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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Vernichtung

Geostorm (3D)

Wenn man verhalten mit Pressevorführungen umgeht, verheißt das im Normalfall nichts gutes. Wenn man sich vergangene Werke mit Gerard Butler ansieht, auch nicht. Zumindest keine, in denen irgendwelche amerikanisch-patriotischen Flaggen wehen, die den simplen Geist der Nationalität ansprechen und auf konservativ-patriotische Reaktionen hoffen.
Zumindest funktioniert diese Art von Film auf dieser Seite des Teichs nicht. Für mich. Man fühlt sich eher unwohl an das stumpfe Verhalten designierter AfD-Wähler erinnert, in deren Konversationen keine fundierten und begründbaren Argumente mehr zu finden sind.
Genau diese Klientel versucht man mit Geostorm wohl auch anzusprechen. Alles funktioniert nach Schema F. Man hat den Zwist in der Familie, den Hund, das Kind, die alten Erinnerungen, irgendwelche Codes, internationale Krisen, die heroisch von den USA bewältigt werden und irgendwas mit dem Präsidenten zu tun haben.
Würden hier weder Titel noch Filmplakat zu sehen sein, könnte man auch meinen, ich schreibe über London has fallen. Oder San Andreas, bei dem zwar kein Gerard Butler mitspielt, dafür aber eine andere Action-Ikone, die sich an Chuck Norris messen will, aber den Absprung dahin nicht schafft, sondern bereits im Flug zu Boden stürzt.
Es ist zwar okay, wenn man sich nicht oberster Stilmittel bedient, sondern einfach mal ein Schlachtgewitter und CGI-Explosionen zeigen will, wenn dafür dann aber auch nicht genügend Kohle vorhanden ist, dann mündet es in einer Enttäuschung beim Zuschauer – und genau das ist Geostorm: eine bittere Enttäuschung, für die wahrscheinlich viel zu viel Kohle rausgeworfen wurde.
Als Macher hätte ich mich erstmal gefragt, wieso es Filme dieser Art gibt, die funktionieren und bis heute Begeisterung bei ihren Liebhabern auslösen, und solche, die jämmerlich versagt haben. Und hätte dann die Unterschiede zwischen ihnen gesucht, mir die positiven Rosinen davon gepickt und daraus einen neuen Film gemacht.
Warum funktioniert beispielsweise Armageddon so hervorragend? Auch hier hat man mit Heroismus und patriotischem Gedankengut zu tun gehabt, auch hier hat man versucht, die Welt in Schutt und Asche zu betten und effekttechnisch das Beste daraus gezogen. Und es hat funktioniert. Und der Grund dafür dürften weniger Aerosmith mit ihrem legendären Hit gewesen sein.
In meinen Augen liegt der Erfolg eher im Justieren der Intension – dem Maß der Zerstörung und dessen Glaubwürdigkeit. Ich kann Häuser in die Luft fliegen lassen oder Häuser in die Luft fliegen lassen. Ganz gefährlich wird’s dann mit lieblos zusammengestückeltem Halbwissen aus .trailern und Vorabsequenzen, die dem Zuschauer vielleicht sogar bewusst ein völlig falsches Bild vermitteln und Erwartungen schüren, die nicht erfüllt werden.
Und an diesem Punkt versagt Geostorm in voller Montur: Es gibt nicht nur unzählige Logiklücken und Stumpfsinnigkeiten, sondern es ist auch offensichtlich, dass hier die niedersten Instinkte angesprochen werden sollen, die den IQ von Bier und BILD-Zeitung nicht übersteigen. Eben genau wie bei London has fallen – nur dass jetzt eben die ganze Welt dran glauben soll.
Und dabei hätte man so vieles ganz anders machen können – meinetwegen daraus auch ein neues Monsterstück in Guiness-Rekord-Überlänge, hätte man die einzelnen Sequenzen huldigend eingeleitet und nicht einfach nur so dahingerotzt, weil sie eben einfach da sind. Die Feinfühligkeit ist komplett raus und Intelligenz ist überhaupt nicht gefragt, wird noch nicht mal ansatzweise mit 0,1% angefragt, sondern eher schmählich aus dem Saal vertrieben.
Es wirkt, als hätte man zu keinem Zeitpunkt darauf Lust gehabt, Sinn und Logik in den Film zu integrieren, sondern sich einfach nur mit Monstereffekten brüsten wollen, die sich letztendlich als schlechte Qualität entpuppen.
Die virtuose Bildschlacht, die einem die kristallscharfen Klingen von Optimus Prime und Kameradschaft noch bieten, wechselt hier eher in den Slang von Skyline und seinen stümperhaften Dialogen, an denen auch Kinderstimmen oder lachhafte Rahmenhandlungen nichts mehr ändern.
Dazu die unfassbar schlechten Versteckversuche von faszinierenden Wendungen und nochmals erwähnten, grausam offensichtlichen Logiklücken, die keineswegs verzeihlich sind.
Lacher publiziert der Film auch, aber nicht durch Genialität, sondern eher, weil die Show als solches eher lachhaft wirkt und hier nicht mit Komikspitzen, sondern grandiosen Tiefpunkten trumpft, die so schlecht sind, dass man es einfach nicht mehr aushält.
Dann hätte man lieber konsequent auf stumpfsinnige Action gesetzt und die dann aber ins Extrem getrieben, denn Ansätze davon tauchen auch hier auf, der ganz große Wurf, den u.a. der Titel verspricht, bleibt aber komplett aus.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsätzlich eine herbe Enttäuschung auf jedwede Erwartung hin, die entweder der Titel oder der .trailer ausgelöst haben.
Die Dialoge sind unter aller Sau, Spannung kommt kaum auf, es schreit förmlich vor Drehbuch-Dummheit und klaffenden Logiklücken und an Action spart man auch durch günstigere Effekte und nicht sensibel ausgeführte Dekonstruktionsphasen.
Für mich ist man mit diesem Projekt grandios gescheitert.

 
Nachspann
Hier kommt nichts mehr, man darf also wieder zurück in die echte Welt.
Kinostart: 19. Oktober 2017

Thor – Tag der Entscheidung

Das Marvel-Universum umfasst mittlerweile einiges an trächtigen Titeln, so dass man langsam den Überblick zu verlieren scheint.
Wenn wir also von den Avengers reden, inkludiert das folgende bisher vorhandene Filme:
Iron Man
Iron Man 2
Iron Man 3
Der unglaubliche Hulk
Thor
Thor – The Dark Kingdom
Captain America: The First Avenger
The Return of the First Avenger
The First Avenger: Civil War
Marvel’s The Avengers
Avengers: Age of Ultron
Guardians of the Galaxy
Guardians of the Galaxy Vol. 2
Ant-Man
Doctor Strange
Spider-Man: Homecoming
Zu den bislang 16 veröffentlichten Titeln gesellen sich in absehbarer Zukunft dann noch:
Black Panther
Avengers: Infinity War
Ant-Man and the Wasp
und an folgenden Titeln wird noch gearbeitet (darum sind sie bislang nur unter dem Arbeitstitel bekannt):
Captain Marvel
Untitled Avengers
Untitled Spider-Man: Homecoming Sequel
Guardians of the Galaxy Vol. 3
Damit hätten wir dann insgesamt 24 Marvel Cinematic Universe-Filme, die in ihrem glorreichen Glanz ein großartiges Stück Filmgeschichte ausmachen.
24? Yes – denn am 31. Oktober 2017 erscheint der dritte Teil von Thor – Tag der Entscheidung und damit transformiert man diesen Zweig der Avengers-Saga endlich in einen ernstzunehmenden, anbetungswürdigen Teil dieses Universums.
Viele von euch wissen ja, dass sich Tony Stark alias Robert Downing Jr. würdig aus dem Filmlegendenbusiness verabschiedete, um seinen Charakter in Ehre zu halten, bevor er nicht mehr mithalten kann. Dieser Schritt bekam von mir höchste Würdigung, weil ich so etwas schätze, wenn die Leute wissen, wann es genug ist und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aufhören, statt immer weiter zu strampeln, bis es einfach nur noch eine Witzveranstaltung ist.
Gleichermaßen vermisst man den ungleich coolen, einzigartigen und legendären Humor von Stark, was in meinen Augen Guardians of the Galaxy Vol. 2 wieder etwas aufgefangen und eingeholt hat, um weiter damit um sich zu werfen.
Thor war innerhalb dieses Filmbiotops immer ein wenig der kleine Außenseiter. Der erste Teil sprüht zwar vor gigantischem 3D und unfassbaren Farben, einem komplexen Multiversum und vielen grafischen Höhepunkten, die Story fand zuletzt jedoch im zweiten Teil ein morbides Ende – was für mich der absolute Tiefpunkt aller Filme darstellte.
Nicht gut gespielt, irgendwie lieblos zusammengezimmert und ohne jedweden Charme dümpelt man so vor sich hin und erzählt keine sonderlich spannende Story, sondern hat einfach nur einen gigantisch teuren Durchhänger, der eigentlich das Ende der Thor-Erzählung bedeuten könnte.
Und hier ist es nun meine Aufgabe, euch davon zu berichten, dass dem nicht so ist – ganz im Gegenteil.
Wer Guardians of the Galaxy Vol. 2 zum Schreien komisch fand, wird Thor – Tag der Entscheidung lieben! Die Aufgabe von Marvel bestand nämlich darin, einen Regisseur zu finden, der dem ganzen einen völlig neuen Anstrich verpasste und somit Thor aus der Versenkung holte, um ihn wieder zu einem würdigen, lustigen, unterhaltungsreichen Event zu gestalten – und das ist Taika Waititi hervorragend gelungen.
Man hat nicht nur alle Register der Avengers gezogen, sondern auch mit hollywoodinternen Jokes, Tony Starks Humor und inhaltlicher Reichhaltigkeit der Guardians gearbeitet und damit ein Werk erschaffen, dass seine Zuschauer von Anfang an verblüfft und außer den Figuren rein gar nichts mit den ersten beiden Filmen zu tun hat – sofern man diese in ihrer Genialität bewertet.
Es flasht wirklich alles – auf höchstem Niveau. Man hat sich hier aller technischer Mittel bedient, um die Kundschaft auch weiterhin auf dem Level der übrigen Avengers-Filme zu halten, jedoch wieder damit begonnen, den Charakteren Tiefsinnigkeit zukommen zu lassen und das mit einem begeisternden Charme und exzellentem Witz, dass man fast vergisst, dass es mal so etwas wie Iron Man gegeben hat.
Optionen wie Jeff Goldblum als einen der Charaktere einzusetzen, waren für mich eines der größten Pluspunkte, die man diesem Werk angedeihen ließ, denn er spielt herausragend und offenbart sich als völlig neue Entdeckung auf dem Schauspielermarkt, da man mit ihm auch weiterhin derartige Rollen besetzen könnte – großartig!
Cate Blanchett in einem Superheldenfilm? Diese zierliche Frau, die sich kaum traut, ihre Texte richtig aufzusagen? Auf ihr Konto gehen einige Lacher und sie behauptet sich in dieser Saga mit ihrer aussagekräftigen Persönlichkeit in einem Ausmaß, dass ich dieser Frau niemals zugetraut hätte. Großartig!
Man hat es wirklich geschafft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und präsentiert nunmehr ein Meisterwerk, dass sich sehen lassen kann und überlaut nach mehr schreit! Wer also mit Thor abgeschlossen hatte, sollte sich jetzt darum bemühen, .kinotickets zu ordern und die Show wieder beginnen lassen, sonst verpasst er einen großartigen Neueinstand eines alten Titanen der Filmgeschichte!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man wollte alles irgendwie umkrempeln, neu gestalten, frischen Wind in die Sache bringen und das Genre komplett neu beleben – und es hat definitiv funktioniert!
Die Schauspieler sind allesamt klasse, überzeugen durch großartiges Können und übertreffen sich selbst.
Humor, Unterhaltung, Optik und Sound überzeugen genauso wie das 3D und offenbaren sich als eine völlig neue Schöpfung in einem bisher langsam aussterbenden Ast eines Filmuniversum.
Wenn sich je ein Thor-Film gelohnt hat, dann dieser hier: Reingehen! Und zwar sofort!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel – da bleibt man sitzen. Nicht bis zum Zwischeneinspieler, sondern bis ganz zum Schluss – denn auch da kommen noch großartige Sequenzen.
Kinostart: 31. Oktober 2017

The Lego® Ninjago® Movie (3D)

Dass die im fernen Osten nicht nur skurrile, schrillbunte Fernsehshows, sondern auch tiefgründige und lebensbejahende Filme für die Seele produzieren können, hat man hierzulande zumindest im Kino längst verstanden. Der Weisheit, die uns aus den asiatischen Legenden-Movies anstrahlt, ist jeder schonmal in irgendeiner Weise begegnet.

The Lego® Ninjago® Movie vereint hier gleich mehrere Aspekte in einem Film: Man setzt eine liebgewonnene Tradition fort, in der großartige Labels in den allseits bei Klein und Groß beliebten Lego®-Bausteinen nachgebildet und animiert werden, die parodistische Ansätze und viel Humor in einem unterhaltsamen Film vollziehen und baut gleichzeitig die Brücke vom westlichen Lebensleitsatz zum östlichen Verständnis für Werte und Gemeinschaft und bringt damit eine Hommage an die in Asien lebenden Kulturen auch auf die amerikanischen und europäischen Leinwände.

Das hört sich einerseits nach quietschendem Vergnügen und erstklassiger Unterhaltung für die jüngere Riege, aber auch nach Anspruch, Biss, Satire und viel Klamauk an, der die tiefgreifenden, durchdachten und ehrbaren Weisheiten der Asiaten nicht als Moralgrund voranstellt, sondern die Zuschauer viel eher liebevoll und geistreich dahin manövriert, wo am Schluss tatsächlich unfassbar großer Mehrwert liegt.

Der zynische Biss, den man in den teils dunklen Marotten des The Lego® Batman Movie erleben durfte, tritt hier wieder ein wenig beiseite und eröffnet das Spielfeld der etwas emotionaleren Bandbreite, die man sehr liebevoll und trotzdem erfrischend auslebt und damit – meiner Meinung nach – wieder eine sehr wichtige Botschaft in die Köpfe derer pflanzt, die sich auf dieses Movie einlassen.

.kinoticket-Empfehlung: Ein sehr erbaulicher Humorfilm mit ernsten Ansätzen, die ehrbare Grundsätze vom Wert des Lebens und der Gemeinschaft an die junge Generation weitergeben und damit sogar bildungstechnischen Mehrwert innehaben.

Als Fan der Lego®-Filme sowieso ein muss, auch wenn es diesmal wieder etwas ruhiger, dafür aber emotionaler zugeht.
Kinospaß ist definitiv garantiert.

Nachspann
✅ Wie aus den anderen Filmen bereits bekannt, lohnt sich auch hier wieder das voreilige Flüchten … nicht. Also schön bis zum Schluss sitzen bleiben.

Kinostart: 21. September 2017

Original Title: The LEGO® Ninjago® Movie
Length: 101 Min.
Rated: FSK 6

Wonder Woman (3D)

Leute, es wird Zeit, endlich mit einem Mythos aufzuräumen, der zwei Comic-Studios schon seit gefühlten Jahrtausenden quält: Marvel vs. DC, die einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft im Filme produzieren führen, den Marvel bislang fast immer gewann.
Bislang.
Denn mit Wonder Woman und einer Frau im Regiestuhl wird nun endlich alles anders!
Und das ist kein Witz – dieser Film schlägt ein wie eine verdammte Filmbombe! Nicht nur packt es das bislang vom Erfolg verschont gebliebene Studio nun endlich, einen absoluten Kassenschlager zu veröffentlichen, sondern man prescht auch gleich noch in ein paar metaphysische Ebenen vor und schafft Vorbildfunktionspotenzial, das auch gleich mal voll ausgereizt wird.
Und ich schreibe hier als Kerl.
In diesem Film wurde so vieles richtig gemacht und bisher auch zu Recht von Presse und Kritikern gelobt. Da wären Chris Pine und Gal Gadot, die ja bereits in Batman v Superman: Dawn of Justice der heimliche Star war und wie eine Sonne inmitten der düsteren Ebenen des Films herausragte. Die Umkehrung der ungeschriebenen Machtverhältnisse zwischen beiden sorgt für jede Menge frischen Wind und räumt derartig mit Vorurteilen und der Last der Welt auf, dass man als Freund des Menschen im Kinosaal hockt und vor Ergriffenheit nicht weiß, wohin mit den Tränen.
Gerade diese Zielstrebigkeit, mit der man den weiblichen Star am Superheldenhimmel nun etabliert, erfreut mein Herz so dermaßen, dass dafür kaum Worte zu finden sind. Wonder Woman packt mit einem gekonnten Handgriff genau da hin, wo andere Filme bislang weit vorm Ziel bereits gescheitert sind. Und es tut nicht nur sooooowas von gut, ihr beim Erreichen ihrer Ziele zuzusehen, sondern man sitzt im Saal und fragt sich stellenweise, ob Jesus erneut auf die Erde gekommen ist und die Menschheit mit Liebe umarmt! So zumindest fühlt sich der Film an – und treibt mir schon beim Schreiben und Dran denken wieder die Tränen ins Gesicht!
Leute – geht da rein und zeigt DC, dass ihr mehr davon wollt! Die Regisseurin hat bereits angekündigt, wieder für einen Film zur Verfügung zu stehen und ich hoffe und bete, dass genau das passiert! Denn was euch da ab Donnerstag vor den Latz geknallt wird, ist der bislang beste Film (neben The Dark Knight), den DC jemals auf den Markt gebracht hat!
Und das absolute i-Tüpfelchen wäre jetzt noch, wenn jeder einzelne von euch anfängt, endlich mit dem verkorksten “Das ist doch nur Hollywood, sowas ist nicht echt und schon gar nicht real”-Denken aufzuhören und damit beginnt, zumindest ansatzweise so zu handeln, wie Wonder Woman herself es tut.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine so dermaßen tiefe, innige, von Herzen kommende und ernstgemeinte Verneigung wie dieses Mal gab es von mir bislang noch nicht!
Ganz egal, was ihr bisher von der Story kennt, wie ihr zu Superhelden steht oder was euch schon mal irgendwo darüber erzählt worden ist – alles hinfällig! .kinoticket kaufen, reingehen!
Pflicht!

 
Nachspann
mal abgesehen von dem irren Soundtrack, der den ganzen Film über aufgefahren wurde (und Leute, der allein hat einen Oscar verdient!) kommt hier nichts weiter, das erwähnenswert wäre.
Die Hoffnung auf den nächsten Streifen und damit den Ausbau genau dieser Ethik stirbt bekanntlich ganz zuletzt.

Independence Day: Wiederkehr (3D)

Jüngst hatte ich es ja schon angekündigt, bei diesem Film aktuell wieder getestet: Es wird Zeit, sich wieder mal über die Wahl des richtigen Kinos zu unterhalten, denn mit Independence Day: Wiederkehr schickt Roland Emmerich erneut seinen Bühnenhit auf Zuschauerjagd und holt somit jung und alt zurück ins Kino.
Ich habe das Ganze nun in drei verschiedenen Kinos getestet und bin zu dem Schluss gekommen, dass es an der Zeit ist, technische Werte aus den tauglichen Sälen rauszukitzeln und euch mitzuteilen, denn was so manch einer hier als Kino bezeichnet ist auf deutsch gesagt eigentlich nur eine ziemlich derbe Zumutung.
Es ist ja mittlerweile bekannt, dass ich für jede Vorstellung gemütliche 120-150 km zurücklege (eine Strecke), und was bei mir bereits in Mark und Bein übergegangen ist, muss bei so manch einem vielleicht noch gefördert werden.
Wenn euch aus den Lautsprechern eures Kinos die sensationelle Neuheit des Dolby Stereo anschreit und ihr beim Kauen des Popcorns öfters Pause machen müsst, damit ihr die Ansage auf der Leinwand versteht, dann ist das nicht Kino in dem Sinn, wie sich die Publikationsmeister dieses Actionspektakels das vorgestellt hatten.
Mittlerweile läuft ja in einigen Kinos bereits das legendäre Dolby Atmos, wo man anschließend wirklich nur noch jemanden finden muss, der auch versteht, das ein schlechter Film durch zusätzliche Lautstärke doch noch Spaß machen kann. Alle anderen sollten wissen, dass Bass rumsen muss, dass sich einem der Magen durchaus physisch gerne mal durchgeschüttelt vorkommen darf, wenn etwas größeres vom Himmel runterkracht und mit epischen CGI-Effekten den Staub hinter der Verschraubung der Kinosessel hervorholt. Und wenn dann das Bild auch noch gigantisch ist (und gigantisch heißt gigantisch und nicht einfach nur groß), dann kommen wir so langsam auf die Ebene, wo Independence Day: Wiederkehr in 3D so richtig Spaß macht.
Und ja, es macht tatsächlich einen Unterschied aus, ob man den Film auf einer 15x7m großen Leinwand oder auf einer 20x8m großen Fläche anschaut. Gute Bassboxen und plastischen Surround vorausgesetzt, der optimal abgemischt dann das unterstreicht, wovon man hier übermäßig viel Gebrauch macht: Superlativen.
Im Prinzip fangen die gleich mit der ersten Minute an und hören einfach nicht mehr auf. Im Gegenteil. Es bleibt episch. Aber eben nur, wenn man auch in einem Kinosaal sitzt, der sich dieses Attribut auch verdient. Bislang konnte ich nie verstehen, wieso es Menschen gibt, die lieber auf die Ausstrahlung auf ProSieben warten statt ins Kino zu gehen wenns in Richtung Action geht … als ich dann aber mal wieder in einem Fremdkino Platz genommen hatte und festgestellt, mit welchen Methodiken man hier versucht, die Leute zu verarschen, dann wurde mir klar, woher solche Aussagen rühren.
Also: Rafft eure müden Ärsche auf, sucht euch ein Kino, das vor Gigantismus sprudelt und dann geht dort in den größten Saal, bettelt die Betreuer an, dass sie den Titel ungefähr ein Drittel lauter machen als vorgeschrieben und dann hockt euch mitten rein und genießt die bombastische Show.
Alles andere funktioniert nicht.
“Ja, ich brauch das eh nicht so laut” => funktioniert nicht. Dann wirkt der Film nämlich nicht.
“Ja, bei mir ist das Kino aber nicht so groß und ich hab keinen Bock, so weit zu fahren.” => Lass es gleich bleiben, denn dann wirkt der Film nicht.
“So viel kann das jetzt auch nicht ausmachen.” Ähhhh – doch! Und zwar gewaltig.
Denn dieser Gigantismus ist das Einzige, wovon die Fortsetzung dieses Klassikers lebt. Und wenn der nicht aus den Boxen gepriesen wird, was bleibt dann, außer eine leere Hülle, in der alte Charaktere erneut aufeinandertreffen und quasi die Show wieder von vorn abspielen, nur dass diesmal eben die kongeniale Introduktion fehlt, die dem 20 Jahre alten Vorgänger seine Seele eingegeben hatte?
Eben. Nichts. Außer der Größe. Die man in einem kleinen Nischenkino nicht hat.
Also schaut euch entweder etwas anderes an, oder geht gleich in ein Kino, dass die Gegebenheiten vorhält und euch mit Größe erschlägt. Dann seid ihr auch nach diesem Film erschlagen und hattet euren technischen Spaß. In den beiden kleineren Kinos war dieser Film nämlich eher enttäuschend und erst in der absoluten Superlative hat er mir dann richtig Spaß gemacht.
Ob man nach 20 Jahren dann tatsächlich eine Fortsetzung oder Neuauflage haben möchte – beides wäre berechtigt und irgendwie bekommt man auch beides in gewisser Form geliefert – jedoch wird es meiner Meinung nach noch eine Weile dauern, bis sich auch der letzte Zuschauer an die neuartige Form von Film gewöhnt haben wird.
Und bis dahin erfreuen wir uns an geilen Effekten und pompösen Krachern aus den hoffentlich guten Boxen im Kino.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier gilt die Devise: Je größer, desto besser. Und lieber noch ein bisschen mehr Leinwand und alles noch etwas lauter.
Erst, wenns wirklich langsam ans obere Limit geht, erreicht man hier den Punkt, wo die gigantischen Superlativen auch wirklich gebührend zum Ausdruck kommen und nicht unwürdevoll in Handy-Manier runtergespult werden, denn Independence Day: Wiederkehr (3D) liefert hier wahre Größe und nichts, was fürs Heimkino geschaffen wäre … es sei denn, man hat 5stellig investiert und boxt somit alle umliegenden Kinos aus dem Ring.

 
Nachspann
kommt keiner, nach der Abblende wird man nur noch musikalisch verwöhnt.

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