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Tag: Reichtum

Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu

Birds of Passage

© 2019 MFA+ FilmDistribution

Birds of Passage hört sich erstmal nicht wirklich spektakulär an, hat mich aber zutiefst beeindruckt und fast wortlos zurückgelassen.

Dieser Film erzählt eine Story, die große Anfänge beschreibt, von denen Hollywood und die Allgemeinheit nicht sonderlich viel wissen (wollen), die aber so epischen Ausmaßes sind, dass sie zurecht als “indigener Pate” beschrieben werden: Hier kracht eine monumentale Erzählerwucht auf die Zuschauer ein, die verblüfft und entsetzt.

Dabei werden tiefe Wahrheiten ausgegraben, historische Gegebenheiten beleuchtet und Licht in dunkle Ecken gebracht, aus denen direkt das Quell allen Übels hervorgeht und weitreichende Erkenntnisse gewonnen werden können, die verwurzelt bis in die heutige Zeiten ihr Unwesen treiben und die Menschheit in Ketten legen.

Und nicht nur im Plot liegt eine tragreiche Schwere, sondern auch in punkto Kameraarbeit hat man sensationelle Arbeit geleistet, die wirklich zutiefst beeindruckt: Die Bilder betören schon fast und muten mit einer faszinierenden, fesselnden Eleganz an, die in höchstem Maße bestaunenswert ist. Birds of Passage ist hohe Kunst, die das pure Gen der Wahrheit in sich birgt und verstörende und zugleich bildungsreiche Einblicke in das Wesen der Menschheit liefert.

Hier sollte man zwingend zuschlagen, ganz gleich, welches Kino ihr dafür ins Visier nehmt – Hauptsache der Film steht auf dem .kinoticket.

.kinoticket-Empfehlung: Monumental erzähltes Epos historischer Beginne einer krankhaften Kultur, die bis in die heutige Zeit reicht.

Dabei verblüfft nicht nur der Inhalt, sondern auch Bild, Kameraführung und das gesamte Setting drumrum: Hier wurde sagenhafte Arbeit geleistet, die zumindest mit einem .kinoticket honoriert gehört.

Reingehen!

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Pájaros de Verano
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12

Loro – Die Verführten


© 2018 DCM Film Distribution GmbH

 

Loro werden die Italiener als Loro 1 und Loro 2 kennen, denn dieses Stück wurde in Italien in zwei Akten konzipiert und am 24. April 2018 sowie am 10. Mai 2018 uraufgeführt. Die Längen betrugen jeweils 100 und 104 Minuten (also sagenhafte 3 Stunden 24 Minuten), welches für den internationalen Vertrieb von Paolo Sorrentino auf einen um etwa 60 Minuten gekürzten Director’s Cut geschnitten wurde. Mit 145 Minuten (2 Stunden 25 Minuten) ist man aber auch hierzulande immer noch ausreichend bedient und kann nicht behaupten, zu wenig Spielzeit für sein Geld zu kriegen.

Und auf diese Show sollte man sich – ob Berlusconi-Befürworter oder -verächter – definitiv einlassen. Loro entführt hier nicht nur in die korrumpierte italienische Politiker-Welt, sondern erzählt gleichermaßen anhand eines “Originals”, auf welchem Boden sämtliche Mafia-Filme fundiert sind. Und das beständige Flair, das dieser Film dabei ausstrahlt, zieht von Anfang an in seinen Bann.

Man kann jetzt nicht behaupten, dass dies “normale Umgangsformen” wären, aber genau das ist das spannende daran: Diese schmierige, permanent-in-die-Fresse-schlagende Schleimart, mit der Berlusconi hier dargestellt wird, ist zum Anbeten gut gespielt und sorgt für viele freiwillige und unfreiwillige Lacher. Dieser Sog, der sich dabei entwickelt, grenzt fast an das Unaussprechliche, das uns The Wolf of Wall Street 2013 geliefert hat und eröffnet nun einen politisch wesentlich aktuelleren Reigen von Verdorbenheit und Sünde.

Es fühlt sich an, als hätte man Der Pate neu verfilmt, nur dass diese Gegebenheiten natürlich (!) erzählerisch gedichtet sind und rein gar nichts (absolut nichts !) mit eventuell aktuellen, lebenden Personen zu tun haben oder haben könnten. Ein Narr, wer … naja, ihr wisst schon.

In Sachen Produktionsgröße, Dialogschwere, mentale sowie gesellschaftliche Ausmaße kommt man auf jeden Fall an Francis Ford Coppolas Vorbildwerk heran und mit den richtigen Hintergrundgedanken und einer im Sessel gefesselten Genusswirkung von bildschönen, sich räkelnden Körpern auf der Leinwand erlebt man all das fast schon in Form eines drogenähnlichen Trips, aus dem man hinterher nur beschwert wieder aufwachen kann.

Mich dazu hinreißen lassen, das Werk mehrfach zu sichten, konnte ich nicht – da hat mich dann wahrscheinlich die Länge doch zu sehr abgeschreckt, aber ihn deshalb nicht anzuschauen, empfinde ich genauso als einen Fehler: Nutzt die Gunst der Stunde und gönnt euch ein Stück italienische Politik-Geschichte in unglaublich erzählerischem Ausmaß und einer betörend-schönen Verdorbenheit.

 

.kinoticket-Empfehlung: Erledigt vorher alle körperbedingten Tätigkeiten, denn die Zeit, bis die Türen sich wieder von selbst öffnen, ist lange.

Kein Grund, sich deshalb vor diesem Titel zu drücken: Hier wird auf eine unverblümte, erschreckend ehrliche und fast schon ironisch-satirische Art die Wirkensweise der Politiker am italienischen Beispiel erläutert. Die fragwürdige Situationskomik gepaart mit einer betörenden Schönheit und illustren Verdorbenheit portraitieren einen psychedelischen Trip, der einen ganz schnell gefangen nimmt und für viele Stunden bewegungsunfähig macht.

Ein Erlebnis, das man sich sehr wohl auf der großen Leinwand geben sollte.

 

Nachspann
❌ Das ist der wahrscheinlich längste Abspann, der mir je untergekommen ist – und er lohnt nicht, abzuwarten.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Loro
Length: 145 Min.
Rate: FSK 12

Crazy Rich

Beim Originaltitel Crazy Rich Asians denkt unsereiner im schönen Europa ja erstmal “Was für ein Schmarren” – und wendet sich, sofern keine Liebe zum asiatischen Kino vorhanden ist, elegant zur Seite.
Aus dem Grund hat man den Filmtitel auch geändert um dieser Fehlentscheidung ein wenig entgegen zu wirken, denn dieses Ding mischt zwar im “Wir möchten den asiatischen Markt erobern”-Feldzug mit, zählt aber zu den Titeln, die auch jeder Europäer einmal gesehen haben sollte.
Und ganz ehrlich: Der Film ist richtig gut! Das ganze Kino hat sich während der Vorstellung den Arsch abgelacht und seinen Heidenspaß dabei. Interessanterweise löst weder der Titel, noch das Plakat noch der .trailer eben dieses Gefühl aus, was ich bei einigen Probanden mittlerweile getestet habe. Einerseits erzählt man im .trailer wieder die halbe Geschichte, ohne dabei jedoch auf das Wesentliche zu kommen, andererseits hab ich zur Zeit das Gefühl, man hat generell kein Interesse mehr daran, gute Filmtrailer zu machen, sondern lässt einfach so per Zufall KI entscheiden, welche von den Szenen jetzt in den .trailer sollen.
Zumindest ist mir das schon häufiger begegnet, dass die Vorschauen sowas von selten dämlich waren und der Film hintendran dann richtig gut.
Crazy Rich macht hier keine Ausnahme und ist überhaupt nicht das, was man im Vorfeld vielleicht vermuten würde – und vor allem nicht, was man im .trailer verspricht, sondern einfach ein Film, der eine wunderbare Story erörtert und dabei auch noch eine wunderbare Moral in sich trägt, die sich im Laufe der Spielzeit gänzlich entfaltet.
Diese Pointe tut einfach nur gut und man spaziert am Schluss wieder aus dem Saal und hatte ein richtig gutes Filmerlebnis.
 

.kinoticket-Empfehlung: Begrabt eure Vorurteile und gebt diesem Titel eine Chance, er hat es echt verdient!
Hier schlummert wesentlich mehr unter der Decke, als anfänglich angenommen, was weder Plakat, noch .trailer offenbaren. Erst im Film merkt man, dass die Entscheidung zum Kauf eines .kinotickets eigentlich doch gar nicht verkehrt war und hat hinterher das Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben – geht rein!

 
Nachspann
✅ ist ziemlich cool animiert, hält zwar keine weiteren Szenen bereit, aber betört durch geile Grafik.
Kinostart: 23. August 2018

The Boss

Melissa McCarthy ist ein Fall für sich. Kennengelernt habe ich die Dame beim Zappen zu Mike & Molly, das ich aber auch nicht zu Ende geschaut, sondern eher dem typisch-normalen Fernsehtrott zugeordnet habe, der mich nicht groß weiter interessiert.
Auf einmal stattete mir diese Dame dann im Kino auf der Leinwand Besuch ab und holte sich so meine Aufmerksamkeit in Filmen wie Spy – Susan Cooper Undercover, der für mich Anlass war, meine Blu-ray-Bibliothek mit ein paar Werken von ihr zu bestücken, um ihre Karriere etwas näher beleuchten zu können um zu sehen, wie sich diese Dame macht.
Ich fand Voll abgezockt und fand es merkwürdig. Ich sah Taffe Mädels und ordnete es unter belangloser Normalität ein. Ich sichtete St. Vincent und empfand sie als eher störenden Faktor gegenüber Bill Murray, der hier als Hauptakteur auftritt. Keiner ihrer vorherigen Filme hat mich derart überzeugt, wie es Spy getan hat. Menschen entwickeln sich, entwickeln ihren Charakter, bilden sich weiter, lernen dazu. Vergangenes ist vorbei, auf zu neuen Ufern.
Dementsprechend gespannt war ich auf ihr neustes Werk: The Boss. Der Trailer beinhaltete wieder die typisch-verrückten McCarthy-Momente, die ihr Markenzeichen sind und sie irgendwo auch ausmachen.
Der Film war dann allerdings einfach nur enttäuschend. Hier und da mit ein paar ganz netten Gimmicks gespickt, über die man wirklich lachen konnte, zerreißt sich das Werk selbstständig in viele kleine Puzzlesteine, die allesamt nicht zusammenpassen und so ganz und gar nicht ein formvollendetes Werk von erster Unterhaltungsgüte abliefern.
Besagte Jokes wirken so aus dem Zusammenhang des Films gerissen, dass sie wiederum gar nicht mehr witzig sind, betrachtet man die Szenerie im Kontext zur restlichen Geschichte. Spaß dabei haben dürften wohl eher 10jährige Kinder, die in ihrem Leben bislang an Gürtellinien-Humor vorbeigezogen sind. Wenn dann allerdings innerhalb von 3 ½ Minuten 15x das Wort “Schwanz” und “Penis” fällt, ist diese Art der Unterhaltung wieder keineswegs für jüngeres Publikum geeignet und eine Freigabe ab 12 Jahren eher als fragwürdig anzusehen.
Und was dem Film außerdem meiner Meinung nach extrem fehlt, ist Geschwindigkeit und Flow. Die zu passierenden Dinge konnte man bereits im Trailer vorher ahnen, daher bleiben jedwede Überraschungen von z.B. meisterlicher Umsetzung und dennoch vorhandenem Überraschungsmoment einfach aus – was dazu führt, dass man sich einer fortwährenden Schleife von Längen entgegenstemmen muss, die das Werk mit seinen 99 Minuten Laufzeit zu einem unerträglichen Moment im Reiche des Kinos machen.
Der Humor ist absolut unterirdisch und lädt überhaupt nicht zum Lachen ein, sondern reiht eher einen nach dem anderen peinlichen Moment aneinander, der absolut belanglos und moralunstiftend ist. Würden oben erwähnte Kinder sich diesen Streifen mit etwas suchendem Geist ansehen, hätten wir in ein paar Jahren eine gesellschaftlich-relevante Masse an verblödeten, geistlosen, rücksichtslosen und dummen Menschen, die durch ihr Wahlrecht über Politik und das alltägliche Geschehen entscheiden – und diese Tatsache macht mir eher Angst als dass ich darüber lachen könnte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch Fans von Melissa McCarthy sollten sich hier überlegen, ob sie diesen Streifen wirklich ihren Freunden empfehlen wollen, denn Sinn, Moral, Unterhaltung oder irgendeine künstlich überzogene Darstellung der Realität sind hier völlig ausbleibend.
Die Show war eine reine Enttäuschung und man darf nur darauf hoffen, dass diese Art von Geldverdienen ein Kinoflop wird, der den Machern signalisiert, dass sie dieses in Zukunft bitte unterlassen und sich lieber anderen Dingen zuwenden mögen.
Daumen runter.

 
Nachspann
folgt mit Bildern und Outtakes, die allerdings auch nicht den Pep reinbringen, der z.B. im Fall von Fack Ju Göhte 2 nochmal einen oben drauf setzte. Das Desaster endet mit Fremdschämen und bitterer Enttäuschung.

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