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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Stanley Tucci

Kindeswohl (mit Gewinnspiel)

Oscarpreisträgerin Emma Thompson, Oscar-Nominierter Stanley Tucci, Weltbestseller … normalerweise mag ich solche Promo-Superlativen überhaupt nicht. Emma Thompson hat für ihre Darbietungen auf dem Filmfest München sogar noch den CineMerit-Award verliehen bekommen. Und keiner hat bisher etwas von dem Film gehört. Zumindest mal nicht in meinem Umfeld.
Zeit, das dringend zu ändern.
Ja, ich liebe Tucci in jedem einzelnen Film, den ich mit ihm auftreiben kann. Und damit meine ich nicht bloß den vielzitierten Der Teufel trägt Prada! Der Mann kann schauspielern – und zwar richtig gut!
Und Emma Thompson? Der Award ist verdient – den hätte der Regisseur dieses Werks genauso verdient. Kindeswohl haut euch nämlich endlich wieder mal so richtig derbe psychisch in die Fresse – und betreibt dabei gleich vielschichtige Aufklärung, indem er Blicke hinter die Kulissen verschiedener Schaffensarten bietet und den Menschen somit Einblicke und Verständnisse gewährt, die man durch schnelllebige Nachrichten-Titelzeilen eben nicht mehr vermitteln kann.
Dieser Blick von der anderen Seite des Tisches aus ist sehr erfrischend und anders und tut auf der Leinwand einfach mal ungemein gut. Und was gleichermaßen fasziniert, ist die Auseinandersetzung mit strittigen Themen, die auf eine definitiv bleibende, rührende und ergreifende Weise verarbeitet werden, dass man a) versteht und b) emotional völlig auflöst und dahingebasht ist. Hier geht niemand (!) unverändert wieder aus dem Saal, was den Film für mich zu einer der wertvollsten Perlen dieses Filmjahres macht.
Und ja, ich habe ihn bereits vor Kinostart drei mal (!) gesehen und nehme jede weitere Möglichkeit dankend in Anspruch, denn DAS ist wahre Filmerhabenheit. Man könnte sagen, Thompson ist die seriös-elegante Variante von Meryl Streep, der man komödienhaftes Verhalten eher abkauft. Die Eloquenz und das Verhalten dieser Frau schreit förmlich nach einer Auszeichnung, denn ihr Talent wertet den Film so dermaßen auf, dass es fast schon weh tut!
Und nicht nur das, die Kombination mit Tucci und dem Neuankömmling Fionn Whitehead, den viele durch Dunkirk kennengelernt haben, läuft in diesem Fall so rund, dass man sich vollends in die Story fallen lassen kann und auch von nichts abgelenkt wird. Keine subtilen Kamerafahrten, keine rührseligen Computereffekte, sondern der reine Tiefgang, der sich selbst den Weg IN die Knochen rein bahnt. Und das hier ist kein Horrorfilm!
Glaubt mir, wenn ich euch darum anflehe: Nehmt euch die Zeit und geht in’s Kino, um diesen Film zu sehen – diesmal gibt es wirklich keine Ausreden, noch nicht mal die “Ich hab kein Geld für sowas” – denn:
 
G E W I N N S P I E L
Concorde Filmverleih GmbH hat für euch als meine treue Leserschar ein paar Freitickets locker gemacht, die ich an euch weiterverlosen darf. Das Prozedere kennt ihr: Schreibt mir in die Kommentare, mit wem ihr diesen Film sehen wollt und tut dies bis einschließlich 30. August 2018. Gebt hierbei eine gültige E-Mail Adresse an, damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen und eure Adressdaten abfragen kann, um euch die Freitickets zuzuschicken.
Diese könnt ihr dann – wie gewohnt – in einem beliebigen Kino einlösen, das diesen Film im regulären Programm zeigt und in der gewünschten Vorstellung noch freie Plätze zur Verfügung hat. Einfach an der Kinokasse abgeben und Freiticket dafür bekommen.
 
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Und glaubt mir, es lohnt sich!
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film schaffte es bei mir 3x nacheinander, Sprachlosigkeit und tiefe Betroffenheit zu erzeugen.
Es ist unglaublich, mit welch dramatischer Wucht man hier in die Gefilde der emotionalen Rechtsprechung vordringt und einen Fall schildert, der einem lange im Gedächtnis bleibt: Danach versteht man diese Welt ein Stück weit besser und ist innerlich ein anderer Mensch! Für mich zählt dieser Film schon jetzt zu den Top 10 des Jahres!

 
Nachspann
✅ Sitzen bleiben, hier kommt noch etwas.
Kinostart: 30. August 2018

Transformers – The Last Knight (3D)

Ist es nicht unglaublich, was für eine epische Macht aus einem Plastikspielzeug hervorgehen kann? Im Jahre 2007, als sich Michael Bay daran machte, eine erwachsenentaugliche Version der Hasbro-Spielzeuge zu verfilmen, ahnte noch keiner, was das für weitreichende Konsequenzen für die Filmindustrie haben würde.

Heute, im Jahr 2017, feiern wir bereits den fünften und gleichzeitig ersten Teil eines aufkommenden Transformers-Universums, dass sich ganz speziell an eine bestimmte Kundschaft richtet: Den Popcorn-Cineasten.

Mal im Ernst: In Transformers, und Transformers – Die Rache waren wir alle noch leicht begnügt damit, als man uns die Charaktere vorstellte, die Figuren einführte und wenigstens ansatzweise ein klein wenig Story bot, auch wenn da von Anfang an eigentlich nichts nennenswertes da gewesen ist, dass man nachträglich noch als tiefsinnig hätte bezeichnen können.

Spätestens im dritten Teil war jedem zunehmend klar, dass es hier nicht um Story oder Rahmenhandlung geht, sondern man einfach nur irre geil auf Special Effects gezielt, die Waffe abgedrückt und einschlagende Ergebnisse produziert hat. Nicht nur in Sachen 3D wurden Maßstäbe gesetzt, auch in punkto Optik und Filmtechnik hat man mit Avatar gleichgezogen und die Messlatte hoch positioniert.

Und Bay hat niemals aufflammen lassen, hier erzählerische Höchstleistungen vollbringen zu wollen, sondern er präsentiert. Und zwar affenscharfe Karren, megageile Transformationen, superscharfe Babes und eine Menge Haudrauf-Action, die absolut keine Hirnleistung erwartet, sondern einfach nur die niedersten Instinkte des Actionkinoliebhabers erfüllen will. Und wird.

Nachdem jeder weiß, was es mit den Autobots und Decepticons auf sich hat, beschäftigt man sich auch nicht länger damit, hier noch irgendwelche Erklärungen abzuliefern, sondern kümmert sich um die Superlative. Was in anderen Filmen nur angedeutet wurde, wird jetzt zum Hauptaugenmerk gemacht und bereits im Trailer ansatzweise präsentiert: Man fährt volle Geschütze auf und geht voll auf Action. Und in 152 Minuten Spieldauer hat man dafür auch genügend Zeit.

Und es macht tierischen Spaß – zwischen all den in letzter Zeit gesehenen Independent-Filmen – einfach mal hirnlos dazuhocken, ein Eis zu schlemmen und sich an der brachialen Action zu erfreuen, die hier gnadenlos von der einen zur anderen Minute vorprescht und die Zeit wie im Fluge vergehen lässt.

Allein die Optik ist den Besuch eines Megakinos wert. Und Leute: Je größer der Saal, je lauter die Boxen, je wuchtiger der Gesamteindruck, umso wertvoller das Erlebnis im Kino. Lasst die Dörfer hinter euch und verzichtet auf das nächstbeste Kino, sondern wählt eines aus, dass euch auch die dazugehörige Technik bieten kann, um diesem Film seine epische Macht zu lassen und ihn nicht auf Stereo-Sound runterbrechen zu müssen, nur weil die Kinos dafür nicht ausgelegt sind. Hier zählt nicht nur auf der Leinwand die Superlative.

Apropos Superlative: Meiner Meinung nach ist man jetzt auf einem Pegel angelangt, auf dem es kaum weiter nach oben gehen kann. Wenn man damit das Universum eröffnet und auch in Zukunft weiterhin Filme dieser Art liefern möchte, wird das die absolute Highlight-Kirsche auf der Torte des Kinojahres.

.kinoticket-Empfehlung: Bay erfüllt hier keinerlei Erwartungen an Story, Handlung oder sonstige bahnbrechende Elemente, sondern erfüllt einzig und allein den Zweck, megamäßige Effekte aufzubauen und mit niederschmetterndem Donner auf den Zuschauer niederregnen zu lassen.

Wer hier rein geht, sollte wissen, worauf er sich einlässt und die Show einfach genießen. Ohne Erwartungen wird man auch nicht enttäuscht, sondern mit einer Show der Superlative belohnt, die die Zeit im Kino unvergessen werden lassen.

Nachspann
❌ Für einen Film dieser Länge der kürzeste Nachspann, den ich jemals gesehen habe. Im Ernst: bleibt mal hocken und lasst euch überraschen, wie schnell der vorbei ist …

Kinostart: 22. Juni 2017

Original Title: Transformers: The Last Knight
Length: 149 Min.
Rated: FSK 12

Die Schöne und das Biest (3D)

Vor der Pressevorführung habe ich mich gedrückt, den Film in Ruhe anlaufen lassen und mich dann doch dazu bequemt, ihn mir im Kino anzuschauen.
Meine Kritik zu Vaiana ließ meinen Geschmack zu Disney-Filmen ja bereits etwas durchblitzen und erkennen, dass ich nicht unbedingt der Typ dafür bin, der gesungenen Musicals auf der Leinwand großartig etwas abgewinnen kann.
Dazu kommt die relativ einfallslose Geschichte, die man so schon hundertfach gesehen hat und auswendig mitbeten kann, die Disney im Zuge der Wiederaufbereitung der vergangenen Film-Jahrzehnte jetzt auch wieder ausgräbt, um noch mal ordentlich Kasse zu machen.
In Verbindung mit der Gier des Konzerns nach Geld, die vielen kleinen Kinos das Leben schwer macht – was ich Disney bisher immer noch nicht verziehen habe, sorry! – bin ich mit sehr stark gemischten Gefühlen in diese Vorstellung gegangen ohne große Lust, mir den Film tatsächlich anzusehen.
Von der Presse wird Emma Watson für ihre Darbietung sehr gelobt, der Film erhält insgesamt positive Kritiken und die Menschen scheinen zufrieden damit zu sein.
Was mich auf nüchternen Magen und ohne das magische Einhornsprühen glitzernder Sterne in den Augen habend etwas gestört hat, waren die teilweise unterirdischen Dialoge, die sowohl bei den Erzählungen als auch in den Songs verwendet werden. Dies entbehrte an vielen Stellen einer unfreiwilligen Komik, die dem ziemlich gefüllten Saal auch zu viel Gelächter verhalf.
Aber ich möchte dem zukünftigen Publikum die Show jetzt auch nicht schlecht reden, und da ich persönlich ehrlich gesagt nicht wirklich weiß, was ich zu diesem Film noch sagen soll, habe ich mich auf die Suche nach ein paar Damen im Saal gemacht und sie einfach gefragt, wie sie die Vorstellung fanden.
Dabei kam raus, dass – wie auch schon bei Fifty Shades of Grey – eine der Damen nur wegen ihrer Freundin mitgegangen ist, dann aber die Liebe zum Film entdeckt hat und sich ihn sogar noch einmal ansehen würde, wenn sich jemand findet, der eine Begleitung fürs Kino braucht.
Gut gefunden wurde auch, dass man sich hier eher am klassischen Märchen orientiert hat und nicht so auf die Horrorelemente gegangen ist, wie es bei anderen Märchenverfilmungen ja durchaus öfters zu finden ist. Damit erinnert dieser Film eher an die eigene Kindheit und wenn man die Erzählung früher schon mochte, bekommt man sie heute in einer technisch aufbereiteten aber dennoch gelungenen Version wieder auf der Leinwand zu sehen.
Eine der Damen hatte – wie ich – auch größere Probleme damit, dass ständig gesungen wird, weil sie so etwas persönlich überhaupt nicht mag. Sie empfand bei diesem Werk die richtige Ausgewogenheit zwischen Gesangseinlagen und erzählter Geschichte, was die Story als solches recht angenehm rüberbrachte.
Die Animationen und das 3D sind bei diesem Film so dermaßen herausragend, dass man den Kinos fast schon verbieten sollte, überhaupt 2D-Vorstellungen anzubieten. Die Räumlichkeit und Integration in die reale Verfilmung ist derart gelungen, dass ich Disney erstmalig zugestehe, das verdiente Geld auch wirklich in gute Filme zu investieren.
Man sollte sich als Zuschauer von vornherein darüber im Klaren sein, dass hier eben keine klassische Märchenerzählung stattfindet, sondern das ganze eher wie ein gefilmtes Musical rüber kommt, das in sehr großem Stil mit sehr viel Detailgetreuheit inszeniert wurde, um hier einmal mehr die technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu feiern.
Damit hat Disney für mich zwar nicht den großen Coup gelandet – dafür hätte ich mir etwas mehr Inspiration und Kreativität im Plot gewünscht – aber dennoch eine Vorstellung abgeliefert, die Musical-Niveau hat und durchaus auf einer Theaterbühne gezeigt werden könnte. Damit entfernt man sich etwas von den klassischen Erzählungen des Kinos und sollte hier nicht von Kinokritikern bewertet werden, sondern sich sein Publikum eher im Opernbereich suchen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fest steht, dass Disney sich selbst im Vergleich zu allen anderen Filmen hier getoppt hat, denn auch meine beiden Interview-Gäste empfanden dieses Werk deutlich qualitativ über den Vorgängerfilmen wie Vaiana & Co.
Wer also auf klassische Märchen steht, keine großartigen Innovationen hinsichtlich einer Geschichte braucht und einfach tollen Farben, Formen und Bewegungen etwas abgewinnen kann, der sollte sich zwingend ein 3D-Ticket kaufen und diese Vorstellung aus Herzenslust genießen.
Der Song, der mir persönlich am besten gefallen hat, befindet sich am Beginn des Nachspanns, der irgendwie auch eine Art Charakter des Films darstellt.
Also hört euch von Celine Dion “How does a Moment Last Forever” an und entscheidet auf Basis des Gefallens dieses Songs, ob dieser Film für euch taugt oder nicht.

 
Nachspann
Bei den 3D-Animationen bleibt sowieso jeder noch sitzen, danach kommt nichts weiter, auch wenn der Hintergrund wunderbar aussieht.

Spotlight

Was war es für eine Highlight-Auswahl an Filmen, die dieses Jahr in der Nominierten-Liste der Oscar-Anwärter landeten und welchen Sturm der Entrüstung löste der Umstand aus, dass keine farbigen Darsteller nominiert wurden.
Bei all dem Ärgernis über diese fehlende political correctness ist den Wutbürgern wohl entgangen, dass die Presidentin der Academy selbst eine Farbige ist und ebensoviele Farbige im Jurorenstuhl sitzen. Ein Umstand, den man bei der Gleichstellungswutäußerung gerne mal galant unter den Tisch kehrt.
Und dabei scheinen die ach so wissenden Zuschauer der größten und würdevollsten Verleihung eine Tatsache auch gerne zu vergessen: Die Academy Awards sind nicht dafür da, um das verquere Weltbild unserer zerrütteten Gesellschaft widerzuspiegeln, sondern hier werden Leistungen honoriert, die hohe Qualitätsanforderungen bestanden und sich gegen viele Mitbewerber erfolgreich durchgesetzt haben. Bewertet von Personen ihres Fachs, also Leuten, die sich in dem jeweiligen Arbeitsgebiet sehr wohl auskennen und genau wissen, was sie zu bewerten haben.
Und da 2015 nunmal ein Jahr war, in dem keine wirkliche Wucht auf die Leinwand kam, in der diese Bevölkerungsgruppe großartig gewesen ist, können hier logischerweise auch keine Nominierungen oder gar Auszeichnungen ausgesprochen werden – und das finde ich gut so. Nicht, weil ich etwas gegen anders aussehende Menschen habe, sondern weil hier etwas Großartiges ausgezeichnet werden soll und nicht krampfhaft versucht, möglichst eine Balance zwischen allen herzustellen. Hier wird nicht der Stand, das Aussehen oder die Herkunft bewertet, sondern das Erschaffene. Der Präsidentin der Academy hätte man also aufmerksam zuhören müssen, als sie die Bühne betreten und dazu ein paar Worte verloren hat. Am besten im Original, um falsche Übersetzungen zu vermeiden.
Tut aber fast keiner, beschweren kann man sich ja auch so.
Meines Erachtens wurde in dieser Nacht genau den richtigen Filmen die Auszeichnung verliehen. In den niedrigen Kategorien exakt die richtigen Filme, in den großen Kategorien auch. Über meinen Lieblingsstreifen wird jetzt sowieso gesprochen und ich finde es mehr als bezeichnend, dass diese geschichtlich-stupide Action-Ballade derart viel Aufmerksamkeit erreicht und sogar mehr Auszeichnungen tatsächlich bekommen hat, als der weltweit dritterfolgreichste Film überhaupt Nominierungen einsacken konnte: Star Wars – Das Erwachen der Macht.
Und sind wir mal ehrlich: das technischen Schaffen war bei Mad Max: Fury Road auch wesentlich rühmlicher als in der hochdotierten Star Wars-Saga, bei der ich gelinde gesagt mega enttäuscht gewesen bin.
Und umso weniger erstaunlich war es für mich, als es zum finalen Paukenschlag genau den Film getroffen hat, der die Aufmerksamkeit von 80 Millionen Zuschauern braucht, um gesehen und weltweit gehört zu werden: Spotlight. An dieser Stelle hat die Academy in meinen Augen also auch wieder alles richtig gemacht, denn dieser Film hat geschichtlich bedeutsame Relevanz und muss von einem breiten Publikum gesehen werden, um nicht in den Senken der übersättigten Medienberichterstattung unterzugehen. Dieses Versinken fand nämlich vor der Verleihung mehr oder weniger dadurch statt, dass er a) spät in den Kinos anlief und b) selten irgendwo auf den Titelseiten kommuniziert wurde, was relativ wenig Publikum in die Säle lockt. Und genau da gehört es hin.
Schaut euch an, in welcher Welt ihr lebt. Schaut euch an, wie es hinter den Kulissen aussieht. Prüft, ob euer Glaube an das System tatsächlich Bestand hat oder ihr auch nur einer weiteren, riesigen Lüge aufgesessen seid. Macht aus den kalten, stoisch vorgetragenen Nachrichten fühlbare, erlebbare Emotionen und versetzt euch in die Lage der tausenden Menschen, die von diesen Geschehnissen direkt betroffen sind. Ist es wichtig, darüber informiert zu sein? Ist es wichtig, eine großangelegte Plattform zu schaffen, die Leidtragenden die Möglichkeit bietet, mit derartigen Konfrontationen umgehen zu können und zu wissen, dass sie damit an die Öffentlichkeit treten können, um andere vor eben diesen Schäden zu bewahren?
Ja. Ja, Ja, und nochmals Ja.
Und dabei leistet dieser Film nicht nur hervorragende Arbeit, sondern beschert Verletzten die Form von innerlicher Genugtuung, während man dabei zusehen kann, wie wildfremde Starqualitäten vor einem für Gerechtigkeit kämpfen und die Dinge publik machen.
Es tut gut, dass es eben doch interessiert und nicht nur als verkaufsförderndes Publikationsprodukt missbraucht wird. Und am Ende des Films sitzt man in Schockstarre mit offenem Mund da und realisiert, welches Ausmaß die ganze Geschichte hatte. Dabei werden Zahlen auf einmal knallharte Ohrfeigen ins Gesicht und repräsentieren ein System, das dringend revolutioniert gehört – was bis heute aber nicht geschehen ist.
Also kauft euch ein .kinoticket, rafft eure geistige Willenskraft zusammen und hockt euch in diesen Film – jetzt, wo auch die Academy ihren Segen zu diesem fantastisch aufrüttelnden Werk gegeben hat, erst recht: Er ist es wert. Für jede einzelne Seele, die daran in der Vergangenheit zerbrochen ist, gerade zerbricht oder in Zukunft zerbrechen wird.
Macht diesem Wahnsinn endlich ein Ende!
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf der Oscarverleihung zu recht für den besten Film ausgezeichnet.
Macht euch die Mühe, besucht dieses Werk und richtet eure inneren Antennen bezüglich dieses Vereins komplett neu aus. Begreift, was hier stattgefunden hat und schaut, ob es in euren Gegenden genauso zugeht. Ihr schützt nicht nur euch selbst vor intelligent aufgetischten Lügen, sondern bewahrt die heranwachsende Generation vor Schäden, die irreparabel sind.
Pro Gerechtigkeit. Denn die bringt der Film nicht nur sagenhaft plastisch auf der Leinwand rüber, sondern sorgt mit seiner neu gewonnenen Auszeichnung jetzt zusätzlich hoffentlich nochmals für einen irren Zustrom an Zuschauern, um diese Sache niemals vergessen zu lassen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, allerdings sollte man zum Ende des Films sehr aufmerksam hinschauen und verstehen, dass jede einzelne Zeile hier ein komplett weiterer Film dieses Kalibers ist. Versteht das Ausmaß dieser Katastrophe und horcht auf, was euch hier gezeigt wird.

Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2) (3D)

Es war ein Gedicht, im Kino zu sitzen und diese zeitliche Herausforderung zu meistern. Mit Tribute von Panem ist nun endlich eine Filmreihe vollendet, die nicht mit stupiden Einfällen oder mieser Schauspielerei auffällt, sondern durch überzeugende Darstellungen und vor allem ein exzellentes Drehbuch den Zuschauer auf einer intellektuellen Ebene erreicht, die im Vergleich seinesgleichen sucht.
Hat man im Trailer schon bewiesen, dass man Die Bestimmung und sogar Maze Runner weit abgeschlagen hinter sich lassen will, hat dieser Schachzug nun im finalen Produkt definitiv seine Wirkung entfaltet, denn die gezeigten Szenen schlagen ein wie eine Bombe.
Nicht etwa, weil man auf Action, viel Krach und bombastisches Getöse setzt, sondern vielmehr den Zuschauer dem glorreichen Fall einer Dynastie zuschauen lässt, die viel größere Kreise zieht, als einfach nur eine Geschichte weiterzuspinnen.
Was ich bei Die Bestimmung – Insurgent noch als bitter enttäuschend fand, das Schauspielercharaktere sich zwischen den Teilen als absolut unwürdig entwickelten und in den Folgeteilen nur noch bitter enttäuschten, ist hier völlig gegenteilig: Die Tendenz zum Wahnsinn ist einfach unglaublich!
Gott – wieso nicht einfach immer so? Wo bei Maze Runner die Darsteller irgendwie kindlich waren – man kaufte ihnen ihre Rolle zwar ab, wusste jedoch manchmal nicht wirklich, welches Zielpublikum man damit nun erreichen will – setzt man nun hier auf echte Schauspielgröße, auch wenn die Protagonisten kaum älter als ihre Konkurrenz sind.
Das Element des Schweigens, das des Verstehens, das Reden miteinander, die Suche nach Wahrheit, die offene Aussprache, der Rückhalt, die sinnliche Aneinanderreihung der anfangs fast ertränkten Elemente guten Verhaltens wurden hier auf ihren Höhepunkt getrieben und dem Zuschauer als ethischer Lebensweg präsentiert, dass Menschen wie ich schlichtweg einfach nur am Feiern waren.
Positiv empfand ich auch, dass man diese brachiale Gewalt, die man im Trailer ankündigte, nicht in dieser Form ins Rennen schickte, sondern völlig anders – düsterer – eine entspanntere Form gigantischen Untergangs präsentierte, die weder an die vorherigen Teile mit ihren klassischen Spielen erinnerte, sondern vielmehr zeigt, dass die Bürger Panems erwachsen geworden sind und sich den Herausforderungen stellen, mit denen sie die Unterdrücker konfrontieren.
Das Schauspiel von Snow, Katniss und Peeta muss immer wieder lobend herausgehoben werden. Keine Übertreibungen, kein Möchtegern, keine Absurditäten, man merkt diese drückende Last auf den Schultern der Darsteller, die sich in ihre Rolle tatsächlich reinversetzt und ihre Aufgaben überzeugend auf die Leinwand gebracht haben ohne dabei etwas zu spielen, sondern zu sein.
Die düsterne Beklemmnis zeigt sich nicht nur in den ruhigen, bodenständigen Aktionen der Crew im Film, sondern wird zusätzlich unterstützt von einem sagenhaften 3D, das mit anderen Großwerken dieses Genre locker mithalten kann. Auch hier wieder keine Eile, keine schnellen Schnitte oder irgendwelche panischen Aktionen, sondern eine kontinuierliche Fahrt ins finale Grauen, das mit ruhiger Kameraführung und eindrucksvoller Tiefe zu überzeugen weiß.
Am Schluss geht man tief befriedigt und über alle Maßen beeindruckt mit einer absolut stillen Ehrfurcht wieder aus dem Kino und ist froh darüber, dass wenigstens da Menschen existieren, die “Wahrheit oder nicht?” ehrlich beantworten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Werde ich mir den Film noch ein paar weitere Male ansehen? Absolut!
Und genau das solltet ihr auch tun. Ich weiß, dass für sporadische Kinogänger das Jahresende zur cineastischen Mega-Aufgabe mutiert, da mit Bond und Star Wars noch zwei weitere Blockbuster in den Rängen postieren, die man als Massenkonsument gesehen haben muss, das sollte jedoch keinen einzelnen davon abhalten, sich den ruhmreichen Schluss einer Filmsaga zu geben, die nicht nur eines hervorragend meistert: Authentisch zu überzeugen.
Alles, was ich an sämtlichen anderen Filmreihen der letzten Jahre kritisch bemängelt habe, wurde hier richtig gemacht: PR, Story, Darstellung, Ernsthaftigkeit – Mockingjay Teil 2 ist nicht nur ein Fest für die Sinne, sondern auch für jeden, der ernsthafte und bahnbrechende Unterhaltung sucht.

 
Nachspann
gibt’s keinen, dafür ein definitiv befriedendes Ende mit wunderschönen Bildern und einem würdigen Abgang.

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