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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Vergangenheit

The Hole in the Ground

The Hole in the Ground

© 2019 Weltkino Filmverleih

Gott .. ich wünschte, es gäbe mehr solche Filme wie diesen.

“Zähl mal gute Horrorfilme auf, die man sich wirklich im Kino ansehen kann…” – “Ähm, ähm …”

In letzter Zeit kommen da doch wahrhaftig wieder mal ein paar Titel ans Licht, die man auf die zugegeben minikleine Liste setzen kann, die sich wirklich lohnen: A Quiet Place, The Boy fand ich auch nicht von schlechten Eltern, Die Frau in Schwarz, The Gallows lässt definitiv auch Stimmung aufkommen … und eben The Hole in the Ground.

Herrschaft, ich habe jetzt beim Schreiben schon wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie verflucht gut dieser Film erzählt ist: Endlich mal ein Filmbeginn, wo nicht von Anfang an klar ist, worum es geht: Ich habe lange keine so spannende, visuell betäubende Einführung in einen Sachverhalt geliefert bekommen, wie hier.

Die Charaktere, der Cast – sowas von göttlich zusammengestellt und perfekt gemacht. Die Bildsprache… Regisseur Lee Cronin ist eine dermaßen perfekt-verliebte Bildsau, was sich in Kameraeinstellungen widerspiegelt, bei denen man aufstehen, in den Gangsaal gehen und ehrfürchtig vor ihnen niederknien möchte. Whoah – Gänsehaut.

Und auch wenn genrebedingt einige Elemente wieder erscheinen, selten hab ich dabei eine so akurate, wunderbar aufgeräumte und stilvoll erzählt-mörderspannende Zusammenstellung gesehen, die von solcher sprachlicher und visueller Ästhetik strotzt.

Dieser Film hat mich umgehauen und war endlich mal wieder einer derjenigen, die man guten Gewissens empfehlen kann, wenn es darum geht: Was gibt’s denn eigentlich wirklich für tolle Horror-Streifen? Lifetime-Toplist!

.kinoticket-Empfehlung: Visuell erschlagend, mordsspannend und mit einem ästhetischen Powerausdruck, den man so aus den nordischen Staaten gar nicht kennt: The Hole in the Ground zählt ab sofort zu meiner Lifetime-Toplist und nimmt dort einen der höheren Ränge ein.

Mega! Ich wünsche mir, dass der lange läuft, so dass jeder die Chance hat, nach Avengers: Endgame auch diesen Film noch zu sehen!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es kommen keine Überraschungen mehr.

Kinostart: 02. Mai 2019

Original Title: The Hole in the Ground
Length: 91 Min.
Rated: FSK 16

Rememory

Rememory

© 2018 Kinostar

 

Rememory – ein Wort, dass in den Ungetümen monströser Marvel-Blockbuster unterzugehen scheint und sich eher rücksichtsvoll auf kleineren Leinwänden ausbreiten wird … wenn überhaupt … ich hoffe es.

Allein Peter Dinklage ist es wert, dass man diesen Film sieht! Dieser Mann spielt unglaublich präsent und mit so einer dystopischen Hingabe an seine Rolle, dass er allein dem ganzen Film schon genügend Seele einhaucht und ihn zu einem sehenswerten Stück macht.

Wer sich an dem Wörtchen “Science Fiction” stört, der darf beruhigt ein- und ausatmen: Zwar spielen die technischen Errungenschaften in diesem Film in einer zukünftigen Vision unserer Welt, allerdings ist das kein Grund, deshalb Angst vor diesen illustren Techno-Drugtrip-Shows zu haben, in die SciFi gerne mal abdriftet: So ist es nicht. Viel mehr bekommt man hier ein sehr eigenständig gezeichnetes, abgedunkeltes Bild einer Welt präsentiert, die sich vollends in ihrer Nische ausbreitet und mit ihrer gänzlich durchstrukturierten Ästhetik beeindruckt.

Dass der Plot dann vielleicht hier und da ein paar kleine Logiklücken haben könnte, sei dem Film verziehen, Überraschungsmomente und eine durchweg plausible Story bietet er bei nicht ganz exzentrischem Hinsehen nämlich trotzdem.

Und einen Besuch im Kino ist Rememory auf jeden Fall wert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Peter Dinklage allein rechtfertigt bereits den Film, der sich in ruhiger Manierlichkeit um zukunftsvisionäre Probleme menschlichen Seins bemüht und hierin auch relativ plausibel aufgeht.

Dabei bringt der Film so viel Eigenatmosphäre mit, die ihn in einer eigenen Nische als hellen Stern erstrahlen und zu einem Insidertipp mutieren lassen. Am SciFi-Thema sollte man sich nicht abschrecken lassen, vielmehr punktet man hier mit Inhalt und geistreichen Gedanken, die einen wundervollen Kinoabend fast schon garantieren. Definitiv lohnenswert!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszusitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: Rememory
Length: 113 Min.
Rate: FSK 12 | PG-13

Montrak

Montrak

© 2017 TBC Filmproduktion

 

Bevor ich mich hier verkünstel, lassen wir doch den Mann zu Wort kommen, aus dessen Feder Montrak stammt: Regisseur Stefan Schwenk himself im Interview mit .kinoticket-blog.de

Ben: Warum Vampirfilm?

Stefan: Warum Vampirfilm? Weil’s in Deutschland schon lang keinen Vampirfilm mehr gab. Vor allem hat’s mich gereizt, die Mischung zu finden aus Mittelalter und Neuzeiterzählung. Der Vampirfilm hat ja seine Roots in Deutschland mit Nosferatu, was ja viele nicht mehr wissen. Und das war einfach so die Idee, mal herzugehen und ‘nen Vampirfilm zu machen, gerade jetzt, wo in Deutschland der Genrefilm wieder am Aufblühen ist. Das ist mein Beitrag zum Vampirfilm.

Ben: Hast du das Gefühl, dass der Vampirfilm so ein bisschen “neu gestartet” werden soll, weil wir ja so eine gewisse neuzeitliche Veränderung erlebt haben durch die Twilight-Saga und das alles bisschen liebenswürdiger geworden ist und kitschiger, da jetzt wieder zurück zu den Wurzeln zu gehen und im Prinzip die Bosheit der Vampire wieder neu zu erfinden?

Stefan: Genau. Im Endeffekt ist es auch eine Anspielung, ‘ne Liebeserklärung an das Genre der 80er Jahre, also z.B. Lost Boys oder Near Dark, da gibt’s viele Anspielungen und Hommagen. Ich persönlich mag härtere Vampirfilme gern, also mit richtig bösen Vampiren und wollte einfach mal ein Zeichen setzen, dass es noch was anderes gibt.

Ben: Gab es beim Dreh irgendwelche Schwierigkeiten, wo du gedacht hast: Jetzt wird’s echt brenzlig?

Stefan: Also wenn ich jetzt überlege: Die größte Schwierigkeit oder Herausforderung war natürlich die Planung, alles unter einen Hut zu bringen, die Termine der Schauspieler zu koordinieren, das hat Heike Fauser (die Produzentin) ganz toll gemacht. Bei einem Low-Budget-Film musst du, weil du die Leute nicht bezahlen kannst, schauen, wann die Schauspieler Zeit haben, da sie Arrangements haben, wovon sie leben müssen. Wir haben ja nur an Wochenenden gedreht und es war schon sehr aufwendig und auch schwierig, was das angeht, aber letztendlich hat alles geklappt. Deswegen auch fünf Jahre Produktionszeit.

Ben: Gibt’s für dich eine bestimmte Szene im Film, die deine persönliche Lieblingsszene ist?

Stefan: Also ich mag den Showdown ganz gern, da haben wir auch mal sechs Tage am Stück gedreht, das war so der einzige richtige Block, den wir hatten. Da haben wir’s auf jeden Fall krachen lassen, da bin ich auf jeden Fall sehr stolz drauf.

Dann gibt’s noch die Mittelalterszene, in der Wilhelm von seinen Dorfbewohnern vertrieben wird, die ist uns ganz gut gelungen. Es gibt einige Szenen, die ich ziemlich gut finde.

Ben: Was würdest du sagen, wer ist Zielpublikum? Für wen ist der Film gemacht?

Stefan: 18-60+? Wir hatten z.B. das Erlebnis auf unserer Kinotour, dass bei einigen Vorstellungen ein paar Leute 60+ da waren, die den Film ziemlich toll fanden und herausgefunden haben, dass da zwei verschiedene Meta-Ebenen drin sind und die haben da Sachen erkannt, was ich ziemlich spannend finde, da ich mir im Vorfeld ja auch Gedanken gemacht habe. Man kann das ja auf verschiedene Dinge übertragen. Das hat mich auf jeden Fall sehr gefreut.

Ben: Gab’s für dich persönlich Inspiration von anderen Filmen, die dich durchaus mit beeinflusst haben, wo du Anspielungen mit rein gebracht hast?

Stefan: Ja, da gab’s ne Menge Anspielungen an diverse Filme, ganz im Vordergrund steht der phantastische Film der 80er, z.B. Highlander, was den Fantasyfilm angeht, Terminator gibt’s zwei Szenen. Dann der klassische Vampir-Gangfilm, z.B. Lost Boys oder Near Dark, wie ich vorhin schon erwähnte, und unbewusst sicher auch. Ansonsten pack ich immer die innere Wahrheit in einen Film rein. Was mich z.B. im Leben irgendwie fasziniert, pack ich dann in eine Subebene, im Kontext auf die Vampirthematik umgemünzt mit rein. Leben, Tod, was mich im Leben halt bewegt.

Ben: Gerade das Thema “Tod”: Du hast eine Widmung im Film, was hat es damit auf sich?

Stefan: Der Film ist meinem verstorbenen Bruder gewidmet, der 2011 das noch so ein bisschen mitbekommen hat, als die Vorbereitungen losgingen. Ich hab ihm dann am Krankenbett noch so vermittelt: Wir machen den Film, was hältst du davon? Und er hat so den Daumen nach oben gehoben und gesagt “Yes”. Das war für mich das Zeichen, das jetzt durchzuziehen, auch wenn’s lang gedauert hat, sein Spirit war auf jeden Fall immer da und das hat uns natürlich dann bewogen, im Team den Film durchzuziehen.

Ben: Der Film ist mitten in der Kinotour drin [zum Zeitpunkt des Interviews] und ihr habt auch schon einige Festivals gehabt, wo er gelaufen ist. Was steht noch in der Agenda? Auf was dürfen wir uns noch freuen?

Stefan: Nachdem wir ziemlich erfolgreich bei diversen Festivals gelaufen sind, auch u.a. im UCI-Kino liefen im Rahmen der Midnight-Movies, stehen jetzt noch vereinzelte Kinos an. Parallel sind wir schon am Verhandeln mit Verleihern bezüglich Home-Entertainment, der Film wird definitiv auf Blu-ray, DVD und VoD erhältlich sein.

 

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Heike Fauser (Produzentin), Florian Freiberger (Schauspieler) und Stefan Schwenk (Regisseur) bei der Kinopremiere in München im Werkstattkino

 

Und an genau diesem Punkt sind wir nun angelangt: Montrak steht für’s Heimkino in den Startlöchern parat und bereichert ab sofort den deutschen Filmmarkt mit dieser liebevollen Huldigung an vergangene Zeiten, in denen Vampire tatsächlich noch richtig böse waren.

Natürlich lässt sich so ein gigantisches Low-Budget-Projekt nicht mit Mega-Blockbustern vergleichen, denen normalerweise viele Millionen zur Verfügung stehen. Hier wurden u.a. zwei Crowdfunding-Aktionen gestartet, bei denen ca. 15.000 € zusammenkamen, die für die Produktion verwendet wurden. Man spürt also schon, dass dieser Film ein Herzensprojekt ist, das finanziell von den Fans getragen wird, die genau solche Filme gerne sehen möchten.

Dabei findet man eben nichts vom glattgebügelten Hochglanz-Massenwahnsinn, den Hollywood am Fließband predigt, sondern man taucht ganz tief ins Nischendasein ein und erlebt eine düster erzählte Geschichte, die ebenso dreckig wie spannend ist und durch seine märchenhafte Düsternis begeistert. Damit beweist Deutschland einmal mehr, dass es kein Glamour und Glitzer benötigt, um Vampire ordentlich in Szene zu setzen, sondern dass ein klein wenig nostalgische Begeisterung ausreicht, um die altbekannten Stärken des Genrefilms packend auszuleben und dem Publikum einen echt sehenswerten Film zu bieten, der sich völlig in die abgelegene Mysterien-Welt der Vampire begibt.

Und solch ein Kniefall vor den heißgeliebten Fantasy-Filmen der 80er Jahre gehört einfach belohnt.

Wie ihr das tun könnt?

Auf dem Weekend of Hell wird’s einen Stand geben, wo ihr die Mediabooks direkt ordern und kaufen könnt. Mehr dazu findet ihr hier: https://weekend-of-hell.com/programm/#haendler

Ebenso werden Stefan Schwenk und seine Crew auf dem House of Horrors vertreten sein: Mehr dazu hier: https://www.houseofhorrors.events/

Und wer keine Zeit findet, zu diesen Conventions zu gehen, kann sein limitiertes Mediabook auch direkt bei der Produktion ordern: Hierfür einfach eine E-Mail an Heike Fauser ( h.fauser@tbc-film.de ) schicken und Cover-Wunsch dazu äußern:

Cover A (limitiert auf 333 Stück)
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© 2018 TBC Filmproduktion | Nameless

 

Cover B (limitiert auf 222 Stück)
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© 2018 TBC Filmproduktion | Nameless

 

Cover C (limitiert auf 111 Stück)
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© 2018 TBC Filmproduktion | Nameless

 

Die Mediabooks werden dann ab 5. November 2018 verschickt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich sind Vampire wieder böse und somit der Zustand der guten alten Welt wieder hergestellt.

Stefan Schwenk holt mit seinem neuesten Werk den Vampirfilm zurück nach Deutschland und beweist, dass man kein Glitzer braucht, um gute Unterhaltung zu produzieren. Die hingebungsvolle Hommage an längst vergangene Zeiten versetzt einen als Zuschauer zurück in die Vergangenheit und präsentiert eine mehrschichtige Erzählung in Form eines düsteren Märchens direkt aus dem Herzen der Bundesrepublik.

Wer Genrefilm mag, wird Montrak lieben!

 

Nachspann
✅ Coolest End Scroll ever seen. Bleibt sitzen, man hat sich hier richtig was einfallen lassen.

Kinostart: Ab 5. November 2018 als Mediabook inkl. Soundtrack erhältlich, 2019 wird es dann auch eine Amaray im Handel geben.

Original Title: Montrak
Length: 122 Min.
Rate: FSK 18

Vom Ende einer Geschichte

Die BBC ist bekannt für Film- und Dokumentarbeiträge, denen man eigentlich nie die Note “schlecht” attestieren kann. Auch wenn das Buch mit 182 Seiten nicht zu den Monster-Romanen gehört, ist der Inhalt doch von vielen als preisverdächtig ausgezeichnet worden. Immerhin hat Julian Barnes – der Autor – so viel Aufmerksamkeit erregt, dass sich die British Broadcasting Corporation dazu verpflichtet gefühlt hat, diesen Inhalt für die Leinwand zu inszenieren.
Und das Ergebnis darf sich sehr wohl sehen lassen. Jim Broadbent und Charlotte Rampling geben ein Schauspielerduo ab, dass sich den wirklich wichtigen Fragen des Lebens stellt und in einer gelungenen Performance verschiedensten Dingen auf den Grund geht. Die Themen dürften am heutigen Tag aktueller denn je sein. Dem Tag, nachdem Deutschland erstmalig in der Geschichte als Weltmeister bereits in der Vorrunde der Fußball-WM ausschied und in vielen Gesichtern auf der Straße, in Lokalen und Restaurants der Schock tief in den Gliedern sitzt.
Exakt solche Szenen durfte ich gestern Abend zu Hauf beobachten und habe daher beschlossen, mich in ein kleines, schnuckliges Kino zu verkrümeln und mir eben diesen Film anzusehen.
Und er liefert nicht nur Gedankenanstöße für die “Großen”, sondern ist selbst wie eine liebevolle Umarmung, die dich vollständig einhüllt, schützt und wärmt und das Gefühl von Sorglosigkeit und Lebensvertrauen vermittelt. Vielleicht habe ich deshalb das Durchschnittsalter im Saal drastisch nach unten korrigiert, weil eben dies eine Realität aufbaut, die sich wohl viele der älteren Generationen heute wünschen würden: Langsamkeit, Sinnieren, Reflexion, die Frage nach Eigenverantwortung und Erinnerungen an ein besseres Leben.
In Zeiten wie diesen, in denen alles so wahnsinnig schnell geht, in der Dinge bereits vorbei sind, bevor sie richtig angefangen haben, darf man gerne Werke wie dieses nutzen, sich zurücklehnen und die Zeit einfach für eine Weile mal etwas langsamer verstreichen lassen. Es fühlt sich unglaublich gut an. Versprochen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Buchverfilmung der besonderen Art, die viel Nähe, Liebe, Selbstkritik und reflektierendes Verhalten zulässt und damit zu den besonderen Werken unserer Zeit zählt.
Dass man sich dafür auf den Weg in die nischigen Independent-Kinos machen muss, sollte kein Hindernis darstellen, nutzt einfach gezielt die Kinosuche und schaut euch dann das Ende einer wunderbaren Geschichte an. Ihr werdet euch danach nicht schlechter fühlen als vorher – soviel garantiere ich euch.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 14. Juni 2018

Rings

Samara is back und die PR-Aktionen im Vorfeld haben selbst mir richtig gut gefallen. So gut, dass der Film an sich dagegen fast schon abstinkt. Aber der Reihe nach.
Mit Rings legt man die erfolgreiche Serie der legendären Filmtode fort und baut auf dem Gerüst eines bekannten Namens mit bekannten Ideen und einer Hand voll Neuerungen nun erneut ein zweistündiges Werk auf, dessen Schockeffizienz ungefähr der eines offenstehenden Kühlschranks gleicht.
Die legendären Auflösungen des Films, der mit reichhaltig Zeit, neuen Ideen, Schöpfungskraft und unglaublichen Mitteln ausgestattet sein sollte, entpuppen sich hier als fade Story, die im völlig neuen Ansatz zwar altes aufgreift und neu umsetzt, jedoch keinerlei Masterpiece-Größe mehr vorzuweisen hat und daher einfach schlicht und ergreifend nur noch langweilig ist.
Im Ernst: Diese Form von Enthüllung hätte man sich durchaus schenken können, denn die hat es nicht nur schon tausend Mal gegeben, sondern sie sind auch in keinster Weise mehr derartig schockierend, wie sie vor Zeiten von N. K. und Co. gewesen sind. Solche Rätsel hat die Menschheit längst gelöst und obwohl sie grausam und unmenschlich daherkommen, gehören sie dank Nachrichtenflut heutzutage schon fast zum Alltag und gelten perverserweise bereits als unspektakulär.
Und genau dieses Gähn-Gen macht sich während des Films in einem breit und erobert immer mehr deines Körpers, bis du schließlich tiefenentspannt zum Ausgang schlenderst, sobald der Film vorbei ist.
Und ein Horrorfilm möchte doch genau das Gegenteil erreichen, oder hab ich da was verpasst?
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich fand es langweilig, ohne Schocker und ohne Leidenschaft und Herzblut gemacht.
Stattdessen steckt man durchaus fähige Schauspieler in eine Rolle, baut auf bekannten Mustern auf und versucht, die Leute wieder durch einen Namen ins Kino zu locken statt durch bewundernswerte Taten.
Dieser Schuss ging in meinem Fall nach hinten los und ich würde auch keinem empfehlen, sich dieses Filmende anzusehen, da hier wieder nur für die Masse produziert wurde und man keinerlei Anflüge von Liebe zur Nische erkennt. Der Geist, der den japanischen Originalen innewohnt, die ich mir auch nicht allein anschauen würde, fehlt hier vollständig und gibt die Bühne der großen Langeweile frei.

 
Nachspann
läuft im Textband, aber ohne weitere Szenen oder Überraschungen.

Unsere Zeit ist jetzt

Meiner Meinung nach war es ein Fehler, diesen Titel in der Vorschau mit dem Namen Til Schweiger zu verbinden, denn das wird für einen Großteil ein Grund sein, die Vorstellung nicht zu besuchen.
Und diese Entscheidung dürften viele spätestens dann bereuen, wenn sich irgendein Fernsehsender die Streamingrechte erkauft hat und das Teil im Free-TV zu sehen sein wird, denn die werbefrei-unangetastete Vollversion des Films erhält man nur, wenn man ein .kinoticket löst und sich das Teil in einem dem Film den gebührlichen Respekt erweisenden Areal anschaut: Nämlich im Kino selbst.
Die Schaffenden hinter der Kamera offenbaren hier nämlich nicht nur ein völlig skurriles Bild, das sich mit viel um die Ecken gedachten Paralellen wieder in Richtung “Musikfilm” bewegt, sondern inszenieren eine neue Art Movie, das in den kommenden Jahren gerne als Startpunkt für eine neue Bewegtbildära gelten darf, die mir als jemand, der ständig auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen ist, mehr als gut gefallen hat.
Der Bruch mit der 4. Dimension mag manch einem ja bekannt sein, aber was man hier an Inception-Moves vereinigt hat (mir fällt grad kein besserer Begriff dafür ein), sucht seinesgleichen.
Und das in einem Titel, bei dem Til Schweiger einen Großteil zu sagen hat.
Spätestens nach diesem Abspann hast du dem Kerl alles vergeben, was dir in der Vergangenheit womöglich bitter aufgestoßen ist. Nicht nur die eigenironische Weise, mit der man sich ständig selbst parodiert, sondern auch die unglaubliche, dem deutschen Film niemals zugetraute Größe, die hier auf einmal auf dem Tablett liegt, hat mich positiv geschockt.
Und ich hasse deutsches Kino – und selbstverliebte Darsteller erst recht. Beides ist in diesem Film nicht zu finden. Die Bühne gehört ganz dem ursprünglichen Sinn von Kinofilmen: Dem Rüberbringen einer faszinierenden, fesselnden Geschichte, wie sie im Buche steht.
Dass hierbei nicht nur echte Menschen involviert sind, die aus dem tatsächlichen Leben erzählen, sondern auch noch eine Verbindung geschaffen wird, die die Tiefgründigkeit einer zumeist oberflächlich dargestellten Persönlichkeit ans Licht bringt in dieser in sich geschlossenen Umgebung hat mich zutiefst beeindruckt.
Wo vorher Abneigung und gehypter Hass im Raum wogte, steht auf einmal Sympathie, Mitgefühl und eine unglaubliche Nähe zu einem Typ, den man vorher noch nie in seinem Leben getroffen hat.
Doch nicht nur die autobiografisch-anmutende Erzählumgebung, sondern auch das Schauspiel der darum stolzierenden Mitbewerber setzt internationale Akzente und sorgt mit dafür, dass sich Deutschland immer mehr Platz auf dem Podest des internationalen Ruhmes erarbeitet und das Repertoire des vorzeigbaren Schauspiels um einen Film erweitert, den man auch noch nach Jahren uneingeschränkt empfehlen kann.
Mich hat es tierisch begeistert, ich war geflasht von der herzergreifenden Basis der Gefühle, die hier auf die Oberfläche transportiert wurde und kann immer noch nicht fassen, dass dieses Ding tatsächlich von Schweiger unterstützt und geschaffen wurde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Springt über euren Schatten und wagt den Griff ins Ameisennest: Diesmal werdet ihr nicht enttäuscht.
Es gibt keine vergleichbaren Werke, die man Unsere Zeit ist jetzt gegenüberstellen kann und somit greifen auch keine Vorurteile von bisher dagewesenen Fehlgriffen, die man dem Mann andichten kann.
Nicht nur die Machart beeindruckt über alle Maßen, sondern auch die Inhalte repräsentieren, dass man hier etwas verstanden hat: Die Menschen zu unterhalten, zu fordern und ihre Seelen ganz tief zu berühren.
Also Abmarsch ins Kino und unbedingt diesen Film schauen – wenn es sich je gelohnt hat, dann jetzt.

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Nicht nur die Musik wirkt im Kino unglaublich, sondern nach dem Abspann folgen auch noch weitere Momente, also rennt nicht gleich weg.

Jason Bourne

Juhu, endlich wieder ein Jason Bourne-Film, der auch die konservativen Kinogänger wieder ins große Wohnzimmer lockt und die Geschichte von … Jason Bourne erzählt, die wir alle in äh … vier vorherigen Teilen bereits ausführlich kennengelernt haben.
Genauso fühlt man sich, wenn man den Titel liest, den Trailer sieht und schließlich ins Kino spaziert, um zu schauen, was daraus nun geworden ist.
Jason Bourne gehört für mich zu den Großen im Filmbusiness, der eine weitreichende Masse an Menschen erreicht und somit auch internationale Werte vermitteln kann, die dem Zuschauer eingeprägt und somit lehrreich untergeschoben werden können, während der unwissend im Kino sitzt und sich angeblich unterhalten lässt.
Und zu unterhalten weiß der Film in seiner Weise schon, auch wenn für den eingefleischten Cineasten die tatsächliche Offenbarung irgendwo fehlt, denn alles war schon mal da, alles hat es schon mal in irgendeiner Form gegeben und so wirklich beeindruckend und neu ist dabei nichts.
Dass man in puncto Action und Aufruhr nun die Schrauben etwas angezogen hat, dass alles ein klein bisschen größer und gewaltiger erscheint und man sich wohl auch irgendwo darüber im Klaren ist, dass die mysteriöse Verschwiegenheit um die Person selbst nun komplett hinfällig ist, darüber wussten wohl auch die Macher Bescheid. Insofern hat man den “Sinn” des Films ein wenig verloren und dabei aber nicht wirklich den großen Absprung auf das Erzählbrett vieler neuer Geschichten geschafft, sondern hier tatsächlich wieder mal ein klassisches Aufwärmen alter Geschichten vorgenommen, die einfach nur effektträchtig und audio-visuell beeindruckend auf die Leinwand konzipiert wurden.
In einer Größenordnung wie dieser hätte ich dabei etwas mehr erwartet und habe etwas bedauert, dass man die Chance verstreichen ließ, hier wieder einen Schritt weiter in Richtung Konkurrenzprodukt zu gehen, das völlig neue Maßstäbe als Orientierung für weitere Filme ansetzt und somit wieder etwas völlig begeisterungsfähiges in die Lichtspielhäuser bringt. Stattdessen fühlt man sich eher, als hätte man ein wenig den Hang zum Übertriebenen genutzt, um mit anderen bewusst übertreibenden Filmen mithalten zu können und hier eben nicht nur klassische Geschichten zu erzählen, sondern eben auch mit Gigantismus zu spielen, was aber ganz und gar nicht ins Modul dieser Filmreihe passt, sondern sie eher unglaubwürdiger macht.
Okay, ich jammere hier auf hohem Niveau, denn der Film lohnt sich schon für einen guten Kinoabend, dafür ist er professionell gemacht und technisch sowie schauspielerisch auf hohem Niveau, allerdings sollte man nicht zu viel erwarten, denn die große Offenbarung bleibt wie gesagt aus.
 

.kinoticket-Empfehlung:Wer großes leistet, von dem darf großes erwartet werden.
Und diese Erwartungen werden ein bisschen enttäuscht, auch wenn der Film selbst als solides Machwerk dasteht und mit seiner Art tatsächlich zu unterhalten weiß. Als Kenner der Vorfilme und als eingefleischter Kinogänger hat man allerdings zu hohe Erwartungen und erlebt daher ein klein wenig Ernüchterung sobald der Abspann über die Bildfläche rollt.

 
Nachspann
folgt in üblicher Weise ohne Szenen oder Teaser fürs nächste Produkt.

Die Unfassbaren 2

Now You See Me – wie der Titel im Original heißt – war einer der bahnbrechendsten Magierfilme schlichtweg. Die Imposanz, mit der man die Tricks, Persönlichkeiten und Idee auf den Markt brachte, sucht bis heute seinesgleichen und verblüfft auch beim fünften Mal ansehen immer noch mit überzeugendem Wahrnehmungsrausch.

Der Speed, den man im ersten Teil generierte, das Vorzeigen, Verblüffen, Ablenken und Erstaunen funktionierte auf einer Ebene, die bis dato noch kein anderer Film in dieser Form auf der Leinwand präsentiert hat. Schaut man sich den Streifen im Heimkino an (und regelt die Anlage entsprechend hoch), hat man immer wieder eine gigantische Show, die jeden Zuschauer mitreißt und hinterher erstaunt zurücklässt.

All dies bringt immense Erwartungen, Vorfreude und den Rausch auf Fortführung herbei, der dieses Jahr mit Now You See Me 2 in den Kinos zelebriert werden will.

Dabei knüpft die Vorstellung keineswegs an die Genialität des ersten Teils an, sondern offenbart sich eher als eine bittere Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Fragen, die sich der Zuschauer beim ersten Mal stellte, wie man aus dem Nichts heraus etwas so geniales erschaffen konnte.

Die durch die überragende Meisterleistung im ersten Teil hervorgerufene Stimmung konnte in der Fortsetzung irgendwie nur enttäuschend werden, denn man geht als selig-vergnügter Magiebegeisterter nun voller Erwartungen in den Saal und wird mit den dunklen Seiten der Zauberei betraut gemacht, die eben alles andere als prickelnde Stimmung hinterlässt, sondern – angestachelt durch das Anlernen darauf, tatsächlich hinzusehen – fast schon vorhersehbar und dadurch langweilig wird.

Man hat nicht mehr das Gefühl, dass man hier nun von absoluten Profis heimgesucht wird, die so talentiert sind, dass einem als Zuschauer förmlich die Luft wegbleibt und man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, sondern fühlt sich ihnen teils schon überlegen und beginnt sich zu fragen, ob das Ganze nicht umgekehrt ist und man sich nun auf die Jagd nach den Reitern macht, die mit ihren Shows dem Gros der Gesamtveranstaltung ständig hinterher hinken.

Auch das andeutungsweise polemische Hinweisen auf mögliche Mängel im Leben von uns allen erscheint dann eher als misslungener Versuch, aus allem doch noch etwas positives zu schlagen und wenigstens mit einer guten Moral von der Bühne zu treten, doch die scheitert irgendwie an Belanglosigkeit und einer Inszenierung, die weder verblüfft noch begeistert, sondern eben einfach da ist und in sich funktioniert.

Problematisch war unter anderem auch, dass die Tricks hier nicht mehr die feinfühlige Größe aufwiesen wie im ersten Teil, sondern man sich mehr und mehr Optionen bediente, die eben nichts mehr mit wahrem Können zu tun haben, sondern zeitweilig eher ins Lächerliche rutschen und somit als Gesamtkonstruktion eher fragwürdig sind. Vergleicht man hier das Gesehene allerdings mit den üblichen YouTube-Tricks, wird schnell klar, dass das Niveau eben doch sehr hoch ist und man viel Aufwand in die Präsentation der einzelnen Kunststücke investiert hat, die in sich geschlossen aber in einem Rahmen gezeigt werden, der nicht nur bröckelt, sondern sich in seine Einzelteile aufzulösen scheint.

.kinoticket-Empfehlung: Ob ich den Film wirklich empfehlen kann, weiß ich nicht. Meine Bewertung war bei Mittel mit Tendenz zu schlecht, weil mir einfach die spritzige Energie des Magischen gefehlt hat und man als Kenner des Vorteils höchstwahrscheinlich bitter enttäuscht aus der Show hervortreten dürfte.

Dennoch hat man viel Mühen investiert, um mit hohem Aufwand Tricks zu präsentieren, die teils schon beeindruckend waren, allerdings durch geschulten Blick vorhersehbar und beim Hinterfragen auch die Grundfrage offen lassen, wieso man das Ganze jetzt veranstaltet. Und damit geht eben einfach ganz viel Sympathie verloren, die man im ersten Teil noch hingebungsvoll spendete.

Nachspann
❌ läuft wie üblich ohne weitere Szenen oder Fortsetzungen.

Kinostart: 25. August 2016

Original Title: Now You See Me 2
Length: 130 Min.
Rated: FSK 12

The Gift

Gott war’s schön – zu sehen, wie die Beinchen der weiblichen Zuschauer zitterten, als Blumhouse Productions sein Logo auf der Leinwand aufblitzen ließ.
“Oh nein, bitte keinen Horrorfilm, da geh ich raus!”
Gegangen ist keiner. Und Horror lief auch keiner. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Aber der Reihe nach.
The Gift erzählt die Geschichte eines Ehepaars, das in einem Haus einzieht und Bekanntschaft mit einer sehr dubiosen Person macht. Faszinierend daran war die häusliche Art, mit der man als Zuschauer – ganz nach Paranormal Activity-Manier – in das Leben der beiden eingeführt wurde. Jedoch stieg man diesmal nicht in irgendwelche merkwürdigen Eskapaden ab, sondern bewegte sich stets solide am Boden der Tatsachen und zeigt so eine neue Art des Erzählens auf, bei dem sich der Erzählstrang sowohl bei Darstellern als auch Zuschauern immer enger um den Hals zieht.
Freak-Out-Szenen braucht man keine erwarten, die pure Realitätsnähe, mit der man sich hier konfrontiert erlebt, erzeugt aber schon das ein oder andere Mal Gänsehaut auf dem Rücken. Jedoch würde ich dabei eher von abartig gutem Suspense als von Horror oder “Schocker” sprechen.
Gespielt wird hervorragend, auch dieses Mal sind die Stärken eher die Dialoglastigkeit und der subtile Inhalt des Gesagten als irgendwelche zweitklassigen Effekte. Kurzum: Die Maschinen machen den Menschen den Weg frei und überlassen ihnen die Hall of Fame ganz für sich.
Und diese Tatsache funktioniert hervorragend. Nicht nur mir hat es bis ganz zum Schluss wahnsinnig Spaß gemacht, auf diesen subtilen Trip menschlichen Versagens geführt zu werden und Momente zu erleben, die nicht nur beängstigend, sondern auch verdammt realitätsnah sind, was das Ganze zu einer wunderbaren Achterbahn der Emotionen verwandelt, nach dessen Fahrt man beglückt wieder in seine eigene Welt fällt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Ausflug in die Tiefen der menschlichen Psyche, der nicht nur Verletzlichkeit, sondern auch Stärke, Ehre sowie auch Rache und Hass in professionell verpackten Bildern auf die Leinwand bringt und meines Erachtens auf voller Linie überzeugt.
Die nicht-überheblichen Verbalakte, die hier als tragendes Element im Film fungieren, stellen das Werk als Ganzes auf ein solides Fundament und lassen den Zuschauer weder verstört, noch verärgert zurück.
Wer mit Suspense etwas anfangen kann, sollte sich hiermit vergnüglich beglücken dürfen.

 
Nachspann
Der Saal darf nach getaner Arbeit ruhig verlassen werden. Hier folgt nichts mehr im Anschluss.

American Sniper

Filmen mit “American” im Titel misstraut der Durchschnittseuropäer ja erstmal von vornherein und packt seine anti-amerikanische Keule aus, um so richtig gegen den Patriotismus und das “Wir sind die Guten”-Gelaber der Amis zu hetzen.

Meine Wenigkeit wurde im Rahmen der diesjährigen Academy Award Verleihung mit Trailern auf diesen Film hingewiesen. Mein erster Gedanke:
“Ein neuer Clint Eastwood? Kino!”

Viel erfahren über den Film habe ich nicht, außer, dass Bradley Cooper mit von der Rolle ist und dass es – was die gezeigten Szenen deutlich machten – wohl nicht um einen jener Streifen gehn würde, die viel Geballer und Patriotismus zeigen, sondern eben wieder ein rühmlich-ruhiger Eastwood auf die Leinwand gebracht werden würde.

Klar war also, dass ich mir das passende .kinoticket für diesen Film alsbald holte und ihn mir im Rahmen des Kinomarathons zu Gemüte führte. Dass es sich hier um die hollywoodangepasst-wahre Geschichte des echten Scharfschützen Chris Kyle handelt, wurde mir dann kurz vor dem Abspann auch klar.

Innere Zerrissenheit

Mein Empfinden im Saal war eher zweigeteilt. Ich war leicht enttäuscht, ob des dokumentarischen Charakters und empfand mich im Film oft zwischen den Szenen hin- und her geschmissen. Mir fehlte der Zusammenhang, mir fehlte das Abholen der Zuschauer und in die Szenen führen, mir fehlte irgendwie die “Größe”, die man von Filmen dieses Kalibers gewöhnt ist.

Meine Erwartungen an einen Unterhaltungsfilm wurden bitter enttäuscht, denn was man hier zu sehen bekommt, ist nicht für den zu Hause Gebliebenen aufbereitet, sondern schildert das abstruse Verhältnis von Soldaten, die aus ihrem Land, aus ihrer Familie herausgerissen und an eine Front gebracht werden, an der es einfach nur abartig zugeht. Dein Leben besteht nur noch aus Teilstücken ohne jede Bedeutung.

Du hast eine Frau. Sie ist schwanger. Du bist im Einsatz. Du kommst wieder, der Bub ist 4 Jahre alt. Du bist wieder im Einsatz. Du kommst nach Hause, er ist in der Pubertät.

Als Zuschauer musst du dich erst einmal umständlich zwischen den Szenen zurechtfinden und da ist auch keiner, der dir dabei hilft. Kein Erzählstrang, kein Drehbuchschreiber, kein Regisseur. Die Story knallt in genau der gleichen Abartigkeit in deinen Schädel und macht dich ein Stück weit genauso wahnsinnig, wie es den Soldaten im Kampf für ihr Land ebenfalls ergeht.

Dazu kommt, dass den Amerikanern der Status “Soldat” noch ein ganzes Stück mehr bedeutet als hierzulande den Europäern, da dort wahre Helden noch gefeiert und rühmlich begraben werden. Hierzulande schaut dies – Informationen eines Bundis nach – dann doch ein kleines Stück anders aus. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, weshalb man sich auf dieser Seite des großen Teiches wohl eher schwer mit solch einer Kost tut. Hat man den Film dann tatsächlich zu recht mit “American” ausgezeichnet?

Der Clou ist der Blickwinkel

Nachdem ich mich telefonisch mit einem Hauptfeldwebel über den Film unterhalten und wir sehr lange darüber diskutiert haben, wurde mir dann auch einiges klar. Dieser Film ist nicht für diejenigen gemacht, die popcornmampfend zu Hause sitzen und sich irgendwelche Kriegspropaganda im Fernsehen anschauen um dann unterhaltend im Kino berieselt zu werden, sondern hier wird gnadenlos aus Sicht der Soldaten gefilmt und geschildert.

Man spürt, wie sehr Cooper sich in den Kriegsgebieten “wohl fühlt” und wie er immer mehr den Bezug zu seiner Familie, zu seinem Leben verliert. Dieses Schwingen zwischen dem Status, den er im Kampf hat in Verbindung mit seiner liebenden Frau, die ihn sehnsüchtig zu Hause erwartet und möchte, dass er sich ihr wieder nähert, wird zum Ende hin fast unerträglich.

Du erlebst mit, wie die Psyche dieses Mannes langsam gebrochen wird, wie er am Ende versucht, dem Leben noch irgendeinen Sinn abzugewinnen und vielleicht die richtige, vielleicht auch die falsche Entscheidung trifft. Am Schluss saß ich im Kino und dachte mir: “Und jetzt? Was soll uns das jetzt alles sagen? Dass Krieg in sich sinnlos ist? Dass er Menschen einfach nur kaputt macht? Dass er enttäuscht? Dass er die Seele von Männern und Frauen schändet und nichts als Leere und Irrsinn zurücklässt?”

Genau das. Clint Eastwood hat hier nicht nur von, sondern auch zu den Soldaten gesprochen und ihnen gezeigt: Es gibt jemanden, der euch versteht. Für die Rekruten ist klar, was es bedeutet, wenn im Abspann keine Musik läuft. Für die Einsatzkräfte ist klar, was mit der “Fernseherszene” gemeint ist. Sie erleben das geschichtliche Zucken von Lebensbruchstücken nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im realen Alltag.

Insofern handelt es sich bei diesem Film tatsächlich um großes Kino, mein Fehler war einfach nur, mit den falschen Erwartungen rein zu gehen.

Der Patriotismus bleibt tatsächlich aus, die Frage nach Menschlichkeit wird allzuoft gestellt, die Ansichten in Sachen Kameradschaft und Zugehörigkeit werden umfassend bearbeitet und die Schwierigkeit besteht nicht darin, dass falsch gefilmt oder schlecht bearbeitet wurde, sondern dass man einfach die falschen Erwartungen mitbringt und nicht weiß, dass es sich hier um einen rein dokumentarischen Film einer wahren Begebenheit handelt. Die nämlich ist irre hervorragend umgesetzt und durchaus kinowürdig.

Der fade Beigeschmack, dass Clint Eastwood hier versucht, gemeinsam mit Publikumsmagnet Bradley Cooper sein Schaffen in die Mainstreamschiene zu pressen, um keine allzu abwegigen Gedanken mehr produzieren zu müssen und “noch mehr Leute zu erreichen”, blieb mir zwar bis zum Schluss erhalten, jedoch finde ich im Nachhinein, dass er genau der richtige für diesen Job war, um die – vielleicht missverständliche – Botschaft gebührend auf die Leinwand zu projizieren.

Leute, die jemanden kennen, der beim Bund ist oder gar Zuschauer, die selbst ihr Leben ihrem Land verschrieben haben, dürften sich in diesem Film sehr wohl aufgehoben fühlen und er trägt auch ein ganz klein wenig mit dazu bei, dass vielleicht die unmenschlichen Handlungsweisen von Soldaten nach Jahren im Einsatz ein wenig besser verstanden werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Schaut euch davor und danach nichts anderes an. Dann hat es dieser Film tatsächlich in sich.

Wer Unterhaltung erwartet, sollte lieber woanders zugreifen. Wen das Thema Menschlichkeit im Bezug auf Krieg interessiert, der wird einen großartigen Film erleben, der es durchaus wert ist, gesehen zu werden.

Nachspann
✅ bleibe ich bei diesem Film schon aus Respekt einfach sitzen.

Kinostart: 26. Februar 2015

Original Title: American Sniper
Length: 132 Min.
Rated: FSK 16

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