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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Vin Diesel

Avengers: Infinity War (3D)

Einige haben mir nicht geglaubt, als ich geschrieben habe, Black Panther sei nur der sanfte Auftakt für den bevorstehenden Infinity War – und ab Donnerstag prescht eben jener auf euch nieder und mäht alles weg, was es bisher jemals gegeben hat.
Marvel macht seit jeher alles richtig. Figuren einführen, Geschichten liefern, mit denen der Zuschauer sympathisieren kann, das Universum langsam ausgestalten und dann die Brachialität zusammenführen und aufeinander loslassen.
Was andere Labels schmähhaft kopieren und damit kläglich scheitern, Marvel weiß die richtigen Schrauben anzuziehen und liefert etwas ab, bei dem ich nicht gegen den Pressetext wettere.
Leute?
DAS sind Superlativen.
Und zwar welche, die funktionieren!
Ich hatte es schon im Gefühl, dass sie mit Infinity War ein Gewitter auf uns loslassen und habe mich über all jene Meldungen gewundert, die aus Black Panther den “bislang erfolgreichsten Marvel-Film aller Zeiten” machten, denn gefühlt ist der in meinen Augen nur ein armseliger Abgesang auf das, was uns da bevorsteht.
Es ist Dienstag Nacht, ich zähle zu den Gesegneten, die den Film bereits vor die Füße gesetzt gekriegt haben und ich bin seitdem ein paar Kontinente tiefer im Kinosessel festgeklebt und komme nicht mehr hoch!
Äh … Sprachlos!
Und meine Erwartungen waren GIGANTISCH! Okay? Da gehört es normalerweise zum guten Ton, dass man während der Vorstellung dann permanent verarscht, enttäuscht und links liegen gelassen wird – und nichts dergleichen ist passiert: Jeder Blick gefesselt auf die Leinwand mit offenem Mund während ich nicht glauben konnte, dass man aus “Fantasie” so etwas erschaffen kann.
WAHHHHH!!! Jetzt zeigt sich erstmal, womit man in all den Jahren mit dem ganzen “Anteasern” der Machtspitzen überhaupt erst hinaus wollte, auch wenn man vorher beim .trailer manchmal das Gefühl hatte, dass Thanos als kleines rumhoppelndes Männchen kein ernstzunehmender Gegner werden würde, sondern eher eine enttäuschende Figur abliefern…
NEIN!
DEFINITIV NEIN!
Ich würde Avengers: Infinity War mal gelinde gesagt als superlativen Schlag in die Fresse eines jeden bezeichnen – ein Film, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Beim Nachspann sitzt du allen ernstes im Kino und fragst dich, ob die es auf die Reihe bringen und diesmal einfach mal keine After-Credits bringen? Weil das so ein niederschmetternder finaler Roundhousekick in die Fresse wäre – und ehrlich gesagt: Es hätte mich nicht verwundert.
Ja, auch ich habe mir die ein oder andere These zum Film im Vorfeld im Internet durchgelesen und mit der gleichen Amüsiertheit wie bei den ganzen “definitiv richtigen Apple-Vorhersagen” verfolgt, was nun denn in Infinity War passieren müsste. Leute? Lächerlich!
Eure Thesen waren allesamt lächerlich. Und wir alle sollten um Vergebung flehen und lernen, dass Marvel tatsächlich kein Filmlabel ist, sondern eine geheime Religion, die nicht nur vorgibt, Götter für die Leinwand zu produzieren, sondern auch im Stande dazu ist, diesen Göttern wahrhaftig Leben einzuhauchen!
Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, außer alles zu revidieren und mich geschlagen zu geben: Seit A Quiet Place – der im “Horror”-Sektor komplett aufgeräumt hat – ist etwas im Kino explodiert und wir alle sind jetzt entweder tot oder erleben gerade das geilste Filmzeitalter, das die Menschheit je hatte.
Infinity War gehört dazu!
 

.kinoticket-Empfehlung: Überlegt euch mal: Es gab 18 (!!!) – ACHTZEHN – Filme, die uns alle darauf vorbereitet haben, dass das hier kommen würde.
Und jeder davon war für sich ein eigener Riesenerfolg. Andere Filmreihen versuchen, immer größer zu werden, Marvel wird immer größer. Nach allem, was sie bisher abgeliefert haben, läutet man mit Avengers: Infinity War nun definitiv ein neues Kinozeitalter ein und hinterlässt tiefe Spuren, die dutzende andere Arbeiten gemeinsam bei weitem nicht wegzudrängen vermögen.
Geht in die größten Kinos die ihr findet – schöpft und kostet das neue Dolby Atmos aus und lasst euch einfach gehörig schön wegbomben – es macht endlich wieder einmal richtig Spaß – und das ohne eine einzige Pause!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel.
Kinostart: 26. April 2018

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (3D)

“Nein, Schatz, wir bleiben jetzt hier so lange stehen, bis so ein verdammtes Kind kommt und uns dieses Ticket wieder abkauft, der Film ist echt scheiße, glaub mir! Der ist total blöd.”
(Zitat eines Besuchers im Kino an der Kasse, dessen Name ich nicht kenne)

Denken wir einfach mal wieder in Klischees. Nehmen wir die alteingesessenen Omas mit trockenem Streuselkuchen, die brav jeden Sonntag in die Kirche rennen und bei denen es sich nicht geziemt, dumm daher zu quatschen, könnte man obiges Zitat auf jeden Fall verstehen. Wer Guardians of the Galaxy kennt, wird die Fortsetzung lieben. Wer damit nichts anfangen kann, sollte womöglich doch mal einen Blick mehr in die Materie des Films werfen und sich vielleicht sogar den wahnsinnig gut gemachten Teaser anschauen, um einen ungefähren Einblick in das – verständlicherweise – wirre Geschehen dieser Storyline zu ergattern, denn normal ist hier tatsächlich nichts

Viele wissen ja noch nicht mal mehr, dass dieser Teil aus der Reihe der Avengers-Filme entspringt und eines Tages mal Part einer “Wir zeigen alle Marvel-Filme am Stück im Kino”-Session sein könnte. Und bevor ihr großartig suchen müsst, gibt’s … weil heute Sonntag ist und wir alle gelernt haben, dass jeden Sonntag hier Trailer am Start sind …

… den Trailer im O-Ton vom zweiten Teil der Beschützer des Universums. Here we go – präsentiert von © Marvel Entertainment:

BAM. Ich glaube, damit hat man bereits einen ganz guten Eindruck, in welche Richtung sich der Streifen entwickeln wird, jedoch noch längst kein vollständiges Bild davon, was einen wirklich erwartet, nämlich:

  • wesentlich geilere Jokes als vorhersehbar
  • mehr Action
  • mehr Superlative
  • mehr Gagfeuerwerk mit höherer Schlagzahl
  • abartigstes räumliches 3D (Leute, investiert in das 3D-Ticket!!!)
  • und so ein Mega-Pack an irrsinnigem Klamauk, dass Kino einfach mal wieder richtig Spaß macht – ohne nachzudenken und mit ganz viel Popcorn

Wer will, darf auch gern öfters rein – ich werde mir definitiv noch die ein oder andere Vorstellung abgreifen (es lebe die CinemaxX Goldcard ^^) und hoffe, dass es mir sehr viele gleich tun werden – denn Teil 3 dieser Reihe ist bereits angekündigt und soll auch unbedingt produziert werden. Zumindest mal, was meine Meinung betrifft. Denn die Guardians gehören für mich mit zur coolsten Truppe der Avengers und haben bisher alle Ernsthaftigkeit oder Lustlosigkeit mit Humor, Flapsigkeit und zielführender Selbstsatire überspielt und somit jedesmal einen Volltreffer abgeliefert.

Warum man den Film sehen sollte

  • Weil’s kein vernünftiges 3D fürs Heimkino gibt
  • weil der Film überall NICHT wirkt, außer auf einer megagroßen Leinwand mit absolut gigantösen Boxen im Hintergrund
  • weil’s gemeinsam definitiv mehr Spaß macht und man bei der richtigen Lautstärke auch keine Popcornmahlmühlen-Sitznachbarn mehr neben sich stören hört
  • weil Filme wie dieser einfach nur fürs Kino geschaffen sind und nicht für kleinere Displays
  • weil die Guardians eine coole Gang sind, die nichts anbrennen lassen und bei denen auch niemals Langeweile aufkommt – trotz immens langer Spielzeit

.kinoticket-Empfehlung: Also: Ausreden fallen lassen, 3D-Ticket buchen und Abflug ins Kino.

Und zwar, so lange das Teil noch in den großen Sälen gespielt wird! Alles andere ist schwachsinnig, da keine Dorfklitsche das so auf die Reihe bringt, wie ein gigantisches Monsterkino, dass die entsprechende Hardware im Hintergrund hat und bei den richtigen Stellen nochmal auf verstecken Boost zurückgreifen kann.

Witzig, räumlich auf allerhöchstem 3D-Niveau, flott, kurzweilig und irgendwie auch völlig blöd (aber lustig-blöd) – und dadurch total sehenswert.

Nachspann
✅ Wer das immer noch nicht kapiert hat, kriegt für die nächsten 10 Marvel-Filme Sichtverbot: Der Publisher hat immer eine After-Credits-Scene, diesmal sogar mehrere. Also jedes Mal, wenn im Vorspann Marvel auftaucht, bleibt man bitte bis zum bitteren Ende sitzen! Jedes. Einzelne. Mal!

Kinostart: 27. April 2017

Original Title: Guardians of the Galaxy Vol. 2
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12

Fast & Furious 8

Zeit für Superlativen! Regisseur F. Gary Gray geht mit dem Fast & Furious-Franchise morgen in die legendäre 8. Runde und läutet damit ein neues Kinozeitalter ein.
Man lasse sich die Fakten auf der Zunge zergehen:
Teil 1 ist bereits 16 Jahre alt und zog damals mit erfrischend neuen Ideen um die Ecke, begeisterte Fans, Autoschrauber und eine komplett neue Community im Kino, woraufhin dann ein “üblicher zweiter Teil” gefolgt von einem abstürzenden dritten Teil folgte. Soweit, so gewöhnlich.
Mit der Neuauferstehung Dominic Torettos in Teil 4 kam die eingeschworene Fangemeinde zurück und was dann folgte, ist bislang einzigartig in der Filmgeschichte: Die Macher und Konstrukteure dieser Reihe haben es geschafft, ein Filmepos aus einem vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich auf ein höheres Level zu heben und ihre Anhängerschaft bis hin ins aktuelle Jahrzehnt mehr und mehr zu begeistern.
Während man im fünften Teil böser wurde und sukzessive neue Charaktere einführte, die die Familie der Filme zunehmend bereicherten, landete man in Fast & Furious 7 dann an einem Punkt, an dem man langsam damit anfing, seine Glaubwürdigkeit für immer neue Größe zu opfern. Selbst Fans begannen, sich langsam vom Geschehen abzuwenden und sahen das Ende der Serie kommen.
Nun kehrt die Truppe auf die Leinwand zurück und leistet mit Fast & Furious 8 das Unmögliche: Man begibt sich mit der Glaubwürdigkeit wieder absolut down to earth und zieht dabei die Actionschrauben nochmal gewaltig an.
Leute? Morgen bricht ein neues Kinozeitalter an, das selbst außerhalb der Lichtspielhäuser Maßstäbe setzt und Dinge vollzogen hat, die bis dato ungeschehen waren.
Allein schon mit der Veröffentlichung des Trailers hat man globale Rekorde aufgestellt und der Vorläufer entpuppte sich zum heutigen Zeitpunkt als sechsterfolgreichster Film aller Zeiten! Ich glaube, dass diese Zahl mit dem aktuellen Film nochmal nach oben korrigiert werden kann. Also mal ein paar kleine Einsichten hinter die Kulissen.
 
Kuba
Das erste Mal überhaupt in der Geschichte von Hollywood durfte so eine Megablockbusterfraktion innerhalb Kubas drehen. Dank den entspannteren Verhältnissen zur Zeit von Obama wurden Verhandlungen zwischen den Regierungen geführt, die ermöglichten, dass ein sensationeller Part des Films sich innerhalb dieses wunderschönen Landes abspielt.
Die Produzenten berichten von einem mega herzlichen Aufgenommen werden und Willkommen sein auf der Insel und erlebten dort einfach Unfassbares. Selbst das Verladen von Set-Autos wurde von den Inselbewohnern beklatscht sowie das Auftreten von Toretto & Co. bejubelt. Überall erfuhren sie Hilfe und konnten damit einen fulminanten Start der Beziehungen zwischen den USA und Kuba aufbauen.
Problematisch beim Dreh war, dass sie alle Teile, Autos, Werkstattequipment und Co. selbst mitbringen mussten, da auf dieser Insel keinerlei Vorräte waren oder man nicht einfach so leicht an neue Teile oder zusätzliche Karren zum Verschrotten kam. Und das Ergebnis kann sich mal sowas von sehen lassen. Dieser Geist, den Kuba innehat, trifft quasi genau den Kern dessen, wofür die Fast & Furious-Reihe steht.
 
Über 17 Millionen Dollar
für eine Szene, an der weltweit Menschen ihren Teil dazu beigetragen haben, um die Schönheit, Eleganz, den Prunk und den Flair zu erhalten und zu erweitern: Ich sage jetzt bewusst nicht, um was es sich handelt und welche Szene gemeint ist, aber sobald man im Film sitzt, spürt man es – man merkt es – allein schon anhand des Raunens in der Menge.
Jungs, Mädels, wer auch immer – das, was euch da geboten wird, ist einfach einen verdammten Blick wert! Allein schon deshalb, weil sich die Macher so immens viel Mühe gemacht haben und das Ergebnis einfach ATEMBERAUBEND ist!!!
 
Die Familie
Dazu der Plot, dazu das Händchen, dass man beim Cast auch hier wieder bewiesen hat – wie Charaktere eingearbeitet werden, die verschiedenen Teilnehmern auf irgendwelchen Parties gegenüberstanden und ihre Sympathie für Autos bekundeten – ich denke, genau das macht diese Reihe aus: Dass die Menschen nicht nur etwas spielen, sondern es tatsächlich sind.
Sie SIND diese Familie, die sie auf der Leinwand konzipieren wollen. Sie haben die Brüderlichkeit untereinander, sie leben es und tun nicht nur so, als ob. Roman Pierce hat am Set eine Lounge eingerichtet, in der sich die Darsteller zwischendurch ausruhen konnten, Parties feiern, den Feierabend genießen und dergleichen – diese innige Liebe und Beziehung zwischen den einzelnen Darstellern ging auch weiter, wenn die Kameras längst wieder aus waren und es sozusagen keinen mehr interessierte.
An dieses Maß an Authentizität heranzureichen ist gestellt absolut nicht möglich – und durchbricht hier Mauern, die man vorher nicht ansatzweise wackeln sah. Und damit lässt der 8. Teil als Auftakt der finalen Trilogie ein Bauwerk in sich zusammenstürzen und präsentiert sich mit einem derartig mächtigen Knall, dass einem permanent nur die Gänsehaut steht – ob durch die rasante Action oder die emotionale Tiefe, die man hier zwischen all den Motoren, Autos und dem Öl und Benzin niemals außer Acht lässt.
Gerade der Fakt, dass jeder Einzelne bereits in den Vorgängerfilmen seinen Part zugesprochen bekommen hat und man jetzt mit dieser explosiven Mischung arbeiten kann, macht einem als Kinojünger das Leben echt schwer…
Aber ich möchte euch gar nicht länger hinhalten, sondern hoffe inständig, ihr habt während dem Lesen bereits Karten reserviert, denn …
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film wurde nicht fürs Kino gemacht, sondern die Kinos wurden gebaut, um Filme wie diesen zu würdigen!
Geht in diesem Film – geht einfach in diesen Film und scheißt drauf, ob euch der 7. Teil zu heavy oder unglaubwürdig war oder nicht, hiermit machen sie alles – einfach alles (!!!) wieder gut!
Leute, ich hab keine Ahnung, wie man das in noch zwei weiteren Filmen toppen will – ich weiß es echt nicht! Mich hat es übelst vom Hocker gehauen und ich werde ihn mir diese Woche nicht nur zum 3. Mal ansehen!
Mögen die Jeans gut genäht sein, damit sie während der Vorstellung vor Geilheit nicht reißen! 😉

 
Nachspann
hält diesmal keine Nachszenen mehr bereit, aber wir wissen ja, dass Teil 9 und 10 noch folgen werden.

Die irre Heldentour des Billy Lynn

Zugegeben, der Titel liest sich ein bisschen wie in der verkanteten Ecke einer zahlreich bestückten Bibliothek, in die man als Nicht-Literatur-Fanatiker wohl kaum vorstoßen würde und sich dadurch unterschwellig fast schon die Frage stellt, ob man da überhaupt drüber nachdenken sollte, reinzugehen.
Man sollte.
Also nicht nur drüber nachdenken, sondern reingehen.
Die irre Heldentour des Billy Lynn greift eine Geschichte auf, die sich nicht nur mit dem in den USA so beliebten Thema “Krieg” auseinandersetzt, sondern auch in die kulturellen Gepflogenheiten dieses Landes eingreift, sie analysiert, stumm kritisiert und Dinge aufzeigt, die dem gemeinen Tagesschau-Zuschauer so wohl kaum ins Auge stoßen werden.
Wer hier jetzt die abartigsten Kriegsdemonstrationen mit viel Geballer, unglaublicher Gewalt und dem üblichen Blabla über Irak, Iran, Syrien und den ganzen Mist erwartet, der dann in patriotischer Manier fieberhaft von den geldgeilen Filmproduzenten in irgendeiner Art und Weise “verarbeitet” wird, um das amerikanische Publikum möglichst Army-wirksam zu beeindrucken, der geht mit den völlig falschen Erwartungen in diesen Film.
Was mir hier von der Leinwand entgegen gestoßen ist, waren unglaublich sensible Gefühle, eine Geschichte, die dein Herz tief angreift und etwas über einen Jungen erzählt, dass dir nicht nur fast die Tränen in die Augen treibt, sondern hier und da dein Herz bricht.
Das “irre” im Titel sollte man stellenweise tatsächlich als Wegweiser und Hinweis auffassen, was die Machart und Darstellung angeht. Ich fürchte, hier auf dieser Seite des Teichs wird dieser Film wohl nicht so eindrücklich aufzeigen, welche Andersartigkeit in diesen beiden Welten steckt, die vom Regisseur meiner Meinung nach recht gut und von sich selbst distanziert dargestellt wurden.
Mir hat nicht nur das Tänzeln und die Ineinanderverwebung gefallen, sondern auch die unglaubliche Fürsorge, die man hier in die Emotionen eines kleinen Jungen gesteckt hat, der sich dieser Situation auf seine Weise stellen muss und hier eben nicht nur sich selbst Rechenschaft schuldig ist.
Ich muss dazu sagen, dass ich ein “gebranntes Kind” bin, da mein Bruder in der Armee dient und ich somit einen besonderen Bezug zu diesem Thema habe. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – fand ich die Botschaft, die man uns hier überbringen wollte, umso eindrücklicher.
Die Perversion entsteht mal nicht durch irgendwelches Zerfetzen von Menschen, Fleischstücken und Blut, sondern findet auf einer völlig anderen Ebene statt, die damit wiederum hart die amerikanischen Kultureindrücke infrage stellt und somit zur Diskussion anregt.
Nicht nur ob dieser Tatsache ist Die irre Heldentour des Billy Lynn für mich ein sehr wertvoller Film, der die Gesellschaft durch Reflektionen, Provokationen und Aufarbeitungsversuche aus ihrem Tiefschlaf reißen will und Dinge auf den Tisch legt, die genauso diskutiert gehören wie die Tatsachen in Erschütternde Wahrheit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Filmkunstwerk, dass sich mit aktuellen Thematiken auseinandersetzt und sie aus einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet, ohne dabei ins Sinnlose oder niedrige Niveau abzurutschen.
Die Macher arbeiten hier mit sehr sensiblen Bildern, tasten sich dabei zärtlich in immer schlimmere Bereiche vor und führen dem Zuschauer eine Welt vor Augen, die uns die Medien in dieser Form bisher vorenthalten.
Die zaghaft-feinfühlende Weise, mit der man sich hier einem so harten Kern widmet, ist fast schon auszeichnungswürdig.
Ein Kinobesuch bedeutet hier garantiert eine Bereicherung fürs eigene Leben.

 
Nachspann
Keine Bilder, keine After-Credits Szenen, nichts weiteres – nur alle Teilnehmer in den üblichen Listen. Rausgehen erlaubt.

xXx: Die Rückkehr des Xander Cage (3D)

Wir sind in einem Kinozeitalter angekommen, in dem die Technik das Bewusstsein des Menschen längst überholt hat. Smartphones, die weit über den Standards dessen sind, was damals angeblich zur Mondlandung verwendet wurde, und CGI-Animationen sowie technische Täuschungen, die erst auf Nachfrage hin enttarnt werden, gehören heute fast schon zum guten Ton.
In so einem Zeitalter ist xXx: Die Rückkehr des Xander Cage entstanden und triumphiert mit einem 3D, das nicht nur sensationelle Raumtiefe aufweist, sondern durchaus wieder Maßstäbe setzt respektive beweist, dass wir tatsächlich in dieser Moderne leben.
Vin Diesels Auftritte gehören aber nicht zur abgeflacht-mauen Form dieses Jahrzehnts, sondern er brilliert hier mit imposanten Stunts und lässt das Action-Kino des Millennium wieder aufleben, aus dessen Jahrzehnt auch die Vorgängerteile von Triple X stammen.
Eben jene, die damals richtig Spaß dabei hatten, ihren Titelhelden dabei zuzusehen, wie sie die Welt um sich herum für irgendeinen simplen Sinn in Schutt und Asche gelegt haben, werden mit der aktuellen Fortsetzung erneut in den Kinosessel gefesselt und nicht nur mit altbewährter Action überhäuft, sondern auch mit Stunt-Szenen, die Maßstäbe in Detail, Dreidimensionalität sowie Ästhetik setzen und sich damit fast schon zur Kunstform emporheben.
Ganz im Ernst: Die Dialoge, die “Bösewichte” im Film gehören zurück in die 90er, ihre stupiden und teilweise lächerlichen Darstellungen passen genau in das gewollte Actionkino dieses Jahrzehnts, was auch einen sehr genauen Eindruck des Zielpublikums vermittelt – die Actionmomente selbst jedoch steigen in eine ganz andere Liga auf.
Man spürt deutlich, dass man hier mehr als stumpfes Rumballern zeigen wollte und mit Kamera-Choreografien um sich wirft, die mich tatsächlich an liebevolle Kunstszenen erinnern statt an stupide Gewehrsalven und Haudrauf-Szenen.
Damit trifft man den Kern der Aussage und holt tatsächlich all jene, die ihre einstigen Helden wieder im Kino erleben möchten und liefert ihnen alte Geschichten in modernster Form auf der Leinwand.
Zur Jahrhundert-Umwälzung wird diese Fortsetzung wohl kaum mutieren, und sich extrem lange im Kino halten wohl auch nicht, allerdings reicht das Aufgebot bei weitem aus, um wieder mal einen so richtig abgefahrenen Action-Abend zu genießen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also: Popcorneimer voll machen, Hirn leer, hinsetzen und die Show genießen.
Die Sinnhaftigkeit gleicht derselben aus vergangenen Jahrzehnten aus diesem Genre, hier wird nicht viel modernisiert, die Grafik hat sich aber abartig verbessert und die Choreografien der ästethischen Kameraführung sind ein Augenschmauß sondersgleichen.
Und noch ein Pluspunkt zum Schluss: Diesel ist nicht austauschbar und sympathisiert hier wieder als ein Unikat vergangener Jahrzehnte.

 
Nachspann
Abgesehen vom Soundtrack passiert hier nichts sehenswertes mehr.

The Last Witch Hunter

Schon als ich den Trailer gesehen habe, wusste ich: Das Ding hier wird ganz groß! Und ehrlich gesagt habe ich an meinem Kinotag eigentlich nur auf diesen Höhepunkt hingefiebert.
Vin Diesel steht ja nicht erst seit Fast and Furious für großartiges Kino. Schon in seinen älteren Filmen merkt man ihm an, dass er nicht nur Geld verdient, sondern sein Schauspiel lebt und voll bei der Sache ist. Das gilt auch zu 100% für The Last Witch Hunter. In all den Jahren, in denen mir als Geister-/Hexen-/Übernatürliches-Liebhaber immer wieder Filme dieses Genres vorgesetzt wurden, habe ich noch nie einen derart ernstzunehmenden, vorbildhaften und großartigen Film mit derart viel Liebe zum Detail, Leidenschaft und Hingezogenheit zur Epik erlebt wie hier.
Allein so manche Szenen, in denen das Drift-Spiel zwischen den jeweiligen Welten vollzogen wird, grenzen nahezu an echte Magie. Und oben drauf: Man erlebt hier nicht nur die uns an Halloween wieder überschüttende Liebe für Grauen erregenden Kitsch, sondern wird vor bösartige Tatsachen gestellt, dass sich vor Freude die Nackenhaare aufstellen: Die Hexen sind endlich wieder böse, das Genre erfindet sich durch Ernsthaftigkeit und dunkle Vollkommenheit herrlich neu – das Fadenspiel zwischen übertriebener Brutalität und spinnerhafter Hokus-Pokus-Witzigkeit wurde sagenhaft gemeistert und derart brillant ausbalanciert, dass man vor Freude schreien möchte.
Kurzum: The Last Witch Hunter ist bis dato der beste Hexenfilm, den ich je gesehen habe. Und gleichzeitig kein Massenprodukt, denn die Tatsache, dass man die Vorstellungen auf spät abends verlagert, hat ihre Gründe. Und genau hier sehe ich nur Vorteile: Man ist endlich bereit dazu, mit Millionen von Dollars in Nischen zu springen und diese gebührend auszufüllen. Man verzichtet auf die allgegenwärtige Weichzeichnerei bei Charakteren und Darstellung und befriedigt eben endlich mal nicht die Masse, sondern die Randgruppen und respektiert somit, dass nicht jeder automatisch die gleiche Gemeinsame-Teilmenge-Meinung besitzt wie irgend ein Trend es vorzugeben versucht.
Hut ab!
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von Mysteriösem auf der Leinwand sollte man sich diesen Film unbedingt ansehen.
Die Twilight-Massenphänomen-Weichzeichnerei ist vorbei. Endlich ist das Böse wieder böse, das Gute wieder menschlich und die fantastische Darstellung so, dass auch Menschen mit unterschiedlichen Geschmäckern daran Gefallen finden.
Ein Film, von dem gerne mehr kommen darf – und laut Diesel demnächst auch werden wird.

 
Nachspann
gibt es keinen, dafür aber saftige Bilder, wahnsinnige Animationen und jede Menge diffuse Welten, durch die es zu spazieren mächtig Spaß macht.

Fast & Furious 7

Ich glaube, dieses Jahr gab es keinen Film, auf den ich so sehr hingefiebert habe, wie Fast & Furious 7. Als das Startdatum näher rückte, war für mich klar, dass irgendwas in Richtung Kino laufen musste.

Also habe ich mich passend zum Car-Samstag geschlagene 16 ½ Stunden ins Kino gehockt und mir alle Teile dieses Franchise-Spektakels am Stück auf der großen Leinwand gegeben.

The Fast & The Furious
Die Idee, die an Genialität und Straßenlage kaum zu toppen ist und alle bisherigen Renn- & Straßenfilme von der Bühne verweist.

2 Fast 2 Furious
Ein üblicher Nachfolger, basierend auf dem Erfolg des ersten Teils, in dem auch Vin Diesel nicht mitspielt. Solide, witzig und die beiden Hauptcharaktere machen eine gute Figur.

The Fast & The Furious: Tokyo Drift
Völlig von Laien vereinnahmt bildet dieser Teil für mich den absoluten Tiefpunkt der Reihe. Das stümperhafte Zurschaustellen von Möchtegernmachos umhüllt mit billigen Dialogen, die die Geschichte kein Stück weiter tragen.

Der Cameo-Auftritt am Ende hat insgesamt mit seinen drei Minuten weit mehr Stil als der komplette restliche Film zusammen.

Fast & Furious: Neues Modell. Originalteile.
Back to the roots. Mit der Original-Crew und einer Düsterness, die einem wahrlich zu denken gibt. Grandios den Aufschwung nach oben gemeistert und somit spektakulär zurück im Spiel.

Fast & Furious 5
Es fängt an zu krachen, ein neuer Player kommt auf den Plan und beide Showgrößen liefern hier exzellente Action, die Teil 4 weit in den Schatten stellt. Es wird immer mächtiger.

Fast & Furious 6
Unfassbar: man steigert sich tatsächlich wieder und rutscht kein Stück in Übertreibung oder Schmach ab. Es knallt immer heftiger und auch hier landet man einen grandiosen Sieg, der nahezu nach Fortsetzung schreit.
Und die kam dieses Jahr dann endlich in die Kinos und feiert seitdem einen Mega-Erfolg nach dem anderen. Zurecht!

Fast & Furious 7
Aufgrund des tragischen Tods von Paul Walker, der seinerzeit ja durch die Medien ging und weltweit nicht nur die Fangemeinde von Fast & Furious aufgeschreckt hat, war klar, dass es in diesem Film sehr emotional zugehen würde.

Wer jetzt erwartet, dass man hier die übliche Klischeekiste auspackt und mit allem punktet, was man als Zuschauer erwarten würde, der liegt gehörig falsch.

Die Geschichte bringt erneut einen Teil-6-Cameo-Auftritt-Player ins Spiel, der sich mit den bereits aus den Vorteilen aufgebauten Teams wacker durch die Geschichte kämpft, die diesmal von Coolness und scheiß geilen Sprüchen kaum zu überbieten ist.

Wer meint, dass es jetzt langsam anfängt, lächerlich zu werden, der irrt gewaltig. Auch wenn ein neuer Regisseur im Spiel ist, dessen teils gewöhnungsbedürftige Drehweise man sehr deutlich zu spüren bekommt, so verliert die Fast & Furious-Reihe dadurch absolut nichts von ihrem Charme, sondern gewinnt im Gegenteil zusätzlich an frischem Geist und einer Lebendigkeit, die sich in Form von noch größerer Wut und noch viel mehr Action äußert.

Leute, wenn ihr die Qualität eures Kinos austesten wollt, dann geht in Fast & Furious 7. Die Rivalitäten werden nicht mehr nur hinter ganz normalen Steuern ausgetragen, sondern gleichen epischen Schlachten, wie man sie von Heldenfilmen erwarten würde, dort aber nicht in der Größe und Wucht bekommt, wie im 7. Teil dieser Saga.

Es ist verblüffend, wie viel Munition man abfeuern kann und welche Kaliber da aufgefahren werden ohne dass dabei auch nur irgendjemand an das Wörtchen ‘Übertreibung’ denkt. Du hockst da und es kracht, dass dir Hören und Sehen vergeht während dein Hirn permanent nur eines schreit: “Wow – mehr!”

Wo andere Filme kläglich scheitern führt Fast & Furious 7 hier einen Siegeszug, der an Feingefühl und Sensibilität für Richtiges nicht zu überbieten ist. Man spürt allgegenwärtig die Präsenz einer nicht greifbaren Professionalität, die in Würde und Ehre die Unantastbarkeit dieser Serie ausmacht und dessen Erhabenheit nicht zur Debatte steht. In diesem Schaffen steckt so viel Können, das jederzeit aus allen Ecken und Enden hervor greift und aus dem Film ein Meisterwerk macht, das zurecht einem Thema gewidmet ist, dem sich nicht nur Dominic Toretto als Anführer der Autogang verschrieben hat, sondern auch von der real dahinterstehenden Person leibhaftig vertreten wird.

Man spürte bereits in seinen Facebook-Posts, welche Wichtigkeit hier die Familie einnimmt. Diesel gehört zu den Schauspielern, denen ihr Publikum nicht egal ist und ich glaube, dass der Wert der Familie ein ganz zentraler Punkt ist, der dieses Franchise überhaupt derart funktionieren lässt. Du bist als Zuschauer mit ihnen aufgewachsen. Du sitzt mit am Tisch. Du erlebst Leid und Trauer, Freude und Siege, Partys und Alleinsein hautnah mit und gehörst einfach dazu.

Vor dieser Fan-Verbundenheit schreckt Teil 7 auf keinen Fall zurück, sondern prescht mit einer emotionalen Flutwelle über dich herein, die es mit einem Fingerschnippen schafft, dass 400 Kinozuschauer Tränen in den Augen haben.

Mächtig mächtig großes Kino, das einen ganz großen Schauspieler mit einer Pietät entlässt, die ich den Machern in dieser Form nicht zugetraut hätte.
Vielleicht war das auch der Grund, weshalb ich mir den Film als Event gleich ein zweites Mal im Kino angeschaut habe. Und ganz ehrlich? Es könnte passieren, dass ich noch ein drittes und viertes Mal im Kino lande, denn dieser Streifen wurde nicht für kleine Fernseher und billige Anlagen erschaffen, sondern verlangt nach ebenbürtiger Technik, die dem Gezeigten die ihm gebührende Größe erweist.

Die Endgültigkeit, mit der die einzelnen Schauspielgrößen hier ihre Rolle zum Besten geben, fasziniert. Die brachiale Wucht von Effekten und Sound gepaart mit der muskelprotzenden Kraft der tragenden Elemente überzeugt. Die Story driftet kein einziges Mal in Richtung Langeweile. Die Aufgaben werden härter, die Zeit knapper, die Lösungsansätze irrer. Die Grenzen verschwimmen nicht nur, sondern lösen sich völlig auf. Und all das, ohne zu übertreiben, ohne den Kunden zu verarschen und in seinem Intellekt zu beleidigen.

Diesmal geht es eben nicht nur um Geschwindigkeit, sondern um das wichtigste, das dem Menschen jemals geschenkt wurde: Die Familie.

.kinoticket-Empfehlung: Spätestens bei der Veröffentlichung der Blu-ray wirst du dich verfluchen, wenn du nicht im Kino warst.

“Kino. Dafür werden Filme gemacht.” bewahrheitet sich hier in einem bisher noch nie dagewesenen Ausmaß, das kaum Spielraum nach oben zulässt.

Geht rein, erweist Paul die letzte Ehre und erhaltet im Gegenzug dazu einen Film, der definitiv jeden abholt und auf den blanken Asphalt schmeißt.

Action, Kracher, Dialoge, Ideen und Extravaganz feiern hier nicht nur Party, sondern beleben das Ganze in einer Form, die alles andere grinsend in den Schatten stellt.

Wer hier nicht rein geht, der ist selber schuld.

Nachspann
✅ ist in diesem Teil Pflicht. Bleibt einfach sitzen.

Kinostart: 1. April 2015

Original Title: Furious 7
Length: 137 Min.
Rated: FSK 12

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