schockierend

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Alexander McQueen
© 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

 

“Man muss die Regeln kennen, bevor man sie bricht. Dafür stehe ich: Die Regeln zerstören, die Tradition bewahren.“
(Alexander McQueen)

Mit diesem wunderbaren Zitat bringt es der Modeschöpfer quasi schon auf den Punkt: Dieser Film ist ein extravagantes Beispiel eines Wesens, dass nicht in die üblichen Klischeeschubladen dieser Welt passt und sich daher zur Aufgabe gemacht hat, über „Enfant terrible“-Avancen die Welt zum Hinschauen zu bewegen: Seine Shows stehen für Ausgefallenes, Provokation, Schock.

Sein Leben passt wunderbar in den „Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll“-Slogan, seine Werke erinnern an Punk innerhalb einer morbiden, unerreichbaren und völlig abgehobenen Welt, in die diese schockierende Andersartigkeit eigentlich nicht rein gehört.

Und genau das war sein Ziel: Die Menschen zu verstören, ihnen etwas zu bieten, das gleichermaßen anziehend und distanziert wirkte und eines garantierte: Aufmerksamkeit. Nicht umsonst gehört die Spätausstellung über sein Lebenswerk heute zu den erfolgreichsten Installationen aller Zeiten.

In der Kinowelt verbindet man „Laufsteg“ wahrscheinlich immer noch mit den Strichmännchen aus Heidi Klum‘s Show auf ProSieben und dem dazugehörigen Niveau, von dem sich viele bereits abgewendet haben.

Alexander McQueen – Der Film beweist, dass es nicht überall so zugehen muss und zieht relativ schnell in seinen Bann: Dieser Mann war außergewöhnlich und der Film ist ein Versuch, dem gerecht zu werden, der das Publikum in meinen Augen definitiv erreicht.

Das bedeutet: Auch wenn man für Mode und derlei Shows sonst nichts übrig hat, bietet dieser Streifen unfassbares Unterhaltungspotenzial und zeigt Stücke, die durch Ausgefallenheit begeistern. Der Gang ins Kino ist also auf jeden Fall lohnenswert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Auch Mode-Banausen können ihren Spaß an diesem Werk finden: Die Geschichte um diesen Mann erzählt viel über die Gesellschaft, in der er aufwuchs und lebte.

Dieses Portrait über ihn versucht sich an genauso stilbrecherischen Methoden, wie er es seinerzeit mit Mode tat und ist damit auch für Freunde des Kinos ein optisches Schmankerl, dass den Eintrittspreis definitiv wert ist.

 

Nachspann
✅ darf man noch mitnehmen, hier werden noch einige krasse Schöpfungen von Alexander gezeigt.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: McQueen
Length: 111 Min.
Rate: FSK 12

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Sicario

Ich habe Schmerzen. Schmerzen vom Aufschleifen meiner Kinnlade am Boden, die seit den ersten 3 ½ Sekunden des Films permanent dafür sorgte, dass mein Mund ununterbrochen offen stand.
Und für Kinofetischisten wie meinereiner ist es höchste Kunst, wenn ein Macher so etwas fabriziert, das mich gelinde gesagt komplett wortlos werden lässt. Meine Begleitung hatte zumindest riesigen Spaß dabei, mich mal wirklich vollkommen geflasht und breit in den Boden gekloppt zu erleben, denn – mir – fehlen – einfach – die – Worte!!!
Auch Tage danach (der Film lief vor 7 Tagen bei mir in der Sneak) bin ich immer noch unzufrieden bei dem Gedanken daran, wie ich es in meiner Unfähigkeit schaffen soll, Leute wie euch dazu zu bewegen, euren Hintern ins Kino zu schleifen und euch dieses Meisterwerk anzuschauen!
Ganz ehrlich? Dieses Teil erhebt so völlig gar keinen Anspruch daran, sich mit irgendwelchen Blockbustern und Weltrekorden zu messen und generiert dadurch eine derartig unfassbare Größe und Wucht, dass JEDEM (!) Showteilnehmer die Fresse einfach nur offen stand. So einen ruhigen, geschockten, braingefuckten Saal habe ich in meiner Karriere als Kinosüchtling bislang noch niemals erlebt. Es war kein Muckser zu hören – nicht einmal das Knacken von Popcorn zwischen den Zähnen geschweigedenn irgendwelches Rascheln von Plastik-Nacho-Packungen oder Popcorntüten – nichts! Betroffene Stille, betretenes Schweigen, ehrfürchtige und respektvolle Bewunderung – oder auch einfach nur der pure Schock dessen, was man dort zu sehen kriegt.
Kino für Weicheier? Drei Säle weiter – hier kommt Kost auf den Tisch, die nicht nur schwer verdaulich, sondern in höchstem Maße anspruchsvoll ist. Emily Blunt – eine Göttin was Filme dieses Genres angeht. Ihr Gesicht, ihre Ausdrucksweise, ihre Stimme, die Dialoge, die verdrahtete Verzweiflung und der kämpferische Geist – im Zusammenspiel mit Josh Brolin oder Benicio Del Toro – oscarwürdig! Wenn dieser verdammte Streifen nicht mit Anerkennungen überschüttet wird, verliere ich meinen kompletten Glauben an alles, was die Menschheit je ausgemacht hat.
Die Brutalität und zeitlose Zerstörung der heilen Welt, die einem sonst überall vorgesetzt wird – ein Meisterwerk. Du bist nicht davor, du bist auch nicht dabei oder mittendrin, du erlebst diese verdammte Scheiße selbst und vergisst, dass du dich mitten im Kino befindest. So nah an etwas herangeführt, tief reingezogen und verschluckt, verdaut und hinterher völlig verdattert wieder ausgespuckt hat dich noch kein Dino dieser Welt.
Die Gesichter der Menschen beim Verlassen des Kinosaals (übrigens mucksmäuschenstill und in erhabener Demut und respekteinflößender Furcht) wären selbst schon einen eigenen Film wert gewesen, hätte sich jemand die Mühe gemacht und eine Kamera am Ausgang postiert. So etwas abartiges habe ich noch niemals erlebt – nicht in dieser Form, nicht in dieser Masse.
Wenn ihr irgendeinem Menschen etwas gutes tun wollt, dann fesselt ihn, ladet ihn in den Zug oder euer Auto, lasst ihn im Kino wieder frei, nachdem ihr die .kinotickets für Sicario gelöst habt und zieht euch verdammt nochmal diesen Streifen rein.
Freunde von mir berichteten übrigens von genau den selben Phänomenen wie sie mir begegnet sind: Geschocktes Schweigen, absolute Ruhe, der pure Hirnfick schlechthin. Und auf Twitter und Facebook geht es weiter … es geht also nicht nur mir so, sondern das Ding löst tatsächlich weltweit diese Gefühle in Menschen aus.
Was bleibt mir letztlich noch zu sagen, außer…
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn es je einen Grund gab, ein Kino von innen zu besichtigen, dann dieser hier.
So eine abartige Wucht an Bildern, Dialogen und prätenziösen Momenten hat es selten bis nie gegeben.
Was hier geboten wird, schlägt nicht nur bei mir hohe Wellen und forciert dich in eine Welt, die authentischer nicht dargestellt werden könnte.
Sicario hat aber mal sowas von den Nagel auf den Kopf getroffen, dass einem vor Ehrfurcht schon fast schlecht wird. Rein rein rein rein rein – man kann ihn nicht oft genug sehen!

 
Nachspann
braucht dieser Streifen nicht. Der Schock sitzt viel zu tief in den Gliedern, als dass man sich danach noch auf irgendwas anderes konzentrieren könnte.

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