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Tag: Rentner

Ein letzter Job

Ein letzter Job

© 2019 StudioCanal

Nachdem Robert Redford kürzlich in Ein Gauner und Gentleman so ruhmreich mit einer Ganoven-Geschichte aus dem Filmbusiness ausgeschieden ist, lässt einen Ein letzter Job fälschlicherweise eben gleiches von Frontman Michael Caine vermuten. Ich kann euch beruhigen: Dem ist nicht so. Dieser Typ ist eine Koryphäe sondergleichen, seine Geschichten ragen weit in den Hollywood-Himmel und er darf sich mit einigen legendären Meisterwerken schmücken.

Prestige – Die Meister der Magie, einer meiner Filmlieblinge, die Christopher NolanBatman-Trilogy (Paraderolle!), Inception, Die Unfassbaren – Now You See Me inklusive Fortsetzung, Interstellar, Kingsman: The Secret Service, Dunkirk … die Liste ist lang und jedesmal liefert er eine perfekte Figur ab, die sowohl von jung als auch alt respektiert wird. Seine Britishness steht für gentlemanlike, sein Verhalten zeugt von Würde, seine Charaktere weisen Eleganz, Anmut, Gerissenheit und Eloquenz auf. Er ist eine Einmaligkeit, die alte Schule repräsentiert: Unersetzbar auf seinem Gebiet. Kein solches digitales Austauschprodukt, das heutzutage oft an die Stelle des Hauptdarstellers gesetzt wird: Wo er drauf steht, ist ein Original drin.

Und nachdem er bereits nach Abgang mit Stil schon nicht vom Erdboden verschwunden ist, versucht man es jetzt eben noch einmal mit Ein letzter Job, in dem er auch wieder eine Rolle übernimmt, die sich nun aber zielgruppentechnisch schon eher der ruhigeren Generation zuwendet und einen spüren lässt, dass das Feuer des Lebens langsam beginnt, den Zenit zu überschreiten.

Basierend auf wahren Begebenheiten berührt man hier wieder einmal Fakten, die sich nicht mehr virtuos verbiegen lassen, sondern einem gewisse Schranken auferlegen. Das hollywoodeske Entarten, dass in so vielen Filmen dieses Genres gerne ad absurdum geführt wird, ist in diesem Fall eben nicht mehr möglich, allerdings spricht mir der gesamte Streifen damit einen viel zu unklaren, inkonsequenten Ton, dem es ein kleines bisschen an Seele fehlt und der – zumindest für die jüngeren Generationen – dann schnell in Langeweile ausartet.

Was hier geboten wird, ist vielmehr traditionell und von nicht strukturiertem, unaufgeregtem Konservativismus, der sich höchst möglich noch zum Ziel gesetzt hat, Caine als alternden Kriminal-Lüstling zu inszenieren. Das werden die prähistorischen Idole dieser Zeit sicherlich abfeiern, an Seiten von Megablockbustern mit Weltniveau und diversen kleineren Filmperlen wird dieser Film aber endlos untergehen, da hier eine gewisse Plot-Bissigkeit fehlt, die sowohl Story als auch das Bestreben vorantreibt. Für das, was der Film aussagen will, ist man viel zu gemächlich, zu ruhig, zu desorientiert, was letztendlich in einem “ganz okay” mündet und nicht in purer Begeisterung.

.kinoticket-Empfehlung: Caine ist ohne Frage ein großartiger Schauspieler, dem der Film in meinen Augen überhaupt nicht gewachsen ist.

Zu viel Plot-Gemütlichkeit, zu wenig Intention, etwas zu sagen… und die Moral ist da, aber der Effekt erzeugt wenig Reaktion… Hier zählt vielmehr das “noch einmal erleben” in aller Seelenruhe – das darf in der Vielfalt existieren, muss aber nicht frenetisch abgefeiert werden.

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. April 2019

Original Title: King of Thieves
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

Monsieur Pierre geht online

Soll ich verraten, wie der Titel im französischen Original heißt? Nein, denn das würde zu viel spoilern, euch aber vor negativen Überraschungen bewahren. Ihr merkt schon, ich bin zwiegespalten, was das – und auch, was den Film angeht.
In der ersten Hälfte hat man nämlich richtig viel Spaß, erlebt freizügige, unverbrauchte Gags auf einem Gebiet, in das man sich meines Wissens nach filmisch noch nicht vorgewagt hat – was wiederum erfinderische Unterhaltung und jede Menge kreative Abenteuer verspricht, die der Film im letzten Abschnitt aber keineswegs liefert.
Irgendwie ist nach der Hälfte der Zeit die Luft absolut raus und der anfangs vorpreschende Geist des frischen Windes und der französischen Leichtigkeit verebbt zu einem zähen Schlamm widerwilligen Fortbewegens, während man in klischeehafte Comedy-Bausteine abfällt, um sich dann irgendwie noch zum bitteren Ende vorzukämpfen, das mit Ach und Krach in einem unsensationellen Finale gipfelt. Als wäre der Regisseur mit seiner Crew in der Mitte des Films auf einmal depressiv geworden und keiner hätte mehr großartige Lust gehabt, das Projekt jetzt auch zu beenden.
Das andere: Der Titel – im Original am Schluss gezeigt – wirkt irgendwie wie eine Entschuldigung, dass jetzt doch alles so mies geworden ist, während man im Deutschen auf völlig andere Erwartungen stößt, die logischerweise nicht erfüllt werden. Für mich ein nachträglicher Stoß vor den Kopf, der einem mitteilt: “Ätsch, falsche Erwartungen gehabt, hättest dich mal eher informiert”.
Und obwohl man hier alle klassischen Elemente einer Komödie vorfindet, erinnerte mich der Film eher an eine ermüdende Tragödie denn an ein (schwarzes) Humorstück. Anfangs fand ich diese unaufgeregte Ruhe noch extrem entspannend, während man sich im weiteren Verlauf kaum zu einem neuen Aufschwung hocharbeitet, sondern eben immer weiter in den Strudel der Depressivität eintaucht, der mit einem unglaublich vorhersehbarem Ende auch nicht besser wird.
Dabei können die Franzosen doch sonst so unglaublich gute Filme machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fürs Kino nur bedingt zu gebrauchen, da man sich mittendrin auf einmal anfängt, über den Kauf zu ärgern.
Ausrufe wie “Hä?” oder “Oh mein Gott…” im Publikum waren durchaus berechtigt.
Wer sich die (finanzielle) Enttäuschung sparen möchte, sollte warten, bis das Teil im Free-TV läuft und dann nur bis zur zweiten Werbepause schauen.

 
Nachspann
kommt keiner, wer sich also nicht noch mit seinem Sitznachbarn über den Film austauschen möchte, darf gern den Gang ins Tageslicht antreten.
Kinostart: 22. Juni 2017

Mit besten Absichten

Schaut man sich dieses nervenzerreißende, triste Bild am Anfang des Films an, erwartet man unbewusst absolut nichts gutes. Wenn der Publisher dann auch noch Sony Pictures Classics heißt, zieht sich bei so manchem wahrscheinlich auch noch der Magen zusammen und es zuckt in den Gebeinen, um möglichst schnell aus dem Saal zu verschwinden.
Und genau dies sollte man tunlichst vermeiden, denn mit Mit besten Absichten hat Regisseurin Lorene Scafaria eine Arbeit abgeliefert, die sich nicht nur meisterlich aus den wirtschaftlichen Überbossen von Massenfilmen herauskristallisiert, sondern zudem nicht nur wahnsinnig herzergreifend, melodramatisch und emotional rüberkommt, sondern auch eine Geschichte erzählt, die mit fortlaufender Spielzeit immer berührender wird und schließlich in einem fulminanten Ende gipfelt, das aus einem spannenden Kinoabend etwas Unvergessliches werden lässt.
Herausragend ist nicht nur der Plot, der in Zeiten von überdimensionalem Wahnsinn sowieso schon etwas ganz besonderes darstellt, sondern auch die schauspielerischen Leistungen von Susan Sarandon, die in ihrer Klasse als unverwechselbar gilt und dem Film durch ihre eigene Persönlichkeit eine Note verleiht, die kein Computer mit noch so großer Rechenkraft ersetzen könnte.
Das Problem, dass in den großen Blockbustern die Schauspieler alle austauschbar sind und der eigentliche Star die Technik ist, die den Größenwahnsinn proklamiert und mal mehr schlecht als recht und dann wieder besser zu überzeugen weiß, birgt das Problem, dass Filme zur Massenware degradieren und man als Zuschauer keine echten Schauspieler mehr serviert bekommt, sondern allenfalls “Lückenfüller”, um die menschliche Komponente im Film auch noch zu beleben.
Früher war das anders – und das unterstreicht das “Classics” am Ende des Publisher-Namens dann auf höchst erfreuliche Weise, denn hier wird etwas abgestellt, das vor Seele und wahrem Leben nur so trieft.
Dass sich die Inhalte der Geschichte zudem auch noch tief in die eigene Seele vorbohren und dort einen vergnüglich-schmerzlichen Eindruck hinterlassen, ist die Kirsche auf der Sahnetorte, die man den Teilhabenden dieses Ensembles gerne gönnt.
Wer sich also ab morgen auf die neue Kinowoche vorbereitet, der sollte sich diesen Titel ganz genau ansehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich oldschool, aber nicht altbacken, sondern mit einer erfrischenden Prise Humor, Vergnüglichkeit, Seelenschmerz und auf der Suche nach der eigenen Identität in einer Welt, in der auf einmal alles anders ist als es bisher war.
Hier versteht jemand sein Handwerk und schenkt seinen Zuschauern ein Werk, dass vor einfühlsamem Verständnis nur so ins Herz übergeht. Ein Film, den man sich besser mehrmals anschaut als ihn auch nur ein einziges Mal zu verpassen.
Reingehen!

 
Nachspann
driftet langsam ins Off … also nicht ganz so schnell aufstehen, sondern gemütlich aus dem Saal raus. Dann passt das.
 
P.S: Noch nie wurde Product Placement so elegant und komödiantisch als Stilmittel eingesetzt wie hier – von daher sind die teils übertriebenen Einlagen ebenfalls zum Schmunzeln 😉

Ein Mann namens Ove

Dass man sich bei Filmen auch oft in eine wunderbar verstrickte, herzlich erzählte und komplex aufgebaute Geschichte hineinfallen lassen kann, haben andere Länder schon längst mit ihrer Art des Filmemachens bewiesen.
Ein Mann namens Ove hat seine Wurzeln in Schweden und reiht sich nahtlos in die Erfolgsgeschichte solcher Kinoerrungenschaften ein.
Bei mir absolut punkten konnte der derbe-schwarze Humor, den man in Filmausschnitten bereits vorher trailerhaft bewundern durfte und der im Film nicht nur in seiner Intensität beibehalten, sondern weit übertroffen wurde. Die schrullige Art, die Ralf Lassgard hier phänomenal überzeugend auf die Bildfläche wirft, zielt mit ihrer Schroffheit direkt an den Puls der Lachadern und sorgt beim teils betroffenen, teils belustigten, teils eingeschüchterten Zuschauer stets für gute Laune inmitten eines eigentlich bitterbösen Themas. Dass hier die allgemein geforderte political correctness so ganz und gar nicht bedient, sondern eher von slapstick-anmutenden Comedy-Einlagen des Hauptdarstellers dekonstruiert wird, trägt nur noch mehr dazu bei, dass der Stoff vom Zuschauer positiv aufgenommen wird.
Dabei sollte man solche Filme gar nicht zur großen Masse der Blockbuster zählen, sondern erfährt sich hier selbst eher in einer charmant-heimeligen Nischenproduktion, die neben einem spitze besetzten Cast auch noch eine funktionierende Geschichte, viel Kurzweil und jede Menge Freudentränen mit sich bringt.
Im Gegenteil zu einer klassischen Culture-Clash-Komödie wird hier eben das differenzierte Augenmerk nicht nur auf die kulturellen Unterschiede verschiedener Abstammungen gerichtet, sondern gnadenlos alles durch den verbalen Reißwolf gedreht und unterhaltsam wieder ausgespuckt.
Und das Ergebnis darf sich sehen lassen. Ein Mann namens Ove erfüllt meines Erachtens alle Voraussetzungen, um förderlich für einen unvergesslichen Kinoabend zu sein und sollte daher von jedem näher betrachtet werden, der in den kommenden Wochen plant, ein Lichtspieltheater aufzusuchen. Das “Prädikat besonders wertvoll” hat er sich mehr als redlich verdient!
 

.kinoticket-Empfehlung: Freundin schnappen, .kinoticket lösen und die Vorstellung genießen.
Dieser Streifen bringt alles mit, was es für grandiose Unterhaltung braucht und kommt dabei völlig ohne Niveauabfall und andere Peinlichkeiten aus. Der schwarze Humor überströmt einen förmlich, die Dialogeinfälle sind genial und selbst in ruhigeren Phasen verliert der Film keineswegs an Unterhaltungswert.
Spitze, um sich mal wieder richtig zu entspannen und die Seele auf quirlige Weise baumeln zu lassen. Daumen hoch!

 
Nachspann
kommt keiner mehr, beim Beginn der Laufbuchstabenkundschaftspräsentation darf man sich also wieder gen Realität bewegen.

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