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Tag: Präsident

Fahrenheit 11/9

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© 2019 Weltkino Filmverleih | Midwestern Films LLC All rights reserved

Nun ist die Verwirrung perfekt: Bowling for Columbine konnte man von Fahrenheit 9/11 noch unterscheiden. Aber Fahrenheit 9/11 von Fahrenheit 11/9? Warum bringt Michael Moore den alten Schinken jetzt wieder ins Kino?

Äh … das ist der neue von ihm … und er handelt nicht vom 11. September (wie war das nochmal mit dem umgekehrten Monats-Tags-Dingens bei den Amis?), sondern ist sein aktuelles Werk über den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, dessen Machenschaften, Ehrgeiz und Handhabe er in seiner neuesten Dokumentation leicht verständlich, aber dennoch impulsiv, inhaltsmächtig und provokant offenlegt.

Dass es Moore schon seit jeher auf die Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika abgesehen hat (“Shame on you, Mr. Bush, shame on you!” [Zitat Michael Moore auf den 75th Academy Awards beim Gewinn des Oscars für Bowling for Columbine]), wissen wir seitdem ja. Ironischerweise sagte Trump damals, dass er sich wünscht, Moore würde nie einen Film über ihn machen … und voilà – da ist er.

Ich weiß, es ist sehr spät dafür, und ich weiß, der Film läuft quasi nirgends. Womöglich haben die Kinobetreiber selbst nicht gerafft, dass dies keine Wiederholung ist, sondern ein brandheißes neues Eisen, dass zwingend auf die Leinwand gehört und dort von so vielen wie nur irgend möglich gesehen werden sollte.

Umso genialer zu erfahren, dass es diverse Schulklassen in Sondervorstellungen davon schaffen und ich im Rahmen einer dieser Vorstellungen doch noch an dieses Werk gelangt bin. Und noch genialer ist, dass mir hunderte dieser Schüler am Ausgang gesagt haben, sie würden:

a) wieder in diesen Film gehen
b) nochmal Geld bezahlen, um ihre Freunde auch mit reinzunehmen und ihn nochmal anschauen
c) es weitererzählen und Werbung für den Film machen, da er grenzgenial ist

Und ja, das Ding ist Bombe und sprengt sich mit so viel Durchschlagskraft den Weg zur Wahrheit frei, dass selbst Moore, dem viele ja intensive Selbstinszenierung vorhalten (wo auch in der Vergangenheit tatsächlich etwas dran war) sehr in den Hintergrund rückt und es hier tatsächlich um die Inhalte geht und nicht um ihn.

Und was dort preisgegeben wird, mit welcher sarkastischen, zynischen und bitterbösen Wahrheit man hier auf unausgesprochene Fakten losgeht und diese belegt, schreit förmlich zum Himmel.

Gerade deshalb sind Filme wie dieser enorm wichtig, weil selbst die Medien mantraartig nachbeten, was man ihnen vorgibt und von “Pressefreiheit” schon lange keine Rede mehr sein kann. Wer kontrolliert also die Mächtigen? Wer legt offen, was keiner mehr recherchiert? Wer kümmert sich darum, wenn ganze Bevölkerungsgruppen verarscht werden?

Das Separieren in Gruppen von Unwissenden ist seit jeher ein Mittel zum Machterhalt, bloß nicht zu viele Informationen, bloß keine Zusammenhänge herstellen, bloß nicht das ganze Gesamtbild betrachten lassen, sondern immer nur schön unwichtige Brocken, die für sich selbst dann auch gar nicht so schlimm aussehen.

Das, was Moore hier macht, ist genau das Gegenteil davon: Er schöpft so viele Informationen wie möglich, packt sie in verständliche Worte und bringt sie dem Zuschauer auf einem Tablett so angeordnet, dass dieser sie trotz seiner Komplexität versteht und sich anschließend seine eigene Meinung zu den Dingen bilden kann.

Es werden genug Fragen gestellt, die man sich selbst beantworten darf. Es werden Verbrechen aufgezeigt, die so groß und unfassbar sind, dass sie selbst hier in Deutschland in den Medien präsent waren, aber doch irgendwie im Trubel des eigenen Alltags untergegangen sind … und wenigstens einer schert sich darum und zeigt, wie es tatsächlich aussieht mit dem Land, was hierzulande oft nur von Hörensagen-Märchen geprägt ist.

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn er kaum zu finden ist: Stürzt euch auf die Screenings, die noch angeboten werden, fragt in den Kinos nach, fordert es ein und bittet, dass möglichst viele Säle den Film wieder ins Programm zurückholen, denn seine Mächtigkeit ist überragend und gesehen haben ihn viel zu wenige.

Und wer irgendwo die Chance hat, ihn zu sehen – ganz gleich, wo – ergreift sie! Das Ding ist wichtig … und den erschütternden Blicken der Kids nach zu urteilen auch inhaltsgewaltig und extrem sehenswert.

Also sucht sie, findet sie und bevölkert sie: Die wenigen Vorstellungen, die es vielleicht irgendwo noch gibt!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es kommt nichts weiter.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Fahrenheit 11/9
Length: 128 Min.
Rated: FSK 12

Hunter Killer

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© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

 

Ein “Hunter Killer” (Jäger-Killer) ist ein Marineschiff, das für die Jagd und Zerstörung anderer Schiffe ausgerüstet ist, zumeist ein U-Boot.

Mit diesem Wissen im Gepäck klingt auch der Titel gleich nicht mehr ganz so dämlich. Gerard Butler nämlich ist irgendwie ein Garant für Mittelklassewagen-Popcorn-Actionkino und genau solche Erwartungen hegt man auch, wenn man ohne Vorwissen in den Film wandelt. Es kann was kommen, muss aber nicht und wenn man Glück hat, ist es besser als in Olympus Has Fallen.

Wer sich das Plakat näher besieht oder bei den .teaser-Beiträgen schon reingeschnüffelt hat, bekommt vielleicht etwas Battleship-Angst und wer meint, vom Intelligenzanspruch an bestehende Bande angeknüpft worden zu sein, der bibbert vielleicht noch wegen MEG.

Ich kann euch so viel vorweg verraten: Entspannt euch und chillt einfach ein wenig. Hunter Killer ist genau das, was ihr erwartet: Intelligenzstumpfsinniges Actionkino, das dafür gemacht wurde, um bei abgeschaltetem Hirn, Bierchen und Popcorn den Abend entspannt ausklingen zu lassen und keinerlei Herausforderungen zu erstellen.

Dass so etwas in den USA produziert wurde, zeugt einmal mehr von der Besessenheit in punkto Kriegsmaschinerie, die man hier natürlich optisch und kriegerisch voll auskostet, auch wenn der Film relativ ruhig und dialoglastig startet und erstmal gar nicht so viel von der erwarteten Action kommt.

Die wird dann im Anschluss aber noch aufgefahren, was gleichzeitig alle Plot-Überraschungen zunichte macht, da ab einem gewissen Punkt diverse „Möglichkeiten“ simpel berechenbar werden, insofern der Film nicht gänzlich ohne Special Effects und Actionmomente auskommen möchte.

Sprich: Wer hier mit irgendwelchen (!) Erwartungen reingeht, kann sich eigentlich nur enttäuschen lassen, wer sich gemütlich in den Sessel fallen lässt und alles andere einfach geschehen lässt, der bekommt solide Action im altbekannten Butler-Style.

Muss man das Ding jetzt unbedingt gesehen haben?

Ganz klares nein, obgleich ich empfehle, wenn man sich den Film antun möchte, dies dennoch in einem Kino zu erledigen, weil er auf kleineren Displays dann gänzlich abkackt und deutschlandweit kein einziges Wohnzimmer mitziehen könnte, um das Niveau wenigstens noch einigermaßen erkennbar zu lassen.

Dass in solchen Projekten immer noch versucht wird, irgendeinen morbiden Anspruch auf „Mehr“ zu erheben, ist in meinen Augen völlig unverständlich: Gebt den Leuten doch einfach Action, lasst alles andere beiseite und investiert lieber in ein paar mehr Minuten Getöse und Krach, dann ist wenigstens die Zielgruppe zufrieden und schnurrt gemütlich vor sich hin.

P.S: Nutzt Männerabende und andere Kollektiv-Veranstaltungen aus, die machen das Werk als „Erlebnis im Kino“ noch interessanter.

 

.kinoticket-Empfehlung: Action auf solider Basis, die sonst nichts aufregendes neues bringt.

Für meine Verhältnisse wurde anfangs im Film etwas zu viel gequatscht und der Zuschauer zu lange hingehalten, bis es endlich „los geht“, dann aber kommt man actiontechnisch auf seine Kosten und kann ohne Nachzudenken den Tag gemütlich mit diesem Streifen ausklingen lassen.

Ansprüche jedweder Art sind hier fehl am Platze, wenn man dazu in der Lage ist, dann bitte ins Kino, woanders verfehlt er auch diese Wirkung noch vollständig und wäre dann tatsächlich „unbrauchbar“.

 

Nachspann
✅ ist nicht unbedingt wichtig, zeigt aber noch relativ viel Bewegtbildmaterial, wer möchte, darf also sitzen bleiben.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Hunter Killer
Length: 122 Min.
Rate: FSK 16

Jackie

Jackie zählt sich zu den Filmen, die eine politische Persönlichkeit in den Vordergrund stellen und somit über Ereignisse berichten möchten, die von den Medien bereits zu den aktuellen Momenten bis aufs Äußerste von allen möglichen Seiten beleuchtet wurden. Hier Spannung aufbauen zu wollen oder eine reißende Geschichte zu inszenieren, wäre von vornherein die falsche Herangehensweise. Das macht es dem Regisseur und allen Beteiligten zusätzlich schwer, einen Film abzuliefern, der im Kino fruchtet und den Zuschauer überzeugt.
Dass Jackie beides auf seine Weise beherrscht, inkludiert bereits das Poster des Films, auch wenn ich mich persönlich sehr schwer damit getan habe. Über den Inhalt braucht man nicht viel verlieren, den kennt jeder Mensch in den hintersten Winkeln bereits in und auswendig. Demnach entscheidet viel mehr das sensitive Sein um die Fakten drumrum, die aus dem Film eine lebendige Seele kitzeln wollen und mit selbiger den Zuschauer erreichen.
Pablo Larrain hat sich hierbei für eine Methode entschieden, die oft zwischen den Zeiträumen hin und her wechselt und somit der Erzählung insgesamt einen eher dokumentarischen Touch verpasst, den man z.B. aus Gimme Danger oder Amy kennt. Ob dies nun der richtige Weg gewesen ist, vermag ich an dieser Stelle zu bezweifeln, denn nicht nur ich hätte mir viel mehr eine chronologischere Abfolge gewünscht, wie wir sie beispielsweise bereits bei Die Eiserne Lady bekommen haben.
Natalie Portman hat auf jeden Fall alle benötigten Fähigkeiten dazu, um diesen Film auch in dieser abgeschnittenen Weise durchweg zu tragen und durch ihre unglaubliche Performance das Leben dieser Frau in allen Facetten zu zeigen. Und ich bin mir sicher, dass dies auch in einer viel softeren, chronologischen und vor allem emotionaleren Version funktioniert hätte.
Man mag sich darüber streiten, ob die Stilmittel des Regisseurs nun gleichzeitig das Bild dieser Frau widerspiegeln und man mit dem Einsatz der Musik ihre Gefühlslage portraitiert, die den Zuschauer gleichermaßen immer dann wieder aus dem Konzept reißt, wenn dieser anfängt, sich langsam mit der Story anzufreunden und der ganzen Sache Sympathie abzugewinnen.
Nicht nur deshalb hab ich mich unglaublich schwer damit getan, in diese Story einzutauchen und empfand es eher als extrem trockene Kost, die schwer verdaulich ist – allerdings auch ein emotional schwer verkraftbares Ereignis ausleuchtet und die innere Zerrissenheit dieser Frau aufzeigen möchte.
Mit Sicherheit findet der Film seine dankbaren Abnehmer und landet in politisch interessierten Kreisen auf den Rankings weit oben, nicht zuletzt wegen Portmans Darbietungen, allerdings sollte man sich beim Schauen immer dessen bewusst sein, dass das hier ein Drama und kein Freudenfeuer ist und man eine zutiefst erschütternde Story aufgerollt bekommt, die aus einer Warte heraus beleuchtet wird, die bislang nicht die erste Wahl der Berichterstattung gewesen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich harte, teils trockene Kost in einem Genre, dass sowieso kaum Emotionen zulässt und es darum auf dem allgemeinen Markt extrem schwer haben wird.
Wer sich speziell für Politiker interessiert, bekommt hier natürlich einen heißen Braten vorgesetzt, der historisch-wichtige Ereignisse wunderbar umreißt, jedoch hat mir persönlich die gewählte Art der Erzählung kaum zugesagt und eher Entsetzen abgerungen als emotionale Sympathie mit den Menschen aufgebaut, um die es ging.
Man sollte sich definitiv vorab informieren und evtl. auch Filmausschnitte gesehen haben, damit man am Schluss nicht enttäuscht von dannen zieht.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, nach der Abblende darf man sich also wieder nach draußen verziehen.
Kinostart: 26. Januar 2017

Independence Day: Wiederkehr (3D)

Jüngst hatte ich es ja schon angekündigt, bei diesem Film aktuell wieder getestet: Es wird Zeit, sich wieder mal über die Wahl des richtigen Kinos zu unterhalten, denn mit Independence Day: Wiederkehr schickt Roland Emmerich erneut seinen Bühnenhit auf Zuschauerjagd und holt somit jung und alt zurück ins Kino.
Ich habe das Ganze nun in drei verschiedenen Kinos getestet und bin zu dem Schluss gekommen, dass es an der Zeit ist, technische Werte aus den tauglichen Sälen rauszukitzeln und euch mitzuteilen, denn was so manch einer hier als Kino bezeichnet ist auf deutsch gesagt eigentlich nur eine ziemlich derbe Zumutung.
Es ist ja mittlerweile bekannt, dass ich für jede Vorstellung gemütliche 120-150 km zurücklege (eine Strecke), und was bei mir bereits in Mark und Bein übergegangen ist, muss bei so manch einem vielleicht noch gefördert werden.
Wenn euch aus den Lautsprechern eures Kinos die sensationelle Neuheit des Dolby Stereo anschreit und ihr beim Kauen des Popcorns öfters Pause machen müsst, damit ihr die Ansage auf der Leinwand versteht, dann ist das nicht Kino in dem Sinn, wie sich die Publikationsmeister dieses Actionspektakels das vorgestellt hatten.
Mittlerweile läuft ja in einigen Kinos bereits das legendäre Dolby Atmos, wo man anschließend wirklich nur noch jemanden finden muss, der auch versteht, das ein schlechter Film durch zusätzliche Lautstärke doch noch Spaß machen kann. Alle anderen sollten wissen, dass Bass rumsen muss, dass sich einem der Magen durchaus physisch gerne mal durchgeschüttelt vorkommen darf, wenn etwas größeres vom Himmel runterkracht und mit epischen CGI-Effekten den Staub hinter der Verschraubung der Kinosessel hervorholt. Und wenn dann das Bild auch noch gigantisch ist (und gigantisch heißt gigantisch und nicht einfach nur groß), dann kommen wir so langsam auf die Ebene, wo Independence Day: Wiederkehr in 3D so richtig Spaß macht.
Und ja, es macht tatsächlich einen Unterschied aus, ob man den Film auf einer 15x7m großen Leinwand oder auf einer 20x8m großen Fläche anschaut. Gute Bassboxen und plastischen Surround vorausgesetzt, der optimal abgemischt dann das unterstreicht, wovon man hier übermäßig viel Gebrauch macht: Superlativen.
Im Prinzip fangen die gleich mit der ersten Minute an und hören einfach nicht mehr auf. Im Gegenteil. Es bleibt episch. Aber eben nur, wenn man auch in einem Kinosaal sitzt, der sich dieses Attribut auch verdient. Bislang konnte ich nie verstehen, wieso es Menschen gibt, die lieber auf die Ausstrahlung auf ProSieben warten statt ins Kino zu gehen wenns in Richtung Action geht … als ich dann aber mal wieder in einem Fremdkino Platz genommen hatte und festgestellt, mit welchen Methodiken man hier versucht, die Leute zu verarschen, dann wurde mir klar, woher solche Aussagen rühren.
Also: Rafft eure müden Ärsche auf, sucht euch ein Kino, das vor Gigantismus sprudelt und dann geht dort in den größten Saal, bettelt die Betreuer an, dass sie den Titel ungefähr ein Drittel lauter machen als vorgeschrieben und dann hockt euch mitten rein und genießt die bombastische Show.
Alles andere funktioniert nicht.
“Ja, ich brauch das eh nicht so laut” => funktioniert nicht. Dann wirkt der Film nämlich nicht.
“Ja, bei mir ist das Kino aber nicht so groß und ich hab keinen Bock, so weit zu fahren.” => Lass es gleich bleiben, denn dann wirkt der Film nicht.
“So viel kann das jetzt auch nicht ausmachen.” Ähhhh – doch! Und zwar gewaltig.
Denn dieser Gigantismus ist das Einzige, wovon die Fortsetzung dieses Klassikers lebt. Und wenn der nicht aus den Boxen gepriesen wird, was bleibt dann, außer eine leere Hülle, in der alte Charaktere erneut aufeinandertreffen und quasi die Show wieder von vorn abspielen, nur dass diesmal eben die kongeniale Introduktion fehlt, die dem 20 Jahre alten Vorgänger seine Seele eingegeben hatte?
Eben. Nichts. Außer der Größe. Die man in einem kleinen Nischenkino nicht hat.
Also schaut euch entweder etwas anderes an, oder geht gleich in ein Kino, dass die Gegebenheiten vorhält und euch mit Größe erschlägt. Dann seid ihr auch nach diesem Film erschlagen und hattet euren technischen Spaß. In den beiden kleineren Kinos war dieser Film nämlich eher enttäuschend und erst in der absoluten Superlative hat er mir dann richtig Spaß gemacht.
Ob man nach 20 Jahren dann tatsächlich eine Fortsetzung oder Neuauflage haben möchte – beides wäre berechtigt und irgendwie bekommt man auch beides in gewisser Form geliefert – jedoch wird es meiner Meinung nach noch eine Weile dauern, bis sich auch der letzte Zuschauer an die neuartige Form von Film gewöhnt haben wird.
Und bis dahin erfreuen wir uns an geilen Effekten und pompösen Krachern aus den hoffentlich guten Boxen im Kino.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier gilt die Devise: Je größer, desto besser. Und lieber noch ein bisschen mehr Leinwand und alles noch etwas lauter.
Erst, wenns wirklich langsam ans obere Limit geht, erreicht man hier den Punkt, wo die gigantischen Superlativen auch wirklich gebührend zum Ausdruck kommen und nicht unwürdevoll in Handy-Manier runtergespult werden, denn Independence Day: Wiederkehr (3D) liefert hier wahre Größe und nichts, was fürs Heimkino geschaffen wäre … es sei denn, man hat 5stellig investiert und boxt somit alle umliegenden Kinos aus dem Ring.

 
Nachspann
kommt keiner, nach der Abblende wird man nur noch musikalisch verwöhnt.

Big Game

Die Österreicher spielen verrückt und in Deutschland hört und sieht man kaum etwas davon, und das, obwohl unser Land maßgeblich mit an der Gestaltung und Schöpfung des Films beteiligt war.
In Big Game passieren gewöhnlichen Leuten ungewöhnliche Dinge. Der Film kommt mit einer frischen Prise aufkeimender Neuschöpfung eines Genres daher, das Kinder der 90er heute wohl schmerzlich vermissen dürften.
Der finnische Charakter, der dem Film innewohnt, zeugt in gewohnt-heimeliger Manier von traditionellem Tiefgang nordischer Lebenskultur und versucht auf spielerische Art und Weise etwas rüberzubringen, was nicht ausschließlich belehrend, sondern eher unterhaltend wirken möchte.
Schauspielgrößen wie Samuel L. Jackson übernehmen hier eher untergeordneten Stellenwert, denn getragen wird die Geschichte von jemand ganz anderem.
Die Kulisse des Films ist atemberaubend. Wer öfters in südlicheren Gefilden unterwegs ist, wird sicher einige markante Wegpunkte wiedererkennen und von einem Blickwinkel aus betrachten können, die ihm bisher verwehrt blieben.
Das ganze Geschöpf könnte man als eine Art fortgeschrittenen Film mit Tendenz zur Familienunterhaltung bezeichnen, die klassische Züge eines 90er Films annimmt. Die Effekte sind teils sehr beeindruckend und für den bislang teuersten Film, den Finnland je hervorgebracht hat, ist Big Game zum Schluss dann doch richtig gut geworden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Allein schon die Naturimpressionen beeindrucken in ihrer Weise und die schauspielerischen Leistungen, die sich stark an die Zeit der 90er anlehnen möchten, sorgen dafür, dass Leute, die in dieser Zeit groß geworden sind, sich hierbei richtig gut fühlen.
Zu viel Professionalität sollte man diesem Machwerk aber nicht abverlangen, sondern sich eher an der teils komischen, teils unterhaltenden Sorte Film a la Stallone orientieren. Dann bekommt man ein Werk, das den Gang ins Kino schon allein der Effekte wegen lohnt.

 
Nachspann
Der löst auf, wer hier wo alles beteiligt war, das diesmal durchaus spannend zu lesen ist. Weiterführende Szenen oder Clips fehlen aber.

Pitch Perfect 2

Zu einer guten Show gehört gutes Aussehen, eine gute Performance und frische Ideen.
Drei Dinge, für die Elizabeth Banks durchaus steht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich ihr Gesicht richtig zuordnen konnte, hatte sie doch in Die Tribute von Panem die Rolle einer Show-Größe übernommen, aus deren Feder ein Werk wie dieses durchaus stammen könnte.
Der Film passt total zu ihrer schillernden Persönlichkeit und liefert hier einen Orgasmus an musikalischem Können und durchaus bewundernswerten Performances ab, die sonstige musikalische Bashing-Filme ruhig mal nebenan stellen können. Es wird gesungen, es wird getanzt, es werden Shows zelebriert, es folgen Abstiege und Aufstiege und auch die Art von Humor erinnerte mich immer wieder an Effie Trinket, die sie in den Hungerspielen darstellt.
Ein wenig verrückt, ein wenig neben der Spur, ein wenig lächerlich und dennoch nicht unverzichtbar – all das stellt Effie in Tribute von Panem – The Hunger Games dar und genau diese Charakterzüge macht sich Pitch Perfect 2 zu eigen.
Wer hier Spaß haben will, der sollte schon vorher für Bühnenfilme etwas übrig gehabt haben, auch wenn sich hier nicht das klassische Vorbild in uninspirierter Art kategorisch auf der Bühne abspielt. All zu ernst sollte man den Film aber dennoch nicht nehmen, denn hier wird kein monströses Mega-Kino geschaffen, sondern einer Form von Musik Stimme verliehen, die sonst keiner so wirklich aufgreifen und fördern möchte.
Und genau das reißt einen dann doch in die Geschichte rein. Wäre die Musik nicht so verdammt gut, könnte der Film nicht existieren und würde eher die jüngere Klientel unterhalten, die hier mit billigen Jokes und merkwürdigen Pointen durchaus zu Lachern gezwungen werden, für die erwachsenere Menschen weniger übrig haben dürften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer akzeptiert, dass hier Musik die Schnauze vorne hat, der wird dadurch gut unterhalten.
Liebhaber von gut ineinander verflochtenen Geschichten oder sinnigen Plots sollten eher zu was anderem greifen, denn dieser Punkt geht hier eindeutig an die Konkurrenz. Alle anderen erleben musikalisches Können, das auf der Leinwand durchaus richtig Spaß macht.

 
Nachspann
sollte man abwarten, hier wird’s nochmal richtig lustig.

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