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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Tempel

Doctor Strange (3D)

Wer Marvel kennt, weiß, dass man sich hier wieder auf herausragendes Blockbusterkino einlässt, dass nicht nur unglaublich die Massen ins Kino zieht, sondern auch eine markante Bodenständigkeit aufweist, die trotz Superheldentum irgendwo klassisch-konservativ anmutet und einen erneut zum Staunen einlädt.
Was ich dabei interessant finde, sind nicht etwa die Einfälle und Bewegungen, die man hier aus der Realität heraus macht, sondern vielmehr die unglaublich funktionierende Größe, mit der man sich innerhalb dieser Produktionen bewegt und einmal mehr beweist, dass es nicht sonderlich viel braucht, um etwas Herrschaftliches zu erschaffen, hinter dem dennoch tiefere Abgründe verborgen sind.
Die majestätische Rückführung in die Höhle des Bösen, wie es bei DC oft der Fall ist, findet hier gar nicht statt, sondern man entfesselt einen neuen Charakter aus dem Marvel-Universum auf der Leinwand und erklärt damit der Langeweile den Krieg. Doctor Strange hinterlässt nicht nur mit seinem ersten Eindruck bleibende Erinnerungen sondern überzeugt auch mit einem vortrefflichen 3D, dass sich den Namen tatsächlich verdient.
Hiermit werden Sphären geschaffen, die sich nicht nur aus der Zweidimensionalität heraus bewegen, sondern sowohl Geist als auch Seele entführen und in neue Welten vorstoßen, die sich abseits der bisherigen Auseinandersetzungen befinden und einmal mehr etwas Neues in Angriff nehmen, dem man sich auf diese Weise bislang noch nicht in dieser Form genähert hat.
Auch hier herrscht wieder viel Interpretationsspielraum, kreative Bühne für neue Ideen, die einem guten Kinobesuch das gewisse Etwas verleihen und dafür Sorgen, dass man als Zuschauer eher geschmeichelt als gekränkt ist und sich auch in seinem Intellekt nicht verraten fühlt. Gleichwohl gibt es an der Gesamtumsetzung viel Diskussionswürdiges zu bemerken, das allerdings im Gros der Erzählung keinen nennenswerten Unterschied macht, sondern sich auf hervorragendes Popcornniveau begibt und hier – ganz klassisch – die Massen unterhält.
Die Effekte sind anfangs ein Augenschmaus, etablieren sich meiner Meinung nach dann aber etwas zu früh und lassen damit etwas Geschwindigkeit im Film liegen, was stellenweise zur Übersättigung des Zuschauers führt, jedoch reißt dies die nahezu kritiklose Darstellung eines Benedict Cumberbatch wieder raus, der hier den Charakter des Doktor Strange wunderbar vorstellt und damit den Grundstein für viele weitere, tolle Geschichten legt, die sich im Marvel-Universum abspielen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich für meinen Teil war begeistert von der schonungslosen Veränderlichkeit, die man hier in einem bekannten Erzähluniversum durchzieht und welcher Mittel man sich alles bediente, um keinen übertrieben-krampfhaft-sinnigen Film zu machen, sondern durchaus effektvoll und bleibend eine Figur einzuführen, von der ich persönlich auch in Zukunft gerne mehr sehen will.
Die schauspielerische Arbeitsleistung ist hoch lobenswürdig und auch das Team im Hintergrund hat ganze Arbeit geleistet, um wieder einen Sprung nach vorne zu machen und sich einmal mehr in dem zu übertreffen, was man dem Publikum vorsetzt.
Dass dabei der Geist auf wundersame Reisen geschickt wird, ist nur einer der positiven Effekte, die dieser Film auf seine Besucher haben wird.

 
Nachspann
Marvel … also sitzenbleiben. Und wenn die Post-Sequenz vorbei ist: Sitzenbleiben. Es gibt noch eine Aftershow-Party, die nennenswerte und wichtige Szenen zeigt und nicht nur billig die Leute bis zum Schluss im Kino halten will. Also fesselt euch an die Stühle und lasst die Idioten rausrennen, aber seid selbst keiner von denen.

The Other Side of the Door

Freunde der gepflegten Grusel-Unterhaltung, die noch nicht zugegriffen haben und im Einzugsbereich eines Kinos leben, das diesen Film noch ausstrahlt, dürfen sich gerne von ihrer Couch erheben und sich den Titel auf ihr zukünftiges .kinoticket drucken lassen, denn endlich lohnt sich der Griff ins Horror-Regal mal wieder.
 

Wo wir in letzter Zeit desöfteren mit massentauglichen Schockern abgespeist wurden, die für Hartgesottene eher ins Kinderregal gehören, treibt dieser Streifen endlich mal wieder den körnigen Geist an und sorgt für gruselige Momente in einer Geschichte, die nicht auf Blut und Schulkindhorror aufbaut, sondern ihren ganz eigenen Charme mitbringt, den ich lange Zeit im Kino schmerzlich vermisst habe.

Allein der Aufbau und die Einführung der Mitglieder dieses Spiels zeugen hier von Können und der seelig-ruhige Müßiggang des morgenländischen Flairs schaffen einen Raum, der nicht von Offensichtlichem heimgesucht wird, sondern seine ganz eigene Vision von Unnatürlichem ins Feld wirft und die Zuschauer damit konfrontiert.

Dass ein Plot immer Introduktion, Problematik und Auflösung mit sich bringt und diese Form der Erzählung in abertausenden von Filmen wieder und wieder umgesetzt wird, ist hier vielleicht nicht optimal durchdacht, die Art, wie man sich durch diese systemische Erzählung hindurchwringt, hat mich allerdings sehr begeistert.

Nicht nur die Einführung und Momente zwischen den Höhepunkten des Films, sondern gerade der Schluss mit seinem überraschenden Paukenschlag war für mich ein Festhighlight der Filmgeschichte.

Positiv aufgefallen ist auch, dass hinter den Kameras keine Laien ihre Finger im Spiel hatten, sondern man auf schön subtile Weise eine Grundstimmung schafft, die nicht auf immerwährenden Wettstreit ausgelegt ist, sondern hier einfach solide und stark ihr eigenes Ding auf den Weg bringt und sich aus diesem Selbstbewusstsein heraus speist.

Zum Schluss bleibt ein Film, der eine wahnsinnig gute Geschichte bereit hält, dessen Effekte und Gruselmomente durchaus erwähnenswert sind und der sich mit einem Abgang verabschiedet, den man sich in vielen anderen Filmen bislang immer nur wünschen konnte aber nicht geliefert bekam.

 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des gepflegten Horrors haben endlich wieder einen Grund, ins Kino zu gehen.

Die Show ist gigantisch, die Stimmung herrlich düster und furchterregend und das Ende einfach nur geil!

 

Nachspann
kommt nichts mehr, nach der Schwarzblende darf man wieder ans Tageslicht.

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