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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Timothée Chalamet

Beautiful Boy

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Sich mit den Dingen einfach mal auseinanderzusetzen, ohne dabei auf bekannte Ansichten und Gedankenprogrammierungen zurückzugreifen … eine Aufgabe, der sich viele überhaupt nicht stellen wollen, weil sie schon mal gar nicht wissen, dass das überhaupt geht. So viele Menschen haben ihr vorgefertigtes Bild, was bestimmte Menschen und Dinge angeht und sie lassen sich davon auch überhaupt nicht abbringen.

Dabei geht völlig unter, dass nie jemand gefragt hat, woher diese Ansichten überhaupt kommen, wer sie in die Welt gesetzt hat, ob sie heute noch gültig und überhaupt gerechtfertigt sind oder nicht, sondern völliger Humbug. Stichwort: Vorurteile.

Aktuell erleben wir immer noch, wie berühmte Vorurteile sich die Wege durch die Gehirnbahnen verschiedener Menschen graben und dort jede Menge Unfug und Dummheiten verzapfen, die sich dann als geistiger Dünnschiss den Weg zurück in die verbale Welt erkämpfen und überall ihre dünnflüssige Suppe an Idiotie verbreiten und permanent die Wahlergebnisse beeinflussen.

Dass so etwas Schaden anrichten kann und sogar Menschen das Leben kosten, haben wir aktuell alle schon erlebt und gesehen. Dass man diese Richtung auch ändern und alles zu etwas Positivem entwickeln kann, wisst ihr spätestens jetzt, denn: Man kann, darf und sollte solche Einstellungen und Gedanken hinterfragen und ihre Richtigkeit anzweifeln, um zu erfahren, ob die eigene innere Einstellung tatsächlich so unangreifbar korrekt ist, wie man bisher immer geglaubt hat.

Das beste Anzeichen dafür, dass irgendetwas faul an einer Sache ist, ist: Die Verantwortlichen mögen nicht, wenn man zweifelt. Geht in irgendwelche christlichen Ligen, hört ihnen zu und zweifelt dann an, was sie sagen. Je nachdem, wie sie reagieren, werdet ihr merken, wieviel Wahrheitsgehalt in ihren Lehren steckt und ob eigentlich alles nur eine große Lüge ist und jeder von vornherein verdammt wird, der es nicht kommentarlos schluckt.

Genau das gleiche betrifft nicht nur Religion, sondern auch Menschengruppen, Kulturen, Verhaltensweisen, gesellschaftliche Rituale usw. – und eben auch das, was in Beautiful Boy thematisiert und in eine völlig neue Korrelation gestellt wird. Mir haben die Ansätze, derer man sich hier bedient, unglaublich gut gefallen, weil das tatsächlich Fragen sind, die selbst ich mir niemals gestellt habe und die den Horizont und das Denken derart erweitern, dass die Erkenntnisse förmlich ins Hirn sprudeln und man als geistig bereicherter Mensch den Kinosaal wieder verlässt.

Mit solch einer positiven Inbrunst und strebender Energie an ein so düsteres Thema heranzugehen und dabei diesen Film hervorzubringen … der Wahnsinn. Und damit meine ich nicht nur das Schauspiel von Steve Carell, der hier mit seinem Charakter ein Vorbild liefert, von dem ich mir extrem viele Nachahmer in der Gesellschaft wünsche.

.kinoticket-Empfehlung: Wer bei den Twist-Erleuchtungen dieses Films keine feuchten Augen kriegt, dem kann ich auch nicht weiter helfen.

Gegen die offensichtliche Inbrunst, jedwede Vorurteile des Menschen anzugehen und sie mit Vernunft, Klarheit und aufstrebendem Willen zu besiegen, kommt auch kein Kritiker an: Steve Carell liefert hier Vorbildfunktion und erzählt eine dramatische Geschichte, die aus den tiefsten Höllen des Menschen die besten Seiten hervorkehrt.

Beautiful Boy ist ein leuchtendes Beispiel dafür und sollte von euch bis ganz zuletzt ausgesessen werden.

Nachspann
✅ So poetisch war garantiert noch kein Abspann – bleibt sitzen, auch wenn nicht gleich was passiert!

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: Beautiful Boy
Length: 121 Min.
Rated: FSK 12

Feinde – Hostiles

Schaut euch das Poster zum Film mal ein paar Minuten genau an: Was seht ihr?
Ich weiß, man sollte sich einen Job suchen, wenn man Zeit hat, über solche Dinge nachzudenken … Aber: Hey – es weiß doch keiner – also who cares … denken wir doch einfach mal darüber nach! Also: Was seht ihr?
Wir sind in einer Zeit, in der es noch Dinge zu erobern gab. Ländereien. Machtgebiete. Neuland. Dinge, die die “Welt” vorher nicht kannte. Quasi den Ursprungsgedanken Amerikas. Glaubt ihr nicht auch, dass es Trump am meisten ärgert, dass quasi die ganze Welt schon erschlossen ist und er einfach nicht mehr mit Waffengewalt erobern kann? Nun muss man hingehen und umständlich politisch verhandeln… Diplomatie kannte man mal, Drohgebärden sind doch viel geiler, man begibt sich wieder zurück zu der guten alten “Wenn du nicht machst, was ich dir sage, schlag ich dir den Schädel ein”-Zeit, in der alles noch ganz einfach war.
Ja, es gibt solche Leute auch heute noch. Die ärgern sich maßlos über alles mögliche. Fernsehen. Rundfunkgebühren. Ausländer. Rente. Den Nachbarn, der es in der Früh wagt, lautstark durchs Haus zu trappeln und die Tür hinter sich ins Schloss fallen zu lassen, um der Arbeit nachzugehen, mit der er meine Rente finanziert, damit ich mich im Haus über ihn aufregen kann.
Solche Dinge waren damals genauso unnötig wie sie es heute sind. Und dennoch: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und er hat sich daran gewöhnt, über alles und jeden zu meckern und bei Nichtgefallen die Hölle auf Erden hereinbrechen zu lassen.
Nur, dass das damals eben noch sehr viel einfacher war.
Wisst ihr was? Es gibt eine Lösung – und die heißt: Kino!
Zwei Stunden Zeit, ein paar Piepen im Gegenwert von 2-3 Kaffees mitbringen und schon kann man sich exzellent aus dieser “beschissenen Welt” entziehen und zurück zu den “guten alten Tagen”, wo “die Welt noch in Ordnung war”.
Dass sie’s nicht war, seht ihr z.B. in Feinde – Hostiles. Und was daran so exzellent ist: Filme bieten gewaltiges Potenzial für Künstler, Filmschaffende, Menschen, denen das dumpfe Rumjammern nicht reicht, einfach neue Gedanken, Inspirationen, Lösungen zu finden und den Zuschauern quasi “für lau” zu präsentieren.
“Ja – aber Kino kostet doch ungemein viel Geld” … nicht für lau auf den Eintrittspreis bezogen, sondern “für lau” in Form dessen, dass man selbst keine Arbeit mehr hat und keine eigene Denkleistung mehr erbringen muss, sondern sich am Festmahl durchdachter Philosophien bedienen kann. Und das quasi – bedenkt man, was Wissen einst wert war und dass Wissen heute dank Datensammelei zur weltweiten Währung geworden ist – für ‘n Appel und ‘n Ei.
Und jetzt kommen wir zu dem, was Kino in meinen Augen wahrhaftig groß macht: Hier werden nicht die Probleme präsentiert und man wird damit alleingelassen, sondern bekommt von vielen anderen Geistesgescheiten verschiedene Situationen und gleichermaßen ein Konzept an die Hand, dass sich dann mit ein klein bisschen Rest-Denk-Energieleistung unfassbar einfach aufs reale Leben des Zuschauers übertragen lässt.
Ich kann also die “Früher war alles besser”-Gegebenheiten aktuell neu erkennen und sie auf meinen Alltag übertragen und damit – auf deutsch gesagt – aus Filmen lernen.
Und wenn dann die Welt so kompliziert geworden ist, dass man der Menschheit das simple, einfache Miteinander leben wieder neu beibringen muss und es zur physischen Arbeit gehört, sich NICHT die Köpfe einzuschlagen, dann entpuppt sich Kino als großartiges Medium, um hier erst in eine fremde Fantasiewelt zu flüchten und anschließend zu erkennen, dass genau diese “einfachen Grundfakten menschlicher Existenz” heute aktueller denn je sind.
Tut euch einen Gefallen und schnuppert währenddessen mal in eine der angebotenen OV-Vorstellungen rein, die im Vergleich zur synchronisierten Fassung unvergleichbar mehr “hasserfüllte Depressiv-Grundstimmung” mitbringen und die Story somit um ein Vielfaches tiefgründiger und ernster erscheinen lassen. Die deutsche Synchronisation ist eher vorsichtig ausgedrückt auf dem “Plastik-Niveau”, weil die Stimmlagen und Höhen eben sehr viel von der Schwere und der Unbereitwilligkeit zur Veränderung, diesem tiefen Seelenabgrund und der Verbitterung einbüßen, indem sie einfach zu “hell” sind – überzogen vorgestellt: Wenn ein mächtiger Kampfbulle mit Heidi Klum-Stimmchen vor dir brüllt, nimmst du ihn einfach weniger ernst, als wenn er mit Bud Spencer-Kampfmaul spricht. Und das zieht sich in der Synchro konsequent durch, während man im Original kaum Luft zum Atmen kriegt und einfach nur “deeply impressed” ist.
So beeindruckt, dass mein erster Gedanke war: Feinde – Hostiles ist DIE Ablösung unserer Generation von Der mit dem Wolf tanzt – genauso episch, genauso tragend, genauso großartig, dass es andere Filme einfach bei weitem in den Schatten stellt.
Christian Bale hat ja schon im Original eine endgeile düstre Stimme, und ich finde, seine Schauspielleistung toppt hier die eines Dark Knight um Längen!
Dann in dem Film zu sitzen und zu begreifen, WAS einem da wirklich gezeigt wird – war für mich ein unvergessliches Erlebnis, das noch sehr lange nachhallt und mich vor einiger Zeit innerhalb der Sneak Preview erneut in seinen Bann gezogen hat.
Und ihr dürft raten: Ich erwarte mit Freuden den Kinostart und werde …….. und ihr hoffentlich auch!
 

.kinoticket-Empfehlung: Feinde – Hostiles löst Der mit dem Wolf tanzt in unserer Generation ab: Es ist ein Werk epischen Ausmaßes mit einer Botschaft, wichtiger denn je, die garantiert niemanden gefühlskalt zurück lässt.
Ich persönlich bevorzuge absolut die OV/OmU-Varianten, die die drückende Situation sehr viel glaubwürdiger und nachhaltiger rüberbringen, aber auch die deutsche Fassung tut ihr übriges, um als ernsthafter Film wahrgenommen zu werden und den Zuschauer mehr als zu beeindrucken.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, man darf das Gesehene aber gerne noch sacken lassen – dafür ist der Abspann sehr gut zu gebrauchen.
Kinostart: 31. Mai 2018

Lady Bird

Wie man dem Plakat schon entnehmen kann, hat der Film bereits große Aufmerksamkeit von der Academy bekommen und wird allerorts als modernes Meisterstück gefeiert, dass sich mit der Gefühlsebene einer Jugendlichen beschäftigt und sie beim Prozess des Erwachsenwerdens begleitet.
Bei mir löst Lady Bird gemischte Gefühle aus. Zum Einen spielen die Darsteller – allen voran Saoirse Ronan – hervorragend gut und überzeugen mit Witz, Humor, Schlagfertigkeit und pointierter Präzision. Es bereitet einem unglaublich viel Freude, der rebellischen Art zuzusehen, die dieses Kind entwickelt, um sich der bornierten, stehengebliebenen und für es langweiligen Welt entgegenzustellen und seine eigenen Erfahrungen zu machen.
Dies zieht sich auch große Teile des Films sehr gut hin, bis man dann unweigerlich zu einem Punkt kommt, der gleichzeitig mein größter Kritikansatz ist und für mich den Film quasi aus der Empfehlungstoplist raussaugt: Dem Finale.
Man möge sich Greta Gerwig als eine durch und durch amerikanische, patriotische, heimatliebende und ehrbar-christliche Persönlichkeit vorstellen, die vom amerikanischen Land stammt und quasi noch nie in den Genuss des Großstadtlebens und seiner “sündigen Zusammenhänge” gekommen ist.
Dem füge man noch ein klein wenig bitterbösen Hauch christlicher Sektiererei bei, mische es mit dem unweigerlichen Willen, sich der Welt und seiner Vielfalt zu öffnen und heraus kommt das Gefühl, das ich beim Abspann des Films mehrfach hatte.
Und tatsächlich hat diese Frau aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus geschrieben und sieht Lady Bird als eine Ode an ihren Heimatort Sacramento, wenngleich nichts im Film genauso passiert ist, wie es auf der Leinwand zu sehen ist.
Einige Kinozuschauer meinten zu mir, man müsse sich den Film mehrfach ansehen, um ihn in seiner Gänze zu begreifen, dies hab ich getan und das enttäuschende End-Gefühl hat sich dabei niemals großartig verändert.
Meine Frage ist: Wenn man sehen will, dass die Welt irgendwo beschissen ist und wie andere darunter leiden, dann braucht man dafür nicht ins Kino zu rennen, sondern sich einfach nur auf der Straße oder in seinem Umfeld umsehen. Diese Enttäuschung und Aufgabe des vorwärtssprießenden Mutes möchte ich doch nicht gleichzeitig noch von der Leinwand runtergebetet sehen. Ich gehe ins Kino, um dieser Welt ein Stück weit “entfliehen” zu können, mich mit dem Unmöglichen auseinanderzusetzen und Welten zu entdecken, die mir diese Realität hier vorenthält.
Dieses Empfinden teilten auch einige meiner Mitkinogänger. Das, was dieser Film anfangs hervorragend aufbaut und dieses Mädchen dem Zuschauer super sympathisch macht, opfert man zugunsten einer Lebenseinstellung, die ich ehrlich gesagt eher verachte denn schätze.
Und am Schluss bleibt immer das Gefühl: Warum sollte ich mir jetzt genau das im Kino ansehen?
 

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich rebellisch und mit wunderbarer Ironie bestückt zerreißt sich das Werk am Ende selbst und opfert seine guten Eigenschaften einer bestenfalls fragwürdigen Weltansicht.
Die alles entscheidende Frage bleibt hinterher jedem irgendwo im Halse stecken: Wozu muss ich bezahlen und extra dafür ins Kino rennen, wenn man so etwas genauso tagtäglich vor seiner Haustür erleben kann?

 
Nachspann
nicht sitzen bleiben, rausgehen erlaubt – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 19. April 2018

Call Me By Your Name

Lasst uns mal ein bisschen träumen: Ich bete schon, seit ich ihn gesehen habe, dafür, dass genau dieser Film den Goldjungen in der Kategorie “Best Picture” abräumt!
Es wäre so ein dermaßen endgeiles Statement der Academy und ganz ehrlich: Timothée Chalamet spielt zum Heulen schön! Egal, was du über die Thematik denkst: Nach diesem Film bleibt garantiert kein Auge trocken und kein Herz unberührt!
Bislang hat man noch nicht oft genug versucht, den Menschen diese Inhalte in einer derartig normalen Version zu vermitteln, und alle früheren Versuche hatten bislang eins gemeinsam: Sie scheiterten grandios!
Call Me By Your Name macht die Ausnahme und holt garantiert jeden aus seiner Ecke ab und pulvert ihn mit Normalität zu, dass gar nicht auffällt, was sich hier eigentlich tatsächlich abspielt!
Und Leute: Vorbilder! Es ist so tränenrührend nachahmenswert, wie sich Stuhlbarg und Co. hier verhalten: Jede Gesellschaft muss davor niederknien, zutiefst um Entschuldigung flehen und anschließend schwören, sich für alle Zeiten zu bessern! Eine bessere, sinnlichere und aufwühlendere Pointe in einem Bilderbad der Gefühle hat bislang noch niemand so unvergesslich auf die Leinwand gebannt!
Nach Call Me By Your Name gibt es einfach keine Entschuldigungen mehr, kein “Ich konnte es ja nicht wissen”, keine Intoleranz und Wegsehen – danach muss es endlich jeder verstanden haben und ich erbitte, dass die Welt reif genug ist, um damit umgehen zu können: Der Oscar® in Best Picture würde ein Vielfaches dazu beitragen!
Und ja, ich hab selten so intensiv und berührt im Kino gesessen und einfach geweint!
 

.kinoticket-Empfehlung: Mein Lieblingsfilm 2018? Call Me By Your Name.
Timothée Chalamet legt eine Performance an den Start, die dieses Genre ENDLICH mit Normalität, verspielter Jugendlichkeit und absolut liebenswürdiger Unerfahrenheit beseelt, was aus Call Me By Your Name für mich schon jetzt DEN Film des Jahres macht!
Rein! Anschauen und von dem lernen, was euch da vor die Füße gespielt wird – etwas herzergreifenderes wie das hier werdet ihr sowieso nicht so schnell wieder finden!
Vote 4 Best Picture!

 
Nachspann
😭😭😭😭😭😭😭 Wer hält sowas aus?
Kinostart: 1. März 2018
P.S: Man spricht bereits über Fortsetzungen … JAAAAAA BITTE!!!

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