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Tag: Reisen

Monsieur Claude 2

Monsieur Claude 2

© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Christian Clavier ist das Aushängeschild Frankreichs fürs Kino und mittlerweile ein Garant für lustige Unterhaltung. Filme mit ihm treffen normalerweise immer voll ins Schwarze und sorgen breitflächig für Belustigung und gute Laune.

Monsieur Claude war damals ja bereits ein Überraschungserfolg sondergleichen und ich habe es tatsächlich irgendwann geschafft, mir die Blu-ray zu organisieren und ihn mir angeschaut und war … mäßig begeistert. Kein Plan – irgendwie absolut nicht mein Humor. Ich fand es zu schräg, zu langatmig, zu aufgebläht, zu wüst, zu viel.

Teil zwei knüpft nun an den Erfolg an und ändert wesentliche Charakterprinzipien, hat dadurch aber nichts von der Grundidee aufgegeben: Irgendwie bekommt jeder seine zwei Minuten und Ende. Genau das erklärt wahrscheinlich auch den Erfolg des Ganzen: Da sind so viele … eigentlich alle Konstellationen, Optionen, Möglichkeiten zusammengerissen, dass sich jeder da drin wiederfindet – wenn auch nur ganz kurz. Und genau da fehlt mir ein großer, roter Leitfaden dahinter: Irgendwie werden Szenen gebracht, dann ist direkt Schluss und andere Szenen werden gebracht. Grad so, dass du in manchen Szenen dann verschiedene Leute nochmal wieder siehst und daran merkst, dass doch alles irgendwo eine Geschichte sein soll.

Es sind aber viele. Zu viele. Und die sind so wild zusammengeschnitten, dass es einfach keinen Spaß macht, dem Strang zu folgen und man sich irgendwann nur noch auf “kommen da noch lustige Witze” konzentriert – die der Film gegen Ende aber immer weniger liefert, was auch zu immer mehr “Stimmungsruhe” im Saal führt. Kein Wunder also, wenn selbst die Sneak-Gemeinde diesen Film fast zur Hälfte bloß mit “mittelmäßig” bewertet und sogar einige “schlecht”-Stimmen in der Abstimmungsbox liegen.

Hier hätte man sich nicht auf “Wir hauen nochmal richtig drauf”, sondern lieber auf einen lustigen Plan konzentrieren sollen, entweder mehr Gagdichte oder mehr Kameraspielraum schaffen müssen, damit der Zuschauer nicht so wild vor sich hergetrieben wird. Und dann den Film in den Sneaks im Original mit Untertitel zu zeigen, wo die Darsteller alle dermaßen schnell sprechen (und dementsprechend schnell untertitelt werden) … denkt euch selbst, wie viel Freude das bereitet. Und sprecht dabei leise 3x hintereinander superschnell “Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?” aus 😀

.kinoticket-Empfehlung: Zu wild durcheinandergeschnitten, zu zerrissen, kein richtiger, durchgehender Plot, sondern einfach nur viel, laut und schräg: Absolut nicht mein Humor.

Hier hätte es etwas mehr Kamera-Ruhe oder als Ausgleich gegen Ende etwas mehr Gagdichte getan, um den Film noch einigermaßen zu retten. Jeder bekommt halt seine zwei Minuten, in denen er sich absolut wiederfindet – die werden aber durch abrupte Schnitte direkt beendet.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, das Lied ist ganz cool – aber nicht zwingend nötig, hier sitzen zu bleiben. Es kommen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

Passengers (3D)

Ich höre schon die Plot-Eulen am Horizont rumschreien … aber mal der Reihe nach.
Ein jeder erinnert sich noch an das sagenumwobene 2-Mann-Werk, welches von Hollywood gefeiert wurde und neben Avatar – Aufbruch nach Pandora einen erneuten 3D-Hype auslöste, der diese hinter den Zäunen gefeierte Technik innerhalb der Filmwelt mit einem Pro-Argument mehr ausstattete – Gravity?
So manch böse Zunge könnte nun behaupten, dass hier ein zweiter Teil vorliegt, denn viele Komponenten scheinen laut Trailer eindeutig zu passen. Das mag auf den ersten Blick wohl auch stimmen, doch der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass der Filmtitel in der Mehrzahl geschrieben ist, was gleich die erste Abweichung von besagtem Schein-Vorbild ist.
Was mich angeht: Ich liebe das Weltall. Mit all seinen Facetten. Als Horror, als Action, als “unendliche Weiten” – mit Reisen ins Universum kann man mich fast immer einfangen. Demnach hatte man mich schon bei dem ersten Blick auf das Raumschiff im Trailer und der Rest war mir ehrlich gesagt egal.
Ich habe mich auf den Film gefreut. Tierisch.
Und dann kommen die damit!
Ästhetik im Schiffdesign, die sich gewaschen hat. Einem Plot, der die erste Hälfte vom Film so richtig abartig Spaß macht. Immer wieder dazwischen diese unglaublich präzise, anschmiegsame und Lust auf mehr bereitende Schiffsoptik in 3D-Bildern, die selbst Gravity klein machen.
Irgendwann kommt dann der Break und man eröffnet sich einer Actionballade, die meiner Meinung nach gar nicht hätte sein müssen, hätte man die lineare Struktur des ersten Teils einfach gradlinig bis zum Schluss durchgezogen und damit perfekt ein Nischenpublikum angesprochen ohne “am Schluss auch noch die Masse zu befriedigen”.
Dennoch: Ich war beeindruckt. Beeindruckt von der Idee (die es auch in diversen Mangas schon mal gegeben hat – ich weiß), beeindruckt von der Innenarchitektur und dem Design des gesamten Films, beeindruckt von der Durchdachtheit, die bis zur Mitte des Films nahezu perfekt ist. In Anbetracht dessen sehe ich auch gerne über das ein oder andere Manko hinweg, das nicht bis zum Schluss fertig entwickelt worden ist, da sich auch hier so manche Logik- und Denkfehler verbergen. Dennoch bleibt einem im Film kaum Zeit darüber nachzudenken, weil man permanent mit den Darstellern mitfiebert und irgendwo nicht nur das, sondern: Ich kann mich richtig gut in die Lage reinversetzen, weil viele Punkte nicht nur mein persönliches Empfinden zu 100% widerspiegeln, und ich mich dadurch vom Film selbst nicht nur verstanden, sondern umarmt fühle.
Vielleicht rührt auch daher ein wenig meine Beratungsresistenz, was den nicht perfekten Plot angeht und ich überlasse das Heulen den Eulen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein GEDICHT, was die Optik, das Design und das Anfixen der Story angeht.
In der zweiten Hälfte lässt er etwas nach und bricht mit der ruhigeren Schiene, stürzt aber als positiver Eindruck absolut nicht ab, sondern entlässt aus einer Welt bestehend aus wunderschönen Formen, Farben und anschmiegsamer Kunst.
Gibt es die Möglichkeit, das Raumschiff irgendwo zu besichtigen oder sogar dort einzuziehen?

 
Nachspann
Wer auf Zusatzmaterial wartet, tut dies an dieser Stelle vergeblich.

Mohenjo Daro

Mit 150 Minuten schickt man hier ein Epos in die Welt, das die Kinosäle zum Erzittern bringt. Mal ganz ehrlich: Was verbindet man mit Bollywood, wenn man so ein Ding noch nie in seinem Leben gesehen hat?
Romantisches Geknutsche, indische Frauen, tanzende Kerle und jede Menge Musik – hab ich Recht?
Was einem hier aufgetischt wird, ist allerdings bei weitem nicht das, was man sich als Laie vielleicht darunter vorstellt. Zum einen: Das Event wurde von meinem Stammkino mal so richtig auf brutal gestellt, indem man einfach mal den Lautstärkeregler betätigt hat – nach oben. Ganz im Ernst? Ich saß in dem Teil und hatte Schiss … vor billigsten Animationen.
Der Beat krachte hier mal sowas von durch die Kinosessel, dass es scheißegal war, ob sich lebendes Fleisch darauf befand – das wurde einfach mit durchgeschüttelt. Und die Story baut sich auf, man erlebt eine fremde Kultur, man baut eine Geschichte darum und erhebt all das zu einem epischen Machwerk, dass Hollywood demnächst einpacken kann, sollte sich von dieser Seite der Erdkugel weiterhin derartiges in unseren Landen etablieren.
Und das mein ich ernst.
Man bekommt hier nicht mehr nur eine Idee, sondern einen Genre-Mix präsentiert, der sich gewaschen hat. Etwas derart Episches und dermaßen Verflochtenes habe ich bisher noch nie in dieser Intensität im Kino erlebt, geschweigedenn im heimischen Kinosaal. Und damit hat man definitiv mein Interesse an Bollywood geweckt, sollten die Filme alle in dieser Art sein. Kenner dürfen mich gern eines Besseren belehren, ich lasse mich zukünftig definitiv überraschen.
Was die Musik angeht: Ja, es reiht sich ein wenig in das Klischee ein, erhebt sich dann aber in einem epischen Ausmaß, dass mein Verlangen nach dem Soundtrack nicht nur geweckt, sondern förmlich entfacht hat – und umso wütender macht einen die leere Suchanzeige im Musikportal, wenn man wieder mal kaum erwarten kann, dass dieses Album endlich in Deutschland erhältlich ist.
Auch die Bildgewalt dieses Kunstwerks lässt anderes im tiefsten Schatten verenden: Hier wird mit Impressionen und Eindrücken um sich geworfen, die seinesgleichen suchen – und gepaart mit der Unzahl an Darstellern, Synchronisationsgenies und den vielen anderen Faktoren, die da mit reinspielen, erhält man wieder etwas, das nur auf ein Wort hinauslaufen kann: Epic!
Tut mir leid, wenn ich an dieser Stelle so einfallslos schreibe, aber diese Show hat mich grandios vom Hocker geschmissen und die unbeantwortete Frage aufgeworfen, weshalb solche Filme nicht öfters in deutschen Kinos gespielt werden.
Der Gang in den Saal mit allen Aufpreisen und Optionen lohnt sich für jeden Kinozuschauer mal definitiv.
 

.kinoticket-Empfehlung: Selten hat mich etwas so beeindruckt, abgeholt, überrascht und mitgenommen, wie dieses grandiose Meisterwerk.
Dass im Original gesprochen wird, macht das Werk eher sympathischer denn fremd und eröffnet hier eine Geschichte, die einem so garantiert den Abend versüßt. Reingehen wo immer man die Chance dazu hat – es lohnt sich definitiv.

 
Nachspann
sollte man abwarten, der hat nämlich richtig nette Animationen und blüht farbenfreudig vor sich her statt in langweiligem Schwarz-Weiß.

Umrika

Anhand der aktuellen Flüchtlingssituation schon fast ein wenig paradox, jetzt einen Film dieses Themas auf die Leinwand zu bringen und den Zuschauer damit unterhaltend zum Denken anzuregen.
Richtig ausgesprochen bezeichnet der Titel das Land der freien Möglichkeiten – aus Sicht einer Familie eines Dorfes in Indien. Die träumen vom großen Erfolg im Westen und begeben sich auf eine interessante Reise, die im Verlauf des Films nicht nur spannend bleibt, sondern auch weitreichende Wendungen aufweist, so dass dem Zuschauer bis ganz zum Schluss nicht langweilig wird.
Die Stars – bekannt aus Werken wie Life of Pi oder Best Marigold Hotel – liefern auch hier wieder fantastische Leistungen ab und überzeugen durch authentisches Spiel und gelungene Wortwahl. Dass dabei nicht auf die Tränendrüsen gedrückt oder der Zuschauer mit intellektuell-schwerlastigen Phrasen in den Abgrund des Mitleids gedrückt wird, kommt dem Film mit seiner komödienhaft anmutenden Leichtigkeit zusätzlich zugute.
Zwischendrin tut es mal richtig gut, nicht immer von vorn mit dem Finger konfrontiert zu werden, der uns aufzeigen will, was wir falsch machen, wo Verbesserungspotenzial liegt oder welche üblen Missstände auf der Welt herrschen. Hier wird man einfach mal in ein Wasserbad spaßiger Gefühle geworfen und darf konsequenzlos planschen ohne dabei Schaden anzurichten. Und genau diese Leichtigkeit ist es, die Umrika zu einem sehenswerten Stück Kinogeschichte macht, das zwischen Blockbustern wie James Bond 007: Spectre oder Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2) gänzlich untergeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Aus eben jenem Grund ist jedweder Hinweis auf den Film mehr als angebracht, denn hier waren Künstler am Werk, die die guten Seiten des Menschen ansprechen und aufzeigen.
Und das, obwohl in dem Film selbst genügend Schreckensmomente umschifft werden, die den Intellekt des Normalsterblichen auf keinen Fall überlasten.
Wer etwas sinnvolles sehen möchte, wobei man sich richtig gut fühlen kann und soll, der darf bei Umrika getrost zugreifen. Ein leichter, lustiger Kinoabend mit garantiert guter Unterhaltung sind vorprogrammiert.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Schwarzblende ist tatsächlich Schluss.

Margos Spuren

Wir alle wissen um die Vorliebe Hollywoods, die derzeit durch die Reihen der Filmemacher geistert. Musik ist hoch im Kurs, Comicverfilmungen bringen Geld, Remakes oder Fortsetzungen von bekannten Kassenschlagern auch, und: Buchverfilmungen.
Mit einer solchen haben wir es bei Margos Spuren zu tun. Der Trailer schickte an, die lesende Kultur vor die Leinwände zu zerren und man bot einen kurzen Einblick in die zu erwartende Welt, die von vielen Rätseln und dunklen Geheimnissen bedeckt wird.
Im Film selbst entwickelt sich das zu einer anfangs tendenziell facettenreichen Suche nach immer neuen Jokes und manche Aktionen sind durchaus auch ganz witzig, jedoch verliert das Ding nach einer Weile gehörig an Schubkraft, so dass es fast schon zur Tortur wird, bis zum Ende gespannt hinzusehen.
Der große, vielleicht lehrreiche, vielleicht aufrüttelnde Effekt bleibt leider aus und auch nach dem Abspann geht das Gefühl nicht weg, dass das Teil einfach auf knackige 80 Minuten runtergekürzt werden sollte, denn dann hätte man eine durchaus unterhaltsame Story gehabt, die zwar die Masse nicht ins Archiv knallt und selbst den Posten des Vorreiters einnimmt, aber durchaus nett anzusehen wäre.
Mit seinen geschlagenen 110 Minuten ist das Teil einfach viel zu lang und entbehrt daher leider nicht den zwanghaft-langen Durststrecken, in denen einfach mal so gar nichts passiert, die aber irgendwie gefüllt werden wollen.
Ich hatte fast schon Mitleid mit dem Kind, dessen Vater es als geniale Idee empfand, mit seinem Jüngsten diesen Film zu schauen und bekam eher Mitleid denn Zorn, als der Kleine dann nach einer halben Stunde anfing, sich quälend im Sessel zu wälzen und gegen Ende des Films sogar auf den Stühlen rumsprang.
Weniger ist hier viel mehr, auch wenn dies nicht zwingend auf den Inhalt, sondern eher auf die Leerräume dazwischen anzuwenden ist. Klar kann man dagegenhalten, dass man sich so viel Zeit lässt, um zwischen den Szenen über das Gesehene nachdenken zu können, bevor der nächste, intellektuelle Knüller kommt, dafür ist die Story dann aber viel zu seicht, als dass das Hirn derart gefordert wäre, um diese Atempausen wirklich zu brauchen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit anderen Buchverfilmungen nicht zu vergleichen, die jüngst das Publikum in ihren Bann zogen. Dafür ist hier viel zu viel Inhaltsleere, die durch nichts anderes entschädigt.
Daher empfindet man das Anschauen eher als anstrengend denn als Genuss, hier hätte man locker eine halbe Stunde kürzen können.

 
Nachspann
braucht ihr nicht abzuwarten, der endet im dunklen.

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