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Tag: Rebellion

Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats

Of Fathers and Sons

© 2019 Port au Prince Pictures GmbH

Talal Derki hat’s getan: Sein Leben riskiert, eine falsche Identität angenommen, andere Verhaltensweisen einstudiert, sich als jemand ausgegeben, der er nicht ist, sich mit Kamera über 300 Tage in der “Friendzone” einer Familie der al-Nusra-Front eingenistet und deren Alltäglichkeiten gefilmt.

Dieser Coup brachte ihm bereits 17 Preise, 19 Nominierungen sowie eine Oscar-Nominierung ein.

Und die ganze Welt hat nun die Chance, den “Fehler” der Academy wieder auszubügeln und diesen immens wichtigen Film dennoch zu schauen – denn der macht viele Diskussionen überflüssig.

Und kein Film dieser Art hat mich bisher mehr beeindruckt, als dieser.

Der Stoff ist harter Tobak. Extrem harter Tobak. Man wird mitten in die Dinge geworfen, die einem kein Medienvertreter zeigen, kein TV-Sender zur besten Sendezeit präsentieren kann, denn in diese geschlossenen Gelage dringt gewöhnlich niemand vor, ohne dabei seinen Kopf zu verlieren. Talal Derki hat seinen noch, aber auch nur, weil er in der Lage dazu war, sich als Sympathisant dieser grausamen Machenschaften auszugeben und dabei nicht aufzufliegen.

Das Material, das hier gesammelt und ungeschönt vorgeführt wird, wurde unter Einsatz seines Lebens zusammengetragen – und ich hab keine Ahnung, ob ich persönlich dazu in der Lage gewesen wäre, mit solchen Menschen zu speisen, zu beten, zu leben … über 300 Tage lang. Wohl eher nicht.

Umso mehr Respekt verlangt diese Tat mir ab, umso mehr verbeuge ich mich vor dem Risiko, dem sich dieser Regisseur gestellt hat – eine Welt zu erkunden, über die man im “Wilden Westen” unserer Breitengrade eigentlich wenig weiß.

Als jemand, der das Leben schätzt, der gleichzeitig aber auch alle Menschen erst einmal respektiert und in ihrer Kultur und ihren Bräuchen toleriert und der zugegebenermaßen keinerlei Ahnung vom Islam, IS, Terrorismus und Co. hat, weil mich das Thema bis dato offen gesagt nur “tangiert”, aber niemals aufmerksam interessiert hat, habe ich beim Sichten dieses Films nahezu Schockzustände bekommen, denn die bittere Wahrheit dieser Personen kommt in diesem Film abartigst zum Tragen.

Und ich verneine solcherlei Absichten, Durchführungen, Weltanschauungen und Taten aufs Schärfste, denn für solches Gedankengut kann und darf man keinerlei Verständnis und Toleranz aufbringen… und es ist mir bis jetzt immer noch ein Rätsel, wie dieser Regisseur in solch einem Umfeld ruhig bleiben konnte.

Of Fathers and Sons geht aber nicht um Abartigkeiten, sondern nimmt sich einer noch viel größeren Aufgabe an: Nämlich ein Bild zu zeichnen, dass nicht Schlag auf Schlag verurteilt und grausame Gräueltaten zur Schau stellt, sondern das Verhältnis eines Vaters zu seinen Söhnen darzustellen, die in dieser krankhaften Welt aufwachsen und mehr oder weniger gar keine Chance dazu haben, anderes Gedankengut kennenzulernen oder zu spüren, was echte Liebe überhaupt ist.

Das rechtfertigt überhaupt nichts, schafft aber sehr viel Denkstoff, zukünftig solche Personen anders zu bewerten und ihnen die “Menschlichkeit” nicht vollständig abzusprechen. Wie wärst du, wenn du so einen Vater hättest und dir keine Auswege blieben, um dich anders zu entwickeln? Was würdest du tun?

Fragen, die ich niemals beantworten möchte …

Das eigentlich grausame daran ist, dass es für diese Menschen normal ist, so zu handeln, so zu leben, so zu denken und ihre Beweggründe aus einer tiefen Überzeugung heraus geschehen, die man ihnen womöglich noch nicht einmal vorwerfen könnte – as said: Was würdest du in dieser Situation tun?

“Auf keinen Fall Menschen umbringen” ist an dieser Stelle keine Antwort, denn diese Konsequenz ist bereits aus westlicher Erziehung innerhalb einer Demokratie entstanden und nicht auf dem eigenen Mist gewachsen…

Ihr merkt: Es ist soooooo wichtig, dass ihr diesen Film seht. Und es gibt tatsächlich Möglichkeiten, dies in einem sicheren Rahmen zu erledigen, denn die Kinovorstellung weiß, worum es geht und kennt die “Rahmenhandlung” drumrum, während bloßes Ausstrahlen auf einem Fernsehsender womöglich bei Menschen, die “mitten rein zappen” zur bloßen Verstörung führen könnte, denn hier wird unkritisch berichtet und einfach draufgehalten… mit dem allseits vorhandenen Anfangswissen “Er kann nicht anders.”

Keine Kommentare, keine Erklärungen, keine kritischen Fragen, sondern das hungrige Draufstürzen auf diese krankhaften Wahnvorstellungen, die eine Welt offenbaren, die – wie oben erwähnt – viele Diskussionen beendet und überflüssig macht.

Und das macht Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats zu einem brutal wichtigen Werkzeug im Rahmen der Aufklärung über Kultur, Brauchtum, Gedankengut und Handlungsweisen, weil es kein Blatt vor den Mund nimmt und weil es das vorführt und bloßstellt, das hierzulande niemand zu Hauf zu Gesicht bekommt und von dem viele gar nicht erst sprechen, weil sie sich selbst entblößen und sich ihrer eigenen Grundlage berauben würden, die sie so vehement verteidigen.

Der Film ist aber kein Moralstück, dass zum Hass und zum Völkermord aufruft oder in mannigfaltiger Art und Weise denunziert und demütigt, sondern es ist eine Flut von Aufrichtigkeit und Vervollständigung, die ein Bild gänzlich beleuchtet und darum höchst wertvoll im Umgang mit diesen Themen bei Diskussionen und Konfrontationen ist, denen sich die westliche Welt immer häufiger aussetzen muss.

Und glaubt mir: Ihr wollt dieses Ding nicht auf Netflix im Bus oder irgendwo auf der Straße schauen, eure Blicke würden immer mehr über eure Schultern wandern und ihr würdet irgendwann vermutlich vor Scham und Angst abschalten, denn wenn euch jemand darauf ansprechen würde, kämt ihr in große Erklärungsnöte.

Harter Tobak.

Und was sich da festsetzt, was man da sieht, was sich zusätzlich im Kopf abspielt und was letztendlich der Regisseur vor seinen Augen gesehen und teilweise (Gott sei Dank) nicht gefilmt hat – ich hoffe, dass der FSK 12-Antrag scheitert und es eine 16 wird – und jeder, der dieses Alter erreicht hat, dazu aufgerufen wird, dieser Pflicht nachzugehen und diese Inhalte zu konsumieren, um sich – ganz automatisch – damit auseinanderzusetzen und die Dinge zu bewerten.

Ganz ehrlich? Der Text ist jetzt schon viel zu lang und ich hab noch lange nicht das Gefühl, euch auch nur annähernd gesagt zu haben, was ich zu diesem Titel gerne los werden möchte: Hier habt ihr es auf jeden Fall mit einem Ausnahmewerk zu tun, dass die Nominierung verdient und den Oscar erhalten hätte sollen. Das Niveau wurde bei weitem überstiegen.

.kinoticket-Empfehlung: Schockierend, brachial, erschütternd und gnadenlos: Dieser Film wurde unter dem Risiko gedreht, das Leben des Regisseurs von Heut auf Morgen zu beenden.

Es ist ein Ausnahmezustand, der so viel Kraft, Mut und Courage erfordert, um so etwas fertig zu bringen, die tatsächlich kaum jemand besitzt, sonst hätten wir längst viele dieser Dokumentationen. Das Niveau ist Oscar-würdig, die Einsichten zerschlagen deinen Geist und die Erkenntnisse zertrümmern dein Weltbild mehrfach in Gänze.

Harter Stoff, Bilder im Kopf und Herausforderungen, denen manche womöglich nicht gewachsen sind, die aber eine dringliche Wichtigkeit und Warnung an alle beinhalten, die sich mit solchen Themen auseinandersetzen und die grundsätzlich dabei helfen, Terror und Hass zu verstehen und damit umzugehen.

Was der Film kann, dazu bin ich nicht in der Lage, darum reiche ich euch einfach ans Kino weiter: Ich weiß, ihr werdet anders wieder raus kommen, als ihr reingegangen seid. Promise!

Nachspann
❌ muss nicht abgewartet werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Of Fathers and Sons
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12 (beantragt)

God's Own Country

Wer mein Blog schon eine Weile verfolgt, wird meine zunehmende Affinität für Gay-Filme erkannt haben, da sich diese in den vergangenen Monaten zu immer respektableren Geniestreichen entwickelt haben, die nicht mehr eine ganz bestimmte Klientel, sondern ein immer etablierteres Genre bedienen, dass durchaus seine Würdigung im offiziellen Kino feiern sollte.
God’s Own Country reiht sich in diese Aufstellung nahtlos ein und präsentiert einmal mehr, dass man durchaus unseltsam mit dem Thema gleichgeschlechtliche Liebe umgehen kann und es dabei sehr wohl versteht, den Zuschauer unter normalen Bedingungen zu unterhalten und nicht durch sexuelle Perversion oder gesellschaftliche Abartigkeit vor den Kopf zu stoßen.
Genau das durfte man nämlich in vergangenen Jahrzehnten erwarten, wenn man davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass es sich hier um Queer-Cinema handelt: Schlechte Schauspieler, grottenschlechte Plots und eine Widernatürlichkeit, die jeder Realität strotzt und nur in absolut verqueren Kreisen ihre Liebhaber findet. Da dachte man zurecht, dass diese Gruppe sehr wohl an den Rand der Gesellschaft gehört, weil Abartigkeit im enttäuschenden Sinne hier gang und gebe war.
Dieses Bild hat sich mittlerweile nicht nur durch gewichtige politische und gesellschaftliche Entscheidungen und Entwicklungen zum positiven gewandelt: Das Thema Schwul bedient immer mehr alltägliche Situationen und zieht nun eben konsequenterweise auch ins Kino ein, ohne dabei so sehr Wert auf die Eigenständigkeit und Abgegrenztheit zu legen, die man sonst so aus diesen Kreisen kennt. Es wird eben alles “normaler”, auch wenn dieses Wort längst nicht mehr einen so großen Kulturkreis um sich herum scharen kann wie einst.
Was aber extrem auffällt, ist, dass die Erzählungen immer mehr ins Dramaturgische und weniger ins Provokative gestürzt werden, da viel mehr Wert auf hintergründige Leistungen wie Kameraeinstellung, Szenenbild oder Momentum gelegt werden kann, statt sich – wie üblich – durch konsequente Provokation selbst behaupten zu müssen. Und diese neue Art gereicht dem schwule Film sehr zum Vorteil, da man sich dadurch extrem dem Kinostandard annähert und für die breite Allgemeinheit interessant wird: Man ist kein Außenseiter mehr, sondern hat eine Geschichte zu erzählen, die genauso emotional, einfühlsam und authentisch ist, wie im Hetero-Kino.
God’s Own Country erhebt hierbei großartige Ansprüche, hat etwas zu vermitteln und tut dies auf eine ungleich sanfte, zärtliche und naturverliebte Art.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn hier Männer Männer lieben: Das schwule Kino wird immer erzähltauglicher und findet langsam den Abschied von der einst überall gekannten Provokation.
Dadurch erlebt man auch als Hetero einen wunderschön erzählten, in Naturbildern getränkten Film, der zum Nachdenken anregt und endlich auf einfühlsame Weise vorhandene Befindlichkeiten dem Zuschauer näher bringt.
Meine Hochachtung!

 
Nachspann
Mit der finalen Schwarzblende geht auch der Vorhang wieder zu: Nachfolgende Szenen kommen keine.
Kinostart: 26. Oktober 2017

Die Schüler der Madame Anne

Beim Stichwort “Schüler” fällt den meisten Kinogängern dieses Jahr wohl die Komödie Fack Ju Göhte 2 ein. Den Erfolg feierte der Film durchaus verdient, jedoch sollte man diese Filmreihe nicht als Vergleichsprodukt für Die Schüler der Madame Anne hernehmen, denn vieles verhält sich hierbei gänzlich anders.
Wir befinden uns wieder in dem schon die ganzen letzten Jahre immer wieder erfrischenden französischen Kino, bei dem mit Hingabe und Leidenschaft ein Thema ausgearbeitet und präsentiert wird, dass sich nicht den Weg in die Herzen erkämpfen muss, sondern mit Leichtigkeit dort landet.
Zum einen die Sympathie: Sowohl die Lehrerin als auch die Schüler landen auf dem Sympathiebarometer ganz weit oben. Hier geht es mal nicht um Klischee-Provokation oder die extra schlechten Schüler, sondern man hat – angelehnt an den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte – die Schüler durchaus realistisch “rebellieren” lassen.
Zum anderen das Thema: Nichts könnte aktueller, nichts bewegender, nichts wichtiger sein als das. Auch hier stoßen dem Zuschauer wieder keine Würgegefühle auf, da nichts breitgetreten, nichts in zähfließendem Wehklagen wieder und wieder auf die Plattform des geistigen Genusses geschmiert wird, sondern man gut verdauliche, appetitliche Happen serviert kriegt, die nicht nur schmecken, sondern auch in bester Manier unterhalten – Bildungsfaktor inklusive.
Diese Art der Herangehensweise an das sehr brisante Thema, das immer wieder leicht überkippt und starke Gefühle bei den Angesprochenen auslöst, empfand ich das erste Mal in der Geschichte meines Lebens als bekömmlich und schmeichelnd. Es wurde klar angeklagt, es wurde gezeigt, was passiert ist, es wurde aufgearbeitet, aber eben nicht mit Zeigefinger und Rohrstock, sondern behutsam und so, dass die Angesprochenen die Möglichkeit hatten, sich damit auseinanderzusetzen ohne sich schlecht zu fühlen.
Die Zeit der Verantwortlichen ist längst vorbei. Das mit dem Finger auf uns deuten, längst nicht mehr zeitgemäß und rechtens. Das darauf hinweisen, wie so etwas entstanden ist und welche fatalen Folgen so etwas haben kann, mehr als notwendig und sehr elegant gelöst.
Nichts hätte rührender, nichts wohlschmeckender, nichts besser sein können als das Ende dieses Films. Und in Anbetracht der Tatsache, dass das hier eine Wirklichkeitsverfilmung ist, finde ich es mehr als begrüßend, dass solche Lehrer und Schüler existieren, die vorbildlich vorleben, wie man mit den Dingen umzugehen hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schickt eure Schüler da rein. Geht mit eurer Familie da rein. Falls es nicht mehr läuft, wartet die Blu-ray-Veröffentlichung ab und schaut es zu Hause im Heimkino an!
Die Schüler der Madame Anne gehört für mich zum bildungsnotwendigen Pflichtprogramm unseres Landes und unterhält nicht nur erstklassig, sondern behandelt zum ersten Mal in meinem Leben ein Thema, bei dem nicht die Schuld- sondern die Ursachenfrage geklärt wird. Und dafür meinen tiefsten Respekt, endlich in unserer Zeit angekommen zu sein und nicht mehr Menschen Taten zu bezichtigen, die sie persönlich nicht verübt haben.
Großartiges Kino und ein weiterer Beweis dafür, dass sich Hollywood warm anziehen kann: Die Franzosen kommen!

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf also getrost nach Hause gehen und über das nachdenken, was einem da präsentiert wurde.

Kafes

Originalversion mit Untertitel – so eigentlich war der Film ausgeschrieben – gezeigt wurde schließlich eine OV – sprich: Originalversion ohne Untertitel ^^. Demnach handelt es sich hier um den ersten Film, bei dem ich wirklich kein einziges Wort verstanden habe und mir die Handlung nur anhand der Bilder herleiten konnte.
Gesprochen wurde auch durchweg türkisch, kein niederländisch oder englisch, wo man wenigstens noch das ein oder andere durch gleiche Wortstämme herleiten könnte. Ändert aber nichts daran, dass ich den Film empfehle, obwohl man beim Ticketkauf dann schon nachfragen sollte, ob er mit Untertitel gezeigt wird oder es sich tatsächlich um eine OV handelt.
Nichtsdestotrotz: Man wird als Zuschauer wieder in die fremde Welt anderer Kulturen geschmissen und mit Alltäglichkeiten konfrontiert, die wir hier in Deutschland kaum so erleben. Behandelt werden hier wieder die rüden Anbahnungen von Rebellion und Aufstand, die man aus den östlicheren Kulturen über Nachrichten und TV schon desöfteren im echten Leben vor Augen geführt gekriegt hat.
Nur dass hier eben nicht der “große böse Feind” auf dem Teppich steht und mächtig Wind gegen seine Widersacher macht, sondern man sehr realistisch, bodenständig und gefühlvoll zeigt, wie tiefgreifende Auswirkungen eine politische Weltanschauung auf die zwischenmenschlichen Beziehungen verschiedener Freundschaften haben können. Das Gros der Geschichte lässt sich meines Erachtens auch sehr gut ohne “Text” nachvollziehen, da die Bilder eindrücklich und gut verständlich zeigen, worum es hier geht.
Lediglich hier und da gibt es Passagen, in denen über verschiedene Dinge gesprochen wird, wo einem als “Ausländer” nicht klar ist, wer nun was weshalb macht, doch das ergibt sich als Ganzes zum Schluss dann durchaus als eine Art “Auflösung”, weswegen ich hier auch eine klare Sichtungsempfehlung ausspreche.
Handwerklich ist dieses Werk wieder im Niedriglohnsektor angesiedelt, da hier logischerweise keine Milliarden locker gemacht werden, um eine Story zu erzählen, die weltpolitisch nicht die gleiche Gewichtung hat wie z.B. die Invasion Außerirdischer, die den gesamten Globus betrifft und dementsprechend spektakelfördernd verfilmt werden kann, sondern hier wird klar und gewollt auf die künstlerische Schiene gesetzt, jedoch nicht mehr ausschließlich anprangernd, sondern durchaus unterhaltend berichtet.
Das sei dem Film auch gegönnt, da die Darsteller ihre Sache allesamt gut machen und man die “Liebe zum Film” auch ohne Text sehr wohl spürt.
 

.kinoticket-Empfehlung: So müssen sich Flüchtlinge fühlen, wenn sie in unserem Land ankommen: Vor massive Probleme gestellt und kein Wort verstehend.
Für mich der erste Film, bei dem ich kein einziges Wort verstanden habe, der durch seine Schauspielerei und Thematik aber durchaus überzeugend berichten konnte und den ich mir – mit Untertiteln – sicher als sehr einprägsames Werk vorstellen kann.
Wer nicht nur die stupide Blockbusterunterhaltung sucht, sondern sich auch gern mal auf politisch relevante Themen einlässt, findet hier mit Sicherheit einen Beitrag, der zum Nachdenken anregt und dies mit spielerischer Anmut unterstreicht.
Darum: Nach Untertiteln fragen und dann gezielt reingehen.

 
Nachspann
gibt’s keinen. Allerdings sind Cast & Crew dann wieder in typischem Türkisch/Englisch ausgepriesen, weshalb davon auszugehen ist, dass man in meinem Fall einfach nur vergessen hat, die UT einzuschalten.

Der Chor – Stimmen des Herzens

Wer Dustin Hoffman mag, für den ist Der Chor sowieso Pflichtlektüre. Freunde des alltäglichen Lebens werden wohl anfangs so ihre lieben Schwierigkeiten mit diesem Film haben, was nicht zuletzt die “Oh nein!”-Schreie der Zuschauer im Saal beim Titel verlauten ließen.
Zugegeben, auch ich hatte – obwohl ich mich beim Trailer durchaus auf den Film gefreut habe – anfangs meine Schwierigkeiten, mit dieser bornierten, christlich-musikalischen Art zurechtzukommen, die sich im Schauspiel der Boys zu Anfang des Films überdeutlich bemerkbar macht.
Man möchte den Protagonisten teilweise ins Gesicht schlagen für ihre überhebliche Arroganz und weltfremden Ansichten, die sie zu Tage tragen und meinen, dass sich einzig und allein alles nur um sie dreht und alle anderen jämmerlich versagt haben. Ein Vorurteil, das ich vielen studierten Musikern vorwerfe, die sich dem Tralala der Künste verschrieben haben und dabei weder aus ihre Seele hervorkriechen, noch irgendwas mit den echten Gegebenheiten dieser Welt zu tun haben.
Getragen wird das ganze von einem Jungen, dessen rebellische Ausbrüche zuerst an Billy Elliot erinnern, der sich ebenfalls über darstellende Künste aus dem dunklen Loch seiner Vergangenheit rausgearbeitet hat, jedoch fährt man hier eine ganz eigene Schiene und bringt eine Form von Musik zum Tragen, die dem durchschnittlichen Musikliebhaber wohl eher unbekannt sein dürfte.
Und dann passiert das, was man anfangs noch kaum glauben mochte: Man geht irgendwie mit und erlebt die Geschichte, die doch in ihren Bann reißt, Musik, die auf ihre Art die Untiefen der Seele erreicht und einer klassischen Form zu Größe verhilft, die ihre Schiene nicht in der Hauptleitung, sondern einer völlig anderen Welt durchläuft.
Der Soundtrack dieses Films dürfte also definitiv einen Kauf wert sein, auch wenn man die Darstellung oder Story dann doch nicht so mochte.
Herausragend und erwähnenswert fand ich auch die Rolle von Kathy Bates, der man die Leidenschaft und Professionalität deutlich anmerkt. Sie ist für mich fast wie eine zweite Meryl Streep, unverkennbar, unvergleichbar und nicht austauschbar. Solche Koryphäen gibt es nur noch wenige und umso erfrischender und elektrisierend war es, sie in diesem Film zu erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man muss für Kirchenmusik schon etwas übrig haben, um sich von Anfang an in den Film zu verlieben.
Der schafft es allerdings, die restliche Meute im Laufe der Spielzeit auch einzufangen und bringt Klänge zutage, die auch antipathiespürende Phobiker bei den seelischen Wurzeln packt und am Ende das Herz doch erreicht.
Herausragend: Kathy Bates, die hier unglaublich viel charmante Stärke raushängen lässt und den Film durch ihre Kurzauftritte immer nach vorne tritt.

 
Nachspann
darf man sitzen bleiben, die Augen schließen und zuhören – der Song ist weltklasse. Bildmaterial oder weiterführende Szenen gibt es aber keine.

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