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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Timur Bartels

Club der Roten Bänder – Wie alles begann

© 2019 Universum Film GmbH

Warum tut ihr uns das an?

Der Club der Roten Bänder feierte auf VOX bereits einen Sensationserfolg nach dem anderen und heimste genügend Preise ein, um sich einen Namen im Business der Bewegtbilder zu machen und eine breite Kennerschaft heran zu züchten. Und das Konzept ging auf: Man erzählte die wahre Geschichte von Albert Espinosa, der grundlegende Dinge an die Öffentlichkeit trug und mit seinem Wirken für Vorbildcharakter im Bereich der Krankengeschichten sorgte, die weltweit eine große Fangemeinde erschuf.

Nach insgesamt drei Staffeln und dem “Final”-Aufdruck auf dem Cover der letzten war das Ende dieser Ära besiegelt. Entweder man war dabei und kennt sie nun – oder man kann auf die Archive zugreifen und sich gewissermaßen “nachbilden”. Genau das ist auch der Punkt, an dem viele Fans der Serie nun scheitern werden: Man kennt einfach die Storyline, man weiß über alles Bescheid und bekommt inhaltlich keine Wucht mehr aufs Tablett. An dieser Stelle kommt nicht selten die Frage auf, wieso man etwas irgendwo erfolgreiches nun nochmal zwingend in die Kinos bringen muss, um die Kuh nun vollständig zu melken und nochmal Kapital aus dem vergangenen Erfolg schlagen zu müssen.

Ganz so hart würde ich an dieser Stelle gar nicht mehr ins Gericht gehen, denn: Wer die Serie nicht gesehen hat, bekommt nun einen saftigen Einstieg, der dafür sorgt, dass man das Verpasste möglichst schnell nachholen möchte. Und ich möchte fast sagen, es ist besser, sich erst den Kinofilm anzusehen und dann mit Staffel 1 zu starten, denn die Storyline geht auf und der Film punktet mit etwas, das die Serie nicht bringen durfte: Jürgen Vogel.

Im Ernst? Man hockt im Kino und flennt.

Wer hier schon etwas länger mitliest, kennt meine Allüren mit deutschen Kinomachern – dem Theatersprech-Hass und der absurden Charakterbildung, die das deutsche TV gerne als “normal” abstempelt, was in meinen Augen eigentlich einfach nur krank ist. Und davon gibt’s hier reichlich. Ganze Parts wurden mit solchen Persönlichkeiten besetzt, denen man – nüchtern betrachtet – gerne ins Gesicht schlagen möchte ob ihrer Realitätsfremdheit.

Und dennoch packt der Film jeden Zuschauer bei den Eiern und erreicht diesen Punkt, an dem das alles einfach nur noch egal ist und man von einem Emotionsbombardement zerschlagen wird, das niemandes Augen trocken lässt. Man leidet mit. Man fühlt. Und geht’s nicht genau darum, wenn man in einem Kinosaal sitzt? Um Gefühle?

Und da kommt Jürgen Vogel ins Spiel. Ein großartiger deutscher Schauspieler, der zwar nie sein “Alleinstellungsmerkmal” im Blockbuster-Segment gefeiert hat, jedoch so viele Stücke und Werke vollzogen, dass man ihn längst als feste Größe im Filmbusiness etabliert hat. Und seine Rolle hier: Grandios! Nicht nur im Plot, auch im Schauspiel und der “Begeisterung” – für mich eine seiner Paraderollen, die dem Film das gewisse Etwas geben und eben doch ein Grund sind, sich nochmal ins Kino zu setzen, auch wenn man den Ausgang längst kennt.

Genauso hat man meiner Meinung nach an den Seriencharakteren gefeilt und ihnen etwas mehr “Cineasmus” verpasst, um sie aus der trockenen TV-Ebene ins Kino zu bringen, auch wenn man die Fernsehherkunft kaum leugnen kann und deutlich spürt, aus welchem Boden sie gewachsen sind. Setzt man sich nach dem Kinobesuch hin und kramt die alten Blu-rays wieder raus, stellt man die spürbare Steigerung zum “Beginn” der ersten Staffel fest und merkt, wie “gereift” das ganze nun ist.

.kinoticket-Empfehlung: Serienkenner: Setzt euch ins Kino und schaut euch den Film an – Jürgen Vogel zuliebe.

Der reißt es wirklich raus und liefert genügend Grund, das .kinoticket zu lösen.

Alle anderen: Euch ist der Segen vergönnt, den besten Serienstart ever zu erhalten: Dieser Film ist ein grandioser Auftakt, wenn man die Serie noch nicht kennt und liefert Gründe genug, um anschließend die Läden, VoD-Shops und Streamingportale zu stürmen und sich die Serie endlich anzusehen.

Und vergesst die Tempo-Box nicht auf dem Schoß – ihr werdet sie brauchen!

Nachspann
✅ Sitzen bleiben, hier folgt noch ein bisschen was.

Kinostart: 14. Februar 2019

Original Title: Club der Roten Bänder – Wie alles begann
Length: 113 Min.
Rated: FSK 6

Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken

Til Schweiger ist ein wahnsinnig toller Hecht. So ein toller Hecht, dass er nicht mal mehr Einladungen zulässt, um seine Filme vorab zu sichten und zu bewerten. Hält sich für was besseres und meint wohl, dass dadurch die Presse davon ablässt, seine Kredenzien zu sichten und darüber zu urteilen. Ich bin keine Presse, urteile aber trotzdem.
Und er ist ein grandioser Regisseur, Schauspieler und Ideenlieferant. Beispiel gefällig?
Schaut euch seinen (!) neuen Film an und googelt danach mal nach The Reunion aus dem Jahre 2011 – hat ca. 1,5 Stunden Laufzeit, ist Comedy und kommt ursprünglich aus Dänemark. Dem aufmerksamen Leser dürften jetzt diverse Parallelen zu seinem neuen Film auffallen, der im Jahre 2018 das Licht der Leinwand erblickt. Nein, niemand wirft ihm hier Ideenklau oder stupides Plagiatieren vor, allerdings kam es mir seltsam und merkwürdig vor, als ich in der Ladies Night saß und mit missmutiger Laune diesen Streifen konsumiert habe.
Irgendwie steckte in dem Plot nämlich tatsächlich Witz und ein paar echt nette Ideen, so als würde man leckere Sahne in Plastikbeutel stecken und diese dann in einer Sandbombe vergraben. Es ist da, darf aber nicht raus und wird von jeder Menge ekligem Mist umspült. Man spürt, dass hier kein Original-Schweiger am Start war, auch wenn seine ganze Truppe wieder mit von der Partie ist und hier etwas vorgibt, dass stellenweise sogar echt ernstzunehmend rüberkommt: Die Lunte zündet nicht und wird durch Dummheiten und Blödsinn immer wieder selbst ausgetreten.
Witzig ist die Vorstellung nur deshalb, weil genügend Frauen im Saal ob der Blödheiten tatsächlich gelacht haben und damit Stimmung erzeugten, die von den Peinlichkeiten auf der Leinwand gelinde abgelenkt haben. Meine Prognose war: Dieses Ding toppt die Schlechtigkeit von Hot Dog um Längen und besteht zu 30% aus Peinlichkeiten, 30% aus Altersarmutszeugnis und 30% aus nackten Männerärschen.
Ich wurde … nicht enttäuscht. Oder bitter enttäuscht. Wie man will. An der Werbemasche hat sich rein gar nichts geändert, nur dass man sich jetzt langsam selbst lustig darüber macht und irgendwie zu kaschieren versucht, dass zig Firmen diesen Schmu finanzieren. Es ist bezeichnend, wenn im Abspann am Schluss ein vollständiges Feld aus kleinen Firmenlogos besteht, die allesamt Sponsor waren und die breitflächig im Film auftauchen, als gäbe es kein Morgen und nirgendwo anders Möglichkeiten, um Produktwerbung zu platzieren. Wenn das die Zukunft des Kinos werden soll, dann habe ich eine Bitte:
Verschwinde, Til Schweiger und lass die Leinwände mit deinem Mist einfach in Ruhe!
Es ist okay, wenn man unterschwellige Product Placements begeht und somit hier und da zu Subventionen greift, aber wenn das dann nur noch ne große Werbeshow mit Randstory wird, die dazu noch von 7 Jahre alten Filmen geklaut ist, dann ist mit der Sympathie endgültig Schluss!
Kommen wir zu Lilly, Emma und wie sie alle heißen: Dass diese Ladies nicht schauspielern können, ist kein großes Geheimnis. Dass sie von ihrem Vater immer wieder mit Rollen ausgestattet und vor die Kamera gezerrt werden, echte Vaterliebe. Was es für den Kinogänger aber nicht zwingend einfacher macht: Allein schon die Moral, die aus deren Verhalten aus dem Film gezogen werden könnte, ist hochgradig verwerflich. Was soll uns damit gesagt werden? Dass dieses versnobte Leben mit derartig ignoranter Leichtigkeit toleriert werden muss, um ja die boshaften Kleinen nicht zu gefährden? Oder hat er inzwischen zu viel Geld und pumpt trotzdem die Filmförderungen an, um seinen Schund auf der Leinwand zu probieren?
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man auf fäkalen Schwanz- und Alte-Männerärsche-Humor steht, findet man hieran tatsächlich seinen Gefallen.
Niveau sucht man dennoch vergebens, auch wenn der Film seine ernsten Momente hat, diese werden ständig durch Arsch-Humor zerstückelt und dadurch mit Füßen getreten. Und das ist in keiner Weise witzig, zum Lachen oder unterhaltsam, sondern einfach nur peinlich und jämmerlich. Typisch deutsch, typisch dumm, typisch Schweiger.

 
Nachspann
❌ bringt’s nicht, wenn man sitzen bleibt, hier feiert nur der qualvoll auf jugendlich gemachte Soundtrack nochmal ein paar Takte ab.
Kinostart: 20. September 2018
Original Title: Klassentreffen 1.0
Length: 127 Min.
Rate: FSK 12

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