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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Schwert

Hellboy – Call of Darkness

Hellboy

© 2019 Universum Film GmbH

Die Welt muss brennen … Hellboy erzürnt jegliche konservativ-christlichen Gemüter mit puren Schlägen in die Fresse. Und es tut soooooo unglaublich gut. Also mir. Ich sitze da, schau mir dieses apokalyptisch-selbstironische Wunderwerk des Bösen an und stelle fest, wie mich meine reale Wut endlich ein Stück weit wieder in Frieden lässt und die Wogen der inneren Selbstzerstörung und des puren, allgemeinen Hasses langsam abklingen, während ich dabei zusehe, wie man on screen die Welt in Schutt und Asche legt.

Schläge in die Fresse? Läuft.

Blut? Nicht zu wenig.

Zerfetzte Leichen, abgetrennte Körper, zerschlissene blutrünstige Monster, die sich über den Erdball hermachen und alles zerstören und vernichten, was ihnen unter die Finger kommt? Läuft.

Irgendeine Liebe da drin? Glänzt durch Abwesenheit. Es ist das pure Böse – und es tut so gut, dass es brüderlich Hand in Hand mit Sarkasmus und Zynismus geht – eben typisch Hellboy, wie man ihn aus den beiden vorherigen Teilen bereits schon kannte.

Selbst die Angst um das “Verschandelt werden” durch die Abwesenheit eines eigentlich ihm auf den Leib geschriebenen Rollen-Ron Perlman verklingt nach 10 Minuten, weil die Macher hier der Marke Hellboy treu geblieben sind und an seinen Charakter- und Wesenszügen kein einziges Stück gefeilt haben. Wenn man’s nicht zwingend weiß, fällt’s erstmal gar nicht groß weiter auf.

Alle Elemente, die in einem Hellboy-Film sein müssen, wurden aufgegriffen – bis hin zur bewusst miesen Grafik, die irgendwo fast schon zu einem Markenzeichen dieser Reihe geworden ist.

Und es ist eine bestialische Schlacht, gegen die die ersten beiden Filme wie ein billiger Haustier-Kindergarten wirken: Diese brachiale Gewalt und Zerstörungswucht auf die Leinwand loszulassen und dann mit solchen Bildern zu füttern… Ein Traum für jeden, der um sich rum einfach nur Rache und Gerechtigkeit will. Das „Justice“-Gefühl in boshafter Vollendung.

Und warum kotzt jetzt jeder darüber ab und beschwert sich, dass der Teil scheiße ist?

Weil‘s funktioniert. Hellboy war niemals für die Masse gedacht. Wenn er der Masse gefällt, dann hat man irgendwas grundlegend falsch gemacht. Hellboy ist Nischenlektüre und gehört auch da hin. Hier geht es darum, etwas todernstes in den sarkastischen Dreck zu ziehen, sich über alles und jeden an den falschen Stellen lustig zu machen und eine Welt voller Boshaftigkeit und Höllenqualen zu manifestieren mit einem „Aaaaaaach leck mich doch, kein Bock“-„Superhelden“ am Start, der in den absolut falschen Momenten das absolut falsche sagt und dabei nur sich selbst treu bleibt. Und nicht um Sonnenschein-Spider-Man-Blondchen am Sonntag bei Oma am Kuchentisch.

All dies wurde auch vom „Neustart“-Dritten Teil exakt richtig gemacht und meine tiefsten Befürchtungen, dass man erneut eine Filmseele der reinen Remake-Geldgier opfern würde, wurde gottseidank nicht bewahrheitet. Stattdessen hat man grandiose Boshaftigkeit, satte Action, vieeeeeel Blut und Horror, wenig „Wert von Menschenleben“ und die typische Frage von „Was ist gut und böse und was eigentlich nicht“ gestellt und damit das Hellboy-Universum mit allen Faktoren gefüllt, die es braucht, um in sich geschlossen perfekt zu funktionieren.

Und die Szenen wirken – sind in meinen Augen auch nicht übertrieben, sondern „zeitgemäß“ (das Wort ist pervers an dieser Stelle aber ja, ich stehe dazu!) und erfordern, dass der Kinozuschauer sich darauf einlässt und aus dem Mainstream heraustritt. Der wird einem nämlich sonst mit Gedärmen und spritzenden Venenflüssigkeiten aus den Augen gewaschen.

Was mich zu meiner beliebten FSK führt: Abgebissene Köpfe und zerrissene Körper? Seriously? Und offen darüber schreiben?

Ich darf! Denn das Ding ist: FSK 16. Juchee – denn ab sofort gilt: Wir brauchen das rote Logo nicht mehr. Nicht nach diesem Film.

In meinen Augen hätte man zwischen FSK 18 und indiziert schwanken sollen, mit Tendenz zu „indiziert“, weil‘s hier richtig zur Sache geht – aber stattdessen „Naja, 16 ist ja fast wie 12, kauft euch ein bisschen Popcorn und viel Spaß Kinder!“ 😉 Und damit seid ihr am Arsch! Richtig am Arsch!

Die Hölle regiert.

Und ich bin wahrscheinlich einer der wenigen, die das zur Zeit so richtig abfeiern.

.kinoticket-Empfehlung: Thanos braucht nicht mehr mit dem Finger schnippen zu wollen, man lässt einfach diese Inhalte auf die Menschheit los, setzt sich dabei auf einen Berg und schaut der Apocalypse beim Gedeihen zu.

Einer meiner wenigen, nicht erfüllten Lebensträume. Bis jetzt. Hellboy ist diesbezüglich extrem befriedigend und in meinen Augen „Index“-würdig. Selbst 18 ist grenzwertig. Dafür wurde dem Plot, den Inhalten, den Markenzeichen und dem ganzen Universe treu geblieben, was sich inzwischen daran abzeichnet, dass der Mainstream es hasst. Also: Alles richtig gemacht – ich kann‘s euch nur empfehlen.

Und danach dürft ihr mich steinigen. 🙂 I‘m prepared.

Nachspann
✅ Sitzen bleiben! Und nein, nach dem Abspann-Abspann ist es nicht vorbei, also: Sitzen bleiben! Bis. Ganz. Zum. Schluss. – Danke.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Hellboy
Length: 121 Min.
Rated: FSK 16

Wenn du König wärst (inkl. Gewinnspiel)

Wenn du König wärst

© 2019 Twentieth Century Fox

Die Herausforderungen für Kids werden immer größer. Nicht nur, sich gegen immer ängstlichere Helikopter-Eltern zu wehren, durch eine Million Termine jede Woche durch zu müssen und selbst schon im Sandkasten-Zeitalter einen Business-Terminplan vollgestopft zu haben, der jedwede Zeit zum Spielen, Leben genießen, atmen und einfach leben nicht mehr zulässt, auch im Kino werden die Kids vor immer größere Herausforderungen gestellt … und kommen damit scheinbar klar.

Alle Ängste sind also irgendwie unbegründet.

Ängste?

Wenn du König wärst hat im Vorfeld in der Presse bereits hitzige Diskussionen ausgelöst, die die schon seit Jahren fragwürdige Arbeit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft – kurz “FSK” – erneut anzweifelt. Denn dieser Titel hat die Freigabe “FSK 6” bekommen, was selbst Twentieth Century Fox wundert, da hier doch gewaltig düstere Bilder und gruselige Momente aufgefahren werden, die mehr als Anlass dazu bieten, das gesamte Rating-System der FSK komplett zu überdenken und sich eventuell doch etwas näher am amerikanischen Vorbild zu orientieren: Eine “Parental Guidance” wäre hier nämlich in vielen Fällen durchaus angebracht.

Die Kids aus der Pressevorführung wurden natürlich auch danach gefragt, ob sie sich gefürchtet haben und meinten alle: “Ja, es war schon gruselig, aber schön gruselig.” – Nun kann man aber von ein paar Kids nicht auf eine ganze Nation schließen und muss auch bedenken, dass es sensiblere Wesen gibt, Kids, die eben nicht einfach alles so wegstecken und die auch hier und da mal Ängste und Alpträume entwickeln, wenn sich auf einmal Bäume bewegen oder Wurzeln miteinander kämpfen. Was hier aufgeboten wird, ist durchaus teilweise sehr strange und kann verwirrend oder beängstigend wirken. Notgedrungen heraus hätte ich hier auch lieber zum grünen “FSK 12” gegriffen, auch wenn die Zielgruppe im Plot dann leicht veraltet wirken würde.

Die Story ist eindeutig an Kinder ausgerichtet, fährt hier in einer wunderbaren Re-Interpretation einer historischen Saga auf und bringt moderne, coole, schnittige und spannende Änderungen mit sich, die sich des historischen Altstaubs entledigen und definitiv proklamieren: Wir sind in der Zukunft angekommen und orientieren uns trotzdem an den Geschichten des Mittelalters. Und damit hat man einen so fantastischen Absprung geschafft, der es nahezu zwingend erfordert, ein Lichtspielhaus aufzusuchen und die Kids-Variante von Hellboy – Call of Darkness zu besichtigen.

Und vergisst man jetzt hier und da ein paar “10 Minuten” des Films, dann könnte der durchaus auch in der 20-Uhr-Vorstellung für Erwachsene laufen und würde hier für genügend Unterhaltung sorgen, die auch alles mitbringt, was ein guter Kinoabend enthalten sollte: Humor, Drama, Spannung, eine tolle Story, Charme und jede Menge Kurzweil. Und verdammt gute Grafik und Bühnensettings, die schon fast an das Niveau größerer Fantasy-Brüder heranreichen und solchen Monster-Produktionen wie Harry Potter optisch längst das Wasser reichen.

Ihr merkt: Die Ansprüche sind längst gestiegen, werden von der Industrie befriedigt und von den Kids verstanden. Vielleicht sollten wir also alle einfach mal wieder damit beginnen, weniger Ängste zu haben und uns lieber in eins der Kinos zu hocken und wieder völlig entspannt und voller Vorfreude den Film zu genießen?

Wenn du König wärst ist doch schon mal ein super Anfang für diesen Vorsatz. Also rein mit euch!

G E W I N N S P I E L

Twentieth Century Fox befeuert dieses Vorhaben direkt mal mit drei Fan-Paketen bestehend aus jeweils 1×2 Freikarten + Kinoplakat für euch, die ihr in diesem Beitrag abstauben könnt.

Frage diesmal: Wie steht ihr dazu, dass immer mehr Kinderfilme aggressiver nach unten gerated werden? Muten wir unseren Kids immer mehr zu und ist das richtig oder sollte die FSK wieder etwas strenger werden, was dazu führt, das Kinder nicht mehr so viel Filmmaterial zu Gesicht bekommen?

Beantwortet bis einschließlich Sonntag, 21. April 2019 diese Frage in den Kommentaren und ihr seid im Lostopf dabei. Unter allen Teilnehmern wird per Random.org entschieden und die Gewinner*innen anschließend per E-Mail benachrichtigt – bitte gebt deshalb eine Mailadresse an, unter der ihr erreichbar seid, damit ich eure Adresse abfragen und euch das Paket zuschicken kann.

Eure Daten werden nicht gespeichert, sondern ausschließlich von mir persönlich zum Zweck des Versands genutzt und anschließend gelöscht.

Und denkt dran: Das ist auch Erwachsenen-Stuff, also nicht nur nicht mitmachen, weil keine Kinder im Haushalt sein sollten 😉

Ich wünsche viel Glück – und natürlich viel Spaß beim Film.

.kinoticket-Empfehlung: Rated es in “PG” – dann bin ich vollkommen zufrieden.

Optik, Story, Darsteller, Charme, Humor und geniale Einfälle stimmen bei diesem Werk und liefern eine derartig amüsante, wunderschön-gruselige Neuinterpretation dieses Stücks und leveln Kinderfilme dabei in ein Fantasy-Niveau, dass den Erwachsenen beginnt, Konkurrenz zu machen. Versprecht mir, dass ihr euch als Eltern einfach mit rein setzt – dann ist diese ganze Sache einfach großartig und sollte von euch im Kino bestaunt werden.

Nachspann
❌ Muss man nicht bis zum Schluss ausharren, nach der Schwarzblende kommt nichts weiter.

Kinostart: 18. April 2019

Original Title: The Kid Who Would Be King
Length: 121 Min.
Rated: FSK 6

King Arthur: Legend of the Sword (3D)

Vorab und mega kurz zusammengefasst:
Trailer: Scheiße.
Plakat: Scheiße.
Thema: Oh Gott, nicht schon wieder diese dämliche Arthur-Sage, die schon gefühlte eine Million Mal + 7 Fortsetzungen oft erzählt wurde und jetzt wieder ausgebuddelt wird. Bitte nicht. Bitte bitte bitte nicht.

Dann: Männerabend. Ein prall gefüllter, großer Saal, Lautstärke bis zum Umfallen und nach dem Studiologo wars dann aus mit der Abneigung gegen diese Vorstellung und mir sind meine Augen fast rausgefallen => vor Bewunderung und Erstaunen!
Leute, echt jetzt? Ich meine, Guy Ritchie ist ein Genie und Könner seines Fachs, er weiß durchaus mit Menschen umzugehen und hat Erfahrung darin, wie man Stoff auf der Leinwand richtig erzählt, aber: Echt jetzt?
Wie zur Hölle schafft man es, einen Stoff, den absolut jeder schon mindestens 1000x gehört hat, so zu erzählen, dass man während des Films vor Spannung manchmal kaum mehr ordentlich im Kinosessel hocken bleiben kann?
Die Gewalt – diese bombastische Bildgewalt sucht seinesgleichen. Manche mögen sich noch zurück an die damals alles erschlagende Trilogie von Der Herr der Ringe erinnern und das Gefühl, jetzt cineastisch in einem epischen neuen Zeitalter angekommen zu sein. Meine Meinung? King Arthur – Legend of the Sword legt da nochmal ordentlich eins drauf und darf sich gerne mit der Trilogie messen – und gewinnt!
Die Effekte sind so dermaßen überragend, dass einem vor Staunen nur der Mund offen stehen bleibt und die brachiale Gewalt prasselt so schlagartig auf einen nieder, dass es kaum auszuhalten ist.
Dazu kommt dann der unverkennbare Stil von Guy Ritchie, der hier nicht nur in den Dialogen beweist, dass die Leinwand für ihn kein Ort ist, vor dem er kniend vorspricht und hoffentlich akzeptiert wird, so wie viele andere Filmemacher dies oft tun. Er ist dort nicht nur zu Hause, sondern hat das so dermaßen im Griff, dass man die Professionalität förmlich im Bauch spürt, während sie aus allen Ebenen von der Leinwand schießt. Ritchie versteht es, dem Film das gewisse Etwas zu verpassen und aus ihm tatsächlich einen Epos zu machen, der alle anderen Verfilmungen bisher in Grund und Boden tritt.
Meine Meinung nach der Vorstellung? Außer Die Nebel von Avalon hätte man allen anderen verbieten müssen, sich über dieses Thema zu äußern und gleich ihm das Regiezepter überreichen müssen, denn was hier rausgekommen ist: Wow!
Und wir reden hier von klassischem Stoff, den man ja nicht verändern darf, der immer wieder gleich erzählt werden muss und Tradition und bla und so … Fuck yourself! Diese Neuinterpretation dieser fast schon langweiligen Geschichte hat mich dermaßen gepackt … ich glaube, ihr spürt es ein wenig.
Und was auch herausragend war: Man trumpft nicht nur verbal auf und zieht hier die Leinen straff an (es gibt keine Filmlücken, kein “Wann geht’s endlich weiter”, keine Warteschleifen, sondern mal schneller mal weniger schnelleres Erzähltempo, aber dennoch konsequent Speed im Film), sondern haut auch beim Soundtrack und dem allgemeinen epischen Moment ENDLICH mal auf die Pranke und zeigt dem Kinobesucher, was Bildgewalt ist.
Wo andere immer so anfangen, mal an den Rippen zu kitzeln, man am ganzen Körper Gänsehaut bekommt, der Score anfängt aufzudrehen und man sich freut: Yeah, endlich wird’s episch….. bwaaaaaaaahhhhh schon vorbei. Hier? Dreht der Score nicht auf, sondern fängt gleich mit Maximum an und hält das Level konsequent … man wird umgerannt, in den Schwitzkasten genommen und in einem so brutal überwältigenden Momentum auf den Boden gehauen, dass man nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Durchchoreografierte Kampfszenen, denen man folgen kann, ein unglaubliches (!!!) – wirklich absolut unfassbar räumliches 3D – und dazu eine tiefe, dunkle Aura, die diese Sage zu der besten meines Lebens macht – sofern man sie so erzählt, wie Ritchie.
Und dieses brachiale Momentum reißt nicht nach ein oder zwei Minuten ab, sondern bewegt sich ständig weiter und rollt walzend alles vor sich geschehene platt. Mal im Ernst: Ich habe noch nie erlebt, dass ein Mann so stilvoll und überragend mit einem Schwert zwei Striche in die Luft ziehen kann, wie es hier gezeigt wird.
Überhaupt: Der Cast ist so extrem gut gewählt, jeder einzelne macht hier eine so gute Figur und ringt von mir tiefste Bewunderung und ehrwürdige Verneigungen ab – ich kann es echt jedem nur empfehlen!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ich euch mit dem Text oben noch nicht geil genug auf die Vorstellung gemacht hab, dann eben nochmal: Scheißt auf die Guardians, die kann man sich hinterher immer noch auf ProSieben in der Free-TV-Premiere anschauen, King Arthur nicht, denn dazu braucht man das monumentale Soundsystem eines Megakinos und Personal, dass sich dazu verpflichtet fühlt, alles unter 80% Maximallautstärke konsequent zu verbieten.
Der Film schlägt ein neues Kapitel in der Geschichten epischen Kinos auf und erzählt eine tausendmal erzählte Sage völlig stilsicher, neu interpretiert und mit einem absolut bleibenden Eindruck auf eine Weise, wie sie die Welt bis dato noch nicht erlebt hat.
Also tut euch selbst den Gefallen und straft das Versagen der PR-Abteilung nicht durch Ausbleiben aus dem Film ab – ihr schadet euch damit nur selbst!

 
Nachspann
hatte keine weiteren Bilder, aber die braucht man hier nicht, sondern eher die angekündigten Filmreihe-Fortsetzungen, denn davon will ich garantiert mehr sehen! Viel mehr!

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