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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Pferde

The Rider

The Rider – endlich mal ein Film, der einem schon im Kinoplakat alles offenbart, was man vorher wissen muss, und dabei vermag, in keiner Weise zu spoilern oder wesentliche Elemente bereits im Vorfeld preiszugeben. Schaut euch dieses romantisch verwöhnte Bild einfach mal genau an, studiert seine Absichten, lest zwischen den Zeilen: Dieser Film revolutioniert ein Genre, dem er gar nicht zugehörig ist. Zumindest nicht so richtig.
Es ist kaum zu glauben, dass gerade so ein Werk verantwortlich dafür ist, der Welt zu zeigen, dass dieses machohafte Gehabe, das wir aus solchen Werken normalerweise kennen, und das für viele die einzige Quelle solcher Geschichten ist, gar nicht der Realität entspricht, sondern dahinter eine Gefühlswelt verborgen ist, die man solch einer Unternehmung niemals zugetraut hätte.
Dieses Ding hat mich überwältigt. Die Bilder betören und senden eine sensible, verträumte, fast schon verletzliche Form von Gewalt auf die Leinwand, die zum einen schockt, zum anderen fesselt und in seinen Bann zieht. Chloé Zhao schafft es als Regisseurin, hier eine Ansicht an den Zuschauer zu vermitteln, der in den Gedanken und Sehnsüchten gefangen genommen wird und sich innerhalb dieser unendlichen Weiten bewegen kann, ohne darin verloren zu gehen.
Wer schon mal einen kleinen Blick in die ersten Eindrücke und Kurz-Reviews des Films geworfen hat, wird die Überwältigung an allen Enden dieser Welt bemerkt haben, die dieser Streifen global ausgelöst hat. Auch mich hat’s geflasht und lasst euch zum Schluss eines gesagt sein: Nutzt die großen Leinwände, gerne auch in ruhigeren Sälen, die die maßgebliche Pracht und Schönheit erst richtig zur Geltung bringen – sie ersetzen in keiner Weise die kleineren Displays, auf denen man sich später dieses Werk zu Gemüte führen könnte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sensibles, beeindruckendes und emotional angereichertes Gefühlsepos in einem Genre, wo man dies so gar nicht erwartet.
Brady Jandreau spielt überragend und setzt damit Akzente in einem Umfeld, dass normalerweise von gegenteiligen Gefühlen geprägt auf der Leinwand exerziert wird. Dieser romantisch-verträumte Blick in die Abgründe einer Seele sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen und nur die große Leinwand dafür nutzen, damit die Naturgewalt und all die kleinen Details und Feinheiten richtig zur Geltung kommen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 21. Juni 2018

Operation: 12 Strong

Wer hier schon eine Weile mitliest, wird erkannt haben, dass ich für kriegerische Auseinandersetzungen auf der Leinwand sehr empfänglich bin – und es mir dabei egal ist, ob daran ein historisches Ereignis oder einfach nur fiktive Einfälle geknüpft sind.
Meiner Meinung nach sollte man seine Diskrepanzen immer über künstlerische Mittel austragen und niemals zu echten Waffen greifen, um zurück zur inneren Zufriedenheit zu gelangen, da ich glaube, dass die schwerer durch echte Schüsse und viel mehr durch Verständnis, Interaktion und Durchleben verschiedener Szenarien in emotional ergreifenden Geschichten erreicht werden kann.
Und weil ich Ausnahmezustände liebe und generell für diesen “Soldat in Kampfanzug während des Krieges” sehr viel übrig hab, kribbelte es mir schon tierisch in den Fingern, als ich nur davon hörte, dass Operation: 12 Strong in die Kinos kommen soll.
Jerry Bruckheimer, allseits als Garant für Blockbusterkino bekannt, holte sich hier auch prominente Unterstützung aus dem Team von La La Land und Sicario ins Boot und liefert damit erneut eine Feuerwerksrakete amerikanischen Heldentums ab.
In der Zeit, als die Welt noch geschockt und gelähmt war, zogen 12 Männer los, um einen Angriff auf das amerikanische Volk zu rächen. Was sich im Plot ziemlich lahm runterliest, ist tatsächlich eine wahre, unveränderte und bislang geheimgehaltene Geschichte, die so erstmals an die Öffentlichkeit gelangt und euch demnächst auf der Leinwand verzaubern wird.
Dieses Machwerk erschafft durch seine Nähe zur Realität völlig neue Bezüge und lässt einen den noch nicht verjährten Krieg auf völlig neuen Ebenen erleben. Während des Schauens kann man oft gar nicht glauben, dass dies alles tatsächlich so passiert sein soll – was es aber ist.
Erstaunlich für mich war die einerseits voll ausgekostete Stille, in der man sich mit Momenten der Besinnung, Überlegung und menschlicher Philosophie auseinandersetzt, um das Wesen eines Krieges zu ergründen und zu höherer Erkenntnis zu gelangen, andererseits hat Bruckheimer aber auch wieder seine Stärken spielen und uns ein bombastisches Effekt-Feuerwerk durchleben lassen, dass in seiner Situation absurd und erstaunlich zugleich wirkt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fans von Army-Filmen kommen hier ungeschoren auf ihre Kosten und kriegen weit mehr mit auf den Weg, als man klischeehaft erwarten würde.
Bruckheimer gesellt sich mit La La Land– und Sicario-Machern gemeinsam an menschliche Historie und erzählt eine völlig wahre und gleichermaßen unheimliche Story, die sich damals tatsächlich so zugetragen hat. Wahnsinn!

 
Nachspann
gibt Aufschluss über die wahren Helden dieser Geschichte, was zusätzlich belegt, dass dieser unfassbare Wahnsinn tatsächlich echt ist.
Kinostart: 8. März 2018

Rock My Heart

Woran denkst du, wenn du den Titel liest? So ganz ohne Bild, ohne Information?
Rocklegenden? Musikerfilm? irgendeine abgefahrene Love-Story?
Mir ging’s so und ich hatte zu dem Zeitpunkt, wo die Pressevorführung angesetzt war, tatsächlich innerlich absolut keinen Turn darauf, mir irgendwelche Musikerlegenden anzusehen und darum mit mir selbst gehadert, ob ich die Einladung überhaupt wahrnehmen soll oder nicht.
Wie man sieht: Ich habe. Zum Glück.
Denn auch nachdem man endlich ein wenig mehr in Erfahrung bringen kann, finde ich, bringt selbst das Kinoplakat noch nicht wirklich Aufschluss darüber, welch Filmperle hinter diesem Titel schlummert.
Dieter Hallervorden wird wohl auch bei einigen etwas mehr Sympathie hervorrufen als Milan Peschel, aber kurioserweise stört im Film keiner der beiden durch etwas, durch dass – zumindest letzterer – bekannt geworden wäre. Ganz im Gegenteil.
Der Film überrascht gleich mal am Anfang mit unfassbar packenden, spannungsgeladenen und begeisternden Szenen, die man – nächste Überraschung – in einem deutschen Film so gut wie nicht kennt. Zumindest ist das die allgemein gefühlte Stimmung im Land, wenn es darum geht, den deutschen Film zu bewerten: Er landet in der Tonne.
Tatsache ist, dass es in der Vergangenheit sehr viele … extrem viele … Beispiele dafür gegeben hat, dass die Deutschen es durchaus so überhaupt nicht auf den Kasten bringen und Hollywood aber sowas von sein Existenzrecht hat, Tatsache ist aber auch, dass gerade in jüngster Zeit immer mehr zum Vorschein bricht, das beweist, dass dieses Land durchaus exzellente Filmschaffende beherbergt und durchaus dazu in der Lage ist, mit Intelligenz pointiert, reflektiert und überraschend zu arbeiten, um dem Publikum etwas zu bieten, das man neuerdings immer mehr in Hollywood vermisst: Richtig herausragendes Kino.
Fakt ist: Der Deutsche ist so gebeutelt von vergangenen Filmerfahrungen, dass er entweder lustlos im TV vorbeizappt und vielleicht hier und da hängen bleibt, sich aber niemals aktiv auf den Weg machen würde, um genau so etwas in einem Kino anzuschauen. Daraus resultiert ein unfassbar schlechter Schöpfungsraum, in dem wenige Fördermittel da sind und man als Regisseur auf unglaublich viel Widerstand trifft, was es so gut wie unmöglich macht, wirklich gute Filme auch tatsächlich in viele Kinos zu bringen und damit die Möglichkeiten zu eröffnen, dass sich dieses Land wieder neu eine Meinung bilden kann.
Und dieses Kunststück ist Rock My Heart gelungen, zumindest was den Weg an die Presse angeht. Ich hoffe und bete, dass viele Kinobesitzer ebenfalls soviel Chuzpe haben und den Film in ihre wöchentliche Planung einbeziehen, denn: Ihr müsst da unbedingt rein!
Wer jetzt keinen Bock auf die 100.000ste Wiederholung von platten Matthias Schweighöfer-Witzen hat und sich auch die Hackfresse von Hallervorden nicht mehr anschauen kann: Für euch ist dieser Film!
Jap! Wirklich!
Deutschland ist gerade aktiv dabei, Drama ganz neu für sich zu entdecken. Und es mag geradezu hämisch pervers anmuten, dass gestern so ein Ergebnis der Bundestagswahl zustandekommen ist. Auch hier wieder: Drama! Und das fast schon in Perfektion!
Und soviel sei verraten: Rock My Heart ist Drama, ohne den platten Humor, ohne irgendwelche Selbstdarstellungen, ohne Bezüge zu dem, was mal war. Es ist einfach ein Film, der durch Inhalte, emotionale Nähe und temperamentvolle Entwicklungen punktet und den Zuschauer in ein Geschehnis hineinreißt, dass ich niemandem wünsche.
Und um dem noch eins oben drauf zu setzen (und ihr wisst, wie sehr ich seine Charaktere hasse): Sollte sich Peschel weiterhin solche Rollen suchen, habe ich rückwirkend mit diesem Film meinen absoluten Frieden mit ihm geschlossen und werde künftig jedes Werk, in dem er mitspielt, mit Freuden konsumieren!
 

.kinoticket-Empfehlung: Fakt ist also: Wir haben es hier mit einem unfassbar glanzvollen, durch die Bank weg spannend inszenierten, Botschaft übermittelnden und packenden Film aus der deutschen Filmschmiede zu tun, der alle Argumente der Vergangenheit überflüssig macht und 1000 Gründe bietet, weshalb man gerade jetzt wieder in die Kinos gehen sollte.
Wenn ihr die Argumente verlieren möchtet, dass Deutschland nichts auf die Reihe bringt, dann zeigt den Kinos, den Studios, den Labels, den Regisseuren, den Darstellern, dass genau diese Art von Film die Form der Unterhaltung ist, die man sich wünscht und für die man auch gerne Fördergelder locker machen sollte!
Indem. Ihr. Ins. Kino. Geht!

 
Nachspann
setzt spielerisch ein, also nicht im Vollgalopp aus dem Saal sprinten, sondern schön gemächlich 🙂
Kinostart: 28. September 2017

Ostwind – Aufbruch nach Ora

Nachdem ich hier bereits meine “große Freude” an dieser Filmreihe bekanntgegeben habe, hatte ich natürlich “wahnsinnige Lust”, mir dieses von frevelhaftem Deutsch durchzogene Nachfolgewerk im Kino anzuschauen.
Und sorry, ja, ich bin spät dran. Zu spät.
Und sorry für meine Vorurteile. Ich entschuldige mich zutiefst bei den Machern, denn mit dem dritten Teil der Ostwind-Verfilmungen hat man mich gelinde gesagt extrem vom Kinosessel gehauen!
Die Verniedlichungen sind weg. Alle. Das ist kein Kinderfilm mehr, sondern höchster Anspruch auf Erwachsenen-Niveau, der nicht nur metaphysische Gipfel erklimmt, sondern mit einer Tiefgründigkeit aufwartet, die mehr als erstaunlich ist!
Probe gefällig? Dann zappt allein mal in den Soundtrack des Films (Ostwind – Aufbruch nach Ora – “Opener” reicht da schon fast als Track) rein und macht eure Augen dabei zu. Was seht ihr?
Ich sehe keinen Kinderfilm mehr (auch wenn die Spielzeiten das vermuten lassen). Ich sehe großartiges Kino, wohl bedacht, mächtig, mit Tiefgang und Eleganz, ein Epos. Und genau das ist Ostwind – Aufbruch nach Ora auch: Ein mit Menschlichkeit durchzogener Strang einer Geschichte, die für Kinder erzählt anfing und eine tränenbringende Wendung angenommen hat, die mich zutiefst im Herzen erschüttert.
Ich schreie vor Verzweiflung und Ergriffenheit, wenn der Soundtrack in meinen Ohren dröhnt und die imposanten Bilder des Films in seiner glanzvollen Pracht in meinem Kopf nachhallen, während ich ungeduldig darauf warte, dass dieser Film wieder und wieder über die Leinwand flimmert und ich mich erneut in den Fluten dieser von Niedergeschlagenheit und Ernsthaftigkeit durchzogenen Welt verlieren kann und als stiller Begleiter der Hauptdarstellerin durch die Wesenszüge gleite, die dort sanft umspielt, ernsthaft untermauert und mächtig durch den Boden krachend in die Welt posaunt werden.
Das hier ist kein “Wir sind kleine Hippies, die Pferde anhimmeln” mehr. Es ist so viel größer. So viel ehrbarer. So viel imposanter und mächtiger, dass man längst das Genre verlassen muss, weil Kinder nur noch die nette Beigabe sind, die man außerhalb als Entschuldigung braucht, um sich als Erwachsener ein Bild davon machen zu dürfen.
Und sobald man im Saal sitzt und all die bunten, quietschenden Trailer vorbei sind, landet man in einem Emotionsstrudel, der vor Ernsthaftigkeit und Harmonie nur so sprudelt. Man fiebert. Man weint. Man leidet. Und da ist absolut nichts mehr von dem ursprünglichen Hass des Nichtskönnens oder irgendwelcher Sprache. Oder typisch-deutscher Blödheit. Nichts.
Herrschaft, ich seh kaum noch, während ich diese Zeilen schreibe, weil sich meine Augen bereits beim Klang wieder mit Wasser füllen…
Wie konnte man zwischen zwei Filmen so schnell “erwachsen” werden? Wie konnte man aus einer fast schon “Lachnummer” etwas so dermaßen großartiges werden lassen? Ich bin immer noch beeindruckt und wünsche jedem sehnlichst, dass er meine Worte versteht und sich tatsächlich auf den Weg macht und sich den Film im Kino anschaut.
Denn Kino ist der einzige Ort, wo diese präsente Wucht auch gebührend rübergebracht werden kann. Nicht umsonst landete die Ausstrahlung im größten Saal, der dem Film überraschend angemessen war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überwindet euren Stolz und traut euch in diesen Film.
Er ist für Erwachsene fast besser geeignet als für Kinder, denn nicht nur die Charaktere sind älter geworden, sondern die Story bezeugt eine derartige Reife, wie sie manch andere – an Erwachsene gerichtete – Filme vermissen lassen.
Mich hat’s zutiefst beeindruckt (und dabei meine ich nicht nur, dass man sich von der üblichen Schmalzigkeit deutscher Filme gelöst hat).
Absolut sehenswert – und dieses Prädikat auch mehr als verdient bekommen!
Reingehen!

 
Nachspann
Nicht gleich aufspringen. Es endet langsam.
Kinostart: 27. Juli 2017

Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde

Vom Stil her fühlt man sich natürlich stark an das Genre-Vorzeigebild Bibi & Tina erinnert, das genau wie hier auch alle Merkmale eines Films dieser Art mitbringt und die gleiche kindliche Klientel anspricht.
Dennoch stellt sich dabei kaum die Frage, wieso man dann die gleichen Bausätze nochmal verfilmt: Denn in Hanni und Nanni – Mehr als beste Freunde funktioniert nicht nur die Geschichte, sondern auch das Zusammenspiel des Cast’s und die aus dem Film schließende Moral, welche sich genau an das Zielpublikum richtet und hierbei großartigen Vorbildcharakter liefert.
Die Abenteuer der beiden Mädels sind dabei nicht nur zielführend, sondern sorgen zudem für einen abwechslungsreichen Plot und gut durchdachte Unterhaltung. Hierbei sind eben klar aufgezeigte Parallelen zu oben genanntem Beispiel nicht von der Hand zu weisen.
Dennoch funktioniert’s. Die Höhen und Tiefen, der Grad der Veränderung, die klassische Zusammenführung und das ansonsten genretypische Verhalten wird auch von den Kleinsten gut verstanden und von normalen Handlungen im Rahmen der Story gut verpackt ausgeliefert, so dass man sich auch als Erwachsener nicht vor den Kopf gestoßen fühlt, während man einen Film erlebt, der sehr bodenständig und vernünftig wirkt.
Dass dabei natürlich ein großes Maß der üblichen Mädchenträume mit erfüllt wird, ist fast schon obsolet zu erwähnen. Und durch den großartigen Erfolg der Kinderbücher vorbestimmt existiert auch hier ein Publikum, dass diesen Film dankbar annehmen und mit Freuden genießen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Kinderbuchreihe feiert mit dieser Fortsetzung nun bereits seine 4. Verfilmung, in der die Hauptdarsteller erstmals durch jüngere Charaktere ausgetauscht wurden.
Die Story ist solide, spannend, und erreicht die Kids in gewohnt-guter Manier auf ihrem Niveau in den Vorstellungen, die man in solch einem Alter vom Leben hat. Dass dabei eine gute Moral aufgebaut und gezeigt wird, macht diese Geschichte zu einer sehenswerten Idee, die ganz und gar familientauglich über die Leinwand flimmert.

 
Nachspann
sollte man abwarten, hier kommen noch abschließende Szenen.

Bibi & Tina: Tohuwabohu Total

Wir gehen mittlerweile schon in die 4. Runde dieser Filmreihe und widmen uns diesmal einem Thema, dass in Deutschland derartig die Meinungen spaltet, dass mir Gespräche darüber fast schon leidig sind.
Bibi & Tina: Tohuwabohu Total greift dabei so immens schmerzhaft in die Wunde vieler alteingesessener Meinungen und mischt diese mit einer zerberstenden Ehrlichkeit und Hingabe auf, dass einem beim Schauen durchaus die Augen geöffnet werden könnten.
Auch wenn hier die Dialoge, der Umgang und das Miteinander wieder komplett auf die Kinderriege ausgerichtet sind, zehrt die Message dennoch auch an älterer Menschen Gehirne und fördert hierbei erneut eine politische Message an den Tag, die den Jüngsten beibringt, tolerant und erwachsen mit diesen Themen umzugehen.
Der politische Botschafter-Teil hat mich derartig von den Socken gehauen, dass man auch als Erwachsener gerne über etwaige sprachliche Mankos hinwegsieht und sich darüber freut, dass Detlev Buck seiner Linie treu bleibt und sich kein Stück weit von dem Ziel abbringen lässt, den Kindern nachahmenswerte Tugenden zu vermitteln.
So werden nicht nur aktuelle Thematiken aufschlussreich und vor allem weitüberblickend umrissen, sondern auch Konfrontationen beantwortet und teils widerlegt. Genau dieses Maß an Vermögen, über den Tellerrand hinaus zu schauen, vermisse ich persönlich so schmerzhaft bei so vielen Erwachsenen, wenn es um solche Themen geht.
In punkto Spannung legt man ebenfalls wieder ordentlich auf und feiert nicht nur klassische Erwartungen ab, sondern legt nochmal ordentlich nach und macht den mittlerweile 4. Teil dieser Saga zu einem der besten dieser Reihe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mir hat es wieder tierisch gefallen, zu erleben, dass es tatsächlich Kinderkost gibt, die nicht nur unterhaltsam, spannend, sondern auch lehrreich und informativ ist und den Kindern beibringt, dass man auch mit schwierigen Themen leicht umgehen kann.
Und all das im Rahmen eines flügelleichten Sommerprogramms abzuziehen, dass die spielende Tänzelei von Kindern in ihrer Unbeschwertheit nicht außer Acht lässt, zeugt für mich von großartigem Verständnis für die Essenz guten Kinos.
Also geht definitiv rein und genießt auch diesen Teil, der hoffentlich mit seiner Botschaft Wellen schlägt und viele Menschen dahingehend erzieht, sich genauso zu verhalten, wie Bibi und Tina es tun.
Großartig!

 
Nachspann
Auf jeden Fall sitzen bleiben, denn man wird getreu den alten Filmen auch hier wieder mit weiterführendem Material belohnt.

Wendy – Der Film

Fast jedes Kind hat im Laufe seines Erwachsenwerdens mindestens einen der Klischeewünsche gehabt. Lokführer, Pilot, Prinzessin oder aber Pferde.
Die Ursache solcher Wünsche rührt meist aus diversen Promotions, die aus der Erwachsenenwelt überschwappen und die Kinder manipulativ beeinflussen. Nicht umsonst buhlen so viele Konzerne um die Aufmerksamkeit der Kleinsten. Mit dazu gehört die bekannte Pferdezeitschrift Wendy, die sogar an mir nicht ungesehen vorbeigekommen ist.
Mit Wendy – Der Film projiziert man nun die Kindheitswünsche in einen gut verträglichen Kinofilm und widmet sich ganz im Sinne der Kleinsten dem Thema erneut, nur dass diesmal eben nicht irgendwelche Comics zur Fantasieanregung parat stehen, sondern man die Gestaltung und das Umfeld im Film klar deklariert und daraus einen für Kinder interessanten Plot zimmert, der meine Erwartungen weit übertroffen hat.
Ganz ehrlich? Fast die komplette Erwachsenen-Riege hat mir viel Kraft für die Vorstellung gewünscht und gemeint, dass ich da drin sowieso keinen Spaß haben werde, weil sich das für sie eher nach Qual als Vergnügen anhört – und das muss ich leicht dementieren.
So übel ist das alles nämlich gar nicht und auch die übliche Kinderkrankheiten solcher Filme, wie man sie z.B. in Ostwind 2 hatte, kommen hier nicht wirklich zum Tragen. Man verhält sich sehr normal und spricht auch nicht übermäßig verblödend, sondern konzentriert sich wirklich auf schöne Pferdeaufnahmen, einen interessanten Plot und akzeptable Charaktere, die das Gesamtbild des Films ausschmücken und so zu einem Gesamterlebnis verhelfen, das durchaus positiv ist.
Und Fetischisten von extrem geilen Kamerapositionen haben hier auch das ein oder andere Schmankerl drin.
 

.kinoticket-Empfehlung: Besser als die Erwartungen, die man als Erwachsener an so einen Film stellt.
Geschichte, Darsteller, Kamera und Aufnahmen überzeugen und liefern hier Stoff für einen unterhaltsamen Nachmittag mit den kleinen Geschwistern. Darüber hinaus sollte man aber keine allzu hohen Forderungen stellen, denn der Film möchte nicht auf internationalem Niveau irgendwelche Preise absahnen, sondern verhält sich in meinen Augen hier völlig bodenständig und richtig.

 
Nachspann
Im Nachspann wird man dann wieder an alte Zeiten erinnert, zu schnelles Abwandern sollte man also vermeiden.

Die Glorreichen Sieben (2016)

Einen Film aus dem Jahre 1960 2016 wieder in die Kinos zu bringen, gehört für mich nicht unbedingt zu den billigen Abklatschen, die schmerzlich als “Remake” an die Zuschauerschaft verkauft werden. Genauso wenig zählt das für mich als Einfallslosigkeit oder sprödes Kohle scheffeln wollen, wenn man sich dieses Themas glanzvolle 56 Jahre später erneut annimmt.
Dass die Generation X, die gerade auf dem Spielplan der Welt steht, sich keine Streifen mehr von vor knapp 60 Jahren reinziehen möchte, ist für mich vollkommen nachvollziehbar und somit ist es zugunsten der Geschichte sinnig, dieses Thema etwas modernisiert wieder auf die Leinwand zu bringen.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, der immer wieder leise das Wort “Remake” flüstert, das gleichzeitig all die negativen Beigefühle mit auf den Plan ruft und einem schon von vornherein etwas die Lust am Schauen verderben will.
Völlig zu Unrecht.
Die Glorreichen Sieben offenbart sich als exzentrisches Werk voller Hingabe, Ideologie, Krach und einer soliden, eigenen Welt: Das Bild der Darsteller, das in diesem Machwerk gezeichnet wird, strahlt geradezu vor Authentizität und Glaubhaftigkeit. Keine dieser überzeichneten Fantasy-Charaktäre, die man neuerdings in Computerspielverfilmungen gerne auf den Platz lässt, genausowenig das typisch-westernhafte Klischee des huttragenden Cowboyhelden, der sich durch nichts weiter definiert als seinem Aussehen, sondern schöne, geprägte, ausgereifte Kerle, die alle eine Geschichte im Hintergrund verbergen, über die man auch im Verlauf der Spielzeit nicht unbedingt alles erfährt.
Das Mysterium um die Legenden, von denen hier gesprochen wird, bleibt etwas im Hintergrund, doch statt des erwarteten überbordenden Getöse durch die Überladung an Actionsequenzen nimmt hier eine rühmliche Bodenständigkeit den Platz ein und führt durch den Film, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Es rummst schon mächtig, man ist auch als Spektakel-Fan definitiv unterhalten und hat seine Freuden, doch niemals kommt es zu derartigen CGI-Übertreibungen, dass dem gepflegten Freund des Kinos das Lachen im Halse stecken bliebe. Stattdessen braucht die Story etwas Zeit, um anzuwärmen und rennt dann gnadenlos in eine Schlacht, die beim Zusehen tierisch Spaß macht und einen vergessen lässt, dass es derlei bereit schon mal auf der Kinoleinwand gegeben hat.
Und all das sind doch verdammt gute Zeichen dafür, sich durchaus ein .kinoticket für Die Glorreichen Sieben zu lösen und den Film mit seinen besten Freunden zu genießen. Denn wieder einmal gilt: Nur im Kino kommen die Momente und Sphären so rüber, wie sie gedacht waren und für’s Heimkino ist das mal definitiv nichts.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn man Verfechter von Originalen ist, sollte man dieser Neuauflage eine Chance geben: Die Portierung von alt in neu hat dieses Mal nämlich richtig gut funktioniert.
Der Film besticht mit einer authentischen Art, sympathischen Darstellern, einem ausgereiften Bühnenbild und jeder Menge unterhaltsamer Power, die nur im Kino richtig zur Geltung kommt.
Überzeichnung oder -ladung sind fehl am Platze und die erwartete Grobheit eines modernen Remakes bleibt tatsächlich aus. Stattdessen definiert dieser Film das Westerngenre in einer modernen Art und Weise wieder gänzlich neu und führt auch heutige Generationen erneut in die Zeit des Wilden Westens.
Daumen hoch: So was darf man sich gerne anschauen!

 
Nachspann
anfangs noch schön im Zeichenstil des Films gemacht (auch hier wieder ein Original statt eine Kopie), verlässt der Abspann dann bald die Farbebene und läuft bis zum Schluss nur noch in schwarz-weiß runter – man darf sich also wieder ans Sonnenlicht begeben.

Jane Got A Gun

Am Anfang rauchts schmachvoll richtung Überstands-Western aus den Colts. Doch sind wir mal ehrlich: Was genau kennt man denn heutzutage alles noch, das in Richtung Western ausgelegt ist?
Bud Spencer – also der Blödel-Western mit Haudrauf-Garantie und dem alles durch den Kakao ziehenden Einschlag humoristischer Kunst mit Colts und Flatterbändern an den Ärmeln. Und Quentin Tarantino. Der uns immer wieder mit seiner durchschlagenden Verbalkraft und den aneinandergereihten Eigenarten Filme verkauft, die dafür sorgen, dass man nichts versteht und eben jenen Fakt denen vorhält, die seine Filme kritisieren.
Als wäre der Umstand, dass etwas mal augenscheinlich keinen Sinn ergibt (und damit einem erwähnenswerten Kultfaktor Daeinsberechtigung verschafft) geradezu darauf ausgerichtet, genial zu sein. Es kann auch einfach mal der Griff ins Klo werden.
Und eben jene Befürchtung hat man, wenn die ersten 5-10 Minuten des Films über die Leinwand flimmern. Die erhabene Eleganz einer offensichtlichen Nicht-Verblödung der Hauptdarsteller, kein Aufrauschen komischer Artefakte im Spiel um den Sieg und dazu auch keine lustvoll triefende, romantische Story, die im güldenen Sonnenschein zu einem huldvollen Stück irrationaler Liebesschnulze verkommt.
Im Gegenteil: Die Integration der Frau findet ihren Höhepunkt auf der Leinwand und lässt das männliche Geschlecht blöd dastehen. Dazu paart sich im Laufe der Zeit eine sehr tiefgreifende Story mit Elementen, die – transferiert in den modernen Alltag – einem jeden begegnen können. Als Zuschauer keimt geradezu der Wunsch nach so einer Frau im Hause auf. Natalie Portman macht ihre Sache hier wirklich grandios und behält sich dabei auch stets im Griff, um nicht doch wieder in einen Liebesroman abzurutschen.
Selten hab ich erlebt, dass man sich für eine Geschichte derart viel Ruhe und Zeit nimmt. Das Ganze trägt sich die komplette Spielzeit hindurch, als gäbe es kein Morgen. Allein beim Anschauen der Blätter im Wind, die Zurückgezogenheit in der Wüste, das Am Rande der Welt sein-Gefühl begleitet einen ständig und lässt die Story weit weit zurück in der Zeit reisen, wo alles noch irgendwo normal erschien verglichen mit den Abstrusitäten der heutigen Welt.
Probleme werden auf das Offensichtliche runtergebrochen, Hilfe sucht man eben nicht beim Gesetz oder den Richtern, sondern nimmt die Dinge auf beherzte Weise selbst in die Hand und entfesselt damit einen Reigen emotionaler Erfahrungen, die nicht nur die Gegenspieler auf der Leinwand hart treffen.
Und dieser Ernst, mit dem das alles angegangen wird, heilt viele filmische Wunden der Vergangenheit. Es muss mal keine Comedy sein. Es muss keine herzzerreißende Geschichte erzählt werden, die mit den RTL-Tränendrüsen spielt und die Zuschauer an den Rand des Empfindsam-Möglichen treibt. Und selbst die Größe eines bahnbrechenden Blockbusters greift man schon während der Mache gar nicht erst auf.
Man ist klein, besinnt sich auf das Wesentliche und hält alles ganz einfach – und dabei so prächtig professionell, dass der Slogan Großes Kino wie die Faust aufs Auge passt. Gerade zwischen monumentalen Werken wie Star Wars – Episode VII – Das Erwachen der Macht oder wirtschaftlichen Totschlägern wie James Bond: 007 – Spectre gibt sich dieser Film hier auf eine Weise die Ehre, die für sich schon wieder als ehrbar zu bezeichnen wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es tut so wahnsinnig gut, mal einen ernstzunehmenden Film zu erleben, der sich im Bereich klischeehafter Genres einnistet, diese dabei aber nicht bedient.
Kaum zu glauben, dass im Jahr 2015 Western gedreht werden, die auf der Leinwand wirklich zünden und dabei auf keine Machart zurückgreifen, die man aus längst vergangenen Jahrzehnten bereits kennt.
Ich wage fast, zu behaupten, dies wäre der erste und einzige anständige Western, den ich in meinem Leben jemals gesehen habe (wenn man vom üblichen Spiel mir das Lied vom Tod einmal absieht). Die erfrischende Ernsthaftigkeit und das überaus genussvolle Maß an Ruhe und Zeit, die einem hier als Zuschauer gegeben wird, ist für mich ein wahres Geschenk.

 
Nachspann
kommt keiner mehr. Beim Anbruch der Textzeilen am Schluss darf man sich also getrost wieder in die Wirklichkeit aufmachen. Der Trip in die Vergangenheit bleibt trotzdem cool.

Ostwind 2

An jemandem, der sich dank Kinoflatrate eigentlich alles anschaut, kam auch der neue Pferdefilm Ostwind 2 nicht vorbei. Zielgerichtet an schätzungsweise junge Mädchen, denen es Vergnügen bereitet, Pferdesticker zu sammeln und Glitzerbücher auszumalen, liefert man hier ein Werk, das eine Geschichte im Stil der Kinderbücher erzählt, bei denen es um Pferde, Gestüte, Siege und Verluste geht.
Das klassische Aufbauschema einer typischen Kindergeschichte wird auch hier nicht verlassen. Man liefert hübsch anzusehende Jungs, eine schlecht sprechende Hauptdarstellerin (erwähnte ich bereits, dass ich dieses gestochene Deutsch dermaßen hasse?) und eine überraschend liebreizende Gestütbesitzerin, denen allen der Druck im Nacken sitzt und die über ihre Grenzen springen müssen, um den bevorstehenden Problemen zu entgehen.
Untermalt von bildschönen Landschaften, Wäldern, der Liebe zur Natur und der Freiheit und natürlich jeder Menge tollen Pferden bietet man hier eine wunderbare Kulisse, die die leicht verkindlichte Story zu entschuldigen weiß.
Auch der Soundtrack versteht es, den zärtlichen Windhauch zu unterstreichen, mit dem die gezeigten Bilder zu beeindrucken versuchen. Hat man für diese Nebensächlichkeiten ein Auge, dann entschuldigt das die teilweise unflüssigen Story-Momente und das aus der Spur gleiten, was die Natürlichkeit des Gezeigten angeht.
Die große Geschichte mit professionell erzählenden Darstellern, wie man es z.B. von Der Pferdeflüsterer kennt, bleibt hier leider aus.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Kinder und Jugendliche – und natürlich für alle Pferdeliebhaber ist dies gefundenes Fressen, um ihren Hobbys auch auf der großen Leinwand wieder einmal zu frönen.
Gestandene Kerle und Leute, die Story mit Biss suchen, sollten sich dezent um den Film herum bewegen, denn die werden eher enttäuscht.

 
Nachspann
sollte man abwarten, denn der liefert weiterhin wunderschöne Bilder mit Pferden und Natur.

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