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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Patrick Wilson

Aquaman (3D)

© 2018 Warner Bros. Ent.

Bereits, als die ersten .trailer anliefen, war ich der Meinung: Das wird DC‘s erstes richtiges großes Ding. Und je öfter man die Vorschau auf der Leinwand präsentiert bekam, desto mehr erhärtete sich mein Verdacht: Die Optik wird geil, das „Epos“ wird geil, es bleibt DC und am Ende spielt man da aber in den allerobersten Rängen.

Und ja: Genau das ist eingetreten. Die Macher des „kleineren Netzwerks“ von Superhelden haben sich zusammengerottet und etwas auf die Füße gestellt, dass ich gerne vor Justice League in den Ring geworfen hätte, weil man dann viel mehr Bezug und Sympathie zu Aquaman aufgebaut hätte und wüsste, wer er ist und ihn in dem Superheldenrummel viel besser einsortieren hätte können.

Immerhin gibt es auch heute noch genügend Zuschauer, die nicht aus der Comic-Welt kommen und für die jede Charaktereinführung auf der Leinwand eben genau dies ist. Aber hier existieren wohl scheinbar fatale Marketing-Druck-Komponenten, die teilweise zu solchen groben Fehlentscheidungen führen, nur um im Marvel-Ring mitwirken zu können, statt sich einfach auf sein eigenes Ding zu konzentrieren und das zu tun, was man gut kann.

Dass DC tatsächlich kann, haben sie hiermit bewiesen. Die Optik ist allererste Sahne und begeistert bis hin zum 3D, was tatsächlich Oberklasse ist und man sich definitiv nicht entgehen lassen darf. Aquaman in 2D zu ordern ist ungefähr genauso blöd, wie eine dicke fette Kugel Banana-Cream in der Waffel zu bestellen, „aber lassen Sie das Eis bitte weg, nur die Waffel“. Stupid. Und ich verstehe immer noch nicht, warum es auch heute noch Leute gibt, die 3D im Kino verabscheuen. Und kommt mir nicht mit den üblichen billigen Ausreden: Auch ich bin Brillenträger und hasse es manchmal schon, dass man uns in der Presse nur die 2D-Option vorsetzt und ich im Vorfeld dann nichts zur 3D-Wirkung sagen kann.

Hier muss (!) man einfach zur großen Variante greifen, alles andere wäre Selbstbetrug. Und wenn das 3D in eurem Kino scheiße ist, wechselt das Kino!

Weiter geht‘s mit dem Sound: Auch hier hat man Händchen bewiesen und einen wirklich tollen Soundtrack komponiert, der sich an die im übrigen durch und durch gelungene Unterwasser-Welt anpasst und zum epischen Ausmaß beiträgt. Somit überträgt sich die visuelle Wucht von den Augen auch auf die Ohren und man ist hinterher tatsächlich geflasht von so viel Power und Extravaganz.

Einziges Manko (auch das war bereits im .trailer deutlich erkennbar: Man hätte die Drehbuchautoren von Bumblebee ran lassen sollen, dann wären nicht so dämliche Fremdschäm-Aussagen dabei rausgekommen. Man fährt hier so großes Potenzial auf, liefert eine epische Schlacht nach der anderen und sobald jemand das Maul aufmacht, ist es wieder lächerlich. Und dabei stört mich noch nicht mal, dass – wie manche bereits bemängelt haben – man manchmal over the top geht und zu viel Action produziert, auch hier hätte man ein Alleinstellungsmerkmal, dass in dieser bösen Düsternis durchaus funktionieren kann, dann aber von den „Kinderdialogen“ befreit sein müsste. Die brachiale „Man-Power“ hat man nämlich längst erkannt und sie auch gebührend umgesetzt.

.kinoticket-Empfehlung: Hält man sich bei den Dialogen die Ohren zu und öffnet sie bei der Musik wieder, sieht man einen brutal-guten Film, der an der Spitze der bisherigen DC-Erwartungen steht und alles toppt, was dieses Label bislang veranstaltet hat.

Die visuelle Gewalt ist berauschend, die Welt komplett und vollständig, die Szenerien begeistern und sind für große Kinos geschaffen, nur die Dialoge erreichen noch nicht mal Mindestniveau. Wenn man hier noch nachzieht und seinen Blick von Marvel entfernt und sich weiterhin so auf seine eigene Sache konzentriert, dann wird‘s in Zukunft echte Konkurrenz werden.

Und genau da will ich hin!

Nachspann
✅ Nicht gleich aufspringen, man orientiert sich auch hier am großen Bruder Marvel und liefert noch etwas nach.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Aquaman
Length: 144 Min.
Rate: FSK 12

The Commuter

Wer erstklassige Action sucht mit grundsoliden Festen, auf denen dieser Erzählspaß fußt, sollte um Liam Neeson einen leichten Bogen machen, denn der äußert sich eher in subversiver Materie, die nicht ganz vorne dran mitspielt, sich aber in den letzten Jahren durchaus seinen Bereich freigekämpft hat.
Dann kam The Secret Man und auf einmal war der Mann riesengroß!
Entsprechend stiegen auch meine Erwartungen und für Übernahme-Dramen hab ich immer etwas übrig, allerdings mittlerweile auch mit sehr gestiegenem Niveau und hohen Ansprüchen.
Der .trailer zu The Commuter (deutsch: Der Pendler) tut sein übriges und teasert wieder eine völlig neue, geile Idee an, für die Neeson wie geschaffen zu sein scheint und der Film dann … naja.
Jüngst hat man darüber diskutiert, wieso Hollywood es so liebt, in Filmen mit Zügen zu arbeiten: Sie bringen Fahrt auf, treiben die Story voran, bringen Geschwindigkeit und Drive in die Sache … und all das findet man in The Commuter eher weniger, ganz im Gegenteil: Es zündet irgendwie nicht so richtig, die Gespräche deuten zwar hochdotierte Kost an, aber das Ergebnis ist dann genauso ernüchternd wie der Blick in den FastFood-Karton eines Burgers.
Und das ist eigentlich traurig, denn das Thema ist spannender denn je und gewinnt in unserer Zeit sogar immer mehr an Bedeutung im Umgang mit dem sozialen Umfeld.
Dass hier dann so enorm mit Effekten, Spannungsbögen, gefühlter Geschwindigkeit und dem durchdringenden Rumms eines unaufhaltsamen Zuges gespart wird, deutet an, dass dieser Film wohl bald wieder aus den Kinos verschwinden wird, obwohl die Zuschauerzahlen noch im angenehmen Bereich sind. Und das Ende ist gelinde gesagt einfach erbärmlich und gnadenlos mit dem Zuschauer, der hier entweder verstört aufspringt und aus dem Saal rennt oder enttäuscht sitzen bleibt und sich fragt, warum das jetzt alles.
Da hätte man den Drehbuchschreibern einfach noch ein paar mehr Nächte aufs Auge drücken müssen, um hier einen etwas glückseligeren Ausgang zu finden, was nicht zwingend bedeuten muss, dass man an der Positiv-Negativ-Waage etwas drehen muss. Nur der Twist ist insofern nicht wirklich da und offeriert eher Lustlosigkeit denn Leidenschaft – sehr zum Leidwesen desjenigen, der sich voller Vorfreude ein .kinoticket für die Show gebucht hat und wieder einmal verblüfft werden will.
 

.kinoticket-Empfehlung: Neeson kehrt zu alter Gewohnheit zurück und überzeugt wieder in seinem bekannten Business ohne großartige Überraschungen oder nennenswerte Elemente.
Der Film ist solide verpackt in unterschwelligem Humor und bringt es die ganze Laufzeit über kein einziges Mal fertig, so richtig Fahrt aufzunehmen. Das Potenzial, dass man anfänglich in den Dialogen noch samenhaft streut, lässt man danach sofort verrotten und wendet sich lieber salonfähiger Action zu, die weder beeindruckend noch nachhaltig ist – in meinen Augen einfach verschenktes Potenzial.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, auch wenn das Design wunderschön gemacht ist. Wer das genießen möchte, darf dies natürlich gerne tun.
Kinostart: 11. Januar 2018

Conjuring 2

So wie uns die Kinos in den letzten Jahren in diesem Genre still angeschwiegen haben, so war es in den letzten paar Tagen hier im Blog etwas “leiser”, aber das wird sich wieder ändern. Versprochen.
Fakt ist: Mit Conjuring 2 schickt Starregisseur James Wan endlich wieder mal einen Horrorfilm ins Rennen, der diese Bezeichnung auch verdient. Was öden mich diese ganzen aufgesetzten Schocker an, die so vorhersehbar, abgelutscht, ausgeweidet und 200x aufgekocht wurden, nur um mit den wiedergleichen Effekten nochmal Geld zu machen und dem Zuschauer auf dem Tablett nur die Suppe von vorletztem Jahr zu servieren.
Conjuring 2 geht da gänzlich anders vor. Der ganze heischende “Wir sind live. Alles hier ist echt und basiert auch auf reellen Tatsachen und ist überhaupt genau so passiert”-Quatsch bleibt außen vor und man wird als Zuschauer in eine wunderbar selbstreflektierte, ernstzunehmende Welt geschmissen, die sich mit dem Übernatürlichen beschäftigt.
Dies wird aber nicht in einer derart überzogenen, unwirklichen und teilweise lächerlichen Art gemacht, wie es bei der Paranormal Activity-Reihe der Fall ist, sondern wenn man so will mit Sinn und Verstand.
Klar handelt es sich hier um Dinge, die man so im Supermarkt wohl kaum in den Einkaufswagen legen und seinen Kindern zu Hause als hübsches Mitbringsel präsentieren kann, allerdings hat man den Spagat zwischen der Unwirklichkeit des Films und der realen Gefahr, die aus dem Stoff hervorgeht, meiner Meinung nach wunderbar gelöst.
Doch einer der größten Pluspunkte ist der Gruselfaktor, da hier nicht auf überragende Effekte oder wahnsinnig moderne Animationen gesetzt wird (im Gegenteil: die Effekte wirken teilweise sogar fast schon billig), sondern tatsächlich Sphäre schafft, die den Zuschauer mitreißt und in seinen Bann zieht. Was der Trailer rüberbringt, nimmt längst nicht die Ausmaße an, die im Film ausgefüllt werden und man hat durchaus wunderbare Momente, in denen sich die Haut zusammenzieht und das Adrenalin in die Höhe schnellt.
Es geht eben also doch.
Dass sich der Regisseur, der mit dem grandiosen FSK-18-Werk SAW weltbekannt geworden ist, hinterher eher dem Paranormalen zugewendet hat, haben seine vergangenen Erfolge ja mittlerweile deutlich bewiesen. Und diese Bodenständigkeit, die einen als Zuschauer wissen lässt, dass dieser Mann noch viel mehr kann als Nichts anzudeuten und einen dabei den eiskalten Hauch im Nacken spüren zu lassen, hinterlässt auch hier deutliche Spuren. Damit erhält man ein Fundament, auf dem etwas Wunderbares entstehen kann, was im Endeffekt darin gipfelt, dass der geneigte Fan von Horrorfilmen nun endlich wieder aufatmen und seinem Stammkino einen Besuch abstatten kann: Der Grund hierfür steht im Titel dieses Beitrags.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Satz “Es geht eben doch” geisterte mir während der ganzen Vorstellung durch den Kopf.
Die Stupiditäten diverser Horrorstreifen wurden endlich mal in einen Sack gepackt und in einem dieser Keller vergraben, in denen es 100 Jahre lang keiner findet. Klar hat man auch hier witzige Stellen, die ironisch mit den Vorahnungen spielen (das Kino hatte während der Vorstellung durchaus richtig Spaß mit solchen Bemerkungen), jedoch wurde an dieser Stelle endlich mal vieles richtig gemacht.
Einziges Manko: Ein paar kleine Längen gibt es, aber ansonsten hat man wunderbar funktionierende Gruselstimmung und endlich wieder einen Grund, als Horrorfilmfanatiker ins Kino zu gehen.

 
Nachspann
Sitzen bleiben. Hier kommt noch einiges an Bildmaterial zum Vorschein.

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