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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Ralph Fiennes

The Lego Batman Movie (3D)

Als bekennender Fan der neuen Batman-Filme und Liebhaber von Blockbuster-Action war es für mich quasi schon fast Pflicht, diesen Titel hier zu konsumieren. Meine Erwartungen nach den Trailern waren extrem hoch. Und wurden bereits in den ersten Sekunden übertroffen.
The Lego Batman Movie punktet nicht nur mit hervorragendem 3D, einer stilsicheren Parodie auf so ziemlich alle (Superhelden)Filme, die mir je untergekommen sind, sondern thematisiert auch auf wundersame Art und Weise die tiefgründige Botschaft, die uns in den legendären Nolan-Filmen nähergebracht werden sollten.
Somit hat dieser Geniestreich bei mir eine derartige Punktlandung hingelegt, die nicht nur die Komödienerwartung vollends befriedigt, sondern auch in allen anderen Belangen mit seinen ernstgemeinten großen Brüdern gleichzieht. Es bleibt bis zum Schluss spannend, ist hervorragend animiert und auch Filmunwissende haben zeitweilig wirklich ihren Spaß.
So richtig zum Tragen kommt die volle Ladung natürlich erst, wenn man ansatzweise ein paar der satirisch-interpretierten Originale kennt, aber bei der Menge, die man sich hier vorgeknüpft hat, sollte einem mindestens 20% der Filme bekannt sein, selbst wenn man “eigentlich gar nie TV schaut”.
Somit reiht sich diese kommerzialisierte Variante von Spielzeug auch wieder in die Reihe der funktionierenden Unterhaltungsstreifen ein und bastelt nicht nur einen funktionierenden Plot, sondern ebenfalls jede Menge Grinsen auf die Gesichter der Zuschauer, denn endlich gibt es mal wieder was zu lachen, das modern, großartig und nicht unter der Gürtellinie ist.
Und beileibe: Die Jokes sind durchaus gelungen und haben selbst mir als Comedyfilm-Hasser ständig Lacher aus dem Bauch gerissen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein legendäres Spiel mit den bekannten Figuren des DC-Universums, das meinen Geschmack einer guten Satire in diesem Genre durchaus getroffen hat.
Ich hatte den ganzen Film über richtig Spaß und musste mehrfach über die Einfälle lachen, die uns hier von Seiten der Macher präsentiert wurden.
Unterhaltungsspaß für die ganze Familie, da nicht nur kleine und noch kleinere, sondern auch Erwachsene voll auf ihre Kosten kommen. Das hat man dem Kinosaal auch deutlich angemerkt.

 
Nachspann
ist animiert und darf gern noch eine Weile angeschaut werden, bevor man aus dem Saal rennt.

Kubo – Der tapfere Samurai

Wenn der Titel wie hier nicht gerade anmutig klingt, sondern eher einem schlechten Kinderbuch entsprungen zu sein scheint, dann ist es Zeit, darüber aufzuklären. Kubo – Der tapfere Samurai erzählt nicht etwa die Heldengeschichten aus Fernasien, die jeder an dieser Stelle erwarten würde, sondern entwirft und vervollständigt ein cineastisches Konzept, dass man im Rausch der allgegenwärtigen Wiederholungen und Einfallslosigkeiten der letzten Jahre so lange nicht erlebt hat.
Dass hier wohlweislich Kindern der Vorzug des präferierten Publikums gewährt wird, ist mehr als Randerscheinung denn als Wille anzusehen, denn selbst Erwachsene finden sich hier in einer unglaublichen Erzählung wieder, die nicht nur mit einem unfassbar kreativen Plot, sondern auch einer herrlich-gemütlichen Umsetzung punkten kann.
Die Herzlichkeit, mit derer man sich dieser Geschichte angenommen hat, sprudelt förmlich aus allen Ecken und hinterlässt nicht nur bei mir markante Spuren von Sympathie und Zuneigung.
Dabei wird sowohl sprachlich als auch in der Kontinuität wahrhaftes Können bewiesen. Das Attribut “Kinderfilm” würde ich dem Werk – wäre es nicht so unfassbar gut für Kinder geeignet – komplett absprechen, um die erwachsen-gleichgültige Abwertung zu verhindern, die man als älterer Kinozuschauer dabei entwickeln könnte.
Die Einfälle, derer man sich hier bedient, die liebevolle Umsetzung, der komplett eigene Stil – das ganze Arragement ist derart mit sich selbst im Frieden, dass nicht nur die Moral der Geschichte etwas wertvolles vermittelt, sondern der gesamte Film diese defensive, unglaublich friedliche Kultur nachempfindet und durch kreative Freiräume erst richtig zur Geltung bringt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz ehrlich: Wer wieder mal einen richtig sehenswerten Film anschauen möchte, der sollte diesen Titel auf seinem .kinoticket stehen haben, denn der Abend (oder besser Nachmittag) ist durchaus gerettet, während man sich in den Gedankengängen der Macher befindet.
Und sollte tatsächlich jemand mit der Storyline unzufrieden sein, findet er hier genügend andere Dinge, die den Film zu etwas unglaublich Sehenswertem machen, denn dieses Konzept funktioniert und bedient sich dabei nicht aus vielerlei Quellen, sondern glänzt durch authentisches, spannendes und einfallsreiches Kino.
Daumen hoch – davon darf gerne mehr kommen!

 
Nachspann
sollte man auf jeden Fall abwarten, denn der hat es in sich und enthält mega spannende Einblicke, die man definitiv nicht verpasst haben sollte.

Hail, Caesar!

Die Zeiten, wo man sich über tiefsinnige Fehlbeiträge auf den deutschen Kinoleinwänden beklagen konnte, sind vorbei. Mit Hail, Caesar! geht ein weiterer Film ins Rennen, dem ich das Prädikat zuspreche, von Hollywood für Hollywood gemacht worden zu sein.

Massentaugliche Unterhaltung ist etwas völlig anderes. Im Ernst: Hier werden Arbeitsweisen auf den Tisch gebracht, die so mancher Regisseur wohl leidlich kennen dürfte, die aber eher persiflierend von der Meute der Filmschaffenden auf die Bildfläche projiziert wurde, um mit nicht funktionierender Unterhaltung eines zu tun: zu unterhalten.

Die Selbstironie, mit der man das Filmbusiness damit aufs Korn nimmt, zeugt von extrem hoher Qualität und sorgt im Vorbeigehen dafür, dass nicht nur die Kinozuschauer fluchtartig den Saal verlassen, sondern auch die Vorstellungsanzahl rapide abnimmt, wenn man sich die Spielpläne einiger Kinos mal näher betrachtet.

In meinen Augen geschieht beides völlig zu unrecht, da hier doch mit einer enorm großen Portion Verstand an die Sache rangegangen wurde und man im Stile großer Abendunterhaltung à la arte ein Portfolio an funktionierenden Gags und cineastischem Flair geschaffen hat, bei dem nicht nur George Clooney überzeugend wirkte.

Vielleicht liegt’s auch einfach nur daran, dass Josh Brolin einfach schauspielern kann und mit seiner selbstfinderischen Art den Film zusammenhält wie sonst kein anderer. Das Ganze als ein Art Geschichte zu bezeichnen, grenzt in meinen Augen schon fast an Sünde. Es von der Leinwand zu nehmen oder – wie in vielen Fällen – gar nicht erst abzuspielen, genauso.

Hail, Caesar! ist ein Werk, das zeitlich vollkommen richtig platziert wurde und im Zuge der Academy Award-Verleihungen auch nochmals unterstreicht, dass man in Hollywood nicht ausschließlich Filme produziert, um Kohle zu scheffeln, sondern hier und da auch künstlerisches Können publiziert, um Liebhaber selbiger zu unterhalten.

Dieser Film mitsamt seinem Charme, seiner verdrehten Art und den selbstironischen Partikeln, die explodierend überall durch die Luft fliegen, gehört für mich jetzt schon zu den Errungenschaften, die viele Samstag Abende gekonnt in ihren Bann ziehen und für die “Bettlektüre” taugen.

Eine tiefe Verbeugung vor dem Hollywood vergangener Tage und zugleich eine Selbstbeweihräucherung eigener Fehler, die man hier offen im Film eingesteht und gekonnt in Szene setzt.

Dass der Zuschauer dabei noch lachen kann, ist quasi der Bonus oben drauf.

.kinoticket-Empfehlung: Sollte jemand tatsächlich noch ein Kino finden, dass dem Massenwahn der aktuellen Blockbuster noch entgegenwirken kann und diesen Titel tatsächlich in seinem Programm führt, sollte man schleunigst die Chance nutzen und sich das Werk gemeinsam mit einer Handvoll erlesener Kunstkenner zu Gemüte führen.

Denn nirgendwo macht Film schauen so viel Spaß, wie im Kino – für das Filme gemacht worden sind.

Und wer noch eine Portion mehr Glamour benötigt, um reinzugehen: Bitteschön.

Alden Ehrenreich * Ralph Fiennes * Jonah Hill * Scarlett Johansson * Tilda Swinton * Channing Tatum * Christopher Lambert * Dolph Lundgren …

Nachspann
❌ Wer braucht schon einen Nachspann, wenn er einen guten Film gesehen hat, hm? Ganz genau!

Kinostart: 18. Februar 2016

Original Title: Hail, Caesar!
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

James Bond 007: Spectre

Heiß herbeigesehnt, mittlerweile von Millionen Menschen bereits gesehen: Hier kommt nun endlich die lang gewünschte Rezension zu James Bond 007: Spectre.
 
Dass James Bond in einer anderen Liga agiert als alle anderen Filme, wissen wir jetzt bereits seit 1962. Immer wieder wurde mit dem Schaffen seiner Filme gezeigt, dass man sich hier völlig aus dem sonst üblichen Blabla aus Hollywood ausgliedert und eine eigene, völlig vergleichsfreie Messlatte anlegt, an der all seine Filme zu bewerten sind. Kein Kritiker käme auf die Idee, einen Bond mit etwas anderem zu vergleichen – nicht nur, weil der Vergleichsfilm chancenlos absacken würde, sondern weil man mit Bond selbst keinerlei Ansprüche erhebt, vergleichbar zu sein.
Sind bei anderen Filmen die Auswahl der Darsteller mehr oder weniger nebensächlich, entwickelt sich das bei Bond schon fast zur religiösen Zeremonie, an der sich hinterher ganze Kulturkreise orientieren und wild darüber spekulieren, wer nun der bessere und wer der schlechtere Bond ist.
Ich bin ein Kind, das in den 90ern aufgewachsen und folglich mit Pierce Brosnan ganz grün geworden ist. Unschwer vorzustellen, dass ich mit der Verkündung von Daniel Craig anfangs wirklich meine Schwierigkeiten hatte, was sich nicht nur dadurch äußerte, dass ich mich vehement weigerte, mir seine Filme anzusehen.
All dies änderte sich mit Skyfall, den ich dann auch zum Anlass nahm, mir die vorherigen Craig-Streifen am Stück reinzuziehen, um wieder auf dem Laufenden zu sein.
 
 
Das Problem des Reboots
Mittlerweile sind wir beim 24. Bond-Film angelangt, was allein an sich schon unvergleichbar mit anderen Filmreihen ist. Nicht nur die Höhe des Budgets, das sich vom 1. Film mit 1.3 Millionen US$ mittlerweile auf unvorstellbare 300 Millionen US$ gesteigert hat, sondern auch die weltweite Bekanntheit und markenträchtige Schwere innerhalb unseres Planeten sind bis dato unübertroffen.
Mit Craigs erstem Film Casino Royale wurde ja irgendwie ein Reboot der Bond-Reihe eingeführt, was uns wieder zurück an die Anfänge des fiktiven Spions stellt und quasi den Schauplatz komplett neu eröffnet.
Und genau hieran stören sich meiner Meinung nach viele Zuschauer unserer Zeit: Wir sind viel zu Bond-verwöhnt, um uns wieder mit einfacheren Dingen zufrieden zu geben. Die Superlativen wurden bei jedem Bond-Film wieder und wieder ausgereizt und übertroffen, so dass man irgendwann in Höhen ankommt, die die Realität verlassen und beginnen, lächerlich zu wirken (was man dieses Jahr gezielt an Fast & Furious 7 erleben konnte: Geile Action, aber absolut übertrieben).
Genau auf diesen Zug wollten die Macher des aktuellen Films nicht aufspringen. All dies äußerte sich schon am Trailer, der eben relativ unspektakulär über die Leinwand flimmerte und im Prinzip nichts anderes sagen musste, außer: “Es gibt einen neuen Bond, geh rein.”
Und genau das tut die Menschheit: Sie geht rein. Nicht nur in Großbritannien (der Heimat des Spions) spielte der Film ein Rekordergebnis ein, sondern auch in vielen anderen Ländern dieser Welt hat er jetzt schon Rekorde gebrochen.
Die Mitarbeiter des Kinos und Security-Beauftragten haben sich hinterher mit mir darüber unterhalten und gemeint, dass viele negative Kritiken der Zuschauer laut wurden, dass die Richtung, in die sich Bond entwickelt, zu düster sei, zu unspektakulär, zu wenig witzig.
Mit Skyfall hat man in meinen Augen auch einen stimmungstechnischen Düsterness-Grad erreicht, der fast schon an The Dark Knight und dessen Größe erinnert und mit einigen Geschehnissen mächtig in der Welt von Bond aufräumt. Das finde ich jetzt aber nicht unbedingt schlecht, sondern sehe es eher als eine Art Auftakt in neue Gefilde, die unsere Zeit widerspiegeln und nicht krampfhaft versuchen, die 60er oder 70er mit ihrem authentischen Humor und spitzfindigen Charme in dieses Jahrzehnt zu kopieren.
Genau das rechne ich Craig hoch an: Er macht sein Ding (auch wenn er immer sagt, er will nicht) und kreiert eine neue Art von Bond, die eben nicht nur auf Witz und Humor aus ist, sondern sehr viel mehr auf Emotionalität geht und damit auch die menschlichen Züge des Spions zur Geltung bringt. In Spectre findet er langsam wieder zu sich, die Stimmung wirkt gelöster, lockerer – ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen, man spürt, dass er langsam Spaß am Agentenspiel zu haben beginnt, aber er ist sich seiner Sache klar und liefert ein Ergebnis, das wieder Lichtblicke in die Düsterness bringt, die man mit den vorherigen Streifen eingeführt hatte.
Gerade bei Charakteren wie Q oder M (meiner Meinung nach top besetzt) merkt man doch, dass irgendwo versucht wurde, Bond nicht altern zu lassen, damit noch genügend Spielraum für viele weitere Filme bleibt, in denen sich die Zuschauer suhlen und das Schauspiel genießen können.
Ob Craigs Unlust jetzt nun perfektes PR-Marketing (die Leute reden immerhin über ihn und Bond) oder tatsächlich wahr ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Spectre bricht Rekorde und beweist damit, dass die neue Richtung, die man mit der geschichtlichen Bereinigung der Filmreihe begonnen hat, die richtige war.
 
 
Komposition, Sound, Atmosphäre
Spectre setzt hier ganz klar nicht auf Action, Superlativen-Hype oder anderes Imponiergehabe, sondern eher auf eine breitflächig solide Fundierung, die sich nicht zuletzt in den Tönen dieses Films widerspiegelt. Der Soundtrack (ich muss ihn haben!) und Score dieses Films zeigt einmal mehr, dass hier nicht nur Potenzial liegt, das ausgeschöpft werden kann, sondern man mit dem Komponieren der Musik selbst völlig neue Dimensionen erschafft, die man danach selbst erklimmt.
Die Trächtigkeit, das subtile Andeuten bekannter Melodien, die sich längst als eigene Marke in jedem Kopf dieser Welt fest eingebrannt haben, all das wurde wunderbar umschifft, umspielt und liebevoll in unsere Ohren gelegt und damit soundtechnisch eine Basis geschaffen, auf der sich Bond exzellent ausbreiten und seine Geschichte neu formieren kann.
 
Schau dir die Welt an: Chaos!
Dass Bonds Erlebnisse reine Fiktion sind, ist ja per Definition festgeschrieben. Dass sich die Macher mittlerweile aber nicht mehr nur an rühmlich erzählten Geschichten laben, sondern selbst zum Hinweisgeber aktueller Missstände mutieren, sei ihnen hoch angerechnet.
Einer der Punkte, die ich am aktuellen Film mehr als genossen habe: Die bitterböse, todernste Konfrontation mit aktuellen Problematiken, die im Sumpf der Verwirrung – angestiftet durch Medien, Politik und hirnbefreite Wutbürger – gerne mal im Tagesgeschehen untergehen. Szenen, in denen M spricht und Wahrheiten auf den Tisch legt, die sich jeder zu Gemüte führen sollte.
Während wir mit Asylpolitik, Flüchtlingen, Neonazis und Pegida, den Brüchen in der Einheit einer EU und anderen wichtigen Themen beschäftigt sein sollten, spielen sich hinter den Kulissen noch viel größere Themen ab – und die Welt geht ins Kino und schaut sich Bond an – ohne dabei hinzusehen. Und ich weiß nicht, was erschreckender ist: Die Realität auf der Leinwand und Offensichtlichkeit der Dinge, oder dass gerade das vom Zuschauer systematisch ausgeblendet wird mit der allzeit funktionierenden Lüge eines “Das ist doch nur Film”, denn genau das ist es nicht: Nur ein Film.
Spectre ist der wirtschaftlich perfekte Beweis einer Offenlegung dessen, was in unserer Zeit mehr denn je schief läuft und dringend von der breiten Bevölkerung mit Aufruhr und Erregung angegangen werden sollte, statt sich mit billigen Parolen abzugeben und hier und da ein bisschen “Meinungsfreiheit” daherzuplappern.
Dass genau dieses öffentliche Denken immer mehr in die Wirtschaft abrutscht, sieht man allein schon daran, dass bei der Werbung vor dem Film absolut jeder seine Hausaufgaben perfekt gemacht hat.
Im Ernst – ich hatte bereits während dem Werbeblock so meine Zweifel, ob es der Film hinterher noch bringt, ein noch höheres Niveau anzuzetteln, oder man hier gnadenlos in der Marketing-Perfektion versinkt. JEDER Trailer – selbst von vorher bekannten Produkten oder Diensten – wurde neu komponiert und glänzte mit einem hoch angesiedelten Niveau, das mich einfach nur erstaunt zurückließ. Es hatte fast etwas magisches und mir war bereits nach wenigen Minuten klar: Die Industrie hat ihre Hausaufgaben mehr als erledigt! Superbowl-Niveau!
Die Frage ist also: Bleiben wir dabei, passive Zuschauer zu sein und uns über Dinge aufzuregen, die schlichtweg belanglos sind, oder schließen wir uns als Masse den Gedanken an, die großartige Filmemacher auf die Leinwand schmeißen und damit nicht nur an unsere Menschlichkeit, sondern an Verstand, Vernunft und andere ethische Aspekte appellieren?
 
Der angekettete Löwe schreit, die wahre Macht aber liegt in der Ruhe!
Kritikpunkt der einen, Lobesangelegenheit von mir: Die offensichtliche Ruhe, mit der man hier ins Gericht zieht.
Jeder weiß, dass lautes Gebrüll oft nur die Vorankündigung von heißer Luft ist, wahre Macht besteht aus Ruhe und leisen Tönen. Und obwohl Spectre ein Werk ist, das nicht nur völlig neue Richtlinien in den Kinos und Köpfen der Menschheit setzt und sogar außerhalb vom Kino eine unglaublich wirtschaftliche Macht hat, wurde hier gezielt auf Ruhe gesetzt.
Leute, es gibt Szenen, in denen man als Zuschauer vor Respekt und Ehrfurcht erschaudert, in denen es völlig still ist. Genau diese machtschwangere, erhabene und überlegene Ruhe ist eines der Dinge, in denen sich Spectre mit Hingabe badet. Hier ziehen Soundtrack, Action-Anteil, Dialoge und Filmzeit gleichermaßen mit: Man wird geführt in eine neue Art von filmischer Gelassenheit, die das Wort “Größe” und “Gereiftheit” völlig neu definiert.
Und ganz anders als so mancher Wutbürger positioniert sich Bond hiermit auch wieder als ruhiges, gelassenes und reflektiertes Vorbild und zeigt, dass wildes Ausarten, hühnerhaftes Schreckgespenst-an-die-Wand-malen und andere Formen von künstlich herbeigeführter Panik wegen irgendwelchen Belanglosigkeiten nicht nur nicht erwachsen, sondern völlig unangebracht sind. Eine klar erteilte Rüge an Teile unserer Gesellschaft, ohne dabei mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern in erhabener Weise vorzuleben, wie es besser geht.
Und dafür meinen tiefsten Respekt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit Worten wie “Pflicht”, “Anschauen” und Co. brauche ich nicht um mich zu werfen: Das tut sowieso nicht nur jeder, sondern gehört zum guten Ton.
Was hier geboten wird, ist eine zu Recht rekordverdächtige Weiterführung einer neuen Ära Bond, deren Einzelheiten ich nicht nach nur diesem einen Film kritisieren und bewerten wollen würde.
Mein Tipp: Gebt Bond noch 5-6 Jahre, dann sind wir wieder auf einer neuen Hochblüte, in der wir alle gemeinsam über uns selbst hinauswachsen können und Werke erschaffen, die uns so richtig den Boden unter den Füßen wegknallen.
Spectre liefert dafür eine gelungene Grundlage, die noch lange keinen Anspruch darauf erhebt, selbst perfekt zu sein. Der Weg dorthin ist allerdings kein weiter mehr.

 
Nachspann
Die Musik …. schmacht …. und der obligatorische, fast schon verzichtbare Hinweis am Schluss … ach, bleibt einfach sitzen.

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