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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Punk

Berlin Bouncer

Berlin Bounce

© 2019 farbfilm verleih GmbH

Ich möchte euch gar nicht zu viel verraten, am liebsten noch nicht mal, woher ihr David Dietl zuletzt kennen solltet: Denn das würde eure Wahrnehmung und Einschätzung schon wieder viel zu sehr in die falsche Richtung beeinflussen. Zumindest, was diese “Dokumentation” angeht: Die ist fürstlich komisch, seelennah und spiegelt ein originelles, authentisches und liebevolles Porträt einer Stadt und deren Menschen wieder.

Und nein, es liegt ganz sicher nicht an meiner sowieso bestehenden “Berlin”-Macke, dass ich zu dieser Stadt ein favorisiertes Verhältnis habe und die schönsten Stunden meines Lebens mit ihr verbinde. Die Pressevorführung wurde u.a. in München abgehalten und den Münchnern hat dieses Werk genauso positiv zugesagt wie mir.

Es liegt ganz sicher an den Menschen. Das hier sind Originale. Nicht austauschbare Originale – und damit wertvolle Leinwandfracht, die es selbst in den bestbezahltesten Hollywood-Blockbustern so nicht mehr gibt. Doch nicht nur das macht Berlin Bouncer zu einem einzigartigen Stück, sondern auch die Kulturdurchzogenheit und Einblicke in vergangene Zeiten, Sehnsüchte, Persönlichkeiten – eine Sparte, die man zwar kennen kann, aber von der in den Tagesthemen niemals die Rede sein wird und die damit dennoch gewissermaßen einem Underground-Kult angehört, der in dieser Stadt exzessiv gelebt wurde und wird.

Und ob ihrer unvergleichlichen Art schließt man die Darsteller/Protagonisten auch komplett in sein Herz und erlebt diesen leichten Frohsinn und das Zukunftsstrebende, eine Lebensweise, die man nicht so häufig im stressbehafteten Alltag antrifft und die darum umso mehr Freude bereitet.

.kinoticket-Empfehlung: Nach diesem Ding ist man irgendwie beflügelt, positiv überschüttet und mit Freude und Heiterkeit gesegnet, wenn man das Kino wieder verlässt.

Die Berliner Kulturabgründe, die sich im Rahmen diverser Geschichten hier auftun, befriedigen Nostalgie, Zeitwert-Gefühle und sind informativer Neugier-Natur, die ein unvergleichbar wunderbares und herrliches Bild einer Stadt und ihrer Menschen abzeichnet.

Definitiv sehenswert!

Nachspann
❌ muss man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Berlin Bouncer
Length: 87 Min.
Rated: FSK 12

Alexander McQueen – Der Film

Alexander McQueen
© 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

 

“Man muss die Regeln kennen, bevor man sie bricht. Dafür stehe ich: Die Regeln zerstören, die Tradition bewahren.“
(Alexander McQueen)

Mit diesem wunderbaren Zitat bringt es der Modeschöpfer quasi schon auf den Punkt: Dieser Film ist ein extravagantes Beispiel eines Wesens, dass nicht in die üblichen Klischeeschubladen dieser Welt passt und sich daher zur Aufgabe gemacht hat, über „Enfant terrible“-Avancen die Welt zum Hinschauen zu bewegen: Seine Shows stehen für Ausgefallenes, Provokation, Schock.

Sein Leben passt wunderbar in den „Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll“-Slogan, seine Werke erinnern an Punk innerhalb einer morbiden, unerreichbaren und völlig abgehobenen Welt, in die diese schockierende Andersartigkeit eigentlich nicht rein gehört.

Und genau das war sein Ziel: Die Menschen zu verstören, ihnen etwas zu bieten, das gleichermaßen anziehend und distanziert wirkte und eines garantierte: Aufmerksamkeit. Nicht umsonst gehört die Spätausstellung über sein Lebenswerk heute zu den erfolgreichsten Installationen aller Zeiten.

In der Kinowelt verbindet man „Laufsteg“ wahrscheinlich immer noch mit den Strichmännchen aus Heidi Klum‘s Show auf ProSieben und dem dazugehörigen Niveau, von dem sich viele bereits abgewendet haben.

Alexander McQueen – Der Film beweist, dass es nicht überall so zugehen muss und zieht relativ schnell in seinen Bann: Dieser Mann war außergewöhnlich und der Film ist ein Versuch, dem gerecht zu werden, der das Publikum in meinen Augen definitiv erreicht.

Das bedeutet: Auch wenn man für Mode und derlei Shows sonst nichts übrig hat, bietet dieser Streifen unfassbares Unterhaltungspotenzial und zeigt Stücke, die durch Ausgefallenheit begeistern. Der Gang ins Kino ist also auf jeden Fall lohnenswert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Auch Mode-Banausen können ihren Spaß an diesem Werk finden: Die Geschichte um diesen Mann erzählt viel über die Gesellschaft, in der er aufwuchs und lebte.

Dieses Portrait über ihn versucht sich an genauso stilbrecherischen Methoden, wie er es seinerzeit mit Mode tat und ist damit auch für Freunde des Kinos ein optisches Schmankerl, dass den Eintrittspreis definitiv wert ist.

 

Nachspann
✅ darf man noch mitnehmen, hier werden noch einige krasse Schöpfungen von Alexander gezeigt.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: McQueen
Length: 111 Min.
Rate: FSK 12

Happy Burnout

Ich bin kein Wotan Wilke Möhring Fan, habe mich aber trotzdem auf diesen Film gefreut. Meine Einstellung zu deutschem Kino ist ja weithin bekannt, und umso erstaunlicher ist es, dass die Produzenten es tatsächlich geschafft haben, mich mit ihrem Werk allgemeinhin zu überzeugen.
Es mag etwas absurd klingen, dass man Möhring hier die Assi-Rolle zugesprochen hat und ARD als auch ZDF diesmal nicht mit ihm Boot waren, zumal ich denen diese Art der Personenausgestaltung eher zugetraut hätte.
Ich weiß nicht, woran es liegt – ob vielleicht daran, dass man dem Schauspieler nun endlich kreative Freiheit zugestanden hat – denn die Art, wie er hier aufblüht, sucht seinesgleichen. Möhring geht in seiner Rolle derart auf, dass es bereits nach kurzer Zeit wahnsinnig Spaß macht, seinen Eskapaden zu folgen.
Der schnittige Humor und die sarkastischen Spitzen sind fast schon zu gut für deutsches Kino. Man sitzt drin und fragt sich die ganze Zeit, wie es möglich ist, dass deutsche Produzenten so etwas tatsächlich durchboxen. Hier zahlt sich nun aus, dass die biederen Öffentlich-Rechtlichen ihre Finger eben doch nicht im Spiel hatten.
Die ganze Gestaltung der verschiedenen Charaktere und deren konsequente Beibehaltung lockern die Geschichte nicht nur auf, sondern geben dem Film das gewisse Etwas.
Hier haben sowohl Drehbuchschreiber als auch Regisseur gemeinsam mit den Schauspielern großartige Arbeit abgeliefert.
Einzig das Ende hätte ich mir persönlich ganz anders gewünscht, was ich jetzt aber mal den verschiedenen Geschmäckern zuschreiben möchte und nicht als Negativpunkt anführen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Am Schluss steht man vor einem deutschen Film, der einen wirklich begeistert hat und als absolut positive Überraschung gilt.
Das Schauspielerensemble ist hervorragend ausgewählt und spielt zusammen wie ein Uhrwerk. Der Film hat Witz, Charme und auf eine gewisse Art und Weise auch Niveau.
Für mich eines der besten Beispiele, was passieren kann, wenn man deutsche Schauspieler aus den Fängen traditioneller alter Menschen entlässt.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf den Saal also getrost und ohne Scham verlassen.

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