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Tag: Tochter

Kirschblüten & Dämonen

Kirschblüten und Dämonen

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Zeitreise. 2007 – Kirschblüten – Hanami setzt den Startschuss und erzählt eine Geschichte, die sich mit dem Nutzbarmachen des Lebens auseinander setzt und erzielt weltweit damit Erfolge. Die Szenen sind wohlgeformt, ergreifend und sinnlich, berühren das Herz und erreichen damit nicht nur beim Kinopublikum Aufmerksamkeit und Interesse.

2019 geht die Fortsetzung dessen an den Start: Kirschblüten & Dämonen kümmert sich quasi um die “nächste Generation” und möchte den Strang weiterspinnen, wird dabei aber auch sehr langsam und weniger “spektakulär”: Doris Dörrie nimmt sich erneut ihrer Hauptdarsteller/innen an und erzählt dort weiter, wo man 2007 aufgehört hat.

Als “Quereinsteiger” ohne den ersten Film zu kennen (was durchaus noch bei einigen der Fall sein dürfte) eignet sich diese Fortführung prächtig dazu, um in der Materie einzusteigen und dann mit dem ersten Teil quasi nochmal eins drauf zu setzen. Man kränkelt ein wenig an den Macken des verfluchten zweiten Teils, überspielt diese Mankos aber galant mit der würdigen, tragenden und lebenseingreifenden asiatischen Art, die sich ja bekanntermaßen sehr vornehm und elegant um die Weisheiten des Lebens kümmert und an den Punkten ansetzt, wo beispielsweise die amerikanische Plumpheit endet. Wer hierfür ein Auge hat, der wird auch im zweiten Teil bestens bedient und kommt damit klar, dass jetzt die pure Schönheit eben ein wenig dem “Alltag” der Charaktere gewichen ist. Gewissermaßen logisch, wenngleich auch etwas enttäuschend, aber was will man machen?

Alles in allem dennoch kein Grund, nicht in Kirschblüten & Dämonen zu gehen: Der Film ist durchaus sehenswert und spiegelt einmal nicht den üblichen Mainstream wider, den man sonst auf der Leinwand geboten bekommt.

.kinoticket-Empfehlung: Typischer Second Part, etwas ruhiger und weniger spektakulär, aber trotz allem mit den bekannten japanisch-asiatischen Wurzeln, die zum Ursprung allen Lebens führen und von Asia-Fans so geliebt werden.

Doris Dörrie setzt ihre Geschichte fort und kümmert sich um den “Fortbestand” im wahrsten Sinne des Wortes: Man pflegt die alten Kulturen wieder, lässt Vergangenes aufleben, erreicht damit aber nicht den Höhenflug, den der erste Teil aufs Parkett gelegt hat.

Sehenswert ist Kirschblüten & Dämonen deshalb aber trotzdem.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 7. März 2019

Original Title: Kirschblüten & Dämonen
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12

Und abschließend noch ein paar Eindrücke von der Deutschlandpremiere des Films in München aus der Astor Filmlounge im Arri Kino.

Casino Undercover

An alle, die beim Namen Will Ferrell einen Brechreiz kriegen: Ich fühle mit euch. Ich hasse den Typ und seine stupide Dummheit in seinen ständigen Rollen.
An alle, die bei Amy Poehler denken: Oh mein Gott, was für eine talentlose Frau, die in ihrer Erbärmlichkeit aufgeht und vor aller Welt beweist, was für armselige, lächerliche Schauspielerin sie ist: Ja, ich habe bei fast allen Filmen von ihr so gedacht.
Und ich lege euch wärmstens ans Herz, ab 6. Juli 2017 in Casino Undercover zu gehen.
Hauptdarsteller/in: Will Ferrell und Amy Poehler.
Was geht jetzt?
Ähm – so richtig begreifen kann ich es selbst noch nicht, was da passiert ist. Ich habe nicht mal bei den Minions so viel lachen müssen, wie vorgestern in Casino Undercover, als sich Ferrell und Poehler gegenseitig die Bälle zuspielten und ein Gagfeuerwerk entfesselten, dass seinesgleichen sucht.
In Zusammenarbeit mit Jason Mantzoukas erreichen die zwei hier Höhen, die unglaublich sind! Nicht nur, dass man es wohl endlich einmal geschafft hat, eine Komödie zu kreieren, die meinen Comedy-Hass galant beiseite stößt und mich für das Werk schwärmen lässt, sondern auch das Austarieren zwischen Unmöglichkeit und Überzogenheit hat hier in perfekter Weise geklappt. Man ist verrückt, durchtrieben, überdreht, wahnsinnig und voll auf dem Trip, schafft es aber trotzdem nicht, in irgendwelche Löcher abzurutschen oder es mit billigen Jokes zu versemmeln.
Im Gegenteil: Die meisterhaft geschnittene Schnelligkeit beweist, dass in den Drehbüchern des Films sehr wohl extrem viel Inhalt und wenig Zeit für Streckungen oder ähnliche Zeitschindereien gewesen ist, sondern man sich rühmlich auf das Wesentliche konzentrieren wollte und alles Lahmarschige dafür weggelassen hat.
Gott sei’s gedankt, denn so einen Film hätte man auch gerne gute 2 Stunden ausgehalten. Diese Entscheidung, hier tatsächlich nur mit knapp 90 Minuten zu spielen, zeigt einmal mehr das könnerhafte Verständnis für extravagante Filme der Macher.
Und im Ernst: Ich hasse diesen ganzen Komödienmist, von dem immer alle meinen, er sei “lustig” und der irgendwelche blöden Schulhofjokes feiert, als sei Gott persönlich vom Himmel herabgestiegen. Ich hasse es.
Und ich liebe diesen Film. Nachdem der gestern aus war, waren meine ersten Worte:
“Das ist mit Abstand der beste Film, den Ferrell jemals gedreht hat und das mit Abstand beste, was Poehler jemals aus sich gemacht hat.”
Und ich stehe dazu – ich liebe ihn. Ich ziehe ihn allem anderen “lustigen” vor und verweise jeden darauf, definitiv diese Vorstellung zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Obwohl man eigentlich nicht lachen will, weil es zu “dumm” ist, muss man lachen – und es bleibt auch keine Zeit, sich auszuruhen, sondern man hat eine Szene noch nicht ganz verdaut, während man bereits in den nächsten vieren gefangen ist und auch da wieder zum Lachen gezwungen wird.
Leute im Ernst: Casino Undercover geht damit für mich in die Geschichte ein als allererster Film, den ich als Komödie wirklich für absolut gelungen bezeichne. Und damit meine ich einfach alles. Die Besetzung, die Dramaturgie, die Konversationen, die Einfälle, die realistische Glaubwürdigkeit innerhalb eines Metiers, dass extra für diesen Film geschaffen wurde, den Schnitt, die Musik, die Kostümierung, die Profilzeichnung – einfach alles!
 

.kinoticket-Empfehlung: Zutiefst beeindruckt ziehe ich meinen Hut und gebe zu: Es gibt doch eine Komödie, die ich restlos feiere und vor der ich mich tief verneige: Casino Undercover.
Hier stimmt einfach alles – und die Dichte der Gags, die allesamt (!) gelungen sind und nirgendwo unter die Gürtellinie oder sonst wie abrutschen, ist überirdisch.
Geht da rein und erlebt ein einziges Mal, was es wirklich bedeutet, einen lustigen Film zu sehen – alles andere stinkt dagegen wirklich nur ab.

 
Nachspann
Läuft keiner, nur Text. Rausgehen ist also erlaubt.
Kinostart: 6. Juli 2017

Wilson – Der Weltverbesserer

Zeit für eine Perle des Kinos. Woody Harrelson verbinden die meisten wohl mit Rollen in Action oder Zombie-Filmen, ein harter Kerl, der von Tiefgründigkeit oder Ernsthaftigkeit wenig versteht.
Seine Rolle in Wilson – Der Weltverbesserer ist herausragend. Mit Konzentration auf Gestikulation und Mimik und vor allem auf verbale Auseinandersetzung mit der charakteristischen Zeichnung seines Profils erklimmt er hier fast schon ungeahnte Höhen in punkto Können und Professionalität. Unglaublich, was er da abliefert. Wo sich andere eher hilflos an dem Drehbuch entlang hangeln und versuchen, möglichst glaubhaft zu wirken, geht Harrelson hier auf wie eine Blume im Wind: Seine Kraft sprießt förmlich aus den Dialogen, die er im Film anführt und das eröffnet dem Zuschauer einen heimeligen, liebenswürdigen und unnahbar schönen Film, der nicht nur das Publikum verzaubert, sondern auch einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Dass man die Plakate nicht überall in der Stadt findet und die Kinos die größten Säle mit diesem Werk bestücken, liegt vermutlich daran, dass man hier keine großartige Bühne braucht, um zu präsentieren, welch großartige Inhalte hier verborgen liegen. Dieses Stück gehört auf die Independent-Bühnen und darf gerne die kleineren Kinos bevölkern und den Menschen Zeit und Raum zum Suchen solcher Perlen geben – denn die Anstrengungen, hier ein Kino zu finden, in dem der Streifen läuft, werden für diese Menschen definitiv belohnt.
Wer sich einen näheren Eindruck verschaffen möchte, darf gerne auf den .trailer zurückgreifen in dem Wissen, dass der bereits viel vom Plot und den Entwicklungen verrät und somit den Sehspaß am Film mächtig verdirbt. Wer jedoch nach den ersten 20 Sekunden ausschaltet und den Spaß dann im Kino vervollständigt, der erlebt ein intellektuell wertvolles Ereignis, dass auch nach dem Film noch lange nachhallt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv sehenswerte Perle des Kinos, die von Dialogträchtigkeit und extrem gutem Können der Schauspieler lebt.
Harrelson ist ein Genie in Sachen Wandlungsfähigkeit und beweist einmal mehr, dass man in ihm einen Schauspieler gefunden hat, der sein Geld auf jeden Fall wert ist. Die Unerbittlichkeit seines Charakters gegenüber dem Rest der Welt ist absolut sehenswert.

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen. Rausgehen erlaubt.

(Trailer) Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Vorab nochmal ein paar Worte zur Trailerkategorie:
Mein Blog ist bekannt dafür, bei Rezensionen zu Filmen absolut nicht zu spoilern und so den Lesern keinerlei Inhalte vorab zu verraten, so dass man wirklich völlig unbefangen ins Kino seiner Wahl spazieren und sich auf etwas absolut Außergewöhnliches einlassen kann, ohne von Vorwissen gelangweilt zu werden.
Dies trifft NICHT auf die Trailerkategorie zu, da Trailer tendenziell dazu neigen, Inhalte, Wendepunkte und Schlüsselszenen bereits vorab zu verraten und somit dazu beitragen könnten, dass der Sehspaß gemindert wird, weil man in knapp 2 ½ Minuten eben doch extrem viel Stuff verraten kann.
Aus diesem Grund werden diese Beiträge auch in Zukunft als einziges noch mit “(Trailer)” getagged bleiben, damit auf die Schnelle erkennbar ist, dass sich hier womöglich mehr dahinter verbirgt, als man sich selbst zumuten möchte.
Wahre Filmfans lassen sich eh erst im Kino davon überraschen, was der Film enthält und tun sich das ganze Brimborium drumrum gar nicht erst an.
Somit gilt für alle (Trailer)-Beiträge allgemein immer der rote “Achtung: Könnte Spoiler enthalten”-Zusatz, den ich nicht jedesmal dazu schreibe.
 
Thee Billboards outside Ebbing, Missouri
Es ist wieder Sonntagabend und wie immer kommt hier der neue “Gute-Nacht”-Trailer zum Anschauen und Vorfreuen auf den Kinostart. Diesmal dauert’s etwas länger, denn die Show ist erst für den 28. Januar 2018 angekündigt. Aber wie heißt es so schön im Volksmund? Vorfreude ist die schönste von allen … also lasst sie uns genießen!
Diesmal am Start: Three Billboards outside Ebbing, Missouri (was ein absolut geiler Titel ist, ich hoffe, die ändern den nicht noch nachträglich ab) – der eine schwarze Komödie beinhaltet, die jetzt schon einen verdammt guten Eindruck macht.
Let’s go:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=wnGLM4rs0Kk?rel=0&w=560&h=315]
präsentiert von © Twentieth Century Fox
 
Warum man den Film sehen sollte
Frances McDormand macht als Oscar®-Preisträgerin bereits in den kurzen Momenten eine verdammt gute Figur und lässt auf viel PS unter ihrer Schauspielerhaube schließen. In Verbindung mit einem weiteren Oscar®-Nominierten steht hier ein Duo auf der Bildfläche, das in den Händen von Oscar®-Preisträger Martin McDonagh eine wahre inhaltliche Augenweide abliefern könnte, die eine kontroverse und eingängliche Geschichte erzählt, die so sehr nach Gerechtigkeit schreit, wie es unsere reale Welt derzeit an vielen Orten auch tut.
Und da ich für schwarzen Humor sowieso viel übrig habe und Woody Harrelson mag, freue ich mich jetzt schon auf den Start im Januar nächsten Jahres.
 
Kinostart: 28. Januar 2018

Nichts zu verschenken

Dieser Film ist thematisch eine Offenbarung, wenn er sich mit ganz alltäglichen Situationen auf komische Weise auseinandersetzt und dabei trotzdem zeigt, wie zermürbend so ein Verhalten sein kann.
Ich persönlich kenne viele, die im echten Leben zwar nicht ganz so krass, jedoch ähnlich vorgehen und ich kann diese Verhaltensweise nicht verstehen. Dieser Film zeigt einmal mehr, dass es sich nicht lohnt, die Gepflogenheiten der Gesellschaft unreflektiert zu übernehmen. Was auf den ersten Blick als Gewinn aussieht, entpuppt sich im Nachhinein als zerstörerisches Verhalten ohne jeglichen Bonus.
So eine ernste Botschaft verpackt in so einen wunderbaren französischen Film, bei dem jede Menge Szenen sind, die das Zwerchfell beanspruchen, gehört für mich zu großartiger Regisseurskunst. Überhaupt wurde mit extrem viel Detailliebe gearbeitet. Wenn sogar der Mülleimer optisch zu den Fensterbrettern im Viertel passt, merkt man, dass hier extrem penibel auf Kleinigkeiten geachtet wurde und wenig dem Zufall überlassen.
In sich ist das Konzept stimmig und verbreitet im Kino jede Menge gute Laune, die weder aufdringlich noch überspitzt oder anderweitig verzogen rüber kommt. Man hat viel zu lachen, wird aber nicht verarscht oder intellektuell unterfordert. Auch das Ende überrascht mit einem wendungsreichen Plot und lässt dich als Zuschauer am Schluss vergnügt wieder in die Lande ziehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer unaufgeregtes und dennoch tempolastiges Kino der französischen Art mag, der ist hier gut aufgehoben.

 
Nachspann
Sollte man noch abwarten, hier kommen noch ein paar Szenen.

Der Eid

Ich weiß, in letzter Zeit kracht es hier ein wenig mit Rezensionen und ich habe nicht nur mehrfach meine 2-Tages-Update-Regel gebrochen. Solltet ihr allerdings lesen, welch sehenswerten Stoff man mir vor die Füße gelegt hat, dann dürfte jedem klar sein, weshalb ich damit nicht länger schweigen will, sondern euch darüber informieren, dass ihr nach einem Film Ausschau haltet, der im Original The Oath heißt.
Baltasar Kormákur liefert bei diesem Werk nicht nur hinter der Kamera Erstklassiges ab, sondern stellt mit seiner Person auch gleich noch den Hauptdarsteller für dieses Leinwandstück ab, dass sich geografisch wieder in unbekannterem Terrain bewegt und hier mal nicht die typische Hollywood-Keule schwingt.
Genauer gesagt begeben wir uns nach Island, wo nicht nur der Plot spielt, sondern auch der Film gedreht wurde, trotz dessen man dem Macher nahegelegt hat, seine Drehorte doch anderweitig auszuwählen.
Und genau diese Entscheidung hilft Der Eid, hier extreme Glaubwürdigkeit aufzubauen, da eben nicht künstlich irgendetwas gesponnen wird, dem wir als Zuschauer anschließend Glauben schenken müssen, sondern man mit einem unschlagbaren Stilmittel arbeitet: Echtheit.
Die beklemmende Enge, das “um die Ecke ist bereits der nächste”, der fehlende Freiraum für mögliche Fluchten in die Ungewissheit drängen sich einem nicht nur förmlich auf, sondern lassen den Plot um so spannender wirken, da hier eine nicht harmlose Geschichte erzählt wird, die psychisch stellenweise fordert.
Die grandiose Umsetzung und das natürliche Herangehen an die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte zeugt hier nicht nur davon, dass sich der Macher durchaus mit der Materie beschäftigt hat, sondern eben auch Fakten mit eingespielt wurden, die hier und da tatsächlich so passiert sind.
Dennoch gilt Der Eid als Fiktion und sollte nicht als Tatsachenbericht angesehen werden.
Spannungsmäßig tut das aber absolut nichts zur Sache, denn nach dem Film ist das freudige Kinoherz entzückt von einem Film, wie er besser nicht sein könnte: Gewagt, mutig, extrem, spannungsgeladen, unterhaltsam, heimisch, emotional, tragisch und mit ganz ganz viel Seele.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also wieder mal so richtig gutes Kino erleben möchte, kommt um Der Eid nicht drumrum.
Losgelöst von jedwedem Massenanspruch bedient man sich hier wieder einer Nische und vögelt dabei den Zuschauern so richtig das Hirn an die Wand, denn Mitfühlen wird hier fast schon bestraft.
Extrem spannend, extrem sehenswert und in meinen Augen richtig gutes Kino.
Daumen hoch!

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Abblende verpasst man nichts mehr.

Underworld: Blood Wars (3D)

Schwelgen wir doch mal ein wenig in alten Zeiten. Damals. Als Vampire und Werwölfe sich noch zeitgemäß stritten und viel Blut floss. Als Glitzer noch nicht das Hauptaugenmerk eines Eposhelden ausmachte und es tatsächlich cool war, wenn sich die flinken Viecher blitzschnell immer tiefer ins dunkle Erdreich verkrochen, um ihre Anmut und Unentdecktheit klammheimlich auf den heimischen Fernsehern zu feiern.
Keiner in der Schule wusste um die geilen Vampirstreifen, denn irgendwie kam keiner ran. Alle sprachen nur von ihren Ballerspielen und man selbst entfleuchte in eine Welt, die der realen um einen herum so fremd wie nur irgend möglich war.
Als Kind erfasst man die Dynamik eines Films noch viel mehr und weiß um die Merkwürdigkeit, wenn sich alles in einem hölzernen Gebälk irgendwo tief im Wald abspielte und so ganz und gar auf die Nische anspielte. Irgendwo fehlte der Epos. Es fehlte eine vorzeigbare Persönlichkeit, mit der man als Vampir-Fan in der Öffentlichkeit angeben konnte. Etwas, das brutal genug, durchgestylt genug, brachial genug war, um damit vor seinen Schulfreunden angeben zu können. “Ich hab es als erster entdeckt, diese Welt gehört mir und ihr alle seid erst viel später dazu gestoßen.”
Und mitten rein in diesen Wunsch platzte Underworld. Auf einmal war alles da. Der perfekte Style. Düsterness, die sogar den Alten die Schuhe auszog. Die perfekte Storyline, der vollkommene Kampf, ein Highlight jagt das nächste. Neue Ideen, eine Heldin zum Niederknien mit einer Mission, der sich so ziemlich jeder Jugendliche freiwillig anschließen würde und das erbitterte Böse auf der Gegenseite, dem man mit Vorliebe den Garaus macht. Ich war der absolute Fan!
Und bin es bis heute.
Von Teil 1.
Seit dem zweiten tauchte man nämlich ebenfalls wieder in diese hölzerne Gebälkwelt ab, die sich so sehr am Mittelalter und dem dahinsiechenden Leben von Bedeutungslosigkeit bemisst, mit der man in punkto Durchgestyltheit nichts mehr erreichen kann. Wie auch? Die Story war bekannt, die Fähigkeiten offenbart, der Plot ausgekostet. Also suchte man sich – wie bei Resident Evil übrigens auch – einfach einen derart überzogenen neuen Bösewicht, den man dann völlig überspitzt und overleaked dem Alten gegenüberstellte und durch die “Erweiterung” den Film selbst vorantreiben wollte.
Die Einspielzahlen haben’s mitgemacht, der Fan wurde vernichtend geschlagen. Die Story wurde lächerlich, man begann sich zusehends mit fortschreitenden Wiederholungen der alten Geschichte mehr und mehr dafür zu schämen, früher mal Botschafter dieser Ideen gewesen zu sein und nahm immer mehr Abstand.
Mit Teil 4 (bei Resident Evil übrigens auch O_O) wagte man dann den Schritt hin zum 3D, was bei solchen Massenblockbusterwunschvorstellungsfilmen ja oft das Vernichtungsurteil schlechthin ist. Nun flogen die Wurfsterne also nicht mehr nur verbal angereichert mit dem unbändigen Hass, dem man als Jugendlicher eh schon kaum Ausdruck verleihen konnte, ohne gleich Amok zu laufen, sondern die Teile schlitterten auch noch ins Wohnzimmer rein und machten ihrem nicht endenden Unmut Luft.
Nur, dass selbige schon längst raus war. Und da “brachial böse” eines der stärksten Argumente des Ursprungsfilms war, musste in den Fortsetzungen natürlich penibelst darauf geachtet werden, dass die Darsteller auch möglichst immer böse Miene zum Spiel machen und laut schreien.
Genau dieser Fakt beerdigt nun mit Underworld: Blood Wars das Erbe dieser einst so fortschrittlichen Idee, aus dieser Welt noch viel mehr rauszuholen. Irgendwo wirkt alles so derart aufgesetzt, gekünstelt und lieblos, dass man schreiend aus dem Saal rennen möchte.
Was ist das Problem?
Ich denke, es liegt teils an den austauschbaren Schauspielern, mit denen man die einzelnen Charaktere besetzt. Mangels Alternativen? Oder weil in Hollywood einfach fast alles austauschbar geworden ist?
Die wuchtigen Hunde, die knallenden Schreie der Pistolen, die einzigartige Selene aus dem ersten Teil gemeinsam mit dieser hervorragend inszenierten Welt ist zwar scheinbar bis zum Schluss geblieben, aber spätestens nach den ersten misslungenen Verwandlungsversuchen der Lykaner und den derart an den Haaren herbeigezogenen, unglaubwürdigen Ehrgefühlsbekundungen eines Vampirclans zweifelt man auch als Zuschauer daran, dass das alles hier ernst gemeint sein könnte.
Und in diese Blöße tauchen jetzt noch Leute, die irgendwo beliebig austauschbar sind und somit keine eigene Stilblüte mehr mitbringen, sondern eben einfach nur noch als Füllmuster fungieren, um dem Film “Bewegung” einzuhauchen und ihn damit künstlich zum Leben zu erwecken.
Und dieser Schuss ging gewaltig vor den Bug. Die mächtige Gegenseite hat in Blood Wars absolut keinen Charme mehr, was man von Corvinus im ersten Teil nicht behaupten konnte. Das Gezeter nervt eher, als dass es unterhaltsam wirkt und nicht nur ich bin der Meinung, dass man zum Schluss froh war, endlich den Saal wieder verlassen zu dürfen.
Noch nicht mal beim Soundtrack hat man sich die Mühe gemacht, ein Theme zu finden, dass wieder ehrwürdig die Boxen zum Beben bringt und zumindest für die Ohren Grund zum Schauern liefert, sondern hier spielt man – ich möchte fast sagen – schon mit synthetischem Gedudel auf, das selbst mir beim Nachspann (wo man sich außer der Musik auf nichts anderes weiter konzentrieren kann) eher die Nerven platzen ließ als auch nur fünkchenweise Spaß zu machen.
Was ist aus euch geworden?
Allein eine streitlüsterne Selene in den Raum zu stellen und ihr zahlreiche Oberflächlichkeiten angedeihen zu lassen reicht nicht, um ein Werk so voranzutreiben, dass es die Kritiker lieben. Und den Zuschauern geht es ähnlich.
Der einzige Unterschied: Resident Evil kündigt sich schon im Trailer an, mit dem kommenden Teil Schluss zu machen, während Underworld hier gänzlich andere Töne anschlägt.
Ganz ehrlich?
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab Angst.
Angst, dass das so weiter geht und der Abwärtstrend, den man bereits im zweiten Teil deutlich zu spüren bekam, im sechsten dann seinen Höhepunkt erfährt und man diese Art Film gar nicht mehr anzusehen braucht.
Irgendwie sind alle Regler dieses Films so derart verzerrt, dass nichts davon mehr in irgendeiner Harmonie schwingt. Die Effekte sind zu brachial, die Persönlichkeiten ohne jegliches Profil. Der Plot abgehackt und lieblos und die Musik zum Schreien.
Alles andere ist besser als diese bitterste Enttäuschung des ganzen Jahres. Und das schreibt ein ehemaliger Fan!

 
Nachspann
wie schon erwähnt folgt hier nichts weiter außer grausige Musik. Also Abflug, sofern ihr euch doch in diese Vorstellung verirrt habt. Der Trailer funktioniert ja, denn die Massen scheinen rein zu rennen, aber gefallen hat es (in meinem Kinosaal) keinem so wirklich.

Ricky – Wie Familie so ist

Insgeheim hoffte ich ja auf den neuen Film mit Meryl Streep in der Hauptrolle. Mein Wunsch wurde erfüllt. Streep spielt hier eine Mutter, die auf jung gebügelt versucht, ihr Leben irgendwie in den Griff zu kriegen und dabei mit ihrer zerrütteten Vergangenheit konfrontiert wird.
Das junge Ding nimmt man ihr den ganzen Film über nicht ab und selbst im Film kritisiert man ihre Lebens- und Darstellungsweise zeitweilig.
Über die Story selbst ist wenig zu sagen, die hätte man sich getrost auch schenken können. Was den Film aber absolut sehenswert macht, sind die immer wiederkehrenden Songauftritte, die wirklich ungeschlagen direkt den Nerv für musikalisches Wohlempfinden treffen.
Allein die Auftritte der Band – nein, nur die Gitarrensoli – reichen aus, um den Film als sehenswert zu betiteln. Hätte man hieraus einfach einen einzigen, riesigen Konzertauftritt gemacht und die Szenen dazwischen auch noch weggelassen, wäre daraus etwas ganz großes geworden.
Zugegeben, so manche Szene war wirklich ganz witzig, allerdings ist der Kontrast zwischen Musik und Darstellung zu groß und wirkt teilweise zu abgehackt. Man pendelt ungewollt immer zwischen teils unglaubwürdiger Darstellung und grandiosem musikalischen Können hin und her und weiß nicht so recht, auf welchen von beiden Stühlen man seine Beine nun stellen soll.
Das ist dann allerdings auch schon das einzige, was man an diesem Film kritisieren könnte. Wer für Rockmusik etwas übrig hat (und damit meine ich nicht den ausgelutschten, verblassten Kitsch, der den ganzen Tag auf jedem Radiosender läuft), der sollte sich schleunigst auf den Weg machen und dieses Musikhighlight auf der großen Leinwand genießen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Musikalisch der absolute Volltreffer. Das hätte ich Streep niemals zugetraut.
Die Szenen zwischen Schauspiel und Musikauftritt wechseln abrupt und finden nicht so recht zusammen, der teils schräge Humor und die unvergessenen Songs und Gitarrensoli machen diesen Film aber zu etwas besonders sehenswertem.

 
Nachspann
Darf man sich geben, hier gibt es nochmals einen großen Auftritt auf einer großen Feier.

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