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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Parasiten

Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.

Reiss Aus

© 2019 Abgefahren GbR

Der .trailer reißt einen absolut nicht vom Hocker, in die Vorstellung sollte man unbedingt komplett ohne Vorwissen gehen und anfangs auch ein klein wenig Geduld und Toleranz mitbringen, denn grade da ist es echt schwierig – von der “Einführung” her, die in Wirklichkeit gar keine ist. Man ist einfach sofort drin.

Aber so nach und nach beginnt der Film, tatsächlich die Herzen der Zuschauer zu erobern und man ist irgendwann dabei und fiebert mit, ist gespannt und freut sich über all die Eindrücke, Impressionen und Momente, die Lena und Ulrich hier zum Besten geben.

Man muss dazu sagen, dass dies niemals wirklich “geplant” war, sondern die beiden quasi einfach reisen und ihre Eindrücke – so wie es eigentlich jeder tut, der solche Unternehmungen durchzieht – festhalten wollten, um in erster Linie Bekannte und Familie auf dem aktuellen Stand zu halten. Dass dies dann immer größere Ausmaße angenommen hat, wussten sie anfangs ebenfalls noch nicht, aber genau das ist, was ich an dem Werk letztendlich perfekt finde.

Denn Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum zählt nicht zu den Filmen, die irgendeine Idee aufgreifen, planen und des Films wegen durchziehen, sondern man stellt unfassbar viele Fragen und bleibt einem die Antworten schuldig und filmt einfach nebenher mit. Dadurch wird im Kopf viel angeregt, man sieht einfach die Dinge, man erkennt irgendwann, was hier in Deutschland eigentlich für ein Reichtum und Glück besteht und fängt an, gewisse Dinge, Einstellungen und Gedanken zu hinterfragen und neu einzusortieren.

Genau das ist eigentlich immer ein Aspekt von Reisen: Man kommt hinterher als anderer Mensch wieder zurück. Nun wird sich nicht jeder für zwei Jahre in die Pampa irgendwo in Afrika zwischen Krieg und Terror setzen wollen und erleben, wie es ist, wenn man gebeutelt oder genervt ist – und trotzdem dabei die Schönheit des Landes und der Menschen dort entdecken wollen – dafür dürft ihr euch in ein sauberes, keimfreies, gesundes Kino setzen, euch mit Nahrung eindecken und dann gemütlich den Film genießen – denn die beiden sind bereits für euch ins Auto gestiegen und haben den ungemütlichen Part quasi für alle übernommen.

Doch das wichtigste daran: Auch hier werden unfassbar viele tolle, mutige, schwierige, aber mit Leidenschaft durchgeführte Projekte gefunden, aufgegriffen und die zwei haben bis heute zu allen Personen, die im Film gezeigt werden, regen Kontakt und unterstützen z.B. mit den Filmeinnahmen eben diese Projekte.

Und wie könnte man es schöner schaffen, Menschen in diesen Ländern zu helfen, als mit solch einem Projekt, wo kein Wasserkopf an Bürokratie im Hintergrund all die Spenden und Einnahmen schluckt, sondern direkt und unbürokratisch an Stellen unterstützt wird, die die beiden persönlich bereist und gesehen haben und damit in der Welt wirklich etwas gutes tun?

Hierfür haben sie bereits eine Kinotour in vollem Gange, die das Filmprojekt vorstellt und bei dem sie auch dem Publikum in einem Q&A Rede und Antwort stehen und man sie zu allen möglichen Fragen ausquetschen kann.

Nähere Infos dazu erhaltet ihr hier.

Unter anderem mit dabei sind:

  • Dresden (Schauburg) – 4. März 2019
  • Cottbus (Weltspiegel) – 5. März 2019
  • Berlin (DelphiLUX) – 6. März 2019
  • Potsdam (Thalia Programmkino) – 7. März 2019
  • Leipzig (Passage Kinos) – 8. März 2019
  • Halle (Luchs Kino) – 9. März 2019
  • Magdeburg (Moritzhof) – 9. März 2019
  • Braunschweig (C1 Cinema) – 10. März 2019
  • Hamburg (Zeise) – 11. März 2019
  • Bremen (Schauburg) – 12. März 2019
  • Hannover (Kino am Raschplatz) – 13. März 2019
  • Hamburg (Zeise) – 14. März 2019
  • Oldenburg (Casablanca) – 15. März 2019
  • Soest (Schlachthofkino) – 16. März 2019 (2 Vorstellungen)
  • Dortmund (Schauburg) – 17. März 2019
  • Oberhausen (Lichtburg) – 17. März 2019
  • Düsseldorf (Metropol) – 17. März 2019
  • Köln (Cinenova) – 18. März 2019
  • Marburg (Capitol) – 19. März 2019
  • Herzberg (Central Lichtspiele) – 20. März 2019
  • Jena (Kino im Schillerhof) – 21. März 2019
  • Bamberg (Lichtspiel Kino) – 22. März 2019
  • Schweinfurt (Filmwelt) – 22. März 2019
  • Marktheidenfeld (Movie im Luitpoldshaus) – 23. März 2019
  • Nürnberg (Casablanca) – 24. März 2019
  • … und viele mehr. Schaut einfach auf den Link.
Ulrich und Lena mit ihren beiden Hunden auf der Kinotour im City Kino in München

Im Zuge dessen durfte ich die beiden auch persönlich kennenlernen und möchte euch an dieser Stelle gerne die Projekte kurz vorstellen, die die zwei mit ihrem Tun unterstützen – und die ihr ebenfalls damit unterstützen könnt, euch diesen Film ab 14. März 2019 regulär im Kino zu besehen – oder eben auf der Kinotour zu erscheinen, denn der persönliche Kontakt mit den Hauptdarsteller ist das besondere Etwas, dass Kino eben vor alles andere stellt.

Da wären also die Morocco Animal Aid (Marokko), die sich zum Ziel gesetzt hat, viele Straßentiere zu impfen, zu kastrieren und so für eine gesunde Tierpopulation zu sorgen. Mehr Infos dazu gibt’s direkt hier.

Außerdem Mame Sy’s Kinderhort – La Porte de l’Espoir (Mauretanien), in der Kindern eine Ausbildung ermöglicht wird und dafür gesorgt, dass sie am Tag eine warme Mahlzeit erhalten. Mehr Infos zu diesem tollen Projekt findet ihr hier.

Ebenfalls schon durch den Film Female Pleasure bekannt ist das Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung, durchgeführt von der Target e.V. Rüdiger Nehberg, wo durch Aufklärung die Verstümmelung von weiblichen Körpern verhindert werden soll. Mehr zu diesem Thema findet ihr unter diesem Link.

Zu all den Projekten könnt und dürft ihr Lena und Ulrich auch gerne im Rahmen der Kinotour befragen, sie sind da sehr aufgeschlossen und dankbar für jede Hilfe, egal, in welcher Form.

.kinoticket-Empfehlung: Der Film braucht eine Weile, bis er auftaut und man wirklich drin ist und gespannt mitfiebert, schafft es am Ende aber, dass man sich fühlt, als hätte man die Reise selbst unternommen.

Hier werden extrem viele Projekte im Film gezeigt, die die zwei u.a. mit den Kinofilmeinnahmen weiter unterstützen wollen, um den Menschen auf diesem Kontinent ein besseres Leben bieten zu können und positive Handlungen zu unterstützen. Allein dafür lohnt sich das .kinoticket, dass man am Ende selbst die Erkenntnisse einer Reise mit aus dem Kinosaal trägt, ist quasi ein Geschenk für euch oben drauf.

Nachspann
❌ zeigt alle Sponsoren, Mitarbeiter und Beteiligte an, ist daher ganz interessant zu lesen, muss aber nicht zwingend abgewartet werden. Szenen oder Bilder folgen keine weiter.

Kinostart: 14. März 2019

Original Title: Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.
Length: 120 Min.
Rated: FSK 0

The Girl with all the Gifts

Ich hab Angst. Der Film ist gerade erst ins Kino gekommen und dümpelt bereits von Anfang an in den 23 Uhr Vorstellungen rum, die erfahrungsgemäß sowieso keiner großartig besucht.
Ich verstehe, weshalb man als Kinobetreiber darum ersucht, solche Filme in eben jene Zeitschienen zu schieben, weil sie aufgrund ihrer Inhalte schlichtweg früher fehlplatziert wären.
Ich erkenne das Dilemma, hier auf Jugendschutz zu achten und gleichzeitig das Kunststück fertig zu bringen, etwas derartiges überhaupt zu screenen.
The Girl with all the Gifts verschlägt mir gerade derartig die Sprache, dass ich nicht weiß, was ich überhaupt dazu sagen sollte, außer sprachlos mit dem Maul zu klappern und in richtung Kino zu brüllen.
Leute – das ist mit Abstand der BESTE Horrorfilm, den ich in diesem ganzen Kinojahr (beginnend mit dem April letzten Jahres) überhaupt je gesehen habe.
Wie sehr bin ich ständig auf der Suche nach all den Elementen, die man hier nicht nur feierlich miteinander vereint, sondern auf so extrem brachiale Weise gebracht hat, dass es mir nach der Vorstellung immer noch in Mark und Bein übergeht.
Wo soll ich anfangen? Und wie?
Der Film reißt. Er reißt dich so gewaltig in einen Strom von (An)Spannung, die die ganze Spielzeit über kaum abreißt. Meine Arme schmerzen immer noch.
Informationen gibt’s keine. Es passiert einfach und du sitzt die ganze Zeit davor und denkst dir: “What the Fuck?” während mit unerbärmlicher Grausamkeit und orkanartiger Stärke vernichtende Bilderstürme über dich hereinbrechen, die nicht nur mit absolutem Unverständnis, sondern einer derartigen Endgültigkeit über die gnädigen Wünsche urteilen und dich vor absolut vollendete Tatsachen stellen, die du nicht nur nicht wahrhaben willst, sondern deren Realität du wohl kaum begreifen wirst – auch nicht, wenn es denn irgendwann mal klar wird.
Warum?
Warum?
Mir fehlen einfach die Worte. Kein Gefasel. Keine Befriedigung. Keine Abfertigung irgendwelcher Massen. Kein Kommerz. Kein Gebashe. Keine Vergleiche. Kein Genörgel. Absolut keine Kompromisse.
Der Plot stellt sich jeglichen Anforderungen einfach mit seiner totalen Wahrhaftigkeit in den Weg und rumpelt alles platt, was es schon mal gegeben hat.
Die Show zieht. Und zwar sowas von. Atempausen gibt es keine. Höchstens ein paar Inseln, die sehr schnell offenbaren, dass Ausruhen als Tätigkeit nicht akzeptiert wird.
Dazu der Soundtrack. Dazu die Optik … mir kommen vor Freude und Ergriffenheit fast schon die Tränen! Es ist mit Abstand – mit Abstand der beste Horrorfilm dieser Art, der hier so klare Grenzen gegenüber allem anderen zieht und mit Dingen beeindruckt, die sonst keiner vorweisen kann. Allein schon, dass wirklich an alles gedacht wurde und die Intelligenz des Zuschauers in keiner einzigen Sekunde beleidigt wird … Meine tiefste Ehrfurcht und Verneigung vor den Machern dieser Story!
Wer jemals wissen wollte, wie ein Film aussieht, der zu absolut 100% meinen Geschmack trifft: Hier ist er. The Girl with all the Gifts.
Und wisst ihr, was der größte Scheiß daran ist?
Das Teil sprießt so dermaßen aus einer Nische heraus, dass man tausende von Kilometern zurücklegen muss, um überhaupt ein Kino zu finden, das ihn zu einer nicht existenten Tageszeit auf den Screen wirft. Und was glaubt ihr, wie lange wird sich diese Konstellation in unserer geldgierigen Weltwirtschaft wohl auf den Bildschirmen halten können?
Und genau davor habe ich Angst. Bittere Angst. Denn anschauen will ich mir das Teil nicht nur noch 10 oder 20 mal …
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr wollt einen Referenzfilm, der meinen Geschmack zu 100% trifft und völlig kompromissfrei meinen zutiefst sehnlichen Filmgeschmack repräsentiert?
Hier ist er.
Anschauen! Wenn ihr alt genug seid und genügend davon ertragt.
Und das bittere ist: Ich wünsche mir nicht nur die Filmwelt unter diesen Umständen, sondern hätte auch nichts dagegen, wenn es auf unserer Welt so zugehen würde, denn das würde bedeuten: Es gibt doch Gerechtigkeit und all unsere Sünden wären damit vergeben.
Mir hat’s die Sprache verschlagen – und ich wette, jedem von euch wird das auch so gehen, sofern ihr auf dieses Genre steht.
Ein grandioser Meilenstein perfekten Kinos. Rein!

 
Nachspann
Ruhig noch sitzen bleiben, es kommt zwar nichts mehr, aber der Sound dreht hier nochmal richtig auf.

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