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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Trennung

Kirschblüten & Dämonen

Kirschblüten und Dämonen

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Zeitreise. 2007 – Kirschblüten – Hanami setzt den Startschuss und erzählt eine Geschichte, die sich mit dem Nutzbarmachen des Lebens auseinander setzt und erzielt weltweit damit Erfolge. Die Szenen sind wohlgeformt, ergreifend und sinnlich, berühren das Herz und erreichen damit nicht nur beim Kinopublikum Aufmerksamkeit und Interesse.

2019 geht die Fortsetzung dessen an den Start: Kirschblüten & Dämonen kümmert sich quasi um die “nächste Generation” und möchte den Strang weiterspinnen, wird dabei aber auch sehr langsam und weniger “spektakulär”: Doris Dörrie nimmt sich erneut ihrer Hauptdarsteller/innen an und erzählt dort weiter, wo man 2007 aufgehört hat.

Als “Quereinsteiger” ohne den ersten Film zu kennen (was durchaus noch bei einigen der Fall sein dürfte) eignet sich diese Fortführung prächtig dazu, um in der Materie einzusteigen und dann mit dem ersten Teil quasi nochmal eins drauf zu setzen. Man kränkelt ein wenig an den Macken des verfluchten zweiten Teils, überspielt diese Mankos aber galant mit der würdigen, tragenden und lebenseingreifenden asiatischen Art, die sich ja bekanntermaßen sehr vornehm und elegant um die Weisheiten des Lebens kümmert und an den Punkten ansetzt, wo beispielsweise die amerikanische Plumpheit endet. Wer hierfür ein Auge hat, der wird auch im zweiten Teil bestens bedient und kommt damit klar, dass jetzt die pure Schönheit eben ein wenig dem “Alltag” der Charaktere gewichen ist. Gewissermaßen logisch, wenngleich auch etwas enttäuschend, aber was will man machen?

Alles in allem dennoch kein Grund, nicht in Kirschblüten & Dämonen zu gehen: Der Film ist durchaus sehenswert und spiegelt einmal nicht den üblichen Mainstream wider, den man sonst auf der Leinwand geboten bekommt.

.kinoticket-Empfehlung: Typischer Second Part, etwas ruhiger und weniger spektakulär, aber trotz allem mit den bekannten japanisch-asiatischen Wurzeln, die zum Ursprung allen Lebens führen und von Asia-Fans so geliebt werden.

Doris Dörrie setzt ihre Geschichte fort und kümmert sich um den “Fortbestand” im wahrsten Sinne des Wortes: Man pflegt die alten Kulturen wieder, lässt Vergangenes aufleben, erreicht damit aber nicht den Höhenflug, den der erste Teil aufs Parkett gelegt hat.

Sehenswert ist Kirschblüten & Dämonen deshalb aber trotzdem.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 7. März 2019

Original Title: Kirschblüten & Dämonen
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12

Und abschließend noch ein paar Eindrücke von der Deutschlandpremiere des Films in München aus der Astor Filmlounge im Arri Kino.

Mid90s

© 2019 MFA+ FilmDistribution

Jonah Hill ist mir zum ersten Mal in Superbad aufgefallen, einer ziemlich schrägen Komödie über das Erwachsenwerden. Ich hätte mir zwar nie träumen lassen, dass dieser Junge mal Regie führen würde, aber es ist nicht weit hergeholt, dass gerade ein Typ wie er derartige Themen angeht und hier mit seinem Regiedebüt gleich einen absoluten Volltreffer landet.

Mid90s beschäftigt sich mit dem, was benannt wird und zieht dabei seine Kreise über einem Lebens-Genre, mit dem man entweder dermaßen zu tun hat, dass es quasi nichts anderes mehr gibt – oder meilenweit davon entfernt lebt und diese Szene als totgeglaubt abhakt. Beides ist nicht der Fall, sondern nur ein Extrem – und die Wahrheit liegt bekanntlich immer in der Mitte.

Umso erfreulicher, dass es nun einen Szeneneinblick gibt, der ein Milieu unter die Lupe nimmt, mit dem die meisten wohl nichts anfangen können. Das mag sich anfangs noch befremdlich anfühlen, läuft dann aber in ein heroisches Biopic einer ganzen Generation über und liefert so viel Tiefgang und Emotion. Genau das traut man dem Streifen anfangs überhaupt nicht zu, wenn man sich als „Outsider“ noch zurechtfinden muss und irgendwie nicht so richtig weiß, was das alles nun soll.

Salopp gesagt wird hier eine ganze Generation erklärt, die sich in der Welthistorie nie ganz nach oben gekämpft hat und heute mehr oder weniger immer noch das „Nischendasein“ feiert, wenngleich es unzählige Anhänger gibt, die man aber in der Stadt oder auf dem Land kaum sieht. Dass darin tausende Jugendlich immer noch „festhängen“ mag manchem nicht ganz klar sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch diese Generation ihr A Clockwork Orange bzw. ihr Shank braucht, um sich selbst zu erklären und zu definieren: Wir sind da – und wir gehen auch nicht so schnell weg.

Ein interessanter Aspekt ist an dieser Stelle das Alter, dass – so kann ich mir in der verrückten, politisch-angefressenen Welt sehr gut vorstellen – auch hier für viel Ärger und Häme sorgen könnte, da doch einige Dinge gezeigt werden, die zumindest fragwürdig sind und näherer Erklärungen bedürfen. Genau diese „Schocker“ sind es, die dem Werk eine gewisse Brisanz verleihen und aus ihm etwas Authentisches werden lassen, dass auch von Außenstehenden nicht mehr wegzudiskutieren ist.

Aber das möchte der Film auch nicht: Er hat es nicht nötig, mit anderen in Wettstreit zu treten und dem territorialen Kräftemessen beizuwohnen, sondern fügt sich in seelische Abgründe, die einen zum Schluss richtig packen und fast schon trunken wieder aus dem Saal entlassen. Der Paukenschlag sitzt tief und man ist zum Schluss ergriffen und erstaunt über den Tiefgang und die Würde, die man dabei behalten hat.

Nicht zuletzt begeistert aber der kleine Hauptdarsteller, der hier eine wirklich hammerharte Performance abliefert und damit viele andere vom Thron der Neuentdeckungen entlässt, um selbst den Platz einzunehmen und ihn – so hoffe ich – in Zukunft würdig auszufüllen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine epische Milieubeschau, die weder Tiefen, noch Provokation und Ängste scheut und auch in der Cast-Auswahl mutige Schritte geht: Debütfilme sind oftmals die Dinger, die ich richtig liebe und schätze (mit einigen Ausnahmen), und auch Mid90s reiht sich hier ein.

Es ist das Clockwork Orange der frühen 90er, dass hier sensitive Einblicke gewährt und den Zuschauer – ob Kenner oder nicht – in diese Gesellschaft einführt und tief darin verwurzelt. Absolut sehenswert!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 7. März 2019

Original Title: Mid90s
Length: 85 Min.
Rated: FSK 12

The Hate U Give (inkl. Gewinnspiel)

The Hate U Give

© 2019 Twentieth Century Fox

Unter dem Beitrag gibts wieder ein fettes Gewinnspiel – diesmal bereitgestellt von Twentieth Century Fox (Freikarten und Plakate) sowie dem cbj-Verlag aus der Verlagsgruppe Random House GmbH | Bertelsmann (Angie Thomas‘ Bestseller The Hate U Give als Buch).

Und bevor ihr‘s meint: Nein, das beeinflusst nicht meine Meinung zum Film, denn der war schlichtweg einfach Bombe! Zum ersten Mal saß ich im Kino und dachte mir: Jaaaaa, JAAAAAAA, JAAAAAAAAAAAAA – Schrei es heraus und mach noch lauter!!!! Brüll damit Tausenden und Abertausenden aus der Seele und zeig endlich, was in so vielen Herzen verborgen ist!

What?

Genau! The Hate U Give zählt zu den ersten Medien, die ich mir in beiden Kostversionen zu Gemüte geführt habe – Film und Buch – und beides hat mich gleichermaßen begeistert. Der Titel verrät auf dem Plakat bereits schon subtil, was dahinter verborgen zu sein scheint und auch, wenn man dafür in gewissen Kreisen firm sein muss oder zumindest schon mal etwas davon gehört haben sollte, um es zu erkennen, möchte ich an dieser Stelle nicht mehr darüber verraten: Geht einfach rein und genießt die „Show“.

Denn der Film schafft es, eine unglaubliche Story zu erzählen, die symbolisch für so viele Menschen Alltag und Wahrheit bedeutet, die sich nun zum ersten Mal auf der Leinwand (und eben im Buch) repräsentiert sehen und eine Form von Diskussion angeregt haben, die das Werk über Nacht bereits in die Toplisten schießen ließ und weltweit für Furore sorgte.

Dieses Problem beobachtet man auch hier (ich persönlich fast jeden Tag) immer wieder, weshalb der Film auch für mich persönlich eine nicht geringe Relevanz hat und umso wichtiger erscheint: Man sollte sich wirklich damit auseinandersetzen und die Thematik kennen, denn niemand hat es bisher geschafft, die Dinge so verständlich und nachvollziehbar beim Namen zu nennen und damit einer großen Leser- und hoffentlich auch Zuschauergefolgschaft näher zu bringen, wie Angie Thomas in ihrem Buch respektive George Tillman Jr. in der Verfilmung desselben.

In diesem Fall hat man vieles absolut richtig gemacht. Die Art der Einführung, Erzählweise, der Cast, allen voran Amandla Stenberg, die Form der „Beschuldigung“ und die Auflösung mit dem Schrei einer ganzen Generation nach Gerechtigkeit und Recht, der bis heute immer noch in vielen Teilen der Welt ungehört ist und eine der Gründe und Ursachen für Hass & Gewalt darstellt, die in meinen Augen vermieden werden könnte.

Diese Spitzendarbietungen sollte man sich auf keinen Fall im Kino entgehen lassen und es ist egal, welche Beschaffenheit die Säle aufweisen: Hier zählt einzig der Inhalt – und der greift auf jeder Leinwand!

Also tut euch selbst den Gefallen und besorgt euch .kinotickets – zum Beispiel in unserem…

G E W I N N S P I E L

Ja, es ist wieder soweit und wir schließen den Kreis der Dreifaltigkeit und gehen mit dem nächsten Gewinnspiel an den Start: Diesmal hat Twentieth Century Fox für euch coole Plakate und jede Menge Freikarten locker gemacht und außerdem wurde vom cbj-Verlag mehrfach das Buch zum Film zur Verfügung gestellt.

Um euch für diese Gewinne zu qualifizieren, beantwortet einfach die folgende Frage bis einschließlich Dienstag, 5. März 2019 in den Kommentaren:

Was wäre eurer Meinung nach notwendig, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen?

Unter allen eingegangenen Kommentaren werden die Gewinne verlost und die Gewinner/innen per E-Mail benachrichtigt. Gebt also bitte beim Kommentieren eine gültige E-Mail an, unter der ihr erreichbar seid und schaut auch ein wenig in den Spam-Ordner, falls die Benachrichtigungen versehentlich dort landen sollten.

Nun wünsche ich euch aber viel Spaß im Kino und lasst mich wissen, wie ihr den Film fandet!

.kinoticket-Empfehlung: Wahnsinn, mit welcher Intensität man hier den Schrei nach Gerechtigkeit auf die Leinwand bringt und eine ungehörte Generation endlich anhört: Die immer noch gültige Botschaft des Films zeichnet deutlich ab, dass vieles aus der Vergangenheit auch heute noch lange nicht ad Acta gelegt werden darf, sondern dringlichst behandelt werden sollte.

Der Film beeindruckt auf vielfältige Weise, benötigt dazu aber keine Technik, sondern verblüfft rein mit Inhalten und deren Darstellung. Die Wahl des Kinos ist egal, wichtig ist nur, dass ihr den Film definitiv gesehen habt – und evtl. sogar danach ein wenig drüber plaudert.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 28. Februar 2018

Original Title: The Hate U Give
Length: 133 Min.
Rate: FSK 12

Ana, Mon Amour

Mit Ana, Mon Amour erhalten wir eine deutsch-rumänisch-französische Produktion im Original mit deutschen Untertiteln. Für die meisten ist dies bereits ein Grund, das Kino zu meiden. In meinen Augen völlig zu Unrecht.
Diese Produktion hat bereits den Silbernen Bär für herausragende künstlerische Leistung (Schnitt) bekommen. Selbstverständlich mutet der Plot mit den Darstellern in ihrer Komplexität teilweise etwas schwierig an, was den Unterhaltungsfaktor aber nicht mindert.
Die philosophischen Ansätze, die in diesem Werk diskutiert werden, münden immer mehr in der Fokussierung auf die reellen Probleme des tatsächlichen Menschen, der diese Überlegungen anstellt und somit in Geiste versucht, ein besserer Mensch zu sein.
Dabei entpuppt sich der Film als eine Art Studie des Menschen. Es ist interessant, in die Abgründe der Seele hinabzusteigen und zu erkennen, das im Endeffekt immer der Mensch das schwächste Glied in der Kette ist.
Dies gepaart mit einer Liebesgeschichte der absolut besonderen Art macht aus dem Stück ein völlig neues Kinoerlebnis, dass man so schnell nicht vergisst.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer den Lichtspielhäusern unserer Zeit bislang vorgeworfen hat, nur Oberflächliches zutage zu tragen, findet hier jetzt keinen Grund mehr, sich nicht selbst aus der Haustür zu bewegen.
Die Nische, in der dieser Film vergraben ist, ist so weit weg vom Mainstream wie nur irgend möglich.
Der Film fordert geistig, enthält aber auch genügend Spannungsmaterial, um den Zuschauer hier gebührend zu unterhalten.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf also genüsslich nach draußen spazieren.
Kinostart: 24. August 2017

Bad Moms

Man darf von den Hangover-Machern denken was man will. Begrabt es!
Man darf von solcher Art Filme halten, was man will: Begrabt es!
Man darf Vorurteile haben, sie ausleben, aussprechen … ratet mal: Begrabt sie!
Man darf von dem Trailer halten, was man will: …. ihr wisst schon => Begrabt es!
Bad Moms macht nämlich so richtig richtig richtig viel Laune und verbreitet eine Stimmung, gegen die der Trailer richtig mies wirkt!
Wo man anfangs noch das Gefühl hat, es wird wieder nur zu so einer erbärmlichen Show, die nahe am Fremdschämen vorbeischlittert und vielleicht grad so den Bogen kriegt – diesmal halt wieder nach derzeit üblicher Manier auf Frauenseite – der täuscht sich gewaltig.
Der Humor in diesem Streifen ist derart gut austariert, dass er zwar immer den Bogen sehr weit spannt und sich streckenweise auch gewaltig aus dem Klischeefenster hängt, jedoch niemals den Absturz in die Tiefe exerziert, sondern jedesmal einen Volltreffer landet, der in tausenden Lachern beim Publikum mündet.
Ganz ehrlich? Mich hat es total erstaunt! Ich hatte nämlich echte Bedenken, obwohl ich beim ersten Mal beim Trailer schon dachte: Wow, das könnte was werden – während meine Stimmung beim 50. Mal Trailer ziemlich tief im Keller war.
Und der ist weit weit von dem entfernt, was der Film letztendlich bietet: Nicht nur die Spaßmomente sind einzigartig und erfreuen das Publikum in mannigfaltiger Art und Weise, sondern auch die Lehren zwischen den Zeilen sprechen mir zu 100% aus der Seele.
Mal ganz im Ernst: Wir alle fühlen mit Mila Kunis, wenn sie ihre Ansprachen hält und die Wahrheit auf den Tisch packt und können nachempfinden, was sie meint. Und diese für einige bittere Realität ist derart unterhaltsam und witzig verpackt worden, dass man jedem nur empfehlen kann, sich auf die Socken zu machen und diesen Titel auch tatsächlich zu schauen, sobald er in die Kinos kommt: Ein absolutes Muss, denn dieser Film gehört endlich mal zu der Kategorie “Comedy”, der ich wirklich etwas abgewinnen kann.
Und zwar nicht nur vom Humor, sondern vor allem auch von den schauspielerischen Leistungen der Damen. Kunis feierte in älterer Vergangenheit ja nicht gerade ruhmreiche Dialoge in Filmen wie Jupiter Ascending und hatte bislang auch schauspielerisch bei mir nicht die besten Karten. Aber was diese Frau hier vom Stapel lässt und welche Mimik und Eigenaura sie dabei auf den Tisch wirft, haut mich fast schon vom Hocker.
Generell hat der Cast eine derart hervorragende Leistung erbracht, die allein schon Grund genug für den Film liefert, im Gesamtpaket mit dem Plot, den verbalen Spitzen und den vergnügt-seeligen Reißern in die Klischee-Schiene macht das Werk dann aber nicht nur richtig Spaß, sondern haut einem förmlich den Wecker weg.
Mich würde es wundern, wenn in der Auswertung nächste Woche tatsächlich Stimmen dabei sind, die den Film als negativ bewertet haben, denn der ist alles andere als das!
 

.kinoticket-Empfehlung: Klarer Fall: Reingehen! Und zwar sofort!
Ohne Diskussion und ohne Kompromisse. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Der hier bricht sogar den Erfolg von Hangover, denn er ist besser als der.
Wer den verpasst hat, kann nicht nur nicht mitreden, sondern hat auch 100 Minuten geilste Kinogeschichte nicht miterlebt – tut euch das selbst nicht an, sondern geht verdammtnochmal rein! Danke 🙂

 
Nachspann
Selten erlebt: Jeder blieb sitzen – bis zum Schluss. Der ist nicht nur reichlich gefüllt, sondern macht das gesamte Werk nochmal um Klassen sympathischer! Also auf jeden Fall bis zum Ende sitzen bleiben!

Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft

Nach ich glaube 100 Jahren verfliegt ja die Rechtebesessenheit von Werken, die dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Böse Zungen könnten behaupten, dass Hollywood sich nun aufrafft und kontinuierlich die Geschichte von vor 100 Jahren konsequent verfilmt und dabei kein Detail auslässt.
Mit Genius, wie der Titel im Original treffenderweise heißt, kommt erneut ein Stück Zeitgeschichte auf die Leinwand, dass sich diesmal einem Thema widmet, das nicht sehr viel Krach erzeugt und somit in meinen Augen sehr schwer verfilmbar ist, um die actiongesättigte Gesellschaft tatsächlich zu erfreuen.
Der Film war anfangs sehr anstrengend und erzeugte auch sehr viel Unruhe im Saal. Man hat seine lieben Schwierigkeiten, in die Art der beiden Hauptdarsteller reinzukommen und mit ihnen warm zu werden, obwohl beide schauspielerische Höchstleistungen bieten.
Salopp gesagt muss man die ersten 20 Minuten des Films überleben, bevor der dann richtig anzieht und verdammt gut wird. Künstler und Menschen, die sich nicht von der Allgemeinheit nähren, sondern ihre eigenen Wege gehen, finden sich ein Stück weit selbst in dem Geschehen wieder.
Die Schwierigkeit besteht tatsächlich darin, dass es hier um ein Medium geht, dem normalerweise sehr viel Zeit gewidmet ist und wir in einer Gesellschaft leben, wo man genau dies so absolut nicht mehr hat. Dann ein Publikum zu fangen, was mit Vollkaracho in den Saal stürmt, es abzubremsen und zur Ruhe kommen zu lassen, damit es sich dem Wesen dieses Mediums näher widmen kann und sich auch tatsächlich auf die Geschichte einlässt, ist schwierig und sorgt eben in der ersten halben Stunde auch für regen Unmut in den Gesichtern unserer rasenden Gesellschaft.
Den Bogen kriegt man aber raus und holt den Zuschauer dann auch mit neuen Thematiken ab, die hier etwas ganz besonderes erzählen und zudem auch Einblicke in eine Welt geben, die man als Normalsterblicher auf diese Art sicher weniger kennen dürfte – und allein das ist bereits spannend.
Lobenswert zu erwähnen ist hier auch die Musik, mit der man im Film spielt und sie als eigene Persönlichkeit innerhalb des Geschehens etabliert. Die Aufnahmen sind nicht nur herausragend, sondern fördern eine neue Art von Wesenszug, bei dem man sehr viel mehr Kunstverständnis entwickelt, als so manch einer erwarten würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Menschen mit Stil, einem gewissen Anspruch, aber auch Leute, die sich einfach mal für ein paar Stunden aus ihrer Welt entführen lassen wollen, finden hier einen Ort der Ruhe und Geborgenheit, der eine ganz besondere Geschichte birgt, die neben viel Stress auch ein neues Verständnis für Dinge hervorruft, die an Normalsterblichen ungesehen vorüberziehen.
Der Film portraitiert in faszinierenden Bildern eine Form von Leben, das nicht alltäglich ist und bietet den Schauspielern eine hervorragende Möglichkeit, mit Worten, Gestiken und Mimik zu arbeiten – und dass das den beiden nicht nur sichtlich Spaß bereitet, sondern auch tatsächlich gelungen ist, beweist Genius demnächst auf den Leinwänden eurer Kinos. Reingehen!

 
Nachspann
beherbergt keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen.

Mit besten Absichten

Schaut man sich dieses nervenzerreißende, triste Bild am Anfang des Films an, erwartet man unbewusst absolut nichts gutes. Wenn der Publisher dann auch noch Sony Pictures Classics heißt, zieht sich bei so manchem wahrscheinlich auch noch der Magen zusammen und es zuckt in den Gebeinen, um möglichst schnell aus dem Saal zu verschwinden.
Und genau dies sollte man tunlichst vermeiden, denn mit Mit besten Absichten hat Regisseurin Lorene Scafaria eine Arbeit abgeliefert, die sich nicht nur meisterlich aus den wirtschaftlichen Überbossen von Massenfilmen herauskristallisiert, sondern zudem nicht nur wahnsinnig herzergreifend, melodramatisch und emotional rüberkommt, sondern auch eine Geschichte erzählt, die mit fortlaufender Spielzeit immer berührender wird und schließlich in einem fulminanten Ende gipfelt, das aus einem spannenden Kinoabend etwas Unvergessliches werden lässt.
Herausragend ist nicht nur der Plot, der in Zeiten von überdimensionalem Wahnsinn sowieso schon etwas ganz besonderes darstellt, sondern auch die schauspielerischen Leistungen von Susan Sarandon, die in ihrer Klasse als unverwechselbar gilt und dem Film durch ihre eigene Persönlichkeit eine Note verleiht, die kein Computer mit noch so großer Rechenkraft ersetzen könnte.
Das Problem, dass in den großen Blockbustern die Schauspieler alle austauschbar sind und der eigentliche Star die Technik ist, die den Größenwahnsinn proklamiert und mal mehr schlecht als recht und dann wieder besser zu überzeugen weiß, birgt das Problem, dass Filme zur Massenware degradieren und man als Zuschauer keine echten Schauspieler mehr serviert bekommt, sondern allenfalls “Lückenfüller”, um die menschliche Komponente im Film auch noch zu beleben.
Früher war das anders – und das unterstreicht das “Classics” am Ende des Publisher-Namens dann auf höchst erfreuliche Weise, denn hier wird etwas abgestellt, das vor Seele und wahrem Leben nur so trieft.
Dass sich die Inhalte der Geschichte zudem auch noch tief in die eigene Seele vorbohren und dort einen vergnüglich-schmerzlichen Eindruck hinterlassen, ist die Kirsche auf der Sahnetorte, die man den Teilhabenden dieses Ensembles gerne gönnt.
Wer sich also ab morgen auf die neue Kinowoche vorbereitet, der sollte sich diesen Titel ganz genau ansehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich oldschool, aber nicht altbacken, sondern mit einer erfrischenden Prise Humor, Vergnüglichkeit, Seelenschmerz und auf der Suche nach der eigenen Identität in einer Welt, in der auf einmal alles anders ist als es bisher war.
Hier versteht jemand sein Handwerk und schenkt seinen Zuschauern ein Werk, dass vor einfühlsamem Verständnis nur so ins Herz übergeht. Ein Film, den man sich besser mehrmals anschaut als ihn auch nur ein einziges Mal zu verpassen.
Reingehen!

 
Nachspann
driftet langsam ins Off … also nicht ganz so schnell aufstehen, sondern gemütlich aus dem Saal raus. Dann passt das.
 
P.S: Noch nie wurde Product Placement so elegant und komödiantisch als Stilmittel eingesetzt wie hier – von daher sind die teils übertriebenen Einlagen ebenfalls zum Schmunzeln 😉

Seitenwechsel

Das Thema ist lange nicht neu und einer der Klassiker, wenn es um Frau-Mann-Filme geht. Unzählige Beispiele haben vorher schon Wege für diese Art von Unterhaltung geebnet und nun folgen Wotan Wilke-Möhring und Mina Tander eben diesem Beispiel und beleben aktuell im Kino erneut eine dieser Geschichten, die folglich mit schwerwiegenden Vorhersehbarkeiten zu kämpfen haben.
Warum lohnt sich trotzdem der Gang ins Kino?
Klar fehlt mir an dieser Stelle wieder etwas die seelische Spieltiefe, die man bei amerikanischen Schauspielern oder fremdländischen Darstellern eher entdeckt, jedoch mausert sich das deutsche Kino mit kleinen Schritten und entdeckt seine ganz eigenen Talente, die zwar meines Erachtens noch lange nicht mit internationalen Schauspielgrößen mithalten können, jedoch auf eine andere Art eine Form des Kinos entwickeln, die ihrerseits auch eine Daseinsberechtigung hat.
Tatsache ist: Die Klischees, die man hier ausgräbt, werden nicht nur erwartet, sondern auch bedient, jedoch machen die beiden Hauptdarsteller ihre Sache wirklich gut. Gerade, wenn der Seitenwechsel stattgefunden hat, erlebt man hier teilweise wirklich komische Momente, die nicht nur die Lachmuskeln anstrengen, sondern so dermaßen übertrieben sind, dass es schon wieder gute Unterhaltung ist.
Und das aus meinem Munde, wo ich den deutschen Darstellern und Darstellerinnen doch immer nichts abgewinnen kann …
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Überflieger ist es nicht, das absolute Überraschungsmoment bleibt auch aus, es kochen viele Klischees hoch und vorhersehbar ist das Ganze insofern auch irgendwie, jedoch überzeugen die Hauptdarsteller mit einer unglaublich guten Performance und daher lohnt sich der Gang ins Kino doch: Man sollte einfach nur wissen, worauf man sich einlässt und sich von Anfang an damit abfinden.
Und dann wird es auch ein unterhaltsamer Kinoabend.

 
Nachspann
kommt keiner, auch wenn hier farblich wirklich cool gespielt wurde.

How to be Single

Rebel Wilson in einem Film zu sehen kann eigentlich nur psychologischer Terror und jede Menge verbale und körperliche Ausartung in jedwede Richtung bedeuten. Das zumindest dachte ich, als mir der Trailer vorgesetzt und ich auf den neuen Film How to be Single eingestimmt werden sollte.
Wir erinnern uns, dass kürzlich bereits schon mal so ein Streifen existierte, in dem zwei gealterte Sisters mächtig auf den Putz hauen wollten und das dann in einer desaströsen Unterhaltungskatastrophe endete, die mehr Peinlichkeit als sinnvolle Abendunterhaltung lieferte.
Wir haben hier wieder zwei “draufgängerische Frauen”, die mächtig auf den Putz hauen wollen, in einer abendfüllenden RomCom für weibliche Zuschauer … und eben jene Tatsache rief das eiskalte Grauen in mir hervor. Aber was tut man nicht alles für dieses Blog.
.kinoticket gelöst und rein da. Das restliche Publikum war tatsächlich komplett weiblich und der Film ist auch ganz klar auf die Damenwelt konzipiert. Nur, dass der eben sehr viel mehr Inhalt aufwies, als ich ihm laut Trailer zugemutet hätte.
Ja, Wilson kriegt ihre Momente, in denen sie draufhauen und ausflippen darf, jedoch ist der Film sehr viel “ruhiger” als der Trailer einen glauben lassen mag. Und diese Verrücktheit, mit der man an das Thema rangeht, ist so viel eleganter als vermutet und wartet mit einer ganz großen Portion Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit auf, von der sich viele der Ausgeflippten unserer Nation eine große Scheibe abschneiden dürfen.
Der Umgang der einzelnen Personen miteinander, die triviale Reise der Selbstfindung, das Ausbrechen, Ausprobieren, Scheitern und Siegen wurden hier ganz neu eingemischt und stellt die bisherigen Liebestöterfilme ganz weit nach hinten.
In gewisser Weise ist man auch hier ein Stück weit erwachsen geworden. Man darf zwar immer noch Spaß haben, sich seines Lebens erfreuen und aus den scheiß Situationen, die einem das Leben vor die Füße wirft, das beste daraus machen, jedoch hat man klassische Werte hier mal völlig außen vor gelassen und den “Suchenden” eine ganz neue Art der Liebe präsentiert, die viele Konzepte der Gegenwart ehrlich durchleuchtet und aufbereitet.
Und genau das hat mir an diesem Film im Nachhinein so richtig gut gefallen: Neben all der Spinnerei und dem lauten Sex and the City-Gehabe waren sehr ernste, tiefgründige und aufrichtige Momente, die dem Film das gewisse Etwas verleihen und ihn somit zu einer wichtigen Inhaltsperle machen, den man sich durchaus anschauen kann.
Allerdings hätte ich hier an einigen Stellen noch die Schnittschere angesetzt, um einige Längen des Films zu beseitigen, die an vielen Stellen immer wieder auftauchen und somit für angehende Langeweile sorgen. 20 Minuten weniger und das Teil wäre ein richtig toller Aufguss altbekannter Probleme in neuem Gewand.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Mann wird man es wahrscheinlich schwieriger haben, mit den Thematiken dieses Films umzugehen, es sei denn, man ist auf der Suche nach mehr Hintergrund, weshalb Frauen so ticken, wie sie ticken.
Diese Problematik wird im Film nämlich unterschwellig deutlich gemacht und offenbart neben Unterhaltung mit teilweise zu vielen Längen auch eine wunderbar ehrliche Sichtweise auf die Dinge, die jeder schon kennt, sich aber bisher keiner so richtig auszusprechen gewagt hat.
Coolste Person meiner Meinung: Der Barkeeper. Sollte man weiblich sein, darf man sich den Film ungeschoren anschauen, alle männlichen Kinobesucher sollten sich darüber im Klaren sein, dass hier ganz klar auf die weibliche Klientel abgezielt wurde und man “männliche Logik” in diesem Film nicht zur Sprache kommen lässt.

 
Nachspann
gibt’s nur in Schriftform, wer auf weitere Szenen wartet, tut dies vergeblich.

Krampus

Humor ist so eine Sache. Die einen mögen, was die anderen hassen – und vice versa. Bei schwarzem Humor sieht es da schon ein klein wenig anders aus, mit dem kommt man zurecht – oder eben nicht.
Wenn darum dann noch ein herrlich wüster, irrwitzig schräger Film gebastelt wird, der sich nicht mit den Rühmlichkeiten des zunichte gemachten Weihnachtsfestes abgibt, sondern eher den dunklen Schatten das Feld räumt, dann erhält man einen Film, der in meinen Augen der beste Weihnachtsfilm dieses Jahres überhaupt ist: Krampus.
Schon der Trailer ließ mein Herz vor Freude zucken, denn ich steh auf Horror, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt und man nicht vor billige Tatsachen gestellt wird, mit denen man sich abzufinden hat.
Krampus macht hier den Unterschied, indem man einfach jegliche Normalität wegnimmt und so dermaßen über den Rand hinausschießt, dass es nicht mehr lächerlich, sondern beängstigend real und vor allem fast schon tiefgründig zur Sache geht. Trotz des Irrsinns knistert hier eine ernstzunehmende Authentizität durch den Raum, die sich eben nicht mehr nur um eine Saga aus südlichen Gefilden unserer Breitengrade dreht, sondern ein Stück weit mehr sein will … und auch ist.
Es gab Szenen, bei denen ich mir dachte: “Endlich räumt mal jemand mit dem Verkorkstsein des wirtschaftlich und religiös zunichte gemachten Weihnachtsfests auf und richtet die Dinge wieder gerade.” Keine Einkäufe, kein Geldausgeben, kein Zwangsschenken, keine liebe heile Welt, obwohl man sich das ganze Jahr über nur anschreit und eigentlich alles im Argen liegt – sondern reinen Wein in volle Gläser.
Die Ehrlichkeit, mit der die Thematik hier angegangen wird, ist Balsam für das zerschundene Seelenherz, dass sich tief drin eigentlich sehr nach einer Welt sehnt, die in Ordnung ist. Insofern ist es fast erlösend, wenn die Kacke dann so richtig am Dampfen ist und man mit wunderbar überzogenen Effekten und derartig abstrusen Ideen durch den Kakao gezogen wird und währenddessen weder von Schauspielern noch Machern von einer bitterbös-schwarzen Ironie abgewichen wird. Die Trockenheit, mit der die überdrehten Witze rüberkommen – poetisch!
Die Eskalation, in der die Geschichte schon fast zu Beginn mündet, ist sowas von an den Haaren herbeigezogen und gleichzeitig so ernst, so “echt”, so non-unrealistisch – kein Plan, wie man das auf die Reihe gekriegt hat.
Gefeiert hab ich auch am Schluss, als endlich mal eines der Filmenden auf dem Tisch lag, von dem ich seit Jahren träume. Ein Paukenschlag, ein Finale, das nicht nur wunderbar zu diesem Film passt, sondern fast 1:1 meinen Lebenstraum eines Filmendes widerspiegelt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte viel Toleranz und Handlungsspielraum im Schädel mitbringen und den Film nicht anhand von anderen bewerten wollen, denn das ist nicht möglich.
Krampus liefert schwarzen Humor reinster Güte verbunden mit der Entwirrung des ganzen Christmas-Wahnsinns in einer Geschichte, die ganz zum Schluss einfach nur Sinn ergibt und mit ihrer Botschaft – sofern man sie versteht – ganz tief drinnen ankommt.
Für mich einer der besten Weihnachtsfilme überhaupt, bei dem man allerdings nicht popcornmampfend dasitzen und sich unterhalten lassen kann, sondern ganz genau hinsehen und vor allem zuhören muss.
Wer das tut, der geht hinterher auch gern nochmal rein, denn irgendwie wirkt die “dunkle Magie” auf ihre ganz eigene Weise. Der zynische Charme versprüht allzeit weihnachtliche “Wärme”.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf getrost nach draußen springen.

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