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Tag: Provence

Das Mädchen, das lesen konnte

© 2018 Film Kino Text

1851 ist nun schon ein wenig her. In Kürze feiern wir den Übergang ins Jahr 2019 … eine große Zeitspanne, in der manchmal gar nicht so viel anders geworden ist.

Das Mädchen, das lesen konnte trumpft mit einer „Idee“ auf, die tatsächlich sehr spannend ist und deren Erörterung sicherlich extrem viel Spaß machen kann. Jedoch befürchte ich bei diesem zeitlichen Abstand, dass viele eben nicht mehr wirklich den Anschluss an das Geschehen finden. Hier werden nämlich Probleme offenbar, die tatsächlich etwas mit „Ungleichheit“, „Freiheit“ und dergleichen zu tun haben. 167 Jahre sind nun mal kein Pappenstiel, wo viele schon mit einem 30-Jahres-Zeitraum ihre lieben Schwierigkeiten haben.

Und da der Film tatsächlich Anschluss an dieses Jahrhundert findet und wahre Probleme aufzeigt, ist es als Zuschauer zwingend erforderlich, sich mit dieser „Einfachheit“ auseinanderzusetzen und damit in gewissem Maße klar zu kommen. Und dabei hatte auch ich meine lieben Schwierigkeiten.

Nicht von der Hand zu weisen ist aber der Inhalt, denn der Gedanke, der im übrigen auf dem autobiografischen Werk der tatsächlichen Frau basiert, ist wahrhaftig interessant und den würde ich zu gerne in heutiger Zeit mal durchexerziert sehen. Dazu war mir der Film aber zu sehr im „falschen Jahrhundert“ und die Thematik zu abgedriftet, um reale Bezüge und sinnvolle Verknüpfungen herstellen zu können, die sich auch mit der heutigen Problematik auseinandersetzen.

Und den geistigen Aufwand, der der Zuschauer absolvieren muss, um hier vollends aufzugehen, bringen eben standardisiert die wenigsten mit.

.kinoticket-Empfehlung: Eine echt abgedrehte, wahre Geschichte, basierend auf dem autobiografischen Werk von Violette Ailhaud.

Stellt zu wenig Bezug zur heutigen Zeit dar und macht es einem schwierig, darin einzutauchen, da weder die Umstände, noch die „Technik“ dahinter mit irgendetwas belohnen, sondern hier echte Denkarbeit vor einem liegt. Das macht diesen Film zur schweren Kost, auch wenn die Grundidee eigentlich total spannend ist…

Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Le Semeur
Length: 98 Min.
Rate: FSK (tba)

Augenblicke: Gesichter einer Reise

Nouvelle-Vague-Regie-Ikone Agnès Varda und Streetart Künstler JR haben sich zusammengetan und eine Reise angetreten, in der es um die sinnlichen, herzergreifenden und seelisch intimen Momente von Menschen aller Art geht. Dieser Film ist eine Perle – eine Augenweide für die Seele und das Herz. Er erweicht jeden noch so knochenharten Betonbrecher und öffnet das zärtlichste aller Organe ganz wie von selbst.
Dass ich als Kamerabenutzer etwas für Fotografie übrig habe, ist offensichtlich. Dass ich mich für Kunst und geistreiche Kreativität begeistere, hat man wohl auch schon aus dem ein oder anderen Beitrag herausgelesen. Mich hat Augenblicke: Gesichter einer Reise voll erwischt! Dieses Projekt ist der reine Wahnsinn und es wurde zurecht auf den wichtigsten Verleihungen als beste Dokumentation nominiert und sogar mit Preisen ausgezeichnet!
Das, was die zwei hier angehen, einfach anzusehen ist schon absolut ergreifend. Diese Reise als Zuschauer mit anzutreten und in die geheimen Höhlen menschlicher Existenz vorzukrabbeln um darin die pure Schönheit zu entdecken, ist ein wahres Juwel, dass dieses Werk jedem Zuschauer einfach so in die Hände legt. Die Künstler verstehen ihr Handwerk bestens und es ist faszinierend, bewegend und überwältigend zugleich.
Auch Kunstbanausen und solche, die mit “Art” und “französischen Begriffen” absolut nichts anfangen können, holt der Film an ihrem Standpunkt ab und vermittelt ihnen etwas, dass wirklich jeder versteht und an dessen Ergebnissen sich tatsächlich jeder erfreuen kann. Es gibt also keine Ausreden, die Freundin nicht zu begleiten.
Diese Vielfalt, die Schlupflöcher in die Gefühlswelt der Menschen und die selbst auferlegten Regeln der zwei sind wunderbar und schöpfen hier das wahre Ich aus jedem einzelnen der Protagonisten.
Zu erleben, wie Menschen mit eigentlich einfachsten Mitteln die besten Seiten aus ihren Mitmenschen heraus kitzeln, sollte jedem ein .kinoticket wert sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Selten habe ich etwas so wunderschönes und einfühlsames gesehen, wie das hier: Kunst, Ästhetik und Schönheit auf den Punkt gebracht und zur Vollkommenheit geführt.
Zwei großartige Menschen haben sich auf den Weg gemacht und aus der Welt etwas geholt, um es in dieser großartigen Dokumentation jenem Planeten zurückzugeben und zu zeigen, dass die Menschheit manchmal eben doch ganz anders ist. Man muss einfach nur hinschauen … und hier und da ein wenig zuhören.

 
Nachspann
✅ Sollte man mitnehmen, es hört erst auf, wenn’s wirklich alle ist 😉
Kinostart: 31. Mai 2018

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