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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Stellan Skarsgard

The Man Who Killed Don Quixote

Fast 30 Jahre sind vergangen, seit die Arbeiten an The Man Who Killed Don Quixote begonnen haben und die Streitigkeiten und Sorgen rund um dieses Projekt haben immer noch kein Ende gefunden. Terry Gilliam durfte nach langem Hin und Her auf den 71. Filmfestspielen in Cannes sein neuestes Werk nun doch als Abschlussfilm präsentieren.
Auf Nachfrage von mir wurde geantwortet, dass es wohl rechtliche Streitereien unter den Produzenten geben würde, die sich um die Eigentumsrechte des kompletten Stücks drehen und dass bis dato wohl immer noch nicht final geklärt sei, ob Terry Gilliam nun endgültiger Besitzer dieser Klamauk-Kiste ist oder nicht. Bislang wohl schon, darum tourt er jetzt durch die Welt und stellt dieses Projekt im Rahmen von Festivals vor und bringt es demnächst dann auch ins Kino.
Es ist bezeichnend für die Filmbranche – und gerade für den Bereich “Comedy und Spaß” – dass um solche Projekte so ein Terz gemacht wird und man sich nicht einfach zurücklehnt und gemeinsam miteinander lacht.
Terry Gilliam ist unweigerlich verbunden mit Monty Python und zählt daher sowieso zu der verrückten Durchgeknalltheits-Sorte, die sich um schräge Sachen und aberwitzigen Humor kümmert und die Leute zum Lachen bringt. Ein schlechtes Beispiel dafür, wie sehr Kommerz und Geldverdienen die Leute kaputtmachen und etwas eigentlich wunderschönes in seiner Wurzel zerstören kann.
Aber kommen wir zum Film: Der erzählt die Bestsellergeschichte aus dem Jahr 1605 / 1615 und ist eben dort angesiedelt. Und zwar auf obskure Weise mit ein wenig Modernität verknüpft, aber genauso abgedreht und seltsam, wie wir es von der Monty Python-Gruppe gewöhnt sind: Man muss sich auf diese Schrägheit einlassen und darf nicht bei vollem Verstand in den Saal spazieren, sonst wird einem ganz schnell die Birne zu Matsch und der Verstand rausgevögelt.
Man kann also salopp sagen: Mochtest du Python, hast du damit kein Problem. Kennst du die Sketche davon nicht, ist es eine absonderliche Erfahrung, die dich zutiefst verstören und/oder begeistern kann und erwartest du einen ernsthaften Film über irgendwas, bist du an dieser Stelle vollkommen falsch.
Man muss das Buch nicht gelesen haben und auch kein größeres Verständnis für irgendwas mitbringen, sondern sich einfach nur auf diesen “Unsinn” einlassen und darf dabei dann mächtig lachen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es beinhaltet quasi einmal komplett alles, wofür man seinerzeit Monty Python kannte: Klamauk, Unsinn, Schrägheit und Absurdität.
Über diese Handschrift sollte man sich nicht aufregen und auch keine meisterhaften Darbietungen höchster Ebene erwarten, dann klappt’s auch mit dem gelungenen Kinoabend. Wer die damaligen Sketche der mittlerweile aufgelösten Truppe mochte, bekommt hier quasi nochmal eine wunderschöne Zusammenfassung ihres Lebenswerkes.

 
Nachspann
✅ ist durchanimiert, darf also bis zum Schluss genossen werden.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: The Man Who Killed Don Quixote
Length: 133 Min.
Rate: FSK 12

Mamma Mia! – Here we go again

Es ist 10 Jahre her, dass Mamma Mia! weltweit 600 Millionen Dollar eingespielt hat und es ist keine Frage der Ehre, diesen Zug in unserer kapitalistisch veranlagten Welt erneut auszuspielen, auch wenn nur die Hälfte dabei rauskommen sollte.
Hollywood ist sowieso bekannt dafür, einmal funktionierendes so lange wieder neu aufzuwärmen, bis sich daraus wirklich kein einziger Cent mehr melken lässt. An wem ist dieser Film damals denn bitteschön nicht vorbei geschlittert? Es war also irgendwo klar, dass eines Tages die Fortsetzung serviert werden dürfte und – (da fangen jetzt die positiven Nachrichten an) – 10 Jahre sind mehr als genug Zeit, um ein vernünftiges Konzept auf die Füße zu stellen und nicht einfach nur lahmarschiges Wiederkäuen zu aktivieren.
An diese Mammutaufgabe hat sich Regisseur Ol Parker gewagt und alte Gefühle wieder neu aktiviert. Es ist nicht zu viel verraten, wenn ich ABBA ins Spiel bringe und es ist auch bekannt, dass es zweite Teile immer immens schwer haben. Im Suhl der derzeitigen .trailer-Landschaft sieht es auch höchst komisch aus, wenn auf einmal irgendwelche Figuren über die Leinwand tanzen und diese doch recht seltsam anmutende Vorschau mit dem im Vergleich merkwürdigen Film das Sommerevent des Jahres ankündigen will.
Man bleibe skeptisch. Als Laie ist bekannt, dass die immer gleichen Geschichten wieder und wieder auf den Opernbällen und Theaterbühnen erzählt werden und es niemals niemals niemals neuen Stoff geben darf, weil sonst die immer schon so seiende Bühnenlandschaft irre in sich zusammenbrechen würde und die Leute wohl auch heute in Theatern immer noch das gleiche sehen wollen.
Genau wie Grimm’s Märchen. Die gibt es – und da werden niemals neue erzählt, sondern die Klassiker wieder und wieder ausgepackt. Neu interpretiert, aber behüt’ euch Gott, wenn man dazu neuen Stoff gesellt.
Und nun ratet, was ich von Mamma Mia! – Here we go again gedacht habe. 😉
Ich meine: Allein der Titel ist schon langweilig und prophezeit einem ja förmlich, dass es quasi nur warmen Babybrei geben wird und das genussgeballte Spanferkel schon von vornherein von der Speisekarte gestrichen ist.
PUSTEKUCHEN!
 
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Das Teil ist dermaßen geil und großartig geworden, dass ich dem Film wünsche, die 600 Millionen Dollar zu knacken und die Macher zu inspirieren, in vielleicht 8 Jahren dann den dritten Wurf zu präsentieren!
Es ist absolutely amazing, was einem da von der Leinwand in die Seele springt und die Gefühle vom Hocker reißt! Die Farbenfreude, das Summer-Feeling, die hoch angesiedelte Emotionalität und die Idee, mit der man hier eine absolut bekannte und zigtausendmal durchgekaute Geschichte so verblüffend neu und einzigartig erzählt, ist unglaublich!
Wer meine Disney-Ausführungen verfolgt hat, der weiß, wieviel ich für “Singfilme” übrig habe und wer schon etwas länger mitliest, weiß auch, dass ich einige Male prophezeit habe, dass in Zukunft immer mehr Werke in die Lichtspielhäuser gezerrt werden, die neue Zuschauer anwerben und ihnen Opern und Theater schmackhaft machen sollen. Initiative “Bekehrt den Bürger fürs Theater” ist also auf vollen Touren und Mamma Mia! – Here we go again spielt da kein einziges Stück mit rein und teilt sich den Kuchen, sondern basht einfach mit unfassbarer Positivität und tatsächlichen Sommergefühlen vor den Latz, dass einem Hören und Sehen vergeht.
Dieses Ding ist so wunderbar ausgeglichen und austariert, dass eben nicht nur die üblichen Schmonzetten und Evergreens präsentiert werden, sondern man hat eine hervorragende Auswahl an Songs getroffen, bringt diese (besser als auf der Bühne?) in den Storyfluss ein und interpretiert da drumherum ein Stück, dass eine mögliche Entstehung der Geschichte des ersten Teils erklären könnte.
 


 
Nichts wurde aufgewärmt, sondern man liefert Frischfleisch und junges Gemüse und distanziert sich damit hintergründig auch von “Die jungen Schauspieler können allesamt nichts mehr, sondern nur noch doofen CGI-Kram” und setzt selbst hinter den Kulissen damit Maßstäbe und Statements, die mehr als begrüßenswert für die Kinolandschaft sind.
Wer hier am Schluss keine gute Laune hat, dem ist leider nicht zu helfen. Und das, was einem geboten wird, zieht in seinen Bann, Opernlover ja oder nein – es ist wurscht, ob man sich damit auskennt, Teil 1 vielleicht sogar noch nicht gesehen hat oder in seinem Leben noch nie etwas von Mamma Mia! gehört hat (gibt’s da jemand?) – diese Fortsetzung zählt, ich möchte fast schon sagen “erstmalig”, zu den Sequels, die das Level ihres Vorgängers überragen und sich absolut nicht anmerken lassen, dass es hier “nur weiter geht”.
Es ist ein gigantisches Spektakel, dass sich niemand – und ich meine wirklich niemand – auf der großen Leinwand entgehen lassen soll, und danach – so beweisen es die Bilder im Beitrag – darf man sich dann in die Theater verziehen und dort das passende Bühnenstück bewundern, von dessen Münchner Darstellerinnen und Pianisten wir in der Pressepreview eine exklusive Überraschungsvorstellung genießen durften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich halte nichts von Hypes und es ist daher um so verwunderlicher, dass ich auf diesen Faszinationszug aufspringe und begeistert bin von dem, was uns da auf der Leinwand geboten wird: Eine absolut neu aufgesetzte, durchkuratierte und ästhetisch himmlische Darbietung, die alles andere seinerzeit mit Leichtigkeit in den Schatten stellt.
Wenn man vorher kein ABBA-Fan war: Danach ist man es. Und das liegt sehr daran, dass eben nicht nur Dauerbrenner, sondern gerade die “liegengelassenen” Titel großartig vorgetragen und in Szene gesetzt werden, so dass man am Schluss total beflügelt und vor positiver Energie sprühend ins Leben entlassen wird.
Wer jemals eine Glücksdroge ohne Nebenwirkungen haben wollte: Hier ist sie! Stürmt die Säle und lasst euch dauerhaft davon begeistern und verzaubern – es lohnt sich!

 
Nachspann
✅ Abwarten! Den kriegt man quasi gar nicht mit, weil das, was in einem Nachspann normalerweise gezeigt wird, vollkommen untergeht … und tut euch selbst den Gefallen und geht nicht, bevor der letzte Vorhang fällt: Es kommt nämlich noch was. Und zwar ganz zum Schluss!
Kinostart: 19. Juli 2018

Verräter wie wir

Normalerweise kommen die Sneak-Filme ja immer Montags auf den Schirm, da die Abstände zur tatsächlichen Kinoveröffentlichung allerdings oftmals bereits so kurz sind, dass die gezeigten Filme bereits in dieser Woche Donnerstag regulär ins Kino kommen, probiere ich jetzt einfach mal, die Sneak am Mittwoch zu veröffentlichen, so dass ihr euch vorab informieren könnt und direkt zum Kinostart schon auf dem Laufenden seid.
Verräter wie wir war diese Woche meine Wunsch-Sneak-Film und meine hohen Erwartungen an das Werk wurden mit ein zwei Abstrichen absolut erfüllt.

Bereits die Buchvorlage erhielt von aller Welt ja schon überwiegend positive Kritiken und genau diesem Niveau hat man sich bei der Verfilmung angeschlossen und mit Ewan McGregor und Stellan Skarsgard zwei Schauspieler ins Rennen geschickt, die diese hoch angesiedelte Professionalität wahnsinnig gut rüberbringen können.

Die Geschichte an sich ist spannend, unterhaltsam und außergewöhnlich und wird im Film mit top gestylten Bildern vor traumhafter Kulisse angereichert. Der Film ist sehr dialoglastig und überzeugt hierbei mit viel Intellekt. Skarsgards sarkastische Ader entspannt so manch angespannten Moment mit erfrischend-fluffiger und menschlicher Art innerhalb einer total verstrickten, teils angsteinflößenden Situation und bringt hier immer wieder Sympathie auf die Bildfläche.

Das Thema regt an, darüber nachzudenken, welche menschlichen Züge unsere Gesellschaft noch hat und zeigt, welche Werte die breite Öffentlichkeit gerne bereit ist, aufzugeben, wenn es um die Sicherheit des eigenen Lebens geht.

Wie oben erwähnt, mache ich hier aber auch ein paar kleine Abstriche. Zum einen hatte der Film für mich ein paar Längen, wo man sich unglaublich viel Zeit lässt, in der eigentlich nicht sonderlich viel passiert und die Geschichte insofern auch nicht vorangetrieben wird. Zum anderen – und das ist wohl der Buchvorlage geschuldet – kam für mich die “Auflösung” (wenn man so will) etwas zu früh und demnach schlittert man in ein Filmende, das eigentlich gar keins ist, allerdings ebenfalls nicht wirklich Potenzial liefert, um hieraus eine Filmreihe zu kredenzen. Damit stirbt ein wenig die Cineastenhoffnung auf Fortsetzungen oder eben eine wahnsinnig geile restliche Zeit mit dem Film. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

 

.kinoticket-Empfehlung: Verräter wie wir liefert eine neue Form von Geschichte eingepackt in wahnsinnig ästhetische Bilder auf glanzvollem Niveau.

Dialoge und Zusammenspiel der Hauptdarsteller ist herausragend, ihr Können gibt dem Film einen hochwertigen Touch, am Intellekt des Zuschauers wird nicht gezweifelt.

Dass der Film ein paar Längen hat ist entschuldbar, allerdings hätte ich mir ein etwas fulminanteres Ende gewünscht. Hier landet man etwas unsanft auf dem Eis nach einer wunderbaren Performance vorab.

Alles in Allem ist dieser Film jedoch sehr sehenswert und darf in der wöchentlichen Kinoplanung gerne die oberen Plätze der Wunschkandidaten einnehmen.

 

Nachspann
braucht nicht abgewartet werden, nach der Schwarzblende ist tatsächlich Schluss (auch wenn mir die Hintergrundanimation richtig gut gefallen hat ^^)

Cinderella

Nachdem in Hollywood ja die Märchenverfilmungswut ausgebrochen ist und man Grimm jetzt nicht mehr lesen, sondern anschauen kann, war es keine Frage, bis die Großen auch hier versuchen, die Geschichte neu aufzusetzen und erneut in die Kinosäle zu bringen.
Ist bei einigen vergangenen Filmen ja auch durchaus gelungen. Maleficent zum Beispiel, den ich wunderbar adaptiert und in die moderne Zeit transferiert fand. Entsprechend groß war meine Neugier, wie die Macher es bei dieser durchaus ausgelutschten Story nun bringen würden.
Optisch auf jeden Fall ein Augenschmaus. Die Märchentortensüße schleimt hier nur allzu stark und man wird überannt von Farben, Formen, Glitzer und Glamour. Seien es Ballsäle, die Kutsche, Schuhe oder Kleider – hier lässt man Mädchenherzen sicher höher schlagen.
Geschichtlich wurden keine großen Ausbrüche gewagt, sondern das erzählt, was gesagt werden musste. Statt alte Geschichten neu zu erzählen, wird hier nur analoges digitalisiert. Ob man sich dabei nun auf die “Buchtreue” beruft oder sich Einfallslosigkeit vorwerfen lassen darf, sei dahingestellt.
Müde sollte man sich den Film keinesfalls anschauen, denn Soundtrack und Score tun ihr übriges, um dich in den Dornröschenschlaf fallen zu lassen. Der trägt so butterweich durch den ganzen Film, dass Spannungsspitzen keine Chance haben, deinen Geist wieder wachzurütteln. Du gehst irgendwie benommen wieder aus dem Saal, was jetzt aber auch nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Cinderella-Liebhabern liefert man hier eine neue Version ihrer Geschichte, die mit modernen Mitteln durchaus gelungen umgesetzt ist. Wer spannende Unterhaltung sucht, die überrascht, begeistert und vereinnahmt, der wird hier eher enttäuscht.
Diesen Film sollte man sich dann anschauen, wenn man einfach mal wieder kurzfristig in die Märchenwelt getragen und dort fallen gelassen werden möchte. Das funktioniert nämlich tatsächlich richtig gut.

 
Nachspann
liefert keine neuen Erkenntnisse.

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