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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Der Goldene Handschuh

© 2019 Warner Bros. Ent.

Fatih Akin hat zuletzt mit Aus dem Nichts für Aufsehen gesorgt und gilt seither als Stern am Himmel deutscher Regisseure, über den sich auch international begeistert geäußert wird. Vielleicht ist es bei einem Thema wie diesem auch notwendig, die gute Reputation eines solch herausragenden Regisseurs als „Vorwand“ zu nehmen, um nicht gleich angewidert den Kopf zur Seite zu drehen und sich zu fragen: Was sollte das denn?

Fakt ist, dass Der Goldene Handschuh schon jetzt kontrovers diskutiert wird und Fakt ist, dass mit dem Material definitiv keine bundesweite Einstimmigkeit in Sachen „toller Film“ einhergehen wird, denn was uns hier vorgesetzt wird, kann und darf nichts anderes als eine saftige und hart kontrollierte „FSK-18“-Auszeichnung mit sich rumtragen.

Der Film ist eine Herausforderung. Ein starkes Stück Arbeit für den Zuschauer, sich wirklich im Saal im Kinosessel sitzen zu lassen und nicht aufzuspringen und rauszurennen. Dabei entsteht Kopfkino und teils werden Dinge gezeigt, die so weit wie nur irgend möglich von Menschenwürde entfernt sind, dass dafür schon kaum noch Ausdrücke existieren.

Mir hat der Film gefallen.

Und ich habe mit Interesse die Meinungen anderer zu diesem Film aufgesogen und werde mich auch gerne in Zukunft mit Kritikern, Verächtern oder gar Liebhabern auseinandersetzen und ihre Stimmen anhören und versuchen, zu verstehen.

Punkt 1: Der Film hat in meinen Augen keine Geschichte. Keine Story-Line, sondern er ist ein Bild. Ein Adjektiv. Man möchte jemanden zeigen und eröffnet so einen grandiosen Milieu-Einblick in abartige Dinge, die zum einen wahr sind (und Wahrheit tut dem Zuschauer oft am meisten weh) und zum anderen nicht vom Regisseur oder den Filmemachern ausgedacht sind, sondern nur wiedergegeben werden.

Und da man nichts „erzählen“, sondern eher „zeigen“ will, stößt man hier schon mal an eine Grenze, die der Entertainment-verwöhnte Zuschauer erstmal durchbrechen muss, um überhaupt damit klar zu kommen. Sich mit einer Thematik und dem „Sein“ überhaupt auseinanderzusetzen, ist für viele schonmal schwierig. Dazu kommt, dass sich viele – früher nicht und heute erst Recht nicht – gar nicht erst damit beschäftigen wollen, sich überhaupt in eine Person hineinversetzen zu können, sondern bei mörderischen Absichten gleich einen Stempel zur Hand nehmen und die Sache vorzeitig abhaken.

Und genau das macht der Film eben anders: Er widmet sich der Sachlage und nimmt sie auseinander. Zerpflückt sie in seine Einzelteile und rührt daraus ein unglaublich konfuses und unfassbar unerträgliches Bild eines Menschen zusammen, der eben nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht, sondern er gibt ein Bild wieder. Nimmt sich der Umstände an. Der Umstände – nicht der „Suche nach einer Ausflucht, um irgendwas zu entschuldigen.“ Im Gegenteil: Hier ist man so dermaßen hart und unnachgiebig, dass es keinerlei Diskussion darüber gibt, ob das falsch oder richtig ist, man aber gleichzeitig den Menschen nicht verdammt, sondern als Zuschauer fast schon Mitleid mit ihm hat.

Generell zeichnet Der Goldene Handschuh eine bittere, traurige und – ich wiederhole mich – wahre Szenerie von Menschen nach, die es so tatsächlich gegeben hat, das muss man sich dabei immer wieder ins Gewissen rufen. Und da schrillen bei mir Fragen über Fragen nach oben: Was treibt einen Menschen dahin, so zu werden? Was muss jemand durchstehen? In was für tiefe Löcher muss man sinken, um so zu werden? Was muss einem begegnen, dass man es fertig bringt, so zu handeln?

Und im Gegenteil: Was müsste eine Gesellschaft anders machen, damit so etwas nicht passiert? Welcher Gefühle und Handlungen müsste man sich bedienen, um so etwas zu verhindern? Wie einfach wäre es, solche Gräueltaten nicht geschehen zu lassen, wenn man nur hier und da an den richtigen Strippen zieht?

Das gibt Nachdenkstoff. Und ihr wisst: Ich liebe es. Ich liebe Nachdenken. Ich liebe analysieren. Sich damit auseinandersetzen. Und dazu hat man ob der Grausamkeiten im Film kaum Zeit – aber danach beschäftigt man sich noch sehr sehr lange mit der Thematik und das geht einem nicht so schnell aus dem Kopf.

Hier hat Fatih Akin in meinen Augen eben sehr großartige Arbeit geleistet, weil er es schafft, etwas so anzupacken, dass es den boshaften Händen der Medien und den Vorurteilskrallen der Gesellschaft widersteht und eben doch als Diskussionsobjekt im Raum stehen bleibt und man sich vernünftig damit auseinandersetzt und nicht vorschnell urteilt und fertig.

Dass er provozieren kann, weiß der gemeine Kinogänger spätestens nach Aus dem Nichts und dass ihn mächtige Stoffe reizen, genauso. Also darf man sich nicht wundern, wenn das „blaue Siegel“ auf einmal rot wird. Das muss man wissen und sich damit auseinandersetzen. Welche Filme haben es heute denn bitte schon ins Kino geschafft, die FSK-18 waren? Genau.

Ebenso kann man sich mit Grundsatzfragen auseinandersetzen: Darf eine Gesellschaft sich von so etwas im Kino „berieseln“ lassen? Muss man darüber jetzt auch noch Filme drehen? Wer braucht so etwas? Muss das echt wieder aufgewärmt und gezeigt werden? Was hat man davon, wenn man hierfür auch noch Geld ausgibt?

Und die Antworten von euch auf diese Fragen interessieren mich brennend. Dazu müsst ihr den Film halt „leider“ sehen. Aber bitte ohne Kinder. Und ohne Freundin, wenn die kein Horrorliebhaber ist und ohne Magen in den Saal geht.

Und euren lasst ihr besser auch lieber leer … und vor der Tür. Dann habt ihr Chancen.

.kinoticket-Empfehlung: Kontrovers, krass, provokativ, ehrlich, adjektivös: Der Goldene Handschuh provoziert mit der Wahrheit und setzt sich mit Fragen auseinander, die eine Gesellschaft sich nicht stellen will – und das ist gut so.

Fatih Akin stellt eine Milieu-Studie aufs Tableau und verlangt den Zuschauern extreme Härte ab, liefert dabei aber Einblicke und einen – in meinen Augen – super guten Film ab, den man sich aber mit leerem Magen und Kotztüte in der Hand ansehen sollte.

Nachspann
✅ Ich hab auch überlegt: Ja, es ist eine „wahre Geschichte“ und hier sind die Bilder davon…

Kinostart: 21. Februar 2019

Original Title: Der Goldene Handschuh
Length: 110 Min.
Rated: FSK 18

Assassination Nation

Assassination Nation
© 2018 Universum Film GmbH

 

Zu diesem Film kann ich nur sagen: Jaaaaaa, jaaaaaaa, jaaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Wir haben es so gewollt und ich feiere es so unglaublich hart, dass es nun endlich so gekommen ist.

Ist dieses Teil völlig abgedreht und durchgefuckt? Yes! Zeigt man, wofür vor 70 Jahren noch ins Gefängnis geschmissen wurde? Yes! Ist das Teil völlig über den Zenit und fordert die Abwehrkräfte total heraus? Yes!

Assassination Nation ist vor allem eines: Unfassbar ehrlich! Bereits zu Beginn wird der Zuschauer auf das vorbereitet, was ihn erwartet und man macht keinen Hehl daraus, dass das Wort “Grenzen” hier gänzlich unbekannt ist. Und dabei urteilt man nicht, sondern seziert die gesellschaftlichen Gepflogenheiten bis aufs Äußerste und dringt dabei bis in die Knochen vor, um zu zeigen, wohin sich die Welt entwickelt hat und dass so manche Diskussion gänzlich überflüssig geworden ist.

Was man damit erreicht? Zum Einen die außerordentliche Fassungslosigkeit der Presse, die sich darüber mockiert, was für einen Scheißdreck man hier zusammengewichst hat, zum anderen Faszination und unglaubliches Streitpotenzial – denn genau dafür ist der Film da: Er will provozieren, er will Diskussionen herausfordern und er tut das auf eine anbetungswürdig-moderne und unglaublich funktionelle Art und Weise.

Selbst Menschen, die sich danach in höchsten Tönen darüber aufregen und denen man erklärt, dass dies genau das Ziel des Films war, dass man schockiert ist und sich provoziert fühlt, finden dann, dass der Film das tatsächlich mit Bravour abgeliefert hat. Und es ist fast schon absurd, dass – je länger man den Stoff wirken lässt und sich den Schockbrösel vom Hemd streicht – je mehr Tiefgründigkeit in dieser Schlachtorgie zu finden ist, die vor Wahrheit und “offener Aussprache” nur so glänzt. Und dabei hat Assassination Nation schon fast Vorbildcharakter.

Ich meine: Es sind die Clips, die sich die Jugend heutzutage im Pausenhof auf dem Handy ansehen, es ist der Schund, den man in stillen Whatsapp-Gruppen teilt, es ist das Verrohte, dem Kinder bereits in jungen Jahren ausgesetzt sind und damit konfrontiert man die “gesunde Erwachsenenwelt” mit einer Schockwahrheit, die gleichermaßen real wie provokativ ist und es ist Aufgabe der Älteren, diesen Streifen zu verstehen und sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Und das Ende!!! Ich liebe es, solche Filmenden zu haben! Es ist so passend auf die heutigen Kids zugeschnitten und zudem ein Filmende, das ich persönlich einfach nur feiere! YES! In your Face, liebe Elitengemeinde, liebes konservatives Bürgertum, liebe Heile-Welt-Bürger – genau so dürfen Filme sein, solange es Filme bleiben und nicht darüber hinaus.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ansehen, ansehen, ansehen!

Leider erst ab FSK 16 möglich, sobald ihr jedoch dieses Alter überschritten habt: Ansehen! Es ist seit Jahren eine tödlich-wahre Offenbarung, die kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern die wahren Gepflogenheiten durchkämmt und gnadenlos offenlegt. So etwas grandioses hab ich im Kino schon lange nicht mehr gesehen – und die Tatsache, dass die meisten diese Form der Kritik nicht verstehen, zeugt davon, wie wichtig Filme wie dieser sind, um endlich mehr darüber zu sprechen!

 

Nachspann
✅ Auf jeden Fall sitzen bleiben, hier folgen noch einige bizarre Szenen ^

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Assassination Nation
Length: 110 Min.
Rate: FSK 16

Loro – Die Verführten


© 2018 DCM Film Distribution GmbH

 

Loro werden die Italiener als Loro 1 und Loro 2 kennen, denn dieses Stück wurde in Italien in zwei Akten konzipiert und am 24. April 2018 sowie am 10. Mai 2018 uraufgeführt. Die Längen betrugen jeweils 100 und 104 Minuten (also sagenhafte 3 Stunden 24 Minuten), welches für den internationalen Vertrieb von Paolo Sorrentino auf einen um etwa 60 Minuten gekürzten Director’s Cut geschnitten wurde. Mit 145 Minuten (2 Stunden 25 Minuten) ist man aber auch hierzulande immer noch ausreichend bedient und kann nicht behaupten, zu wenig Spielzeit für sein Geld zu kriegen.

Und auf diese Show sollte man sich – ob Berlusconi-Befürworter oder -verächter – definitiv einlassen. Loro entführt hier nicht nur in die korrumpierte italienische Politiker-Welt, sondern erzählt gleichermaßen anhand eines “Originals”, auf welchem Boden sämtliche Mafia-Filme fundiert sind. Und das beständige Flair, das dieser Film dabei ausstrahlt, zieht von Anfang an in seinen Bann.

Man kann jetzt nicht behaupten, dass dies “normale Umgangsformen” wären, aber genau das ist das spannende daran: Diese schmierige, permanent-in-die-Fresse-schlagende Schleimart, mit der Berlusconi hier dargestellt wird, ist zum Anbeten gut gespielt und sorgt für viele freiwillige und unfreiwillige Lacher. Dieser Sog, der sich dabei entwickelt, grenzt fast an das Unaussprechliche, das uns The Wolf of Wall Street 2013 geliefert hat und eröffnet nun einen politisch wesentlich aktuelleren Reigen von Verdorbenheit und Sünde.

Es fühlt sich an, als hätte man Der Pate neu verfilmt, nur dass diese Gegebenheiten natürlich (!) erzählerisch gedichtet sind und rein gar nichts (absolut nichts !) mit eventuell aktuellen, lebenden Personen zu tun haben oder haben könnten. Ein Narr, wer … naja, ihr wisst schon.

In Sachen Produktionsgröße, Dialogschwere, mentale sowie gesellschaftliche Ausmaße kommt man auf jeden Fall an Francis Ford Coppolas Vorbildwerk heran und mit den richtigen Hintergrundgedanken und einer im Sessel gefesselten Genusswirkung von bildschönen, sich räkelnden Körpern auf der Leinwand erlebt man all das fast schon in Form eines drogenähnlichen Trips, aus dem man hinterher nur beschwert wieder aufwachen kann.

Mich dazu hinreißen lassen, das Werk mehrfach zu sichten, konnte ich nicht – da hat mich dann wahrscheinlich die Länge doch zu sehr abgeschreckt, aber ihn deshalb nicht anzuschauen, empfinde ich genauso als einen Fehler: Nutzt die Gunst der Stunde und gönnt euch ein Stück italienische Politik-Geschichte in unglaublich erzählerischem Ausmaß und einer betörend-schönen Verdorbenheit.

 

.kinoticket-Empfehlung: Erledigt vorher alle körperbedingten Tätigkeiten, denn die Zeit, bis die Türen sich wieder von selbst öffnen, ist lange.

Kein Grund, sich deshalb vor diesem Titel zu drücken: Hier wird auf eine unverblümte, erschreckend ehrliche und fast schon ironisch-satirische Art die Wirkensweise der Politiker am italienischen Beispiel erläutert. Die fragwürdige Situationskomik gepaart mit einer betörenden Schönheit und illustren Verdorbenheit portraitieren einen psychedelischen Trip, der einen ganz schnell gefangen nimmt und für viele Stunden bewegungsunfähig macht.

Ein Erlebnis, das man sich sehr wohl auf der großen Leinwand geben sollte.

 

Nachspann
❌ Das ist der wahrscheinlich längste Abspann, der mir je untergekommen ist – und er lohnt nicht, abzuwarten.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Loro
Length: 145 Min.
Rate: FSK 12

Verliebt in meine Frau

Verliebt in meine Frau

© 2018 Weltkino Filmverleih

 
Theaterverfilmung again: Gab es eigentlich schon einmal einen Versuch, solche Stücke ins Kino zu bringen, die gescheitert sind?
Verliebt in meine Frau brilliert erneut durch eine Form von Intelligenz, die man in solchen Filmen eigentlich kaum erwartet: Immerhin werden hier alle Klischees im Plot-Overview zusammengefasst, die jedem Filmliebhaber eigentlich die Fußnägel hochrollen lassen sollten, es aber im Streifen selbst sonderbarerweise überhaupt nicht tun. Ganz im Gegenteil: Der ist vollgepackt mit einer liebenswürdigen Erträglichkeit, die positiv zum Himmel schreit und sich von allem anderen abhebt, das einem im Zuge dessen noch so einfallen könnte.
Liebe? Kein Problem, man ist mehr mit Lachen beschäftigt als alles andere.
Geschlechterverschiedenheit? Kein Ding – die gegenseitigen Einblicke in die jeweils andere Sichtweise macht irre Spaß und eröffnet Welten, zu denen man als Mann/Frau sonst keinen Zutritt hat.
Romantik? Kein Ding – die Genialität, in der man die ausufernde Schmalzigkeit verpackt, überdeckt jedes schlechte Gefühl und hinterlässt einen Raum, in dem man seinen Geist entfalten und den Gefühlen freien Lauf lassen kann: Es macht einfach nur Freude und ist so vollkommen anders, ohne dass man es in Worte fassen könnte. Jeder, der aus der Pressevorführung wieder rausspaziert ist, empfand diesen Film als einen super gelungenen Film, der endlich mal wieder zum Lachen einlädt, ohne dabei auf “bekanntes” zurückzugreifen.
Und wer den Film sieht, weiß an dieser Stelle, wie viel Ironie dieser Satz in sich trägt (ohne dabei negativ zu werden).
 

.kinoticket-Empfehlung: Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass kein einziger sich den Klappentext dazu durchlesen darf und ihr den Film einfach sehen MÜSST: Es ist unglaublich, wie etwas so Abgekautes so viel Freude im Kino machen kann ohne auch nur eine einzige Sekunde zu langweilen.
Die Darsteller liefern hier eine intelligente, durchdachte und konsequent kurzweilige Unterhaltungsshow ab, die im Prinzip alle Klischees hernimmt, die man so kennt und das “Klischee” daraus entfernt und nur das auf der Leinwand lässt, was dann noch übrig bleibt: Der pure Genuss!
Tut euch den Film an, sonst verpasst ihr 1,5 wundervolle Stunden eures Lebens, die vollständig mit Glück angefüllt sind! Vertraut mir!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.
Kinostart: 11. Oktober 2018
Original Title: Amoureux de ma femme
Length: 85 Min.
Rate: FSK 0

Safari – Match Me If You Can

Safari – Match Me If You Can wird als Filmpremiere auf dem Filmfest München gezeigt: Die Presse stöhnt, das Volk feiert den .trailer in den Kinos ab und freut sich ab Donnerstag dann endlich auf den Filmstart.
Ich hab den Film tatsächlich schon 3x gesehen. Und werde sicherlich noch einmal reingehen. Das heißt?
Irgendwas ist an dem Ding dran, das geil ist. Natürlich ist dieser Film sehr “speziell” und fordert dem Intellekt einiges ab, um hier wahrhaftig seine Freuden ausleben zu dürfen. Man muss sich irgendwie kriechend in diese Schublade von Movie bewegen und stellt dann sehr schnell fest, dass da drin eine wunderbare Welt existiert, die es zu erforschen gilt und die einiges für die Zwerchfellbearbeitung bereit hält – und mit Sicherheit auch in einem gut gefüllten Kinostart-Premierensaal richtig Laune bereitet.
Dieses Band der Korrelationen zwischen den einzelnen Personen in einer Harmonie moderner Digital-Weltabbilder gedichtet zeugt einerseits von Wissen über die Zustände einer Generationengesellschaft heutiger Zeit, und erfreut andererseits an einem exzellenten Plot mit herrlich schrägen Charakteren, die so manchen Zuschauer an eine seiner Freunde denken lässt. Kurzum: Das Ding zündet.
Als München-Verliebter bin ich natürlich von dem in meiner Herzensheimatstadt gedrehten Film noch ein Stück weit mehr begeistert. Auffällig: Auch Sebastian Bezzel muss sich langsam darum kümmern, die gleichen Hürden wie Elyas M’Barek zu überwinden und sich schauspielerisch behaupten, um nicht auf alle Zeit in seiner Eberhofer-Rolle in den Köpfen der Menschen gefangen zu bleiben. Irgendwie sieht man die ganze Zeit nur den Kommissar in ihm, auch wenn er in diesem Film eine ganz andere Rolle hat.
Wer also auf diesem Humor-Niveau einiges aushält, der wird einen vergnüglichen Kinoabend erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man muss sich darauf einlassen, dann hat man auch wirklich Spaß dabei.
Auch wenn der .trailer einen nicht so richtig angesprochen haben mag: Das Ambiente ist sehr wohl das gleiche, der Film liefert aber im Zusammenhang wesentlich mehr Charme und Unterhaltung ab und ist definitiv einen Kinobesuch wert – nutzt am besten die besser besuchten Start-Premieren auf 🙂

 
Nachspann
✅ den sollte man mitnehmen, sonst gehen einem einige Jokes verloren.
Kinostart: 30. August 2018

How to Party with Mom

Melissa McCarthy ist keine A-Bomben-Ikone auf der Leinwand, hat aber ihr eingeschworenes Fan-Publikum und kämpft sich – auch in Hollywood – mit ihrer eigensinnigen Art immer wieder ihre eigene Bühne frei. Ich finde, in letzter Zeit trumpft sie immer bessere Rollen auf und überzeugte seinerzeit in Spy – Susan Cooper Undercover, legt dann mit Ghostbusters: Answer the Call einen drauf und erreicht meiner Meinung nach jetzt in How to Party with Mom ihren Karrierehöhepunkt bislang.
Was ihr für einen erfolgreichen Kinoabend benötigt: Einen Kinosaal, der mit ausreichend gemischtem Publikum gefüllt ist und jede Menge Gute Laune. Der übliche “Hey, wir sind Frauen und wir hauen jetzt so richtig auf die Kacke”-Mist, den man erwartet, kommt nämlich nicht, sondern ein sehr, ich möchte fast schon sagen, ruhiges, reflektiertes und irrsinnig witziges Kinostück, dass diesmal nicht auf “Scheiße bauen” setzt, sondern sich in Dialogvielfalt und Humor übt, der sowohl im Original als auch in der deutschen Synchronisation zum Schreien geil ist.
Dazu ist anzumerken, dass der Film diese Faszination und Humorgewalt anfangs zwar anteasert, dann aber stückweise aufbaut und erst in der zweiten Hälfte so richtig auf die Zwölf haut und alles mögliche rauslässt, ohne dabei in irgendeiner Form beschämend und lächerlich zu werden.
Was dabei ebenfalls unglaublich gut passt, ist die Zusammenstellung der Protagonisten, die allesamt herrlich schräg sind und ihre ganz eigenen Macken mit in die Runde werfen, daraus entspringt ein mega sympathisches Frauenteam, dem hier Tor und Tür geöffnet wurde, um sich einfach mal herzlichst ausleben zu dürfen.
Selbst die teils verbissenen Pressemenschen hatten während der Vorführung stellenweise ihren Spaß und beim Publikum während der Sneak Preview kam der Film irre gut an. Man sollte also dem Wesen von McCarthy schon ein klein wenig aufgeschlosen sein, wenn man sich dann aber darauf einlässt, wird’s ein herrlicher Abend mit vielen Lachern und wunderbaren Gags.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beste Unterhaltung basierend auf tollen Dialogen und Wortwitz, der mit Schlagfertigkeit und subtiler Verdorbenheit punktet und im Frauengespann wahnsinnig Spaß macht!
Melissa McCarthy landet meiner Meinung nach hier einen richtigen Hit und toppt ihre eigenen Filme um Längen. Auch das Drumrum passt alles. Damit hat man einen “Partyfilm”, der so vollständig anders als seine Kollegen daherkommt und auf der großen Leinwand in gefüllten Sälen unfassbar viel Spaß macht. Also ladet eure Freunde und Familie ein, besorgt euch zu Futtern und genießt dann einen unbeschwert geilen Abend gemeinsam im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
❌ abwarten lohnt sich nicht, my Darling!
Kinostart: 5. Juli 2018

A Beautiful Day

A Beautiful Day hat in Cannes auf dem Filmfestival gleich mal zwei Hauptpreise abgegriffen: Bestes Drehbuch und Bester Hauptdarsteller. Wer sich jetzt fragt, woher dieser Titel auf einmal kommt: Im Original schimpft sich das Werk You Were Never Really Here – und wir können jetzt eine Grundsatzdiskussion über schlecht übersetzte Titel starten … oder: Ihr geht einfach ins Kino, schaut euch das Teil an und pflichtet mir bei, dass dieses Mal der übersetzte Titel absolut nicht mehr so doof ist, wie er sich anfangs anhört. Ja – okay – es ist kein wirkliches Deutsch … aber nach dem Film dachte ich: Passt.
Diesmal wirklich.
Überhaupt: Joaquin Phoenix ist eine Koryphäe, was subtiles, düsteres, dreckiges, abgefucktes Kino angeht: Und er macht sich einmal mehr die Ehre und übertrumpft sich einfach selbst. Die Thematik ist dreckiger denn je, der Film fährt dabei aber hochstilisierte und fast schon künstlerische Ästhetik auf, die dem Gebaren zwar absolut nicht angemessen ist, den Film für den Zuschauer aber um einiges erträglicher macht.
Ja, es gibt viel zu wenig Diskussion über solche Themen, ernsthafte Auseinandersetzungen damit, Wissen und Informationen oder gar Anlaufstellen für Prävention, die derartiges verhindern könnten. Es gab (auch filmisch) bereits Ansätze dafür, die aber genauso in den Untiefen verschwinden, wie das aufgeklärte Wissen über Darknet und Co. in den aktuellen Medien: Es ist schlichtweg nicht existent.
Und das ist genauso furchtbar, wie einige der Szenen aus dem Film – grandios gespielt und meisterhaft umgesetzt! Dieser Film hat es einfach absolut in sich und packt dich bei den Eiern, drückt zu und überlässt die Schmerzen deiner Weiterverarbeitung! Ein großartiger Film über ein furchterregendes Thema, dass von niemandem besser gespielt hätte werden können!
Und damit gehört er für mich auf die Leinwände. Ins Fernsehen. In den öffentlichen Diskurs. Er bietet erneut die Möglichkeit, dass wir uns mit unseren eigenen Schrecken auseinandersetzen und uns als Menschheit an die Hand nehmen, um die Dinge besser zu machen, der Welt ein freundlicheres Gesicht verleihen und den Weg dafür ebnen, dass unsere Kinder eines Tages ein besseres Leben führen als es unsere Zeitgenossen teilweise tun müssen.
Diese Erfahrung ist absolut irre … und einmal mehr gilt mein Dank Constantin Film, deren Repertoire ich so etwas Überwältigendes ehrlich nicht zugetraut hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schluss mit der Spielerei, Schluss mit dem Firlefanz: Es wird Zeit, dem Kino wieder Zündstoff in die Hände zu liefern, um eine ekstatische Bombe platzen zu lassen, die dabei weder Ästhetik noch Ehrgefühl zerstört: Was euch hier geliefert wird, ist sensationell und wurde zurecht in Cannes ausgezeichnet!
Joaquin Phoenix überzeugt einmal mehr als abgefuckter Begleiter in eine Welt, vor der man am liebsten die Augen verschließt! Das Thema ist unfassbar hart, seelisch brutal und die Performance dazu haut euch zusätzlich aus den Socken – grausamer Inhalt, grandioser Film!

 
Nachspann
Don’t wait for it … es kommt nichts mehr.
Kinostart: 26. April 2018

Red Sparrow (mit Gewinnspiel)

Wer direkt zum Gewinnspiel möchte, bitte ans Ende des Beitrags scrollen. 🙂
Jennifer Lawrence hat sich mit Die Tribute von Panem einen Namen gemacht, mit dem sie sich konsequent als großartige Schauspiellegende aus der Masse emporgearbeitet hat. Passengers als einen ihrer Höhenflüge hat mich seinerzeit sehr begeistert und man merkte damals bereits deutlich, wohin die Reise zu ihrer “role of life” geht.
Meine Hoffnung, nachdem ich den .trailer gesehen hatte: Dass sie ihr Tribute von Panem-Image durch ein aktuelleres ersetzen und sich selbst toppen kann, denn Red Sparrow verspricht, ihr exakt auf den Leib geschneidert zu sein.
Sie hat es geschafft!
Das ist einer der Gründe, wofür ich Twentieth Century Fox liebe: Sie verstehen es, Filme zu machen, die auf unerlaubt hohem Niveau punkten und mit Ästhetik und Schönheit überzeugen – sowohl inhaltlich als auch durch Style und Design.
Red Sparrow besitzt beides und greift eine Landeskultur auf, die höchst spannend inszeniert einen Plot darbietet, vor dem ich wieder einmal auf die Knie gehe: So etwas muss man sich erstmal ausdenken und dann noch dermaßen überzeugend verfilmen können: Ein Streifen, der sich endlich wieder lohnt und trotz seiner langwierigen Spielzeit von 141 Minuten keine Längen aufweist. Man nimmt sich Zeit, um eine Geschichte zu erzählen und drückt nicht durch gekünstelte Straffungen auf die Tube oder wirft seine Prinzipien über Bord, sondern zieht partout seine Schiene durch, ohne dabei das selbst gesteckte, hohe Maß zu unterbieten.
Und dabei geht es nicht um simplen Spionagekitsch oder künstlich aufgetakelte Wichtigtuerei, sondern man beschäftigt sich mit so spannenden menschlichen Mustern und tiefschichtiger Psychologie, die einem sogar auch außerhalb des Films durchaus im Alltag behilflich sein kann. Diesen selbst angesetzten Anspruch a) zu erschaffen und b) nicht zu verleugnen war etwas, das mich über alle Maßen beeindruckt hat.
Wer hinterher aus dem Film geht, ist definitiv mitgenommen. Man fühlt sich auf diverse Weise bereichert und kann definitiv behaupten, ein tolles Kinoerlebnis gehabt zu haben. Deshalb wundert mich ein klein wenig die PR-Zurückhaltung, denn damit hätte man viel mehr protzen können, ohne hinterher auf der Nase zu landen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Red Sparrow überzeugt auf allen Ebenen: Jennifer Lawrence liefert die Rolle ihres Lebens in einer Story, die vor Genialität und Inhalt nur so strotzt und sich mit bislang filmisch vernachlässigter psychologischer Härte auseinandersetzt, die einen definitiv nicht unberührt lässt.
Design, Ästhetik, Filmintelligenz und Kurzweil reichen sich hier einander die Hand und formen daraus ein Meisterwerk, das mich restlos begeistert: Reingehen reingehen reingehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts im Nachgang mehr.
Kinostart: 1. März 2018
 
G E W I N N S P I E L
Und damit euch die Show noch ein wenig versüßt wird, hat Twentieth Century Fox für euch ein Wahnsinns-Paket geschnürt, das ich hiermit gerne an euch weiter verlose.
Mit dabei sind u.a. 5x jeweils 2 Freitickets für Red Sparrow, mit denen ihr den Film for free in einem Kino eurer Wahl genießen könnt: Einfach die Karten an der Kasse gegen zwei Eintrittstickets eintauschen und den Film mit eurem/eurer Liebsten genießen.
Einzige Voraussetzung ist, dass dieses Kino Red Sparrow regulär im Programm hat und ihr eine Vorstellung besucht, in der noch freie Plätze zu vergeben sind.
Außerdem gibt’s jede Menge Kinoposter und eine wahnsinnig coole Red Sparrow-Sporttasche zu gewinnen.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis einschließlich Sonntag, 4. März 2018 unter diesem Beitrag und ihr seid im Lostopf dabei. Anschließend werden die Gewinner per Random.org gezogen und von mir benachrichtigt. Bitte gebt hierfür unbedingt eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann. Anschließend gehen die Gewinne direkt zu euch auf die Reise.
Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke haben mit diesem Gewinnspiel nichts zu tun, dieses wird ausschließlich von www.kinoticket-blog.de veranstaltet. Die Preise wurden von Twentieth Century Fox im Rahmen des Kinostarts von Red Sparrow gesponsort.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich. Es gelten die üblichen, vernunftbasierten Teilnahmebedingungen. Die im Rahmen des Gewinnspiels von euch angegebenen Daten werden nur im Rahmen der Verlosung verwendet und anschließend wieder gelöscht.
Wer hier im Blog keine E-Mail Adresse angeben möchte, darf mir gerne auch per Telegram oder Whatsapp oder als Direktnachricht auf Facebook mit Angabe seines Kommentar-Pseudonyms schreiben – die Daten dafür findet ihr in der Seitenleiste bzw. im Impressum.
Und nun wünsche ich euch allen viel Glück und natürlich mega viel Spaß und spannende Unterhaltung mit Red Sparrow im Kino!

Fifty Shades of Grey – Befreite Lust

Die Uhren schlagen zwölf – es ist soweit: Der finale Teil der Fifty Shades of Grey-Saga kommt (haha) offiziell in die Kinos und löst weltweit wieder einen Superhype aus, den niemand versteht und in den nur die Doofen reingehen. Genau wie die BILD: Kauft keiner, liest keiner, hat aber nen riesigen Absatz.
Dieses Jahr hab ich mich bewusst und sehnsüchtig für die Pressevorführung vorab entschieden, weil ich mich jetzt gerne und liebevoll für ein paar Wochen aus dem regulären Kino zurückziehe, bis diese Seuche wieder vorbei oder zumindest abgeflacht ist. Aber der Reihe nach:
Meine Äußerungen zu den Vorgängerfilmen sind in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz uninteressant, um meine jetzige Einstellung besser zu verstehen:
Fifty Shades of Grey
Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe
Man merkt also, dass Fifty Shades of Grey insgesamt ein gewollt sadomasochistisches Peitschen-Image mit Sexverdunkelung und Abgründen erotischer Natur aufgebaut hat, um seinem Ursprungsideal der SM-Fanfiction-Variante von Edward und Bella aus Twilight zu entsprechen.
Und an alle Zweifler, die mir das immer noch nicht glauben: https://de.wikipedia.org/wiki/Shades_of_Grey#Entstehung << tatsächlich als Fanfiction von Twilight entstanden und später umgeschrieben. Voilà!
Ich meine: An sich ist die Idee ja gar nicht schlecht, immerhin gibt es von vielen Filmen mittlerweile die “(Soft)Pornovariante” auf Sport1 im Spätprogramm, auch wenn ich (ehrlich) noch nie eine davon gesehen habe. Sollte ich vielleicht mal nachholen, weil ich anschließend von dem hier begeistert sein werde … wer weiß 😉
Allein schon die Idee, so einen Jugend-Kitsch-Schmalzi-Girlie-Fanschrei-Film (Twilight) aus der pubertären Verniedlichung in die (ernstgemeinte) SM-Tiefe zu schicken, sollte eigentlich Freudensprünge beim von Einfallslosigkeit geprügelten Zuschauer auslösen. Dass daraus dann aber ein Konstrukt erwächst, dass den Zuschauern jedwede Relation zu seinem eigentlichen Ursprung abspricht – obwohl teils schon fast szenengenaue Parallelen zum Vorbild vorhanden sind und eigentlich deutlicher nicht mehr sein könnten – trotzdem einschlägt wie eine Bombe, wirft für mich zwei Thesen auf:
Entweder ist die ganze Welt vollkommen krank und ich bin geistig soweit zurückgeblieben, dass ich den Erfolg und das Verlangen nach solchem Stoff erst verstehen werde, wenn mir jemand an meinem Sterbebett erklärt, warum…
oder:
Diese Einfallslosigkeit ist so weit verbreitet und ich bin zu behämmert, um zu kapieren, dass das tatsächlich Alltag da draußen ist und sollte wirklich öfters aus dem Kino und mehr in die Realität wechseln.
Fakt ist: Man sollte vor dem PR-Coup seinen Hut ziehen, denn hier wurde wahrhaftig aus Scheiße Gold gemacht – und das nicht zu knapp. Allein der .trailer hat bereits Weltrekorde aufgestellt und sogar Star Wars geschlagen … mit einer Fanfiction eines behämmerten Films auf SM-Niveau! * kopfgreif * – in was für einer gestörten Welt leben wir denn?
Über die Vorteile davon hab ich mich bereits damals schon ausgelassen – den Chancen, sexuelle Aufklärung zu betreiben, Sex-Nischen salonfähig zu machen, Plattformen zum öffentlichen Diskurs zu bieten und den Menschen die Chance zu ermöglichen, auch über Tabuthemen gemeinsam zu sprechen, um so Unerfahrenheit oder ungewollte Versteckspiele endlich beenden zu können.
Ich meine: Die Welt sieht zu, die Aufmerksamkeit ist vollends vorhanden und alle starren gebannt auf die Leinwand – und was macht man daraus?
Fifty Shades of Grey – Befreite Lust!
Für mich wirkt das alles so, als wäre ein Großteil meiner Mitmenschen in einer irren Blase gefangen, die einer unbefriedigten Hausfrau der frühen Neuzeit entspringt, die vom großen Geld, dem traumhaften Prinzen und jeder Menge anderem Kitsch träumt und diesen mit unfassbar viel Kohle und einer vollkommen wahnsinnig gewordenen Kultur subventioniert bekommt.
Kürzlich meinte mal einer zu mir: Deutschland hat keine Fähigkeiten darin, Dialoge zu schreiben. Fifty Shades of Grey ist das beste Beispiel dafür – nur, dass es nicht aus Deutschland kommt. Die Dialoge sind dermaßen zum Schreien, dass es nicht mehr komisch ist. Auf Stumpfsinn folgt Plätte und danach kommt Fifty Shades.
Es fällt schwer, hier tatsächlich ernst zu bleiben und diese “unerreichbare Größe”, die dem Edward im ersten Teil zumindest noch teilweise innewohnte, hat man nun vollends aufgegeben. Ich meine, es ist okay, von dem wahnsinnig gut gebauten, knackigen, Superduperhypermilliardär zu träumen, für den alles fern jeglicher Realität absolut kein Problem ist und der sich alle Sorgen einfach mit sündhaft viel Geld wegkauft. Es ist okay, darüber Bücher zu schreiben und sich darauf einen zu schrubben, es ist auch okay, das dann ins Kino zu bringen und dem Rest der Welt zu ermöglichen, sich ebenfalls einen darauf zu schrubben.
Aber zumindest im dritten Teil erwarte ich als Kinogänger doch, dass man zumindest ansatzweise anfängt, mich als Zuschauer wahrzunehmen und aufhört, mir irgendwelche Märchen auftischen zu wollen. Ich sehe also nicht mehr in eine Girlie-Fan-Blase, sondern erwarte einen ernsthaften Film, der mich dann tatsächlich in die Welt der Superreichen einführt – was zumindest wieder Spannungsbogen-Potenzial aufweist und auch hier wieder Chancen bietet, daraus etwas durchaus Sehenswertes zu machen.
Und genau da krankt der aktuelle Film nicht nur, sondern stirbt tausend unrühmliche Tode: Christian wirkt in die wahl- und lieblos zusammengestellten Kulissen wie reingeschneidert, man kauft ihm die Rolle als Mega-Milliardär schon längst nicht mehr ab, sondern seine Stellung wirkt unbeholfen, lächerlich und hat längst nichts mehr von dem mysteriösen, verdorbenen Charme, für den Anastacia ihn im ersten Teil noch abgöttisch anhimmelte.
Statt hier den Weg einfach konsequent weiter zu gehen (Teil 1 anteasern, Teil 2 langsam bodenständig werden und Teil 3 nun vollends in die SM-Unterwelt abzutauchen und einfach Peitschen und Devotsein, Machtspiele, Erhabenheit und Unterwerfung und all die tausend Gefühle sprechen zu lassen) ergießt man sich hier in eine unzählbare Fülle von dümmlichen Dialogen, die himmelschreiende Realitätsferne aufweisen und von dem subtilen Witz und der unberührbaren Unkenntnis über dieses Genre aus Teil 1 absolut nichts mehr innehaben.
Verdammt! Ich meine, unsere Zeit ist doch aufgeklärt genug, dass man sich durchaus sexueller Themen auf der Leinwand annehmen könnte, die nicht bei Knutsch-Kuss-Wegblende aufhören, sondern man durchaus mal richtig vögeln darf und dabei auch über die Missionarsstellung hinaus gehen könnte … und was kommt?
“Hi.”
“Hey.”
“Kommst du ins Bett?”
“Später vielleicht.”
Ähm … es gibt Leute, unglaublich viele Leute, die für diese – sorry – Scheiße echtes Geld hinblättern und erwarten, dass ihr ihnen etwas dafür liefert. Und zwar nicht so einen geistigen Dünnschiss, sondern zumindest ein bisschen Humor und Ernsthaftigkeit – aber doch nicht so was?
Und was ist aus der eleganten Kulisse aus dem ersten Teil geworden? Aus dem Monster-Immobilien-Ding, dass man technisch gerne erkundet hat? Aus den Farbenspielen und den professionellen Versuchen, der Farbe Grau ein wenig Leben abzuringen?
Eine Anhäufung verschiedenster, nicht zueinander passender Stile, die stümperhaft zusammengewürfelt in eckige Szenen geschnitten wurden, in denen die beiden Hauptdarsteller jederzeit vollkommen verloren und deplatziert wirkten, was im Presseheft dann mit “sommerlicher Frische” und “farblicher Befreitheit” entschuldigt wurde. Hat bei mir nicht funktioniert.
Überhaupt wirkte dieser Film eher wirklich wie ein Softporno mit profaner Entschuldigung, für den man sich nicht mehr zu schämen braucht, weil ihn ja hunderttausend andere Menschen ebenfalls ganz offen schauen.
Von Sado oder Maso oder anderen themenrelevanten Dingen einfach überhaupt keine Spur mehr. Na gut, immerhin sieht man zumindest 2-3 Minuten mal ein paar Handschellen, aber dann?
Seid ihr wirklich so einfallslos und langweilig, ein – eigentlich so spannendes – Thema auf diese billigen Klischees zu begrenzen? Hier kommt mir wieder die untervögelte Hausfrau in den Sinn, die sich nichts mehr wünscht, als mal so richtig von Edward durchgebumst zu werden und die ihren fickrigen Sehnsüchten nun in Form einer Milliardenproduktion Ausdruck verleiht … oh mein Gott, wo sind wir da alle rein geraten? Mommy porn im Kino? Ernsthaft?
Sorry, wenn ich hier im Niveau etwas absinke und mich nicht mehr gewählt auszudrücken vermag, aber ich war gestern echt sauer. Sauer auf das, was man daraus gemacht hat. Sauer darauf, dass man jetzt ein Leben lang mit der Message leben darf, dass genau das ja “Sadomaso” ist.
Um mal Vergleiche zu ziehen: Es gibt schwule Kerle, denen man kein “Tuff Tuff Baby ich zieh mir Frauenkleider an und schmink mich” ansieht, die sich aber trotzdem inniglich lieben und definitiv schwul sind. Und dann kommt Frau Mama und erzählt: “Ich hab letztens so einen Film gesehen, in dem sich ein Typ schminkt und als Diva rumläuft, bist du auch so, weil du ja auch schwul bist?”
Und wisst ihr, was das Problem ist? Die Medien haben bis heute keine gegenteilige Ansicht geliefert, die der breiten Bevölkerung eindrücklich ins Hirn hämmert, dass sie sich ihre bekloppten Vorurteile sonstwohin stecken und anfangen sollten, einfach mal ernsthaft mit anderen zu reden.
Und dank Fifty Shades of Grey ist das jetzt nicht nur bei Schwulen und Lesben so, sondern auch bei Liebhabern dieser sexuellen Branche, die sich sowieso schon in der Öffentlichkeit immer unverstanden gefühlt haben.
Und wisst ihr was? Wir alle sollten uns auf die Schultern für diesen misslungenen Integrationsversuch klopfen und weiterhin in Ruhm und Schande ertränken, die wir uns selbst zufügen, indem wir tagsüber aller Welt von Gleichberechtigung und Integration, Toleranz und Selbstverständlichkeit predigen und uns nachts dann von Fifty Shades mit Gegenteiligkeit verarschen lassen, die uns auf den kommenden Tag und die Hexenjagd vorbereiten.
Wundert es da noch jemanden, dass es Parteien wie AfD und Co. an die Spitze der medialen Berichterstattung geschafft haben? Ich bin echt gespannt, was die hiesige Presse auf diesen Titel zu schreiben weiß, denn im Kino haben sich viele vor Lächerlichkeit kaum zurückhalten können.
Merkt eigentlich keiner von den Schaffenden, was hier allgemein für ein Bullshit produziert wurde? Die ertrinken fast in ihren Argumentationen, wie unglaublich professionell und ausgewählt, subtil und emotional hier aufeinander eingegangen wird und dass der Film sich selbst quasi nicht mehr parodiert, sondern beschämend in den Mülleimer wirft, hat dabei keiner gemerkt?
Abschließend sollte man noch erwähnen, dass man sich technisch nun auf absolut perfektem Niveau befindet, sowohl bei Kameraführung als auch in Sachen Soundauswahl! Ohne Witz: Der Soundtrack im aktuellen Shades-Film ist derart berauschend und für mich wohl das beste, das man der Welt damit schenken konnte.
Mir ist die Gänsehaut über den kompletten Körper gerauscht, als man – endlich wieder – Ellie Gouldings “Love Me Like You Do” in einem grandiosen Remix anstimmte und das Kino davon erfüllt war!
Und nicht nur da, sondern auch bei anderen Titeln hat man unglaubliches Gespür bewiesen – z.B. mit Hailee Steinfeld & BloodPop’s “Capital Letters” – einfach mal rein hören. Einige Titel, die man ruhig im Radio zu Tode spielen darf – vollkommen mein Geschmack! Dafür ein herzliches Dankeschön!
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich ist Fifty Shades of Grey – Befreite Lust der erste Film über Liebe, der selbst überhaupt nichts mehr mit Liebe zu tun hat.
Ich meine, es gibt mittlerweile so viele unzählige, berührende, zu Tränen führende Filme, die sich dieser Thematik annehmen und so tief in die Materie eintauchen. Das hier ist einfach nur noch ein billiger Witz, der selbst seine Einzigartigkeiten – und waren sie noch so verrückt – aufgegeben hat, um sich schlussendlich selbst zu verraten.
Und dabei war da bevor man mal begonnen hat, eigentlich unglaublich hohes Potenzial vorhanden.
Aber um mit was positivem zu schließen: Als Jugendlicher hat man nun definitiv ein schlagfestes Argument, um sich völlig ungeniert in der Öffentlichkeit billige Softpornos anzuschauen, die auch die gleiche inhaltliche Tiefe aufweisen, wie es Softpornos eben tun.
Yeah Baby!

 
Nachspann
Abwarten. Zum einen bis ganz zum Nachspann, weil da noch die Happy-End-Sequenzen kommen, von denen man im Film ja bekanntlich nichts sehen wollte. Zumindest laut Autoren. Zum anderen hat sich das Team “fürs Erste” von Fifty verabschiedet. Um was wetten wir, dass das in ein paar Jahren wieder ausgegraben wird?
Kinostart: 8. Februar 2018

Happy Deathday

Jetzt habt ihr mich: Da heule ich die ganze Zeit der Welt vor, wie schlecht und vorhersehbar und unterhaltungstechnisch langweilig Filme von Blumhouse Productions sind und dann bringt man mal eben Happy Deathday raus und glänzt in allen Punkten mit überraschend positiven Werten.
Wer den .trailer sieht oder etwas länger aufs Filmplakat schaut und dort etwas aufschnappt, der kann sich zwar denken, wohin die Reise gehen soll, dass dann aber der Film im Kino trotzdem nicht langweilig wird, sondern man gespannt und bravourös unterhalten wird, hätte ich in der Zusammensetzung nicht gedacht.
Und das bei einem Wiederholungstäter, wo die Einfallslosigkeit ja quasi schon vorprogrammiert ist. Die Hommage an den Klassiker ist unverkennbar, die Umsetzung auf tödlicher Basis aber umso gelungener – so dass nicht nur bekannte Elemente zu einem neuen Twist zusammengefädelt werden, sondern man auch gleichzeitig noch einen bis dahin selten so charmant erlebten Humor eingewebt hat, der vor Sympathie und Ausstrahlung glänzt und die Figuren nochmal ein wenig näher bringt.
Und da lobe ich mir die Kreativität, das Herzblut und die Hingabe, die man der Hauptdarstellerin angedeihen ließ und mit der man sie in die immergleiche Geschichte schickt, die für den Zuschauer dadurch trotzdem niemals langweilig wird.
Dass auch hier wieder mit ganz normalen Mitteln vom Hauptziel abgelenkt werden will, steht außer Frage – dafür nutzt man aber nicht die langweilige Methode, sondern spendiert ein paar Überraschungen, die echt erfreulich waren und den Film damit zu einem der besten “Horror”-Filme dieses Jahres machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Von allen Filmen, für die Blumhouse Productions in den letzten Jahren verantwortlich gewesen ist, liefert der mit Abstand das überraschendste Ergebnis und verblüfft in jederlei Hinsicht mit einer bislang unbekannten Ernsthaftigkeit und Professionalität.
Der Zuschauer wird nicht mehr durch Vorhersehbarkeit geplagt, sondern erhält die beste Unterhaltung mit erstaunlich wenig Punkten, an die man anecken könnte.
Bravo – weiter so, dann gewinnt ihr mich noch zum Fan!

 
Nachspann
kommt keiner, außer den üblichen Namensnennungen.
Kinostart: 16. November 2017

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