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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Niederlage

Avengers: Endgame (3D)

Avengers - Endgame

© 2019 Marvel Studios

Es ist das heiß erwartetste Filmevent des ganzen Jahres überhaupt: Avengers: Endgame stellte bereits in Sachen Marketing Weltrekorde auf. So wurde beispielsweise der .trailer innerhalb von 24 Stunden über 289 Millionen mal aufgerufen. Auch in Deutschland feiert man einen Rekord: Innerhalb der ersten 24 Stunden waren bereits 105.000 Tickets im Vorverkauf an Zuschauer weitergegeben worden. Und das, obwohl nicht mal alle Kinoketten bis zu dem Zeitpunkt überhaupt in der Lage waren, Tickets für den Film anzubieten, da diese noch in den Verhandlungen mit Disney steckten.

Das Ausmaß ist irre – und der Run auf den Film wird mit Sicherheit weitere Rekorde brechen und auf ein Niveau steigen, dass so schnell nicht zu überbieten ist.

Ich denke, auch bei Marvel war man sich dieser Tatsache bewusst und hat deshalb mit nichts gespart: Avengers: Endgame, den ich bereits gestern vormittag sichten durfte, bricht tatsächlich Grenzen und kommt an ein Oberniveau, das ich fast schon als “final” bezeichnen möchte: Hier wissen alle, dass man nun nicht weiter braucht, dass dieses epische Finale tatsächlich ein Abschluss bildet und der Einschlag ist phänomenal!

Ich erspare euch an dieser Stelle eine erneute Aufzählung der Avengers-Filme und verweise dezent auf die kürzlich erschienene Captain Marvel-Kritik, in der ich die Phasen bereits schon einmal aufgelistet habe: Nach 21 Filmen in diesem Universum arbeitet man nun auf einen epischen Abschluss hin und beendet anschließend mit Spider-Man: Far From Home die dritte Phase.

Und ja, hier bleiben dir wirklich Mund, Augen und Ohren offen stehen und die ganze Zeit rinnen Tränen über dein Gesicht: Das Versagen aus Avengers: Infinity War sitzt tief in den Knochen und es ist überwältigend, mit welcher dramaturgischen Bedeutsamkeit man hier auffährt und sich wirklich für alles und jeden Zeit nimmt, um die Bedeutungsschwere auch ausreichend zu zelebrieren.

182 Minuten ist nicht nur der längste Marvel-Film überhaupt, sondern stellt für viele Kinobesucher selbst eine große Herausforderung dar, zumal bislang in keinem Kino bekannt ist, dass der Film mit Pause gezeigt werden soll. Diese Entscheidung, die ich bereits von einigen im Vorfeld verurteilt gehört habe, ist in meinen Augen absolut richtig: Man kann hier keine Pause machen, ohne den Film maßgeblich zu zerreißen und auch die Produzenten haben sich dazu schon geäußert: Man möchte keine unnötig in die Länge gezogenen Filme generieren, sondern Spannung liefern, die es dem Zuschauer unmöglich macht, irgendwann aufs Klo zu gehen, da er dann maßgebliche Teile des Films verpasst.

Genau dies ist bei Avengers: Endgame auch der Fall: Es fühlt sich längst nicht nach 3 Stunden an, sondern ist in meinen Augen viel zu schnell vorbei: Diese monströse Laufzeit entpuppt sich viel mehr als “ganz normaler Film”, bei dem man einfach weniger trinken sollte bzw. ganz auf Flüssigkeiten verzichten, sofern dies keine gesundheitlichen Probleme bereitet.

Achja: Verzichtet auf Popcorn. Und schaut mich nicht so komisch an, weil ihr gerade bei diesem Event so richtig “ins Kino eintauchen wolltet mit allem, was dazu gehört”: Tut’s einfach. Nehmt irgendwas “geräuschloses” mit in den Saal, wenn ihr unbedingt futtern möchtet. Spätestens nach der ersten Stunde werdet ihr wissen, warum.

Ich bin immer noch maßlos beeindruckt über die Tragweite und Bedeutsamkeit, mit der hier auf emotionaler Basis ein Superhelden-Machwerk an seine Grenzen geführt wird, ohne irgendwelche nennenswerten Nachteile zu generieren: So viele Momente epischen Ausmaßes, so viele Tränen, so viel Glück, so viel Superlative, so viel technisch beeindruckende Perfektion in einem Movie vereint: Dieser krönende Abschluss ist der legendäre Beweis dafür, dass sich Blockbuster und erzählerischer Tiefgang nicht ausschließen!

Ich predige seit Jahren, dass Marvel eines der wenigen Studios ist, die alles vollkommen richtig gemacht haben und halte an diesem Satz auch nach diesem Film weiterhin fest: Alles komplett richtig gemacht!

Die Enttäuschung vieler, die bei Captain Marvel aufkam, weil man sich aus den Comics über die Stärke des Charakters im Klaren war und eben jene Epicness nicht in dem Film zu finden schien, unterstreicht meine Vorstellung erneut, dass der Charakter nur für Endgame eingeführt wurde und als “Lückenfüller” galt – und somit nachträglich bewiesen ist, dass auch hier alles richtig gemacht wurde und nicht schon vorher das halbe Feuerwerk verschossen.

Diese Show ist wirklich einzigartig und sie zerbricht fast an ihrer Größe und heroischen Macht, stellt gleichzeitig aber auch herausragende Vorbildfunktionen auf die Bildfläche und liefert somit eben keinen “blöden amerikanischen Übertreibungsfilm”, sondern setzt sich mit Story auseinander und ergründet nachahmenswertes menschliches Verhalten, das in diesen Situationen aus jedem einen Superhelden machen kann.

Genau diese Momente sind es, die Avengers: Endgame zu einem wertvollen Meilenstein der Kinogeschichte werden lassen: Wenn man keine Worte mehr braucht, um die Dinge zu erklären. Es ist so überwältigend, diesen omnipräsenten Schmerz zu spüren und die Kriegsmüdigkeit auf der Leinwand zu sehen, die viele in heutigen Zeiten auch im echten Leben verspüren: Dabei gibt dieser Film Kraft, baut auf und zeigt, dass es aus der ganzen Sache ein Entrinnen gibt … auf tragische Art und Weise.

So schnell wird der Film garantiert nicht aus den Kinos verschwinden: Nutzt eure Chancen und sucht euch bewusst einen großen, lauten, breiten Saal aus und bucht Plätze in der Mitte: Je größer, desto besser. Alles andere nimmt dem Film die Macht, die er braucht, um sich wahrhaftig zu entfalten.

Und nehmt Taschentücher mit. Ihr werdet sie brauchen!

.kinoticket-Empfehlung: Episch, episch, episch.

Mir fällt kein anderes Wort ein, um das zu beschreiben: Der Beweis, dass sich Blockbuster und epischer Tiefgang nicht ausschließen, dass man trotzdem eine tiefgreifende Geschichte erzählen kann und heroische Action um sich rum toben lassen darf: Marvel hat alles richtig gemacht und führt seine 21-Filme-Vorarbeit nun zu einem gigantischen Finale, dessen ruhmreiche Tragweite noch sehr lange nachhallt und jede einzelne Minute wertvoll lässt.

Nachspann
Ratet mal … und diesmal ist bewusst kein Bildchen da. Oder anders gesagt: ✅ ❌ – eins von beiden ist richtig 😉

Kinostart: 24. April 2019

Original Title: Avengers: Endgame
Length: 182 Min.
Rated: FSK 12

Creed II: Rocky’s Legacy

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© 2019 Warner Bros. Ent.

Eines haben Legenden immer gemeinsam: Sie sind oben an der Spitze ziemlich einsam einem Sturm ausgesetzt, der extrem hohe Erwartungen fordert, die teils kaum noch zu erfüllen sind und weit über das menschliche Vermögen hinaus gehen.

Oftmals treten dann “jüngere Schauspieler” in die Fußstapfen von Meistern, an deren Vorgaben sie kaum heranreichen und die “Masterpiece-Legende” stirbt schon, bevor sie überhaupt begonnen hat, zu leben.

Creed als Fortsetzungs-Ableger der legendären Rocky-Verfilmungen war einer dieser Geniestreiche, die Sylvester Stallone ins Leben gerufen hat, um die Geschichte nobel abzugeben und selbst wieder in den Hintergrund treten zu können, jedoch merkt man auch im zweiten Teil der “Nachgeschichte”, dass er die viel größere Legende ist, als der Hauptdarsteller selbst. Und so etwas verurteilt quasi das Werk an sich schon von Anfang an zum Tode.

Michael B. Jordan hat auch im zweiten Teil nicht das, was ich als ein rühmliches Scheinen bezeichnen möchte, sondern seine Rolle bleibt blass und unstrukturiert, fast schon langweilig und unbeholfen und erzählt eben einfach einmal mehr den nicht besonderen Plot eines ganz gewöhnlichen Boxerfilms.

Der heimliche Favorit und in meinen Augen unterschätzte Star des Films ist Florian Munteanu, dem eigentlich nur die “Nebenrolle” gegeben wurde, der darin aber brilliert und einen hochedlen Glanz auf die Leinwand pfeffert, der alles andere des Films mit Leichtigkeit in den Schatten stellt. Das, was er hier zur Vollendung führen möchte, ist der Biss, den ich von Creed erwartet hätte, der jedoch eher “rumjammert” als zu liefern und damit dem Reigen der Langweiligkeit angeschlossen bleibt, während Munteanu abzieht und alles hinter sich liegen lässt.

Florian Munteanu beim Special Screening von Creed II: Rocky’s Legacy in München

Klar sind auch hier wieder gestählte Muskeln und unglaubliche Eigendressuren im Hintergrund notwendig gewesen, um derart gewaschenen Männerschweiß und edle Linien auf die Leinwand zu werfen – auch das möchte geschätzt und gewürdigt werden, auf beiden Seiten.

Fakt ist, dass das Publikum den Film trotzdem liebt und auch eine Woche nach Kinostart beim Abspann noch Applaus durch den Saal hallt, der einmal mehr beweist, dass die Welt dem Boxsport mehr abgewinnen kann, als ich.

Wenn ich aber vergleiche, dann ist die Legende weniger wert als der viel mehr hingebungsvolle Underdog, der im Polnischen auf die Bretter schickt und in meinen Augen die wesentlich bessere Aussage mit sich bringt. Hier fehlt mir dann doch etwas das Epische und man zögert sich zu zaghaft aus dem Plotende heraus.

.kinoticket-Empfehlung: DER Hingucker und Star des Films ist und bleibt für mich Florian Munteanu, der nicht nur den Plot, sondern auch seine Hauptdarsteller in den Schatten stellt und als Gegenspieler auf Platz 2 beweist, dass er eigentlich an die Spitze gehört und seine Hollywood-Karriere gerade erst begonnen hat.

Dieser Typ ist Bombe und haut einen nach dem anderen raus und liefert den Biss und die Schlagfertigkeit, die ich einem Boxfilm abgewinnen möchte und weder von Stone noch von Jordan geliefert bekomme.

Jürgen Prochnow als Sylvester Stallones Synchronsprecher einzusetzen, schließt zwar an die Nostalgie an, ist aber für die heute lebende Generation eher nicht so der geniale Schachzug, denn diese Stimme ist tatsächlich befremdlich und wirkt irgendwie “falsch”, auch wenn dieser früher seine Filme gesprochen hat. Wir sind mit einer anderen Stimme aufgewachsen und empfinden es nicht mehr als das Original, was der deutschen Version zusätzlich etwas den Reiz nimmt.

Nachspann
❌ beginnt mit Bildern, muss aber nicht abgewartet werden, nach dem üblichen Blackroll kommt nichts mehr.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: CREED II
Length: 130 Min.
Rated: FSK 12

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