.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Vorstadt

Suburbicon

Würdet ihr Angela Merkel etwas abkaufen, wenn diese Dame aufs Podium tritt und verkündet, dass sie etwas mitzuteilen hat? Man würde ihr vielleicht aus Respekt zuhören oder einfach nur mitkriegen wollen, was da passiert, weil’s nunmal eine wichtige Persönlichkeit ist, aber ernst nehmen und anschließend danach leben ohne zu hinterfragen, wieso sie das sagt, was sie sagt? Niemals. Ich zumindest nicht.
Wie sieht’s bei George Clooney aus? Schon ganz anders, hm? Er hat zwar längst nicht so einen massiven politischen Einfluss auf die Welt, aber er hat bereits früher durchblicken lassen, dass er etwas zu sagen hat – und dazu auch noch etwas in der Birne und ich finde, selbst Jugendliche tun gut daran, sich die Zeit zu nehmen und ihm zuzuhören.
Mit seinem neuen Regiewerk Suburbicon trifft er nämlich mit einem ziemlich wichtigen Thema auf den Kern und offenbart eine hässliche Fratze, die seinerzeit zwar von Vorvorgenerationen erschaffen wurde, jedoch heute wieder beginnt, in vielen Köpfen unserer Nation zu sprießen und seine verdorbenen Früchte zu tragen, weil – wie damals auch – niemand genau hinsieht.
Jetzt kann man hinsehen – so man möchte – und wenn es einfach nur stupide auf die Leinwand ist. Clooney vollbringt nämlich das krasse Wunder, eine völlig komplexe Eigenart in verständliche Bilder zu packen, diese beeindruckend und umwerfend dem Publikum zu präsentieren, damit Humor und Unterhaltung nicht zur Seite zu schieben und dennoch eine der wichtigsten Lektionen begreiflich unters Volk zu verteilen, so dass der Zuschauer sich hinterher weder vors Gesicht gestoßen noch moralisierend belehrt fühlt und dennoch mit unglaublich wertvollen Gedanken wieder aus dem Saal gestoßen wird, die es nun umzusetzen gilt.
Und wie aktuell das Werk, wie wichtig seine Message derzeit ist, merkt jeder, der auch nur ansatzweise etwas von Suburbicon mitkriegt.
Leute: Es lohnt sich und zählt fast schon zu den ehrenwerten Bürgerpflichten, sich mit diesem Stoff auseinanderzusetzen und zu verstehen, inwieweit uns alle diese Belange angehen.
Und wer jetzt meint: Mäh, wieder nur so Politikmüll, der uns zum 100.000sten Mal sagen will, wer wann wo scheiße ist: Falsch. Auch ihr könnt rein und einfach einen wahnsinnig unterhaltsamen, spannenden Kinoabend erleben, der definitiv seine Spuren hinterlassen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wie anders sollte man es bezeichnen, als ein absolutes Meisterwerk, dessen Brillanz darin liegt, Vergangenes aktualisiert auf die Leinwand zu werfen und damit die Wut und den Ärger vieler aufzugreifen, um ihnen zu zeigen, wohin das alles führen wird.
In letzter Zeit gab es keinen politisch dermaßen relevanten Film, der zusätzlich über genügend Entertainment und Spannung verfügt, um auch Nichtinteressierten einen herrlichen Kinoabend zu bescheren und dennoch unterschwellig eine Botschaft zu verteilen, deren Wichtigkeit man nur unterstreichen kann.
Reingehen, verinnerlichen und anschließend nach guten Maßstäben leben!

 
Nachspann
folgt ohne weitere Szenen oder zusätzliches Material. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 9. November 2017

It Follows

Keine Frage: Der Trailer war gut und auch die Presse lobt das Teil in allen Ehren – nur kann ich nach der Vorstellung kein bisschen verstehen, warum.
Dass in Horrorfilmen nicht alles immer so ist, wie man es aus der Realität kennt, ist auch an mir nicht vorüber gegangen. Aus diesem Grund war ich gespannt, welche abstruse Geschichte man sich dieses Mal ausgedacht hatte, denn das Intro ist durchaus wahnsinnig genial und birgt enormes Potenzial, um daraus einen verdammt guten Film zu machen.
Doch Gruselfeeling kommt hier so gut wie gar keins auf. Nachdem quasi als “Start” mehr oder weniger die Auflösung präsentiert wurde, folgt nur noch zusammenhang- und vor allem grundloses Handeln, das weder irgendwelche Konsequenzen hat, noch irgendeinen Sinn ergibt.
Selten habe ich so viele Logiklöcher gepaart in einem einzigen Film zusammen entdeckt und selbst am Schluss, als irgendwo stümperhaft versucht wurde, “das Böse” zu besiegen, fragt man sich die ganze Zeit, warum nicht die logischste aller Handlungen zuerst erledigt wird und staunt darüber, dass sie überhaupt nicht erledigt wird – weder von den Guten, noch von den Bösen.
Die Inkonsequenz beim Brechen von Regeln wird auch hier mal nicht, mal doch abgestraft – auch da wieder die erfolglose Suche nach dem allgemeinen Sinn.
Und der Schlussakkord als solches lässt eher Frag- und Ratlosigkeit im Raum, als ein genialer Geniestreich zu sein. Dass hier ganz klare Honorierungen an das Gruselkino der 70er Jahre verteilt werden sollen, mag löblich sein, zündet jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass die heutige Jugend schon so gut wie alles gesehen hat, kaum mehr, denn ein böser Blick einer ganz normalen Person reicht nicht aus, um die Gänsehaut über den Körper zu verteilen.
Dass hinterher darüber spekuliert werden soll, die Gedanken angeregt werden soll – ja, nur ernsthaft in der Form, dass ich das komplette Konzept des Films in Frage stellen muss und quasi ganz am Anfang eines Drehbuchs stehe, wo alle Möglichkeiten noch offen sind?
Meinem Begleiter und mir sind tausende Beispiele auf der Rückfahrt eingefallen, wie man es hätte machen können und auch er war der Meinung, dass das komplette Konzept sowas von unausgereift ist und man eher das Gefühl hat, sie “hätten einfach nur etwas gemacht, damit sie was abliefern können” ob das nun Sinn ergibt oder nicht, ist Nebensache.
Schade, denn die Idee ist einfach grenzgenial, aber so wirkt das etwas wie die Kindergartenversion von The Walking Dead, die aber absolut kein Gruselfeeling aufkommen lässt, sondern eher Zornesröte ins Gesicht trägt, ob des Geldes, dass man evtl. für das Eintrittsticket bezahlt hat.
Achja nochwas: Ich verstehe, dass nicht jeder die Kohle hat, um Hans Zimmer oder andere Orchestergrößen zu engagieren, aber musikalisch hätte man bei diesem Film auch … äh … alles? besser machen können. Meine Meinung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ist man selbst Filmemacher, bekommt man hier eine Latte frischer Ideen, die man in sein eigenes Geschichtskonzept einbauen kann, um daraus einen spannenden Film zu drehen.
Als Zuschauer fühlt man sich eher verarscht, denn die bausteinhafte, zusammenhanglose und sinnlose Art, mit der diese Idee hier verwurstet wird, zeugt nicht von Genialität, sondern eher von Lustlosigkeit und paradebeispielhaftem Versagen, was Logiklücken und kontinuierliche Sinnhaftigkeit angeht.
Schade, denn der Einfall ist wirklich cool und machte tatsächlich Lust auf mehr.

 
Nachspann
darf getrost ignoriert werden.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén