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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Villa

Kalte Füße

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Kalte Füße enthält im Titel keine super-duper-hightech-nonchalanten Superheldencharaktäre und deutet darauf hin, dass hier eher eine TV-Produktion ins Kino gehievt wurde, die sich mit Ach und Krach behaupten will. Dazu noch talentierte Schauspielgrößen wie Heiner Lauterbach oder Leinwand-Emporkömmling Emilio Sakraya und man ist mittendrin im deutschen Kino.

Nur: Diesmal eben in richtig gut!

Bereits der .trailer hat angedeutet, dass hier tatsächlich echte Gagschreiber am Werk waren und – soviel sei verraten – er nimmt nichts vorweg, sondern lässt genügend Zeit und Spielraum, damit die Story sich entwickeln kann und nicht einfach nur die vorgezeigten Szenen zusammenfügt und abarbeitet.

Und obwohl hier und da schon ein klein wenig die fernsehbegabte Arbeitsweise durchschimmert und auch der ein oder andere Dialog eher den Öffentlich-Rechtlichen entsprungen sein könnte: Man gibt sich hier so viel Mühe, eine wirklich unterhaltsame, spannende und vor allem coole Geschichte zu präsentieren, die auf der Leinwand durchweg Spaß macht!

Wer also wieder mal ungeniert lachen möchte und eine wunderbar erzählte Geschichte erleben, der darf hier beherzt zugreifen und sich ein .kinoticket sichern!

.kinoticket-Empfehlung: Für die deutsche Machart übertrieben gut!

Man schafft es, witzig zu sein und präsentiert eine Coolness, die ich bei anderen deutschen Filmen oft vermisse oder als lächerlich empfinde: Keine Fremdscham, guter Humor, interessante Handlung und ungenierter Kinospaß! Mitnehmen!

Nachspann
✅ ist nett animiert, aber nicht zwingend notwendig … man braucht allerdings nicht direkt rausstürmen.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Kalte Füße
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12

Champagner & Macarons

Champagner - Macarons
© 2018 Tiberius Film GmbH

 

Hinter diesem unscheinbaren Titel, der fast schon anmutend klingt, steckt ein Film mit sehr viel mehr Potenzial und Lachgarantie, als man im ersten Augenblick erwarten würde. Frankreich – berühmt für gut funktionierende und flächendeckend akzeptierte Komödien – stellt mit Agnès Jaoui eine neue Regisseurin auf den Plan, die ihr Ding mehr als solide meistert und erneut ein Stück abliefert, das sich in Insiderkreisen zum Lieblings-Hit mausern könnte.

Der Cast – bunt zusammengewürfelt – besteht aus den illustren Persönlichkeiten, die sich gemeinschaftlich eine urkomische, zynisch-bissige und überaus freudsame Blöße geben, deren einziger Zweck es ist, den Zuschauer zu belustigen und zu unterhalten und dabei ohne Schwere auch noch ein klein wenig Nachdenklichkeit in den Raum zu werfen, der den Hochgenuss dieser Komödie aber kein einziges Stück trübt.

Man braucht also keine Angst vor tiefsinnigen Trübseligkeiten zu haben, sondern darf sich beschwingt und munter auf die heitere Komödie stürzen und die Kinosäle bis zum Erbrechen füllen, denn das Ding hat es schlichtweg verdient, ein klein wenig finanziell erfolgreich zu sein.

Der Spaß deckt auch sämtliche Generationen ab: Vom jüngsten Spund bis zum ältesten Knacker – alles dabei und für jede Altersschiene die passenden Gags in der Tasche. Und dabei ist man von der jeweiligen “Gegenseite” kaum genervt, denn jeder Charakter macht auf seine Weise Spaß und erheitert das dunkle Gemüt .

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich also wieder mal eine sehenswerte französische Komödie geben möchte, ist mit diesem Titel bestens bedient.

Die Altersklassen sind allesamt abgedeckt, der dunkle Rausch ins Reich der trübseligen Finsternis bleibt aus und die Gags sind erste Sahne, da die Charaktere allesamt herrlich zusammengestellt und auf ihre Weise interessant und spaßig dargestellt werden.

Daumen hoch – hier lohnt es sich wieder mal, den kompletten Freundeskreis zusammenzutrommeln und gemeinschaftlich ins Kino zu gehen!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzusitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Place Publique
Length: 98 Min.
Rate: FSK 6

Breaking In

Breaking In ist wieder mal einer der typischen Horrorfilm-Verschwendungen, wie sie im Buche stehen: Man bekommt eine eigentlich irre geile Idee, drapiert sie mit Kanonenfutter zum Abschlachten, wartet mit grandiosen Locations auf und zerhackstückt das Ganze dann in einem billigen Plot ohne Tiefgang und Jumpscare-Effekte.
Übrig bleibt ein Süppchen, das von 13-14jährigen gerne gegessen wird, welche dann tatsächlich auch im Kinosaal sitzen und sich schockiert die Hände ins Gesicht halten, weil sie die Spannung im Film kaum aushalten können.
Ich bin über diese Art Movie scheinbar längst hinausgewachsen, denn ich habe mich permanent gelangweilt. Es tat weh, zu sehen, wie dieser Einfall so lieblos auseinandergenommen wurde, zumal man daraus ein echt packendes, spannendes Abenteuer hätte gestalten können. Doch von Geschwindigkeit und Vorankommen fehlt im Film jedwede Spur. Stattdessen hat man sich sogar bei den Dialogen Mühe gegeben, nicht über eine non-einschläfernde Sprechgeschwindigkeit hinaus zu gehen, um den Zuschauer ja nicht zu irgendwelchen Regungen zu verleiten, sondern ihn in seinem dösenden Schlaf zu belassen.
Alles ist so durchgeplant, jede noch so verheerend wollend wirkende Überraschung wird penibel vorbereitet und in Vorhersehbarkeit ertränkt, so dass wirklich nur vollständig Horrorfilm-Lose eine Art Twist erleben können. Alle anderen bekommen noch nicht mal den jüngst benannten Twist-Twist, dafür konnte sich der Film dann auch nicht mehr hochrappeln.
An dieser Langsamkeit stirbt jede nur erdenkliche Spannung, die zudem mit technischer Einfallslosigkeit gespeist und in Sachen Negativität unterstützt wird. Es ist, als hätte jemand einen Baukasten im Dachboden gefunden, der ein paar auf den ersten Anschein ganz gescheite Brüller im Gepäck hat, aber in der Durchführung ist man nie über die Vorschaubildchen hinaus gekommen und hat dieses unfassbare Potenzial somit kaum ausgeschöpft. Auch aus dem Schauplatz hätte man wesentlich mehr rausholen können. So verzettelt man sich in unnötigen Verstrickungen, zeigt die immer gleichen Schauplätze mit den immer gleichen technischen Raffinessen, ohne sie wirklich einzusetzen oder daraus etwas gekonntes zu gestalten.
Und dann braucht man eigentlich nur noch die nackten Filmregel-Tatsachen auflisten und der Reihe nach abhaken:

  • Kinder müssen gerettet werden.
  • Das schwache weibliche Geschlecht wächst im Twist über sich hinaus.
  • Jung, blond und hübsches Fickmaterial wird zum Abschuss freigegeben (hat eigentlich je mal ein junges, blondes Milchbubigesicht in einem Horrorfilm überlebt?).
  • Am Ende ist draußen drin, drin draußen und überhaupt alles komplett umgekehrt.
  • Außenstehende kommen ins Geschehen rein und fallen dem Fleischwolf anheim.
  • Wo immer ein Überraschungsmoment auftauchen könnte, taucht er auf.

Und wenn am Schluss Mr. Keine-Haare-am-Sack-aber-Freundin-dabei neben mir meint: “Eigentlich müsste der jetzt nochmal aufstehen und zum finalen Schlag ausholen” und das dann nicht passiert, spätestens dann ist klar, dass hier Langeweile Regie geführt hat und man gar nicht beabsichtigt hatte, auch nur annähernd Spannung erzeugen zu wollen.
Und dabei wäre diese Idee so geil gewesen…
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Rohmaterial bietet so viel Stoff, um daraus den spannenden Action-Thriller des Jahres zu gestalten, stattdessen setzt man auf Langsamkeit, Vorhersehbarkeit und liefert absolut null Innovation und Spannung.
Der Film erstickt an sich selbst, tut so, als wäre er ein ungeheuer wichtiges Projekt und liefert dabei allerhöchstens Schreckmomente für diejenigen, denen noch nie im Leben ein düsterer Thriller begegnet ist.
Das Geld nicht wert, das man dafür berappen müsste.

 
Nachspann
❌ bringt nichts und macht aus der Soße auch kein genießbareres Mahl.
Kinostart: 16. August 2018

Winchester – Das Haus der Verdammten

Bei diesem Titel braucht man vorab ein paar Setting-Erklärungen, sonst geht die Sache gewaltig in die Hose:

    • Der Film zählt zum Horror-Genre, darüber sollte man sich im Klaren sein. Das bedeutet, er kann auch im Rahmen einer FSK-18-Sneak Preview gezeigt werden. Das Kinopersonal anzuschnauzen, dass man so etwas doch nicht in einem Kino zeigen könne, ist hier garantiert nicht intelligent. Genau dafür sind u.a. Sneak Previews da: Um Dinge auf den Screen zu bringen, die nicht im üblichen Kinoprogramm durchlaufen würden. Danke an die Kinos – shame on you an die Beschwerer.
    • Erinnert ihr euch noch an die gute alte Zeit, wo man einfach Klamauk als festen Bestandteil eines jeden Horrorfilms kannte und es seltsam war, wenn die gewollt ironisch-billige Komik während der Blut- und Angstszenen fehlte? Genau da wollten die Macher Winchester – Das Haus der Verdammten haben: Als eine Hommage an diese Zeit. Billiger Plot, angsteinflößende Szenen, die in Lachkrämpfen enden und doch irgendwo horrös rüberkommen.
    • Ja, der Film sieht sich nicht als Blockbusterüberflieger und möchte genausowenig Independent-Geheimtipp sein: Er ist ehrlich zu sich selbst und vermittelt zu jeder Zeit, dass er einfach einen gemütlichen Kinoabend verspricht, der an die unbeschwerte Kindheit erinnert und einem mal wieder so richtig gechillt die Comedy-Eier durchschaukelt, während um einen herum diese von merkwürdigem Humor umflügelnden Angstzenen tanzen.
    • Man soll sich nicht gruseln, man soll belustigt sein.

 
 
Und damit wäre jetzt eigentlich alles gesagt und ihr seid bereit dafür, .kinotickets zu ordern und diesen Streifen zu genießen.
Die Idee ist nämlich durchaus gelungen, hält sogar Stücke aus der Realität parat – soll heißen: Die Gruselvorlagen entstammen dem echten Leben.
Das Bühnensetting steht auch völlig diskussionsfrei erhaben da: Die grandiosen Bauten und imposanten Einrichtungen allein sind ein Blick in diesen Film wert.
Und obwohl man während des Films manchmal seine Plot-Zweifel hegt (und auch hegen darf), so ergießt sich die Auflösung dann wieder völlig in Logik, insofern man oben benannte Regeln beachtet: Nehmt es einfach nicht ernst, sondern erfreut euch an einem wunderbar traditionellen Stück Horror.
Der Fakt, dass sich so viele bereits jetzt darüber aufregen (Ja, er lief in der Sneak) zeugt eigentlich nur von einer traurigen Wahrheit: Das Volk ist viel zu wenig getrimmt auf Horror – schon gar nicht im Kino. Wir wurden weichgespült und uns wurde der Umgang mit Horrorfilmen aberzogen. Der Zuschauer weiß nicht mehr, wie er mit solcherlei Stoff umgehen soll und fühlt sich überfordert, da er ansonsten nur mit geistigem Dünnschiss zugelallt wird oder mit ikonischen Blockbustern umschmeichelt.
Da kann der Horror in sich noch so gut sein, bewertet wird immer schlecht, weil: Horror.
 

.kinoticket-Empfehlung: Tut euch selbst den Gefallen und zieht euch dieses Werk rein, denn hier hat man den Griff ins Klo mal sagenhaft verfehlt 🙂
Man orientiert sich an alten Werten, komödiantischem Horror und trifft damit auf ein Genre, dass nichts im Mainstream verloren hat, sondern einfach Spaß macht und unterhält. Beachtet die obigen Regeln und ihr werdet dieses Ding lieben.

 
Nachspann
Hier seht ihr die originale Dame, was belegt, dass die ganzen Spukvorlagen tatsächlich aus realen Ängsten entstanden sind. Toll, dass dann so als Film herauszuarbeiten.
Kinostart: 15. März 2018

Unter deutschen Betten

Soll ich an dieser Stelle auch mal mit “Untertiteln” anfangen und über meine Kritik “Eine Abrechnung” schreiben?
Denn genau das ist es, woran der Film meiner Meinung nach tierisch krankt: Er schürt beim Zuschauer durch diesen blöden Untertitel immens falsche Erwartungen, was in derber Enttäuschung mündet, da genau diese absolut nicht geliefert werden.
Ich weiß natürlich nicht, wie andere das sehen oder auffassen, ich kann da nur von mir ausgehen – als jemand, der das Buch nicht gelesen hat (aber jetzt gerne lesen würde), hätte ich erwartet, dass eben genau das im Film gezeigt und inszeniert wird, was der Untertitel verspricht: Eine Putzfrau packt aus.
Dass im Bezug auf “Unter deutschen Betten” dann eben sehr pikante Details über das Privatleben “echter” Bürger offenbart werden, was wiederum eine interessante Fallstudie zum Thema Öffentlichkeitserscheinung vs. reale Tatsachen darstellen würde – und so etwas interessiert mich brennend! Ein Blick hinter die Kulissen der Fassaden, mit denen fast jeder auf der Straße rumrennt und die von jemandem widerlegt werden, der genau hinter diesen Kulissen arbeitet.
Und da ist der Film auf ganzer Linie enttäuschend: Man könnte fast meinen, er ist eine Art “Rahmenhandlung”, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen ist, der dabei wieder auf völlig andere Augenmerke wert legt und sich um den eigentlichen Inhalt einen Dreck schert. Und dabei aber immer mit dem nicht einsehbaren Werk vor den Augen der Zuschauer rum wedelt, der es kaum erwarten kann, doch endlich etwas präsentiert zu bekommen … und dann wohl oder übel auf den zusätzlichen Kauf des Buches angewiesen ist. Marketingstrategisch auf jeden Fall wiederum ein sehr kluger Schachzug, der allerdings auf dem Rücken des Kunden ausgetragen wird.
Kommen wir dann zum Film ohne diesen Untertitel, bleibt ein weiteres Werk, dass zwar bei Weitem nicht an die unterirdische “Größe” von High Society heranreicht, jedoch die gleiche Klientel zum Thema hat und daher bei mir etwas bitter aufstößt.
Ja, ich weiß, wie es ist, wenn man Geld hat – ich weiß aber auch, wie es ist, wenn man mit 10 Pfennig (umgerechnet 5 Cent) im Monat (!) klar kommen muss und 2 ½ Jahre auf eine Dose Pringles sparen müsste und daher seine ganze Kindheit über nie eine zu essen bekommen hat.
Und genau aus dem Grund halte ich es für falsch, mit Besitz und Reichtum hausieren zu gehen und diese blöde öffentliche Zurschaustellung zu zelebrieren, während woanders Leute um ihr Leben kämpfen. Und die peinlichen “Von oben herab”-Spendengalas sind einfach nur bitter und lächerlich, weil sie den Leuten vielleicht Geld vermachen, jedoch keine Wertschätzung und Anerkennung liefern – und genau das hätten die Ärmsten der Armen aber verdient.
Dass hier dann die Chance mal genutzt wird und diese Scherenstellung der Gesellschaft auseinandergepflückt wird, ist zwar tendenziell zu erkennen, mündet für mich aber auch nicht in der bleibenden Moral, die ich dabei hintenan gestellt hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich widersprechen sich Untertitel und Inhalt des Films, was in meinem Fall zu einer herben Enttäuschung mutierte, statt zu vergnügter Offenbarung der Fälle hinter den Kulissen unseres Lebens.
Die teils ausbleibenden Lacher im Kino zeugen davon, dass es anderen ebenfalls so geht und auch mit einer Ansammlung nationaler Stars dabei kein großer Hit gelandet wurde, sondern allenfalls eine Nebensächlichkeit.
Man könnte den Film quasi als Rahmenhandlung zum Buch sehen – und sollte spätestens danach zur Lektüre greifen, damit sich der Untertitel auch noch erfüllt.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten – gebt den Saal zum Reinigen frei ^^.
Kinostart: 5. Oktober 2017

Why Him?

Bryan Cranston ist spätestens seit Breaking Bad ein Publikumsmagnet und begeistert in seinen Rollen immer wieder eine Schar seiner Fans. Wo er früher in Malcolm Mittendrin noch eher die unsichere Rolle dargestellt hat, zeigt er in Why Him?, dass er längst aus dieser Unbeholfenheit entwachsen und in seiner Glaubwürdigkeit ungeschlagen ist (Ja, das hat er in Breaking Bad schon bewiesen …).
Das ihm hier aufgeschusterte Rollenbild stellt er nicht nur perfekt dar, sondern symbolisiert damit schon fast den rettenden Fels in der Brandung, den man im Verbalgaggewitter von James Franco und dessen absolut übertriebener Verrücktheit durchaus braucht, um diese zartlinige Odyssey humoristischen Ausmaßes heil zu überstehen.
Dabei schlägt sich Why Him? weit über dem Niveau deutscher Comedy, auch wenn die Ausflüge oberhalb der Grenzen des guten Geschmacks kaum dominieren. Gerade am Anfang des Films bombardiert man mit einem Gag-Feuerwerk, dass ebenso schrägt wie funktionell ist und damit garantiert die Masse erreicht. Und das erstaunlicherweise nicht auf Fremdschäm-Niveau, sondern durchaus mit Stil und Charme, während der Zuschauer auch hier wieder permanent aus der Wohlfühlzone gekickt wird.
Damit treffen die Macher durchaus den Nerv der Zeit und beweisen, dass selbst das rabiate Sprachbild unserer Generation mit Stil durchleuchtet und gewissenhaft wiedergegeben werden kann, ohne dabei den Intellekt älterer Zuschauer zu vergrämen.
Im weiteren Verlauf des Films verzahnt man sich dann hier und da mit ein paar Längen, wird zeitweise ernster und erinnert sich stellenweise wieder an das Cindy aus Marzahn-Niveau, das allerdings immer wieder abgefedert wird und somit nie richtig zur Geltung kommt. Der Film funktioniert, wenn auch nicht in der Oberklasse sehenswerter Filme.
Sei’s drum: Im Publikum kam er an und überzeugte mit einer überragenden Mehrheit bei den Bewertungen der Sneak-Preview und sorgte somit für positive Stimmung selbst außerhalb der Kinos. Denn: Sogar in den U-Bahnen wurde anschließend fröhlich weiter darüber diskutiert und Späße gerissen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mehr als einmal würde ich ihn mir jetzt auch nicht anschauen, die Witze sind aber durchaus gelungen und treffen moderat den Geist der Zeit.
Das Zusammenspiel zweier Extreme wurde hier wunderbar miteinander verwoben, endet schließlich aber in einer etwas ernstzunehmenderen Länge, die sich zeitweise wirklich zieht.
Das gibt dem Film jetzt nicht den Todesstoß, jedoch spürt man, dass zum Schluss die Luft irgendwie raus ist.
Nichtsdestotrotz ist der Ausflug in diese Welt durchaus als sehenswert zu bezeichnen und erfreut ab Donnerstag hoffentlich auch ein paar mehr Kinogäste.

 
Nachspann
sollte mitgenommen werden, denn hier kommt noch ein bisschen was.

Unterwegs mit Jacqueline

Französisches Kino lässt grüßen – in den tiefsten Nischen dieser Welt. Ich war meiner Stamm-Mannschaft untreu und habe mich in ein Kino der extravaganten Art begeben, um dort einen Film zu frönen, der nicht in meiner Blockbuster-Schmiede läuft und daher als “Lückenfüller” für’s Blog herhalten musste.
Angelockt von dem Versprechen, französische Komödie zu sein, begab ich mich zu einer Zeit …. Spaß.
Aber mal ganz im Ernst: Das hier ist ein Film, den ich nach dem Schauen sofort als 14-Uhr-Streifen an Arte verkaufen würde, denn da passt der extrem wunderbar hin. Und wie ich einst schon einmal schrieb: Dieses Blog ist dem Kino gewidmet und nicht TV, dem Film oder gar dem Heimkino.
Unterwegs mit Jacqueline lässt sich nicht mit bekannten französischen Dauerbrennern vergleichen, die bereits auf der großen Leinwand ihr Debüt feierten und die ganze Welt begeisterten, sondern man rückt hier tatsächlich tief ins Dunkel des Nischenkinos und erfüllt somit keine großen Erwartungen, die man beim Durchlesen des “Klappentextes” vermutlich entwickelt haben könnte.
Der Titel birgt einen ganz besonderen Humor, der sich nicht an Stiltreue und Bekanntheitsgrad misst, sondern hier einfach eine etwas verquere, aber dennoch nicht uninteressante Geschichte erzählt, die streckenweise aber etwas langatmig wirkt und somit kein komplett rundes Bild abliefert.
Der Film ist herrlich anders, schräg und benötigt ein gewisses Maß an Zuspruch vom Zuschauer, um während der Spielzeit gänzlich bei der Stange zu bleiben und die teils schon an das türkische Kino angelehnte Irrsinnigkeit zu unterstützen.
Dass man jetzt hier im französisch-dekadenten Gourmet-Landschaftstempel versinkt oder gar in gefühlsduseliger Charmanzlastigkeit untergeht, verhindert die schrullige Art des Hauptdarstellers, der sich nicht mit Größen wie Christian Clavier messen kann.
Im Film selbst hat man genügend Momente, die derart komisch sind, dass man auch als antipathieträchtiger Zuschauer durchaus schmunzeln kann, jedoch war mir persönlich das Ende ein wenig zu abrupt und hier und da hatte man auch ein paar Längen, in denen die Wellen nicht mehr wogten, sondern kurzzeitig abebbten und somit für eine Unterbrechung der guten Unterhaltung sorgten.
Sucht man einfach mal etwas völlig anderes und erhebt dabei auch keine großartigen Ansprüche in irgendwelcher Art, kann mit diesem Film durchaus ein merkwürdiger Kinoabend garantiert sein, jedoch ist mir sehr stark aufgefallen, dass die Wahl des Kinos bei dem Filmangebot durchaus eine Rolle spielt.
Klar, in den ganz großen Unterhaltungsindustriemaschinen-Kinos erlebt man mit Sicherheit nicht den großen Tiefgang und die Abgeschiedenheit, die im Nischenkino geboten wird, allerdings wurde mir am gestrigen Abend wieder bewusst, wie extrem verwöhnt ich mit meiner ganz persönlichen Kinoauswahl bin, in denen solche Filme dann gleich nochmal ganz anders rüberkommen, als wenn sie etwas lieblos über die Leinwand geworfen werden. Bei diesem Titel ist das jetzt wahrscheinlich absolut kein Problem, allerdings würde ich mich hüten, Filme wie Independence Day: Wiederkehr in einem solchen Kino zu schauen – dafür müssen dann schon wieder meine Giganten herhalten, sonst wird das denke ich nichts.
Ein weiterer Punkt, der bei mir etwas negativ aufgestoßen ist, war der, dass den Charakteren nicht die nötige Umgebung geboten wurde, um sich vollends zu entfalten und hier eine Persönlichkeitsstudie auf den Tisch zu legen, die etwas völlig Unbekanntes beleuchtet und anschließend bei der Charakterentwicklung begleitet. Insofern war ich mit dem Wunsch, wieder einmal in eine erstklassige, französische Komödie abzutauchen, etwas alleingelassen worden und geboten wurde nur ein guter Fernsehfilm, der dann wohl auch eher in diesem Medium ausgestrahlt werden sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer einmal einen völlig abgedrehten Film sehen will, der nicht der türkischen Feder entstammt, darf hier ruhig zugreifen.
Man sollte sich jedoch von vornherein darüber im Klaren sind, dass Filme wie Nur eine Stunde Ruhe! in einer ganz anderen Liga spielen und mit diesem hier in keiner Weise vergleichbar sind. Wer also auf die französische Comedy als Karte setzt, wird dieses Spiel eher verlieren.

 
Nachspann
entschärft die Enttäuschung über den viel zu schnellen Schluss durch die Aufklärung weiterer Fragen, die am Ende des Films durchaus bestehen. Sobald das Bild dann aber tatsächlich schwarz wird, folgen keine weiteren Szenen.

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