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Tag: Ridley Scott

Niemandsland – The Aftermath

Niemandsland - The Aftermath

© 2019 Twentieth Century Fox

Das Plakat gibt einen wunderbaren Vorgeschmack davon, wie sehr einen Vorurteile täuschen können. Worauf habt ihr Bock, wenn ihr derartige Bilder seht und wieder mal (wie so oft in Deutschland) nicht wisst, was “The Aftermath” bedeutet?

Ich verrat’s euch nicht, schick euch aber zwingend in den Film, der wartet nämlich mit einer wunderbaren Bildprofessionalität auf und erzählt eine sagenhafte Geschichte, die man so ganz sicher nicht erwartet hätte. Wie ich zu Jason Clarke stehe? Schaut bei Friedhof der Kuscheltiere nach. Und der Rest vom Titel-Fest arbeitet genauso abartig, dass man im Kino sitzt und die Show einfach feiert.

Es ist der Hammer, wie man so eine Zeit, so ein Thema mal so ganz und vollkommen anders anpacken kann und dem Zuschauer nichts aus der Klischee-Mottenkiste liefern braucht, sondern hier einen Titel vorstellt, der seine Aufmerksamkeit redlich verdient hat.

Würdigt sie … indem ihr ein .kinoticket besorgt, eure Freunde schnappt und diesen wunderbaren Film in einem Kino eurer Wahl genießt.

.kinoticket-Empfehlung: Eine Sichtweise, die so allein auf weiter Flur steht, dass man sie einfach ansehen muss: Wie hier an das Thema rangegangen wird, ist überaus beeindruckend.

Eingebettet in tragreiche Geschichten und eine ansonsten hervorragend umgesetzte Bild-Pracht bekommt ihr hier genau das, was niemand erwartet hätte.

Reingehen!

Nachspann
❌ man rennt nicht gleich aus dem Kino, wenn die Schwarzblende einsetzt, es kommen aber auch keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: The Aftermath
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12

Alles Geld der Welt

Alles Geld der Welt hat bereits in den Medien mit jeder Menge internationaler Aufmerksamkeit von sich reden gemacht, die ich jetzt nicht mehr großartig ausführen möchte – allerdings lasse ich mir nicht die Chance entgehen, hier mal einige Spekulationen zu beenden, die in meinen Augen oft nicht richtig im TV wiedergegeben werden:
Wir alle wissen, dass Kevin Spacey wegen diesen Vorwürfen aus der Produktion geschmissen wurde, damit – so die offizielle Pressemitteilung der Filmemacher – “… die bedauernswerten Anschuldigungen gegen einen Nebendarsteller nicht einen Film beschädigen, an dem über 800 Schauspieler, Autoren, Künstler, Handwerker und Crewmitglieder mehrere Jahre lang unermüdlich und unbescholten gearbeitet haben.”
Fakt ist, dass Christopher Plummer schon von Anfang an die erste Wahl von Ridley Scott gewesen ist und sich die Studios im Nachgang für Kevin Spacey entschieden haben, da dieser als Oscar®-Preisträger eine wesentlich höhere Bekanntheit hatte und vermutlich mehr Zuschauer in die Kinos gelockt hätte.
Tatsächlich hat man sich deshalb gegen den Willen der Macher für ihn entschieden, bis dann die Vorwürfe auftauchten, die Scott seinerseits dazu nutzte, den von ihm schon anfangs favorisierten Christopher Plummer einzusetzen, was in meinen Augen definitiv die richtige Wahl gewesen ist.
Dies führt mich zu zwei Punkten: Einerseits erkennt man hier – in einem Film, in dem es perverser Weise um Geld geht – mit welchen Mitteln tagtäglich in Hollywood gearbeitet wird, um eigentlich sensationelle Gedanken und kreative sowie künstlerische Prozesse so niederzubügeln, dass sie an einen kalten, emotionslosen Markt angepasst sind und möglichst viel Geld in die Kassen spülen, was sich als negatives Beispiel an sich selbst rächte, da genau der gewünschte Vorteilseffekt durch die unentschuldbaren Anschuldigungen jetzt ins Gegenteil verkehrt wurde und man jetzt paradoxerweise Angst davor hatte, dass die Zuschauer den Film gerade deshalb boykottieren.
Andererseits ist es ein Paradebeispiel dafür, woran Hollywood schon seit Jahren erkrankt ist: Junge, talentierte, erfahrene und fähige Menschen trumpfen mit tollen Ideen, klasse Erfindungen, filmischen Interventionen und anderen brauchbaren Möglichkeiten auf, die dann allesamt von den Studios in eine massentaugliche, langweilige und von allen Spitzen befreite Lahmarschigkeits-Maschinerie umgewandelt werden, die sich weder am künstlerischen Potenzial, noch an freigeistigen Ideen, sondern einzig und allein an einer perfekt optimierten Vermarktungsstrategie orientiert, der nichts mehr heilig ist: Nischen werden nicht mehr bedient, man möchte niemanden mehr vor den Kopf stoßen und opfert seine prätentiösen Möglichkeiten einer öffentlichen Zurschaustellung, die in einer desaströsen medialen Schlacht endet.
Bei Alles Geld der Welt ist jetzt eher unfreiwillig genau das passiert, was ich so vielen Filmen immer wünsche: Er wurde von den alles beherrschenden Gier-Mentalitäten der Publisher befreit und genießt nun auf einmal wieder ungestört das künstlerische Potenzial, dass sich Scott anfangs genau so ausgemalt hatte, wie es jetzt final auf der Leinwand zu bestaunen ist: Mit einem Christopher Plummer in Höchstform!
Ganz ehrlich: Ich habe den Titel bereits gesehen, als die Anschuldigungsvorwürfe noch ganz am Anfang standen und die Presse sich noch nicht wie die Geier über die Story hergemacht hatte und habe es – da ich Spacey als Schauspieler höchst schätze, weil er einfach verdammt gut spielt – verflucht, dass man jemand so talentierten wegen dieser Scheiße nun von der Leinwand verbannt … obwohl es definitiv gerechtfertigt ist und dieser Schritt absolut richtig war.
Beim Sichten habe ich jede Szene mit Plummer dann gedanklich auf Spacey übertragen und mich gefragt, wie er das gespielt hätte … oder allein, wie es mit seiner Stimme geklungen hätte – und da war ich bereits zu Beginn vollkommen davon überzeugt, dass niemals in der Geschichte jemand anderes als Plummer diese Rolle hätte spielen dürfen, weil Spacey dafür einfach der absolut falsche Mann gewesen wäre.
Man merkt so sehr, dass Plummer die Rolle so sehr auf den Leib geschrieben ist, da er als Person auch viel mehr an den echten Paul Getty rankommt. Ich meine, eine direkte Golden Globe-Nominierung spricht ja auch Bände.
Was ich nun bedenklich fände, wäre, wenn die Öffentlichkeit diesen Film aufgrund seiner medialen Skandal-Ambivalenz ignorieren würde, weil einfach schon zu viel darüber geredet wurde, denn das hat er nicht verdient.
Im Gegenteil: Die Botschaft des Films sollte mehr unters Volk verteilt werden, da man hiermit einen völlig neuen Blickwinkel auf Geld und Reichtum angetreten hat, der meiner Meinung nach absolut sehenswert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Plummer war von Anfang an gewünscht und ist kein Ersatz, sondern die erste Wahl – er spielt perfekt und macht aus dem Film etwas Großartiges!
Die skandalträchtigen News rund um diesen Film sollte man einfach beiseite schieben und sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren: Nämlich, sich diesen Film auf die .kinotickets drucken zu lassen und ihn in einem Kino seiner Wahl zu besehen! Es lohnt sich – versprochen!

 
Nachspann
Nicht sitzen bleiben, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 15. Februar 2018

Alien: Covenant (mit Gewinnspiel)

Achtung: Gewinnspiel weiter unten – wer keine Kritik lesen möchte, sondern nur am Gewinnspiel teilnehmen, bitte einfach runter scrollen!

Gott, was kribbelt es mich in den Fingern, wenn ich nur daran denke, dass Alien endlich wieder auf den großen Screen kommt. Als Fanatiker der alten Schule und Anbeter der klassischen Filme gab es für mich keine bessere Meldung, als endlich wieder meine Lieblingsbösewichter über die Leinwand huschen zu sehen und den Kult im modernen Zeitalter erneut zu feiern bzw. frenetisch in historischen Erinnerungen zu schwelgen.

Ja, ich bin wirklich Fan erster Stunde und habe eine galante Geschichte hinter mir, die meine Kindheit mit dem Urvater des Weltallhorrors verbindet: “Im Weltall hört dich niemand schreien.” steht auch für mich heute noch als Synonym für perfekten Horror, der einfach alles mitbringt, was benötigt wird, um sich mal wieder richtig zu gruseln.

Und ich LIEBE die Aliens, ihre Art, ihre Denkweise, ihre Brutalität, ihren Verstand, ihre genetische Beschaffenheit und das Durchtriebene, wobei man als Mensch nur hilflos davor steht und zusehen kann, wie man per Definition verliert.

Der Aufstieg und Fall, die Geschichte der Crew, der Raumschiffe, das ganze Leben im All rund um das Alien-Universum haben mich von Anfang an bis heute begeistert. Und ich kann die klassischen Filme fehlerfrei mitsprechen und habe sie bis heute unzählige Male gesehen. Die DVD-Veröffentlichungen gekauft, die Neuerscheinungen, Legacy, Quadrilogy und wie sie alle hießen. Ja, Alien war der erste Film in meiner Sammlung, wo ich wirklich jede Version besaß und es mir auch nichts ausgemacht hat, dass die Inhalte doppelt, drei- und später vielfach vorhanden waren. Die Chronologie war es einfach wert.

Für mich sind diese Filme (Alien, Aliens, Alien 3 und Alien Resurrection) auch irgendwie das allumfassende Synonym des perfekten Kinos meiner Kindheit. Ganz klar, dass man da selbst auf die Pressevorführung hinfiebert und es kaum erwarten kann, wenn der Godfather himself Ridley Scott wieder seine Finger ins Spiel bringt und erneut die böse Brut über den Boden tanzen lässt.

Und genau an dieser Stelle muss man als alteingefleischter Alien-Fan ein paar kleine Abstriche machen, die man wahrscheinlich schon von Prometheus her kennt: Die Klassik innerhalb der Filme hat in unserer Zeit irgendwie keinen Boden mehr gefunden (obwohl ich mir relativ sicher bin, dass man damit genauso punkten könnte, es sich nur aus unerfindlichen Gründen keiner mehr wirklich traut), sondern man ist mehr in Richtung Alien vs. Predator oder aber eben Prometheus gegangen, auch wenn die Geschichte nun wieder im Original-Alienverse spielt.

Mir zumindest rannte die Gänsehaut überall hoch und runter, als endlich die bekannten Klänge und Themes der traditionellen Filme zu hören waren – wenn auch diesmal soundtechnisch designed by Jed Kurzel, der gemeinsam mit Michael Fassbender ja schon in Assassin’s Creed hervorragende Zusammenarbeit bewiesen hat.

Muss man erwähnen, dass in Sachen Brutalität und Horror eins oben drauf gepackt wurde und man hier wesentlich mehr in die Tiefe des Alls vordringt, ohne Rücksicht auf Verluste? Ich möchte nichts spoilern um niemandem den Spaß am Schauen zu verderben und frage mich darum, wie ich es sagen soll, dass mir an manchen Stellen der totalitäre Einfluss des mittlerweile leider von uns gegangenen H.R. Giger etwas gefehlt hat. Dieser innere Verlust wird zwar im Mittelteil des Films durchweg durch viele Szenen getragen, aber andererseits durch bekannte Charaktere wieder wettgemacht, die das Weltraumgemetzel auch heute noch überzeugend und absolut spannend rüberbringen.

Stellenweise fühlte mich mich ob der blitzschnellen Schlagfertigkeit mancher Momente eher an Resident Evil denn an Alien erinnert, was dem Sehspaß aber keinerlei Abbruch tut und auch im Jahr 2017 noch dafür sorgt, dass man sich im Kino gruseln darf und dabei auch hin und wieder angeekelt den Kopf wegdreht.

 

.kinoticket-Empfehlung: Fans alter Schule haben wohl hier und da ein wenig Ziepen im Nacken, wenn man die Modernisierungsmethoden veranschaulicht kriegt, werden jedoch durch jede Menge Traditionalität und hervorragende Schauspieler entschädigt, die – allen voran Michael Fassbender – eine unglaubliche Geschichte aus einer unglaublichen Welt erzählen, die man gesehen haben muss!

Also packt eure Freunde ein, krallt euch in die Armlehnen und lasst euch von dem noch brutaleren Schocker des Urvaters des Sci-Fi-Horrors erneut überraschen!

 

Nachspann
bleibt aus, genau so wie man es auch aus den traditionellen Filmen kennt.

GROSSES GEWINNSPIEL sponsored by Twentieth Century Fox

Sodale, zur Feier des Tages gibt es zu diesem geilen Film auch wieder mal ein Gewinnspiel bei mir im Blog – und zwar gleich mit mehreren Preisen, damit nicht einer gewinnt und andere leer ausgehen.

Twentieth Century Fox hat für euch ein paar extrem coole T-Shirts und megacoole Poster locker gemacht, die ich hiermit an euch weiterverlosen möchte.

Alles, was ihr dafür tun müsst, ist folgendes:

Postet unter diesen Eintrag (hier direkt im Blog oder auch auf Facebook in den Kommentaren) einfach euren Lieblingsalien rein … Auswahl gibt’s ja viel:

Xenomorph, Chestbuster, Facehugger, Neomorph usw. und schickt diesen Kommentar bis zum 31. Mai 2017 ab. Am 1. Juni werde ich dann unter allen Kommentatoren die Gewinner auslosen, welche entweder ein T-Shirt oder ein Poster zugeschickt bekommen. Die Gewinner werden dann auf gleiche Weise informiert (entweder hier im Blog oder auf Facebook) und um Mitteilung ihrer Adresse gebeten, um euch die Ware zuschicken zu können.

Das ganze gesetzliche Blabla lass ich an dieser Stelle einfach mal unerwähnt stehen, denn wir alle sollten erwachsen genug und bei ausreichend Verstand sein, um zu akzeptieren, dass die üblichen Regeln aus Gewinnspielen auch hier gelten: Keine Barauszahlung der Gewinne, keine doppelte Teilnahme, keine Bevorteilung und kein Zwang zur Teilnahme auf Facebook – darum geht auch die Möglichkeit, hier im Blog zu kommentieren.

Wer kein Lieblingsalien hat oder die alten und neuen Filme nicht gesehen hat, der darf dies auch gerne drunter schreiben und dessen Beitrag fließt genauso mit in die Auswertung ein.

Die Preise wurden von Twentieth Century Fox bereitgestellt – vielen Dank an dieser Stelle nochmal an das Studio. Und zum Schluss noch eine kurze Notiz für Facebook: Facebook, deren angeschlossene Tochtergesellschaften oder sonstige Gesellschaften stehen in keinerlei Verbindung zu diesem Gewinnspiel: Dies wird ausschließlich durch kinoticket-blog.de veranstaltet und die Preise wurden von Twentieth Century Fox gestellt.

So, und nun wünsche ich vergnügtes Kommentieren, wünsche euch allen viel Glück und hoffe auf rege Teilnahme, damit ich die wahnsinnig coolen Sachen endlich weiter verschicken kann.

Euer Ben von kinoticket-blog.de

In der Kürze liegt die Würze – Anleitung für’s Gewinnspiel:

  1. Lieblingsalien posten
  2. Kommentar bis zum 31. Mai 2017 abschicken (hier im Blog oder auf Facebook)
  3. Glück haben und entweder ein T-Shirt oder Poster von Alien: Covenant  zugeschickt kriegen

 
Nachtrag: Alle Gewinner wurden benachrichtigt und die Gewinne verschickt. Viel Spaß damit! 🙂

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (3D)

Der Trailer rief bei mir zwar Sichtungs-Sehnsüchte hervor, brachte mein Herz jedoch nicht in Wallung, wenn ich daran dachte, dass mich dieser Blockbuster so richtig vom Hocker reißen würde. Irgendwie hatte ich das dumpfe Gefühl, dass einem hier großartige Mainstreamkost vorgesetzt wird, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Und irgendwo ist es genau so gekommen. Der Film ist brillant, was Kulissen, Theatralik, verbale Auseinandersetzung und Thematik angeht und auch das 3D darf sich ruhmreich in der Sonne gelungener Arbeit baden. Hier gibt es wirklich kaum etwas auszusetzen.
Was die Geschichte und simple Kleinigkeiten angeht, war es teilweise aber doch kritikwürdig, zumal der Mars nicht das erste Mal Schauplatz fiktiver Geschichten ist, sondern schon oft in Hollywood als Ort des Geschehens oder Vorlage für SciFi-Horror herhalten musste. Die großartigen Überraschungen blieben also aus, die Ideen, mit denen man hier jongliert, driften aber teilweise ins Lächerliche. Stichwort: Tesa. Hier habe ich mir ernsthaft an den Kopf gefasst und mich gefragt, ob die das jetzt wirklich so meinen.
Positiv aufgefallen ist der ausbleibende Patriotismus, der zwar klischeehaft angerissen, jedoch nicht süffisant ausgelebt, sondern brav zurück in die Ecke gedrängt wird. Matt Damon leistet hier in seiner Nicht-ganz-One-Man-Show erstklassige Arbeit und wird auch andernorts für seine Darstellungen gelobt. Alles verhält sich sehr bodenständig, normal, ausgeklügelt und durchdacht – problematisch ist eben, dass es keine echten Werte gibt, auf die man zurückgreifen kann, da es sich hier eben immer noch “nur” um Fiktion handelt.
Allerdings macht dieser Film durch seine belebtere Struktur wesentlich mehr Spaß als Gravity, wo wirklich alles auf das Wesentliche runtergebrochen wurde und somit die Einsamkeit vollends im Vordergrund stand.
Gegenteilig wirkte Damon teilweise aber auch zu fröhlich, da die Sequenzen des Zweifels und der seelischen Qualen so überhaupt nicht angegangen werden, sondern allenfalls angerissen und nicht ausdiskutiert. Und da wären wir wieder beim Thema Mainstreamkost: Alles ist fröhlich, es ist unterhaltsam, teilweise doof und unrealistisch, aber im Endeffekt wird keinem so richtig auf die Füße getreten und alle sind glücklich. Diese Kombination kann funktionieren, ist aber kein Garant auf Erfolg, da man so auf viel Tiefe und Profil verzichtet und aus einem Sensationserfolg “nur” einen Kassenschlager macht.
Die bitterböse Enttäuschung ist das jetzt aber keineswegs, sondern durchaus ein Film, der sich – gerade in 3D – sehr lohnt, im Kino anzuschauen, sofern man auf der Suche nach einer kurzen Pause vom echten Leben hier in dieser Welt ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von Science Fiction mutiert dieser Streifen schon fast zur Schaupflicht.
Die Darstellungen von Matt Damon sind bodenständig, sehr realistisch und teilweise etwas zu fröhlich, das große Gesamt-Ganze darf sich durch seine beeindruckenden Bilder und Szenen und durchaus sehenswertes 3D gerne über die kleinen Macken hinwegsetzen, die die Spur der Erfahrungen hier und da spicken.
Man bekommt hochwertiges Mainstream-Kino vorgesetzt, nicht mehr, nicht weniger.

 
Nachspann
beginnt anfangs noch mit einigen Sequenzen. Sobald die abblenden, darf man den Saal verlassen.
 

Kind 44

Ich tu mich etwas schwer damit, über diesen Film zu schreiben, der erneut ein Buchthema aufgreift und stilistisch gut umgesetzt ins Kino transportieren möchte. Man landet im kalten Russland, umgeben von grau und der Simplizität des Krieges, der seine Züge bis weit in die Privatsphären zieht.
Alles ist gefährlich. Selbst reden. Es geschehen Dinge, die nicht passieren dürften und verschleiert werden müssen, um die bröckelnde Fassade eines korrupten Systems nicht aufzudecken.
Gerade diesen Schachzug meistert dieses Werk recht gelungen. So vertrackt die Lage damals war, so gelungen landet diese Schwierigkeit für einfache Personen auf der Leinwand. Und genau hier sehe ich für mich persönlich das Problem: Hat man den Kasten durchschaut, wird es relativ schnell langweilig. Die irre Suche nach einem Mörder wird bald zur zeitraubenden Aufgabe, der es im Vergleich zu beispielsweise Die Augen des Engels massiv an Spannung fehlt und jede Menge Langwierigkeit aufkommen lässt, die den Gesamteindruck deutlich schmälert.
Hier lässt man sich an viel zu vielen Stellen einfach viel zu viel Zeit und zeigt Dinge, die vom Ablauf her zwar wichtig erscheinen, das Geschehen aber in keinem Fall voran treiben. Das endet in einer Zähflüssigkeit, die bald als nervend empfunden wird und einen die Augen schließen lässt.
Nichtsdestotrotz liefern Tom Hardy und Gary Oldman hier eine grandiose Show ab. Die außerstädtische Abgefucktheit der ganzen Situation spiegelt sich wunderbar in der rauhen Stimme und dem wahnhaften Zusammenspiel beider ab. Jeder weiß, dass etwas getan werden muss, nur keiner sieht sich dazu in der Lage, ohne dabei auf Regeln zu verzichten, die dich selbst zum Ziel werden lassen.
Was allgegenwärtig ist, ist der Hass auf das russische System dieser Zeit. Auch als Zuschauer bekommt man regelrechte Aggressionen, wenn man sieht, welche Auswirkungen selbst banale Dinge des Lebens auf Menschenleben haben und wie kaputt und zerrüttet dadurch das sonst auch schon schwere Leben wird. Ob dies in einer Zeit des Ost-West-Konflikts, den wir gerade durchleben, förderlich ist und öffentlich derart thematisiert werden sollte, sei dahingestellt. Meinem Empfinden nach erscheint dieser Film zur falschen Zeit, da er in diesem Punkt ganz klar Stellung bezieht und den sowieso schon angeschlagenen Verhältnissen beider Nationen eher Unfrieden bringt als hier zu mehr internationalem Verständnis beizutragen.
Andererseits haben wir in der Vergangenheit genügend negative Berichterstattung in jedweder Form über unser eigenes Land gesehen und könnten daher dankbar dafür sein, dass endlich jemand den Mumm hat, offen zu zeigen, dass auch andere Völker Dreck am Stecken haben und die Deutschen nicht die einzigen geschichtlichen Miesepeter sind, auch wenn das keine der geschehenen Taten relativiert. Aber was bringt das?
Ihr merkt schon: Das Ganze ist geprägt von sehr viel Negativität, für die man sich dann auch noch extrem Zeit lässt. Man mag zwar neue Einsichten in vergangene Tage erhalten oder sich an dem Schauspiel der Hauptdarsteller erfreuen, geht jedoch eher niedergeschlagen als erbaut wieder nach Hause. Und da stellt sich mir dann die Frage: Warum?
Warum sollte man sich einen Film anschauen, der über Missstände informiert, aber nicht provokant genug ist, um zu zeigen, wie man es besser machen könnte?
Warum sollte man sich von etwas runterziehen lassen, das sowieso vorbei ist und an dem heute nichts mehr zu ändern wäre?
Warum soll man sich mit einer Geschichte vergnügen, die zu unspannend rüberkommt, als dass sie wenigstens mitfiebern lässt?
Nicht die Story ist schlecht, nicht die Umsetzung dahinter, sondern die fragwürdigen Ziele, die dieser Film verfolgt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kind 44 versetzt einen klar in eine Zeit, die von wenig Farben und Freude geprägt ist und transformiert jegliches emotionale Empfinden in eben jene Gemütsstimmung.
Man hat genügend Zeit, um in dieser Ära zu schwelgen und bekommt unterschwellig den Hass auf das russische System eingepflanzt, der sich im Laufe der Spielzeit festigt und so zu keinem friedvollen Verhältnis beiträgt.
Fragwürdige Lektüre, die von Hardy und Oldman klasse umgesetzt wurde und einen dennoch mit trauriger Miene wieder nach Hause schickt. Wer sich diesem düsteren Kammerspiel stellen möchte, wird hier definitiv befriedigt.

 
Nachspann
dürft ihr getrost ignorieren, hier kommt nichts wichtiges mehr.

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