Schweden

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Astrid

Astrid
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Pippi Langstrumpf, Ronja RäubertochterAstrid Lindgren hat sich weltweit einen Namen gemacht und ist aus dem Kinderbuchsektor nicht mehr wegzudenken. Und da wir uns zur Zeit in der Phase von “Wir verfilmen, wie alles entstand” befinden, war es nur absehbar, dass über diese Koryphäe im Literatursegment auch früher oder später ein Film entstehen wird, der die “Geschichte dahinter” erzählt.

Und hier ist er: Astrid.

Das Movie zeigt das trostlose, erbitterte Leben der Schwedin und bringt eine zutiefst depressive Struktur zum Vorschein, die entgegen jeder Lebensfreude und all dem, was aus ihren Büchern bekannt ist, steht: Es ist nahezu ein Wunder, was diese Frau vollbracht hat und aus welchem Sumpf sie sich dafür gezogen hat. Wir kennen die bunten Bilderbücher, wir kennen das glückliche Leben, wir kennen das Streben nach vorn und die Lebensenergie – und der Film spendet von all dem … nichts.

Es ist beinahe eine Qual, sich durch die ermüdend lange Spielzeit zu kämpfen und die tristen Momente zu durchleben, durch die diese Frau exakt so gegangen ist. Das macht nicht den Film schlecht, sondern zeugt eher von der Kraft, die Astrid Lindgren auf die Bildfläche warf und damit ein Vorbild für viele wurde: Immerhin steht sie mit so vielen Projekten und Motivationen dafür ein, dass Kinder ein glücklicheres Leben auf Erden haben und aus all der Trostlosigkeit herauskommen.

Dafür hat sie selbst mit einer Gesellschaft brechen müssen, die Normen und Werte vorgegeben hat, denen sie sich nicht beugen wollte. Es war ein Kampf, der teils bis heute andauert und immer noch nicht zu Ende gekämpft ist. Was das alles für Kraft gekostet hat, davon ist dieser Streifen ein leuchtendes Beispiel: Der Zuschauer sieht nicht nur durch ein Fenster in die damalige Zeit, sondern spürt am eigenen Leib den Energieverlust, indem er sich durch den sehr langatmigen und traurigen Film durchkämpft.

Man kann dies als Motivation ansehen, für mich war es einfach nur beschwerlich.

 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film offenbart die Stärke einer Frau in einer trostlosen Dimension sondergleichen.

Der Zuschauer erlebt die gleichen Leiden wie diese Frau in einem langatmigen und tristen Ausmaß. Es ist ein Trauerspiel und gleichzeitig das größte Wunder, welche Werke daraus erwachsen sind. Diese Mutation auch im Kino zu erleben ist den Besuch durchaus wert, man sollte aber etwas eigene Kraft dafür mitbringen, um hier heil wieder raus zu kommen.

 

Nachspann
✅ liefert noch ein Liedchen, lasst den Rausgang aus dem Saal also gemütlich angehen.

Kinostart: 06. Dezember 2018

Original Title: Unga Astrid
Length: 123 Min.
Rate: FSK 6

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Kürzlich habe ich mich mit meiner Schwester über Peru unterhalten, ein Land, das noch nicht so zivilisiert und modernisiert ist, wie Deutschland. Es ging um gesellschaftliche Gepflogenheiten, Kulturbräuche, Umstände und Situationen aus dem alltäglichen Leben.
Sie war völlig entgeistert, mit welcher Geschwindigkeit und welchem Irrsinn wir uns hier in Deutschland mittlerweile rumärgern müssen und hat mir von Zeit haben berichtet: Menschen, die am Straßenrand sitzen und einfach mal nichts tun und die Welt sich dabei trotzdem weiter dreht.
Bei diesem Gespräch kam ich nicht umhin, in mir ein wenig Neid auf die Einfachheit und Simplizität zu entdecken, mit der dieses arme und durchaus ebenfalls mit Problemen geplagte Land gesegnet ist. Am Heiligabend kommen viele Familien einfach im Dorf zusammen, bringen gerichtete Backbleche mit Truthahn und anderen Speisen darauf mit, geben diese beim öffentlichen Lehmofen ab und werden dann nach wenigen Stunden informiert, sobald sie diese wieder abholen können. Erst dann zahlt man für diesen Service, der dort üblich ist, da viele Leute keine Öfen in ihren Häusern haben und zudem Truthahn in einem Lehmofen zubereitet wesentlich besser schmeckt als mit einem Elektroherd zu Hause – sofern denn Strom da ist.
So kann es also passieren, dass in einem riesigen Ofen, der eigens dafür hergerichtet wurde, eben mal 20-24 Backbleche verschiedener Familien nebeneinander stehen, bei denen man nur den Namen gesagt hat und sonst nichts weiter. Diese unbürokratische Gemeinschaft und Unkompliziertheit wäre in Deutschland heutzutage fast undenkbar!
Warum ich das alles erzähle?
Sitzt man demnächst im Kino und schaut sich Bamse – Der liebste und stärkste Bär der Welt an, könnte in einem genau das gleiche Gefühl des in der Zeit Zurückgeworfenseins entstehen, denn man fühlt sich auf einmal, als wäre Disney noch an seinen Ursprüngen und würde erstklassige Familienunterhaltung liefern, nur eben in viel niedlicher.
Diese Figur wurde 1966 von Rune Andréasson erfunden und erfreut sich seitdem in Schweden höchster Beliebtheit. Mit seinen Anfängen im TV, später durch Comics in Wochenzeitungen und eigene Hefte ergänzt, eroberte der Bär mittlerweile seinen eigenen Freizeitpark und steht als unmissverständliches, kindgerechtes und vollkommen unverdorbenes Symbol für so ziemlich alles, das man als gut bezeichnen kann.
Dabei ist nicht nur die Geschichte für jedermann geeignet, sondern die Inhalte beschäftigen sich mit teils hochkomplexen politischen und gesellschaftsrelevanten Themen – aber dermaßen kindgerecht verarbeitet, dass selbst als Erwachsener oft vor Staunen der Mund offen bleibt.
Mittlerweile gibt es zwei Kinofilme, die in Schweden ca. 300.000 Zuschauer begeistert haben und damit verhältnismäßig mit Filmen wie Ice Age oder Ich – Einfach unverbesserlich im Kinderfilmsektor mitziehen. Dieser Erfolg ist Grund genug, den liebenswürdigen Bär nun auch nach Deutschland in die Kinos zu bringen und ich wünsche mir von Herzen, dass er hierzulande genauso die Herzen erobert, wie in unserem Nachbarland.
 

.kinoticket-Empfehlung: Zu recht mit dem Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichnet – Kindgerechte Unterhaltung mit absolut pädagogischem Mehrwert in einer optimistischen, lebensbejahenden und fast schon superheldenmäßigen Weise, die bislang beispiellos ist.
Die Welt des Bären versprüht familiären Charme, die Probleme sind brandaktuell und die Geschichte ist völlig frei von Boshaftigkeit und düsteren Elementen, so dass dieser Film tatsächlich für jeden geeignet ist.
Auch Erwachsene sollten sich von den moralischen Ansichten dieses Bären eine große Scheibe abschneiden.

 
Nachspann
Nicht gleich davon springen, hier kommt noch ein klein bisschen was.
Kinostart: 28. Dezember 2017

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Dass man sich bei Filmen auch oft in eine wunderbar verstrickte, herzlich erzählte und komplex aufgebaute Geschichte hineinfallen lassen kann, haben andere Länder schon längst mit ihrer Art des Filmemachens bewiesen.
Ein Mann namens Ove hat seine Wurzeln in Schweden und reiht sich nahtlos in die Erfolgsgeschichte solcher Kinoerrungenschaften ein.
Bei mir absolut punkten konnte der derbe-schwarze Humor, den man in Filmausschnitten bereits vorher trailerhaft bewundern durfte und der im Film nicht nur in seiner Intensität beibehalten, sondern weit übertroffen wurde. Die schrullige Art, die Ralf Lassgard hier phänomenal überzeugend auf die Bildfläche wirft, zielt mit ihrer Schroffheit direkt an den Puls der Lachadern und sorgt beim teils betroffenen, teils belustigten, teils eingeschüchterten Zuschauer stets für gute Laune inmitten eines eigentlich bitterbösen Themas. Dass hier die allgemein geforderte political correctness so ganz und gar nicht bedient, sondern eher von slapstick-anmutenden Comedy-Einlagen des Hauptdarstellers dekonstruiert wird, trägt nur noch mehr dazu bei, dass der Stoff vom Zuschauer positiv aufgenommen wird.
Dabei sollte man solche Filme gar nicht zur großen Masse der Blockbuster zählen, sondern erfährt sich hier selbst eher in einer charmant-heimeligen Nischenproduktion, die neben einem spitze besetzten Cast auch noch eine funktionierende Geschichte, viel Kurzweil und jede Menge Freudentränen mit sich bringt.
Im Gegenteil zu einer klassischen Culture-Clash-Komödie wird hier eben das differenzierte Augenmerk nicht nur auf die kulturellen Unterschiede verschiedener Abstammungen gerichtet, sondern gnadenlos alles durch den verbalen Reißwolf gedreht und unterhaltsam wieder ausgespuckt.
Und das Ergebnis darf sich sehen lassen. Ein Mann namens Ove erfüllt meines Erachtens alle Voraussetzungen, um förderlich für einen unvergesslichen Kinoabend zu sein und sollte daher von jedem näher betrachtet werden, der in den kommenden Wochen plant, ein Lichtspieltheater aufzusuchen. Das “Prädikat besonders wertvoll” hat er sich mehr als redlich verdient!
 

.kinoticket-Empfehlung: Freundin schnappen, .kinoticket lösen und die Vorstellung genießen.
Dieser Streifen bringt alles mit, was es für grandiose Unterhaltung braucht und kommt dabei völlig ohne Niveauabfall und andere Peinlichkeiten aus. Der schwarze Humor überströmt einen förmlich, die Dialogeinfälle sind genial und selbst in ruhigeren Phasen verliert der Film keineswegs an Unterhaltungswert.
Spitze, um sich mal wieder richtig zu entspannen und die Seele auf quirlige Weise baumeln zu lassen. Daumen hoch!

 
Nachspann
kommt keiner mehr, beim Beginn der Laufbuchstabenkundschaftspräsentation darf man sich also wieder gen Realität bewegen.

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