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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Verlust

Bumblebee (3D)

© 2018 Paramount Pictures Germany GmbH

Inzwischen läuft der Streifen schon ne Weile und er wird von euch völlig zu Unrecht durch Nichtbesuchen abgestraft: Dem müssen wir langsam mal etwas entgegen wirken.

Viele haben sich von der Transformers-Tour der letzten Jahre etwas abschrecken lassen: Die Kombination Shia LaBeouf und Megan Fox hatte ja noch so ihre Reize, aber mit den Teilen 4 und 5 hat man es actiontechnisch dann echt übertrieben und die Menschen mehr oder weniger in die Enge getrieben, was bei vielen wohl für Überdruss an der Filmreihe über Hasbro-Spielzeuge geführt hat. Logisch, was soll noch groß kommen und die Realität sieht leider oft so aus, dass diese Art Film eben im falschen Kino angeschaut wird, was dann kein Genuss, sondern bloße Enttäuschung ist.

Dafür sind die meisten Dorfklitschen schlichtweg zu klein bzw. werden selbst in den Städten diese Titel oft nicht in den angemessenen Sälen präsentiert, was diese Filmreihe zusätzlich drückt, da diese Filme tatsächlich nur laut und groß und in 3D wirken und popcornmäßig Spaß machen.

ABER – und das ist das große ABER: Dieser Titel hier heißt Bumblebee und nicht: „Transformers 8 – Bumblebee“ oder sowas … man könnte also gut und gerne sagen, dass dieser Film erstmalig rein gar nichts mit Autobots und Decepticons zu tun hat, sondern etwas völlig anderes ist, obwohl diese Tierchen darin auftreten.

Fakt ist: Man hat endlich (!) gemerkt, dass mit stupider Action auf Dauer kein Geld zu machen ist und es die Leute zunehmend langweilt und hier echt richtig seine Hausaufgaben gemacht und Drehbuchautoren an das Game herangelassen, die sich nach Lust und Laune austoben durften. Und was dabei rausgekommen ist, ist echt ein sensationeller Film mit tollen Dialogen, einer wunderbar austarierten und liebevollen Geschichte, die fast schon vor Anmut und Herzwärme erstrahlt.

So viel Liebe, Mitgefühl, Normalität und Austariertheit kennt man schlichtweg nicht im Zusammenhang mit Transformers, dazu paaren sich sensibel erzählte Witze und eine absolut … ja … romantische (?) Story, die mehr oder weniger schon halb zu der Herzlichkeit an Weihnachten passt, weswegen der Starttermin gar nicht so doof gewählt ist.

Leider merkt dies der Zuschauer erst, wenn er bereits in dem Film sitzt und muss die Kaufentscheidung aber lange davor treffen – und dazu reichen weder .trailer noch andere Vorabinformationen aus, um ihn dazu zu bewegen.

Man könnte sagen: Michael Bay gibt die Schablone und zeichnet aus, wie die Transformer aussehen sollen, wobei auch hier ein wunderbar 80s-lastiger Look und nostalgischer Charme aufgespielt wurde. Steven Spielberg bringt seine BFG – Big Friendly Giant-Avancen mit ein und jemand anderes schreibt dazu das Drehbuch und liefert grandiose Dialoge. Dieser geniale Mix bringt’s einfach und macht aus Bumblebee den besten Transformers aller Zeiten, obwohl er eigentlich gar keiner sein möchte.

Hier werden nämlich noch ganz andere Dinge völlig richtig gemacht: Klischeerollen nicht besetzt, Menschen nicht die absolut dämlichsten Worte in den Mund gelegt, um sie wieder in diese Schubladen zu pressen, eine völlig unbefangene und tolle Freundschaft aufgebaut und viele der üblich-bekannten Actionfilm-Fehler nicht begangen: Hier stehen die Soldaten eben nicht einfach, nachdem sie von Betonklötzen erschlagen wurden, eigenhändig wieder auf und laufen, als wäre nichts gewesen … selbst in diesen Dingen hat man sich ein wenig Gedanken gemacht und es „realistischer“ gestaltet, was dem Film zusätzlich sehr viel mehr Glaubwürdigkeit und Ehre verleiht.

Bee hatte schon in den alten Teilen die Avancen dazu, „menschlicher“ zu sein als die anderen und in seinem eigenen Film kriegt er jetzt einfach vollkommen Spielraum, stiehlt dabei einer grandiosen Hailee Steinfeld nicht die Show und lässt sie ihre Geschichte erzählen. Und die ist den Kauf eines .kinotickets allemal wert!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist KEIN Transformers-Film – also lasst eure Vorurteile nicht eure Entscheidungsfreiheit trüben!

Die drei magischen Worte lauten: GROSSE Leinwand, LAUTE Anlage und 3D-BRILLE auf dem Kopf! Aber nicht, weil das wieder eine martialisch-bestialische Actionschlacht wird, sondern weil Filme wie dieser da einfach laufen. Das hier? Romantik, Feingefühl, Liebe und wahre Freundschaft. Weit weg von all dem, was Transformers früher geliefert hat – und damit wahrscheinlich der beste Transformers aller Zeiten.

Lasst euch den nicht entgehen!

Nachspann
❌ Den Song sollte man mitnehmen, der im Übrigen als Soundtrack generell grandios ausgewählt ist – neue Szenen kommen aber keine mehr.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Bumblebee
Length: 113 Min.
Rate: FSK 12

Servus Baby (36. Filmfest München)

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Felix Hellmann und Natalie Spinell auf der Weltpremiere von Servus Baby im HFF auf dem 36. Filmfest München

© 2018 .kinoticket-blog.de

 
Binge-Watching auf dem Big Screen… die Zeiten sind längst da gewesen, in denen man mich permanent gefragt hat, ob ich auch Serien schaue und bewerte … und meine Antwort lautete stets: Wenn sie auf dem Big Screen laufen, dann schon.
Jeder von euch weiß, dass ich kein Freund von kleinen Monitoren bin, selbst relativ wenig fernsehe und absolut kein Interesse an billigem Niedrigniveau-TV-Schund habe, der intellektuell anspruchslos ist und volksmündisch die dahinsiechende alte Fraktion befriedigt.
Als genau das könnte man aus den Augen der Jugend betrachtet auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen bewerten, die Argumentationen bezüglich jugendhafter Inhalte auf öffentlich-rechtlichen Sendern lässt ja zuweilen arg zu wünschen übrig. Zu recht, möchte man meinen, denn Paradebeispiel-Sender wie Das Erste und ZDF haben sich in ihrer Vergangenheit selten mit Ruhm bekleckert, was die Beliebtheit bei unter 49jährigen angeht.
Wenn man sich jetzt davon mal abwendet und gleich in die “Dritten” geht, landet man beim Bayerischen Fernsehen und dort bei einer grandiosen Serie, die Fernsehen quasi revolutioniert und etwas bisher nie Dagewesenes bringt, dass so viel Esprit und Charme versprüht, dass es sogar in den Kinos für tosenden Applaus sorgt.
Aber immer mit der Ruhe: Serien laufen deshalb ungern auf großen Leinwänden, weil die Inhalte eben nicht dafür ausgelegt sind, ein großes Publikum auf kurze Sicht vergnüglich und zufriedenstellend zu unterhalten und die zeitliche Planung zum Sichten aller Folgen einer Staffel oftmals miserabel ist. Aus dem Grund gibt es VoD-Anbieter zu Hauf, die eben diese Lücke schließen und quasi den “Es dauert ewig, geht sehr in die Tiefe und ist pro Folge eben nicht massig mit Inhalt voll”-Button permanent gedrückt halten und alles abseits von Film per Stream durch den Äther jagen.
Wie also sollte man dann eine Serie bewerten, die – via Binge-Watching – auf dem 36. Filmfest München in einer Komplettshow gezeigt wird und beim Publikum für Standing Ovation gesorgt hat?
Leute? Ich saß im Kino und hab gedacht, ich bin das erste Mal meines Lebens tatsächlich im Himmel! Dieses Gefühl, das zu erleben … innerhalb der Landesgrenzen des sonst so biederen Deutschlands, dass sich in seiner Geschichte angewöhnt hat, nicht begeistert zu sein bzw. seine Begeisterung nicht emotional ausdrücken zu können … und dann zu spüren, wie das Publikum klatschen will, obwohl die Folge noch gar nicht vorbei ist … der helle Wahnsinn.
Also nochmal auf Deutsch: Ich, der TV-Hasser, habe im Kino gehockt und eine Serie vom BR auf der großen Leinwand geschaut und wurde emotional plattgewalzt von Gefühlen, die permanent zwischen Lachen, Weinen, Mitgefühl, Sorge und extravagantem Humor hin- und her wechselten. Im Ernst: Bieder ist was vollkommen anderes. Altbacken und seltsam, heimatkanalmäßig und volksmusiktrunken, all das lässt sich überhaupt nicht auf das anwenden, was Felix Hellmann und Natalie Spinell da auf den Screen gebracht haben: Der Humor ist sowas von erste Sahne, dass man nicht anders kann, sondern lachen muss!
Ich fühle mich als Wortakrobat kaum in der Lage dazu, würdig genug auszudrücken, mit welcher Verbalwucht man da auf die Menschheit losgegangen ist und sich gleichzeitig aus den Vorurteilsfesseln gesprengt und vom biederen Touch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens befreit hat: Dieses Ding ist eine Sensation, die das Fernsehen grundlegend revolutioniert!
Die Dialoge (Deutschland kann keine Dialoge? Äh … doch!) sind der Hammer! Die benutzte, hoch-rasante Situationskomik ist zum Niederknien und die Konversationen brechen mit alten Gewohnheiten und machen Platz für eine von der Jugend verehrbare Form der Unterhaltung, die gänzlich in ihrem Sinne arbeitet und dabei gleichzeitig unterschwellig alles richtig macht in Sachen gendern: Man hat nicht das Gefühl von “Bäh”, sondern liebt es und möchte am liebsten zum Schluss auf “Replay” drücken und alles von vorne nochmal ansehen! Der BR zählt ab sofort zu den nicht-prüden Sendern, denn sowas hätte ich allen zugetraut, aber nicht diesem Sender.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, Deutschland kontert nun die Desperate Housewives in einer spritzigeren, besseren und geografisch näher bezogenen Variante, von der ich einfach nur mehr sehen will! Ich bin euch garantiert böse, wenn ihr keine weiteren Staffeln davon dreht und damit endlich dauerhaft jugendlichen Flair in die senile, verstaubte, deutsche Fernsehlandschaft tragt und endlich ALLEN Bürgern Argumente liefert, wozu die Rundfunkbeiträge gut sein können!
Dieses Ding ist so gut, dass es eben nicht nur im TV funktioniert, sondern grandios auf der Kinoleinwand punktet und – so glaube ich – jeden im Saal absolut begeistert hat.
Obwohl die Ausstrahlung für September 2018 im BR geplant ist, wäre es doch absolut wünschenswert, diese Folgenkombination bis dahin noch durch die Kinos zu jagen, denn ich bin mir sicher, dass sich die Freude darüber auch in regulären Vorstellungen aufrecht erhalten lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein grandioser Befreiungsschlag für das deutsche Fernsehen: Revolutionär, wortgewaltig und voller Humor und Emotionen – Servus Baby überzeugt in jederlei Hinsicht und tischt einen frischen, jugendlichen Geist auf, der sich die Geschlechter ganz neu vorknüpft und daraus etwas absolut Sehenswertes macht, dass es so im TV noch nicht gegeben hat!
Ich fiebere dem September entgegen und werde den ganzen Monat lang das Programm des Bayerischen Fernsehens aufzeichnen, um diese Serie ja nicht zu verpassen! Und ihr solltet dem gleichtun und euch dieses Wunderwerk nicht entgehen lassen – sowohl Mann als auch Frau haben daran garantiert helle Freude.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen: Eine Serie des BR ist so grandios, dass sie sogar auf der Kinoleinwand für ekstatischen Beifall sorgte – Servus Baby muss man gesehen haben!

 
Nachspann
in Kurzform, den darf man ruhig abwarten. Die Zeit bis zur nächsten Folge zählt man aber am liebsten in Millisekunden. MEHR DAVON!
Kinostart: Ab September 2018 im Bayerischen Fernsehen
 
Und im Anschluss gibt’s noch ein paar Impressionen von der Weltpremiere von Servus Baby auf dem 36. Filmfest München im HFF – viel Spaß damit 🙂
 

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Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Ein Freund meinte zu mir: “Es ist nicht schlimm, wenn du ihn nicht gesehen hast, es ist aber auch nicht schlimm, wenn du ihn gesehen hast.” und sprach damit dem Film einen studentisch-professionellen Auftritt zu.
Und in der Tat: Es ist endlich mal nicht das samtweiche 3D-Rendering, welches man sonst aus animierten Filmen so kennt, sondern man hat sich anderer Technik bedient und damit wieder mehr dem Independent-Kino zugewandt. Dieser Schritt macht sich auch im Drehbuch und bei den darin befindlichen Problematiken bemerkbar. Man wollte sich wieder auf den Inhalt konzentrieren und ließ die Technik (aus Kosten- oder anderen Gründen) mal außen vor, um ein liebenswürdiges Stück Kinderfilmgeschichte zu schreiben, dass sich durchaus sehen lassen darf.
Dabei erleben die kleinen Tierchen im Laufe ihres Jahres einiges an Erlebnissen, die zwar typische Merkmale aufweisen, jedoch genauso Parallelen zum Leben eines Kindes ziehen und damit Hilfestellung für Entscheidungen im jungen Alter geben. Die unterschwellige Moral, die hier im Hinblick auf Freundschaft, Ziele erreichen und Über sich hinauswachsen gegeben wird, ist löblich und wurde überzeugend dargestellt und umgesetzt.
Dass man es als Erwachsener eher schwer hat, die ganze Laufzeit über voll bei der Stange zu bleiben, geht in der Aufmerksamkeit und Begeisterung der jüngsten Kinozuschauer gänzlich unter, denn man ist genügend damit beschäftigt, die Kleinsten zu beruhigen und in diversen Szenen über das Geschehene aufzuklären.
 

.kinoticket-Empfehlung: Damit hat man einen Film, den man Kids auf jeden Fall bedenkenlos vorsetzen kann, aus der man nicht nur eine positive Moral, sondern auch löbliche Grundsteinlegung fürs weitere Leben ziehen kann.
Die Independent-anmutende Animation ist erfrischend anders und sorgt auch hier wieder für ein Stück Abwechslung im Pfuhl der sonstigen Animationsfilme.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten.

Verborgene Schönheit

In einer Zeit, in der Krieg die Tagesmeldungen dominiert, Regierungswechsel stattfinden, die den halben Planeten emotional spalten und Mütter davon erzählen, dass sie nur noch in Angst leben, wenn ihre Kinder draußen alleine rumlaufen, kommt ein Film, der mit einem Juwel wirbt, dass für viele im Alltag verloren gegangen zu sein scheint: Schönheit.
Ganz ehrlich: Auch ich habe zeitweise verlernt, das Schöne im Leben zu entdecken, auch wenn alles darum absolut düster aussieht. Verborgene Schönheit hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Kinozuschauern diese Schönheit wieder näher zu bringen und eine Geschichte konzipiert, die in dieser Umsetzung wohl kaum massentauglich in den Alltag jener passt, die so verängstigt und aufgescheucht durchs Leben rennen.
Die Kritiken über diesen Film sind durchaus gespalten und sorgen mit diversen Nominierungen für Negativpreise schon jetzt für unzulängliche Voraussetzungen, sich diesen Film tatsächlich zu Gemüte zu führen und sich auch auf das einzulassen, was einem dort geboten wird.
An dieser Mauer des guten Willens spalten sich scheinbar die Geister. Ja, Will Smith ist auch nicht für seine allzeit 100%igen Rollen bekannt und mag wohl auch hier schon den ein oder anderen vorab abschrecken. Auch ich fand, dass das Gros des Zusammenspiels der gesamten Casts hier schon eine Aussage ausdrückt, die zuletzt in wüsten Plot-Twists endet, die durchaus etwas verstörend wirken und erfordern, dass man anschließend darüber nachsinnt und prüft, ob das alles tatsächlich so sein kann, wie der Film es einen glauben lassen will.
Und genau hier ziehen die Schwächen des Films. Die Geschichte ist wunderbar, man fiebert mit, man kann sich durchaus in die Lage der Protagonisten versetzen und empfindet ihren Schmerz und ihr Glück genauso mit wie in jedem anderen Film. Dennoch hinterlässt Verborgene Schönheit ein gewisses Desinteresse, wenn man hinterher aus dem Kinosaal tigert und womöglich aus dem Gesehenen noch etwas ins echte Leben übertragen sollte.
Und so etwas ist Gift für den Erfolg.
Dennoch möchte ich den Darstellern ihre gut gespielten Rollen nicht absprechen, denn einige Momente im Film sind so überzeugend, dass sie tatsächlich die Sinne ansprechen und für teils ungewollte Gefühlsausbrüche sorgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich bin mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder nach draußen gegangen.
Der Film ist zu gut, um ihn nicht gesehen zu haben, man verpasst allerdings auch nichts, wenn man sich eher für eine andere Vorstellung entscheidet.
Vielleicht sollte man aus dem Bauch heraus entscheiden und anschließend einfach zu seinem Entschluss stehen.

 
Nachspann
Abspannfrei – hier kommt nur der Buchstabensalat, den sonst eh keiner liest.

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