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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Green Book – Eine besondere Freundschaft

© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Inzwischen wurde dieser Film bereits mit einigen Auszeichnungen und auch bei der Mutter der Krönungsprozesse – den Academy Awards – mit reichlich Nominierungen bedacht, und das zu guter Recht. Kürzlich durfte sich eine große Fangemeinde der Sneak Previews über diesen Titel freuen und dabei ist etwas passiert, das – zumindest in meinem Kino – vorher noch nie vorgekommen ist: Bei den Bewertungen wurde 100% top erreicht!

Und das sagt tatsächlich etwas aus.

Green Book bewegt sich zwar zeitlich wieder in vergangenen Tagen, verarbeitet dabei aber eine aktuelle Botschaft und das auf eine Weise, die förmlich nach Nachahmung schreit! So galant ein so exzessives Thema zu umgarnen, dem Zuschauer einfach die Fakten zu präsentieren, ihn aber nicht in die Bedrückung zu reiten, sondern trotzdem lachen zu lassen, gleichsam aber einprägsam zu vermitteln, was es bedeutet, so von allen behandelt zu werden – hier haben die Macher ein Meisterstück geleistet!

Selten war ein ernstzunehmender gesellschaftlicher Kahlschlag so unterhaltsam und kurzweilig, selten wurden die grässlichen Eigenschaften des Menschen mit so viel Kultur und Esprit verknüpft, selten hat es so viel Spaß gemacht, sich mit einem der düstersten Kapitel der Menschheit auseinanderzusetzen.

Ja, das alles hört sich ziemlich wirr an. Auch, wenn dieses Jahr bei den Academy Awards viele Filme dabei sind, die es redlich verdient haben, ausgezeichnet zu werden: Dieser hier zählt zu denen, die man vorher definitiv gesehen haben sollte – und zwar nicht, um ihn irgendwie zu pushen, sondern weil er einfach 100% spitze ist.

In meinen Augen haben beide – Viggo Mortensen und Mahershala Ali – verdient, mit den Goldjungs nach Hause zu gehen, auch wenn das Ergebnis sicher anders aussehen wird. Gleichsam hätten die Drehbuchautoren und Plot-Schreiber verdient, honoriert zu werden, auch wenn deren „Einfälle“ auf wahren Ereignissen beruhen und die Story damals tatsächlich so stattgefunden hat.

Und da hört‘s nicht auf: Der Soundtrack … diese Musik ist absolut meins! Ein Titel nach dem nächsten, die verschiedenen kulturellen Ausflüchte, der Beat, die Sound-Totale im schwarzen Kinosaal: Hier braucht‘s die richtigen Boxen, um das vollends ausleben zu können und man tut sich selbst einen Gefallen, doch den größeren Saal zu buchen, statt im Dorfkino zu schauen, auch wenn der Film in seiner Aussage dort genauso wirkt.

Ihr merkt: Je mehr Arbeitsbereiche man vom Film aufdeckt, umso mehr erkennt man, dass an den 100% was wahres dran ist. Und das lässt für mich nur einen Schluss zu:

.kinoticket-Empfehlung: Geht rein! Unbedingt!

Hier gibt es absolut nichts auszusetzen: Nichts an der Geschichte, nichts an der Umsetzung, nichts an den Charakteren, nichts am Setting, nichts am Soundtrack, nichts an der Aussage, nichts am Humor, nichts am ganzen Film: Das Ding ist ein absoluter Volltreffer und muss von jedem von euch gesehen werden!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 31. Januar 2019

Original Title: Green Book
Length: 130 Min.
Rated: FSK 6

Heavy Trip

Headbangen … bei Heavy Metal denk ich sofort an Schweden, Dänemark und Finnland… Wikingerlanges Haar, schrammelige Gitarren und grölende Laute, die irgendwie „Musik“ abgeben.

Wenn man genauer hinhört, entdeckt man ziemlich bald eine zarte Liebe zu diesen durchdringenden Tönen und – sofern es nicht ausschließlich Geschrei ist, sondern hier und da etwas Melodisches abgespielt wird – zählt diese Musikrichtung bald zu den öfters gehörten Stücken in der hauseigenen Playlist.

Seitdem ist „Heavy Metal“ bei mir irgendwie finnisch.

Heavy Trip ist nicht etwa irgendeine Band-Doku, sondern das klamaukbehaftete Beispiel eines „Blödheini-Films“, der für ziemlich viel Furore sorgt und im Kinosaal kein Auge trocken bleiben lässt. Tatsächlich ist man hier weit entfernt von Seriösität, Anstand und moralischen Werten und haut auf deutsch gesagt einfach mal richtig mächtig auf die zwölf. Dabei zählen Dummheit, Übertreibungen, und skurrile Momente, die immer wieder von boshaftem Humor untermalt werden und rein gar nichts mit political correctness zu tun haben.

Und damit macht dieser Film zwischen „wahren Begebenheiten“, tiefgründigem Arthouse-Kino und anspruchsvoller Kostümlektüre als geistige Entspannung zwischendurch richtig Laune.

.kinoticket-Empfehlung: Befreit euren Geist … und habt einfach mal wieder ausgelassen Spaß im Kino: Bitterböser Humor, Galgen-Klamauk und das tief-dunkle, finnische Böse in einem Film über Heavy Metal und seine nicht ganz ernstzunehmende Genre-Politik dazu.

Macht Spaß, ist herrlich politisch-unkorrekt und spiegelt einfach mal die pure unterhaltsame Blödheit wider.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Hevi reissu
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Death Wish

Eli Roth debütierte mit Cabin Fever ja gleich mit einer Hommage an das Horrorkino vergangener Jahre und durchzog dann die Zeit auf der Suche nach Stoff, den er neuinterpretiert in die Kinos bringen konnte.
Death Wish, dessen Ursprungsidee einem Roman von Brian Garfield aus dem Jahre 1972 entstammt und der bereits schon einmal unter dem Titel Ein Mann sieht rot verfilmt wurde, tastet sich an den Versuch, diesen Stoff medientauglich erneut auf die Leinwand zu bringen und das heutige Publikum von der Brillanz solcher Ideen auf moderne Weise zu überzeugen.
Durch die Wahl von Bruce Willis als Hauptdarsteller, den viele wohl ganz stark mit Stirb Langsam in Verbindung bringen und zeitgleich auch in dieser Zeit ansiedeln, hat man direkt einen Bezug zu vergangenen Tagen hergestellt, was heutzutage wohl eher das ältere Publikum statt die Jugend in die Kinos locken dürfte, was angesichts des Titels aber dann auch eher eine abschreckende Wirkung haben dürfte… keine Ahnung, ob man sich da vielleicht verkalkuliert hat.
Fakt ist: Man spürt deutlich, dass diesem Film die moderne Innovation fehlt und auch Willis hat bereits besseres abgeleistet. Er wirkt müde, erschöpft und nicht mehr so richtig in seinem Element, während die Leute um ihn herum eine “brachiale Story” zum Besten zu geben versuchen, die 1972 durchaus skandalös war, heute aber den Zuschauern eher nur müdes Gähnen entlockt.
Irgendwie hatte ich während der Spielzeit ständig das Gefühl, man müsse verschiedene Elemente zwanghaft in einem Werk verarbeiten und hat sich nirgends so richtig Zeit genommen, dieses Ding mit Liebe auszuschmücken und sich rührend darum zu kümmern. Vieles wirkte halbherzig, abgefrühstückt und teils zusammenhanglos und auch die Beweggründe gehören eher ins Actionfilm-Klischee als dass man einen emotionalen Bezug zum Drang der Handlung herstellen könnte.
Hätte man hier eine Direkt-to-DVD-Production gestartet, hätte ich geschrieben: Toll gemacht, weil das dann auch im oberen Segment stattgefunden hätte, für Kino jedoch erwarte ich etwas mehr Innovation und Liebe zur Geschichte, da wäre durchaus mehr drin gewesen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bruce Willis kämpft nochmal auf seine alten Tage und fordert sich selbst neu heraus: Dass dies nicht gleichzeitig mit einer Geling-Garantie verbunden ist, wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen.
Die Neuinterpretation aus dem Jahre 1972 zündet heute mit weit weniger Skandaltracht und findet daher im Kino nicht so richtig den Anklang, den man sich vielleicht gewünscht hätte. Da gab es schon besseres…

 
Nachspann
Nicht abwarten, das lohnt sich dieses Mal nicht.
Kinostart: 8. März 2018

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Ewig ist es her, dass ich diesen Film in einer Pressevorführung gesehen habe und Aussagen dazu noch unter Embargo standen – und nie ist es mir schwerer gefallen, dazu die Klappe zu halten.
Nun sind die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben worden und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hat sage und schreibe 7 (!) davon eingeheimst und steht damit unter den Top 3 der diesjährigen Nominierten bei der größten Verleihung überhaupt – allein das sagt ja schon mal verdammt viel über den Film aus!
In diesem bitterschwarzen Stück, das im Übrigen von seinen zynischen Inhalten lebt, die Ernsthaftigkeit und Tiefe, zum Himmel schreienden Schmerz und Provokation gegen das Eingefahrensein und die Gleichgültigkeit des Rechtssystems proklamieren, erhebt sich Francis McDormand in einer Frauenrolle zur Schauspielikone, die nicht nur für Recht und Gerechtigkeit kämpft, sondern auch das weibliche Geschlecht weltweit auf ein ansehnliches Niveau hebt, was Schauspielerei und die Bedeutung der Frau in Hollywood und grundsätzlich auf der Leinwand ganz neu bewertet.
Allein schon diese starke Weiblichkeit, die sich gegen unzählige frauenfeindliche Männercharaktere durchsetzen muss, habe ich bereits beim ersten Schauen genüsslich begrüßt! Ich liebe es, wenn endlich nennenswerte weibliche Beispiele an der Front der Schauspielerei stehen, damit tatsächlich mal etwas in Sachen Gleichberechtigung getan wird und die Klischees nicht immer weiter gefüttert und diese unglaublich wichtige Grundsatzdiskussion durch Lächerlichkeiten ad absurdum geführt wird.
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es richtig angeht und grollt mit unfassbarem Zorn gegen ein System, dass vielerorts auf der Welt für Ungerechtigkeit sorgt und Menschen in den richtigen Positionen die Macht gibt, Dinge falsch zu machen ohne dafür bestraft zu werden.
Dass man sich hier nicht vollkommen der Menschlichkeit entledigt und einfach auf einen groben Schlachtfeldzug geht, bei dem alles, was sich einem in den Weg stellt, zunichte gemacht wird, sondern die Emotionen und Gefühle, aber auch Verantwortung und Ehre gefordert werden, macht diesen Film unter allen Filmen dieses Jahr zu einem der ganz großen.
Und die bisherigen Nominierungen und Auszeichnungen sprechen eine ganz klare, deutliche Sprache: 3x AACTA International Awards 2018, Aufnahme in die Top-10-Filme des Jahres 2017 im American Film Institute, 9 Nominierungen bei den British Academy Film Awards 2018, 5 Nominierungen und 2 Auszeichnungen bei den British Independent Film Awards 2017, 6 Nominierungen und 3 Auszeichnungen bei den Critics’ Choice Movie Awards 2018, 4 Golden Globes und 6 Nominierungen bei den Golden Globe Awards 2018 und und und … die Liste ist endlos!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr seht: Man braucht kein Oscar®-Filmjäger zu sein, um diesen Film gut zu finden, sondern von allen Seiten strömt der Tenor zu einem, dass dieses Werk eines der besten Filme aller Zeiten ist, das zu Recht mit Preisen überschüttet wird und jede einzelne Auszeichnung davon redlich verdient!
Francis McDormand pusht starke, weibliche Charaktere in Paraderollen in Hollywood, während sich die Männerriege hinten anstellt und gleichermaßen herausragende Performances abliefert, bei denen sich jeder einzelne davon sehen lassen kann.
Nicht nur der zynisch-sarkastische Humor, der es in vielen Dingen oft auf die Spitze treibt, sondern die unfassbare Härte und Konsequenz, der man sich hier opfert, machen aus diesem Stück einen Film, den jeder – wirklich jeder – unbedingt gesehen haben muss!
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gehört für mich schon seit einigen Monaten zu den Top 10 Lieblingsfilmen meines Lebens, und jeder, der ihn gesehen hat, weiß anschließend, warum!
Also tut euch selbst den Gefallen und geht rein – es lohnt sich. In jedem Kino. Zu jeder Zeit. Hauptsache gesehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 25. Januar 2018

LUX – Krieger des Lichts

Ich werfe mal zwei Aussagen in den Raum:

  1. Debütfilm
  2. Gewinner des Heinz-Badewitz-Preises der Internationalen Hofer Filmtage 2017

Spitz drauf gemacht?
Okay, noch eine: Superheldenfilm.
Und damit sind wir schon voll bei der Sache. LUX – Krieger des Lichts behandelt Identität, Alltag, Menschsein, Sozialsein, Verdrängung, Suche und Realität und lässt dabei den typischen Marvel-Klassiker ins Kiez münden, was bei mir gleich mal folgende Fragen aufwarf:

  1. Ist der Typ echt? Gibt’s den wirklich?
  2. Handelt es sich hier um Dokumentation? Fiktion? Beides?
  3. Sollte das nicht echt sein, warum macht sich jemand Gedanken um so etwas?

Tatsache ist: Wir haben es hier mit einem unfassbar genialen Projekt zu tun, das sich Filmemacher Daniel Wild auf die Fahnen geschrieben und als fertiges Produkt ans Publikum ausgeliefert hat, was viele Fragen aufwirft und zugleich durch Eigenvorbild beantwortet.
In einer Zeit, in der die Suche nach der eigenen Identität, dem Selbstbestimmtsein, dem Individuellen ganz oben auf der Tagesordnung steht, vergisst man oft, dass genau das jeder andere um einen herum auch tut und man damit per Massendefinition wieder in einem Pfuhl aus Gleichheiten landet, die eben nicht individuell bestimmt, sondern fremdgesteuert sind.
Was ist wichtig in unserer Zeit? Welche Komponenten braucht das Leben, um der Menschlichkeit genügend Raum zu bieten, sich zu entfalten?
Wie weit kann man dabei gehen?
Welche Konsequenzen hat es, wenn man Menschen in ihren Gefühlen an den Rand ihrer Existenz bringt und sie dann gnadenlos schlachtet?
Fragen, denen sich LUX – Krieger des Lichts in seiner unverblümt ehrlichen, schroffen und authentischen Erzählstrategie widmet und sie dem Zuschauer unverdaut in die Hand legt. Dabei werden moderne Elemente genauso beachtet und gleichwohl Augenmerk auf den Status und die Einflussnahme von Medien und moderner Kommunikationskultur gelegt.
Wieviel also ist ein Mensch wert? Was macht ihn zum Menschen und nicht nur zu einer Marionette innerhalb eines Systems unübersichtlicher Ignoranz und Selbstverliebtheit?
Diesen Dingen geht Wild mit leidenschaftlichem Ehrgeiz und einer völlig neuen Herangehensweise auf den Grund. Was anfangs noch als “merkwürdig” rüberkommt, erschließt sich im Laufe des Films automatisch und findet seine Erklärung in einem völlig absurden und damit realistischen Ende, was sowohl Anprangerung als auch Appell an jeden einzelnen ist, seine Verhaltensweisen zu hinterfragen und sich in seinem Denken ggfs. neu auszurichten.
Und damit landet man einen Coup, der einerseits lachhaft, andererseits todernst ist und – Fiktion oder nicht (ich löse es bewusst mal nicht auf) – jeden einzelnen auf seine Weise erreicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses illustre Stück startet diese Woche in ausgewählten Kinos und sollte zahlreich von euch besucht werden, denn die anfangs anmutende Unfähigkeit eines überbordenden Superhelden mündet alsgleich in Sympathie und Zuneigung.
Erst im Verlaufe des Films merkt man, wie eigentlich charaktergleich LUX im Vergleich zu Marvel’s Superhelden ist, was ihn nicht nur sofort ins Herz schließen lässt, sondern vielfältige Fragen aufwirft, für die man sich ruhig in einem Kino Zeit nehmen sollte.
Als Debütfilm wirklich gelungen und zu recht mit einem Preis ausgezeichnet.

 
Nachspann
lohnt nicht abzuwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 4. Januar 2018
Kinofinder: Deutschlandweit in diesen Kinos*

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Aus dem Nichts

Wer wirklich gut aufpasst, dem fällt beim Titelschriftzug schon auf, welche Thematiken man in diesem Film behandeln möchte – und wer dann den .trailer schaut, der wird womöglich erstmal etwas abgeschreckt sein.
Ich zumindest habe bislang noch niemanden getroffen, der mir gesagt hat, er will diesen Film unbedingt sehen. Und genau das halte ich für einen Fehler.
Natürlich, Diane Kruger mit einer Titelrolle ist angesichts ihrer vergangenen Leistungen jetzt nicht unbedingt ein Garant für durchschlagenden Erfolg und krönende Szenen, in denen man wie gebannt auf dem Sessel gefesselt ist und einfach nicht weiß, wohin zuerst schauen.
Wer sich aber dann die Zeit nimmt und tatsächlich den Film schaut, stellt sehr schnell fest, dass ihre Rolle hier zu einer der besten zählt, in der ich sie jemals erlebt habe. Und das bei diesem Thema ist nahezu faszinierend und schockierend zugleich.
Auch die Fassaden, die immer mehr zu bröckeln beginnen und das anfangs eigentlich super austarierte Bild einer Familie widerspiegeln, beginnt man systematisch zu demontieren, bis es in einem fragwürdigen und daher diskutablen Ende mündet, dass durchaus zu Diskussionen auffordert, die an dieser Stelle sehr wohl auch angebracht sind.
Und obwohl man hier sehr wohl zu unterhalten weiß und auch niemals großartig den Spannungsbogen abbrechen lässt, sollte man dennoch einen Beutel voll Willen auf kritische Inhalte mitbringen, die nicht unbedingt auf Unterhaltung ausgelegt sind, sondern eher politisch-gesellschaftliche Aspekte provokativ hinterfragen.
Und dieser Mut gehört meiner Meinung nach belohnt – also lasst den Film ruhig in eure Kinowochenplanungen mit einfließen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Schauspielleistung von Diane Kruger in einem Thema, dass erschreckende Einblicke liefert.
Regt zur Diskussion an, hält aber die ganze Laufzeit über Spannung und Unterhaltung ganz weit oben.

 
Nachspann
Braucht man nicht abwarten, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 23. November 2017

Suburbicon

Würdet ihr Angela Merkel etwas abkaufen, wenn diese Dame aufs Podium tritt und verkündet, dass sie etwas mitzuteilen hat? Man würde ihr vielleicht aus Respekt zuhören oder einfach nur mitkriegen wollen, was da passiert, weil’s nunmal eine wichtige Persönlichkeit ist, aber ernst nehmen und anschließend danach leben ohne zu hinterfragen, wieso sie das sagt, was sie sagt? Niemals. Ich zumindest nicht.
Wie sieht’s bei George Clooney aus? Schon ganz anders, hm? Er hat zwar längst nicht so einen massiven politischen Einfluss auf die Welt, aber er hat bereits früher durchblicken lassen, dass er etwas zu sagen hat – und dazu auch noch etwas in der Birne und ich finde, selbst Jugendliche tun gut daran, sich die Zeit zu nehmen und ihm zuzuhören.
Mit seinem neuen Regiewerk Suburbicon trifft er nämlich mit einem ziemlich wichtigen Thema auf den Kern und offenbart eine hässliche Fratze, die seinerzeit zwar von Vorvorgenerationen erschaffen wurde, jedoch heute wieder beginnt, in vielen Köpfen unserer Nation zu sprießen und seine verdorbenen Früchte zu tragen, weil – wie damals auch – niemand genau hinsieht.
Jetzt kann man hinsehen – so man möchte – und wenn es einfach nur stupide auf die Leinwand ist. Clooney vollbringt nämlich das krasse Wunder, eine völlig komplexe Eigenart in verständliche Bilder zu packen, diese beeindruckend und umwerfend dem Publikum zu präsentieren, damit Humor und Unterhaltung nicht zur Seite zu schieben und dennoch eine der wichtigsten Lektionen begreiflich unters Volk zu verteilen, so dass der Zuschauer sich hinterher weder vors Gesicht gestoßen noch moralisierend belehrt fühlt und dennoch mit unglaublich wertvollen Gedanken wieder aus dem Saal gestoßen wird, die es nun umzusetzen gilt.
Und wie aktuell das Werk, wie wichtig seine Message derzeit ist, merkt jeder, der auch nur ansatzweise etwas von Suburbicon mitkriegt.
Leute: Es lohnt sich und zählt fast schon zu den ehrenwerten Bürgerpflichten, sich mit diesem Stoff auseinanderzusetzen und zu verstehen, inwieweit uns alle diese Belange angehen.
Und wer jetzt meint: Mäh, wieder nur so Politikmüll, der uns zum 100.000sten Mal sagen will, wer wann wo scheiße ist: Falsch. Auch ihr könnt rein und einfach einen wahnsinnig unterhaltsamen, spannenden Kinoabend erleben, der definitiv seine Spuren hinterlassen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wie anders sollte man es bezeichnen, als ein absolutes Meisterwerk, dessen Brillanz darin liegt, Vergangenes aktualisiert auf die Leinwand zu werfen und damit die Wut und den Ärger vieler aufzugreifen, um ihnen zu zeigen, wohin das alles führen wird.
In letzter Zeit gab es keinen politisch dermaßen relevanten Film, der zusätzlich über genügend Entertainment und Spannung verfügt, um auch Nichtinteressierten einen herrlichen Kinoabend zu bescheren und dennoch unterschwellig eine Botschaft zu verteilen, deren Wichtigkeit man nur unterstreichen kann.
Reingehen, verinnerlichen und anschließend nach guten Maßstäben leben!

 
Nachspann
folgt ohne weitere Szenen oder zusätzliches Material. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 9. November 2017

Good Time

Robert Pattinson kennt man in unserer Generation wohl eher aus der Twilight-Saga, mit der er sich international berühmt gemacht hat. Was ich an dem Jungen aber viel mehr bewundere, ist seine Entscheidung, sofort im Anschluss in die Independent-Produktionen zu wechseln und seine Karriere dort aufzubauen, statt sich – wie üblich – für Massenprodukte fürstlich bezahlen zu lassen.
Und es gibt ja bereits viele Titel, in denen er mitwirkt, die sich wirklich sehen lassen können und die ich den Twilight-Filmen immer vorziehen würde. Good Time gehört meines Erachtens dabei zu den wahren Stilblüten, in denen er die Hochkonjunktur seines kreativen Schauspielschaffens zeigen und erbarmungslos ausleben darf. Dieser Film ähnelt durch die Methoden des modernen Film Noir einer irren und subtilen Fahrt in die Abgründe des Wahnsinns solcher Eskapaden, die beim Zuschauer definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Es macht höllisch Spaß, dem düsteren Schaffen zuzusehen und selbst ein Teil davon zu werden. Dabei driften die Schöpfer auch niemals zu stark auf die Bahn der Hollywood-Geldmacherobjekte, sondern bleiben ihrem Hang zum Nischenkino immer treu. Angeführt von einer mehr als interessanten Persönlichkeit mit einer einzigartigen Ausstrahlung profitiert Good Time tierisch von Pattinsons Anwesenheit und macht aus diesem bislang nicht viel umworbenen Stück ein modernes Kinowunder.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unbedingt reingehen! Einer der besten Darbietungen, die Twilight-Star Robert Pattinson je abgeliefert hat!
Zerreißt vor Spannung, Ambiente und diebischer Hingabe an ein Kinogenre, dem wir wieder etwas mehr Aufmerksamkeit widmen sollten! Einzigartig!

 
Nachspann
beinhaltet keine weiteren Szenen oder Abfolgen. Rausgehen erlaubt!
Kinostart: 2. November 2017

The Limehouse Golem

Hört man den Titel, denkt man als erstes wohl eher an einen Kinderfilm im Stile von Lemony Snicket. Sieht man das Plakat dazu, erinnert einen das schon viel eher an die legendäre Underworld-Saga (Bill Nighy, Farbgebung, Düsternis) und sitzt man schließlich endlich im Kino, bekommt man etwas völlig anderes, das zumindest mich richtig umgehauen hat.
Vom Kinderuniversum absolut keine Spur mehr, dafür umso tiefer in der Materie des bösen Erwachsenen. Die Art und Aufmachung des Films erinnert einen sehr stark an klassische Horror-Kunst, das Geschehen gleicht einer dunklen Synopsis aus der Hölle.
Und von einfältiger Ahnungslosigkeit des Zuschauers keine Spur: Die Macher gehen ran und fordern hier vom Publikum einiges an Aufmerksamkeit, Erkenntnisvermögen und Geisteskraft ab, um mit dem Schauspiel zurecht zu kommen. Und ja, der Gedanke ist nicht immer erster Güte, sondern verweilt zumeist in düsteren Gefilden, umtrieben von Vorahnungen, die so nicht stimmen oder Wendungen, die man selbst wohl erraten hätte, jedoch niemals in dieser Weise.
Dass es hier nicht – wie das Plakat verspricht – um mörderische Absichten oder Aufklärung geht, sondern vielmehr um Persönlichkeit, Tiefschichtigkeit, Verständnis und eine völlig andere Form von Rebellion, eröffnet sich vielleicht so manchem kaum. Jedoch sind unweigerliche Wesenszüge dieses theatralischen Anbändelns überall im Film erkennbar.
Und ich glaube, nicht viel vorweg zu nehmen, wenn ich offenbare, dass der Film mit einem Arschtritt entlässt und somit für mich zu den begehrenswerten Stücken einer Sammlung zählt, da hier die Pointen wieder mal in rätselhaftem Weiterdenken in den Köpfen der Kundschaft zu finden wären und nicht für Armselige auf der Leinwand vorgebetet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grandioses Meisterstück in bitter-düsterem Gewand, dass völlig andere Absichten erzielt und an die Gelehrtheit des Zuschauer appelliert.
Man ist zu keiner Minute unterfordert, wird mit Überraschungen und wahrhaft schöner Bildästhetik belohnt und bekommt einen Schluss, den ich mir öfters aus Hollywood wünsche.
Definitiv ein Meisterwerk, dass nur für Erwachsene und nicht – wie der Titel vermuten lässt – an Kinder gerichtet ist.

 
Nachspann
Entweder man geht und ist verärgert – oder man bleibt und grübelt weiter, in beiden Fällen kommt hier von der Leinwand keine weitere Inspiration mehr.
Kinostart: 31. August 2017

Baywatch

Testosteron. Busen. Knappe Bikinis. Jede Menge Fleischeslust. Prollgehabe. Strand. Sommer, Sonne, Heiterkeit. Dazu eine Prise Dwayne Johnson, etwas Zac Efron und jede Menge stupide Dialoge, eine billige Story, unterstes Niveau und jede Menge Assis, die die Kinosäle mit ihren Chicas füllen und dabei mächtig einen abfeiern.
So oder so ähnlich habe ich mir die Auswirkungen von Baywatch vorgestellt und dementsprechend meine Erwartungen ganz nach unten geschraubt. Realitätsnähe? Nada. Übertrieben testosterongeschwängerte Szenen mit jeder Menge Überzeichnung? Aber bitte doch.
Jedoch ist das Ergebnis ein völlig anderes. Natürlich braucht jetzt keiner die tiefenentspannte Glückseligkeit mit lehrreicher Moral und unterschwelliger Botschaft erwarten, allerdings werden die Miesepeter wie meinereiner auch nicht mit Erfolg behaftet, was ihre pessimistischen Erwartungen an die Kinoadaption angeht, denn: In vollen Sälen macht die Show tatsächlich richtig Gaudi.
Dabei ist die absichtlich übertriebene Proletenhaltung der beiden Hauptdarsteller sogar ganz förderlich, da genau durch diese realitätsferne Überzeichnung das Werk erst zu leben beginnt und der Charme hier tatsächlich darin liegt, dass keiner das alles auch nur ein Stück ernst nimmt. Allein schon die vielen Spitzen, die man im Drehbuch verankert hat, um alte Fans erneut mit auf die Reise dieser eigentlich stumpfsinnigen Momente zu nehmen, haben mir desöfteren ein lautes Lachen abgerungen und die labile Haltung zu möglichst natürlichen Handlungsabläufen schlägt jeden Logiker zehnmal so tief in die Fresse wie erwartet.
Und genau diese Übertreibung macht aus dem Stück eine Portion Sommerfreude, die das Kino auch in dunklen Sälen mächtig anheizt und so richtig Stimmung aufkommen lässt. Sommer, wir kommen – und zwar mit allen Klischees, die man sich mit aller Mühe ausdenken kann.
Der große Gag-Antreiber ist hier wieder einmal Johnson, dessen Figur schon in vergangenen Filmen bewiesen hat, dass er sowohl ein Publikumsmagnet ist als auch die Fähigkeit besitzt, aus jedem noch so schlechten Drehbuch mit noch so niedrig angesetztem Niveau etwas ansehnliches und beachtenswertes zu kredenzen, an dessen finalen Entgleisungen am Ende auch der Intellektuellste seine helle Freude hat.
Und die Gleichung geht voll auf. Trotz miesester Erwartungen sitzt man im Saal und hat einfach Spaß daran, was gleich noch passiert. Und wenn man einmal nicht selbst am Lachen ist, dann tun es andere für dich und sorgen somit generell für gute Laune.
Die Befürchtungen, dass das wieder nur die dämlichsten aller Zuschauer aus ihren Löchern lockt, sind also unbegründet. Man sollte sich den Trailer anschauen, wissen, worauf man sich einlässt und dann einfach das Folgende genießen. Zwischenrein genauso erfrischend, wie ein kühles Blondes an einem heißen Sommertag.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dwayne Johnson rockt die Show und liefert ein Gag-Gewitter, dass sich gewaschen hat.
Die Brachialität der gezeigten Szenen vollgepumpt mit machohaftem Gehabe erzeugt hier eine spritzig-überzeichnete Realität, die mit Selbstironie überhäuft wird und dem Zuschauer eher früher als später unzählige Lacher abringt. Dass man dabei noch versucht hat, auf freundschaftliche Moralansätze zu bauen, ist fast schon überflüssig, denn die Show funktioniert auch ohne diese Versuche.
Geht rein – genießt den Sommer und teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit.

 
Nachspann
Anfänglich sollte man sich noch nicht gleich vom Kinosessel lösen, denn die gezeigten Outtakes sind durchaus einen Blick wert.

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