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Tag: Schriftsteller

Die Frau des Nobelpreisträgers

Die Frau des Nobelpreisträgers

© 2018 SquareOne Entertainment GmbH

Glenn Close, die Dame, die uns als altehrwürdige Koryphäe aus Mord im Orient Express im Kopf geblieben ist und die für mich immer so ein wenig den Charakter von M aus James Bond verkörpert: Eine Schauspiel-Legende, die auch in diesem Film wieder aus dem Vollen schöpft und eine Darbietung abliefert, die seinesgleichen sucht.

Ich weiß, ich sollte nicht davon ausgehen, dass die Masse von Welt The Man Who Killed Don Quixote gesehen hat und darum Jonathan Pryce genauer kennt, der übrigens tatsächlich in einem Bond mitgewirkt hat – nämlich in Der Morgen stirbt nie.

Beide gemeinsam führen ein Regiment eines Statements an, das ich mit Preisen überhäuft sehen möchte: Die Darbietungen aller (ja, aller!) Darsteller ist hochrangig und bis ins letzte Detail perfekt gecastet. Und was dieses Mal in meinen Augen super geil geklappt hat, war die Transportation vom Buch auf die Leinwand: Man hat beim Plot genügend Zeit und Muße gehabt, um erst das Werk zu veröffentlichen und anschließend nicht mehr viel verdrehen müssen, um daraus eine gängige Geschichte zu erschaffen, die auch auf der Leinwand funktioniert: Die Thematik ist so ausgeklügelt und wohl gewählt und macht bis ins kleinste Detail einfach nur eine Menge Spaß.

Kürzlich schrieb ich über Themen, die die Welt heute immer noch bewegen und berühren und dringend notwendig diskutiert werden müssen – dieser Titel reiht sich da ins Beispiel aller Positivitäten ein und erzählt einmal mehr eine Story, aus der Ehre, Tiefe, Eloquenz und Würde nur so raus trieft und die in meinen Augen einfach nur sehenswert ist.

Glaubt mir – und das ist wirklich absolut selten inzwischen: Nur wegen der Schauspielerei lohnt sich der Film, da wäre das Thema und Genre fast völlig egal – aber auch das ist wahnsinnig toll und beides gemeinsam sieht schwer nach einem perfekten Kinoabend aus, sofern ihr euch für The Wife entscheidet.

.kinoticket-Empfehlung: Es ist lange her, dass tatsächlich die Schauspieler und Schauspielerinnen den Inhalt einer Story ausgemacht haben und es an ihnen lag, ob eine Erzählung lebt oder nicht … und genau das ist hier der Fall: Ein Volltreffer ins Schwarze!

Jede Figur wurde perfekt ausgewählt, die Story ist schweinegeil und das Schauspiel und die Dialoge leben von einer ehrwürdigen Aufrichtigkeit, die selten so schwer dazu beigetragen hat, dass ein Kinoabend tatsächlich perfekt werden kann. Lasst euch dieses Gourmet-Stück nicht entgehen!

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Januar 2019

Original Title: The Wife
Length: 100 Min.
Rate: FSK

Transit

Erinnert ihr euch noch an die Anfänge der Flüchtlingsströmung, die nach Deutschland einreiste und halb Europa mental verrückt gemacht hat? Durch Medien, gezielte Berichterstattung und jeder Menge seltsam kodierter Schreckensmeldungen auf Facebook und in sozialen Netzwerken ist dieses Phänomen längst nicht mehr objektiv bewertbar und hat uns Wortschöpfungen wie “Fake News” eingebrockt.
Die Menschen haben sich in Verbindung mit den politischen Ereignissen und der zunehmend verschobenen Denkweise einiger Verirrter längst einen völlig neuen Begriff dafür definiert und sich ihre teils absurde Meinung darüber gebildet.
Passt soweit auch – gehört ja u.a. zu einer der Errungenschaften einer Demokratie, eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten. Ob man die nun verstehen oder gar mitvertreten will, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Schaut man sich heute die Fakten mal an, erörtert die einstigen Ängste dieser Sorgenbürger, die eine Überfremdung und völlige Entmenschlichung der natürlichen Verhältnisse befürchtet haben und schaut sich um, was tatsächlich in diesem Land abgeht, wird man schnell folgendes feststellen:

  • Man kann immer noch auf deutsch seine Brötchen beim Bäcker ordern.
  • Die Landessprache hat auch 2018 noch nicht in arabisch oder “islamistisch” gewechselt, sondern ist weiterhin Deutsch.
  • Die unzähligen Massen, die aufgrund der illegalen Flüchtlinge alle ihre Arbeit verlieren werden, arbeiten weiterhin täglich in ihrem üblichen Job und wurden noch nicht durch Senegalesen, Irakis oder andere Weltbürger reihenweise aus ihrem Job verdrängt.
  • Es gibt immer noch mehr christliche Kirchen innerhalb dieses Landes, als Moscheen.
  • Die Ausübung des christlichen Glaubens (Hand auf’s Herz: Wer tut dies aus voller Überzeugung und nicht nur, weil Ostern oder Weihnachten ist?) ist auch weiterhin problemlos möglich – es wurde noch niemand erschossen, nur, weil er weiterhin in die Kirche geht und noch nicht zum Islam konvertiert ist.
  • Durch die Auseinandersetzung mit fremden Menschen und anderen Kulturen hat sich Deutschland der Aufgabe gestellt, über seinen eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und an ungewöhnlichen Situationen zu erstarken.
  • Diesem Land geht es – trotz vermeintlicher Überflutung von Flüchtlingen – unfassbar gut.

Beleuchtet man dies also alles ein wenig distanzierter und entspannter, stellt man unglaublich schnell fest: Die Dinge scheinen viel weniger spektakulär, als sie uns so manch Anhänger einer seltsamen Partei weismachen will.
Warum ich das alles erzähle?
Transit handelt nicht von der aktuellen Flüchtlingskrise, sondern dreht den Spieß einmal rum: Der Deutsche flieht – und das nicht 2018, sondern weit weit früher – 1940. Dies ist eine wunderbare Romanverfilmung, die sich nicht auf wahre Ereignisse stützt, sondern vielmehr das Verständnis für Fliehende ganz neu aufmischt und eine völlig andere Perspektive liefert, die man gerne auf heutige Zustände kopieren darf.
Genau dieses “altmodische” Verständnis dafür hat mir an dem Film sehr gefallen. Das beruhigte, unaufgeregte und einfach erzählerische, dass sich mit Situationen auseinandersetzt, die wir heute in unserer Raserei vielleicht vollkommen nüchtern bewerten sollten, um ein gutes Miteinander zu schaffen, bei dem Gewalt, Hass und Argwohn außen vor bleibt.
Wer jetzt glaubt, nur weil die Zahl 1940 aufgetaucht ist, wieder in einer der Schwarz-Weiß-Kriegsschmonzetten zu landen, der irrt gewaltig: Weiß man das nicht, fällt es einem gar nicht auf und man könnte meinen, der Autor hätte einfach ein sehr seltsames Weltbild unserer heutigen Situation. Also keine Angst: Es ist alles in Farbe und zeugt nicht von altdeutschem Charakter.
Dennoch – vielleicht gerade deshalb – ist die Sichtweise, die uns der Regisseur offenbart, eine sehr wertvolle, weil sie unsere Flüchtlings”krise” völlig neu bewertet und zumindest Anlass dafür gibt, sie einmal neu zu diskutieren. Was eignet sich dabei mehr als Einstieg, als ein toller Unterhaltungsfilm?
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Einblicke in das Leben der Menschen, die in den Ländern, wo sie verweilen, nicht geduldet sind.
Der Film gibt Aufschluss über das Leben als Verstoßener und bietet reichhaltige Chancen, ein unaufgeregteres, saubereres Bild unserer Welt zu gestalten, das nicht mehr vom Gift des Hasses durchsät ist. Allein dafür lohnt sich der Blick ins Innere eines Kinosaals.

 
Nachspann
Der Film darf vorzeitig verlassen werden, hier folgt nichts nach dem Abspann.
Kinostart: 5. April 2018
 
Und zum Abschluss gibt es noch ein paar Eindrücke von der Filmpremiere am 5. April 2018 in München im City Kino, bei der u.a. Regisseur Christian Petzold, Kameramann Hans Fromm, Darstellerin Maryam Zaree, Darsteller Matthias Brandt sowie Hauptdarsteller Franz Rogowski zu Gast waren.
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Monsieur Pierre geht online

Soll ich verraten, wie der Titel im französischen Original heißt? Nein, denn das würde zu viel spoilern, euch aber vor negativen Überraschungen bewahren. Ihr merkt schon, ich bin zwiegespalten, was das – und auch, was den Film angeht.
In der ersten Hälfte hat man nämlich richtig viel Spaß, erlebt freizügige, unverbrauchte Gags auf einem Gebiet, in das man sich meines Wissens nach filmisch noch nicht vorgewagt hat – was wiederum erfinderische Unterhaltung und jede Menge kreative Abenteuer verspricht, die der Film im letzten Abschnitt aber keineswegs liefert.
Irgendwie ist nach der Hälfte der Zeit die Luft absolut raus und der anfangs vorpreschende Geist des frischen Windes und der französischen Leichtigkeit verebbt zu einem zähen Schlamm widerwilligen Fortbewegens, während man in klischeehafte Comedy-Bausteine abfällt, um sich dann irgendwie noch zum bitteren Ende vorzukämpfen, das mit Ach und Krach in einem unsensationellen Finale gipfelt. Als wäre der Regisseur mit seiner Crew in der Mitte des Films auf einmal depressiv geworden und keiner hätte mehr großartige Lust gehabt, das Projekt jetzt auch zu beenden.
Das andere: Der Titel – im Original am Schluss gezeigt – wirkt irgendwie wie eine Entschuldigung, dass jetzt doch alles so mies geworden ist, während man im Deutschen auf völlig andere Erwartungen stößt, die logischerweise nicht erfüllt werden. Für mich ein nachträglicher Stoß vor den Kopf, der einem mitteilt: “Ätsch, falsche Erwartungen gehabt, hättest dich mal eher informiert”.
Und obwohl man hier alle klassischen Elemente einer Komödie vorfindet, erinnerte mich der Film eher an eine ermüdende Tragödie denn an ein (schwarzes) Humorstück. Anfangs fand ich diese unaufgeregte Ruhe noch extrem entspannend, während man sich im weiteren Verlauf kaum zu einem neuen Aufschwung hocharbeitet, sondern eben immer weiter in den Strudel der Depressivität eintaucht, der mit einem unglaublich vorhersehbarem Ende auch nicht besser wird.
Dabei können die Franzosen doch sonst so unglaublich gute Filme machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fürs Kino nur bedingt zu gebrauchen, da man sich mittendrin auf einmal anfängt, über den Kauf zu ärgern.
Ausrufe wie “Hä?” oder “Oh mein Gott…” im Publikum waren durchaus berechtigt.
Wer sich die (finanzielle) Enttäuschung sparen möchte, sollte warten, bis das Teil im Free-TV läuft und dann nur bis zur zweiten Werbepause schauen.

 
Nachspann
kommt keiner, wer sich also nicht noch mit seinem Sitznachbarn über den Film austauschen möchte, darf gern den Gang ins Tageslicht antreten.
Kinostart: 22. Juni 2017

Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft

Nach ich glaube 100 Jahren verfliegt ja die Rechtebesessenheit von Werken, die dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Böse Zungen könnten behaupten, dass Hollywood sich nun aufrafft und kontinuierlich die Geschichte von vor 100 Jahren konsequent verfilmt und dabei kein Detail auslässt.
Mit Genius, wie der Titel im Original treffenderweise heißt, kommt erneut ein Stück Zeitgeschichte auf die Leinwand, dass sich diesmal einem Thema widmet, das nicht sehr viel Krach erzeugt und somit in meinen Augen sehr schwer verfilmbar ist, um die actiongesättigte Gesellschaft tatsächlich zu erfreuen.
Der Film war anfangs sehr anstrengend und erzeugte auch sehr viel Unruhe im Saal. Man hat seine lieben Schwierigkeiten, in die Art der beiden Hauptdarsteller reinzukommen und mit ihnen warm zu werden, obwohl beide schauspielerische Höchstleistungen bieten.
Salopp gesagt muss man die ersten 20 Minuten des Films überleben, bevor der dann richtig anzieht und verdammt gut wird. Künstler und Menschen, die sich nicht von der Allgemeinheit nähren, sondern ihre eigenen Wege gehen, finden sich ein Stück weit selbst in dem Geschehen wieder.
Die Schwierigkeit besteht tatsächlich darin, dass es hier um ein Medium geht, dem normalerweise sehr viel Zeit gewidmet ist und wir in einer Gesellschaft leben, wo man genau dies so absolut nicht mehr hat. Dann ein Publikum zu fangen, was mit Vollkaracho in den Saal stürmt, es abzubremsen und zur Ruhe kommen zu lassen, damit es sich dem Wesen dieses Mediums näher widmen kann und sich auch tatsächlich auf die Geschichte einlässt, ist schwierig und sorgt eben in der ersten halben Stunde auch für regen Unmut in den Gesichtern unserer rasenden Gesellschaft.
Den Bogen kriegt man aber raus und holt den Zuschauer dann auch mit neuen Thematiken ab, die hier etwas ganz besonderes erzählen und zudem auch Einblicke in eine Welt geben, die man als Normalsterblicher auf diese Art sicher weniger kennen dürfte – und allein das ist bereits spannend.
Lobenswert zu erwähnen ist hier auch die Musik, mit der man im Film spielt und sie als eigene Persönlichkeit innerhalb des Geschehens etabliert. Die Aufnahmen sind nicht nur herausragend, sondern fördern eine neue Art von Wesenszug, bei dem man sehr viel mehr Kunstverständnis entwickelt, als so manch einer erwarten würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Menschen mit Stil, einem gewissen Anspruch, aber auch Leute, die sich einfach mal für ein paar Stunden aus ihrer Welt entführen lassen wollen, finden hier einen Ort der Ruhe und Geborgenheit, der eine ganz besondere Geschichte birgt, die neben viel Stress auch ein neues Verständnis für Dinge hervorruft, die an Normalsterblichen ungesehen vorüberziehen.
Der Film portraitiert in faszinierenden Bildern eine Form von Leben, das nicht alltäglich ist und bietet den Schauspielern eine hervorragende Möglichkeit, mit Worten, Gestiken und Mimik zu arbeiten – und dass das den beiden nicht nur sichtlich Spaß bereitet, sondern auch tatsächlich gelungen ist, beweist Genius demnächst auf den Leinwänden eurer Kinos. Reingehen!

 
Nachspann
beherbergt keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen.

Maggie's Plan

“Darunter kann ich mir mal absolut nichts vorstellen.” – so derjenige, der um den heutigen Sneak-Titel wusste und mir nicht mehr verraten wollte.
Gehört, gelesen oder sonstwie publiziert hat auch keiner irgendwas, das mir in die Augen gestochen wäre – und vielleicht ist das auch ganz gut so.
Maggie’s Plan erweckt den Anschein, jemand würde vorgeben, mit reichlich Intellekt gesegnet zu sein und hätte nun den Auftrag, einen Woody Allen zu kopieren und mit genügend unverstandener Sprache zu füllen, um daraus ein Werk zu kredenzen, das von der Presse hochgelobt wird und vom Publikum letztendlich verschmäht.
Schaut man sich die bis dato spärlichen Rezensionen dazu an, könnte man meinen, der Plan hat funktioniert. Die Ambivalenz des Films besteht darin, seine sowohl charakterliche als auch Plot-bezogene Entwicklung durch absoluten Stillstand zu definieren: Es passiert einfach mal rein gar nichts. Die Handlung besteht mehr oder weniger nur aus Gequatsche, mit dem vielleicht Frauen glücklich werden, die die typischen New Yorker Frauenfilme gutfinden, in denen auch immer und immerzu geredet wird.
Anfangs sogar so weltfremd, als könnte man meinen, jemand hätte sich hier in den Untiefen einer Universität verirrt und würde schon seit Jahrzehnten den Weg an Gottes Sonnenlicht nicht mehr finden. Was anfangs noch etwas wie Irrational Man ausgesehen hat, entpuppte sich schnell als seelenloses Geistwesen, das seinen Charme dadurch auszeichnet, dass auf der Rückseite irgendwas von “Made in China” steht und somit signalisiert, dass der vorgebrachte Echtheitswert eines Da Vinci tatsächlich von Honshon Khi Gau stammt, den kein Arsch kennt und auch irgendwie niemand kennen will.
Ethan Hawke und Julianne Moore sind jetzt zwar nicht gerade zwei Schauspieler, die ich persönlich von der geistigen Bettkante stoßen würde, und diese eine Zehntelsekunde, die ihren Charakter im Film definiert, spielen die beiden auch hervorragend, allerdings fehlt diesem Teil einfach eine eigene Seele und vor allem eins: Bewegung.
Es ist so furchtbar anstrengend, dem so dermaßen schmerzhaft-vorhersehbarem Plot zu folgen, der sich noch nicht mal Mühe dazu gibt, mit Wendepunkten zu überraschen, sondern einfach nur platt und erbärmlich ein Konzept in den Mund knallt, das nicht nur nicht schmeckt, sondern irgendwie in sich auch schon vergoren und schlecht geworden ist. Und selbst, wenn es mal dazu kommt, Momente zu erschaffen, die hier wieder großes Gefühlskino zulassen würden, dann enden diese Phasen in derart unromantischen, jämmerlichen Szenen, die noch nicht mal Entschuldigungen oder Mitleid zulassen, sondern eher auf schamhafte Weise ein nicht zu unterdrückendes Lachen hervorrufen ob der unvergleichlich platten Darstellung, die einzig zum Ziel hat, dem Moment jegliche Relevanz zu entziehen.
Mein langfristiger Sneak-Freund und ich (Grüße ins OEZ) haben hinterher scherzhafterweise noch darüber gewitzelt, dass dir im Leben niemals einer begegnen wird, der dich danach fragt, ob du diesen Film hier gesehen hast – und ich fürchte, an dieser Aussage ist extrem viel Wahrheit dran.
Die Bedeutungslosigkeit dieses Machwerks schreit schon nicht mehr zum Himmel, sondern ist vollständig in der Hölle gefangen. Nach dem Film vergehen keine drei Minuten, bevor alles vergessen und durch Egalität im Nirgendwo verschwunden ist, weil davon rein gar nichts hängen bleibt, das dir in irgendeiner Form emotional oder wissentlich weitergeholfen hätte.
Gehört man zu den Streber-Studenten, die hier ihren Mikrokosmos aufleben sehen, mag man vielleicht stellenweise seine Freude an verschiedenen Ausdrucksweisen haben, die fürs Allgemeinpublikum aber eher verwirrend, verstörend und unzulänglich sind und somit auch keinerlei Sympathiepunkte auf die Guthabenseite schreiben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn du den Titel liest, dann renn … und zwar nach draußen und möglichst weit weg.
Es war für mich unglaublich anstrengend, diesen Film bis zum Ende zu sehen und mitzuverfolgen, was da nun jetzt “passiert”. Mit viel Gutgläubigkeit und gutem Willen kann man darein vielleicht noch eine künstlerische Handlung interpretieren, die es fertigbringen wollte, einen Kinofilm zu erschaffen, der sich durch absolut nichts hervortut – gelungen ist dieses Experiment in meinen Augen aber gar nicht, sondern eher ein Paradebeispiel für Ausreden der Filmförderung, in Zukunft nicht ausgewiesene Konzepte zu unterstützen und zu fördern.
Bleibt draußen und nehmt lieber cineastische Alternativen, auch wenn davon zur Zeit auch nicht so arg viel über die Leinwände schwirrt.

 
Nachspann
Wenn da jetzt noch ein Nachspann gekommen wäre – wäre das eine Überraschung gewesen. Und das passt absolut nicht zum restlichen Konzept des Films.

Wie schön du bist (Beautiful Something)

Ich hab mich wieder getraut und die nächste Gay-Filmnacht besucht in der Hoffnung, dass man an die durchaus akzeptablen Beiträge der letzten Ausstrahlungen dieser Kino-Sendereihe anknüpft und auch hier wieder Material liefert, das die schwule Community innerhalb des Leserkreises befriedigt und gleichermaßen für meiner einer auch erträglich zum Anschauen ist.
Diesmal: Harte Kost. Als Hetero hat man in den ersten nicht enden wollenden Minuten wirklich schwer zu kämpfen. Regisseur Joseph Graham hat sich dafür entschieden, in einem Teilbereich der Schwulenszene einzusteigen, mit dem ich persönlich eher weniger klar komme und der dementsprechend schwierig auszuhalten war, da er sehr plastisch und dramatisch umgesetzt wurde.
Der Aufbau des Plots ließ auch keine weiteren Hoffnungen gedeihen, dass dies demnächst besser werden würde. Mit dem linken Fuß schon fast aus dem Saal flüchtend änderte der Filmgestalter dann aber höchst gekonnt die Richtung und morphte das Kunstwerk in einen Präzedenzfall des guten Geschmacks: Am Schluss saß ich da, starrte gebannt auf die Leinwand und traute meinen Augen kaum: Stil, Eleganz, Würde, Ehre … alles Dinge, die man in den ersten 10 Minuten des Films auf keinen Fall erwarten würde, strecken sich hier gegenseitig die Flinte zu.
Auf einmal entdeckt man sich selbst in einem Gefühlswirrwarr wieder, mit dem man sanft zu Meere getragen immer weiter in die Wellen geschifft wurde und schließlich kolossal endend die Vollkommenheit emotionaler Momente durchlebt und -leidet, wie ich sie in einem Genrefilm dieser Art bislang noch niemals in meinem Leben gesehen habe.
Ohne Mist: Meinen aufrichtigen Respekt, ein so schwieriges und immer noch nicht gesellschaftstaugliches Thema derart sensibel und professionell in Szene zu setzen, dass sogar Typen wie ich mich angesprochen fühlen und hinterher auf eine (ich trau es mich kaum auszusprechen) wunderbare Geschichte zurückblicken, die in diesem Fall viel zu früh endet.
Ich würde fast soweit gehen und sagen, hier hat man es geschafft, die Liebe zwischen Männern in ihrer mannigfaltigen Weise einzufangen, darzustellen und fast schon realitätsgetreu wiederzugeben, ohne dabei auf die Merkmale des guten Films zu verzichten und dabei der Erzählkunst eine ganz große Bühne zu bieten.
Die ist aber nicht nur mit sehr natürlichen, bodenständigen und durchaus realitätsbezogenen Dialogen, sondern auch mit einer traumhaften Kulisse bestückt, die die nächtliche Welt der seelischen Ausflüchte sehr gut umreißt und auch hier wieder einen Fundus an Platz bietet, auf dem sich die einzelnen Darsteller gemütlich entwickeln können. Und alles umspielt von einem Soundtrack, der sorgsam ausgewählt auch hier wieder plastisch an die Bühne angepasst ist und die nächtliche Rastlosigkeit nahezu perfekt unterstreicht.
Ihr merkt schon: Ich bin leicht begeistert und teilweise echt geschockt von mir selbst, weil ich einem Film dieses Genres diese eloquente Tiefe niemals zugetraut hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ist man hetero, spult man einfach die ersten 15 Minuten vor und schaut sich dann den Rest des Films an. Die Reaktionen darauf würden mich brennend interessieren.
Derart viel erzählerische Tiefe und eine so dermaßen intensive Charakterentwicklung hätte ich einem Film dieser Art niemals zugetraut. Die Macher haben es sogar geschafft, jemanden wie mich abzuholen und zum Schluss nahezu perfekt zu unterhalten.
Solche Vorstellungen machen in der Tat Lust auf mehr. Und das aus meinem Mund soll wirklich etwas heißen.

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen oder Bilder, beinhaltet aber immer noch den herausragenden Soundtrack, der auch im Film eine große Rolle einnimmt und die gefühlslastige Betontheit zusätzlich unterstreicht.

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