Sofia Boutella

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Climax

Climax

© 2018 Alamodefilm

Climax – in einer Zeit der immer böseren Vorhersagen über das Klima, CO2 und Polkappenschmelzungen evtl. noch eine Doku über den Zerfall unseres Planeten?

Ja, aber völlig anders, als ich erwartet hatte – und zehntausendmal geiler!

Climax – dieser Begriff beschreibt nicht etwa das Klima oder irgendeinen Zenitpunkt im Erreichen eines bösartigen Zustands, sondern steht tatsächlich für die absolute Ekstase, in die man im Rausch gelangt: Der Moment des Abspritzens, der Moment, in dem man kommt, die unkontrollierbare und absolut hemmungslose Spitze eines Gefühls, dem man sich vorher intensiv hingegeben hat.

Richtiger Titel. Hammerharter Film.

Wenn du Kinder hast, geh zu ihnen und sag ihnen, dass du ein Leben lang finanziell dafür sorgst, dass ihnen niemals die Drogen und der Stoff ausgehen – wenn sie sich vorher diesen Film ansehen und verinnerlichen.

Ich persönlich glaube, danach rührt nie wieder jemand Rauschmittel an, der noch ganz bei Trost ist. Dieses Werk startet relativ harmlos und erliegt dann einem filmischen Rausch, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe: Die Münder der Presse standen offen, ich selbst hatte meine großen Abnormitätsmomente und musste eigentlich während des gesamten Films nur noch mit offenen Mund grinsen und dachte mir: WTF! Richtig so! Einfach richtig so – direkt in die Fresse der konservativen Arschlöcher und immer schlimmer werden lassen. Mal sehen, wieviele rausrennen.

Und ja – das begann bereits bei den ersten Pressevorführungen. Die Menschen können Dinge wie diese nicht ertragen und brechen ihren Coolness-Status lieber, bevor sie sich das zu Ende ansehen und begreifen, worauf man eigentlich hinaus wollte.

Gaspar Noé ist bekannt dafür, die Dinge einfach zu zeigen und keine Wertungen in seinen Filmen zu präsentieren – eine Eigenschaft, von der sich viele Medien ein Stück abschneiden sollten. Diese Wertungsfreiheit macht aus diesem Movie ein einzigartiges Kunstwerk, das eine tatsächlich realisierbare Situation aufstellt und im Blutrausch zerpflückt: Die humanoide Spezies wird in ihre Einzelteile zerlegt, man nimmt ihnen Normalität und Alltag weg und schaut dann einfach, was übrig bleibt. Ein hemmungsloses Bild einer verwüsteten Krankheit in betörend schönen Bildern und einer absurd-geilen Kameraführung, die ebenfalls Blut geleckt hat und aus sich raus will. Und kommt.

Hier sind bereits zu Beginn unverwüstliche Hinweise vergraben, denen man Zeit gibt, sie zu entdecken, bevor es dann im big train auf die Reise geht und man schlussendlich in einer Hölle wieder zu sich kommt, die mehr Wahrheit beinhaltet, als man anfangs glauben mag.

Nach The House That Jack Built der nächste kranke krasse Film, der tiefe Aufrichtigkeit mit sich bringt und den Zuschauer komplett verstört, darum aber umso wichtiger ist und eine immens geile Botschaft beinhaltet.

Ja, ich hab es tierisch gefeiert und dachte mir: Wie kann man nur so etwas krankhaft geiles ins Kino bringen und keiner weiß davon? Es ist hammerhart, wie absurd, weltfremd, gestört, verherrlichend und abnorm die gezeigten Szenen hier sind und mit welcher grazil-evilenten Anmut man dabei an das Zerstörungswerk herantritt, um letztendlich alles bis auf die Knochen abzuschaben und den Menschen in seiner völlig entblößten Psycho-Nacktheit zu zeigen.

Ein Meisterwerk des Nischenkinos, das man gut genug verstecken sollte, damit nur diejenigen Zugriff darauf kriegen, die sich den Inhalt auch geistig verdient haben: Hier mit Unterhaltungswünschen reinzuspazieren wäre der völlig falsche Ansatz und wird mit bloßer Entrüstung bestraft.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Blutrausch psychedelischer Ekstase, die keine Grenzen kennt und keine Wertungen aufstellt: Mit dieser Offenheit kann kaum jemand umgehen.

Gaspar Noé entführt die Menschen in eine durchaus reelle Situation und überlässt sie dann ihrem eigenen Schicksal, in das sie unweigerlich rennen, sobald man ihnen Normalität entreißt: Das Ergebnis ist ein filmischer Rausch, der extrem in seinen Bann zieht und mit Bildern verstört, die sich lange und dauerhaft ins Hirn einbrennen und einen nicht mehr loslassen.

Unbedingt ansehen, wenn man dazu in der Lage ist, diesen Film nicht als “Entertainment” abzutun, sondern sich ausgiebig damit befassen kann. Etwas geileres gibt es derzeit kaum!

Nachspann
❌ hält keine weiteren Szenen bereit.

Kinostart: 06. Dezember 2018

Original Title: Climax
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16

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Dieser Film ist eine Ode an die Stadt Los Angeles – und ja, der Titel heißt Hotel Artemis und nicht La La Land! Regisseur Drew Pearce vereint hier sowohl nostalgische als auch Sci-Fi-Elemente und bespielt die Leinwand mit einem martialischen Mix aus düsterer Zukunftsdystopie und einer Hommage an das Facettenreichtum der Stadt Los Angeles, in die er sich nach seiner Reise beim Dreh von Iron Man 3 sofort verliebt hat.
Jodie Foster dafür zu rekrutieren, war meines Erachtens einer der besten Schachzüge, da diese Frau einfach perfekt in die Rolle passt und sich für diesen Part auch extra eine “abgefuckte Stimme” zugelegt hat – man sollte sich den Film also definitiv im Original besehen, denn auch die anderen Darsteller kommen amerikanischer rüber und man zollt dem Distrikt viel mehr Respekt, als man dies in der abgesofteten Synchro-Version tut.
Eines der tragenden Elemente des Films ist neben seiner beschaulichen Düsternis und dem futuristischen Schein dreckiger Neonlampen definitiv sein Soundtrack. Die dunklen und unheilvollen Klänge sind wieder mal einen Blick auf das Soundtrack-Album wert, der auch gerne ohne Hintergrundwissen gehört werden kann und definitiv Stimmung aufkommen lässt. Eben jene Stimmung sorgt auch im deutschen Pendant für den richtigen Flair im Kinosaal und entführt in eine dunkle Welt spannender Technik und sarkastischen Humors.
Hierbei hat man sich bewusst für den Independent-Film entschieden und damit den Weg in eines der Studios vermieden, um auch wirklich aufs Ganze gehen zu können und die Story so zu erzählen, wie sie ursprünglich gedacht war. Dies verschafft dem Werk eine große Portion Glaubwürdigkeit und Eigencharme und zollt der größten Stadt der Filme mit seinem bescheiden-grandiosen Beitrag den größten Respekt ever.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine dreckige, futuristische und verneigungsträchtige Hommage an die größte Stadt des Films – mit einer großartigen Jodie Foster und anderen Filmgrößen.
Das Original ist hier der Synchronisation definitiv vorzuziehen, aber auch in der Deutschen Fassung kommt dank des Soundtracks Stimmung auf. Gepaart mit dem düstren Humor und der Eigenwilligkeit entfaltet sich hier die tiefe Liebe zum Film.

 
Nachspann
✅ Man sollte selbst entscheiden, ob sich das Warten lohnt: Ein kleines Gimmick gibt’s noch am Schluss, aber die Welt geht nicht davon unter, wenn man das verpasst.
Kinostart: 26. Juli 2018

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Die Presse wirbt mit Charlize Theron, James McAvoy, Til Schweiger und Sofia Boutella, was sich auf den ersten Moment anhört wie ein schlechter Witz.
Tatsächlich bewegen wir uns wieder einmal im Comic-Genre, dessen sich die Filmemacher angenommen haben, um daraus ein stilistisch absolut anbetungswürdiges Stück zu machen, dass zwar in Sachen Plot ein wenig kränkelt, in allen anderen Belangen jedoch auf der Spitze gelungenen Kinos angelangt ist: Atomic Blonde.
Fangen wir gleich mal mit dem Style vom Film an: Diese gezeichnete Streetwork-Grey-Out-Ära, die exakt zu der Stadt, noch viel besser zu der Story und dem Zeitalter und am besten zu meinem persönlichen Geschmack passt: Hervorragend!
Das Design des Films, die Schriftzüge, die moderne und trotzdem vergangene Weise, seine Mitteilungen am Rande von allem anderen zu machen: Ahhhhh!
Die Idee, hier ein wenig über die Stränge zu schlagen und den Comic-Look zu seinen Höhepunkten zu führen: Klasse!
Da verblassen ziehende Filmführungspersönlichkeiten wie McAvoy fast schon zur Nebensache, obwohl man auch hier sehr viel Fingerspitzengefühl bei der Besetzung und dem körperlichen sowie psychologischen Outfit bewiesen hat.
Dieser irre Trip in eine vergangene Zeit, der persönliche Kniefall vor einer Stadt, die (ich zumindest) vergöttere und das elegante Durchzelebrieren des dann doch recht simplen Plots erinnert ein wenig an Kunst mit Dingen, die man schon kennt, aber noch niemals in dieser Konstellation zusammengefügt hat.
Achja: Dann ist da ja noch Til Schweiger, dessen Anwesenheit man im Film (und glaubt mir, ich mein das ernst und habe das auch schon von anderen so gesagt bekommen, die den Film ebenfalls vor Kinostart gesehen haben!) gar nicht so wirklich mitkriegt und sich hinterher dann wundert und fragt: “Fuck, DAS war Til? Achja … jetzt, wo du es sagst…”
Allein das wäre für mich schon Grund, mir den Film anzusehen.
Atomic Blonde bietet aber so vieles mehr. Und ich habe ihn bereits zwei Mal gesehen und würde auch ein drittes Mal reingehen – diese liebevoll inszenierte Absurdität, die auf wohlige Weise mit einer möglichen Realität verschwimmt und dabei eine Story auf den Tisch prügelt, die so stattgefunden haben könnte, aber genauso abartig und überdreht wirkt, wie es bei Comics nun mal der Fall ist, hat bislang nicht nur mich vom Hocker gerissen, sondern ebenfalls ein breites Publikum.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also nicht nur hübsche Männer, geile Frauen und jede Menge Sex-Appeal gepaart mit einer Story für beide Geschlechter erleben möchte, sondern auch noch einen gelungenen Kinoabend in der Tasche und herrlich abgedrehte Action sein Eigen nennen möchte, ist mit diesem Werk hervorragend bedient.
Kino: Groß, Publikum: Viel und gute Laune kommt dann ganz von allein.
Herrlich schräg und definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Was ich zu erwähnen vergessen habe: der Soundtrack! Noch niemals hat man es so verzückend geschafft, mich für diese Beats zu begeistern, die eigentlich bekannt sind, aber seltenst so kunstvoll und überragend zutage getragen wurden. Wem das auch ein Ohrenschmaus ist, der sollte natürlich beim Abspann hocken bleiben, alle anderen, die weitere Bilder, Outtakes oder sonstiges erwarten, dürfen sofort gehen, um nicht enttäuscht zu werden.
Kinostart: 24. August 2017

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Ich weiß noch, was es für eine Sensation war, als sich in meiner Kindheit erstmalig zwei große Filmhelden miteinander verbanden und man filmübergreifende Jokes einarbeitete, die zeigten, dass eine Figur nicht mehr nur einem Film allein gehörte, sondern man themenübergreifend damit arbeiten konnte.
Was anfangs in spektakulären Gegenüberstellungen begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu großartigen Universen, in denen man sämtliche Kolosse gegeneinander antreten bzw. sie miteinander das Böse bekämpfen ließ.
Heute – im Jahr 2017 – haben viele Studios ihre eigenen Universen gegründet, innerhalb derer jetzt fröhlich publiziert und das Volk mit immer neuen Einfällen versorgt wird, die filmische Unterhaltung generieren.
Dem schließt sich Universal Pictures an und startet dieses Jahr mit der Neuauflage des 1932 erschienenen Die Mumie sein eigenes Dark Universe und beginnt damit gleich mal mit einem CGI-Vollkracher, der seine Fans mit offenen Mündern dastehen und garantiert keine Langeweile aufkommen lässt. Was hat sich im Laufe von fast 100 Filmjahren alles getan!
Klar, die nostalgischen Momente kreuzen bei Menschen wie mir auch immer wieder auf und man ertappt sich öfters dabei, wie man sehnsüchtig in Richtung der vergangenen Jahrzehnte und deren Errungenschaften blickt, jedoch müssen wir alle wohl langsam begreifen, dass diese Zeiten vorbei sind und man bewusst einen Schritt in die Zukunft getan hat, bei dem Digitalismus und Rechenpower genauso als “Cast” dazugehören wie die echten Schauspieler. Dass ersteres oftmals sogar höhere Gagen bekommt und damit der Mensch hier und da zur abgewerteten Spezies innerhalb eines Stücks verkommt, ist in der Vergangenheit ja nicht nur einmal passiert.
Fakt ist: Die Mumie versucht sich daran, den Fans nicht die Suppe zu verderben, sondern eine völlig neue, moderne und trotzdem unterhaltsame und spaßige Variante auf die Leinwand zu projizieren, die auch Genrefans des vergangenen Jahrhunderts erreicht.
Was mir dabei aufgefallen ist: Tom Cruise ist alt geworden, wirkt abgespannt, müde und wie ein Schatten seiner selbst, während er über die Leinwand tobt und der einstige Glanz seiner Persönlichkeit eher zur Action-Ikone verkommt, die den Film nicht mehr so einzigartig trägt, wie er es in seinen vergangenen Werken getan hat. Für mich die absolute Bombe war vielmehr Sofia Boutella, die auf Wunsch des Regisseurs als Ahmanet gecastet wurde und ihre Sache mehr als herausragend meistert.
Dass längst nicht mehr der altägyptische Charme der alten Mumie-Trilogie aufgefahren wird, sondern man sich bewusst für moderne Zeitalter mit neuartigen Interpretationen dieser Story entschieden hat, soll Liebhaber nicht davon abschrecken, dennoch in die neue Vorführung zu gehen und sich das Werk anzusehen.
Mit Effekten wird hier nicht gespart, jedoch hält man sich den ganzen Film über treu die Waage und verschandelt die Show nicht mit der Überglorifizierung digitaler Errungenschaften, sondern lässt den Menschen dazwischen immer noch genügend Spielraum, um ihr Können und ihre Existenzberechtigung unter Beweis zu stellen.
Dabei werden nicht nur alte Methoden mit neuem Anstrich versehen, sondern auch in Sachen Gigantismus völlig neue Geschütze aufgefahren, die eben nicht das traurige Bild einer nochmals aufgekochten Geschichte präsentieren, sondern als Startschuss für eine neue Ära von Monsterfilmen durchaus spürbare Eindrücke hinterlassen. Im Zuge der Idee, die alten Horrorfilme alle einem Reboot zu unterziehen, sehe ich diesen Film als einen gelungenen Startschuss, der einstiges B-Movie-Niveau nun auf massentaugliche Blockbuster-Ebene hievt und den Zuschauern so jede Menge Zündstoff für Diskussionen bietet, da sicher nicht jeder automatisch mit der Modernität einverstanden sein wird.
Als Zuschauer sollte man auf keinen Fall den Fehler machen und hier die tiefgründige, dialogschwere Besonderheit erwarten, sondern sich einfach auf ein kolossal-schwarzes Event einstellen, dass frühere Abarten des Bösen durchaus in seine Schranken verweist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit Russell Crowe und Sofia Boutella im Gepäck entsteht hier eine völlig neue Dimension des Schreckens, die sich an den heutigen Standards der Filmindustrie orientiert und dabei selbst digitale Maßstäbe auf absolut höchstem Action-Niveau setzt.
Der Film ist nicht vergleichbar mit seinen Vorläufern, sondern liefert aus Randdaten eine völlig neuinterpretierte Erzählung, die zwar nicht unbedingt mit Tiefgang und Eleganz, dafür aber mit extrem viel Style und wuchtiger Action punktet und somit dem Popcornkino wieder einen Grund zum Besuch abstatten liefert.
Wer Fan von Die Mumie ist und Horrorfilme liebt, den schreckt wohl als erstes die FSK-12-Freigabe, die ich – wie übrigens damals auch schon – für zu niedrig angesetzt halte. Nichtsdestotrotz macht die brachiale Düsternis im Kino bei aufgedrehter Lautstärke mal wieder richtig Spaß und sorgt ab heute garantiert für gelungene Kinoabende.

 
Nachspann
liefert keine weiterführenden Elemente, jedoch ist klar, dass das als Auftakt einer Reboot-Reihe genutzt wird, die sich um die Horrorfilme der 30er bis 50er Jahre von Universal Pictures dreht.

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In der Vergangenheit haben sich zwei extrem große Welten jeweils miteinander bekriegt: Die als extern handelnde, vielschichtigere Charaktere aufweisende und coolere Star Wars-Generation vs. die introvertierte, Handlung auf der Brücke stattfindende und vergleichsweise langweilige Star Trek-Mannschaft. Beide haben nun einen gemeinsamen Nenner: Produzent J.J. Abrams, der nun beide Lager in seiner Person vereint.
Was ich beim großen Vorbild noch mangelhaft und fehlend empfand, hat man in Zusammenarbeit mit Fast & Furious-Genie Justin Lin nun in Star Trek Beyond zu seiner Vollkommenheit geführt, denn die Langeweile bei dem dritten Teil des Reboots des vormals 10 Filme umfassenden Movie-Ensembles der Sternencrew gehört nun endgültig der Vergangenheit an.
Man mag sich über die neue Besetzung der Truppe aufregen oder sie als gegeben hinnehmen, ich für meinen Teil gehöre zu denen, die langsam kapieren, dass vergangene Zeitalter abgeschlossen werden und definitiv neue Gesichter die Bildflächen bevölkern, die der nächsten Generation als Vorbild dienen und somit meinereiner zum alten Eisen abstempeln. Ob dies nun bedauerlich oder erfrischend ist, vermag jeder für sich selbst beantworten.
Fakt ist, dass mit dem Reboot der Star Trek-Reihe auch eine völlig neue Machart konzipiert wurde, die hier wieder ganz klassische Akzente setzt und nicht nur Gesagtes erneut über den Filmtisch spulen will, sondern auch an bekannten Traditionen anknüpft, die beispielsweise seinerzeit wegweisend für die kulturelle Entwicklung der Gesellschaft waren und deutliche Akzente im Umgang bezüglich Toleranz und Harmonie gesetzt haben.
Dieser unterschwelligen Kritik bedient man sich auch weiterhin und führt somit ein großes filmisches Vermächtnis in die Hände jugendlicher Menschen, die auf ihre Art und Weise neu erkennen dürfen, wieviel Potenzial in unserer Rasse steckt und was man alles so aus sich rausholen kann.
In punkto Action und Abholwucht nimmt man sich hier ein deutliches Beispiel an dem soliden Fundament von Justin Lin, der seine Übertreibungsfehler aus dem Auto-Franchise bereut und diesmal – obgleich die Handlung sehr viel größer angelegt und das Spielfeld um Welten erweitert wurde – durchaus auf dem Boden der Glaubwürdigkeit bleibt und keine Lächerlichkeiten zur Schau stellt, die am Image des Films Schaden hervorrufen könnten.
Man wird als Zuschauer abgeholt, man genießt den trockenen Humor zwischen Captain Kirk und Spock und erfreut sich sowohl an grandiosen Action-Spektakeln alswie genauso an verbalen Diskursen, die an dieser Stelle nicht eingefleischten Englisch-Könnern durchaus zu schaffen machen könnten. Die dialoglastige Tiefe ist definitiv erreicht und füllt die Zeit erholsam auf, die man nach dem großartigen Abholen und Auf Trab bringen am Anfang des Films hat.
Die neue Crew erledigt ihre Dinge in meinen Augen genauso gewissenhaft und wohlüberlegt, auch wenn manch einer wohl nicht mit der etwas flachsigen Art von Chris Pine zurecht kommt, der hier wieder eine Nachfolgegeneration repräsentiert, von der sich ältere Semester per se angegriffen fühlen dürften, da hier keinerlei Bezug zum nachdenkenden Vorläufer hergestellt wird, sondern die Schauspieler ihre Rollen hervorragend kopieren und auf ihre Weise mit Leben füllen.
Ebenfalls erwähnenswert und vollständig ins Bild passend ist der neue Look der Filme, der hier in kühl gehaltenen Farben eine moderne, aber dennoch simple Welt konstruiert, die nichts von der ehemaligen Einfachheit gegenüber Star Wars einbüßt, aber dennoch vollständig modernisiert wurde und somit altes hinter sich lässt und neue Wege beschreitet, was wiederum proklamiert, dass man tatsächlich Neues schaffen möchte und keine ausgeleierten Kopien herstellt.
Und zu meiner allergrößten Freude war der endgültige Schritt nach draußen, der die Handlung nun in eine Welt wirft, die in Beyond einfach nur tierisch Spaß macht und Ängste wohl eher bei den Überlegungen aufkommen lässt, wie das nun weitergehen soll. Toppen sie sich im nächsten Teil selbst, läuft man wieder Gefahr an Übertreibung zu kranken, fahren sie zurück, mag man das als Blockade im Erzählfluss empfinden – der Grat ist auf jeden Fall schmal, auf dem man sich jetzt bewegt und in meinen Augen genau richtig austariert, um zwischen technischer Größe und schauspielerischem Talent eine Ausgewogenheit auf die Leinwand zu produzieren, die im Herz des Cineasten pure Freude aufkommen lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: Das hier ist der beste Star Trek dieses Jahrzehnts, den die Reihe seit dem Reboot erlebt hat.
Man läuft in genau die richtige Richtung, man hat filmisch den Zenit der Wohlgeborgenheit erreicht und konfrontiert die Zuschauer nicht nur mit ausgewogener Story, sondern auch mit satten Effekten und trächtigem Dialogreichtum.
Und genau diese Art von Film wünscht man sich doch, wenn man von Popcorn begleitet den Saal betritt und einfach nur einen verdammt geilen Kinoabend erleben will.
Also nutzt die Gunst der Stunde und abonniert euch den Männerabend im CinemaxX morgen bzw. kauft eure .kinotickets ab Donnerstag, wenn das Teil offiziell in den Kinos anläuft. Es lohnt sich endlich wieder einmal!

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen, allerdings dürfte das Ende der Story noch lange nicht erreicht sein.

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