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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Überwachung

Der illegale Film

Der illegale Fil

© 2019 NFP marketing & distribution

Schaut euch das Poster mal genauer an – erkennt ihr etwas, das ihr kennt?

Richtig: Wir leben in einer Zeit, in der sich manche Dinge schon so fest im Hirn eingebrannt haben, weil sie zu lange existieren, wir tagtäglich ohne nachzudenken damit umgehen oder verschiedene Werbe- und PR-Gurus einfach einen grandiosen Job gemacht haben oder so penetrant konsequent mit ihrem Tun sind, dass wir es einfach nicht schaffen, aus den Fängen der “Ich hämmer dir etwas in deinen Kopf”-Menschen zu entkommen.

Der Trick: Bilder. Menschen sehen Bilder. Menschen machen Bilder. Menschen teilen Bilder. Wir leben in einer Bilderwelt, die schon so unbegreifbare Ausmaße angenommen hat, dass es Zeit wird, sich damit mal auseinanderzusetzen und einer immens wichtigen Frage nachzugehen: Wie steht es eigentlich um diese Bilder? Wer besitzt die Rechte daran? Warum? Und ist das zeitgemäß? Wo steuern wir hin? Was gibt es längst, das uns bereits heute über den Kopf gewachsen zu sein scheint, obwohl die meisten diese Techniken noch nicht einmal kennen?

Erinnern wir uns zurück an die Zeit, in der die Kinder noch “draußen Ball spielten” und man gemeinsam zum Mittag an den Tisch kam und in der Familie gesprochen hat. Eine Zeit, in der das Internet in seinen Kinderschuhen stand und in der niemals jemand erahnen hätte können, dass eine Website wie FaceBook mal ein nicht wegzudenkender Teil einer Gesellschaft werden würde. Ich wurde in meiner Kindheit deswegen ausgelacht, weil mich die Techniken einer vernetzten Welt interessierten und ich einer der wenigen war, die sich ein Modem zulegten, um diese vernetzte Welt zu erkunden. “Wer braucht denn sowas? Das hat keine Zukunft.”

Wie recht sie damals hatten, sieht man heute, wenn mal für 2 Minuten das WLAN ausfällt.

Genau das gleiche gilt für Fotografien, Fotos, digitale Bildinhalte, die visuelle Welt. Wir sind im Wandel und es ist ein riesiger Umbruch am Stattfinden, der wieder einmal alles umwirft. Dass die meisten Menschen der Technik längst entronnen sind und “nicht mehr mitkommen” sieht man daran, dass es heute immer noch Menschen gibt, die seit 7 Jahren ein Smartphone besitzen und keine Ahnung davon haben, dass sie dort drin direkt Fotos beschneiden können oder drehen und sich dann darüber wundern, dass man das gedrehte Ergebnis sogar dauerhaft dort speichern kann.

Und ich spreche noch nicht mal von künstlicher Intelligenz, Siri, Alexa und alles, was im Großen da hinten dran hängt … dazu bedarf es mittlerweile fast schon mehrerer Studiengänge, um all dies etwas umfassender verstehen zu können.

Wer für dieses Studium grad keine Zeit hat, den interessiert vielleicht Der illegale Film – ein Meisterwerk, dass sich genau mit dieser Materie auseinandersetzt und zukunftsweisende Ideen, Erkenntnisse, Erklärungen zusammengetragen hat, um diese auf den Leinwänden zu präsentieren.

Das Manko: Aufgrund der Spielfilmlänge und der immer noch begrenzten Aufnahmefähigkeit der Menschen ist dieses Werk dermaßen mit Informationen vollgepackt, dass man es eigentlich auch wieder sukzessive konsumieren sollte, um wirklich alles zu ergründen, was jedoch in einer einzigen Kinovorstellung kaum möglich ist.

Aber auch dafür haben die Macher Abhilfe geschaffen:

Heute, am 11. April 2019 feiert der Film im ZKM Vortragssaal, Zentrum für Kunst- und Medientechnologie, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe Premiere – mit anschließender Diskussion mit dem Regisseur Martin Baer!

“Na super, ich schaff’s aber heute nicht nach Karlsruhe…”

Kein Problem: Denn es geht weiter mit folgenden Terminen – und immer ist entweder Regisseur Martin Baer oder Regisseur Claus Wischmann mit von der Partie – ihr seid damit also nicht im Kino allein.

Ab 11.04.2019
Freiburg – Friedrichsbau – am 14.04.2019 – 11:00 Uhr (Matinée)
Nürnberg – Cinecitta – Do + Mo um 18.15 Uhr, Fr + Di um 20:30 Uhr
Stuttgart – Atelier am Bollwerk – täglich im Wechsel 16:10 oder 17:50 Uhr

Ab 18.04.2019
Dortmund – Sweet Sixteen – täglich außer Mo. – am 25.05.2019 ist Martin Baer vor Ort im Rahmen der WorldPress Ausstellung
Karlsruhe – Schauburg – 18.04.2019 – 19:00 Uhr

Ab 25.04.2019
Berlin – Kant – 26.04.2019 – 18:00 Uhr | Sputnik
Hamburg – Studio – 27.04.2019 – Uhrzeit wird bekanntgegeben
Aachen – Apollo Kino & Bar – 27.04.2019 – 18:00 Uhr
Essen – Filmstudio – 28.04.2019 – 15:00 Uhr
Köln – Filmpalette – 28.04.2019 – 18:00 Uhr
Magdeburg – Studio – 24.04.2019 – Uhrzeit wird bekanntgegeben

Ab 2.05.2019
Gauting – Kino Breitwand – 30.04.2019 – 19:30 Uhr
München – City Kinos – 2.05.2019 – Uhrzeit wird bekanntgegeben

Ab 16.05.2019
Bochum – Casablanca – 19.05.2019 – 13:00 Uhr (Matinée)

Näheres zu diesen Vorstellungen und jeweils aktualisierte Termine könnt ihr dieser Website entnehmen!

Ich finde es wichtig und gut, dass man hier Präsenz zeigt und das Thema in den Medien und für die Bevölkerung aufgreift und gemeinsam erarbeitet: Denn keiner, wirklich keiner von allen, die auf diesem Planeten leben, kann sich den “Das geht mich nichts an”-Schuh anziehen. Wir hängen alle in vielfältiger Form da mit drin. Und Wissen bedeutet “Macht” – Macht über das eigene Leben. Es kann niemals schaden, etwas zu verstehen, mit dem man tagtäglich umgeben ist und womöglich selbst aktiv mitwirkt – und das trifft in den allermeisten Fällen zu 100% zu.

Hier geht’s also nicht mehr um “Ich hab da grad keine Lust zu”, und auch nicht um eine Empfehlung: Das hier ist eine Pflicht-“Schulstunde” fürs Leben, die jeder von euch einfach zu absolvieren hat.

Geht auf die Seite, sucht eure Stadt aus und fragt zusätzlich in euren Kinos, ob sie den Film bringen werden – das schafft Anreize, damit dieser Titel auch in vielen weiteren (kleinen) Kinos gezeigt werden kann. Und dann geht einfach da rein. Notfalls mehrfach.

.kinoticket-Empfehlung: Leidest du an einer Seh-Erkrankung oder bist gar blind? – Dann braucht dich der Film nicht weiter jucken.

Alle anderen sind betroffen und bekommen hier wieder einmal wunderschön aufgearbeitet ein komplexes Thema unterbreitet, das sich mit der Verantwortung, den Rechten und Pflichten auseinandersetzt, denen sich jeder tagtäglich stellen muss. Wie verhält es sich mit verschiedenen Dingen, die wir einfach so arglos in unseren Alltag einbauen – wie z.B. das “Selfie”?

Claus Wischmann und Martin Baer haben sich hingesetzt und etwas umfassend beleuchtet, wozu es mittlerweile eigentlich eines Studiums bedarf – euch hier aber kompakt in 88 Minuten Spielzeit vermittelt wird.

Dies ist keine Kür, sondern eine Pflichtstunde. Anwesenheit wird kontrolliert.

Nachspann
✅ Schaut es euch an – da wird das Ausmaß erstmal so richtig deutlich!

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Der illegale Film
Length: 88 Min.
Rated: FSK 12

Der Sex Pakt

Auch wenn wir es hier seit langer Zeit mal wieder mit einem durch und durch deutschen Titel zu tun haben: Der Film kommt aus Amerika und er ist für Amerika geschaffen.
Allein des Titels wegen werden die ahnungslosen Kinogänger die Säle stürmen und sich einfach darauf einlassen, was da kommen möge. Dabei ist der Film weitaus weniger witzig, als uns das .trailer oder Vorahnungen glauben lassen möchten.
Nun hatte ich gleich das “Vergnügen”, diesen Film 2x hintereinander mit einem völlig unterschiedlichen Publikum zu sehen: Einmal mit der “Elite der Presse”, denjenigen, deren Schreibarbeit maßgeblich das Denkbild unserer Nation prägt und die mit ihren Eingebungen ganze Menschenhorden versorgen, um hier Meinungsbildung zu betreiben und unter Achtung aller verstrickten Verlagsauflagen einen Artikel zu schreiben, der “morgen” dann in aller Munde diskutiert wird – und das Ergebnis hierbei war schlichtweg negativ.
Im Anschluss daran dann mit dem “gemeinen Volk”, dass sich zahlungswillig in die Kinosäle hockte und den Film beschaute. Auch hier habe ich mir die Mühe gemacht und bin wieder wahllos auf Zuschauer zugegangen und habe sie nach ihrer Einschätzung gefragt – und überraschenderweise zeigte sich (auch bei der Auszählung der Stimmzettel, die nach dem Film eingeworfen werden durften) ein ganz anderes Bild: Die Menschen mochten es zum Großteil bzw. waren hin und hergerissen.
Ich glaube, um mit Der Sex Pakt wirklich warm zu werden, braucht man ganz viel kulturelles Verständnis für das womöglich klischeehafte Verhalten einiger ländlicher Amerikaner. Das Problem ist nämlich: So viele Dinge sind hier so maßlos überzogen und unwirklich, dass sich dieser Film unfreiwillig eigenständig persifliert – dies aber so schlecht umsetzt, dass man hin und wieder daran zweifelt, ob er wirklich eine Parodie sein möchte, oder tatsächlich einfach nur ein schlecht gemachtes Werk ist, dass uns da vor die Füße geknallt wird.
Um jetzt aber vollends darauf rumzuhacken, enthält er zu viele – mit dem richtigen Publikum im Saal – funktionierende Witze, die teils schon so dämlich sind, dass man wieder darüber lachen kann.
Auch die Mädels, die ich gefragt habe, meinten, dass der Film relativ ausgewogen zwischen peinlich und gut dahin schippert, einige fanden ihn toll, ungefähr gleich viele haben nur mit den Augen gerollt.
Meiner Meinung nach fehlt hier einfach das gewisse Etwas, dass ihn aus diesem schon millionenfach erzählten Plot rausreißt und zu etwas besonderem macht. Die Story – schön und gut. Das peinliche Gehabe, wenn Erwachsene versuchen, auf Jugendlich-Cool zu machen, kennen wir schon aus anderen Rohrkrepierern zur Genüge. Was fehlt, ist das erfrischend andere Etwas.
Da zeigen sich zwar Ansätze, die fingerdeutend auf die scheinbare “American Stupidity” zeigen, die Frage ist aber, ob “die da drüben” wirklich so sind, wie dieser Film vermuten lässt. WENN (großes Fragezeichen) das tatsächlich die Message sein sollte, wäre dies ein höchst lobenswerter Ansatz, der uns alle von dem unmöglichen Gebaren werdender Eltern erlöst und nun endlich “von oben herab” die Leviten liest, auf dass sich vielerorts vieles in den Familien wieder normalisieren möge – das würde ich durchaus begrüßen.
Allerdings denke ich kaum, dass das – im besten Falle angetrunkene – Publikum derart viel Denkvermögen in petto mit in den Saal schleppt, um derlei Überlegungen anzustellen, wenn es sich einfach nur unterhalten lassen möchte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn selbst die Damen nach der Vorstellung schon allesamt bejahen, dass man bestenfalls MIT Sekt den Saal betritt, dann sagt das eigentlich schon alles über den Film aus.
Es kann gut werden, Voraussetzung dafür ist meiner Meinung nach aber viel Publikum im Saal, dass definitiv gut drauf ist und Lust auf so etwas hat. Mit ein paar deprimierten Nasen im Raum macht es dann überhaupt keinen Spaß mehr und wer Ernsthaftigkeit oder Logik hier drin sucht, geht elendig zugrunde.
Mein Lob gilt denen, wo man es am wenigsten erwartet – dieser Moment war für mich einer der Besten des Films.

 
Nachspann
Nicht gleich aufspringen, nach dem Nachsatz kommt dann nichts mehr.
Kinostart: 12. April 2018

The Circle

Am schlimmsten sind die Dinge, von denen keiner so wirklich merkt, dass sie immer mehr zum Alltag werden, bis es irgendwann kein Zurück mehr gibt.

In Zeiten von Digitalisierung, Vorantrieb durch die Politik, gnadenloser Überwachung und dem konzentrierten Ausbau totalitärer Transparenz merkt man nicht, dass bestehende Konzerne wie Facebook, Apple, Google oder Amazon im digitalen Bereich längst die Weltherrschaft an sich gerissen haben und die Bürger durch ihre Strategien kontrollieren.

Die Menschen rennen ihren Produkten hinterher, erfreuen sich an der scheinbaren Kostenlos-Politik und merken dabei nicht, dass die Währung des heutigen Zeitalters längst nicht mehr Geld in Form von Papier und Münzen, sondern die digitale Identität zum Zahlungsmittel mutiert ist.

The Circle nimmt sich dieses Themas an und baut dabei auf Ideen aus dem Buch von Dave Eggers, der sich einfach mal vorgestellt hat, wie die Welt in ein paar Jahren aussehen könnte und welche Folgen diese Entwicklung haben wird.

Ansätze davon sieht man auch schon heute, wenn man mit offenen Augen den Fortschritt der Technik und des Internets begutäugt. Längst stellt sich nicht mehr die Frage, ob diese Mutation nun gut oder schlecht, gewinnbringend und förderlich oder angstbereitend ist, sondern man kümmert sich nur noch darum, wie man den Schritt in die digitale und damit vollkommen überwachbare Phase gehen kann.

Dass die Kameras in den Supermärkten an der Kasse nicht dafür da sind, um Diebstähle zu verhindern, sondern ebenfalls die Mitarbeiter überwachen und sogar ermöglichen, die Kunden und ihr Einkaufsverhalten auszuspionieren, dürfte jedem klar sein. Dass mit Punktekarten darum geworben wird, zu erfahren, was der Kunde tatsächlich gekauft und womit er bezahlt hat, ist auch kein großes Geheimnis mehr und die immer weiter um sich greifende Vernetzung aller möglicher Dienste, teils durch Aufkäufe von größeren Firmen (siehe Whatsapp-Übernahme durch Facebook) dienen nur mehr dazu, detailliertere Profile von Nutzern zu erstellen, um in der Flut von Userdaten Trends und Werbepublikum zu erkennen und letztendlich dadurch Geld zu machen.

The Circle treibt diese Gedanken und Entwicklung, in der wir mittendrin stecken, komplett auf die Spitze und zeigt im Schnellverfahren, wohin wir mit riesigen Schritten zurasen, wenn dieser Farce nicht irgendwann Einhalt geboten wird.

Und das wird nicht passieren. Niemand hat Interesse daran, Firmen Einhalt zu gebieten, die sich ehrenamtlich engagieren, soziale und ökologische Projekte fördern und Umweltschutz auf ihre Fahnen schreiben, um beim Publikum gut anzukommen. Keiner möchte auf die gut gemeinten Ansätze verzichten, die uns kostenlos in den Appstores angeboten werden.

Niemand macht sich irgendwo Mühe, wenn man das gleiche Ergebnis auch gratis von Google in Simplizität ausgeliefert bekommt und warum noch nach etwas suchen, wenn Amazon mühelos und günstiger nach Hause liefert.

Wer immer noch der Meinung ist, er könne durch Weglassen von Smartphones oder den Verzicht auf Online-Banking dieser Überwachung entgehen, der erkläre mir doch einmal, wie er im Stadtzentrum von München all den Kameras entfleuchen will, die überall in den Geschäften angebracht sind und mit denen auch die Straßenszenen aufgenommen werden können. Oder wie er verhindern will, dass er von unzähligen Smartphone-Aufzeichnungen erfasst wird, die ihr Material wieder an eine der großen Firmen ausliefern. Oder wie er ohne Bankkonto im Laden bezahlen will (unter laufenden Überwachungskameras), die somit in irgendeiner Form ermitteln, wer was wann getan hat. Oder wie er öffentliche Verkehrssysteme benutzen möchte ohne von Kameras (auf der Autobahn, im Bus, in den Zügen, S- und U-Bahnen) erfasst werden möchte.

Oder wie er tanken will, ohne dass er auf einem Überwachungsband landet.
Ihr merkt: Argumentationen dieser Richtung sind nicht nur sinnbefreit, sondern grenzen bereits an Lächerlichkeit und bezeugen eher, dass die Verfechter dieser Ansicht völlig am aktuellen Weltbild vorbei leben und keinerlei Ahnung haben, was sich direkt in ihrem Umfeld abspielt.

Damit wird The Circle wieder einer der Filme, die nicht nur mit offenem Mund wieder aus dem Saal schicken, sondern gerade deshalb zur Pflichtlektüre jedes Bürgers und Politikers gemacht werden sollten, um aufzuzeigen, dass all die Gemütlichkeit und Datenflut nicht nur gänzlich positive Seiten hat, sondern die Diskussion um Überwachung, “Schutz und Sicherheit” und mögliche Folgen noch lange nicht ausdiskutiert ist.

.kinoticket-Empfehlung: Der Gang ins Kino ab dem 14. September 2017 gehört zur Grundwissensausbildung und die breitgefächerte Diskussion in der Öffentlichkeit ist für mich eine unvermeidbare Aufgabe, der sich die Gesellschaft noch zu stellen hat.

Wer’s nicht abwarten kann, darf gerne inzwischen zum Buch oder einer alternativen Geschichte von Marc Elsberg greifen (Zero), um sich mit der Thematik vertraut zu machen.

Allen anderen wird ab oben genanntem Datum der Inhalt durch wahnsinnig gute Schauspieler präsentiert, die einen Film abliefern, der neben extrem spannender Unterhaltung auch unglaublich hohes Informationspotenzial aufweist und hier den Sprung aus der Entertainment-Kiste schon im .trailer vollzogen hatte.

Reingehen ist hier Pflicht und steht außer Frage!

Nachspann
❌ liefert keine weiteren Szenen, sollte aber bereits zum Gespräche beginnen genutzt werden, denn dieses Thema wird uns eines Tages alle umbringen, wenn niemand etwas tut!

Kinostart: 14. September 2017

Original Title: The Circle
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12

Jugend ohne Gott

Ich habe das Plakat gesehen und wusste: Da musst du rein! Den musst du unbedingt sehen!
Und ihr glaubt nicht, welche Hürden ich dafür habe überwinden müssen, nur, um einen Film zu konsumieren, nach dem meine Seele alle Hände ausgestreckt hatte. Warum? Wusste ich nicht – ich wusste nur: Der ist es!
Und was soll ich sagen? Nichts mehr. Fragt das gesamte Personal meines Stammkinos, wieviele Worte ich an diesem Tag noch aus meinem Mund rausgebracht habe. Voller Erfolg!
Neulich habe ich mich ja schon einmal über den neuen Weg ausgelassen, den deutsche Filmemacher jüngst eingeschlagen haben, indem sie sich nicht mehr lachhaften, sondern eher dramatischen Handlungen widmen und damit zumindest bei mir voll ins Schwarze treffen.
Jugend ohne Gott ist ein weiteres Beispiel dafür, das von mir höchsten Respekt und tiefste Anerkennung abverlangt. Natürlich spürt man, dass hierzulande immer noch vergleichsweise wenig Kohle für Filmproduktion übrig ist und die Regisseure ganz andere Schwierigkeiten zu meistern haben, als im Land über dem großen Teich, und auch das Schauspielfachwissen und die Veranlagung zum Ingenium der Schauspieler darf hier noch weiter gefördert werden. Was allerdings mehr als deutlich aus der Tiefe des Bodens hervorquillt ist das Können der Drehbuchschreiber!
Leute: Gebt den Produzenten hier einfach mal das Budget eines durchschnittlichen Hollywood-Schinkens und wir wären mit Jugend ohne Gott an der Stelle, die Amerika überflüssig machen würde! Und das mein ich ernst!
Die durchsetzende Verblüffung und intensive Eindringlichkeit, mit der man hier relevante Themen zeitgemäß und absolut unterhaltsam unters Volk zu bringen vermag, schreit förmlich danach, diesen Menschen endlich die gebührenden Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie ihre Arbeit in Vollendung vollbringen können!
Und damit verwandelt sich diese Kritik in einen Appell an alle: Geht einfach da rein und macht euch erst hinterher darüber Gedanken, ob dieser Gang nun ein lohnenswerter war oder nicht. Denn zumindest seid ihr nicht bei den Unwissenden, die anschließend nicht darüber diskutieren können. Mein Gefühl sagt mir, dass damit ein großer Meilenstein in der Entwicklung deutscher Filmgeschichte gesetzt wurde und man gezeigt hat, wohin man in kommenden Jahren gern gehen möchte – und gleichzeitig auch offenbart, wo genau noch die Schwächen liegen.
Letzteres ist in Anbetracht der durchschlagenden Kraft des Plots absolut verzeihlich und löst nicht mehr Aggression, sondern eher intensives Mitfühlen aus, das sich im tiefsten Inneren wünscht, die Produzenten kriegen für ihre Fortsetzungen einfach größere Mittel an die Hand.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gebt dieser Produktion mal die finanziellen Mittel eines durchschnittlichen USA-Films an die Hand und wir sind an dem Punkt, wo keiner mehr auf Hollywood angewiesen wäre.
Der Inhalt: Bahnbrechend! Die Stimmung: Wow! Die Umsetzung (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) herausragend!
Ganz im Ernst: Jugend ohne Gott setzt komplett neue Maßstäbe, die deutsches Kino auch international neu positionieren und laut herausschreien: So soll es weiter gehen – helft uns dabei!
Ich habe den ganzen Tag kein Wort mehr aus mir raus gekriegt vor Ergriffenheit und 100prozentiger Volltrefferquote, die dieser Film bei mir hinterlassen hat!
REIN DA!

 
Nachspann
lohnt nicht abzuwarten, Stoff zum Nachdenken ist sowieso genügend vorhanden.
Kinostart: 31. August 2017

(Trailer) The Book of Henry

Wollen wir diesmal einfach nicht so viele Worte verlieren, sondern uns gleich der Essenz zuwenden:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=qJ0fFQgFlnY?rel=0&w=560&h=315]
eindrucksvolle Geschichte präsentiert von © Universal Pictures Germany
 
Warum man diesen Film gesehen haben sollte
Er wirkt auf den ersten Moment einfach intelligent und wartet dazu mit Kinderdarstellern auf, die mal nicht dem Nerv-Aroma anheim fallen, sondern hier tatsächlich charakterliche Vorbildfunktion für diese Generation an Schauspielern darstellen.
Dazu der Plot, der zwar hier und da ein paar stilistische Schwächen durchblicken lässt, im Gesamtbild dann aber dennoch in vollem Umfang überzeugen könnte und das durchaus ethisch-wertvolle Moral-Ende, dass man dieser Form von Unterhaltung zumuten darf, machen zumindest mir extrem Lust auf mehr.
Und das beste kommt zum Schluss: Ihr müsst darauf gar nicht so lange warten.
 
Kinostart: 21. September 2017

Snowden

“Oh mein Gott, die müssen echt alles verfilmen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.” … könnte ein Ausspruch jemandes sein, der den Trailer von Snowden zu Gesicht kriegt.
Ehrlich gesagt ist mir das auch durch den Schädel gegeistert, denn so wirklich überzeugend kam die Vorschau nämlich nicht rüber und gepackt hat mich das Thema schon gar nicht.
Mit ein wenig Verbitterung starrte ich also den Titel in der Sneak Preview an und harrte der Dinge, die mich überraschen sollten.
Ein klein wenig schauspielerische Enttäuschung blieb während dem Streifen nicht aus, obwohl hier und da wirklich überragend gut mit den Dialogen gearbeitet wurde, jedoch überzeugte “Snowden” mit seinem Charakter irgendwie nicht wirklich. Man kann hier zwar nicht von einer klassischen Fehlbesetzung sprechen, aber auf den Leib geschneidert ist Joseph Gordon-Levitt die Rolle mal definitiv nicht.
Dafür packt einen die Geschichte um so mehr, egal, wieviel man damals in den Medien mitgekriegt hat. Das hier führt einen nochmal weit mehr hinter die Kulissen dieser ganzen Enthüllungen und zeigt Entwicklungen und mögliche Zusammenhänge in einem ungekannten Ausmaß auf, dass einem als Zuschauer, wenn man zwischen den Zeilen liest, durchaus schlecht werden kann.
Kein Wunder also, dass man sich als Studio nicht unbedingt um den Titel riss, um in der unbarmherzigen Kapitalwelt nicht komplett vor die Hunde zu gehen. Denn der Stoff ist wieder derart harter Tobak, dass The Big Short einen kleinen, durchaus sehenswerten Bruder bekommt, den man sich als Außenseiter solcher Themen zügigst anschauen sollte.
Oder um es anders zu formulieren: Wenn man nach diesem Streifen weiterhin feuchtfröhlich seine allabendlichen Partyfotos auf Facebook postet, hat man wirklich rein gar nichts verstanden. Und genau deshalb sollten sich gerade die Menschen, die beabsichtigen, auch weiterhin den halben Tag kopfüber gebeugt über ihrem Smartphone zu verbringen, schleunigst ans Werk setzen und sich die Inhalte dieser ich möchte fast sagen “Reportage” ins Hirn pflastern – um endlich zu verstehen, was genau sie da in den Händen halten und wie sie am besten damit umgehen.
Der Ansatz “Ich schau mir den Film nicht an, ich will weiterhin unbekümmert am Smartphone spielen” ist hier nämlich genau der Falsche – obgleich dies durchaus passieren könnte, dass sich nach dem Einflößen dieses Wissens so mancher dazu entschließen könnte, künftig vollumfänglich auf derartige Technik zu verzichten.
Ehrlich gesagt war dies eine durchaus ernstzunehmende Alternative für mich, diese Rezension hier die letzte seiner Art werden zu lassen, um die faktische Bedeutsamkeit dieses Films zu unterstreichen – und danach vergnügt von dannen zu ziehen und ein Leben abseits dieses Wahnsinns zu verbringen.
Von daher kann ich gar nicht genug unterstreichen, wie wichtig es ist, dass sich die breite Bevölkerung mit genau diesem Film und Thema auseinandersetzt und begreift, worum es hier wirklich geht. Und das bringt der Film sehr gut rüber. Die schlechte Schauspielerei ist eher noch ein Verstärken des Faustschlags in den Magen, denn das zeigt nur um so mehr auf, dass es hier nicht um Entertainment, sondern Wissensvermittlung ging – und Wissen ist bekanntlich Macht.
Hollywood serviert uns diese Macht auf einem Silbertablett und lässt den Zuschauer entscheiden, was er damit anstellt. Diese Chance würde ich mir an eurer Stelle auf gar keinen Fall entgehen lassen – also …
 

.kinoticket-Empfehlung: … geht schleunigst und zahlreich in diesen Film, allein schon um zu proklamieren, dass ihr mit derlei Aktivitäten und politischen Machenschaften nicht einverstanden seid, denn genau das zeugt öffentlich von der Meinung des Privatbürgers, der bei so mancher Wahl oftmals fälschlicherweise meint, keine Stimme zu haben.
Ihr habt eine. Und die ist wichtig. Verdammt wichtig. Hier wird euch gezeigt, was sich hinter den Kulissen des Lebens abspielt und für mich ist es ehrlich gesagt verwunderlich, dass in der kapitalorientierten Welt etwas derartiges überhaupt den Weg auf die Leinwand gefunden hat – dafür meinen tiefen Respekt und höchste Anerkennung.
Und nun Abflug ins Kino und .kinoticket lösen für Snowden.

 
Nachspann
erfordert allerhöchste Aufmerksamkeit, denn hier verbergen sich dermaßen viele, wichtige Dinge, dass man gut daran tut, seine Augen auf die Leinwand zu tackern und sich unter keinen Umständen von irgendwem ablenken zu lassen.

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