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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Patrick Stewart

Wenn du König wärst (inkl. Gewinnspiel)

Wenn du König wärst

© 2019 Twentieth Century Fox

Die Herausforderungen für Kids werden immer größer. Nicht nur, sich gegen immer ängstlichere Helikopter-Eltern zu wehren, durch eine Million Termine jede Woche durch zu müssen und selbst schon im Sandkasten-Zeitalter einen Business-Terminplan vollgestopft zu haben, der jedwede Zeit zum Spielen, Leben genießen, atmen und einfach leben nicht mehr zulässt, auch im Kino werden die Kids vor immer größere Herausforderungen gestellt … und kommen damit scheinbar klar.

Alle Ängste sind also irgendwie unbegründet.

Ängste?

Wenn du König wärst hat im Vorfeld in der Presse bereits hitzige Diskussionen ausgelöst, die die schon seit Jahren fragwürdige Arbeit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft – kurz “FSK” – erneut anzweifelt. Denn dieser Titel hat die Freigabe “FSK 6” bekommen, was selbst Twentieth Century Fox wundert, da hier doch gewaltig düstere Bilder und gruselige Momente aufgefahren werden, die mehr als Anlass dazu bieten, das gesamte Rating-System der FSK komplett zu überdenken und sich eventuell doch etwas näher am amerikanischen Vorbild zu orientieren: Eine “Parental Guidance” wäre hier nämlich in vielen Fällen durchaus angebracht.

Die Kids aus der Pressevorführung wurden natürlich auch danach gefragt, ob sie sich gefürchtet haben und meinten alle: “Ja, es war schon gruselig, aber schön gruselig.” – Nun kann man aber von ein paar Kids nicht auf eine ganze Nation schließen und muss auch bedenken, dass es sensiblere Wesen gibt, Kids, die eben nicht einfach alles so wegstecken und die auch hier und da mal Ängste und Alpträume entwickeln, wenn sich auf einmal Bäume bewegen oder Wurzeln miteinander kämpfen. Was hier aufgeboten wird, ist durchaus teilweise sehr strange und kann verwirrend oder beängstigend wirken. Notgedrungen heraus hätte ich hier auch lieber zum grünen “FSK 12” gegriffen, auch wenn die Zielgruppe im Plot dann leicht veraltet wirken würde.

Die Story ist eindeutig an Kinder ausgerichtet, fährt hier in einer wunderbaren Re-Interpretation einer historischen Saga auf und bringt moderne, coole, schnittige und spannende Änderungen mit sich, die sich des historischen Altstaubs entledigen und definitiv proklamieren: Wir sind in der Zukunft angekommen und orientieren uns trotzdem an den Geschichten des Mittelalters. Und damit hat man einen so fantastischen Absprung geschafft, der es nahezu zwingend erfordert, ein Lichtspielhaus aufzusuchen und die Kids-Variante von Hellboy – Call of Darkness zu besichtigen.

Und vergisst man jetzt hier und da ein paar “10 Minuten” des Films, dann könnte der durchaus auch in der 20-Uhr-Vorstellung für Erwachsene laufen und würde hier für genügend Unterhaltung sorgen, die auch alles mitbringt, was ein guter Kinoabend enthalten sollte: Humor, Drama, Spannung, eine tolle Story, Charme und jede Menge Kurzweil. Und verdammt gute Grafik und Bühnensettings, die schon fast an das Niveau größerer Fantasy-Brüder heranreichen und solchen Monster-Produktionen wie Harry Potter optisch längst das Wasser reichen.

Ihr merkt: Die Ansprüche sind längst gestiegen, werden von der Industrie befriedigt und von den Kids verstanden. Vielleicht sollten wir also alle einfach mal wieder damit beginnen, weniger Ängste zu haben und uns lieber in eins der Kinos zu hocken und wieder völlig entspannt und voller Vorfreude den Film zu genießen?

Wenn du König wärst ist doch schon mal ein super Anfang für diesen Vorsatz. Also rein mit euch!

G E W I N N S P I E L

Twentieth Century Fox befeuert dieses Vorhaben direkt mal mit drei Fan-Paketen bestehend aus jeweils 1×2 Freikarten + Kinoplakat für euch, die ihr in diesem Beitrag abstauben könnt.

Frage diesmal: Wie steht ihr dazu, dass immer mehr Kinderfilme aggressiver nach unten gerated werden? Muten wir unseren Kids immer mehr zu und ist das richtig oder sollte die FSK wieder etwas strenger werden, was dazu führt, das Kinder nicht mehr so viel Filmmaterial zu Gesicht bekommen?

Beantwortet bis einschließlich Sonntag, 21. April 2019 diese Frage in den Kommentaren und ihr seid im Lostopf dabei. Unter allen Teilnehmern wird per Random.org entschieden und die Gewinner*innen anschließend per E-Mail benachrichtigt – bitte gebt deshalb eine Mailadresse an, unter der ihr erreichbar seid, damit ich eure Adresse abfragen und euch das Paket zuschicken kann.

Eure Daten werden nicht gespeichert, sondern ausschließlich von mir persönlich zum Zweck des Versands genutzt und anschließend gelöscht.

Und denkt dran: Das ist auch Erwachsenen-Stuff, also nicht nur nicht mitmachen, weil keine Kinder im Haushalt sein sollten 😉

Ich wünsche viel Glück – und natürlich viel Spaß beim Film.

.kinoticket-Empfehlung: Rated es in “PG” – dann bin ich vollkommen zufrieden.

Optik, Story, Darsteller, Charme, Humor und geniale Einfälle stimmen bei diesem Werk und liefern eine derartig amüsante, wunderschön-gruselige Neuinterpretation dieses Stücks und leveln Kinderfilme dabei in ein Fantasy-Niveau, dass den Erwachsenen beginnt, Konkurrenz zu machen. Versprecht mir, dass ihr euch als Eltern einfach mit rein setzt – dann ist diese ganze Sache einfach großartig und sollte von euch im Kino bestaunt werden.

Nachspann
❌ Muss man nicht bis zum Schluss ausharren, nach der Schwarzblende kommt nichts weiter.

Kinostart: 18. April 2019

Original Title: The Kid Who Would Be King
Length: 121 Min.
Rated: FSK 6

Emoji – Der Film (3D)

Vor einigen Jahren hätte man sich noch darüber gewundert, dass Handys im Kinoleben mal eine so große Rolle spielen würden.
Mittlerweile bekommen nicht nur diverse Applikationen ganze Filme spendiert, sondern man treibt es langsam auf die Spitze und sondiert immer mehr "Inhalte", die zu einem Film umgemünzt werden. Böse Zungen könnten den Machern nun vorwerfen, es handele sich hierbei nur um strategische Schachzüge, um diverse Marken sichern und so nebenbei noch Geld einstreichen zu können. Die Frage stellt sich mir jedoch ernsthaft, welchen Nutzwert es hat, nun einen vollwertigen Titel über Emojis zu machen und wo das hinführt, wenn jemand darin Konsequenz sieht.
Kriegen wir dann demnächst einen ganzen Spielfilm über die Texteingabezeile in iMessage? Und was kommt danach? Die arabischen Textzeichen greifen die spanische Tastatureingabe an? 😀
Ich frag ja nur …
Auf jeden Fall positiv aufgefallen ist die Dimensionalität, die sich innerhalb solcher Kisten versteckt und irgendwo schon einen Mehrwert darstellt, sofern man nichts über die Smartphones weiß und bisher einfach nur damit gespielt hat. Die ganzen Zusammenhänge ein wenig besser zu begreifen und im Kindesalter zu verstehen, was z.B. eine Cloud ist, ist einerseits löblich erklärt, andererseits fragwürdig, ob man in solch jungen Jahren bereits solche Probleme im Kopf bewegen sollte. Das gleiche gilt übrigens für die Emojis selbst, da diese ja nur fortführen, was Kritiker der "neuen Kommunikation" generell schon bejammern: Dass man sich einfach nicht mehr unterhält und der andere einem noch nicht mal mehr einen ganzen Satz wert ist.
Ihr seht schon: Ich stehe der Sache sehr sehr kritisch gegenüber und bin daher grundsätzlich nicht sonderlich positiv voreingestellt – und meine Erwartungen wurden weder untergraben, noch dementiert.
Von der Aufmachung und der Animationstechnik braucht keiner schwätzen, hier gilt der aktuelle Standard, der nichts Weltbewegendes erfindet, jedoch auch nicht unter Niveau verkauft wird. Fragwürdig ist einzig und allein das Gesamtprojekt, was an und für sich keinen tatsächlichen Mehrwert bietet und somit auch für mich keinerlei Unterhaltungsfaktor darstellte, dafür waren die Jokes einfach zu platt und die Story an sich zu uninteressant und vorhersehbar.
Vielmehr etabliert sich hier eine angstmachende Praktik, die Werbetreibende ganz offensichtlich auf die Hauptleinwand lässt und man noch nicht mal mehr deklarieren braucht, dass hier grundsätzlich für verschiedene Apps geworben wird, indem man sie einfach bunt und niedlich darstellt. Daran könnten sich einige stören und grundsätzlich hebelt man damit die eigentliche Intention des Kinos ein wenig ins Abseits, indem man "Beigaben" (für den Zuschauer) zum Hauptgeschäft macht und damit dem Entertainment komplett den Todesstoß versetzt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer damit glücklich wird, darf gerne rein – an dieser Stelle sei dann auch das 3D empfohlen, da der Film durch die Animation dafür wie geschaffen ist – alle anderen dürfen gerne einen Bogen darum machen, weil die Vorüberlegungen für mich definitiv in die falsche Richtung laufen und man mit solchen Filmen Kino eher tot macht, als es zu beleben.
Aber das ist meine persönliche Meinung, die euch zu nichts überreden soll. Schaut einfach den .trailer und macht euch am besten vorab selbst ein Bild.

 
Nachspann
Nicht gleich wegspringen, ihr werdet noch mit einem Nachschlag belohnt.
Kinostart: 3. August 2017

Logan – The Wolverine

Es ist ewig her, als der erste X-Men-Film das Licht der Welt erblickte und bereits von Anfang an hatte die mittlerweile auf zehn Teile angewachsene Filmserie ein großes Fanpublikum.
Zu den Anfängen gehörten unter anderem das Finden und Zeigen von neuartigen Special Effects, die seinerseits bahnbrechend waren und erstmalig die Superhelden aus dem X-Men Universum vorstellten.
Jede Menge neue Fähigkeiten, eine neuartige Welt und viele andere Kleinigkeiten ergaben ein Universum, aus dem sich einige Charaktere im Laufe der Zeit herauskristallisierten. Einer davon ist Wolverine, dessen Geschichte nicht nur in den ursprünglichen X-Men-Filmen, sondern auch in eigenen Ablegern mehrfach erzählt wurde.
Als Charakter selbst fand ich ihn in der Vergangenheit eher unspektakulär, und Verstand somit nicht, weshalb man gerade um seine Person so einen großen Hype machte. Aber die Zeit hat gezeigt, dass die Masse sehr wohl Gefallen an seiner Rolle hatte. Anders ist der kommerzielle Erfolg seiner Filme scheinbar nicht erklärbar.
Mit Logan wirft man nun den finalen Wolverine-Teil auf die Leinwand und die Menge jubelt schon jetzt. Als Cineast geht natürlich solch ein Film auch an mir nicht vorüber und ich bedaure schon jetzt, dass man sich gerade zu diesem Zeitpunkt dafür entschlossen hat, mit der Tradition zu brechen und sie dem Ende zugehen zu lassen. Zumindest, was Hugh Jackman betrifft.
Denn dieses Mal legt man hier ein Werk rühmlicher Größe an den Tag, von dem ich mir in den vergangenen Jahrzehnten gewünscht hätte, dass alle X-Men-Filme so gedreht worden wären. Während des Schauens wurde ich desöfteren an die filmische Größe von Sicario erinnert, dem dieser Teil in punkto Soundtrack, Atmosphäre, Stimmung, Optik, Erzählfluss und geschichtlicher Tiefe in nichts mehr nachsteht. Jackman liefert hier derartig überzeugende Ergebnisse ab, dass man ihm auch als Nicht-Fan automatisch zu Füßen liegt.
Dieser Teil zieht. Seine Person, die Verkörperung seines Charakters und die tief empfundene Boshaftigkeitsaufgabe, die ihm förmlich die Lebensfurchen ins Gesicht zeichnen, drücken hier so eine Schwere und überzeugende Erschöpfung aus, die ihm aus meiner Sicht bereits jetzt den Oscar für diese Darbietung sichern sollten. Er ist großartig und spielt ausgezeichnet!
Und auch das Drumrum stimmt diesmal absolut und befreit sich endgültig von dem kindischen Plastikfigursuperheldgeschmack, den die ersten Teile noch mitbrachten. Die Reihe ist erwachsen geworden und bezeugt eine derartige Reife, die unbedingt fortgeführt werden muss. Alles andere wäre Verrat an den Fans, die mit einer solchen Umsetzung jetzt an den Höhepunkt dieser Reihe geführt werden und eine Professionalität genießen dürfen, die extra laut nach Zugabe schreit.
Ich habe es gefeiert und kann jedem nur raten, sich diese Geschichte anzusehen, auch wenn man nicht alle vorherigen Teile kennt. Klar ergibt sich dann zwischendurch mal die ein oder andere Wissenslücke, was jedoch verschmerzbar ist und dem Gesamterlebnis keinen Abbruch tut.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unbedingt reingehen!
Der 10. Teil von X-Men trumpft endlich mit erwachsener Ernsthaftigkeit und einer sowas von gelungenen Umsetzung auf, dass jetzt absolut keine Argumente mehr ziehen, weshalb man sich nicht näher mit dieser Story auseinandersetzen sollte.
Für mich der beste Teil der kompletten Reihe, wenn man Deadpool mal außer acht lässt.

 
Nachspann
kommt keiner, dafür rührt das Ende schon fast zu Tränen …

Green Room

Begriffserklärung: Als Green Room wird der Raum bezeichnet, in dem die Künstler und Musiker sich aufhalten, bevor oder nachdem sie ihren Auftritt auf der Bühne gehabt haben.
Besuchern der Vorstellung wird alsbald klar, weshalb sich der Autor zu diesem Titel entschieden hat, wobei Leser der Filmbeschreibung an der Kinokasse wohl eher weniger diesen Titel wählen dürften, da sich die kurze Inhaltsangabe eher nach einem billigen C-Movie als nach guter Unterhaltung anhört und somit wohl eher weniger die Massen in die Säle locken dürfte.
Gefundenes Fressen für einen gelungenen Sneak-Abend, an dem erfahrungsgemäß bevorzugt genau solche Nischenfilme gezeigt werden, die nicht die Bedürfnisse der breiten Masse befriedigen, aber dennoch künstlerisch wertvolles Schauspiel beinhalten.
Was hier unangefochten in alleroberster Liga mitspielt, ist die düstere, knisternde und allzeit unheimliche Stimmung verbreitende Atmosphäre, in die man von Anfang an hineingeworfen wird und aus der es kein Entrinnen gibt. Statt sich – durch Schmutz, Dreck oder anderweitige Plagen – langsam wieder nach oben zu kämpfen, rutscht man im Verlauf des Films immer tiefer in das Unheilvolle, bis es schließlich zum fulminanten Showdown kommt, bei dem man die Stärken des gewählten Genres plausibel ausspielt und die Zuschauer somit mit tiefen Erinnerungsfurchen wieder zurück in den Alltag entlässt.
Dass Schauspiel hier als “Musikfilm” zu bezeichnen, wäre ziemlich gewagt, zumal es ein sehr düsteres Kapitel der melodischen Kulisse anspricht, in dem sich mit Sicherheit die wenigsten aus den Reihen der üblichen Kinogänger zu Hause fühlen dürften. Jedoch gehört auch diese Art von Kunst zu der Geschichte der Musik und äußert sich hier in einem Fall von zerstörerischer Idylle, die so selten auf der Leinwand erlebt wurde und eben in meinen Augen gar nicht ins Regal der C-Movies gehört.
Gerade Schauspieltalente wie Anton Yelchin, dessen unvergessene Darstellung in Alpha Dog – Tödlichen Freundschaften ich nie vergessen werde und der vielen vielleicht eher als Kyle Reese aus dem vierten Terminator-Film bekannt sein dürfte oder der seinerseits eher bekannte Patrick Stewart, der mit X-Men und Star Trek bereits jetzt Filmgeschichte geschrieben hat, erheitern hier die Leinwand mit ihrer erfrischend neuartigen Darstellung in einem Genre, das man keinem von beiden in dieser Form zutraut.
Und der düstere Mix aus geschundener Abgeschiedenheit und der allzeit pulsierenden, teils vorausschaubaren, aber dennoch unglaublich gänsehautproduzierenden Atmosphäre lockt hier die Fans des Genrekinos in die Lichtspielhäuser und bietet eine Show, über die man auch nach dem Abspann noch einige Gedanken verlieren kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mainstreamkino sind anders aus, was einem hier blüht, steht bisher in keinem Lehrbuch und erfreute sich bei mir allergrößter Beliebtheit: Die pure Angst, die durch die Anwesenheit der Personen im Film produziert wird, lässt hier ein tiefschwarzes Schauspiel auf den Zuschauer los, das nicht nur die Seele an seiner dunkelsten Stelle ankratzt, sondern tiefe Wunden hinterlässt und einen froh darüber sein lässt, dass das Licht brennt, wenn man den Saal nach gesehener Vorstellung wieder verlässt.
FSK 18 wurde hier zurecht vergeben und die späten Spielzeiten deuten auch darauf hin, dass man endlich wieder begriffen hat, welches Zielpublikum der Film ansprechen darf. Zurecht ausgezeichnet, zurecht auf die späte Uhrzeit verbannt, ein Film, der ein düsteres Kapitel der Menschheit ausnutzt, um eine krasse Unterhaltungsstory daraus zu schöpfen.
Freunde dieses Genres dürften auf ihre Kosten kommen.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der weitere Inhalte zum Besten geben würde – man darf den Saal also getrost verlassen.

Ted 2

Dass im Kino fast alle 10 Minuten in einem anderen Saal schon wieder eine Vorstellung von Ted 2 startet, zeugt davon, wie viel sich die Kinobetreiber davon versprechen. Im Gespräch mit einer Einlassdame erwähnte diese, dass es fast schade ist, dass Filme mit einem derart niedrigen Niveau so viele Zuschauer ins Kino locken, während bildende und tatsächlich wertvolle Schöpfungen wie 12 Years a Slave noch nicht mal gezeigt werden, obwohl der sogar einige Oscars einheimste.
Und ja, die großen Vorstellungen mit Filmmaterial, das einen wirklich bildet oder sich künstlerisch im Arthaus-Sektor bewegt, dominieren wirklich nicht unbedingt die Plakataushänge an den Außenwänden der Kinos. Ich möchte nicht sagen, dass es die gar nicht gibt, aber man muss schon sehr genau hinschauen, um einen davon zu entdecken.
Und ja, ich gebe zu, der Humor von Seth MacFarlane trifft nicht unbedingt den Geschmack von jedem. Was anfangs noch überraschend grenzüberschreitend und gewagt bei Family Guy erfrischte, landete in den folgenden Staffeln dann eher in der Müllgrube des guten Geschmacks und wurde derart speziell, dass sich mit Sicherheit nicht nur ich mich davon abwendete.
Glückstreffer wie Ted dazwischen ließen in mir Hoffnungsschimmer aufkeimen und so ging ich mit ziemlich gemischten Gefühlen in den Saal.
Fakt 1: Bucht euch in volle Säle ein. Je mehr Publikum, desto mehr Spaß macht der Film. Und zwar, weil ständig einer lachen muss und das die Gesamtstimmung einfach spürbar hebt. Selbst, wenn dich die Jokes auf der Leinwand grade so gar nicht ansprechen, ermuntert eben das Lachen der anderen dazu, selbst doch schmunzeln zu müssen. Also Faustregel: Je mehr im Saal, umso besser für die gute Laune.
Fakt 2: Ted ist versaut. Und macht daraus auch keinen Hehl. Finde dich damit ab, dann stellst du ganz schnell fest, dass die Schiene des Versautseins hier dennoch präzise gezogen wurde und man so dem Sturz in den Abgrund immer wieder entkommt. Ob es manche super gelungenen Animationen von Ted sind, diverse Szenen, hier und da auch mal nur eine Andeutung, die wieder einen Hauch von Niveau in die Geschichte trägt – der ganze Film überrascht letztendlich doch mit einer gekonnten Inszenierung eines Themas, das trotzdem Tabuthemen bricht und schonungslos darüber redet.
Fakt 3: Was MacFarlane sowas von drauf hat, ist Musik. Mich begeisterte schon das Intro von Family Guy und hier haut der Film wieder und wieder einen Volltreffer nach dem anderen raus. Was die Geschichte zeitweise an Niveau verliert, heben die teils jazzigen, teils rührenden Klänge immer wieder auf ein Level, das musikalisch seinesgleichen sucht. Ganz ganz großer Pluspunkt an die Vertonung – die ist in höchstem Maße gelungen.
Fakt 4: Ich freue mich auf die nächsten Academy Awards und die Anspielungen auf Ted 2 dabei, denn irgendwo beweisen die Macher hier, dass sie es eben doch drauf haben und auf ihre Art einen Teil des Zeitgeistes wiedergeben, in dem wir uns heute befinden. Das Prozedere hinter der Kamera spielt auf allen Ebenen ganz große Professionalität aus, denn der Film weiß so zu überzeugen, dass jemand, der Arthaus liebt, sich dazu entschieden hat, Ted 2 erneut auf die Liste zu setzen, denn irgendwo tief drin rührt sich unerwarteterweise doch etwas in puncto Gefühle.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn Ted 2 im Trailer nicht unbedingt die gebildetste Schicht unserer Gesellschaft ansprechen will, gehört er für mich dennoch zu den Filmen, die man gesehen haben sollte.
Allein das fast getreue Wiedergeben des Zeitgeistes, der der Schöpfungsweise von MacFarlane innewohnt, ist den Besuch im Kino wert.
Grundsätzlich gilt: Mit 500 Leuten im Saal macht der Film mehr Spaß als nur mit 20 auf einer eigenen Hausparty. Also seht zu, dass ihr diesmal zur Masse hinrennt und mit ihr gemeinsam den Streifen konsumiert, dann kann daraus ein wirklich geiler Kinoabend werden.

 
Nachspann
gibt es einen, und der besteht nicht nur aus Buchstaben. Also keep calm and watch it.

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