hass vollgepackt, so wie ich, der hier grade sitzt und am liebsten irgendjemand schlagen wollen würde – sondern der erzählt die Story, wie es ein Junge – Garrard Conley – aus dieser Hölle geschafft hat. Und offenbart dabei noch ein paar ganz hübsche Wahrheiten, die das ganze Bild zeigen und nicht die instagramisierte Unwirklichkeit.

Mein Schwert ist die Leinwand – und diesmal seid ihr gestorben und das Kino lebt. Und ich suhle mich gerne in eurem intellektuellen toten Blut, dass dabei aus euren verlogenen Herzen fließt und aufzeigt, wie falsch euer Verhalten war und ist.

Dieser Film … macht‘s richtig. Er regt sich nicht auf, sondern hält einfach nur ne Kamera neben das, was geschieht.

Und Lucas Hedges zeigt, was passiert ist.

Und ich bin mal gespannt, wie vielen von euch es auffällt …. ich wette, die Zahl wird klein bleiben. Aber wir können ja gerne hinterher drüber diskutieren (wenn ihr mich notfalls angekettet habt, damit meine Rage und Wut über dieses Thema gebändigt bleibt). Let‘s Play!

.kinoticket-Empfehlung: Hochscrollen. Nochmal lesen.

Oder ihr scheißt auf mein Gelaber und geht einfach so in den Film. Ausreden gibt‘s keine. Hauptsache, gesehen! Alles andere ist egal. Deal?

Nachspann
✅ Nach dem Text dürft ihr abdampfen, dann kommt nichts weiter.

Kinostart: 21. Februar 2019

Original Title: Boy Erased
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12

Mein Bester & Ich

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© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Da ist er: Der Film des Grauens, vor dem sich zur Zeit alle fürchten: Wie kann man nur wagen, solch einen französischen Erfolg in Amerika rezuproduzieren und daraus halbgaren Mist zu gestalten, der das Original in allen Maßen angreift und kaputtschlägt?

Solche Töne hört man schon, seitdem der .trailer aufgetaucht und die Poster in den Aushängen eingetroffen sind: Und ja, auch ich hab mir gedacht: Wozu? Lasst es doch einfach und macht die Story nicht weiter kaputt!

Haben sie aber. Remake bedeutet sowas glaube ich immer.

Aber!!! Es ist nicht so schlimm, wie ihr vielleicht glaubt! Wirklich nicht.

Das Problem ist hier ganz klar der Vergleich, und der Film macht (1. Pluspunkt) keinen Hehl daraus, basierend auf dem französischen Original geremaked zu sein. Man kommuniziert also öffentlich, was Sache ist und verkauft sich nicht als eigenen Erfinder.

Punkt 2, der positiv auffällt: Der Cast. Hier wurde hochrangig geerntet und in die Besetzungscouch gerufen, es sind allesamt Könner, die ihr Handwerk verstehen und ein wirklich gutes Bild abgeben – nicht nur Bryan Cranston, sondern auch alle um ihn herum. Man mag sich um den Humor von Kevin Hart streiten, den fand ich auch nicht auf den Punkt getroffen und der sagt mir persönlich überhaupt nicht zu, das bedeutet aber nicht automatisch, dass ich den Film deshalb vollständig verdammen würde – auch wenn er das Original schwer schädigt.

Dann hat man sich die Mühe gemacht und weite Teile der Erzählung so geändert, dass auch Ziemlich beste Freunde-Kenner etwas Neues vorgesetzt bekommen und man eben doch wieder in den fiktionalen Bereich abdriftet und mehr auf Musical / Oper setzt, was für amerikanische Verhältnisse dann doch ein sehr gewagter und vor allem mutiger Schritt ist, da man sich hier quasi in kulturelle und “französische” Gefilde bewegt und damit meines Erachtens schon sehr viel riskiert.

Das einzige Problem in meinen Augen ist tatsächlich der fast unumgängliche Vergleich mit Ziemlich beste Freunde, der sich absolut nicht verhindern lässt und den man als Zuschauer vollkommen ausschalten muss, um sich irgendwie darauf einlassen zu können.

Bei mir hat’s nach ca. 40 Minuten dann “klick” gemacht und ich konnte dem Schauspiel und der Story genügend abgewinnen, weil der Film eben doch nicht schlecht ist, sondern durchaus sein Dafürhalten begründet und seine Existenzberechtigung hat. Dass dies extrem schwer ist, erkenne aber auch ich gebührend an.

.kinoticket-Empfehlung: Was ihr draus macht, müsst ihr entscheiden: Wer die Hürde überwindet und auf den Vergleich zum unangefochtenen Original verzichten kann, erlebt einen wirklich sehenswerten Film mit tollem Cast und rühmlichen Darbietungen.

Der Weg dort hin ist steinig und es fällt zumindest europäischen Zuschauern immens schwer, darüber hinweg zu kommen, da der “Hass” auf das Remake tatsächlich irgendwo vorhanden ist und auch begründet – auch der .trailer konnte nicht überzeugen, der Film braucht zwar etwas, schafft in meinen Augen dann aber so viel Charme, dass man am Ende doch irgendwo berührt ist.

Nachspann
❌ bringt nichts weiter, nach der Schwarzblende darf man raus.

Kinostart: 21. Februar 2019

Original Title: The Upside
Length: 118 Min.
Rated: FSK 6

Aquaman (3D)

© 2018 Warner Bros. Ent.

Bereits, als die ersten .trailer anliefen, war ich der Meinung: Das wird DC‘s erstes richtiges großes Ding. Und je öfter man die Vorschau auf der Leinwand präsentiert bekam, desto mehr erhärtete sich mein Verdacht: Die Optik wird geil, das „Epos“ wird geil, es bleibt DC und am Ende spielt man da aber in den allerobersten Rängen.

Und ja: Genau das ist eingetreten. Die Macher des „kleineren Netzwerks“ von Superhelden haben sich zusammengerottet und etwas auf die Füße gestellt, dass ich gerne vor Justice League in den Ring geworfen hätte, weil man dann viel mehr Bezug und Sympathie zu Aquaman aufgebaut hätte und wüsste, wer er ist und ihn in dem Superheldenrummel viel besser einsortieren hätte können.

Immerhin gibt es auch heute noch genügend Zuschauer, die nicht aus der Comic-Welt kommen und für die jede Charaktereinführung auf der Leinwand eben genau dies ist. Aber hier existieren wohl scheinbar fatale Marketing-Druck-Komponenten, die teilweise zu solchen groben Fehlentscheidungen führen, nur um im Marvel-Ring mitwirken zu können, statt sich einfach auf sein eigenes Ding zu konzentrieren und das zu tun, was man gut kann.

Dass DC tatsächlich kann, haben sie hiermit bewiesen. Die Optik ist allererste Sahne und begeistert bis hin zum 3D, was tatsächlich Oberklasse ist und man sich definitiv nicht entgehen lassen darf. Aquaman in 2D zu ordern ist ungefähr genauso blöd, wie eine dicke fette Kugel Banana-Cream in der Waffel zu bestellen, „aber lassen Sie das Eis bitte weg, nur die Waffel“. Stupid. Und ich verstehe immer noch nicht, warum es auch heute noch Leute gibt, die 3D im Kino verabscheuen. Und kommt mir nicht mit den üblichen billigen Ausreden: Auch ich bin Brillenträger und hasse es manchmal schon, dass man uns in der Presse nur die 2D-Option vorsetzt und ich im Vorfeld dann nichts zur 3D-Wirkung sagen kann.

Hier muss (!) man einfach zur großen Variante greifen, alles andere wäre Selbstbetrug. Und wenn das 3D in eurem Kino scheiße ist, wechselt das Kino!

Weiter geht‘s mit dem Sound: Auch hier hat man Händchen bewiesen und einen wirklich tollen Soundtrack komponiert, der sich an die im übrigen durch und durch gelungene Unterwasser-Welt anpasst und zum epischen Ausmaß beiträgt. Somit überträgt sich die visuelle Wucht von den Augen auch auf die Ohren und man ist hinterher tatsächlich geflasht von so viel Power und Extravaganz.

Einziges Manko (auch das war bereits im .trailer deutlich erkennbar: Man hätte die Drehbuchautoren von Bumblebee ran lassen sollen, dann wären nicht so dämliche Fremdschäm-Aussagen dabei rausgekommen. Man fährt hier so großes Potenzial auf, liefert eine epische Schlacht nach der anderen und sobald jemand das Maul aufmacht, ist es wieder lächerlich. Und dabei stört mich noch nicht mal, dass – wie manche bereits bemängelt haben – man manchmal over the top geht und zu viel Action produziert, auch hier hätte man ein Alleinstellungsmerkmal, dass in dieser bösen Düsternis durchaus funktionieren kann, dann aber von den „Kinderdialogen“ befreit sein müsste. Die brachiale „Man-Power“ hat man nämlich längst erkannt und sie auch gebührend umgesetzt.

.kinoticket-Empfehlung: Hält man sich bei den Dialogen die Ohren zu und öffnet sie bei der Musik wieder, sieht man einen brutal-guten Film, der an der Spitze der bisherigen DC-Erwartungen steht und alles toppt, was dieses Label bislang veranstaltet hat.

Die visuelle Gewalt ist berauschend, die Welt komplett und vollständig, die Szenerien begeistern und sind für große Kinos geschaffen, nur die Dialoge erreichen noch nicht mal Mindestniveau. Wenn man hier noch nachzieht und seinen Blick von Marvel entfernt und sich weiterhin so auf seine eigene Sache konzentriert, dann wird‘s in Zukunft echte Konkurrenz werden.

Und genau da will ich hin!

Nachspann
✅ Nicht gleich aufspringen, man orientiert sich auch hier am großen Bruder Marvel und liefert noch etwas nach.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Aquaman
Length: 144 Min.
Rate: FSK 12

The Killing of a Sacred Deer

So ungewöhnlich der Titel, so abstrakt das Plakat zum Film, so verwirrend die Story: Viele kamen mit diesem Werk überhaupt nicht klar, ich feiere es bis zur letzten Minute.
The Killing of a Sacred Deer beschäftigt sich wieder einmal mit dem Wesen des Menschen und erzeugt dabei einen Bilderrausch aus Momenten, die alle in sich faszinierend sind. Dabei ist besonders die starke Ausstrahlung der Hauptcharaktere zu beleuchten: Hier wird endlich mal nicht mit Banalitäten gearbeitet, sondern durch sich zusammenziehende Fühlfäden im Körper eine Stimmung erzeugt, die gleichermaßen faszinierend wie unheimlich ist.
Und es macht Spaß, sich erst in den Plot reinfinden zu müssen. Es macht mehr Spaß, diese Unveränderlichkeit und stoisch-widernatürliche Gesetzgebung durchleiden zu müssen um anschließend vom Film eine Watschn nach der anderen zu kriegen, die einen nach dem Abspann förmlich aus dem Kino rausschleudern und definitiv für Gesprächsstoff sorgen.
Und da kann ich den allgemeinen Aufschrei der Gesamtbevölkerung durchaus verstehen, die für so etwas kaum etwas übrig hat: Nischenkino in seiner besten Form – ich liebe es!
Diese spannende Reise durch die Abgründe menschlichen Seins entfesselt sich selbst und prasselt in virtuosen Bildern auf die Allgemeinheit nieder, um Abscheu, Ekel, Hass oder andere Reaktionen hervorzurufen und es ist fast schon egal, was es wirklich ist: Dieser Film provoziert auf seine eigene Weise – und das mit einer perversen Ruhe und Gelassenheit, was The Killing of a Sacred Deer für mich zu einem faszinierenden und sehenswürdigen Spektakel macht, dass man sich unter keinen Umständen entgehen lassen sollte!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer dafür nicht zwingend zusätzlich Geld ausgeben möchte, sollte sich unbedingt nach einer TV-Ausstrahlung umsehen, wobei die Intensität und das mächtige Gebaren meiner Meinung nach erst auf dem Big Screen seine eigentliche Wirkung entfaltet.
Eine interessante und verwirrende Studie über Gefühle und Familie in einer bislang nicht dagewesenen Konstruktion, virtuos für die Leinwand inszeniert.
Anschauen!

 
Nachspann
Auch dieser Film ist nicht auf eine Zugabe angewiesen und hört deshalb mit der Schwarzblende auf. Warten sinnlos.
Kinostart: 28. Dezember 2017

Die Verführten

Sofia Coppola auf dem Regiestuhl ist meist ein Garant dafür, dass ein Film einschlägt. Die Frau hat nicht nur einen anbetungswürdigen Vater als Regie-Vorbild, sondern ihren ganz eigenen Stil entwickelt, den sie mit Herzblut, Liebe und Hingabe jedes Mal auf die Leinwand zeichnet, ohne sich dabei von anderen beirren zu lassen.
Und so etwas ist selten. Schon in The Virgin Suicides habe ich ihre Arbeit bewundert und die Liebe zu ihrem Stil entdeckt. Umso erfreuter war ich, dass im Kino demnächst wieder ein Stück von ihr zu sehen sein wird und habe mit Freuden darauf hingefiebert.
Die Verführten lockt ja im Trailer schon mit einer außergewöhnlichen Story und kitzelt die Zuschauer bereits ein wenig in punkto Horroranflüge. Der Film selbst packt die Sache dann allerdings völlig anders an und löste nicht nur bei mir die Reaktion aus, etwas völlig anderes bekommen als erwartet zu haben. Sei’s drum.
Der prägende Stil, den sie sich für ihre neueste Schöpfung ausgesucht hat, orientiert sich natürlich auch wieder pedantisch an der gewählten Zeit und sorgt mit viel Detailreichtum und Aufmerksamkeit für ein authentisches Bild dieser Epoche. Die dadurch erzeugte Sphäre wird zusätzlich aufgeladen, da alle Schauspieler sich gemeinsam auch zwischen den Drehs in ihrer Rolle beschäftigten um somit mehr Glaubwürdigkeit zu erzielen.
Nicht nur beim Design der Klamotten und dem Ausschmücken der Szenen, sondern auch in den Erzählsträngen spürt man sofort, dass hier sehr viel Detailverliebtheit am Start war. Auch die Darsteller berichten darüber, dass die Arbeit mit Sofia sehr angenehm, verspielt und fachlich sicher gewesen ist. Das für die heutige Zeit eher ungewöhnliche Format des Films zeigt, dass ihre Entscheidungen wohl durchdacht und mit Sinn getroffen worden sind, denn sie wollte durch das 1:1,66 Bildformat mehr Ausdrucksmöglichkeiten für die Körpersprache erreichen.
Sich dann mit Thematiken zu beschäftigen, die in heutiger Zeit wohl kaum noch eine Rolle in der Öffentlichkeit spielen, diese aber so immens beeindruckend und von allen Dingen unterstützt auf die Leinwand zu konzipieren, ist großartige Regiearbeit, die sonst keiner so innig ausführt.
Der Film lebt quasi mehr oder weniger von der Kulisse, den Regeln, den Gemeinsamkeiten und Entwicklungen, die jede Generation für sich mit der Situation macht. Dadurch erzählt sie in ihrer Buchverfilmung eine Story, die nicht nur absolut realistisch wirkt, sondern auch dieses verlorene Bild der Protagonisten mitsamt ihren Schwierigkeiten vermittelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv ein Stück sehenswerte Kinogeschichte, dass sich mit einer Zeit beschäftigt, die unsere heutigen Probleme um ein Vielfaches unterwandert.
Die Details, die Vorarbeit und das wohldurchdachte Konzept sprühen aus jeder Szene und vermitteln ein authentisches und beklemmendes Bild einer mehr als eigensinnigen Situation. Dies dann in 89 Minuten fesselnd auf die Leinwand zu bringen und etwas völlig Abstruses zu erzählen, schafft nur jemand in 26 Drehtagen, der sein Handwerk wirklich versteht.
Freunde alter Filme, die ganze “Damenkleider”-Fraktion und Menschen mit Liebe für eine außergewöhnliche Story finden hier sicherlich Gefallen dran.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Nach der letzten Klappe ist wirklich Schluss.
Kinostart: 29. Juni 2017

LION – Der lange Weg nach Hause

Lion erzählt die autobiografische Geschichte eines Mannes, der schier Unglaubliches erlebt hat.
Sehr ruhig, melodramatisch und mit sehr zeitverschwenderischer Kameraführung begleitet man hier die ins Herz gehende Story, die an Echtzeit und Authentizität nicht zu überbieten ist.
Die Jungdarsteller sind herausragend, man fühlt mit ihnen und kann sich gut in die absonderlichen Verhältnisse hineinversetzen.
Desweiteren gibt Lion nun endlich mal positive und reflektierte Nutzungsmöglichkeiten moderner Medien im Alltag preis und zeigt, dass an dem, woran sich die öffentlichen Medien und Publikationen oft stoßen, nicht nur Negatives ist.
Auch der Sound im Film ist hervorragend, defensiv und begleitend ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Man findet sich selbst in einem Potpourri der Gefühle wieder, die wunderschön tragend die herzzerreißende Geschichte umschmeicheln und hier nicht nur mit beeindruckenden Bildern aufwarten, sondern auch drehtechnische Meisterleistungen beinhalten.
Beispielsweise wurde der Bahnhof “Howrah-Station” in Kalkutta komplett kontrolliert, um hier einige Szenen zu drehen. Dieser Bahnhof gleicht der Grand Central Station in New York mit Millionen von Menschen. (Quelle: Presseheft von Universum Film)
Die Ergebnisse im Film beeindrucken in jederlei Hinsicht und liefern nicht nur Gefühlskino mit hohem Anspruch, sondern auch eine wahre Geschichte, die bereits als Buchform die Massen der Leser erreicht hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auch immer die Chance hat, sollte sich definitiv die Mühe machen und den Film im Kino anschauen.
Die Abgeschnittenheit zur Außenwelt ist hier von großer Bedeutung, da man nur so die Möglichkeit hat, sich ganz auf die Erzählung einzulassen und sich von jeder Form von Störung distanzieren sollte, um das Gesamterlebnis nicht zu verletzen.
Die Darsteller spielen derart echt, dass einem in vielen Situationen die Gänsehaut über den ganzen Körper läuft und der Film als ganzes bleibt gewiss als positiver Eindruck im Gedächtnis haften.
Reingehen!

 
Nachspann
Hier lohnt Sitzenbleiben bis ganz zum Schluss, denn der Abspann ist nicht nur mit Bildern gespickt, sondern es folgt auch noch eine After-Credits-Szene.

Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft

Nach ich glaube 100 Jahren verfliegt ja die Rechtebesessenheit von Werken, die dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Böse Zungen könnten behaupten, dass Hollywood sich nun aufrafft und kontinuierlich die Geschichte von vor 100 Jahren konsequent verfilmt und dabei kein Detail auslässt.
Mit Genius, wie der Titel im Original treffenderweise heißt, kommt erneut ein Stück Zeitgeschichte auf die Leinwand, dass sich diesmal einem Thema widmet, das nicht sehr viel Krach erzeugt und somit in meinen Augen sehr schwer verfilmbar ist, um die actiongesättigte Gesellschaft tatsächlich zu erfreuen.
Der Film war anfangs sehr anstrengend und erzeugte auch sehr viel Unruhe im Saal. Man hat seine lieben Schwierigkeiten, in die Art der beiden Hauptdarsteller reinzukommen und mit ihnen warm zu werden, obwohl beide schauspielerische Höchstleistungen bieten.
Salopp gesagt muss man die ersten 20 Minuten des Films überleben, bevor der dann richtig anzieht und verdammt gut wird. Künstler und Menschen, die sich nicht von der Allgemeinheit nähren, sondern ihre eigenen Wege gehen, finden sich ein Stück weit selbst in dem Geschehen wieder.
Die Schwierigkeit besteht tatsächlich darin, dass es hier um ein Medium geht, dem normalerweise sehr viel Zeit gewidmet ist und wir in einer Gesellschaft leben, wo man genau dies so absolut nicht mehr hat. Dann ein Publikum zu fangen, was mit Vollkaracho in den Saal stürmt, es abzubremsen und zur Ruhe kommen zu lassen, damit es sich dem Wesen dieses Mediums näher widmen kann und sich auch tatsächlich auf die Geschichte einlässt, ist schwierig und sorgt eben in der ersten halben Stunde auch für regen Unmut in den Gesichtern unserer rasenden Gesellschaft.
Den Bogen kriegt man aber raus und holt den Zuschauer dann auch mit neuen Thematiken ab, die hier etwas ganz besonderes erzählen und zudem auch Einblicke in eine Welt geben, die man als Normalsterblicher auf diese Art sicher weniger kennen dürfte – und allein das ist bereits spannend.
Lobenswert zu erwähnen ist hier auch die Musik, mit der man im Film spielt und sie als eigene Persönlichkeit innerhalb des Geschehens etabliert. Die Aufnahmen sind nicht nur herausragend, sondern fördern eine neue Art von Wesenszug, bei dem man sehr viel mehr Kunstverständnis entwickelt, als so manch einer erwarten würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Menschen mit Stil, einem gewissen Anspruch, aber auch Leute, die sich einfach mal für ein paar Stunden aus ihrer Welt entführen lassen wollen, finden hier einen Ort der Ruhe und Geborgenheit, der eine ganz besondere Geschichte birgt, die neben viel Stress auch ein neues Verständnis für Dinge hervorruft, die an Normalsterblichen ungesehen vorüberziehen.
Der Film portraitiert in faszinierenden Bildern eine Form von Leben, das nicht alltäglich ist und bietet den Schauspielern eine hervorragende Möglichkeit, mit Worten, Gestiken und Mimik zu arbeiten – und dass das den beiden nicht nur sichtlich Spaß bereitet, sondern auch tatsächlich gelungen ist, beweist Genius demnächst auf den Leinwänden eurer Kinos. Reingehen!

 
Nachspann
beherbergt keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen.

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