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Tag: Paul Bettany

Solo: A Star Wars Story

Die PR des Films ist eine mittelgroße Katastrophe, die .trailer-Synchronisation schreit die Fans förmlich an und der Film löste auf dem Festival in Cannes mittelmäßige Begeisterung aus und sorgte damit eher für verhaltene Reaktionen und weniger für Fanboy-Gekreische.
In China tut man indes alles dafür, den Zuschauern vorzuenthalten, dass sie hier in einem Star Wars-Film sitzen: Man veröffentlicht nach dem desaströsen Verlauf von Star Wars: The Last Jedi den Titel einfach unter dem Namen Ranger Solo und in Deutschland wäre man diesen Schritt wohl konsequenterweise auch besser gegangen.
 

 
Beste Voraussetzungen dafür, einfach mal ganz von vorn anzufangen.
Und mit ganz von vorn, meine ich ganz von vorn. Vergesst alles, was ihr bisher wisst. Vergesst vergangene Generationen. Vergesst, was ihr aus dem Star Wars-Universum bereits kennt. Vergesst, dass einst George Lucas der uneingeschränkte Herrscher über diese Imperien war und vergesst, dass wir alle ihn wie die Diener eines Gottes verehrt haben und als Fans letztendlich Star Wars zu dem gemacht, was es heute ist: Uneingeschränkter Kult!
Disney stellt hier den Fan-Zuschauer vor die unbewältigbare Aufgabe, Star Wars nicht mit Star Wars zu vergleichen, sondern die urigen Hintergründe dieser neuen Modeschöpfung am Sternenhimmel der Kinos zu begreifen und zu feiern. Und diese Aufgabe ist – wie schon erwähnt – nicht lösbar. Zumindest nicht, ohne ganz viel Willen, Begeisterungsfähigkeit und Liebe für die Leinwand mit in den Saal zu tragen und nicht zu erwarten, dass hier die überschwängliche Begeisterung von Seiten der Macher von der Leinwand runterpurzelt.
Wer also ist in der Lage dazu, einen völligen Neuanfang zu wagen und sich unvoreingenommen diesem Werk zu nähern? Richtig: Jemand, der bisher noch nie etwas von Star Wars gesehen oder gehört hat.
Gibt’s nicht?
Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe diese seltene Koryphäe – dieses Wunderwerk der Natur gefunden und sie hat den Film (also Solo: A Star Wars Story) mit mir gemeinsam schon vor Kinostart gesehen und ich hatte die unvergleichbare und einmalige Chance, eine Art “Interview” mit ihr zu führen und sie zu fragen, wie sie den Film empfunden hat.
Hierbei ist viel Interessantes zu Tage gekommen, z.B. dass diese Frau mit ihren Empfindungen meinem Wunsch nach völliger Neutralität gegenüber Neuem fast zu 100% entsprochen hat. Sie empfand den Film durchaus als sehr unterhaltsam, stellenweise zu viel Soundtrack, würde empfehlen, ihn sich lieber in 2D anzuschauen, da die Impressionen und Eindrücke sonst einfach zu viel seien und wollte von mir wissen, ob Chewbacca eine Anspielung auf Planet der Affen sei und was es damit auf sich hätte.
Tatsächlich … nehmen wir einfach mal an, der hieße hier auch Ranger Solo und wir hätten es einfach mit einem völlig neuen, unvoreingenommenen Film ohne Vorgeschichte zu tun: Das Ding funktioniert. Zwar ist der Plot bei weitem nicht so ertragreich und bombastisch wie bei Größen wie Star Wars, aber damit hat der Film ja auch nichts zu tun! 😉 Es ist halt einfach eine völlig in sich schlüssige, gut erzählte und mit wahnsinnig großartigen Effekten ausgestattete Geschichte eines Jungen, der in den Anfängen der Geschichte der Galaxis seinen Weg geht.
Unter diesem Aspekt … gespickt mit dem von mir empfundenen, großartigen Soundtrack, der sämtliche Langeweile-Lücken fantastisch auffüllt und gepaart mit dem Vorwissen, was aus dem kleinen Kerlchen später mal werden wird: Man erkennt fast schon die Wesenszüge eines späteren Harrison Ford, der in den Augen der Fans der einzig wahre Han Solo ist und auch immer bleiben wird!
Und genau das ist die Crux: Man muss es teilen. Auseinandernehmen und seiner magnetischen Vergleichswirkung entziehen: Man darf eben das Frühe nicht mit dem Vergangenen/Heute vergleichen, sondern sollte Solo eine eigenständige Chance geben, sich als Kinofilm zu etablieren. Der liefert nämlich so viel Unterhaltung und funktioniert in Sälen, die mit Dolby Atmos ausgestattet sind, so brachial, dass einem fast die Spucke wegbleibt und bei einigen Szenen wahrhafte Blockbustergröße empor sprießt!
Dazu kommt: Man sollte sich – auch wenn man kein einziges Wort Englisch versteht – diesen Film zwingend in OV oder zumindest in OmU ansehen und auf die deutsche Synchronisation komplett verzichten: Die ist scheiße! Nennen wir das Kind beim Namen und lösen damit auch gleich das Rätsel auf, weshalb die Deutschen so unmütig auf die Vorstellung des neuen Zwischenfilms reagierten: Die Synchronstimme passt schlichtweg einfach so überhaupt gar nicht und hat rein keinen Schimmer von den sympathisierenden Zügen der Originalstimme von Alden Ehrenreich, der in seinem typisch amerikanisch-“kanadischen” Stimmenklangsoundbed die richtige Würze für diesen Charakter liefert und mit seinem unvergleichlich bissigen Blick Charakterstärke aufbaut, die einem späteren Harrison Ford durchaus würdig wird.
Das Problem: In den .trailern ist davon halt absolut nichts zu sehen, darum kann es auch keiner wissen und deshalb fanden die meisten den .trailer eben von vornherein doof – inklusive mir, der sich dachte: Jetzt ist alles verloren und Disney in seinen schlechtesten Eigenschaften hat die Weltherrschaft endgültig an sich gerissen und fängt an, alles und jeden um sich herum zu zerstören.
Die Wahrheit ist eine völlig andere: Man muss den ganzen Film sehen um ihn beurteilen zu können – und zwar genau so, wie ihn sich die Macher vorgestellt haben. Wir Deutschen leben in einem Land, das mit großartigen Synchron-Funktionalitäten ausgestattet ist und können uns glücklich schätzen, dass es haufenweise Teams gibt, die sich unterhaltender Lektüre annehmen, sie sichten, neu interpretieren und dann übersetzt hierzulande auf den Markt bringen. Und genau da liegt das Problem: Es ist eine Interpretation eines Einzelnen, dem sich nun ein ganzes Land unterwerfen muss und die vielleicht nichts mehr mit den eigentlichen Intentionen zu tun hat.
Gerade bei den prägenden Dingen wie Stimme, “Nuschelei”, Charakterzügen oder knackigem Wortwitz brechen wir an den Sprachbarrieren kümmerlich auseinander und übrig bleibt ein Rest, der nicht mehr anzuschauen würdig ist.
Auch der Coup, dass man die besten Szenen im Film belässt und hier keinerlei Spoiler in die .trailer einbaut, mag von der PR-Riege Disneys löbliche Absicht gewesen sein: In diesem Falle hat sie einfach nur versagt und den Fans mit ihren riesigen Erwartungen jedwede Lust auf den Film genommen und sie bitter vor die Köpfe gestoßen: Lasst euch im Namen von Disney ein “Entschuldigung” zurufen und konsumiert den Film einfach im Original: Hier wird alles wieder so, wie es ursprünglich gedacht war.
Und ein letzter Punkt: Es ist Dolby Atmos, dass dieses Ding zum Leben erweckt und den wahrhaftigen Geist dieses Films zur Geltung bringt. Wer darauf verzichtet, gibt Geld für ein .kinoticket aus, auf dass er gerne genauso verzichten könnte, denn ohne Dolby Atmos lohnt sich der Film einfach nicht! Hier spielt er derartige Stärken aus, die dem ganzen Werk Leben einhauchen, weil es einmal mehr von der permanenten Entertainmentqualität lebt und im Zuge dessen eben von einem dynamischen, lauten und umhüllenden Sound, der das Kinoerlebnis erst zu einem solchen werden lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beachtet man diese zwei Dinge: NUR IN OV / OMU ohne 3D und in einem Kino mit DOLBY ATMOS – dann ist das seit Jahrzehnten das erste Werk Disneys, dass so richtig reinknallt und zeigt, dass der Laden es in der Moderne doch noch drauf hat!
Nach all den negativen Dingen, die ich über diesen Konzern geschrieben habe, könnte dieser Film – wie auf dem Plakat verkündet – der Beginn der größten Freundschaft der Galaxis werden, der zwischen mir und Disney itself. Die Unterhaltungsqualitäten hat der Film und die negative Kritik im Vorfeld kann ich nur damit erklären, dass diejenigen einfach keine Ahnung hatten, weil sie nur Teile und nicht das Ganze gesehen haben.
Ich würde und werde wieder reingehen, denn dieses Spektakel wirkt nur auf dem Big Screen und ist nichts fürs TV oder Heimkino, es sei denn, man lebt in einem Lichtspielhaus! 😉

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine Szenen mehr.
Kinostart: 24. Mai 2018
P.S.: Die Frage, ob dieses Universum jetzt als Basis für die neu gegründete Trilogie fungieren wird, die Disney bereits geplant hat, wollte mir die Pressestelle zu dem Zeitpunkt nicht beantworten. Eben dies würde ich begrüßen und fände es riesig, da dann aus dem zeitlich zurückgelassenen Schlachtfeld tatsächlich etwas großartiges entstehen könnte. Die Zeit wird’s zeigen…

Avengers: Infinity War (3D)

Einige haben mir nicht geglaubt, als ich geschrieben habe, Black Panther sei nur der sanfte Auftakt für den bevorstehenden Infinity War – und ab Donnerstag prescht eben jener auf euch nieder und mäht alles weg, was es bisher jemals gegeben hat.
Marvel macht seit jeher alles richtig. Figuren einführen, Geschichten liefern, mit denen der Zuschauer sympathisieren kann, das Universum langsam ausgestalten und dann die Brachialität zusammenführen und aufeinander loslassen.
Was andere Labels schmähhaft kopieren und damit kläglich scheitern, Marvel weiß die richtigen Schrauben anzuziehen und liefert etwas ab, bei dem ich nicht gegen den Pressetext wettere.
Leute?
DAS sind Superlativen.
Und zwar welche, die funktionieren!
Ich hatte es schon im Gefühl, dass sie mit Infinity War ein Gewitter auf uns loslassen und habe mich über all jene Meldungen gewundert, die aus Black Panther den “bislang erfolgreichsten Marvel-Film aller Zeiten” machten, denn gefühlt ist der in meinen Augen nur ein armseliger Abgesang auf das, was uns da bevorsteht.
Es ist Dienstag Nacht, ich zähle zu den Gesegneten, die den Film bereits vor die Füße gesetzt gekriegt haben und ich bin seitdem ein paar Kontinente tiefer im Kinosessel festgeklebt und komme nicht mehr hoch!
Äh … Sprachlos!
Und meine Erwartungen waren GIGANTISCH! Okay? Da gehört es normalerweise zum guten Ton, dass man während der Vorstellung dann permanent verarscht, enttäuscht und links liegen gelassen wird – und nichts dergleichen ist passiert: Jeder Blick gefesselt auf die Leinwand mit offenem Mund während ich nicht glauben konnte, dass man aus “Fantasie” so etwas erschaffen kann.
WAHHHHH!!! Jetzt zeigt sich erstmal, womit man in all den Jahren mit dem ganzen “Anteasern” der Machtspitzen überhaupt erst hinaus wollte, auch wenn man vorher beim .trailer manchmal das Gefühl hatte, dass Thanos als kleines rumhoppelndes Männchen kein ernstzunehmender Gegner werden würde, sondern eher eine enttäuschende Figur abliefern…
NEIN!
DEFINITIV NEIN!
Ich würde Avengers: Infinity War mal gelinde gesagt als superlativen Schlag in die Fresse eines jeden bezeichnen – ein Film, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Beim Nachspann sitzt du allen ernstes im Kino und fragst dich, ob die es auf die Reihe bringen und diesmal einfach mal keine After-Credits bringen? Weil das so ein niederschmetternder finaler Roundhousekick in die Fresse wäre – und ehrlich gesagt: Es hätte mich nicht verwundert.
Ja, auch ich habe mir die ein oder andere These zum Film im Vorfeld im Internet durchgelesen und mit der gleichen Amüsiertheit wie bei den ganzen “definitiv richtigen Apple-Vorhersagen” verfolgt, was nun denn in Infinity War passieren müsste. Leute? Lächerlich!
Eure Thesen waren allesamt lächerlich. Und wir alle sollten um Vergebung flehen und lernen, dass Marvel tatsächlich kein Filmlabel ist, sondern eine geheime Religion, die nicht nur vorgibt, Götter für die Leinwand zu produzieren, sondern auch im Stande dazu ist, diesen Göttern wahrhaftig Leben einzuhauchen!
Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, außer alles zu revidieren und mich geschlagen zu geben: Seit A Quiet Place – der im “Horror”-Sektor komplett aufgeräumt hat – ist etwas im Kino explodiert und wir alle sind jetzt entweder tot oder erleben gerade das geilste Filmzeitalter, das die Menschheit je hatte.
Infinity War gehört dazu!
 

.kinoticket-Empfehlung: Überlegt euch mal: Es gab 18 (!!!) – ACHTZEHN – Filme, die uns alle darauf vorbereitet haben, dass das hier kommen würde.
Und jeder davon war für sich ein eigener Riesenerfolg. Andere Filmreihen versuchen, immer größer zu werden, Marvel wird immer größer. Nach allem, was sie bisher abgeliefert haben, läutet man mit Avengers: Infinity War nun definitiv ein neues Kinozeitalter ein und hinterlässt tiefe Spuren, die dutzende andere Arbeiten gemeinsam bei weitem nicht wegzudrängen vermögen.
Geht in die größten Kinos die ihr findet – schöpft und kostet das neue Dolby Atmos aus und lasst euch einfach gehörig schön wegbomben – es macht endlich wieder einmal richtig Spaß – und das ohne eine einzige Pause!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel.
Kinostart: 26. April 2018

The First Avenger: Civil War (3D)

Avengers: Age of Ultron (3D) hat mir den Spaß an der Avengers-Reihe ja gehörig verhagelt. Das 3D war so gar nicht 3D, die Story irgendwie gelangweilt, der Film eine reine Zumutung.
Mit Ant-Man (3D) hat man dann seitens der Macher das Entschuldigungstablett serviert und quasi wieder richtig netten Stoff abgeliefert und auch das 3D konnte sich sehen lassen.
The First Avenger: Civil War (3D) reiht sich nun in das Universum der Avengers ein und führt die Geschichte weiter, die in bisher unerreichten 12 Teilen einer Comicverfilmung erzählt wurde. Dieser bildet den Auftakt der dritten Phase im Marvel-Filmuniversum, in der noch neun weitere Filme folgen sollen. [Quelle: Wikipedia]
Damit verkündet man quasi nicht nur den absolut devoten Wirtschaftskniefall, sondern offenbart ebenfalls, dass das Treiben noch lange kein Ende findet.
Grund genug für Leute wie mich, mit großen Zweifeln in einen Film zu gehen, der in solch große Fußstapfen treten und eine legendäre Erzählchronologie weiterführen möchte, die eben nicht aus der Feder eines Hinterzimmer-Autors stammt, sondern würdige Vorfahren hat und damit auch vom Zuschauer an die Hersteller gerichtete Ansprüche erfüllen muss.
Civil War vermag, all diese Ansprüche zu erfüllen und tischt hier das Ergebnis einer Saga auf, die zwar durchaus durchzogen von einigen Längen ist und sich eben nicht in Notizform abfertigen lässt, jedoch auch überraschend viel Tiefgang mitbringt und somit den Kinozuschauer nicht nur aus technischer Sicht heraus zunehmend verblüfft.
Die Tiefen der gesellschaftspsychologischen Verhaltensstruktur gegenüber Dingen, die als unkontrollierbar gelten gepaart mit Actionszenen, die einfach tierisch Spaß machen und den aufkeimenden Neuerungen, die man hier in das Filmuniversum integriert, machen einfach nur Lust auf mehr. War ich früher noch dazu geneigt, mich der ganzen Sache langsam abzuwenden, hat der letzte Teil es jetzt endgültig geschafft, dass auch ich knie und um mehr bettle.
Auch damit huldigt man wieder den Enttäuschten früherer Verfilmungs-Reboots und verspricht Reue und Wiedergutmachung auf cineastischer Basis. Und genau darauf hab ich so tierisch Lust, nachdem ich diese Vorstellung gesehen habe, die es einem wirklich ernsthaft schwer macht, auf das finale Endergebnis der Versprechungen zu warten, die überall im Film aufkreuzen und für jede Menge Stimmung sorgen.
Ich hatte meinen Spaß, der Friede zwischen mir und dem Avengers-Ökosystem ist wiederhergestellt und ich darf jedem von euch nur raten:
 

.kinoticket-Empfehlung: Greift zu, nutzt die Chance und schaut euch dieses sagenhafte 3D-Phänomen auf der großen Leinwand an.
Die Bilder sind fantastisch, die Story weiß mitzunehmen und allein für den 3D-Kick lohnt sich der Weg ins große Wohnzimmer.
Obendrauf gibt’s dann gleich noch unerwartet viel Tiefgang und inhaltliche Sinnhaftigkeit und das gepaart mit den schon genannten Fakten ergibt wunderbare Kinounterhaltung, die gerne mehr werden darf.
Reingehen!

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Es geht nämlich weiter. Dann kommt der Abspann und dann geht es nochmal weiter. Und das, was man dort sieht, toppt alles aus dem Film gleich drei mal. Ich – will – mehr! 😉

Avengers – Age of Ultron (3D)

Ist schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Warum erst jetzt rezensieren?

Ganz einfach: Es rennt ja doch jeder rein, ohne vorher darüber nachzudenken. Etwas, das bei Marvel Filmen zu funktionieren scheint: Das Marketing. Avengers ist überall so heiß und hoch gelobt, dass man einfach reingehen muss, egal, was einen erwartet.

Und genau da entpuppt sich eines der größten Probleme, die ich mit diesem Film habe: Immense Erwartungen, die prinzipiell nur enttäuscht werden können. Würde man sagen: “Okay, ist halt einfach ein etwas teureres Machwerk, schau mal rein” wäre man vielleicht viel begeisterter als in dem Fall, wenn Presse, Medien, Rezensenten und Marvel-Fans ihre heißgeliebten Animationen in den Himmel loben und Leute wie mich damit ansprechen wollen. Die werden nämlich irgendwo vom Film enttäuscht, wenn auch auf höherem Niveau.

Aber fangen wir mal von unten an: Dem 3D. Leute – wenn ich 14.50 € für ein (1!!) .kinoticket berappen muss, dann möchte ich etwas geboten kriegen. Überlänge, 3D-Zuschuss und was der Otto-Normalbürger sonst noch löhnen muss, das diesen Eintrittspreis derart in die Höhe schießen lässt, ist schon eine Frechheit, wenn im ganzen Film dann sagenhafte 3 Sekunden tatsächlich 3D-Effekte zum Tragen kommen – und das in einem Streifen, der vorwiegend aus CGI-Effekten besteht und daher prädestiniert für derartigen Optik-Schwachsinn wäre. Und was kommt? Das enttäuschende Gefühl, dass man die 3D-Brille auch ruhig vergessen hätte können, verändert hätte dies nichts.

Da waren Transformers – Ära des Untergangs oder sogar Kinderfilme wie Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest 3Dmäßig bei weitem überlegen. Und das sollte einem Werk, dass Milliarden an Produktionskosten verschlingt und – Backgroundinfo – kleine Kinos in den Ruin treibt, weil man viel zu viel vom großen Kuchen seitens der Studios wieder einfordert, zusätzlich zu denken geben.

Aber der Plan geht auf: Die Großen gewinnen, die Kleinen zahlen und die Kinder rennen scharenweise rein. Ich war ehrlich gesagt froh darüber, diesen Film innerhalb meiner Kino-Jahresflatrate schauen zu können, denn ich hätte mich darüber geärgert, so viel Geld dafür rausgehauen zu haben um etwas derart “mittelmäßiges” auf dieser Schiene geboten zu kriegen.

Man nehme vielleicht wieder die Erwartungen als Sündenbock daher, die mir dieses Filmerlebnis derart vermiest haben. Oder die Tatsache, dass dieses Ding mit einer FSK 12-Freigabe gesegnet ist, die actionmäßig nicht mehr zulässt, als klinisch sauberen Metall-Plastik-Sex zwischen überdimensionalen Spielzeugfiguren. Auch da gebe ich der Transformers-Saga wieder gebührend den Vorrang. Hier kriegt man wenigstens Haudrauf-Action erster Güte, gute Animationen und: brillantes 3D. Die Story mag bei Avengers etwas gehobener daherkommen, auch wenn das “Problem” eher kindischer Natur ist und von Größe im Drehbuch hier keine Rede sein kann.

Wer weiß, vielleicht will man ja auch wirklich nur die 12-14jährigen beeindrucken – und das wiederum schafft man mit den gebotenen Action-Ideen dann durchaus. Die gesamte Laufzeit über wirkte das Werk auf mich wie eine eingeschworene Truppe, der nichts mehr einfällt, das sie noch zu erledigen hat und die deshalb irgendwo irgendwas unternimmt, um wieder etwas mehr Spannung ins Leben zu kriegen. Der Saft ist raus und daher beeindruckt man mal mit viel zu viel Mainstream, damit auch ja keiner der abzumelkenden Kühe grummelig rummault, denn man möchte ja möglichst viel Kohle scheffeln und da darf Story oder anderes Anstößiges ruhig drunter leiden.

Klassischer Verfall von Kunst zugunsten eines Systems, das keine Individuen mehr zulässt und nur noch den Einheitsbrei bedient. Schade eigentlich. Hätte man mit der Kohle und dieser Bekanntheit nicht wesentlich mehr machen können? Anspruch? Mehr inhaltliche Ausgereifheit und tiefergehende Profile, die die einzelnen Superhelden darstellen?

Nunja, gesehen hat ihn eh schon jeder und ich glaube auch kaum, dass ich mit meinen kritikreichen Worten hier jemanden davon abbringe.

.kinoticket-Empfehlung: Klinisch-steriles Plastik-Mainstreamkino, das auf sehr hohem Niveau versagt.

Einzelne Szenen sind zwar ganz nett anzuschauen, reißen aber nicht unbedingt vom Hocker oder bohren tief im Schädel mit frischen Ideen und anderen geistigen Reichtümern.

Avengers ist das aktuellste Paradebeispiel, wie man es richtig macht, wenn man Unmengen an Kohle scheffeln möchte und dabei über Kunstleichen geht.

Nachspann
✅ ist optisch aufbereitet und cliffhangert am Schluss natürlich – wie sollte es anders sein…

Kinostart: 23. April 2015

Original Title: The Avengers: Age of Ultron
Length: 141 Min.
Rate: FSK 12

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