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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Verteidigung

Der Mann aus dem Eis

Wenn man sich in den Kinos umschaut, entdeckt man eher die ältere Riege auf den Plätzen, die scheinbar etwas völlig anderes erwartet haben, sofern man die zwischen den Szenen geführten Kurzgespräche à lá “Na, du wolltest unbedingt hier rein, jetzt musst du da auch durch” richtig interpretiert.
Tatsächlich ist das kein Zuckerschlecken, sondern wirft einen zurück in die Zeit vor 5000 Jahren, aus der angeblich der berühmte Ötzi stammen soll und zeigt eine mögliche Variante dieses brutalen Lebens.
Dass dabei weniger auf Tatsachenberichte und vielmehr auf fiktive Erzählungen zurückgegriffen wurde, war einerseits Kritikpunkt der Medien, ist andererseits aber irgendwo logisch. In meinem Umfeld gibt’s zumindest niemanden, der aus dieser Zeit stammt und mir aus erster Hand davon erzählen könnte.
Dennoch macht diese Form der Unterhaltung etwas her: Man könnte beim Schauen fast meinen, man wäre auf eine deutsche Variante von The Revenant – Der Rückkehrer gestoßen – etwas nischiger, etwas natürlicher, aber genauso blutig und brutal und gleichzeitig gefühlvoll: Emotionen sind mehr oder weniger das einzige, das man in diesem Film wahrhaftig versteht, was jedwede Diskussion über Tiefgründigkeit oder höhere Absichten obsolet macht.
Vielmehr möchte man an die Einfachheit und das blanke Überleben erinnern – und stößt so während den unfassbar vielen Naturaufnahmen immer wieder an Gedanken, wie gut wir es heute doch eigentlich haben. Und dafür ist man nach dem Film wieder ein Stück weit dankbarer – was für mich eigentlich schon Grund genug ist, ihn einfach mal anzuschauen. Ob nun im Kino – oder später mal im TV – das bleibt jedem selbst überlassen.
 

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Jürgen Vogel mit kinoticket-blog.de-Macher Benjamin Klob auf der Deutschland-Premiere von Der Mann aus dem Eis

© 2017 Petra Schönberger

 

.kinoticket-Empfehlung: Brutal, blutig und emotional definitiv bewegend: Großartiges Kino basierend auf fiktiven Möglichkeiten des Lebens vor 5000 Jahren.
Jürgen Vogel liefert eine einzigartige Performance und erschafft damit die deutsche Antwort auf The Revenant – Der Rückkehrer.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, da folgt nichts weiter.
Kinostart: 30. November 2017

Thor – Tag der Entscheidung

Das Marvel-Universum umfasst mittlerweile einiges an trächtigen Titeln, so dass man langsam den Überblick zu verlieren scheint.
Wenn wir also von den Avengers reden, inkludiert das folgende bisher vorhandene Filme:
Iron Man
Iron Man 2
Iron Man 3
Der unglaubliche Hulk
Thor
Thor – The Dark Kingdom
Captain America: The First Avenger
The Return of the First Avenger
The First Avenger: Civil War
Marvel’s The Avengers
Avengers: Age of Ultron
Guardians of the Galaxy
Guardians of the Galaxy Vol. 2
Ant-Man
Doctor Strange
Spider-Man: Homecoming
Zu den bislang 16 veröffentlichten Titeln gesellen sich in absehbarer Zukunft dann noch:
Black Panther
Avengers: Infinity War
Ant-Man and the Wasp
und an folgenden Titeln wird noch gearbeitet (darum sind sie bislang nur unter dem Arbeitstitel bekannt):
Captain Marvel
Untitled Avengers
Untitled Spider-Man: Homecoming Sequel
Guardians of the Galaxy Vol. 3
Damit hätten wir dann insgesamt 24 Marvel Cinematic Universe-Filme, die in ihrem glorreichen Glanz ein großartiges Stück Filmgeschichte ausmachen.
24? Yes – denn am 31. Oktober 2017 erscheint der dritte Teil von Thor – Tag der Entscheidung und damit transformiert man diesen Zweig der Avengers-Saga endlich in einen ernstzunehmenden, anbetungswürdigen Teil dieses Universums.
Viele von euch wissen ja, dass sich Tony Stark alias Robert Downing Jr. würdig aus dem Filmlegendenbusiness verabschiedete, um seinen Charakter in Ehre zu halten, bevor er nicht mehr mithalten kann. Dieser Schritt bekam von mir höchste Würdigung, weil ich so etwas schätze, wenn die Leute wissen, wann es genug ist und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aufhören, statt immer weiter zu strampeln, bis es einfach nur noch eine Witzveranstaltung ist.
Gleichermaßen vermisst man den ungleich coolen, einzigartigen und legendären Humor von Stark, was in meinen Augen Guardians of the Galaxy Vol. 2 wieder etwas aufgefangen und eingeholt hat, um weiter damit um sich zu werfen.
Thor war innerhalb dieses Filmbiotops immer ein wenig der kleine Außenseiter. Der erste Teil sprüht zwar vor gigantischem 3D und unfassbaren Farben, einem komplexen Multiversum und vielen grafischen Höhepunkten, die Story fand zuletzt jedoch im zweiten Teil ein morbides Ende – was für mich der absolute Tiefpunkt aller Filme darstellte.
Nicht gut gespielt, irgendwie lieblos zusammengezimmert und ohne jedweden Charme dümpelt man so vor sich hin und erzählt keine sonderlich spannende Story, sondern hat einfach nur einen gigantisch teuren Durchhänger, der eigentlich das Ende der Thor-Erzählung bedeuten könnte.
Und hier ist es nun meine Aufgabe, euch davon zu berichten, dass dem nicht so ist – ganz im Gegenteil.
Wer Guardians of the Galaxy Vol. 2 zum Schreien komisch fand, wird Thor – Tag der Entscheidung lieben! Die Aufgabe von Marvel bestand nämlich darin, einen Regisseur zu finden, der dem ganzen einen völlig neuen Anstrich verpasste und somit Thor aus der Versenkung holte, um ihn wieder zu einem würdigen, lustigen, unterhaltungsreichen Event zu gestalten – und das ist Taika Waititi hervorragend gelungen.
Man hat nicht nur alle Register der Avengers gezogen, sondern auch mit hollywoodinternen Jokes, Tony Starks Humor und inhaltlicher Reichhaltigkeit der Guardians gearbeitet und damit ein Werk erschaffen, dass seine Zuschauer von Anfang an verblüfft und außer den Figuren rein gar nichts mit den ersten beiden Filmen zu tun hat – sofern man diese in ihrer Genialität bewertet.
Es flasht wirklich alles – auf höchstem Niveau. Man hat sich hier aller technischer Mittel bedient, um die Kundschaft auch weiterhin auf dem Level der übrigen Avengers-Filme zu halten, jedoch wieder damit begonnen, den Charakteren Tiefsinnigkeit zukommen zu lassen und das mit einem begeisternden Charme und exzellentem Witz, dass man fast vergisst, dass es mal so etwas wie Iron Man gegeben hat.
Optionen wie Jeff Goldblum als einen der Charaktere einzusetzen, waren für mich eines der größten Pluspunkte, die man diesem Werk angedeihen ließ, denn er spielt herausragend und offenbart sich als völlig neue Entdeckung auf dem Schauspielermarkt, da man mit ihm auch weiterhin derartige Rollen besetzen könnte – großartig!
Cate Blanchett in einem Superheldenfilm? Diese zierliche Frau, die sich kaum traut, ihre Texte richtig aufzusagen? Auf ihr Konto gehen einige Lacher und sie behauptet sich in dieser Saga mit ihrer aussagekräftigen Persönlichkeit in einem Ausmaß, dass ich dieser Frau niemals zugetraut hätte. Großartig!
Man hat es wirklich geschafft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und präsentiert nunmehr ein Meisterwerk, dass sich sehen lassen kann und überlaut nach mehr schreit! Wer also mit Thor abgeschlossen hatte, sollte sich jetzt darum bemühen, .kinotickets zu ordern und die Show wieder beginnen lassen, sonst verpasst er einen großartigen Neueinstand eines alten Titanen der Filmgeschichte!
 

.kinoticket-Empfehlung: Man wollte alles irgendwie umkrempeln, neu gestalten, frischen Wind in die Sache bringen und das Genre komplett neu beleben – und es hat definitiv funktioniert!
Die Schauspieler sind allesamt klasse, überzeugen durch großartiges Können und übertreffen sich selbst.
Humor, Unterhaltung, Optik und Sound überzeugen genauso wie das 3D und offenbaren sich als eine völlig neue Schöpfung in einem bisher langsam aussterbenden Ast eines Filmuniversum.
Wenn sich je ein Thor-Film gelohnt hat, dann dieser hier: Reingehen! Und zwar sofort!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel – da bleibt man sitzen. Nicht bis zum Zwischeneinspieler, sondern bis ganz zum Schluss – denn auch da kommen noch großartige Sequenzen.
Kinostart: 31. Oktober 2017

Churchill

Die heranwachsenden Generationen gehören nun langsam vollständig zu denjenigen, die weder den Krieg persönlich miterlebt, noch sich mit deren Thematiken auseinandergesetzt haben, um hernach in Gedenken an vergangene Fehler Vorwürfe und andere Unschönheiten zu Gehör zu bekommen, die von verschiedenen Seiten aus immer wieder gestreut und – zu Recht oder Unrecht – dem heute lebenden Volke vorgeworfen werden.
Ich finde, dieses Thema gehört zu denjenigen, die man am besten überhaupt nicht diskutieren sollte, weil daraus meist nur Streit, erboster Hass und Unverständnis bzw. Missverständnisse geboren werden, die den heutigen Frieden, der – zumindest in Deutschland – herrscht, maßgeblich stören.
Andererseits ist es zwingend erforderlich, sich mit solchen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, um Dinge, wie sie damals passiert sind, zu verhindern und dafür Vorsorge zu betreiben, dass eben jene Fehler, in die man sich in der Historie unmissverständlich hineinmanövriert hat, nicht wiederholt werden.
Und wer in Geschichte im Unterricht aufgepasst hat, weiß, dass sich Geschichte immer wieder wiederholt. Leider.
Weshalb dafür also nicht mal einen Film nehmen, der sich nicht mit Hitler auseinandersetzt, sondern geschichtliche Ereignisse aufgreift, die uns Deutschen aus einer Perspektive heraus erzählt werden, die keiner von uns in diesem Maße je gesehen oder vorgelesen bekommen hat? Gerade die Generation YouTube, der es egal geworden ist, was vor 50 Jahren war und die heute ihren Spaß haben und Bonuscoupons bei Billig-Massenwarenartikelverkäuferläden einlösen wollen, interessiert doch reichlich wenig, welche Gewissensbisse damals ein Mensch gehabt hat, hunderte von Menschen in den Tod zu schicken oder nicht.
Ginge es also um diese Themen – und wären diese historisch mehr als relevant – würde sich der Großteil doch längst abwenden und sich lieber mit der neuesten Folge aus Bibi’s Beauty Palace beschäftigen. Right?
Irgendwo schon. Es ist uncool, seine Freunde zu fragen, ob sie Bock hätten, mit in Churchill zu gehen. Wer sollte sich so etwas denn je anschauen, der auch nur ansatzweise Coolness und Style vorzuweisen hat?
Tja – mir ging es anfangs ähnlich und ich dachte auch: “Meine Güte, was da wohl auf mich zukommen würde, irgend ein Alter-Leute-Film, der sich wieder maßregelnd um den Krieg schert und Dinge erzählt, die eh jeder längst weiß und keiner mehr hören will.”
Macht nicht den Fehler wie ich und wendet euch von den Plakaten und Anzeigetafeln ab, die die Spielzeiten bekannt geben und für diesen Film werben. Mich hatte der Film ziemlich am Anfang bereits in der Tasche und auch, wenn man hier die britischen Wesenszüge sehr stark spürt und dafür empfänglich sein muss (was ich ebenfalls nicht sonderlich bin), so erhält man doch ein Werk, dass für mich hochgradig preiswürdig ist.
Teplitzky schafft es nicht nur, die Figur des Filmnamensgebers authentisch darzustellen und den seelischen Zwist auseinander zu flechten, sondern er erzählt auch von den ganzen Verstrickungen, Schwierigkeiten und Problemen, denen sich diese starken Persönlichkeiten seinerzeit stellen mussten. Dieser tiefe, emotionale Einblick in die Geschichte eines Krieges, den wir nur von der anderen Seite aus kennen, offenbart völlig neue Sichtweisen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Churchill ist also nicht nur das hervorragend ausgearbeitete Porträt eines Krieges, sondern auch das eines Menschen, dessen Inspiration, Stärke, Willenskraft und Zweifel, aber auch Mut, Courage, Antriebskraft und Schwäche deutliche Zeichen setzt, an denen man sich auch in unserer Zeit noch ein Beispiel nehmen kann.
Was für viele Briten bis heute ein leuchtendes Monument von Menschlichkeit ist, ist dieser Film im Wust der heutigen Filme: Ein glanzvolles Beispiel von sehenswertem Inhalt, das überall hingehört, außer in die Vergessenheit.

 
Nachspann
enthält keine weiteren Szenen.
Kinostart: 25. Mai 2017

Die Glorreichen Sieben (2016)

Einen Film aus dem Jahre 1960 2016 wieder in die Kinos zu bringen, gehört für mich nicht unbedingt zu den billigen Abklatschen, die schmerzlich als “Remake” an die Zuschauerschaft verkauft werden. Genauso wenig zählt das für mich als Einfallslosigkeit oder sprödes Kohle scheffeln wollen, wenn man sich dieses Themas glanzvolle 56 Jahre später erneut annimmt.
Dass die Generation X, die gerade auf dem Spielplan der Welt steht, sich keine Streifen mehr von vor knapp 60 Jahren reinziehen möchte, ist für mich vollkommen nachvollziehbar und somit ist es zugunsten der Geschichte sinnig, dieses Thema etwas modernisiert wieder auf die Leinwand zu bringen.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, der immer wieder leise das Wort “Remake” flüstert, das gleichzeitig all die negativen Beigefühle mit auf den Plan ruft und einem schon von vornherein etwas die Lust am Schauen verderben will.
Völlig zu Unrecht.
Die Glorreichen Sieben offenbart sich als exzentrisches Werk voller Hingabe, Ideologie, Krach und einer soliden, eigenen Welt: Das Bild der Darsteller, das in diesem Machwerk gezeichnet wird, strahlt geradezu vor Authentizität und Glaubhaftigkeit. Keine dieser überzeichneten Fantasy-Charaktäre, die man neuerdings in Computerspielverfilmungen gerne auf den Platz lässt, genausowenig das typisch-westernhafte Klischee des huttragenden Cowboyhelden, der sich durch nichts weiter definiert als seinem Aussehen, sondern schöne, geprägte, ausgereifte Kerle, die alle eine Geschichte im Hintergrund verbergen, über die man auch im Verlauf der Spielzeit nicht unbedingt alles erfährt.
Das Mysterium um die Legenden, von denen hier gesprochen wird, bleibt etwas im Hintergrund, doch statt des erwarteten überbordenden Getöse durch die Überladung an Actionsequenzen nimmt hier eine rühmliche Bodenständigkeit den Platz ein und führt durch den Film, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Es rummst schon mächtig, man ist auch als Spektakel-Fan definitiv unterhalten und hat seine Freuden, doch niemals kommt es zu derartigen CGI-Übertreibungen, dass dem gepflegten Freund des Kinos das Lachen im Halse stecken bliebe. Stattdessen braucht die Story etwas Zeit, um anzuwärmen und rennt dann gnadenlos in eine Schlacht, die beim Zusehen tierisch Spaß macht und einen vergessen lässt, dass es derlei bereit schon mal auf der Kinoleinwand gegeben hat.
Und all das sind doch verdammt gute Zeichen dafür, sich durchaus ein .kinoticket für Die Glorreichen Sieben zu lösen und den Film mit seinen besten Freunden zu genießen. Denn wieder einmal gilt: Nur im Kino kommen die Momente und Sphären so rüber, wie sie gedacht waren und für’s Heimkino ist das mal definitiv nichts.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn man Verfechter von Originalen ist, sollte man dieser Neuauflage eine Chance geben: Die Portierung von alt in neu hat dieses Mal nämlich richtig gut funktioniert.
Der Film besticht mit einer authentischen Art, sympathischen Darstellern, einem ausgereiften Bühnenbild und jeder Menge unterhaltsamer Power, die nur im Kino richtig zur Geltung kommt.
Überzeichnung oder -ladung sind fehl am Platze und die erwartete Grobheit eines modernen Remakes bleibt tatsächlich aus. Stattdessen definiert dieser Film das Westerngenre in einer modernen Art und Weise wieder gänzlich neu und führt auch heutige Generationen erneut in die Zeit des Wilden Westens.
Daumen hoch: So was darf man sich gerne anschauen!

 
Nachspann
anfangs noch schön im Zeichenstil des Films gemacht (auch hier wieder ein Original statt eine Kopie), verlässt der Abspann dann bald die Farbebene und läuft bis zum Schluss nur noch in schwarz-weiß runter – man darf sich also wieder ans Sonnenlicht begeben.

Jane Got A Gun

Am Anfang rauchts schmachvoll richtung Überstands-Western aus den Colts. Doch sind wir mal ehrlich: Was genau kennt man denn heutzutage alles noch, das in Richtung Western ausgelegt ist?
Bud Spencer – also der Blödel-Western mit Haudrauf-Garantie und dem alles durch den Kakao ziehenden Einschlag humoristischer Kunst mit Colts und Flatterbändern an den Ärmeln. Und Quentin Tarantino. Der uns immer wieder mit seiner durchschlagenden Verbalkraft und den aneinandergereihten Eigenarten Filme verkauft, die dafür sorgen, dass man nichts versteht und eben jenen Fakt denen vorhält, die seine Filme kritisieren.
Als wäre der Umstand, dass etwas mal augenscheinlich keinen Sinn ergibt (und damit einem erwähnenswerten Kultfaktor Daeinsberechtigung verschafft) geradezu darauf ausgerichtet, genial zu sein. Es kann auch einfach mal der Griff ins Klo werden.
Und eben jene Befürchtung hat man, wenn die ersten 5-10 Minuten des Films über die Leinwand flimmern. Die erhabene Eleganz einer offensichtlichen Nicht-Verblödung der Hauptdarsteller, kein Aufrauschen komischer Artefakte im Spiel um den Sieg und dazu auch keine lustvoll triefende, romantische Story, die im güldenen Sonnenschein zu einem huldvollen Stück irrationaler Liebesschnulze verkommt.
Im Gegenteil: Die Integration der Frau findet ihren Höhepunkt auf der Leinwand und lässt das männliche Geschlecht blöd dastehen. Dazu paart sich im Laufe der Zeit eine sehr tiefgreifende Story mit Elementen, die – transferiert in den modernen Alltag – einem jeden begegnen können. Als Zuschauer keimt geradezu der Wunsch nach so einer Frau im Hause auf. Natalie Portman macht ihre Sache hier wirklich grandios und behält sich dabei auch stets im Griff, um nicht doch wieder in einen Liebesroman abzurutschen.
Selten hab ich erlebt, dass man sich für eine Geschichte derart viel Ruhe und Zeit nimmt. Das Ganze trägt sich die komplette Spielzeit hindurch, als gäbe es kein Morgen. Allein beim Anschauen der Blätter im Wind, die Zurückgezogenheit in der Wüste, das Am Rande der Welt sein-Gefühl begleitet einen ständig und lässt die Story weit weit zurück in der Zeit reisen, wo alles noch irgendwo normal erschien verglichen mit den Abstrusitäten der heutigen Welt.
Probleme werden auf das Offensichtliche runtergebrochen, Hilfe sucht man eben nicht beim Gesetz oder den Richtern, sondern nimmt die Dinge auf beherzte Weise selbst in die Hand und entfesselt damit einen Reigen emotionaler Erfahrungen, die nicht nur die Gegenspieler auf der Leinwand hart treffen.
Und dieser Ernst, mit dem das alles angegangen wird, heilt viele filmische Wunden der Vergangenheit. Es muss mal keine Comedy sein. Es muss keine herzzerreißende Geschichte erzählt werden, die mit den RTL-Tränendrüsen spielt und die Zuschauer an den Rand des Empfindsam-Möglichen treibt. Und selbst die Größe eines bahnbrechenden Blockbusters greift man schon während der Mache gar nicht erst auf.
Man ist klein, besinnt sich auf das Wesentliche und hält alles ganz einfach – und dabei so prächtig professionell, dass der Slogan Großes Kino wie die Faust aufs Auge passt. Gerade zwischen monumentalen Werken wie Star Wars – Episode VII – Das Erwachen der Macht oder wirtschaftlichen Totschlägern wie James Bond: 007 – Spectre gibt sich dieser Film hier auf eine Weise die Ehre, die für sich schon wieder als ehrbar zu bezeichnen wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es tut so wahnsinnig gut, mal einen ernstzunehmenden Film zu erleben, der sich im Bereich klischeehafter Genres einnistet, diese dabei aber nicht bedient.
Kaum zu glauben, dass im Jahr 2015 Western gedreht werden, die auf der Leinwand wirklich zünden und dabei auf keine Machart zurückgreifen, die man aus längst vergangenen Jahrzehnten bereits kennt.
Ich wage fast, zu behaupten, dies wäre der erste und einzige anständige Western, den ich in meinem Leben jemals gesehen habe (wenn man vom üblichen Spiel mir das Lied vom Tod einmal absieht). Die erfrischende Ernsthaftigkeit und das überaus genussvolle Maß an Ruhe und Zeit, die einem hier als Zuschauer gegeben wird, ist für mich ein wahres Geschenk.

 
Nachspann
kommt keiner mehr. Beim Anbruch der Textzeilen am Schluss darf man sich also getrost wieder in die Wirklichkeit aufmachen. Der Trip in die Vergangenheit bleibt trotzdem cool.

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