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Tag: Selfies

Assassination Nation

Assassination Nation
© 2018 Universum Film GmbH

 

Zu diesem Film kann ich nur sagen: Jaaaaaa, jaaaaaaa, jaaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Wir haben es so gewollt und ich feiere es so unglaublich hart, dass es nun endlich so gekommen ist.

Ist dieses Teil völlig abgedreht und durchgefuckt? Yes! Zeigt man, wofür vor 70 Jahren noch ins Gefängnis geschmissen wurde? Yes! Ist das Teil völlig über den Zenit und fordert die Abwehrkräfte total heraus? Yes!

Assassination Nation ist vor allem eines: Unfassbar ehrlich! Bereits zu Beginn wird der Zuschauer auf das vorbereitet, was ihn erwartet und man macht keinen Hehl daraus, dass das Wort “Grenzen” hier gänzlich unbekannt ist. Und dabei urteilt man nicht, sondern seziert die gesellschaftlichen Gepflogenheiten bis aufs Äußerste und dringt dabei bis in die Knochen vor, um zu zeigen, wohin sich die Welt entwickelt hat und dass so manche Diskussion gänzlich überflüssig geworden ist.

Was man damit erreicht? Zum Einen die außerordentliche Fassungslosigkeit der Presse, die sich darüber mockiert, was für einen Scheißdreck man hier zusammengewichst hat, zum anderen Faszination und unglaubliches Streitpotenzial – denn genau dafür ist der Film da: Er will provozieren, er will Diskussionen herausfordern und er tut das auf eine anbetungswürdig-moderne und unglaublich funktionelle Art und Weise.

Selbst Menschen, die sich danach in höchsten Tönen darüber aufregen und denen man erklärt, dass dies genau das Ziel des Films war, dass man schockiert ist und sich provoziert fühlt, finden dann, dass der Film das tatsächlich mit Bravour abgeliefert hat. Und es ist fast schon absurd, dass – je länger man den Stoff wirken lässt und sich den Schockbrösel vom Hemd streicht – je mehr Tiefgründigkeit in dieser Schlachtorgie zu finden ist, die vor Wahrheit und “offener Aussprache” nur so glänzt. Und dabei hat Assassination Nation schon fast Vorbildcharakter.

Ich meine: Es sind die Clips, die sich die Jugend heutzutage im Pausenhof auf dem Handy ansehen, es ist der Schund, den man in stillen Whatsapp-Gruppen teilt, es ist das Verrohte, dem Kinder bereits in jungen Jahren ausgesetzt sind und damit konfrontiert man die “gesunde Erwachsenenwelt” mit einer Schockwahrheit, die gleichermaßen real wie provokativ ist und es ist Aufgabe der Älteren, diesen Streifen zu verstehen und sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Und das Ende!!! Ich liebe es, solche Filmenden zu haben! Es ist so passend auf die heutigen Kids zugeschnitten und zudem ein Filmende, das ich persönlich einfach nur feiere! YES! In your Face, liebe Elitengemeinde, liebes konservatives Bürgertum, liebe Heile-Welt-Bürger – genau so dürfen Filme sein, solange es Filme bleiben und nicht darüber hinaus.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ansehen, ansehen, ansehen!

Leider erst ab FSK 16 möglich, sobald ihr jedoch dieses Alter überschritten habt: Ansehen! Es ist seit Jahren eine tödlich-wahre Offenbarung, die kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern die wahren Gepflogenheiten durchkämmt und gnadenlos offenlegt. So etwas grandioses hab ich im Kino schon lange nicht mehr gesehen – und die Tatsache, dass die meisten diese Form der Kritik nicht verstehen, zeugt davon, wie wichtig Filme wie dieser sind, um endlich mehr darüber zu sprechen!

 

Nachspann
✅ Auf jeden Fall sitzen bleiben, hier folgen noch einige bizarre Szenen ^

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Assassination Nation
Length: 110 Min.
Rate: FSK 16

Spider-Man: Homecoming (3D)

Einigen wird wohl nicht entgangen sein, dass sich Robert Downey Jr. höchstpersönlich dafür entschieden hat, aus dem Marvel-Universum auszusteigen, solange es noch nicht peinlich geworden ist. Seine Zeit war bei Iron Man, wo er sagenhafte Leistungen ablieferte und als Filmserienheld Reden von sich machte.

Danach holte man ihn immer an Deck, wenn man mal wieder eine funktionelle Zuschauerspritze brauchte, oder einfach, um das Coolness-Level etwas aufzufrischen und andere Superhelden besser dastehen zu lassen. Denn, sind wir mal ehrlich: Mit einer Person allein funktioniert das in unserem Supergiganten-Universum nicht mehr wirklich. Die Zeiten haben sich irgendwie geändert und die Geschichten von früher müssen heute einfach anders erzählt werden. Und da ist die Auswahl der Hauptdarsteller manchmal eine ganz wichtige Angelegenheit.

Zu Downeys Coolness gehört neben einer sensationellen Schauspielerleistung aber auch, dass man sich würdig von den Bühnen der Welt verabschiedet und nicht verkrampft versucht, bis zum Schluss Kasse zu machen und auf Teufel komm raus nochmal zu brillieren (so wie man es bei Tom Cruise in Die Mumie vermuten könnte).

Und statt zu zeigen, was für ein toller Hecht er ist, welche Brillanz und Größe an ihm verloren gehen wird, setzt er sich hin und überträgt dieses Level einfach gnadenlos auf den – meiner Meinung nach – besten Spiderman überhaupt: Tom Holland.

Hier zählt auch wieder, dass Marvel durchaus weiß, was es tut. Nach der sensationellen Niederlage von The Amazing Spiderman wollte man sich eine derartige Blamage nicht noch einmal geben und nahm deshalb vollständig die (kreativen) Zügel in die Hand, um einen Film zu kreieren, der von sich Reden machen wird. Und auf Holland ist die Rolle wie maßgeschneidert: Der Kerl bringt einfach alles mit, was es in heutiger Zeit braucht, um ein anbetungswürdiger Superheld zu werden: Er ist jung, süß, strotzt nur so vor jugendlicher Agilität und ist fesch in seiner Spielweise. Er geht neben den Schauspiel-Legenden keineswegs unter oder kämpft erbittert um Aufmerksamkeit, sondern spielt sich mit Tony Stark die Bälle zu, dass es nur so kracht. Die Synergie, derer die beiden sich bedienen, ist beispiellos. Es funkt – wie man so schön sagt – auf einer ganz anderen Ebene als erwartet.

Dazu trägt auch das Drehbuch und die ganzen Rahmenbedingungen bei: Man hält sich eben nicht mehr damit auf, eine bekannte Story jetzt nochmal zu erzählen, sondern setzt gewisse Vorkenntnisse voraus, die auch Nicht-Film-Kenner wissen sollten und steigt einfach gleich mit Vollspeed ein. Das macht aus dem Stück ein herrlich-neues, ebenbürtiges Iron Man-Abbild, dessen Elemente, die wir alle bis heute lieben, nun auf die nächste Generation übertragen werden.

Somit erlebt man als Zuschauer im Kino kein Revival alter Marotten, die einem das Gefühl geben würden, das Geld aus der Tasche gezogen zu kriegen, sondern erhält einen munter-heiteren Neustart in einem Universum, dass der Allgemeinheit bekannt ist und sich darum nicht länger an äußeren Erzählhistorien aufhält.

Und dieser Schachzug macht Spider-Man: Homecoming für mich zu dem besten Spider-Man überhaupt, der selbst sein Original noch übertrumpft. Genau wie auch schon bei The First Avenger: Civil War erkennbar war, dass Marvel noch ganz andere Trümpfe in der Tasche hat, hält man jetzt alte Versprechen und enttäuscht die Kinozuschauer ein weiteres Mal nicht

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man sich als Fan der Saga bekennen, stellt sich einem gar nicht die Frage, ob man nun hier rein geht oder nicht.

Für alle anderen ist dies der exakt richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen und sich bei Bedarf dann die alten Streifen nochmal im Heimkino zu Gemüte zu führen. Und derer gibt es ja mittlerweile einige.

Spider-Man: Homecoming trumpft jedenfalls nicht nur mit unglaublichem 3D und genialer Frische auf, sondern verzückt auch in Sachen Soundtrack, Humor, schnellem Schnitt und unglaublicher Erzählfreude, die einem das Leben für gute 2 ¼ Stunden so angenehm wie möglich macht.

Nachspann
✅ Üben wir einfach nochmal alle zusammen:
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher…
Ich glaube, irgendwann kapiert das auch der letzte. Und Leute: Auch hier beweist man wieder: Es ist ein neues Zeitalter angebrochen und die Jungs haben das tatsächlich kapiert und sind ihrer Zeit – selbst ganz zum Schluss – wieder weit voraus.

Kinostart: 13. Juli 2017

Original Title: Spider-Man: Homecoming
Length: 134 Min.
Rated: FSK 12

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