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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Planeten

Avengers: Infinity War (3D)

Einige haben mir nicht geglaubt, als ich geschrieben habe, Black Panther sei nur der sanfte Auftakt für den bevorstehenden Infinity War – und ab Donnerstag prescht eben jener auf euch nieder und mäht alles weg, was es bisher jemals gegeben hat.
Marvel macht seit jeher alles richtig. Figuren einführen, Geschichten liefern, mit denen der Zuschauer sympathisieren kann, das Universum langsam ausgestalten und dann die Brachialität zusammenführen und aufeinander loslassen.
Was andere Labels schmähhaft kopieren und damit kläglich scheitern, Marvel weiß die richtigen Schrauben anzuziehen und liefert etwas ab, bei dem ich nicht gegen den Pressetext wettere.
Leute?
DAS sind Superlativen.
Und zwar welche, die funktionieren!
Ich hatte es schon im Gefühl, dass sie mit Infinity War ein Gewitter auf uns loslassen und habe mich über all jene Meldungen gewundert, die aus Black Panther den “bislang erfolgreichsten Marvel-Film aller Zeiten” machten, denn gefühlt ist der in meinen Augen nur ein armseliger Abgesang auf das, was uns da bevorsteht.
Es ist Dienstag Nacht, ich zähle zu den Gesegneten, die den Film bereits vor die Füße gesetzt gekriegt haben und ich bin seitdem ein paar Kontinente tiefer im Kinosessel festgeklebt und komme nicht mehr hoch!
Äh … Sprachlos!
Und meine Erwartungen waren GIGANTISCH! Okay? Da gehört es normalerweise zum guten Ton, dass man während der Vorstellung dann permanent verarscht, enttäuscht und links liegen gelassen wird – und nichts dergleichen ist passiert: Jeder Blick gefesselt auf die Leinwand mit offenem Mund während ich nicht glauben konnte, dass man aus “Fantasie” so etwas erschaffen kann.
WAHHHHH!!! Jetzt zeigt sich erstmal, womit man in all den Jahren mit dem ganzen “Anteasern” der Machtspitzen überhaupt erst hinaus wollte, auch wenn man vorher beim .trailer manchmal das Gefühl hatte, dass Thanos als kleines rumhoppelndes Männchen kein ernstzunehmender Gegner werden würde, sondern eher eine enttäuschende Figur abliefern…
NEIN!
DEFINITIV NEIN!
Ich würde Avengers: Infinity War mal gelinde gesagt als superlativen Schlag in die Fresse eines jeden bezeichnen – ein Film, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Beim Nachspann sitzt du allen ernstes im Kino und fragst dich, ob die es auf die Reihe bringen und diesmal einfach mal keine After-Credits bringen? Weil das so ein niederschmetternder finaler Roundhousekick in die Fresse wäre – und ehrlich gesagt: Es hätte mich nicht verwundert.
Ja, auch ich habe mir die ein oder andere These zum Film im Vorfeld im Internet durchgelesen und mit der gleichen Amüsiertheit wie bei den ganzen “definitiv richtigen Apple-Vorhersagen” verfolgt, was nun denn in Infinity War passieren müsste. Leute? Lächerlich!
Eure Thesen waren allesamt lächerlich. Und wir alle sollten um Vergebung flehen und lernen, dass Marvel tatsächlich kein Filmlabel ist, sondern eine geheime Religion, die nicht nur vorgibt, Götter für die Leinwand zu produzieren, sondern auch im Stande dazu ist, diesen Göttern wahrhaftig Leben einzuhauchen!
Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, außer alles zu revidieren und mich geschlagen zu geben: Seit A Quiet Place – der im “Horror”-Sektor komplett aufgeräumt hat – ist etwas im Kino explodiert und wir alle sind jetzt entweder tot oder erleben gerade das geilste Filmzeitalter, das die Menschheit je hatte.
Infinity War gehört dazu!
 

.kinoticket-Empfehlung: Überlegt euch mal: Es gab 18 (!!!) – ACHTZEHN – Filme, die uns alle darauf vorbereitet haben, dass das hier kommen würde.
Und jeder davon war für sich ein eigener Riesenerfolg. Andere Filmreihen versuchen, immer größer zu werden, Marvel wird immer größer. Nach allem, was sie bisher abgeliefert haben, läutet man mit Avengers: Infinity War nun definitiv ein neues Kinozeitalter ein und hinterlässt tiefe Spuren, die dutzende andere Arbeiten gemeinsam bei weitem nicht wegzudrängen vermögen.
Geht in die größten Kinos die ihr findet – schöpft und kostet das neue Dolby Atmos aus und lasst euch einfach gehörig schön wegbomben – es macht endlich wieder einmal richtig Spaß – und das ohne eine einzige Pause!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel.
Kinostart: 26. April 2018

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Wer erinnert sich noch an seinen sensationellen Auftritt in A Cure for Wellness? Dane DeHaan besticht ein weiteres Mal neben Cara Delevingne in einem Masterpiece von Regisseursmeister Luc Besson.
Und Leute – meine Begeisterung ist kaum zu zügeln. Ja, wir alle kennen die morbiden Versuche von brüllenden Löwen, in der Filmwelt Großartiges vollbringen zu wollen und dabei zu vergessen, dass die wahrhaft Starken die ruhigen Teilhaber sind und wahre Macht immer in flüsterleisen Tönen zu suchen ist.
Luc Besson hat in der Vergangenheit bereits bewiesen, was für ein filmisches Genie er ist. Seine Filme bestechen durch die Bank weg mit Alltime-Klassiker-Prädikat und sind derzeit wieder in aller Munde.
Mit Valerian – Die Stadt der tausend Planeten sorgt er im Trailer bereits für ein unglaubliches Gefühl von Vorfreude und Anspannung – noch nie habe ich eine Pressevorführung so sehr erwartet, wie diese. Und meine Vorfreude war begründet. Doch der Reihe nach.
Besson orientiert sich hier an einem Comic, das wohl die wenigsten Kinobesucher auf Anhieb kennen werden, zumindest ist mir noch niemals in meinem Leben etwas davon begegnet. Zugegebenermaßen bewege ich mich auch so gut wie kaum in der Comic-Welt und kann daher keine allgemeingültigen Aussagen dazu treffen. Was mir allerdings aufgefallen ist: Diese brachiale Wucht, die in dem Erfindergeist dieser Welten steckt, schlägt meiner Meinung nach sogar ansatzweise Avatar in seiner bildhaften Größe.
Valerian trumpft hier mit einer unfassbaren Farbenpracht und Formenvielfalt auf, die mir in dem Maße so gut wie nie begegnet ist. Diese Entführung startet mit unglaublich ausweitender Geschwindigkeit und schlägt den Zuschauer direkt in ein visuelles Filmerlebnis, dass vollkommen neue Maßstäbe im Kino ansetzt. Dass dabei IMAX-Qualität mit Dolby Atmos™ vermischt in ultrahochauflösender Qualität die Fronten von James Camerons ursprünglich moderner Pionierarbeit ankratzt, ist unangefochten. Und dabei muss noch nicht mal viel gesprochen werden: Die Bilder wirken einfach von selbst!
Während man dabei zuschaut, vergisst man völlig, auf welchem Planeten man eigentlich zu Hause ist. Diese Mutation im Kopf funktioniert hervorragend und hinterlässt ein Gefühl von Alltagsvergessenheit, indem man dabei vollkommen das produziert, wofür Filme im Ursprung gedacht sind: Zur geistigen Entführung in fremde Welten, die einen das eigene Leben vergessen lassen und für bombastisches Entertainment sorgen.
Beides erfüllt Valerian mit Bravour und entzückt voller Farbenpracht und Einfallsreichtum mit Kreativität, die seiner Zeit weit voraus ist. Und genau deshalb werden die Kritiker diesen Film lieben: Er sprüht nur so vor futuristischem Charme und frisst sich immer tiefer in die Gehirne seiner Besucher rein, um hier fundamentale Eindrücke einzupflanzen, die so leicht nicht mehr vergessen werden können.
Und dabei fährt man zu Höchstleistungen auf! Nicht nur Cara Delevingne besticht mit völlig neuem schauspielerischen Talent, dass man bisher von ihr nicht kannte, sondern auch alle anderen reihen sich in die von Erfolg gekrönte Inszenierung dieser unfassbaren Geschichte ein und liefern Leistungen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen.
Und dabei wird nicht nur auf Bildgewalt oder unfassbar gutes 3D wertgelegt, sondern auch auf Inhalt: Die Funken sprühen nur so zwischen beiden, was eine völlig eigenwillige Harmonie entwickelt, die man jeder Seite abkauft und die abseits jeden Schnodders einer kitschigen Liebesgeschichte so richtig Lust auf mehr macht: Auch hier ist man seiner Zeit wieder weit voraus. Wir alle werden wohl erst in einigen Jahren begreifen, was Besson damit tatsächlich aktuell bereits geschaffen hat.
Diese unfassbare Spritzigkeit, der Flair, die Andersartigkeit und die Filmkolorierung schicken die Zuschauer auf eine unvergessliche Reise, die ihr Leben nachhaltig prägt und das Kino der heutigen Zeit schon jetzt verändert hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich nenne es nicht Pflicht, ich mache es zur Ehrensache, als Gast zu beweisen, dass man verstanden hat, wozu Filme eigentlich da sind: Als Form von Kunst akzeptiert und gewürdigt zu werden.
Valerian ist einer der Filme, die die Kinos niemals verlassen dürften, denn keine andere Leinwand würde dem gerecht werden. Man braucht Größe. Man braucht aktuelle Technik und viel Verständnis auf allen Ebenen, um diesen Film in einem würdigen Areal zu präsentieren und das auszuschöpfen, was Besson dafür gedacht hat.
Das Erlebnis gleicht dem von Avatar und reicht nicht nur an dessen Unerreichbarkeit heran, sondern übertrifft mit seiner allumfassenden Ausarbeitung sogar seinen Meilensteinvorgänger. Gut, dass davon die nächsten Teile erst in ein paar Jahren erscheinen, denn die Zeit werden sie brauchen, um mit Valerian gleichzuziehen.
Also bevölkert die schwarzen Säle und zeigt der Welt: Genau davon wollen wir so unendlich viel mehr und wir genießen jede Sekunde davon wieder und wieder und wieder.
Ich bin dann mal im Kino – und ihr?

 
Nachspann
kann abgewartet werden, für diese Laufzeit ist der eh kurz genug, enthält aber keine weiteren Szenen oder Gimmicks.
Kinostart: 20. Juli 2017

Transformers – The Last Knight (3D)

Ist es nicht unglaublich, was für eine epische Macht aus einem Plastikspielzeug hervorgehen kann? Im Jahre 2007, als sich Michael Bay daran machte, eine erwachsenentaugliche Version der Hasbro-Spielzeuge zu verfilmen, ahnte noch keiner, was das für weitreichende Konsequenzen für die Filmindustrie haben würde.

Heute, im Jahr 2017, feiern wir bereits den fünften und gleichzeitig ersten Teil eines aufkommenden Transformers-Universums, dass sich ganz speziell an eine bestimmte Kundschaft richtet: Den Popcorn-Cineasten.

Mal im Ernst: In Transformers, und Transformers – Die Rache waren wir alle noch leicht begnügt damit, als man uns die Charaktere vorstellte, die Figuren einführte und wenigstens ansatzweise ein klein wenig Story bot, auch wenn da von Anfang an eigentlich nichts nennenswertes da gewesen ist, dass man nachträglich noch als tiefsinnig hätte bezeichnen können.

Spätestens im dritten Teil war jedem zunehmend klar, dass es hier nicht um Story oder Rahmenhandlung geht, sondern man einfach nur irre geil auf Special Effects gezielt, die Waffe abgedrückt und einschlagende Ergebnisse produziert hat. Nicht nur in Sachen 3D wurden Maßstäbe gesetzt, auch in punkto Optik und Filmtechnik hat man mit Avatar gleichgezogen und die Messlatte hoch positioniert.

Und Bay hat niemals aufflammen lassen, hier erzählerische Höchstleistungen vollbringen zu wollen, sondern er präsentiert. Und zwar affenscharfe Karren, megageile Transformationen, superscharfe Babes und eine Menge Haudrauf-Action, die absolut keine Hirnleistung erwartet, sondern einfach nur die niedersten Instinkte des Actionkinoliebhabers erfüllen will. Und wird.

Nachdem jeder weiß, was es mit den Autobots und Decepticons auf sich hat, beschäftigt man sich auch nicht länger damit, hier noch irgendwelche Erklärungen abzuliefern, sondern kümmert sich um die Superlative. Was in anderen Filmen nur angedeutet wurde, wird jetzt zum Hauptaugenmerk gemacht und bereits im Trailer ansatzweise präsentiert: Man fährt volle Geschütze auf und geht voll auf Action. Und in 152 Minuten Spieldauer hat man dafür auch genügend Zeit.

Und es macht tierischen Spaß – zwischen all den in letzter Zeit gesehenen Independent-Filmen – einfach mal hirnlos dazuhocken, ein Eis zu schlemmen und sich an der brachialen Action zu erfreuen, die hier gnadenlos von der einen zur anderen Minute vorprescht und die Zeit wie im Fluge vergehen lässt.

Allein die Optik ist den Besuch eines Megakinos wert. Und Leute: Je größer der Saal, je lauter die Boxen, je wuchtiger der Gesamteindruck, umso wertvoller das Erlebnis im Kino. Lasst die Dörfer hinter euch und verzichtet auf das nächstbeste Kino, sondern wählt eines aus, dass euch auch die dazugehörige Technik bieten kann, um diesem Film seine epische Macht zu lassen und ihn nicht auf Stereo-Sound runterbrechen zu müssen, nur weil die Kinos dafür nicht ausgelegt sind. Hier zählt nicht nur auf der Leinwand die Superlative.

Apropos Superlative: Meiner Meinung nach ist man jetzt auf einem Pegel angelangt, auf dem es kaum weiter nach oben gehen kann. Wenn man damit das Universum eröffnet und auch in Zukunft weiterhin Filme dieser Art liefern möchte, wird das die absolute Highlight-Kirsche auf der Torte des Kinojahres.

.kinoticket-Empfehlung: Bay erfüllt hier keinerlei Erwartungen an Story, Handlung oder sonstige bahnbrechende Elemente, sondern erfüllt einzig und allein den Zweck, megamäßige Effekte aufzubauen und mit niederschmetterndem Donner auf den Zuschauer niederregnen zu lassen.

Wer hier rein geht, sollte wissen, worauf er sich einlässt und die Show einfach genießen. Ohne Erwartungen wird man auch nicht enttäuscht, sondern mit einer Show der Superlative belohnt, die die Zeit im Kino unvergessen werden lassen.

Nachspann
❌ Für einen Film dieser Länge der kürzeste Nachspann, den ich jemals gesehen habe. Im Ernst: bleibt mal hocken und lasst euch überraschen, wie schnell der vorbei ist …

Kinostart: 22. Juni 2017

Original Title: Transformers: The Last Knight
Length: 149 Min.
Rated: FSK 12

Star Wars: Das Erwachen der Macht (3D)

Ich glaube, kein anderer Film hat je so tiefe Schneisen in den Köpfen der Menschen hinterlassen, wie die Star Wars-Filmreihe. Beginnend mit Episode IV, V und VI erzählt George Lucas eine Geschichte, die nicht nur Science Fiction-Fan-Herzen höherschlagen lässt, sondern selbst zu einem derart intensiven Kult wurde, der heute aus der Filmwelt kaum mehr wegzudenken ist.
Auf diesen Erfolg folgten drei weitere Filmteile, die geschichtlich vorangestellt die Vorgeschichte dessen erzählen sollten, was nunmehr überall bekannt war: Episode I, II und III. Danach war jahrelang Ruhe, zumindest was den Hauptfilmbereich angeht.
Klar ist, dass heutzutage Filme nicht mehr nur einzelne Werke sind, die künstlerisches Gut vermitteln oder wertvolle Botschaften an möglichst viele Menschen weitergeben wollen, sondern hinter jedem Kinobewegtbild-Werk auch ein riesiger Apparat aus Jobmöglichkeiten, Merchandising und anderweitiger Kapitalgenerierung steht.
Und da spielt Star Wars keine kleine Rolle dabei. Mit Lego-Bausets über T-Shirts hin zu Figuren, Taschen und allem, was man sich nur vorstellen kann, wird hier schon seit jeher Geld verdient. Und irgendwie brennt das Feuer des Geldverdienens seit Jahren weiter und weiter. Kein Wunder also, dass Star Wars eine der Filmreihen ist, die auch nach Jahrzehnten noch nicht im Preis gesunken sind, sofern man sich die Werke auf Blu-ray aneignen wollte.
Dazu kommt ein weiterer Meilenstein menschlichen Irrsinns mit auf den Plan: Rechte. Die Rechte an einem Werk innezuhaben ist heutzutage fast schon mehr wert, als irgendwelches Gold im Keller gebunkert zu haben. Warum? Weil mit den Rechten einfach alles möglich ist. Und die hat George Lucas nun irgendwie an Disney vermacht. Der Konzern, der dieses Jahr mehrfach unangenehm damit aufgefallen ist, die Geldpumpe bei kleinen Kinos so dermaßen überzustrapazieren, dass die Kunstkultur Film in punkto Vielfalt bald schwer zu kämpfen haben dürfte, sollten andere Studios ebenfalls auf den Zug aufspringen und die Kinoketten mit derartigen Auflagen belasten.
Dann nämlich stehen wir bald vor dem großen Problem, dass die Vielfalt schwindet und damit eine wunderbare Form von Unterhaltung, geistiger Nahrung und einfallsreicher Ideenvielfalt zerstört wird – zugunsten von … Geld.
Geld, dass von Disney verlangt wird, das kleinere Kinoketten in den Ruin treibt, da diese die mainstreamgeforderten Filme nicht zeigen können, da ihnen notwendige Kompensationsmöglichkeiten fehlen, um das Übermaß an Gier zu befriedigen, damit Disney auf seine Kosten kommt.
Macht dieser Schachzug nun in den kommenden Jahren die Runde, wird bald mehr und mehr auf Wachstum gesetzt und es passiert genau das gleiche wie in der Lebensmittelwirtschaft: Kleinere Betriebe verschwinden, größere Betriebe machen mehr Umsätze, das allseits gepredigte Wachstum macht Schule und die Studiobosse freuen sich ein Loch in ihren Bauch.
Daraus resultierend werden kleinere Filmideen gar nicht mehr umgesetzt, da waghalsige Schritte (die meist zu wahnsinnig spannenden und oft auch aufrüttelnden Filmen führen) gar nicht mehr erst angehört werden, weil mit groß angelegten Dumm-Blöd-Blockbustern viel schneller viel mehr Geld verdient werden kann, als ohnehin schon.
Und da lebt Disney dieses Jahr mit einem Mega-Blockbuster (Avengers – Age of Ultron) eine Unart aus, die ich an dieser Stelle ganz öffentlich mal kritisieren möchte und keinesfalls gut heiße. Gefolgt von erneuten Verhandlungsschwierigkeiten, die es sogar in die Presse geschafft haben bei einem Film, der eben nicht nur eine kleine Trilogie darstellt, sondern weltweites Ansehen genießt und damit wieder tiefe Furchen in die Zeitgeschichte des Films reißen dürfte.
Was erwartet uns nun also, angesichts der Tatsache all der oben genannten Fakten, wenn wir – recht früh – in einen Film spazieren, dessen Vorläufer uns früher mehr oder weniger seicht umschifft haben, da ich nicht einsehe, für 17 Jahre alte Filme knapp 90 € auf den Tisch zu legen?
Auf jeden Fall mal immense Erwartungen, denn allein die Produktionskosten in Höhe von 200 Millionen US Dollar sind ja nun auch kein kleiner Pappenstiel. Oder um es mal anders zu verdeutlichen: Würde man das Budget auf einzelne Personen aufteilen und sagen wir mal 2500 Dollar-Monatsgehalt-Pakete schnüren, könnte man damit sechstausendsechshundertsechsundsechzig Menschen ein komplettes Jahr lang sorgenlos durchs Leben schicken! Und all das für 135 Minuten Unterhaltung.
Rechtfertigt der neue Film nun in meinen Augen das, was dabei herausgekommen ist?
Fakt ist: Mit 200.000 vorverkauften Kinokarten stellt Star Wars: Das Erwachen der Macht mal eben einen neuen Rekord auf. Und ja, die Kinosäle sind tatsächlich voll, weil so ziemlich jeder im Verlauf seines Lebens mal mit Star Wars in Kontakt gekommen ist und – gleichsam mit Jurassic Park oder Bond – nun in Materie reinschnüffeln will, die nostalgisch an das eigene Leben erinnert.
Genau diese Nostalgie wird von der Presse bereits verschrieen, da die Erwartungen hier eben nicht erfüllt wurden. Zu simpel, zu altbacken, zu bekannt, zu vorhersehbar … bei einem solch großen Giga-Event auf der Leinwand sollten derartige Fehler nicht passieren.
Der Streifen vermittelt uns tatsächlich wieder die authentische Geschichte im bekannten Star Wars-Universum, wobei man hier auf bereits vorhandene Elemente verzichtet hat und sich nun tatsächlich wirklich dem Auftakt der nächsten Trilogie widmet: Episode VII, VIII und IX. Die Geschichte wird weitererzählt, damit einhergehend neue Charaktäre eingeführt (und alte in der Gunst der Zuschauer aussortiert) und somit im Prinzip nur der Boden für die Fortsetzungen geschaffen, die geschichtlich da weitermachen, wo Episode VI einst endete.
Betrachtet man die Story und Umsetzung nun aus Augen wie meinen, die weder Fanboy noch Hater repräsentieren, sondern möglichst neutral auf ein Filmwerk schauen, dann dürfte man von der Story leicht enttäuscht sein. Wie Spectre dieses Jahr schon vorgemacht hat, zielt man hier tatsächlich nicht darauf ab, selbst groß zu sein, sondern rollt einfach nur den roten Teppich aus für das, was in kommenden Jahren noch auf uns zuströmt. Und damit verschenkt man Potenzial. Potenzial, dass man für 200.000.000 $ erkauft hat und großangelegt in viele weitere Wirtschaftsbereiche streut.
Technisch ist an den Umsetzungen nichts auszusetzen, monumental und episch hätte ich mir durchaus etwas mehr gewünscht. Den Urtümlichkeiten anhängend in allen Ehren, aber bei diesem Gros an Staraufgebot und filmischer Bedeutsamkeit hätte man hier ruhig die alten Zeiten feiern können, dabei aber durchaus technische Neuerungen involvieren und somit auch hinter der Kamera neue Maßstäbe setzen. Diesbezüglich müssen wir wohl eher auf Avatar 2 hoffen.
In diesem Sinne: Schlecht gepokert.
3D hat der Film auch zu bieten, einige Szenen sind auch ganz hübsch anzusehen, jedoch wird das hier keine Effektorgie, sondern endet eher im mittelprächtigen Feld. Da haben andere Filmchen die Schnauze weitaus mehr am Puls der Zeit. Doch darauf baut man auch kein solides Unterhaltungsmachwerk, weswegen das noch als verzeihlich durchgeht.
Unverzeihlich hingegen finde ich die Tatsache, dass die Story eben nur so dahinplätschert und man nicht so wirklich vom Hocker gerissen wird. Wer nun also kein wahrer Fanboy ist, dem schon allein beim Anblick des Logos einer abgeht, der schaut faszinationsmäßig ziemlich blöd aus der Wäsche. Da wären wir nun also wieder bei der schrecklichen Vorhersehbarkeit, die die Presse unlängst kritisiert hat. Warum also nicht aus bekannten Mustern ausbrechen und selbst die Fans mit gigantisch-neuen Einfällen überraschen, die weder das alte Universum zerstören, noch sich panisch penibel in Zurückhaltung üben?
Ich weiß es nicht.
So bleibt Star Wars: Das Erwachen der Macht in meinen Augen eben nur ein monumentaler Film, der vielen eingefleischten Fans sehr viel bedeutet und dem Rest nicht wirklich etwas sinnvolles zu bieten hat. Die Aufmerksamkeit der Welt hätte man gehabt, das Potenzial aber leider verschenkt, denn herausgekommen ist nur ein weiteres Stück Star Wars-Geschichte ohne großartige Überraschungen oder technische Raffinessen, die einen dann tatsächlich vom Hocker gehaut hätten.
Zuletzt bleibt bei mir die Hoffnung, dass zwischen den Nachfolgern, die für 2017 und 2019 angekündigt sind, noch viele Nischenfilme produziert werden, die die intellektuellen Erwartungen und filmischen Überraschungen dann doch pflegen und somit auch noch Nährboden für etwas anderes als Geldgier vorhanden ist, auf dem sich der Kinogänger ausruhen darf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wahre Fans der Star Wars-Filme braucht man sowieso nicht ins Kino schicken, die waren alle schon um 0:01 Uhr zugegen und haben sich den Streifen direkt am Starttag angesehen.
Alle anderen sollten sich überlegen, ob die mittlerweile gigantischen .kinoticket-Preise den Film wirklich wert sind, denn großartige Unterhaltung sieht in meinen Augen anders aus. Was hier geboten wird, ist solide SciFi-Action, die mit altertümlichen Nostalgie-Faktoren spielt und somit die Emotionen vieler Menschen anspricht, die sich im gegenwärtigen Sumpf stumpfsinnigen Fernsehens nicht zu Hause fühlen. Diejenigen sind es dann auch, die im Internet jubilieren und den Film gebührend feiern.
Ich für meinen Teil hätte wesentlich mehr erwartet, denn in meinen Augen ist die Handbremse in dieser Liga noch viel zu angezogen, um hier wirklich von einem bahnbrechenden Kinostück zu reden.

 
Nachspann
darf man sich schenken, hier folgt kein Teaser oder anderweitiger Kram mehr.

Der kleine Prinz (3D)

Schlagt mich tot – aber hier ist ein Buch, das ich als Kind unwissentlich umschifft habe, von dem ich zwar den berühmten Ausspruch kenne, aber keinerlei Ahnung im Zusammenhang der Geschichte vorweisen kann.
Demzufolge gibt’s an dieser Stelle eine vorurteilsfreie Rezension über eine Geschichte, der ich in dieser Form zum ersten Mal im Leben begegnet bin.
Die Rede ist vom Kleinen Prinz. Mein Vorwissen beschränkt sich auf die Aussage eines guten Freundes, der mir mit auf den Weg gab, dass das Buch sehr anstrengend geschrieben sei und er es deshalb vorab zur Seite gelegt und nicht fertig gelesen habe. Mein Gegenbeispiel bei der Filmvariante ist ein etwa 5jähriges Mädchen, das zwei Stühle weiter in meiner Reihe saß und anfangs zwar noch etwas interessiert rumgesprungen ist (wahnsinnig gutes 3D by the way!), dann aber ruhig auf seinem Stuhl saß und die Story nicht nur bis zum Schluss aufmerksam verfolgt, sondern – anhand der Tränen zu urteilen – wohl auch irgendwo verstanden hat.
Was ich als übermäßig gelungen empfand, war die dreiteilige Weise, mit der man die teils schwere Kost, die sich im Hintergrund vermuten lässt, auf die Leinwand gebracht hat. Du kannst den Formen und Farben folgen, die Bilder hernehmen und dich von ihnen tragen lassen, du kannst das Gesagte verstehen und so der Erzählung an sich folgen oder dein eigenes Hirn berappen und anfangen, das Gezeigte in Verbindung mit den Worten zu interpretieren und dir damit die Mega-Variante des Ganzen zusammendichten, worin ich beim Schreiben dann auch eher die Schwierigkeiten sehen würde, da hier das audiovisuelle Verständnis fehlt.
Es war, als schwirrte dein Geist durch die teils großartigen Bahnen, die umflügelt von einer fantasiereichen Einfallsvielfalt getragen doch eine Erzählrichtung aufwiesen, und je nachdem, auf welcher der drei Bahnen du dich bewegst, du trotzdem immer wieder sanft am Rande des Abgrunds aufgefangen und in die richtige Richtung gelenkt wirst. Dieses Kunststück zu vollziehen ist für mich große Filmkunst, weswegen ich Der kleine Prinz in punkto Genialität weit über bisher bekannte Disney-Welten einsortieren würde.
In punkto Verständlichkeit also ein volles Plus, was sich gegebenenfalls negativ auf die Buchliebhaber niederschlagen wird (wo ist das denn eigentlich bitte mal nicht so?), in Sachen filmisches Können von mir eine Eins Plus, da die Art der Generationenzusammenführung vor solch ein Thema gigantisch gelöst wurde.
Wo sich die Kiddies an niedlichen Tieren und toll animierten Figuren in einer wirklich herzerwärmenden Welt erfreuen können, dürfen Erwachsene weit über den Rand des Metaphysischen hinaus sinnieren und ihre eigene Person irgendwo in den Untiefen dieser Geschichte suchen und wiederfinden.
Wie oft landet man selbst in genau den Situationen, die hier verteufelt und bloßstellend zur Anschauung postiert werden, während der Film direkte Ansätze liefert, die ein so viel besseres Leben ermöglichen und die verloren gegangene Portion Leben wieder mitbringen, die vielen von uns fehlt, um aus unserer Welt wieder das zu machen, was sie einmal war.
Klar ist das mehr oder weniger Wunschdenken, dem man sich hier ergibt, jedoch ist genau die Sehnsucht nach eben jenen Werten das, was Menschen im Alltag zu Veränderungen treibt, die dann eben doch den kleinen Unterschied ausmachen, der letztlich alles verändert.
Angesichts der Tatsache, dass man hier in eine wirklich niedliche, herzliche und behütete Welt abtauchen kann, die das Träumen in allen Facetten zulässt und dazu noch eine sanfte Moral, struktuelles Denken und mögliche, persönliche Interpretationsweisen mitliefert, empfinde ich das als einen der wenigen gelungenen Filme, die tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt das Licht der Welt erblicken und so auch außerhalb vom Kino ihre emotionale Aufgabe erfüllen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Muss man sich diesen Film ansehen, um mitreden zu können?
Gewiss nicht, denn das Buch wird seine Wirkung auch anders entfalten, sonst wäre es niemals ein derart prestigeträchtiger Bestseller geworden. Macht man also einen Fehler, wenn man stattdessen ins Kino rennt und sich dort die Geschichte in neuer Interpretation zu Gemüte führt? Definitiv: Nein!
Was hier im Auge ankommt, ist eine wunderbar liebevoll animierte, überaus mehrdimensionale Geschichte, die nicht nur in 3D mehr als gelungen über den Äther streicht, sondern auch erzähltechnisch einige Etagen über sich lässt und weit über das Normalmaß hinaus reicht.
Sowohl Kinder als auch Jugendliche und Menschen gesetzteren Alters werden hier definitiv ihre Freude haben, denn gerade das Herausstechen aus allen bisher bekannten Formen des Films sorgt für eine wohlbehütete Atmosphäre, die kein anderes Klischee anreißt, aufgreift oder gar erfüllt. So wie das Buch bislang unangefochten seinen eigenen Platz in der Bücherwelt innehat, so reiht sich der Film außerhalb allen bisher Gezeigten in die Geschichte des Kinos ein und hinterlässt einen wunderbaren Geschmack von Reife, Heranreifen und dem niemals vergessenen Kind, das definitiv in allen von uns drinnen schläft.
Lasst es wieder raus – dieser Film hilft euch dabei.

 
Nachspann
ist interessant, da er mal ein klein wenig anders gestaltet ist. Auf abschließende Sequenzen oder weitere Animationen braucht ihr allerdings nicht warten.

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